Mit ‘Daniela Bianchi’ getaggte Beiträge

Lucio Ridolfi (Vittorio Gassman) reist mit seiner Gattin Hilde (Emma Danieli) sowie Freund Riccardo (Adolfo Celi) und dessen Frau Simonetta (Isabella Biagini) in einen Winter-Kurzurlaub nach Sestriere. Die beiden Männer hätten eigentlich gern einmal Ruhe vor ihren Frauen, um hemmungslos flirten zu können. Mit einer Finte entledigen sie sich der beiden und stürzen sich sogleich ins Abenteuer. Für Lucio endet das aber schon bald mit einem Schock: Im Haus seiner Eroberung Helen (Beba Loncar) wohnt er einer Ermordung bei, nur wenig später wird er nach Kairo verschleppt und rasselt dort in eine turbulente Spionagegeschichte …

Herrlich! Luciano Salces sich am Rande des Eurospy-Films tummelnde Komödie ist beseelt von jener wundersamen Mischung aus sonniger Sxities-Entspanntheit und quirliger Aufregung, wie sie nur Südeuropäer so sympathisch hinbekommen. Die Gimmicks, die in den James-Bond-Rip-offs stets eine zentrale Rolle einnehmen, sind hier gänzlich abwesend, stattdessen besinnt sich Salce auf die Stärken der Commedia all’Italiana, die auch dann noch im Mittelpunkt des Interesses bleiben, wenn er sie durch zeitgenössische Einflüsse aufpeppt oder seinen Helden durch die ägyptische Wüste jagt. Es geht letztlich doch immer um den italienischen Mann, seinen schlitzohrigen Machismo einer-, seine Hasenfüßigkeit andererseits sowie die diese Eigenschaften kongenial ergänzende Biestigkeit bei geradezu grotesker Vertrauensseligkeit seiner Frauen. Die besten Szenen hat SLALOM dann auch zu Beginn, wenn er noch eine ganz normale Beziehungskomödie um zwei Männer in den „besten Jahren“ und ihre Ehefrauen ist: Gassman und Celi sind göttlich im Zusammenspiel, wie sie wissende Blicke austauschen und jammern, aber in Gegenwart ihrer Gattinnen dann doch immer wieder kuschen.

Vittorio Gassman ist wahrscheinlich die Idealbesetzung für diesen Typen: gut aussehend, dabei kultiviert und durchaus nicht uncharmant, aber eben doch, wie es der deutsche Verleititel sehr treffend ausdrückt, ein „Windhund“, der es perfekt versteht, sich irgendwie durchs Leben zu lavieren, ohne sich dabei jemals auf irgendwelche Prinzipien festnageln zu lassen – nur ein echter Römer zu sein, darauf besteht er. Die größere Überraschung ist Celi, der ja sonst eher die kalten Patriarchen oder aber größenwahnsinnige Schurken mimt: Er ist wunderbar als Lucios Freund, der den gemeinen Trick seiner Frau, immer genau das Gegenteil von dem zu tun, was er vorschlägt, abfängt, indem er dasselbe macht und so eben doch stets bekommt, was er will. Es ist ein bisschen schade, wenn er nach einer halben Stunde aus dem Film verschwindet und Gassman das Feld überlässt, aber Salce tröstet darüber hinweg, indem er das Tempo aufdreht und eine Verwicklung an die nächste reiht. Es ist immer was los in SLALOM und weil auch die deutsche Synchro dieser Rarität wunderbar mitspielt, darf man sich auf sympathisches Entertainment auf durchaus gehobenem Niveau freuen – im Eurospy-Genre durchaus keine Selbstverständlichkeit.

Eine tolle Entdeckung in atemberaubender Farbqualität, die auch auf dem Hofbauer-Kongress oder dem Terza Visione gut aufgehoben gewesen wäre.

 

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Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig: So könnte man das Dilemma von OK CONNERY beschreiben, der von Alberto De Martino routiniert inszeniert wurde, die rührenden Naivitäten anderer europäischer Bond-Klone weitestgehend  vermissen lässt – aber eben auch stinklangweilig ist. Interessant ist er zunächst einmal, weil er seinen Rip-off-Status so offensiv angeht wie nur wenige Eurospy-Vehikel, die in den Sechzigerjahren aus den Studios in die Kinosäle katapulltiert wurden: In der Hauptrolle als „Connery“ ist mit Neil Connery niemand Geringeres als der Bruder Seans zu sehen, dem dann auch ständig die große Ähnlichkeit zum Star bescheinigt wird. Als seine Auftraggeber fungieren mit Bernhard Lee und Lois Maxwell der „M“ und Miss Moneypenny aus den Vorbildern: Sie agieren hier zwar unter anderem, nicht Copyright-geschützten Namen, sollen aber unverkennbar dieselben Rollen spielen und belegen das durch ständige Anspielungen. Mit Adolfo Celi als schurkischem Mr. Thai, eines Angehörigen der Verbrecherorganisation „Thanatos“, und Daniela Bianchi sind zwei weitere einstige Bond-Mitwirkende von der Partie und das Titelthema dudelt ebensfalls auf den Spuren der Doppelnull. Will man das Positive hervorkehren, so könnte man sagen, dass OK CONNERY dem Professionalismus der Bond-Filme recht nahe kommt.

„Nahe“ ist in diesem Fall aber auch das Problem, denn so sehr sich De Martino auch müht, großes Kino abzuliefern, es hapert letztlich doch an allen Ecken und Enden. Das beginnt beim Hauptdarsteller, der seinem Bruder zwar ähnlich sieht, aber jegliches Charisma, das es dazu braucht, einen Film zu tragen, vermissen lässt. Das scheinen auch die Verantwortlichen gemerkt zu haben, denn Neil Connery wirkt wie ein Passant in einem Film, in dem er eigentlich die treibende Kraft sein sollte. Die Geschichte um einen Magnetstrahl, mit dessen Hilfe „Thanatos“ alle Maschinen auf der Erde lahmlegen kann, ist umständlich und konfus: Das gilt zwar auch für die Bondfilme, doch diese liefern wenigstens Attraktionen in schneller Folge, die das vergessen lassen. Hier hingegen passiert nix. Wenn zum Showdown dann endlich mal die Schwarte kracht, ist das durchaus hübsch anzusehen, aber zu diesem Zeitpunkt ist alle Geduld schon längst aufgebraucht.

Und genau deshalb geht der Schuss mit der erwähnten „Seriosität“ auch nach hinten los: Wenn OK CONNERY wenigstens schön beknackt wäre, die Distanz zu den Vorbildern mit schlechten Effekte und Pappmaché-Bauten wettmachte und so etwas zum Schmunzeln böte, man bekäme vielleicht kein großes Agentenkino, aber hätte immerhin seinen Spaß. So ermüdet das nicht vorhandene Spektakel schon nach kurzer Zeit: Ich war nach etwa der Hälfte des Films nur noch physisch anwesend, was genau danach noch passiert ist, könnte ich nicht mehr sinnvoll nacherzählen, zu egal war mir das alles. So bleibt am Ende ein Gimmick, das OK CONNERY einen gewissen Kuriositätenbonus verleiht. Es reicht aber, von der Existenz des Films zu wissen, um in munteren Biergesprächen unter Filmfreunden damit aufwarten zu können. Sehen muss man ihn beim besten Willen nicht.

missione_speciale_lady_chaplin_ken_clark_alberto_de_martino_006_jpg_gykbAlberto De Martinos Eurospy-Film um den Geheimagenten Dick Malloy (Ken Clark) beginnt ein bisschen behäbig, verwandelt sich dann aber ungefähr zur Hälfte hin in eine Kleine-Jungs-Fantasie voller absurder, bescheuerter und herrlicher Einfälle, getragen von einer deutschen Synchro, die den Geist des Films hervorragend unterstützt und hier und da eigene Glanzlichter setzt. Wie eigentlich alle Eurospy-Filme ist auch dieser ein freches James-Bond-Rip-off: Der Plot erinnert ein wenig an den ungefähr zur selben Zeit gestarteten THUNDERBALL und in der Rolle der verführerisch-mysteriösen Lady Chaplin ist Daniela Bianchi zu sehen, die Sean Connery in FROM RUSSIA WITH LOVE sweet nothings in Schottenöhrchen flüsterte. Als Superdiebin arbeitet sie mit dem schurkischen Zoltan (Jacques Bergerac) zusammen und hat ihm geholfen einige Atomsprengkörper und eine hochexplosive Chemikalie zu entwenden. Dick Malloy ist ihr dicht auf den Fersen, kann die Welt am Ende natürlich vor der Bedrohung retten, Lady Chaplin stellen und sie auf die Seite der Guten und in seine Arme ziehen.

Im Grunde kann man über die in den Sechzigerjahren reüssierenden Eurospy-Filme immer denselben Text schreiben: Sie zeichnen sich wie ihre großen Vorbilder durch typische Sechzigerjahre-Bilderwelten, loungige Möbel und kräftige Farben aus, besuchen mal mehr mal weniger attraktive Schauplätze, je nachdem, was das Budget hergibt, fahren ein ganz Arsenal technischer Gadgets auf, die meist umso absurder werden, je niedriger die Preisklasse des jeweiligen Films ist, verfügen natürlich über einen kernigen Helden, schöne Frauen und finstere Schurken, geizen nicht mit fadenscheinigen Spezialeffekten und werden von swingenden Easy-Listening-Scores treffend untermalt. Alberto De Martins Film gehört wahrscheinlich zu den höherstehenden Vertretern, verfügt über ansehnliche Production Values, muss hier und da aber natürlich improvisieren, um Limitierungen zu kaschieren. So steht auf dem Schreibtisch der Juwelenverkäuferin, deren Geschäft als Tarnung für ein Geheimdienstbüro fungiert, ein waschechtes Blaulicht, das – aus welchem Grund auch immer – anfängt zu leuchten, wenn sie die Zentrale kontaktiert. Eine Tauchsonde gibt bei Betrieb ein merkwürdig irritierendes Tüten von sich, wahrscheinlich weil man der Meinung war, sie müsse unbedingt ein Geräusch machen. Und beim großen Schlussfight in einem vollgepackten Atomraketensilo ballern Malloy und Zoltan wild in der Gegend herum, entzünden gar ein Feuer, ohne auch nur einmal innezuhalten angesichts der überwältigenden Gefahr. Ach ja: Zoltan hat kein Haufischbecken, dafür aber zwei Skorpione, die er mit sadistischem Geifergrinsen gegeneinander kämpfen lässt.

Es sind aber vor allem die kleinen Naivitäten und Unzulänglichkeiten, die den Film zu einem Vergnügen machen: Daniela Bianchi wurde offensichtlich von einer Hessin (oder Pfälzerin) synchronisiert, die ihren angeborenen Akzent nur höchst unzureichend kaschieren kann. In einer Szene täuscht Lady Chaplin einer Gruppe von Bahnangestellten vor, betrunken zu sein, um einen Zug in ihre Gewalt zu bringen, und die von der Synchronsprecherin offensichtlich mühsam hochgehaltene Maske entgleitet ihr bei dem Versuch, eine Betrunkene angemessen zu synchronisieren, vollends. Ich habe wirklich für eine Sekunde geglaubt, Lady Chaplin gebe sich als Frankfurterin aus. Ganz, ganz toll ist auch eine Modenschau, bei der jedes Kleid von einer Ansagerin angekündigt wird. Dabei kommen dann solch tolle Sachen raus wie: „Nr. 128. Ein Traum in Geld und Rosa“. Und das geht mehrere Minuten so weiter! In einem Dialog kündigt Malloys Vorgesetzter an, eine Zimmerdurchsuchung durchführen zu wollen. Als Malloy scherzhaft anmerkt, dass das eigentlich nicht seinem Dienstgrad entspreche, bemerkt der Chef mit einem neckischen Armschwung und sichtbarer Ferkelsfreud, dass er sich dabei so wunderbar jung fühle. Wahrscheinlich war da noch Einiges mehr, das ich mittlerweile leider vergessen habe. Selbstverständlich nicht vergessen habe ich die wahrscheinlich schönste Ohrfeige der Filmgeschichte: Malloy hat Lady Chaplin gerade vor einer ganzen Dutzendschaft gedungener Mörder gerettet und will sich aufmachen, nun auch den Oberschurken lahmzulegen. Lady Chaplin interveniert: „Ich komme mit!“ Da platzt dem sonst so gutmütigen Malloy der Kragen: „Hier wird gemacht, was ich sage!“, sagt er, und – Zack! – bekommt die schöne Lady Chaplin seinen Handrücken zu schmecken, dass es nur so eine Art ist und ihr sofort das Bewusstsein raubt. In diesem trotz diverser Toter wirklich rührend harmlosen und gutmütigen Filmchen wirkte diese vollkommen unvorhersehbare frauenfeindliche Entgleisung wie der berühmte Eimer Eiswasser, den die anwesenden Zuschauer dann auch entsprechend lautstark quittierten. Fein!