Mit ‘David Hasselhoff’ getaggte Beiträge

Da THE CHEERLEADERS drei Jahre zuvor ein überaus ertragreiches Geschäft darstellte, war das Sequel nur eine Frage der Zeit, die dann 1976 abgelaufen war. Dabei könnte REVENGE OF THE CHEERLEADERS gut und gern auch ein eigenständiger Film sein: Sieht man mal davon, ab, dass es erneut um die meist sexuellen Abenteuer der titelgebenden Motivierdamen geht, bestehen zwischen beiden Filmen keinerlei inhaltliche Gemeinsamkeiten.

Ein handfester Skandal erschüttert die heruntergekommene kalifornische Aloha High School in ihren Grundfesten: Heather (Rainbeaux Smith), eine der Cheerleaderinnen, ist schwanger und diese Entgleisung sieht der fiese Unternehmer Hartlander (William Bramley) als Chance, die Schule zugunsten einer Shopping Mall dem Erdboden gleichzumachen. Vorher wird jedoch ein neuer Rektor installiert, um dem unmoralischen Treiben ein Ende zu machen. Dem begegnen die Cheerleaderinnen mit vereinten Kräften, Hinterlist und gespreizten Beinen, bevor sie sich des Kapitalisten annehmen.

Der Plot bietet erneut den Hintergrund für all jene Exzesse, die schon den ersten Teil zum Hit in einschlägigen Kinos machten zuzüglich einiger Tanznummern, die erheblich dazu beitragen, REVENGE OF THE CHEERLEADERS auf Spielfilmlänge zu bringen: Schon die Titlesequenz zeigt die sechs ethnisch diversen Heldinnen, wie sie auf ihrer Fahrt durch die Vororte von L.A. am Steuer des Wagens lachend und gut gelaunt blank ziehen, ganz eins mit sich und ihrer weiblichen Natur. David Hasselhoff spielt einen der männlichen Tänzer, die die Cheerleader begleiten, und wird nur wenig später in einer öffentlichen Toilette von der feixenden Blondine Sesame (Patrice Rohmer) durchgezogen, seinem Namen „Boner“ offensichtlich alle Ehre machend. (Dem langen Lulatsch, der später mit seiner Musik die Berliner Mauer zum Einsturz brachte und Deutschland quasi im Alleingang wiedervereinigte, beim Tanzen zuzusehen, ist eine der Freuden, die dieser Film spendet.) Später gibt Tishi (Susie Elene), die Asiatin der Truppe, dem glucksenden Angestellten der örtlichen Eisdiele einen Blowjob hinter dem Tresen, während er einer nichts ahnenden Dame einen Banana Split zubereitet. Seinen frühzeitigen Höhepunkt findet REVENGE OF THE CHEERLEADERS, als die Mädels anlässlich des Besuchs des Schulamts die Mensa-Bolognese mit Marihuana und LSD versetzen und daraufhin eine zügellose Schaumparty samt Rudelbums auslöse.

Im Finale schrammt REVENGE OF THE CHEERLEADERS gar den (preiswerten) Actionfilm und sucht die Nähe zu Werken wie Ted V. Mikels THE DOLL SQUAD, als nämlich der Kampf mit den Schergen Hartlanders aufgenommen und sogar dessen unterirdisch gelegenes, an einen Bondfiesling gemahnendes Schurken-Hauptquartier geentert wird. Das alles ist ohne Sinn für visuelle Gestaltung in ultrabillig aussehenden Settings, dafür aber mit jeder Menge Verve, Freude am Chaos und Sinn für das „Wesentliche“ inszeniert. Absurder Gipfel des Ganzen ist aber eindeutig die Anwesenheit des schwangeren Softsex-Stars Rainbeaux Smith, der seinen Neun-Monats-Bauch beim besten Willen nicht mehr verbergen konnte: Flugs wurde ihre Schwangerschaft im Drehbuch aufgenommen. Man hat ein bisschen Mitleid mit ihr, wie sie da in den „erotischen“ Animierszenen immer an den Rand des Bildes gedrängt wird, damit ihre speziellen Rundungen nicht zu sehr von den anderen ihrer Kolleginnen ablenken: Zur Wiedergutmachung darf sie am Ende mit ihrem echten Kind voll erfülltem Mutterglück in die Kamera lächeln. Ein denkwürdiges Ende für dieses Werk.

Die Zweitsichtung dieses Wunderwerks, diesmal nicht im Heimkino, sondern auf der großen Leinwand in wunderschönem, entspanntem Rahmen, mit einem Publikum, dessen tosender Schlussapplaus erahnen ließ, dass der farbenfrohe Unfug da oben manches Herz erobert hatte. Es ist aber auch wahrlich schwer, sich der einlullenden Liebenswürdigkeit des Films zu entziehen, so schwer, dass selbst der abgebrühteste Zuschauer irgendwann die Waffen strecken und sich dem vor seinen Augen entfachten Zauber ergeben muss. Nie zuvor habe ich einen Film gesehen, in dem die Protagonisten – Pilotin Stella Star (Caroline Munro), Navigator Akton (Marjoe Gortner) und der treue Roboter Elle (Judd Hamilton) – so viel platonische Zuneigung für einander übrig haben, an einen Konflikt zwischen ihnen ist noch nicht einmal im Entferntesten zu denken. Sie lieben und verehren sich, und kein einziger böser Gedanke kommt ihnen in ihrer harmoniebeseelten Stimmung in die Quere. Immer wieder versichern sie sich ihren Respekt und ihre Sympathie, bedanken sich artig für die Hilfe des anderen, loben sich für die geleistete Arbeit und freuen sich wie kleine Kinder, wenn sie mal wieder eine besonders aussichtslose Situation gemeistert hat. Es ist klar, dass der böse Zarth Arn (Joe Spinell), der seine gesichtslosen Vasallen immer nur im Befehlston anblafft, keine Chance gegen so viel bedingungslose Liebe hat. Als Akton stirbt, überwiegt nicht die Trauer darüber, nun Abschied von seinen Freunden nehmen zu müssen, nicht die Angst vor dem Unbekannten, das ihm bevorsteht, sondern unendliche Dankbarkeit für die gemeinsam erlebten Abenteuer. Und wahrscheinlich zeigten viele der Zuschauer mit laufender Spielzeit des Films einen ähnlich entrückt-beseelten Gesichtausdruck wie der gute Akton. Mein Grinsen wurde jedenfalls immer breiter, und als der Emperor (Christopher Plummer) am Schluss mit der Seelenruhe, die nur ein Herrscher des Universums aufbringen kann, der schon alles gesehen hat, verkündet, dass nach der in letzter Sekunde abgewendeten Gefahr alle erst einmal wieder entspannen können, da wäre ich am liebsten für immer in meinem Sessel sitzengeblieben. STARCRASH ist, da muss ich der So-bad-it’s-good-Fraktion leider rüde übers Maul fahren, einer der schönsten Filme ever, ein absoluter Rausch, buchstäblich von einem anderen Stern, aus einem anderen Bewusstseinszustand zu uns herübergebeamt. Ein Film, mit dessen Protagonisten man sich anfreunden will, den man zum Kuscheln am liebsten mit ins Bett nehmen möchte. Oder, weil das natürlich etwas unpraktisch ist, wenigstens Stellar Star in ihrem geilen Fetischfummel, ihr wisst, was ich meine.

Die beiden Weltraumschmuggler Akton (Marjoe Gortner) und Stella Star (Caroline Munro) werden von dem intergalaktischen Polizisten Thor (Robert Tessier) und seinem Roboterhelfer Elle (Judd Hamilton) gefangen genommen und erhalten vom Emperor (Christopher Plummer) einen Auftrag: Sie sollen die Vernichtungswaffe des bösen Zarth Arn (Joe Spinell) finden und zerstören und auf der Suche Ausschau nach Simon (David Hasselhoff), dem Sohn des Kaisers, halten, der mit seinem Raumschiff Opfer eines Angriffs des Schurken geworden war …

Viel hatte ich von diesem Film gehört, jetzt habe ich ihn endlich gesehen, und, oh boy, das Warten hat sich gelohnt, denn STARCRASH dürfte wohl eines der beknacktesten jener Science-Fiction-Märchen sein, die im Gefolge von Lucas‘ Sternenoper die Kinos fluteten, aber gleichzeitig wahrscheinlich auch das wildeste, bunteste, psychedelischste und schlicht und ergreifend schönste – lediglich Mike Hodges‘ FLASH GORDON stellt noch ernsthafte Konkurrenz für ihn dar. Gleich zu Beginn beschleunigen Stella Star und Akton ihr Raumschiff auf Hyperspeed und anscheinend wird davon auch Cozzis Film erfasst, denn der jagt in den folgenden 90 Minuten von einem irrwitzigen Set Piece zum nächsten, ohne auch nur mal kurz Luft zu holen oder innezuhalten und sich zu fragen, ob das alles noch Sinn ergibt. Ein kurzer Abriss gefällig? Das Raumschiff von Simon wird von „roten Monstern“ (eigentlich eher rote Blubberblasen, die per Doppelbelichtung über das Bild gelegt werden) zerstört, Schnitt zu Akton und Stella, die von der Polizei verfolgt werden. Beide finden das führerlos treibende Raumschiff und bergen einen Verwundeten, der von den roten Monstern faselt, bevor Stella und Akton dann von der Polizei geschnappt und zu Strafarbeit verdonnert werden. Stella arbeitet in einem Reaktor, zettelt aber nach nur wenigen Stunden eine Meuterei an, sodass sie entkommen kann und schließlich in einem Maisfeld von einem Raumschiff abgeholt wird: An Bord sind wieder ihre Ankläger, die es sich jedoch anders überlegt zu haben scheinen, und ihr und Akton nun den oben beschriebenen Auftrag erteilen. Die Suche nach den Überresten des Raumschiffs führt Stella und Elle erst an einen Strand, wo sie von berittenen Amazonen gefangen genommen werden und schließlich vor einem riesigen Roboter fliehen müssen. Die nächste Reise führt auf einen Eisplaneten, wo Elle und Stella sich einschneien lassen müssen und nur von Elles Roboterenergie am Leben gehalten werden können. In einer Höhle findet Stella am Schluss schließlich den Prinzen Simon, der beiden im Kampf gegen Zarth Arn hilft, alles explodiert, Ende.

Diese rasante Aneinanderreihung von Episoden wird vor allem durch den Look des Films zusammengehalten: Als habe ihm eine Low-Budget-Version von 2001: A SPACE ODYSSEY vorgeschwebt, kleistert Cozzi nämlich jede Einstellung mit preisgünstigen Spezialeffekten zu – Rückprojektionen, Doppelbelichtungen, Stop-Motion, Miniaturmodelle – und hüllt seine Protagonisten in die neueste Fetischmode: alles, was das Nerdherz begehrt. Die Effekte sind natürlich ziemlich fadenscheinig und leicht zu durchschauen, doch tut das ihrem Gelingen keinen Abbruch, im Gegenteil: Die Ästhetik von STRACRASH unterstreicht das Artifizielle des Films, markiert ihn als Popfantasie und verleiht ihm erst seinen surreal-psychedelischen Charme, der jede Kritik an technischen Unzulänglichkeiten als das Geläster herzloser Erbsenzähler erscheinen lässt. Wer will sich denn allen Ernstes über mäßige Spezialeffekte beklagen, wenn unterm Strich ein Ergebnis wie eben STARCRASH herauskommt, ein Film, dem man die Liebe, Begeisterung, den Enthusiasmus und die ungezügelte Fabulierfreude seines Machers in jeder Sekunde anmerkt? Cozzi hat sich seine Vision nicht von miesepetrigen Machbarkeisterwägungen kaputtmachen lassen und das sollte man meines Erachtens entsprechend würdigen, als ihn mit nüchtern durchgerechneten Hochglanzprodukten zu vergleichen, deren Macher sich für das Budget von STARCRASH wahrscheinlich noch nicht einmal aus ihrem Bett erhoben hätten. Viel zu viele Filme kranken an fehlendem Mut, an der Abwesenheit jeglichen Wahnsinns und vor allem an der über allem stehenden technischen Perfektion, die doch oft ziemlich langweilig ist – wenigstens aber nicht allein einen guten Film ausmacht. STARCRASH ist mit seinem herrlichen kreativen Chaos ziemlich heilsam und mir tausendmal lieber als der inspirations- und kantenlos runtergekurbelte, dafür aber mit absurden Riesenbudgets aufgemotzte Retortenkäse, der einem heute als Eventkino verkauft wird.

Jaja, ich weiß, auch das ist im Grunde eine ziemlich miesepetrige und kulturpessimistische Haltung, aber wenn ich sehe, wie STARCRASH allerorten verlacht wird – selbst auf Seiten, von denen man eigentlich mehr erwarten könnte -, dann ruft das bei mir eben entsprechende Reflexe hervor. Ich finde es einfach nur traurig, wie die zunehmende Perfektionierung von Spezialeffekten den kindlichen sense of wonder fast völlig abgetötet hat: Dass man Kino – und Fiktion überhaupt – mit der suspension of disbelief begegnen, dass man dem Erzähler mit einem Vertrauensvorschuss begegnen, sich ihm überantworten sollte, diese Bereitschaft scheint ziemlich aus der Mode gekommen. Schade, schade, schade, denn lässt man sich auf Cozzis STARCRASH ein, nimmt man ihn mit seiner wahnwitzigen Ausstattung, seiner Krachbummpeng-Dramaturgie, seinen haarsträubenden Dialogen und seinen Netzhaut-ablösenden Spezialeffekten at face value, fährt man eindeutig besser – und darf sich auch mit 35 mal wieder wie ein staunender Sechsjähriger fühlen, der noch ein ganzes Leben voller Abenteuer vor sich hat: Vielleicht ja eines als Weltraumschmuggler mit einer Stella Star oder, für die Damen, einem schmucken Akton im Arm. Wer wird da nicht schwach?

Es lebe der Regress! Weil mir das Wiedersehen mit THE FALL GUY so viel Spaß gemacht hat und im Himmelhund-Blog ein Serienexkurs geplant ist, habe ich mir – zu Kurzschlusshandlungen neigender DVD-Komplettist und Konsumjunkie, der ich bin – die „Ultimate KNIGHT RIDER Collection“ zugelegt (ein hübsches Bildchen im Rahmen meines DVD-Regal-Updates wird in Kürze folgen). Als ich die Serie (relativ spät) zum ersten Mal gesehen habe – das muss so um ’89/’90 rum gewesen sein – hatte ich schon ein Alter erreicht, in dem ich sie nicht mehr ganz uneingeschränkt „cool“ finden konnte, zumal Hasselhoff damals bereits unter dem „Looking for Freedom“-Syndrom litt und einem mit halbwegs gutem Geschmack Ausgestatteten deshalb suspekt sein musste. Aber im Alter von 32, mit heftigem Nostalgiebedürfnis und der Fähigkeit ausgestattet, die Vergangenheit hemmungslos zu verklären,  kann auch KNIGHT RIDER zum großen Spaß reifen.

Wie dem auch sei. Der Pilotfilm hat mich jedenfalls sehr positiv überrascht und meine Hoffnungen und Erwartungen vollkommen erfüllt. Im Vergleich zu THE FALL GUY, die doch sehr kinderfreundlich und redneckig daherkommt mit ihrem ganzen Country- und Folk-Appeal, ist der Pilot von KNIGHT RIDER nämlich recht düster und – eines meiner derzeitigen englischen Lieblingswörter – bleak geraten. Im Grunde reflektiert die bekannte Credit-Sequenz der Serie, in der der schwarze TransAm zu eisig-steriler Synthiemusik vor einer blassvioletten Dämmerung, die an Endzeitfilme und Tschernobyl denken lässt, durch die Wüste rast, die Stimmung des Pilotfilms perfekt – mehr jedenfalls als die dann doch etwas braveren Episoden selbst. Der FBI-Agent Michael Long wird während eines Einsatzes, bei dem schon sein Partner sein Leben lassen musste, verraten, ihm wird ins Gesicht geschossen und man lässt ihn in der Wüste zum Sterben zurück. Doch der sterbende Milliardär Wilton Knight (Richard Baseheart) nimmt sich seiner (und seines Autos) an, verpasst Long ein neues, nach Knights jugendlichem Selbst modelliertes Gesicht und unterzieht seinen Wagen einer Generalüberholung. Als Long aufwacht, ist nichts mehr, wie es vorher war. Vom Durst nach Rache getrieben nutzt er die neue Identität als „Michael Knight“ und die Vorzüge seines Wunderautos K.I.T.T., um seine „Mörder“ aufzuspüren und zur Rechenschaft zu ziehen.

Auch dieser Pilot krankt natürlich an seinem Zuschnitt aufs Fernsehen und der daraus folgenden Episodenhaftigkeit, dennoch macht er einen weniger zerfahrenen Eindruck als der Pilot zu THE FALL GUY. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass es hier tatsächlich eine zu erzählende Backstory gibt, die KNIGHT OF THE PHOENIX in die Nähe der Origin-Stories aktueller Comicverfilmungen rückt. Und auch wenn die Dramaturgie des 90-minütigen Films ab der Hälfte der Spielzeit mehr und mehr ausfranst und die Harmlosigkeit der kommenden Serie vorwegnimmt, so lastet die Düsternis der ersten 45 Minuten doch noch merklich auf dem Geschehen. Dies liegt nicht zuletzt auch an Hasselhoff, dessen markige Originalstimme ihm mehr Kanten als in der deutschen Synchro verleiht und dann und wann ins Gefährlich-Prollige umschlägt. Gegen Ende, wenn er die Rolle des privatfinanzierten, motorisierten Vigilanten annimmt, die ihm vom Assistenten des mittlerweile verstorbenen Knight, dem britisch-reservierten Devon (Edward Mulhare),  angeboten wird, erhält man einen Eindruck davon, wie unheimlich diese Figur eigentlich ist: Als von Knight Industries finanzierter Ordnungshüter kann Knight all das ausleben, was ihm als einer höheren Ordnung unterworfenem Staatsbeamten verboten war. „I’ve spend years of my life fighting criminals of one type or another who always had the upper hand and now this. That’s a loner’s dream come true.“ Das Erstaunliche an dieser Aussage ist, dass sie kaum einen Hehl aus der ihr zugrundeliegenden Faszination macht – und das ist auch das eigentlich Spannende an der Figur Knights, dass allerdings in der Serie dann den typischen Mechanismen unterworfen und somit nivelliert wird. Trotzdem: Unter der Oberfläche britzelt, flimmert und knistert es so, wie unter der Motorhaube des Superautos.