Mit ‘Dave Bautista’ getaggte Beiträge

kickboxer_vengeance_one_sheet_finalAn das Original, einen von Jean-Claude Van Dammes frühen Actionfilmen, kann ich mich nur noch marginal erinnern. Was von dem Film gemeinhin überdauert hat, ist sein Schurke, der damals von Michael Qissi gespielte, mit einem charakteristischen Zopf auf dem rasierten Schädel ausgestattete Tong Po, der sich mit Van Dammes Kurt Sloane ein blutiges Finale mit glassplitterbewehrten Fäusten lieferte.

Das Remake ist der fast 30 Jahre alten Vorlage in liebevoller Treue ergeben: Alain Moussis Held heißt wie Van Dammes Figur von einst Kurt Sloane, David Bautista interpretiert den ohnehin schon überlebensgroßen Tong Po als waren Titanen des kampfsportlerisch Bösen, komplett mit Arena im Nirgendwo, ihn umgebenden Kultisten und geilen Schlampen im Schlafgemach, und die Rachegeschichte wurde nahezu eins zu eins adaptiert (im Orginal wird Kurts Bruder nur querschnittsgelähmt geprügelt, hier stirbt er – was angesichts der Tatsache, dass er von dem vor kurzem tatsächlich verstorbenen Darren Shahlavi gespielt wird, zusätzliche Schwere erhält). Als Schlussgag bekommt Moussi sogar Gelegenheit für eine kleine Tanzeinlage, die per Splitscreen mit Van Dammes Geschwofe von einst parallelisiert wird. Wunderbar!

Es dauert aber eine Weile, bis der Funken überspringt. KICKBOXER: VENGEANCE hat den Look, die Nüchternheit und die Schnitttechnik eines modernen DTV-Actioners und das führt in Verbindung mit der oldschooligen Schmucklosigkeit der Geschichte zu einigen Irritationen. Der Film wirkt zunächst ein bisschen unspektakulär und lieblos, aber das ändert sich spätestens in dem Moment, in dem Van Damme als Trainer Durand auftritt. Mit Hut und Sonnenbrille hat er, wie Vern in seinem Review richtig anmerkt, die Coolness eines Blues- oder Jazzmusikers und bringt dann jenen unverwechselbaren Charakter mit, der dem milchbrötchenhaften Moussi fehlt (ein aber völlig untadeliger Stuntman und Kampfsportler). Auch das ist aber gar nicht unbedingt ein Manko, weil es dem episch ausgewalzten Finale erst die nötige Fallhöhe verleiht. Der Youngster muss eine wahre Passion durchlaufen, bevor sich das Blatt wendet. Die Fights sind, das muss man sagen, grandios: Nicht ganz so virtuos inszeniert wie bei Florentine vielleicht, aber wie bei diesem immer sehr übersichtlich und dynamisch. Stockwell, der Anfang bis Mitte der 2000er mit BLUE CRUSH, INTO THE BLUE und TURISTAS einige Semihits hatte, bevorzugt eine eher trockene Herangehensweise und lässt die Fähigkeiten seiner Darsteller für sich sprechen. Speziell Moussi zaubert einige ungalubliche Kicks aus dem Ärmel, die den Naturgesetzen völlig zuwiderlaufen, meines Erachtens aber tatsächlich ohne irgendwelche Tricks realisiert wurden. Dazu kommen dann liebgewonnene Standards wie die Training-Montage zu motivierender Musik, die frechen Manipulationen des Trainers, ein tumber Sidekick und die unterbelichtete Liebesgeschichte samt Sexszene (mit dicken Brüsten).

Was zum ganz großen Glück fehlt sind ein paar echte eigene Ideen, etwas, das man noch nicht gesehen hat, etwas mehr Aufregung und das Gefühl, das die Macher für ihre Sache brannten. KICKBOXER: VENGEANCE ist eine Nummer zu routiniert für die Riesenbegeisterung und der ultragelangweilte und sinnlose Quasi-Gastauftritt von Gina Carano hilft auch nicht unbedingt. Insgesamt ist der Film aber durchaus ein Gewinn, zumal es ja in den letzten zwei, drei Jahren nicht mehr allzu viel zu bejubeln gab auf diesem Sektor. Als Produzent fungierte übrigens Dimitri Logothetis, der einst den kreuzöden SLAUGHTERHOUSE ROCK inszeniert hatte und nun das bereits angekündigte Sequel drehen darf. Also ich freue mich drauf!

Das Hypebeast des vergangenen Jahres, der Film, der allen Nerds kollektiv feuchte Höschen bescherte und sie endlich die Renaissance des Feelgood-Popcorn-Genrefilms ausrufen ließ, die sie schon hinter den letzten ca. 325 Comic- oder Computerspielverfilmungen sehnsüchtig vermutet hatten, nur um sich dann angesichts des nächsten ihre Kindheitsträume schändenden, zutiefst kompromittierten Rohrkrepierers doch wieder schmollend in ihre mit verklebter Lara-Croft-Fan-Fiction übersäter und mit Anime-Porn ausstaffierter Onanierecke verkriechen zu müssen.

Der neueste Beitrag zum expandierenden (und demnächst ja auch um Spider-Man bereicherten) Marvel-Filmuniversums basiert auf einer vergleichsweise aktuellen Heftserie aus dem Jahr 2008 (die aber die Fortsetzung einer bereits in den Sechzigerjahren gestarteten Reihe ist). Möglicherweise war das auch der Grund für den Erfolg dieses Films: Anders als Spider-Man, Captain America, Hulk, Iron Man oder Thor sind die Helden von GUARDIANS OF THE GALAXY noch nicht zu popkulturellen Ikonen herangereift, mit denen nahezu jeder potenzielle Zuschauer etwas verbindet und an deren Umsetzung im Film er daher notgedrungen gewissen Erwartungen knüpft. Regisseur James Gunn, dessen Retro-Science-Fiction-Schleimer SLITHER mir seinerzeit sehr viel Spaß bereitet hatte, geht recht unbekümmert mit seinem Stoff um, ohne Ehrfurcht vor einem comicliterarischen Erbe, das ja noch gar nicht besteht, inszeniert mit Verve und Tongue in Cheek und befreit GUARDIANS OF THE GALAXY so von auch der etwas nervtötenden Ernsthaftigkeit, die die Marvel-Verfilmungen manchmal so anstrengend macht. Dankenswerterweise versucht er nicht, den zugrunde liegenden Comic auf Gedeih und Verderb in Richtung Seriosität und Relevanz umzubiegen, sondern konzentriert sich ganz auf Spaß und bunte Bildchen. Das Design bietet viele Schauwerte, ohne überkandidelt zu wirken, und der schmissige Pop-Soundtrack – wenn auch nicht die Neuerfindung des Rades, zu der ihn viele nach Sichtung des Films gemacht haben – trägt ebenfalls seinen Teil zum aller Weltraumapokalypse zum Trotz fröhlich-vergnügten Ton des Films bei. Die Darsteller lassen sich davon sichtlich anstecken, ganz gleich, ob sie nun mit vollem Körper- oder aber nur Stimmeinsatz agieren. Der Schlüssel zum Erfolg sind sicher die Figuren: kein Tross von der Schwere ihrer Verpflichtung niedergedrückter Übermenschen, sondern ein bunch of misfits, kleinkriminelle Halunken mit seltsamen Marotten. Drax, the Destroyer (Dave Bautista) begreift das Konzept von bildlicher Rede nicht, der Baummensch Groot (Vin Diesel) verständigt sich mittels unterschiedlicher Betonung ein und desselben Satzes („I am Groot.“), der genetisch manipulierte Waschbär Rocket (Bradley Cooper) ist ein cholerischer Sadist. Das verändert die Dynamik des Films gegenüber etwa THE AVENGERS, bei dem die Kameradschaft der einzelnen Teammitglieder eher ein Nebenaspekt war. Die Verlierer in GUARDIANS OF THE GALAXY müssen ihre Animositäten erst überwinden, um zu Helden zu werden.

Ich habe den Film zweimal gesehen: Beim ersten Mal bin ich pünktlich zum Showdown eingeschlafen und war danach eher unterwältigt. Bei der Zweitsichtung ohne Einschlafen gefiel mir der Film deutlich besser. Er ist gewiss nicht das makellose Wunderwerk, das hysterische Nerds aus ihm machen wollen: Wie fast alle jüngeren Marvel-Comicverfilmungen krankt auch dieser etwas an seinem gesichtslosen Plot, in dem es mal wieder um ein weltenvernichtendes device geht, ein denkbar gesichtsloser McGuffin, der nur dazu da ist, den bunten Reigen von Actionsequenzen anzustoßen. Erwartet man wirklich zu viel von einem Superheldenfilm, wenn man sich nur einmal eine richtige Geschichte wünscht? Auch warum ein solches Werk dann trotzdem mindestens zwei Stunden Laufzeit haben muss, erschließt sich mir nicht. Aber gut, die Zeiten von knackigen 80–90-Minütern scheinen ja eh vorbei zu sein und offensichtlich fällt es unter Value for Money, die Zuschauer auf Gedeih und Verderb für 120 Minuten an den Kinositz zu fesseln. GUARDIANS OF THE GALAXY wird so streckenweise redundant und aufgebläht, was so gar nicht zu seinen eher bescheidenen Heldenfiguren passen will, genauso wenig wie das unvermeidliche Pathos, das am Ende sein hässliches Haupt erhebt, nachdem Gunn es zuvor erfolgreich auf Distanz gehalten hatte. Ich musste nach der Sichtung mehrfach an den zuletzt wiedergesehenen STARCRASH, der im Spirit durchaus verwandt ist mit GUARDIANS OF THE GALAXY, aber diese Flüchtigkeit, die der Kern von Popkultur ist, auch in seiner äußeren Form bewahrt. Aber das war eine andere Zeit und Bescheidenheit passt wohl nicht mehr zum heutigen Verständnis von Kino. Aber genug des Meckerns, GUARDIANS OF THE GALAXY hat mir Spaß gemacht und das ist mehr, als von den letzten Marvel-Filmen sagen kann.