Mit ‘David Caruso’ getaggte Beiträge

Joe Eszterhas schrieb sein erstes Drehbuch 1978 für Norman Jewisons F.I.S.T. (über den hier in Kürze zu lesen sein wird), lieferte danach die Vorlagen für den Superhit FLASHDANCE sowie für Respektables wie JAGGED EDGE oder Costa-Gavras‘ BETRAYED und MUSIC BOX. Bekannt wurde er jedoch als Autor von Verhoevens Skandalfilm und Megahit BASIC INSTINCT, mit dem er eine echte Nische für sich fand, die er dann in den Folgejahren fleißig beackerte: Hochglanz-Sleaze um Voyeure, Sexsüchtige, Striptease-Tänzerinnen und Bisexuelle, Stoff für schlüpfrige Erotik-Thriller, die von aufgebrachten Kulturschützern in einer Art und Weise kritisiert wurden, die die Frage aufwarf, ob die jemals von der Existenz echter Pronografie gehört hatten. Filme wie SLIVER, SHOWGIRLS und eben JADE machten Eszterhas zu einem der bestbezahlten Autoren Hollywoods – aber auch zu einem der meistverlachten. Seine große Zeit war schnell wieder vorbei. Mit etwas Distanz und kühlem Kopf muss man feststellen, dass der Mann – welche Fantasien ihn auch immer antrieben – mit seinem Beitrag zu BASIC INSTINCT und SHOWGIRLS an zwei ganz großen Neunzigerjahre-Filmen maßgeblich beteiligt war. Und mit JADE eben auch an einem ungerechtfertigten Flop, dem der Name Eszterhas eher geschadet als genützt haben dürfte. Die „Masche“ des Autors langweilte die breite Masse, die schon BASIC INSTINCT nur als den Film mit dem „beaver shot“ wahrgenommen hatte. Die Kritik am Eszterhas’schen Sleaze hatte dabei etwas Selbstentlarvendes. JADE floppte wohl auch deshalb, weil er eben keine unschuldige Wichsvorlage war. Sex ist hier – wie auch in allen anderen der genannten Filme – ein Machtwerkzeug. Zudem eines, das nur auf den ersten Blick in den Händen der Frauen liegt. Doch die Feinheiten seines Drehbuchs waren den meisten Kritikern vor lauter Empörung schlicht und ergreifend durch die Lappen gegangen – und dem Publikum sowieso.

Ein sexsüchtiger Millionär wird in seinem Haus brutal ermordet aufgefunden. Bei den Ermittlungen fallen dem Staatsanwalt David Corelli (David Caruso) Fotos aus dem Safe des Opfers in die Hände, die den Gouverneur Lew Edwards (Richard Crenna) beim wilden Sex mit einer deutlich jüngeren Frau zeigen. Aufgenommen wurden die Bilder in einem Strandhaus des Millionärs, in dem dieser reiche Männer mit jungen Mädchen zusammenbrachte. In einem dieser Mädchen – „Jade“ genannt – erkennt Corelli seine ehemalige Geliebte, die Psychologin und Buchautorin Katrina Gavin (Linda Fiorentino), die mittlerweile mit seinem besten Freund, dem Spitzenanwalt Matt (Chazz Palminteri) verheiratet ist. Alle Indizien deuten darauf hin, dass Katrina die Mörderin ist. Allein es fehlt ein Motiv …

Auf den ersten Blick ist JADE einer jener „skandalträchtigen“ Erotikthriller für geile alte Herren, die man als Eszterhas‘ Kernkompetenz ausgemacht zu haben glaubte. Seine Frauen sind idealtypische Femme Fatales, die beim Sex alle Hemmungen über Bord werfen, ihren Kunden auffallend bereitwillig jeden noch so abseitigen Wunsch erfüllen und auch vollständig bekleidet eine entschieden aggressive erotische Ausstrahlung haben. Die Männer scheinen hilflose Opfer, mit Schweißperlen auf der Stirn verzweifelt die Erektion in der Hose zu verbergen suchend, auf den Status pubertierender Jungs zurechtgestutzt. Die Kamera gleitet dazu wie mit Vaseline eingerieben durch die mondänen Settings, die Affluenz, aber auch Dekadenz ausstrahlen, penetriert die Privatsphäre der Charaktere, präsentiert sie wie in einem Kataog für Luxus-Prostituierte. JADE hat etwas entschieden Marktschreierisches in seinem aufgesexten Plot, ist gleichzeitig anziehend und abstoßend, und macht erst ganz zum Schluss klar, dass das kein Unfall, sondern Teil der Strategie ist. Bemühen sich Friedkin und Eszterhas 80 Minuten lang, Katrina als perverse Lustmörderin zu zeichnen, erzeugen sie im (männlichen?) Zuschauer eine Mischung aus erotischer Faszination und Angst vor dem vermeintlich Anderen, stellen sich am Ende – wer hätte das gedacht? – die Männer als die eigentlichen Übeltäter heraus. Alle, alle miteinander haben sie Dreck am Stecken: Nicht zuletzt Corelli und seine Männer, die nicht nur wichtige Indizien ignorieren, wenn sie ihnen nicht in den Kram passen, d. h., wenn sie ihre einflussreichen Freunde gefährden, sondern sich auch bis zum Schluss nicht daran stören, dass ihre Hauptverdächtige kein Motiv hat. Gouverneur Edwards hat es da deutlich besser: Obwohl er einen mehr als überzeugenden Grund dafür hatte, den Millionär zu ermorden, wird er nicht weiter behelligt: Er könnte ja noch die eigene Karriere befördern. Und ein Blick in das Gesicht Trinas lässt es dann doch äußerst fraglich erscheinen, ob sie tatsächlich diese sexgeile Schlampe ist, als die sie da gezeichnet wird, oder nicht doch eher ein Opfer, das sich für das kleinere Übel entschieden hat. Das Ende reißt dem Betrachter jedenfalls in ähnlicher Manier den Boden unter den Füßen weg, wie das zuvor schon Friedkins RAMPAGE bewerkstelligte. Unbedingt wieder- und neuentdeckenswert, ein grotesk unterschätzter Thriller über Männer, Macht und Frauen(-bilder).

David Caruso ist ja mittlerweile aufgrund seiner eindimensionalen Rolle in CSI MIAMI zu einer Art besonnenbrilltem Running Gag verkommen, aber anno 1995 war der Star der Fernsehserie NYPD BLUE auf dem Sprung, auch im Filmgeschäft groß rauszukommen. Anlässlich dieses Films wurde sogar in der Splatting Image ein Interview mit ihm abgedruckt, in dem er Steve McQueen als sein großes Vorbild nannte: Er bewundere an ihm die mimische Ökonomie, das Talent, mit einem Minimum an Mitteln maximalen Effekt zur erzielen. In KISS OF DEATH zeigt Caruso, dass er die McQueen’sche Coolness tatsächlich gut zu adaptieren versteht – er muss keine beeindruckende Physis mitbringen oder Muskeln zeigen, um klarzumachen, dass man mit ihm besser keine Spielchen spielen sollte. In einem famos besetzten Film ist er das unumstrittene Zentrum, das menschgewordene Auge des Tornados. Schade, dass seine Filmkarriere nach einigen gescheiterten Anläufen baden ging. Zumal die Filme, die daran „Schuld“ waren, in einer gerechten Welt niemals gefloppt wären. KISS OF DEATH ist einer davon.

Das Remake des (mir noch unbekannten) gleichnamigen Noir-Klassikers von 1947 wurde von Barbet Schroeder als hochkonzentrierter Männerfilm auf die Leinwand gebracht. Schroeder interessiert sich dabei kaum für gängige Genremechanismen. Die sonst zentralen Actionszenen sind kurz, dafür aber umso drastischer, die Rache des gebeutelten Helden wird nicht zum blutigen Triumphzug ausgewalzt, sondern mit den Mitteln des Verstandes verübt und die überlebensgroßen, archetypischen Figuren lassen immer wieder Eigenschaften aufblitzen, die ihnen ungewohnte Tiefe verleihen. Es sind nicht so sehr die großen dramatischen Schlüsselszenen des Films, die haften bleiben, sondern eben die kleinen Momente, die von Schroeder nahezu gleichberechtigt behandelt werden. So sehr man es auch mit einem typischen Hardboiled-Stoff zu tun hat: KISS OF DEATH wirkt stets real und glaubwürdig, ohne dabei auf fragwürdige Authentifizierungsstrategien zurückgreifen zu müssen. Der Film ist selbst dann, wenn er Nicolas Cage eine Plattform zum Megaacting bietet, noch so down to earth wie sein Hauptdarsteller.

Der Autoknacker Jimmy Kilmartin (David Caruso) will nach verbüßter Haftstrafe ein normales Leben mit Frau Beverly (Helen Hunt) und gemeinsamer Tochter führen. Doch mit seinem in krumme Dinger verwickelten Cousin Ronnie (Michael Rapaport) klopft schnell die kriminelle Vergangenheit an die Tür. Ronnie bittet Jimmy, als Fahrer bei einer groß angelegten Autoschieberei zu fungieren, „Little Junior“ (Nicolas Cage) bringe ihn sonst um. Jimmy ist nicht der Typ, der seine Familie hängen lässt, also willigt er ein. Wenig später bereut er diese Entscheidung: Der Konvoi wird von der Polizei angehalten und weil sein Beifahrer das Feuer auf den Polizeibeamten Calvin Hart (Samuel L. Jackson) eröffnet und ihn verwundet, sieht sich Jimmy einer Anklage wegen versuchten Mordes gegenüber. Während er im Knast sitzt, kommt seine Gattin Beverly ums Leben – nachdem sein feiner Cousin sie ins Bett zerren wollte. Jimmy sinnt auf Rache, serviert er Ronnie mit einem gezielten Tipp beim aalglatten Staatsanwalt Zioli (Stanley Tucci) ab. Und der sieht in Jimmy ein geeignetes Werkzeug, die eigene Karriere voranzubringen: Nach seiner Entlassung soll der ihm helfen,  Little Junior hinter Gitter zu bringen …

Man kann nicht sinnvoll über KISS OF DEATH sprechen, ohne auf seine Schauspieler einzugehen. Schroeder kitzelte selbst aus Idi Amin eine unfassbare Performance heraus, kein Wunder, dass er die Riege herausragender Darsteller zu Glanzleistungen motivierte, die den eher ruhigen Film zum Strahlen bringen. Zu Caruso habe ich mich schon geäußert, aber Cage, Tucci, Jackson und Rapaport sind kaum weniger großartig. Ersterer gibt seinen Junior als Trainingsanzug-Proleten mit Asthma und Abneigung gegen Metallbesteck. Seine Auftritte sind kurz, aber unvergesslich, prägnante Beispiele seines berüchtigten Megaactings: Nach dem Tod seines Vaters tanzt er autoaggressiv zu Kirmes-Techno, er macht Gewichtheben mit einer Tänzerin seines Stripclubs, möchte sich mit Jimmy in einem Anfall von Introspektion über „life and shit“ unterhalten, gibt sich motivierende Akronyme („it helps you to visualize your goals) und hat sich dabei für „B.A.D“ entschieden, was für „balls, attitude, direction“ steht. Jimmys Vorschlag „F.A.B“ – „Fucked at Birth“ – ist ihm hingegen entschieden zu negativ. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil dieser Dialogzeilen sowie Einfälle wie die Besteckabneigung auf Cages eigene Improvisation zurückgehen – und erstaunlicherweise zerreißen diese tonal krass herausstechenden Momente den Film nicht, sondern fügen sich wunderbar ins Bild. Es sind diese superspezifischen Details, die Little Junior – eigentlich ein echter Kintopp-Schurke – gegen jede Wahrscheinlichkeit zu einer runden, lebendigen Figur machen. Eine Überraschung ist auch Samuel L. Jackson: Agiert er seit Jahren als Karikatur seines vor 20 Jahren etablierten „big black motherfuckers“, hat er hier eine überraschend differenzierte Rolle bekommen. Der Cop, der von seiner Schussverletzung ein tränendes Auge und Migräneanfälle davongetragen hat und dessen Zorn auf Jimmy sich in echte Sympathie verwandelt, als er bemerkt, dass der genauso ein Opfer seiner Umwelt ist wie er, ist in KISS OF DEATH ein emotionales Zentrum neben dem Zentrum. Diese Wandlung eines Nebencharakters zur echten Identifikationsfigur ist nur eine der zahlreichen unerwarteten Überraschungen, die Schroeder bereithält. Unbedingt ansehen!

In der nordamerikanischen Wildnis werden diverse Urlauber (u. a. Cameron Mitchell und ein grünschnabeliger David Caruso) von merkwürdigen fliegenden kleinen Blutsaugermonstern angefallen und getötet. Sandy (Tarah Nutter) und Greg (Christopher S. Nelson) können eben noch in eine entlegene Kneipe entkommen, in der sich die beiden Veteranen Fred „Sarge“ Dobbs (Martin Landau) und Joe Taylor (Jack Palance) aufhalten, die schon lange ahnen, dass ein Alien in den Wäldern sein Unwesen treibt. Zusammen mit den Touristen gehen sie auf die Jagd nach dem Unhold …

Tja, wirklich aufregender als der zuletzt von mir im Wachkoma durchlittene THE DARK ist auch WITHOUT WARNING nicht, wenngleich sein Scheitern nicht ganz so eklatant ist. Greydon Clarks Film ist nämlich leider auf relativ herkömmliche Art und Weise monoton und langweilig: Der Film verheizt seinen einen, zugegebenermaßen ganz hübschen Spezialeffekt – die etwas an Maultaschen erinnernden Vampirfrisbees, die das Ober-Alien durch die Gegend wirft – gleich zu Beginn und hat dann nichts mehr nachzulegen, außer natürlich Martin Landau und Jack Palance, die seinerzeit tief in der B-Movie-Hölle versumpft waren und für manche Win-win-Situation sorgten: Kleine Exploitationfilme (etwa Jack Sholders spitzenmäßiger ALONE IN THE DARK) konnten sich mit der Präsenz der einstigen Hollywoodgrößen schmücken und die Stars endlich mal nach Herzenslust overacten. Vor allem Landau, der nach Greydon Clarks kurz zuvor entstandenem THE RETURN offensichtlich Gefallen an stulligen Alien-Stoffen gefunden hatte, frisst sich als durchgeknallter Ex-Soldat mit einem Bärenhunger durch seine Szenen und lockert die Gleichförmigkeit damit wohltuend auf. Palance muss demgegenüber nicht viel mehr tun, als seine Charakterfresse ins Bild zu halten, die ja für sich genommen schon ein unbezahlbarer Spezialeffekt ist. Sonst gibt es leider nicht viel, worüber man in Verzückung geraten könnte: Das Quäntchen Handlung ist nach zehn Minuten hinreichend durchgekaut und macht dann Raum für endloses Gelatsche durch den dunklen Tann. Schauwerte: Fehlanzeige, und das, obwohl mit Dean Cundey erwiesenermaßen ein Meister seines Fachs (u. a. die Carpenter-Klassiker HALLOWEEN, THE FOG, ESCAPE FROM NEW YORK, THE THING und BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA) hinter der Kamera stand (wie auch bei Clarks früheren Filmen). So dauert es bis zum kurzen und leider viel zu schmerzlosen Finale, bis man mit dem kürbisköpfigen Alienmonster endlich mal wieder was zu gucken bekommt. Genrehistorisch erwähnenswert ist WITHOUT WARNING vielleicht für die seinerzeit wohl unvermeidlichen ALIEN-Anleihen (die Opfer, die als „Vorrat“ aufgehängt werden, und die erwähnten Maultaschen, eine Art Quasi-Facehugger) sowie die vorsichtige Vorwegnahme von PREDATOR, dessen Darsteller Kevin Peter Hall auch hier ins Alienkostüm kletterte. Allerdings sollte man das nicht überbewerten, schließlich ist der Plot „Alien läuft durch den Wald und killt Menschen“ nicht so wahnsinnig spezifisch, dass nicht mehrere Menschen unabhängig voneinander auf diese brilliante Idee kommen könnten, ohne Urheberrechtsverletzungsklagen befürchten zu müssen. Mich hat an WITHOUT WARNING vor allem seine Besetzung fasziniert, die ihn fast zum OCEAN’S ELEVEN des Trash macht. Neben den Erwähnten übernehmen auch Neville Brand, Ralph KISS ME DEADLY Meeker und Fernseh- und Synchronstar Larry Storch Klein- und Kleinstrollen. Und hätte Greydon Clark David Caruso in weiser Voraussicht noch eine Sonnenbrillen-Szene ins Script geschrieben, wäre mein Urteil über seinen Film wahrscheinlich ganz anders ausgefallen.

Den Regisseur werde ich trotzdem mal ins Auge fassen, liest sich seine Filmografie doch so, als hätte dieser Mensch viel, viel Spaß in seinem Job gehabt. BLACK SHAMPOO dürfte eine Blaxploitationvariante auf Hal Ashbys SHAMPOO sein, SATAN’S CHEERLEADERS, HI-RIDERS (auch mit Brand und Meeker) und ANGELS‘ BRIGADE haben schon geile Titel, THE RETURN ist nach WITHOUT WARNING wahrscheinlich eh, ähem, Pflicht, JOYSTICKS steht nach der Lektüre von DESTROY ALL MOVIES!!! THE COMPLETE GUIDE TO PUNKS ON FILM ganz weit oben auf meiner Wunschliste und mit THE FORBIDDEN DANCE, jenem Lambada-Film, der ohne den Lambada-Song und ohne die Nennung des Tanzes im Titel auskommen musste, war er ja auch an dem albernen Schwanzvergleich der im Zorn auseinandergegangenen Cannon-Bosse Menahem Golan und Yoram Globus beteiligt. Vielleicht sollte man seine Biografie verfilmen.

Billy Turner (Judd Nelson) kehrt nach fünfjähriger Abwesenheit in seine floridianische Heimatstadt Blue City zurück, die er nach einer Auseinandersetzung mit seinem Vater verlassen hatte. Mit diesem will er sich nun versöhnen, muss aber erfahren, dass er – immerhin der Bürgermeister von Blue City – vor einem Jahr von einem unbekannten Täter erschossen wurde.  Weil sich in der Stadt niemand wirklich für den Mord zu interessieren scheint – auch nicht die Polizei -, ermittelt Billy auf eigene Faust. Sein Verdacht fällt bald auf den dubiosen Geschäftsmann Kerch (Scott Wilson): Der hat nicht nur die ganze Stadt eingeschüchtert, sondern sich auch gleich noch Billys Stiefmutter Malvina (Anita Morris) und mit ihr das Familienvermögen unter den Nagel gerissen. Zusammen mit seinem alten Schulfreund Joey (David Caruso) und dessen Schwester Annie (Ally Sheedy) beginnt Billy Druck auf Kerch auszuüben …

BLUE CITY vereint die THE BREAKFAST CLUB-Stars Judd Nelson und Ally Sheedy vor der Mitte der Achtzigerjahre schwer angesagten Kulisse Floridas und spinnt um sie herum eine Hardboiled-Geschichte, die von niemand geringerem als Walter Hill nach einem Roman des renommierten Krimiautoren Ross Macdonald für die Leinwand adaptiert wurde. Die Rückkehr-und-Rache-Geschichte ist aber letztlich kaum mehr als Genrestandard, der hier zudem nicht durch die Inszenierung gebrochen wird, wie das etwa in einem Hill-Film unzweifelhaft der Fall wäre: Es ist ausschließlich die Jugend seiner Protagonisten, die BLUE CITY von vergleichbaren Filmen abhebt. Der Rachefeldzug ist dann auch nicht von söldnerhaftem Know-how und heldenhaftem Mut, sondern vielmehr von Tollkühnheit und pubertärem Omnipotenzwahn geprägt. Die Gefahr, der sich Billy und Joey aussetzen, scheint ihnen kaum bewusst zu sein: Kerchs Casino zu überfallen ist für sie nicht mehr als ein lustiger Jungenstreich, ein Abenteuer, dessen erfolgreiche Ausführung später übermütig mit Dosenbier begossen und ausgelassenem Gelächter quittiert wird. Mir stellte sich während der Sichtung schon die Frage, ob diese Gewichtung so beabsichtigt war (was letztlich egal ist) oder ob sie nicht vor allem auf das Konto von Nelson geht: Dem nimmt man den verwegenen Badass aufgrund der von ihm schon im BREAKFAST CLUB ausgeloteten Teenage-Angst-Symptome nur schwerlich ab. Billys Renitenz hat immer eher etwas von Bockigkeit und jugendlichem Selbstmitleid als von gerechtem Zorn und wenn er tonlos vor sich hin nuschelt, fällt es schwer, ihn als Bedrohung wirklich ernst zu nehmen. Ally Sheedy trägt mit ihrem etwas manisch wirkenden, stieren Blick ihren Teil genauso dazu bei wie David Caruso, der mit Zahnlücke, Käppi, Lockenschopf und aufgemalt wirkendem Dreitagebart kaum weiter entfernt sein könnte von seiner in Coolness erstarrten CSI-Inkarnation. BLUE CITY, den man mit einigem Recht als Teenieversion von WALKING TALL bezeichnen könnte, ersetzt so die existenzialistische Schwere des Action- und Crimefilms durch jugendlichen Leichtsinn und Übermut, inszeniert den Kampf gegen die Bösewichte als Cowboy-und-Indianer-Spiel, ohne dabei jedoch völlig auf die Wahrnehmung seiner Protagonisten hereinzufallen: Als Zuschauer neigt man weniger dazu, Billy & Co. anzufeuern oder mit ihnen zu fiebern, als vielmehr die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen angesichts ihres Leichtsinns und zu hoffen, dass das alles gut ausgeht. Leider geht BLUE CITY ein wenig das inszenatorische Profil ab, um diesen Aspekt stärker herauszuarbeiten: Klar, die Kulisse wird postkartenverdächtig eingefangen, der Score heizt ganz gut ein und Langeweile kommt auch keine auf, aber es wäre schon interessant zu wissen, was etwa ein Walter Hill aus dem Stoff gemacht hätte. Regisseurin Manning durfte sich später noch an zwei MIAMI VICE-Folgen versuchen, für die sie sich hiermit sehr empfohlen hatte, hat zu BLUE CITY aber nur wenig eigene Ideen beizusteuern, inszeniert im positiven Sinne unauffällig und zweckdienlich. Die beste Leistung absolviert ohne Zweifel Paul Winfield, stets zuverlässiger Nebendarsteller, der hier ausnahmsweise mal eine etwas gewichtigere Rolle abbekommen hat, die ihm ausgesprochen gut zum markanten Gesicht steht. Fazit: Nicht ohne Schwächen, aber doch sehr unterhaltsam.