Mit ‘David DeCoteau’ getaggte Beiträge

André Toulon (Guy Rolfe) erinnert sich, wie er in den Besitz seines Geheimnisses gekommen war: Als junger Puppenspieler (Greg Sestero) im Paris der Jahrhundertwende begegnet er eines Tages dem Jahrtausende alten ägyptischen Zauberer Afzel (Jack Donner). Der hat der Gottheit Suthek das Geheimnis des Lebens entwendet und ist nun auf der Flucht vor dessen Schergen. Er weiht den Puppenspieler ein …

RETRO PUPPET MASTER knüpft nahtlos an den Vorgänger an: Wie dieser befleißigt er sich eines ruhigeren, beinahe märchenhaften Tons und fährt damit ganz gut. Gleichzeitig kehrt er aber zur ursprünglichen Mythologie um den Puppenspieler Toulon zurück, beleuchtet nun endlich die genauen Umstände, unter denen er zu jenem Mann wurde, dem sich die ersten Filme der Serie widmeten. Unter normalen Umständen würde ich kritisieren, dass dieser Erklärbär-Modus eher dazu geeignet ist, das Mysterium, das einen guten Horrorfilm auszeichnet, zu zerreden: Aber bei einem Full-Moon-Film ist man für jede erzählerische Idee dankbar und realistisch betrachtet war ja schon der Original-PUPPET MASTER nicht gerade der Stoff, der einen um den Schlaf bringt. Von einem Erbe, dem man Schande machen würde, kann also nur schwerlich die Rede sein. Auffällig ist, dass man die ursprüngliche Erklärung – bisher hieß es immer, Toulon habe das Geheimnis des Lebens selbst von einer Reise nach Kairo mitgebracht – hier zugunsten einer neuen verwirft. Wahrscheinlich schreckte man – zu Recht! – davor zurück einen Film dieser Größenordnung in der ägyptischen Metropole anzusiedeln. So spielt RETRO PUPPET MASTER also in Paris, auch gut. Der Titel bezieht sich sowohl auf den Rückblickscharakter des Films als auch auf das Puppendesign: Statt der altbekannten Puppenheimer, an denen man sich doch etwas sattgesehen hat, gibt es hier Toulons erste Schöpfungen zu sehen, die noch weniger geschliffen – eben im Retrolook – daherkommen und sehr hübsch anzuschauen sind. Weniger gut gelungen sind die visuellen Effekte um Sutheks Diener, die einen leichten MATRIX-Einfluss erkennen lassen: besonnenbrillte Anzugtypen mit verzerrten Stimmen. Es handelt sich aber um reaktivierte Mumien mit aufgemalten Fäulnisflecken im Gesicht, das wäre also der originelle Part.

Wie schon die vorangegangenen Beiträge kann  auch dieser Film das Wohlwollen des geneigten Zuschauers (sprich: meins) nicht bis zum Ende aufrechterhalten. Es fehlt einfach eine Idee, die über das bloß routinierte Abspulen des Vorhersehbaren hinausginge. Ich vermisste eine Überraschung, Raffinesse: Mag sein, dass das zu viel verlangt ist von einem Full-Moon-Film, der in erster Linie Geld bringen soll, aber wenn man solche Filme nicht mit einem gewissen Enthusiasmus macht, warum dann überhaupt? Das Finale muss man schon als antiklimaktisch bezeichnen und das liegt nicht nur daran, dass offensichtlich keine Kohle da war, um sich etwas halbwegs Spektakuläres zu leisten. Wie dem auch sei: RETRO PUPPET MASTER ist ganz niedlich und bleibt als besserer Eintrag der Serie im Gedächtnis. Ich bin jetzt erst einmal ganz froh, etwas anderes schauen zu können. Die nach diesem entstandenen PUPPET MASTER-Filme werde ich wohl vorerst meiden, Komplettierung bin ich aber nie abgeneigt. Full Moons Oeuvre bleibe ich zukünftig treu, die TRANCERS- und SUBSPECIES-Reihen sowie die ersten beiden GINGERDEAD MAN-Filme mit Gary Busey sind schon vorgemerkt. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie mag ich diesen trivialen Schrott …

Der etwas tumbe, aber herzensgute und hoch talentierte Robert (Josh Green) wird von Dr. Magrew (George Peck), der ein Puppenkabinett betreibt, als Assistent engagiert. Seine Figuren sind von echtem Leben beseelt und auch Robert soll in diese Kunst eingeführt werden. Zwischen dem Jungen und Magrews Tochter Jane (Emily Harrison) entspinnt sich jedoch eine sanfte Romanze, die dem Puppenmeister nicht so recht in den Plan passt. Denn er hat andere, finstere Pläne für Robert …

Nach dem selbst für Full-Moon-Verhältnisse katastrophal miesen PUPPET MASTER 5: THE FINAL CHAPTER ging man in den Büros der rührigen DTV-Horrorschmiede in Klausur. Knapp fünf Jahre verstrichen, bis dieser sechste Beitrag zur Reihe veröffentlicht wurde. Und das Bedürfnis nach einem Neuanfang erkennt man sofort: Schon der Titel bricht mit der bisherigen Tradition simpler Durchnummerierung, inhaltlich hat CURSE OF THE PUPPET MASTER mit den Vorgängern fast gar nichts zu tun. Der Name „Toulon“ taucht mal auf einem Schild auf, ohne dass weiter darauf eingegangen würde, und natürlich sind die liebgewonnenen Puppen mit von der Partie, doch sonst ist DeCoteaus zweiter Beitrag zur Reihe bemerkenswert eigenständig und „unseriell“. Anstatt weiter im Modus des Achtziger-/Neunziger-Videothekenhorrors zu machen, der seine Inspiration dem Slasherkino verdankte, orientiert sich DeCoteau für diesen Beitrag eher am klassischen Horrorfilm, der immer mit leicht melodramatischer Note ausgestattet war. Im Mittelpunkt stehen also Menschen, nicht irgendwelcher kindischer Unfug. Nur langsam – mancher würde vielleicht auch sagen: langweilig – entfaltet sich die Geschichte um Robert, seine unglückliche Liebe zu Jane und das Geheimnis des Puppenspielers Magrew: Zwar ahnt man recht früh, wohin die Reise gehen wird, und CURSE ist auch nicht frei von den erwartbaren Defiziten des Low-Budget-Films, aber der Versuch, das ganze Treiben emotionell zu erden, ist definitiv ein Schritt in die richtuge Richtung und muss gelobt werden. Okay, die Schauspieler sind bestenfalls durchschnittlich, die Dialoge hölzern und die Puppeneffekte haben sich auch nicht eben weiterentwickelt, aber mir hat der Film trotzdem Spaß gemacht. DeCoteau macht genau das, was schon seinen dritten Teil herausstechen ließ: Er verlässt sich nicht auf seine Effekte und den vergänglichen Reiz der Stop-Motion-Puppen, sondern bietet „Charaktere“ an, deren Schicksal den Kern der Geschichte ausmacht. Dass dabei kein Film rausgekommen ist, der zu Tränen rührt, bis ins Mark erschüttert oder einen in Euphorie versetzt, war wohl zu erwarten. Ich würde ihm das nicht vorwerfen. Für das, was er ist, ist CURSE sehr, sehr ordentlich geworden.

Während des Zweiten Weltkriegs versucht Professor Hess (Ian Abercrombie) für die Nazis ein Serum zu entwickeln, mit dem man Tote wiederbeleben kann – ohne Erfolg. Als die Aufmerksamkeit der Nazis auf den systemkritischen Puppenspieler Toulon (Guy Rolfe) fällt, kommen sie ihrem Wunsch jedoch ein Stück näher. Denn dessen Puppen scheinen tatsächlich zu leben. Major Krauss (Richard Lynch) will ihm sein Geheimnis um jeden Preis abjagen …

Heute würde man PUPPET MASTER III: TOULON’S REVENGE als „Prequel“ bezeichnen. 1991 war man da weniger akribisch und freute sich lediglich über eine Fortsetzung, die einem etwas Vorgeschichte zum Puppenspieler Toulon lieferte. Man erfährt zwar nichts wirklich essenziell Neues – was die Nazis von ihm im ersten Teil wollten, war ja klar –, dennoch ist es – ausgerechnet!, möchte ich hinzufügen – DeCoteau tatsächlich gelungen, den bislang besten Film der Reihe vorzulegen. Schon vom ersten Blick auf die optimistisch als „Berlin, 1941“ bezeichnete Pappmaché-Stadt hebt die Stimmung an. Zwar wurde PUPPET MASTER III zu 100 % in muffigen Studiosettings realisiert (IMDb weist als Drehort „Backlot, Universal Studios“ aus), doch das historische Setting, die Anwesenheit schurkischer Nazis, allen voran Richard Lynch, und missglückter Zombieexperimente, lässt dieses Manko leicht vergessen. Richtig spannend ist auch dieser Teil wieder nicht, aber eben auch nicht so beliebig und generisch wie sein direkter Vorgänger.

Am wichtigsten ist wohl, dass einem die Figuren nicht mehr so schrecklich wurst sind wie in den Teilen zuvor: Guy Rolfe – der seine Rolle aus DOLLS wiederholt – füllt den Part des Toulon mit jenem Leben, lässt den Zuschauer in einigen Szenen wirklich mitleiden, macht den Schmerz des Puppenspielers nachvollziehbar. Zum ersten Mal hatte ich in dieser Serie das Gefühl, dass der Puppenspieler nicht nur erfunden wurde, um einen Grund für seine lustigen Kreationen zu haben, sondern dass diese Figur wirklich Potenzial hat. Die tragischen Untertöne stehen PUPPET MASTER III: TOULON’S REVENGE sehr gut zu Gesicht. Am Ende, wenn Toulon Deutschland mit seinen Puppen im Gepäck verlässt, kam wirklich etwas Vorfreude auf Teil 4 auf. Die wurde durch die stussige Ankündigung von PUPPET MASTER 4: WHEN BAD PUPPETS TURN GOOD auf typisch Full-Moon’sche Art unterlaufen, aber immerhin. In einer nicht unwichtigen Nebenrolle als General Müller ist übrigens Walter Gotell, der KGB-Russe aus unzähligen Bond-Filmen, zu sehen. Er scheint seinen Spaß gehabt zu haben: Kein Wunder, darf er doch in der obligatorischen Tittenszene mitwirken.

Die drei Studenten Jimmie (Hal Havins), Keith (John Stuart Wildman) und Calvin (Andras Jones) werden dabei erwischt, wie sie beim Initiationsritus der Tri-Delta-Sorortity die nackten Bewerberinnen (u. a. B-Film-Babe Brinke Stevens) bespannen und mit diesen zu einer Mutprobe verdonnert: Aus dem nächtlichen Bowlingcenter sollen sie eine Trophäe entwenden. Dumm, dass der ausgewählte Pokal einen Kobold beheimatet, der nach seiner Freisetzung mit der Erfüllung diverser Wünsche lockt, die dann aber allesamt nach hinten losgehen. Gemeinsam mit der Einbrecherin Spider (Linnea Quigley) versucht Calvin, dem bösen Treiben ein Ende zu setzen …

Man darf vermuten, dass SORORITY BABES IN THE SLIMEBALL BOWL-O-RAMA nur entstand, weil Charles Band den Titel gekauft hatte und noch einen Film dazu brauchte. David DeCoteau kurbelte das Ding auf seine ihm eigene Art runter, ohne sich viel darum zu scheren, ob das Endprodukt den Verheißungen des Titels gerecht würde. Warum auch? Es würden sich genug Trash-Aficionados finden, die ihren Obolus dafür entrichteten. Klar, es gibt die versprochenen „Sorority Babes“ und eine Bowlingbahn, aber lustloser als hier könnte man die beiden Bestandteile kaum verbinden. Die Exposition ist dabei noch recht, ähem,  „viel versprechend“: Die Tri-Delta-Sorority besteht anscheinend nur aus drei Mädels und ihr Initiationsritus beinhaltet ein kräftiges Spanking und das anschließende Besprühen mit Schlagsahne (?), sodass man sich wundern muss, warum die Mädels sich über die männlichen Spanner überhaupt aufregen. Und die idiotische Mutprobe, zu der sich dann alle ohne jeden Widerspruch bereit erklären, obwohl sie doch einfach nach Hause gehen könnten – sie sind immerhin in der Überzahl! – ist ebenfalls aus dem Stoff, aus dem beknackte Trashfilme gestrickt sind. Leider versumpft DeCoteaus Film danach beträchtlich: OK, der Kobold, der einen Eddie-Murphy-mäßigen Jive talkt, ist irgendwie ganz putzig und dass sich eine der Sorority-Anwärterinnen auf Wunsch von einem der Spanner in eine Nymphomanin verwandelt, möchte man dem Film auch noch positiv anrechnen, aber das alles ist so fürchterlich träge inszeniert, dass die nur 80 Minuten Spielzeit ganz schön lang werden. Der eh schon plätschernde Fluss des Films wird zudem immer wieder durch ausufernde Dialogpassagen aufgehalten, die von den unterirdischen Schauspielern ohne jeden dramatischen Ausdruck absolviert werden, und wenn es dann mal ans Eingemachte geht, fehlte offensichtlich das Geld für Effekte und es wird just dann weggeschnitten, wenn es eigentlich interessant werden sollte. Nach Betrachtung von SORORITY BABES IN THE SLIMEBALL BOWL-O-RAMA stellt sich wieder mal die Frage, ob das jetzt nicht Exploitationkino par excellence ist – eben weil es mit dem Titel an die niederen Instinkte der Zuschauerschar appelliert, ohne diese dann wirklich bedienen zu können – oder aber die zynische Schattenseite einer Filmtradition, die im Bestfall Kino jenseits ausgelatschter Pfade hervorbrachte. Es spricht einiegs für die These, dass DeCoteaus Film mehr mit ätzenden Abschreibungsproduktionen der Hollywoodstudios zu tun hat, als er das einzugestehen bereit wäre. Naja, immerhin habe ich ihn jetzt endlich mal gesehen.