Mit ‘Danny Trejo’ getaggte Beiträge

Steven Seagals Persona ist ein nie versiegender Quell der Faszination. In den fast 30 Jahren, die seine Laufbahn als Actiondarsteller nun schon andauert, hat er unaufhörlich an seinem Image gestrickt, Elemente seines „wahren“ Lebens in seine Filme einfließen lassen (und wahrscheinlich umgekehrt) und im Grunde genommen immer dieselbe Figur gespielt: den weisen, desillusionierten professional, der die Geheimdienste und Schlachtfelder der Welt kennt wie seine Westentasche, ob sie nun im Nahen Osten oder den Gehttos der USA liegen, in der Kunst des schnellen, lautlosen Tötens versiert ist, sein Seelenheil in fernöstlicher Religion und Meditation sucht, den alten Kulturen seinen Respekt bezeugt, und Kind und Tier nähersteht als Seinesgleichen, die er als korrupt, verräterisch, egoistisch und hinterhältig kennengerlernt hat. Zwar hat er dieses Bild im Lauf der Jahre immer wieder um die ein oder andere Nuance ergänzt, je nach den Anforderungen Facetten stärker betont oder unter den Tisch fallen lassen, aber nie ist eine seiner Rollen wirklich von dem mit ABOVE THE LAW eingeschlagenen Weg abgewichen. Steven Seagal ist immer Steven Seagal. Sogar wenn er, wie hier, einen Gangsterboss spielt.

Keoni Waxman, ein enger Vertrauter Seagals, der mit dem nunmehr 63-Jährigen bereits die Filme THE KEEPER, A DANGEROUS MAN, MAXIMUM CONVICTION und A GOOD MAN sowie die Serie TRUE JUSTICE gedreht hat, weiß sehr genau, dass die Zeiten, in denen man dem Star mit der Kamera hinterher lief und ihn bad guys in Reihe verdreschen ließ, schon seit einigen Jahren vorbei sind. Seagal gefällt sich heute eher in der Rolle des elder statesman, ist dem weltlichen Treiben entrückt und lässt anderen seine Weisheit zuteil werden, die für ihn die Arbeit machen. In FORCE OF EXECUTION hat er streng genommen nur eine Nebenrolle und wenig Screentime, aber er bildet dennoch das Gravitationszentrum, um das der Film kreist. Und natürlich spielt es gar keine Rolle, dass er ein Gangster ist. Der Seagalologe weiß ja längst, dass sich die Welt nicht mehr so leicht in Gut und Böse einteilen lässt, sich die auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes stehenden Kontrahenten oftmals eher wie Spiegelbilder zueinander verhalten. Insofern versieht Seagal auch seinen alternden Crimelord Alexander Coates (von allen nur „Mr. Alexander“ genannt) mit all jenen Eigenschaften, die seine „Helden“ üblicherweise ausziechnen: Er bewegt sich sicher auf der „street“, wird demnach von Schwarzen, Asiaten und Hispanics als „Bruder“ respektiert, deren Lingo er aus dem FF beherrscht, verfügt über ein gewaltiges Waffenarsenal und genaues Wissen über die jeweiligen Vor- und Nachteile, ist ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann, versteht sich auf Werte wie „Ehre“ und „Respekt“ und ist ebenso versiert im bewaffneten wie unbewaffneten Konflikt. Außerdem ist er von dem ständigen Hin und Her genervt: Materielle Dinge interessieren ihn genauso wenig wie Macht, also möchte er aussteigen, um irgendwo im Einklang mit seinem inner self den Ruhestand zu feiern. Natürlich macht sein Widersacher, der Crip Iceman (Ving Rhames) da nicht mit, lässt es lieber auf einen Kampf ankommen, anstatt das Angebot Alexanders anzunehmen, und ihn auszuzahlen. Der Finalkampf, in dem die Männer Alexanders auf die Iceman-Gang treffen, findet im Keller von Alexanders im spanischen Stil gehaltenen Villa statt, der seltsamerweise genauso aussieht, wie die anonymen Fabrikhallen und Maschinenräume, in denen DTV-Actioner gern enden: Lauter riesige, nahezu vollkommen leeren Räume, neonbeleuchtete Gänge mit Rohren an den Wänden, hier und da steht mal eine Europalette rum, die mit seltsamen Kisten bestapelt ist. Hier hat Alexander natürlich leichtes Spiel: Wie in A GOOD MAN läuft Seagal rum wie ein SWAT-Polizist oder Scharfschütze. Die lustigen Jacken, die er früher bevorzugt hat, hat er nun gegen schwarze Army-Klamotten und kugelsichere Weste, verkehrtrum aufgesetzte Cap und Streberbrille eingetauscht. Verwirrendstes Accessoire ist das Palästinensertuch, das er um den Hals gewickelt hat, und mit dem er ein bisschen wie ein aufgedunsener Hipster aussieht.

Der eigentliche Protagonist des Films ist Alexanders ehemaliger henchman Hurst (Bren Foster), der nach einem Fehler bestraft und ausgestoßen wird und fortan ein trauriges Dasein als Pener mit gebrochenen Händen fristet. Er freundet sich mit dem mexikanischen Koch Oso (Danny Trejo) an, der in den Kampf zwischen Alexander und Iceman gerät (warum, habe ich irgendwie verpasst), aber auch ein witchdoctor ist und Hursts Hände mithilfe einer Skorpion-Spezialtherapie binnen Stunden wieder wie neu macht. Am Ende kommt Hurst seinem alten Mentor zu Hilfe und wird von diesem begnadigt. Foster ist Tae-Kwon-Do-Weltmeister erinnert optisch an eine Mischung aus Colin Farrell und Scott Adkins und sorgt dafür, dass FORCE OF EXECUTION nicht zum Klassentreffen der hüftsteifen Veteranen verkommt. Er sprüht nicht gerade über für Charisma, hat aber deutlich mehr Potenzial als seine Filmografie das bislang hergibt. Mal sehen, was da noch kommt. Selbiges gilt für Keoni Waxman: FORCE OF EXECUTION ist wie auch A GOOD MAN deutlich besser als der fürchterliche MAXIMUM CONVICTION, aber keinesfalls richtig gut. Es gibt einiges zu gucken, aber irgendwie fügt sich das alles nicht zu einem wirklich zufriedenstellenden Ganzen zusammen. Es liegt nicht zuletzt an der tollen Besetzung – speziell Ving Rhames ist klasse als steingesichtige Verkörperung von Souveränität und Coolness -, dass man FORCE OF EXECUTION am Ende als leicht überdruchschnittlich einstufen mag, einen M.A. in Seagalologie vorausgesetzt.

Ich habe leider nur die massiv gekürzte deutsche Fassung dieses Films gesehen, deshalb ist mein Text hier unter Vorbehalt zu betrachten. Unter normalen Umständen hätte ich mir diese Version des FIlmes gar nicht angesehen, aber ich wusste im Vorfeld nichts über eine ungekürzte Version, hatte INFERNO sowieso als ein eher uninteressantes DTV-Vehikel abgetan und keine Ahnung, dass sich hinter dem Regiepseudonym „Danny Mulroon“ der ROCKY-Veteran John G. Avildsen verbirgt, der seinen Namen zurückzog, nachdem sich das Studio in seinen fertigen Film eingemischt hatte. Der Film ist wahrscheinlich auch ohne die Kürzungen, die mir seltsamerweise kaum aufgefallen sind, merkwürdig, und ich kann nur mutmaßen, wie er wohl in einer intakten Version aussieht. Möglicherweise entpuppt er sich dann, wenn alle Kanten sauber abgerundet sind, als spröder Langweiler, so als 75-minütige schroff in den Himmel ragende Ruine ist er durchaus interessant, weil da scheinbar unvereinbare Gegensätze hart und unvermittelt aufeinandertreffen.

INFERNO beginnt mit einem indianischen Sprichwort und einem einsam auf einem Motorrad durch die Wüste fahrenden Van Damme als Veteran Eddie Lomax. Er hält an, steigt ab, nimmt eine Flasche Fusel und eine Knarre aus seinem Gepäck, trinkt einen kräftigen Schluck und legt sich dann mitten in die sich meilenweit in alle Richtungen ausdehnende Leere. Er wartet auf seinen Freund, den Indianer Six-Toes (Danny Trejo), den er um Erlaubnis zum Selbstmord bitten will und der dann plötzlich auch wie aus dem Nichts erscheint. Bevor Lomax seinen Plan jedoch ausführen kann, kommen ihm ein paar Proleten zuvor, die ihm das Motorrad klauen, das eigentlich für Six-Toes bestimmt ist, und ihn als tot zurücklassen. Es stellt sich heraus, dass sie zum Hogan-Clan gehören, einer Bande von Drogendealern, die ein Wüstenkaff namens Inferno in Angst und Schrecken versetzen. Die Anwesenheit einer Gruppe von Bikern nutzt Lomax, um einen Krieg zwischen den beiden anzuzetteln, in den auch die gebeutelten Bewohner von Inferno eingreifen.

Die Handlung ist unverkennbar von Kurosawas YOJIMBO inspiriert (die ihrerseits etliche Male aufgegriffen wurde, etwa von Sergio Leone für PER UN PUGNO DI DOLLARI oder von Walter Hill für LAST MAN STANDING), aber Avildsen befreit sie vom ihr innewohnenden Ingrimm. INFERNO wirkt abwechselnd hochgradig reduziert und stilisiert (der Anfang, der nahelegt, das Lomax und Six-Toes Phantome aus dem jemseits sind), dann wieder wie eine sehr warmherzige Komödie. Das Treiben in Inferno, das überwiegend von alten Leuten mit liebenswerten Marotten bewohnt wird, erinnerte mich etwa – gerade auch im Hinblick auf die Kulisse – an Ron Underwoods grandiosen TREMORS. Diese verschiedenen Ansätze stehen etwas unversöhnt nebeneinander und wirklich zwingend ist das alles nicht, aber dann auch wieder sehr ungewöhnlich und interessant. Ich war durchaus positiv überrascht, werde mir ein abschließendes Urteil bis zur Sichtung der intakten Fassung aber verkneifen.

Ich habe zwei Filme aus dem rasant wachsenden DTV-Werk des ehemaligen Wrestlings-Weltmeisters Steve Austin angeschaut: den aktuellen RECOIL mit Danny Trejo als schurkischem Anführer einer Rockergang und den schon etwas älteren DAMAGE. Letzterer fügt sich lückenlos in die Riege großer DTV-Action-Meisterwerke, zeigt den schauspielerisch eher limitierten Austin in großartiger Form, bietet THE SHIELD-Powerhouse Walton Goggins in einer maßgeschneiderten Nebenrolle auf und rührte mich mit seiner hoch emotionalen Story tatsächlich zu Tränen (naja, fast jedenfalls). Den Text gibt es bei Hard Sensations.

Der Gangster Carl Lucas (Luke Goss) erhält von seinem Chef Marcus Kane (Sean Bean) den Auftrag, eine Bank zu überfallen. Das Ding geht schief und so landet Lucas wegen Polizistenmords auf Terminal Island, einem Hochsicherheitsknast auf hoher See. Dort hat der Fernsehsender der Weyland Corporation unter der Leitung der ehrgeizigen September Jones (Lauren Cohan) eine neue Gameshow namens „Death Match“ installiert, bei der sich die Häftlinge in einer Arena in Kämpfen auf Leben und Tod gegenüberstehen. Als die Quoten sinken, wird aus „Death Match“ spontan „Death Race“: ein quer über die Insel laufendes Autorennen mit aufgemotzten Boliden. Dem Gewinner winkt die Amnestie. Carl kommt eine wichtige Rolle bei diesem Rennen zu, doch muss er nicht nur gegen seine Kontrahenten antreten, sondern auch gegen die Killer Marcus Kanes, der befürchtet, sein Schützling können gegen ihn aussagen …

Viel Plot für einen kleinen Neunzigminüter. DEATH RACE 2 hält sich demzufolge nicht lange mit seinen vielen Ideen auf, rast ähnlich schnell und unaufhaltsam durch die Twists und Turns des Drehbuchs wie die martialischen PS-Schleudern im klimaktischen Autorennen. Das geht zulasten der Charaktere, die ziemlich eindimensional geraten sind und nur wenig von sich preisgeben. Ein Makel, der sich aber leicht verschmerzen lässt, weil Roel Reiné, der sich in den letzten Jahren zu einer echten Größe auf dem Sektor der DTV-Action gemausert hat, weiß, wie man krachige Actionszenen zu inszenieren hat. Wer die Schnauze voll hat von pixeligen Explosionen oder billigem CGI-Pfusch, wo er echte Materialschlacht erwartet, der wird an DEATH RACE 2 jedenfalls seine helle Freude haben. Hier darf Mann noch Mann sein, Autos werden mit unheiliger Lust in ihre Bestandteile zerlegt oder feurig in einen anderen Aggregatszustand überführt und die Kamera ist damit beschäftigt, von dieser Zerstörungsorgie die schönsten Bilder zu liefern. Ein Fest fürs Auge.

Die Frage, wie sich das Sequel des Remakes von Paul Bartels Exploitationklassiker DEATH RACE 2000 zu diesem verhält, ist vor diese Hintergrund durchaus zu vernachlässigen, zumal ich sie eh nicht beantworten kann, da ich mich bislang erfolgreich um P. W. Andersons Film gedrückt habe. Wie die Einführung des Frankenstein-Charakters (David Carradines Rolle in Bartels Film), die Roel Reiné in den letzten zehn Minuten Film noch vornimmt, einzuordnen ist, weiß ich also auch nicht. Aber das ist auch egal, weil das in diesem Fall einfach eine schöne, das Original angemessen wüdigende Verbeugung ist, die ich kaum erwartet hatte, wo sich die meisten der in den vergangenen Jahren veröffentlichten Remakes doch eher geschichtsvergessen gegenüber ihren Inspirationsquellen gegeben haben. Das Fazit kann also nur lauten: Dicke Empfehlung für Action-Enthusiasten. (Und Fans der Achtzigerjahre-Boygroup Bros können zudem mal gucken, wie sich einer ihrer Schwärme von einst als Actionhauptdarsteller so schlägt.)

Der mexikanische Agent „Machete“ (Danny Trejo) muss dabei zusehen, wie seine Frau vom Drogengangster Torres (Steven Seagal) umgebracht wird, die folgende, eigene Hinrichtung überlebt er jedoch und taucht Jahre später im politisch umkämpften texanisch-mexikanischen Grenzland auf der Seite der USA wieder auf. Dort wird er vom schmierigen Michael Booth (Jeff Fahey) beauftragt, Senator John McLaughlin (Robert De Niro) umzubringen, der einen elektrischen Grenzzaun errichten will, um illegale mexikanische Immigranten abzuwehren. Machete nimmt den Auftrag an, doch dann kommt ihm  bei der Erschießung jemand zuvor. Mithilfe der Polizeibeamtin Sartana (Jessica Alba) kommt er einem Komplott auf die Schliche, hinter dem niemand Geringeres als sein Erzfeind Torres steckt …

MACHETE ist, so viel sollte bekannt sein, das von einigen herbeigesehnte Spin-off eines zu GRINDHOUSE-Tagen frenetisch gefeierten Fake-Trailers von Robert Rodriguez, mit dem der Regisseur seinerzeit amerikanisch-mexikanischer Exploitation und dem Chicks-with-Guns-Subgenre Tribut zollte. Das Auswalzen dieses Trailers auf Spielfilmlänge gelingt Rodriguez vor allem dadurch, dass er seine Geschichte um den mexikanischen Supermann mit der Machete mithilfe vieler schillernder Nebenfiguren aufbläst. Durchaus zum Vorteil des Zuschauers: Die Auftritte von Robert De Niro, der hier zum ersten Mal seit x Jahren von seiner totgerittenen Masche des grimmigen Hardliners abweicht (OK, ein Hardliner ist er hier auch), von Don Johnson als Anführer einer Gruppe von Vigilanten, die die Grenze nach illegalen Einwanderern absuchen, oder von Seagal, der sich für weitere bizarre Schurkenrollen empfiehlt, lassen einem das Herz aufgehen und über das große, große Manko des Films hinwegsehen: Im Grunde seines Herzens ist Rodriguez nämlich ein richtiger Mainstreamer.

Wenn er in der Eröffnungssequenz das Bild mit entsprechenden Effekten auf alt trimmt, um das Siebzigerjahre-Bahnhofskino-Flair zu erzeugen, um das es in MACHETE ja nicht zuletzt geht, diese Sequenz dann aber mit deutlich als solchen zu identifizierenden CGI-Splattereffekten würzt, den erzeugten Eindruck somit selbst wieder zerstört, dann ist damit schon gesagt, woran es MACHETE mangelt: an Authentizität und einer gewissen Selbstdisziplin. Vom Kanon bizarrer Billigfilme, den ja auch Spezi Tarantino regelmäßig herunterbetet, hat sich Rodriguez vor allem bildlich inspirieren lassen: der tätowierte, vernarbte Ex-Federal-Agent mit Machetenvorliebe, der rassistische texanische Politiker, die heiße Blonde mit dem Vaterkomplex, die sich zum Schluss von der Hure in eine Heilige verwandelt (Lindsay Lohan überraschend freizügig), der griechische Hitman Osiris Amanpour (Tom Savini in einer Nebenrolle), die einäugige Amazone mit dem Riesenballermann (Michelle Rodriguez darf die Apotheose ihres eigenen Rollenklischees geben), der sonnenbebrillte Cowboy mit den Koteletten. Diese Figuren verquirlt Rodriguez zu einer Geschichte, die aller angeblicher Anstößigkeit zum Trotz erstaunlich glatt rüberkommt und nur wenig von der elliptischen, antiklimaktischen Holprigkeit jener Filme hat, die doch eigentlich referenziert werden sollen.

Diese Glätte kann man nicht zuletzt auf den Jessica-Alba-Charakter zurückführen, der dem eigentlichen Protagonisten Machete zur Seite gestellt wird, um dem Durchschnittskinogänger, der sich schwer tut, einen 60-jährigen, über und über tätowierten und verlebten mexikanischen Ex-Knacki, den er zudem nur aus Nebenrollen kennt, als Identifikationsfigur zu akzeptieren. Die Illusion, einen schmierigen Bahnhofskinofilm zu sehen, verflüchtigt sich spätestens, wenn Alba auf dem Bildschirm erscheint und langweilige Dialogszenen Exposition betreiben sollen, mit der sich die Vorbilder nie lang aufgehalten haben. Das ist typisch für den Film, der bei allem Exzess strukturell völlig steif und leblos wirkt, noch jedes kleine Plothole zu stopfen und alle Figuren mit einer schönen Motivation auszustatten versucht, anstatt sich um solchen wohlfeilen Quark einfach einen Dreck zu scheren.

Vielleicht tut man MACHETE aber auch Unrecht, wenn man ihn auf seinen Referenzcharakter reduziert. Seine Story, in der ein Mexikaner einen rassistischen Politiker umbringen soll, damit die US-amerikanische Wirtschaft weiterhin von den billigen Arbeitskräften, die illegale mexikanische Einwanderer nunmal sind, profitieren kann, ist deutlich brisanter, als es der vordergründig auf Spaß und Thrill gebürstete Film vermuten lässt. Ich habe mich streckenweise schon ganz gut amüsiert mit MACHETE, aber irgendwie fällt mir doch vor allem ein Wort zu ihm ein: Brav. Das ist denkbar weit am Ziel vorbei.

Sprichwörtlich aus heiterem Himmel fallen sieben Soldaten und Mörder und landen in einem unwirtlichen Urwald, der sich bald schon als außerirdisches Sportjagdgebiet der gemeinen Predators erweist. Die lassen regelmäßig die Härtesten der Harten aus dem ganzen Universum bei sich einfliegen, um ihre eigenen Fähigkeiten zu schärfen. Royce (Adrien Brody) und seine Leidensgenossen müssen nicht nur um ihr Leben kämpfen, sondern auch noch einen Fluchtweg zur Erde finden …

Hmmm, so ganz verstehe ich nicht, warum PREDATORS so durchwachsene Reaktionen eingefahren hat. Klar, die schiere Power des 1987er Originals mit einem Arnold Schwarzenegger kurz vorm totalen Superstardom erreicht dieses Sequel nicht, aber mit dem zweiten Teil von Stephen Hopkins kann es Antals Film durchaus aufnehmen. Zwar lässt PREDATORS einen erkennbaren eigenen visuellen Stil vermissen, reiht sich vielmehr in die Grau-in-Grau-Tristesse des modernen Genrefilms ein, doch hat er dafür einige schöne Ideen und vor allem einige Härten aufzubieten, die den Fan bei Laune halten: Die Ausgangsidee (die etwas an CUBE oder auch dessen erfolgreicheren Epigonen SAW erinnert) passt gut in die auch von den ALIENS VS. PREDATOR-Filmen (von denen zumindest der erste sträflich unterbewertet ist, wie ich finde) ausgebaute Predator-Mythologie, Laurence Fishburne bringt mit seinem wahnsinnig gewordenen Survivor etwas Gravitas in den ansonsten vor allem auf Rasanz und Thrill ausgelegten Film und gegen Ende stellt das Drehbuch dann auch die richtigen Fragen: Inwiefern unterscheiden sich all die bis an die Zähne bewaffneten Soldaten, Söldner und Killer eigentlich von den außerirdischen Mordmaschinen? Und sind die Gekidnappten auf dem Planet der Predatoren nicht viel eher zu Hause als auf der Erde?

Was dem Film aber eindeutig fehlt, ist Ambition: Alle Beteiligten waren wohl damit zufrieden, einfach nur einen Genrefilm zu machen. Das ist ihnen, wie gesagt, durchaus gelungen, aber wenn man sich anschaut, wie die recht beachtliche Darstellerriege für eindimensionale Klischeefiguren mit maximal anderthalb Charakatereigenschaften und unsäglich hohle Dialogzeilen verheizt wird, trauert man schon etwas den verschenkten Möglichkeiten hinterher. Ein Walton Goggins etwa, der in THE SHIELD einen der fassettenreichsten Charaktere der Fernsehgeschichte verkörperte, hätte für seine erste große Filmrolle etwas Besseres verdient als seinen selten eindimensionalen White-Trash-Idioten. Adrien Brody hingegen, von Fanboys in vorauseilendem Gehorsam als Fehlbesetzung verspottet, macht sich als muskelbepackter, Oneliner ausspuckender Held wider Willen hingegen sehr ordentlich und braucht sich um sein zukünftiges Einkommen keine Sorgen zu machen. Wenn die chronisch unloyale Arthaus-Klientel ihn vergessen hat, kann er in knalligen DTV-Produktionen den Wesley Snipes machen. Ich freue mich darauf ebenso wie auf den nächsten Predatoren-Film.