Mit ‘David Keith’ getaggte Beiträge

white-of-the-eye-movie-poster-1987-1020252325In Tucson, Arizona, und Umgebung geht ein brutaler Frauenmörder um. Durch einen Reifenabdruck an einem der Tatorte kommt das Morddezernat in Vertretung von Det. Charles Mendoza (Art Evans) auf die Spur von Paul White (David Keith), einem hochbgeabten Installateur von Hi-Fi-Anlagen, Ehemann von Joan (Cathy Moriarty) und Vater einer kleinen Tochter. Die Hinweise, dass er der Mörder ist, verdichten sich. Es kommt zur Katastrophe …

Donald Cammells Karriere verlief ähnlich turbulent und überraschend wie die seines Protagonisten. Gemeinsam mit Nicholas Roeg inszenierte er den einflussreichen PERFORMANCE, benötigte dann sieben Jahre für den Sci-Fi-Schocker DEMON SEED und dann noch einmal zehn für WHITE OF THE EYE, die Verfilmung eines wenig beachteten Romans, deren Drehbuch er gemeinsam mit seiner damaligen Gattin schrieb und die zwei Jahre auf Halde lag, bevor sie veröffentlicht wurde. Kurz vor seinem Freitod im Jahr 1996 veröffentlichte er noch den Film WILD SIDE unter dem Pseudonym Franklin Brauner. Heute ist sich die internationale Cinephilie weitestgehend einig darüber, dass Cammell ein hoch interessanter, vollkommen eigenständiger und visionärer Filmemacher war, der nicht zuletzt an der Mutlosigkeit Hollywoods gescheitert war. „Nicht zuletzt“, weil Cammell wohl an dem litt, was man umgangssprachlich als „Schizophrenie“ bezeichnet: Als er sich am Ende einer unerfüllten Karriere beschloss, zu erschießen, verfehlte er sein Gehirn, verbrachte ca. 45 Minuten in einem Zustand der euphorischen Nahtod-Euphorie, während der er blutend am Boden liegend die Sterbeszene der Hauptfigur aus PERFORMANCE nachspielte – vor seiner ihm beistehenden Gattin wohlgemerkt -, bis ihn dann das Leben verließ. Auch der Protagonist aus WHITE OF THE EYE trägt wohl Eigenschaften ihres Schöpfers: So wissen Weggefährten von Cammells Operngesang zu berichten, ein Hobby, das auch Paul White pflegt.

Aber diese biografischen Elemente sind nur das i-Tüpfelchen auf einem ohnehin schon bizarren Film. Wobei es gar nicht so einfach ist, zu erklären, was es ist, dass WHITE OF THE EYE so rätselhaft macht. Zunächst einmal: Auch wenn man Cammells Film dem Serienmördergenre zurechnen muss, so stehen im Mittelpunkt des Interesses doch weniger die Mordserie, die Ermittlungen oder auch die Psychose des Mörders, sondern die Liebesgeschichte zwischen Paul und Joan, die in grobkörnigen Rückblenden nacherzählt wird. So geht es weniger darum, wie ein Mensch zur Bestie werden, welche Formen seine Krankheit annehmen kann, sondern darum, wie in der Bestie eben auch immer noch ein Mensch schlummert. Diese Dialektik arbeitet Cammell – möglicherweise au eigener Erfahrung – heraus wie kaum ein anderer: Während man anderen Film-Serienmördern den Psychopathen doch immer anmerkt, ahnt, dass ihre Freundlichkeit nur Tarnung ist, so schlagen in Paul Brust tatsächlich zwei Herzen. Er kann im schockierenden Finale vor seiner Gattin aus voller Überzeugung berichten, dass die Frau Ursache allen Übels ist und ausgelöscht gehört, und sie dennoch aus vollem Herzen lieben. Das ist erschreckender als alle skurrilen Perversionen, die den zahlreichen Serienkillern der Kulturgeschichte bislang zugeschrieben wurden. Und es verändert die Erzählhaltung des Films sowie die Position des Zuschauer total.

Passend dazu ist die unverwechselbare Ästhetik von WHITE OF THE EYE, ein Wechselspiel aus geschliffener Artifizialität und urwüchsiger Wildheit Ganz entscheidend für die trotz des gleißenden Wüstenszenarios winterliche, desolate Atmosphäre sind die Musik von Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason und natürlich die Kameraarbeit von Larry McConkey. Vor allem in den beiden Mordszenen trägt er dazu bei, dass WHITE OF THE EYE jenen stilisierten, künstlerischen Anstrich erhält, der stark an den italienischen Giallo erinnert und die brutalen Morde zu grotesken Kunst-Performances überhöht. Eine Rückblendensequenz, die das Geheimnis um die Identität des Mörders endgültig lüftet, erinnert in ihrem archaischen Naturmystizismus hingegen an den australischen Genrefilm. Das Finale, in dem es zu einer Art Western-Showdown kommt, will keine echte Katharsis bringen. Zu tragisch ist das Schicksal der Whites, zu wenig will man den Killer als unberechenbare Bestie erkennen, zu wahr schien die Liebesbeziehung zwischen Joan und Paul. Das muss am Ende sogar der Detective eingestehen. Als Joan ihm gegenüber die verlorene Zeit beklagt, entgegnet er nur: „What’s 10 years, when you’re in love?“

firestarter-movie-poster-1984-1020192887FIRESTARTER gehört durchaus noch zur ersten großen Welle von King-Verfilmungen, als die Studios sich von den eher durchwachsenen Kritiken und Zuschauerzahlen noch nicht beeindrucken ließen und weiterhin beachtliches Budget und Talent in immer neue Adaptionen steckten. FIRESTARTER sieht wie auch die etwa in die gleiche Phase fallenden CHRISTINE, THE DEAD ZONE oder CUJO fantastisch aus, ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt (neben den Hauptdarstellern David Keith, Drew Barrymore, Martin Sheen und George C. Scott agieren da z. B. Art Carney, Louise Fletcher, Moses Gunn. Antonio Fargas, Heather Locklear, Freddie Jones und Drew Snyder) und von Mark L. Lester technisch gewohnt kompetent umgesetzt. Der Soundtrack stammt von Tangerine Dream und die Feuereffekte sind auch heute noch spektakulär: Die Zerstörungsorgie am Schluss, bei der die kleine Charlene (Drew Barrymore) Kugeln an sich abprallen lässt und explodierende Feuerbälle verschießt, erinnert fast ein wenig an RAMBO: FIRST BLOOD PART II.

Trotzdem ist FIRESTARTER nicht 100-prozentig befriedigend. Auch wenn ich den Film gegen seinen nicht so berauschenden Ruf jederzeit verteidigen würde: Dramaturgisch funktioniert er nicht richtig, mutet ein wenig leer und leblos an und begeht zudem den Fehler, seine beiden wunderbar hassenswerten Schurken – George C. Scott als gemeines Halbblut John Rainbird mit Pferdeschwanz und Augenklappe, Martin Sheen nach THE DEAD ZONE erneut als schmieriger Staatsbeamter – viel zu früh über die Klinge springen zu lassen. Warum der Funke (hihi) nicht richtig überspringt, ist indessen nicht so leicht zu sagen. Der Film hat mehrere kleine Probleme. David Keith bleibt blass in der zugegeben undankbaren Rolle des telepathisch begabten Papas, Drew Barrymore ist niedlich, aber als Schauspielerin einfach noch nicht ausgereift genug, um die Hauptrolle zu tragen. Diese Spannung zwischen dem süßen kleinen Mädchen einerseits und der tödlichen Gefahr, die sie birgt, andererseits, und von der der Film eigentlich leben sollte, bleibt Behauptung, wird nie wirklich greifbar. Der gewohnt außerweltliche Score von Tangerine Dream passt nicht zu den doch eher knalligen Bildern, legt einen Schleier über sie und schafft so Distanz, wo er eigentlich die volle Wucht des Affekts unterstreichen sollte. Aber auch Lester leistet sich einige Ungeschicktheiten, arbeitet mit den immer gleichen visuellen und verbalen Cues, um die unsichtbare Psychoaktivität seiner Protagonisten anzuzeigen. Spätestens beim dritten Mal wird es einfach albern, wenn sich David Keith bedeutungsschwer an die Schläfen fasst oder Drew Barrymore „Back off“ skandiert, um ihre Kräfte zu drosseln. Da offenbart FIRESTARTER eine Käsigkeit, die im krassen Widerspruch zu seinen offenkundigen Production Values steht.

Trotzdem hat mir der Film, den ich zum ersten Mal gesehen habe, gut gefallen. Es ist ein bisschen so ähnlich wie mit dem kürzlich wiedergesehenen SHOOT TO KILL: FIRESTARTER repräsentiert eine Art von unaufgeregtem, professionellem Mainstream-Filmmaking, die heute kaum noch gepflegt wird, mit dem Ende der Achtzigerjahre, spätestens aber zum Jahrtausenwechsel völlig verschwunden ist. Diese Feststellung lässt sich bei Lesters King-Verfilmung gerade deshalb besonders gut anstellen, weil er thematisch so eng bei den Superhelden-Verfilmungen liegt, die heute den Status quo des Blockbuster-Genrekinos ausmachen. Statt pausenlosem Effekt-Heckmeck, 24 handelnden Charakteren und 35 angestoßenen Subplots für die geplanten nächsten 12 Spin-offs und Sequels gibt es hier ein intimes Vater-Tochter-Drama mit parapsychologischem Hintergrund und viele eher unausgesprochene Konflikte. Was will eigentlich John Rainbird von der kleinen Charlene? Die im Raum stehende Frage wird nie beantwortet, was die Beziehung zwischen den beiden umso unheimlicher macht.

Zack (Wil Wheaton) lebt mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester auf der Farm seines streng gläubigen Stiefvaters Nathan (Claude Akins). Als eines Nachts ein Meteorit auf dem Grundstück der Familie einschlägt und der herbeigeholte Doktor eine Untersuchung anordnet, melden sich die üblichen Bedenkenträger, die ihre Profite davonschwimmen sehen und jegliche Sorgen wegwischen. Auch Nathan zeigt sich hoch erfreut über die riesigen Früchte, die er bald schon ernten kann. Doch die Freude währt nur kurz: Nicht nur ist sämtlicher Ertrag ungenießbar, über das Trinkwasser hat die unbekannte außerirdische Substanz auch den Weg in den menschlichen Organismus gefunden. Für Zack, der als einziger skeptisch geblieben ist, wird es zunehmend gefährlich auf der Farm seines Stiefvaters …

THE CURSE basiert auf H. P. Lovecrafts Erzählung „The Color out of Space“ und steht aus diesem Grund schon seit langer, langer Zeit auf meiner virtuellen Movies-to-watch-Liste; dass ihm diverse Horrorlexika eine Vielzahl schleimiger Effekte bescheinigen, verstärkte mein Interesse nur noch. Dem hauptberuflichen Schauspieler David Keith ist mit seinem Regiedebüt ein sehr schöner Horror/Science-Fiction-Hybrid gelungen, dessen Drehbuch mit vielen guten Einfällen und spürbarer Sympathie für seine Figuren und deren Geschichte über die nicht allzu originelle Prämisse (in CREEPSHOW gibt es ein ganz ähnliches Segment) hinwegtäuscht. Während der eben von mir beschriebene HUMONGOUS alle Nebenkriegsschauplätze vermeidet und sich ganz auf seine Prämisse verlässt, also auf einem fast skizzenhaften Plot basiert, profitiert THE CURSE von seinen vielen Subplots, die ihn erst wirklich lebendig machen. Das beginnt bei dem Familienkonflikt, der nicht nur darin besteht, dass hier zwei unterschiedliche Familien zusammenfinden müssen, sondern vielmehr darin, dass der patriarchische Nathan mit seinen unnachgiebigen Wertvorstellungen aus einer anderen Zeit zu kommen scheint: Diese Konstellation lässt einen erst mit dem eigentliche Helden Zack mitfiebern, verbindet die Seuchenthematik mit einem schönen Coming-of-Age-Subtext. Hinzu kommt aber noch eine weitere, eine wirtschaftliche Ebene: Ein Grundstücksmakler hat seine eigenen Pläne mit dem Anwesen, ein großer Stausee soll hier bald entstehen und all diese Interessen konfligieren ganz erheblich mit der Bekämpfung der noch unsichtbaren Bedrohung, die von dem Meteoriten ausgeht. Man kennt das aus zahreichen anderen Filmen, trotzdem hat man hier nie das Gefühl, Standardware verabreicht zu bekommen. Zu diesem Eindruck gesellen sich zu guter Letzt die ekligen und einfallsreichen Spezialeffekte, die reichlich Gebrauch von Latex, Schleim und Maden machen und vor allem mit letzterer Zutat auf einen ihrer prominenten Urheber verweisen: Unter dem Namen „Louis Fulci“ werkelte nämlich niemand geringerer als Zombieopa Lucio Fulci an den FX für THE CURSE mit und die Italo-Connection wird noch vervollständigt durch den Komponisten Franco Micalizzi und Kameramann Roberto Forges Davanzati. Vielleicht ist es auch dieser europäische Einfluss, der THE CURSE eine eigene Note verleiht und ihn davor bewahrt, sich in die Reihen allzu oft allzu gleichförmiger US-amerikanischer Horrorfilme einzuordnen: Aller über den Protagonisten erreichter Familienfreundlichkeit und quietschbunter Optik zum Trotz bleibt THE CURSE angemessen unheilvoll und reizt sein horribles Potenzial nie ganz aus, sondern lässt immer noch ein bisschen Raum für eigene Albträume. Das Warten hat sich gelohnt!