Mit ‘David Warner’ getaggte Beiträge

Joe Patroni (George Kennedy) ist zurück – with a vengeance! Nach dem doch etwas betulichen AIRPORT ’77, der ganz ohne Steinzeit-Machismo und pralle Pilotenverherrlichung auskommen musste, haben sich die Autoren für den letzten Eintrag der Reihe noch einmal der Stärken besonnen, die das bisherige Highlight AIRPORT 1975 und mit Abstrichen den ersten Teil ausgezeichnet hatten: kernige Himmelhunde, die sich vor der in Ehrfurcht erstarrenden Frauenwelt wie Könige aufführen, demgegenüber hilflose Fräuleins, die immer mal wieder zur Vernunft gebracht werden müssen, und natürlich haarsträubend absurde Action. THE CONCORDE … AIRPORT ’79 bietet von allem reichlich und kann sich so einen souveränen zweiten Platz in der internen AIRPORT-Rangliste ergattern.

Die Story, die um das mittlerweile inaktive, damals aber noch topmoderne Überschallflugzeug herumgestrickt wurde, ist alla bonnör: Der Millionär und Waffenfabrikant Dr. Kevin Harrison (Robert Wagner) hat seine Killerdrohnen an feindliche Diktaturen verscherbelt. Weil seine Freundin, die Fernsehreporterin Maggie Whelan (Susan Blakely) (deren Sender dreiste PR-Berichte über das Mordwerkzeug bringt), davon Wind bekommt, will er sie beseitigen. Dafür setzt er erst eine seiner Drohnen auf die Concorde an, die von den beiden Piloten Patroni und dem Franzosen Paul Metrand (Alain Delon) geflogen wird. Weil das Attentat fehlschlägt, versucht er ein zweites …

Dieser bodenlose Unfug allein sorgt schon für großes Amüsement, vor allem, wenn der teigige Patroni mit dem Superflugzeug Loopings und Schrauben fliegt, um einer Drohne auszuweichen, gegen die sonst nicht einmal Kampfflugzeuge eine Chance haben. Die Passagiere kreischen und fallen nur so übereinander, während der Kameramann sein Handwerkszeug wild im Kreis herumwirbelt: Herrlich! Der Gipfel der Absurdität wird erreicht, wenn Patroni mal eben so im Flug das Fenster seiner Überschallmaschine runterkurbelt, den Arm rausstreckt und eine Leuchtkugel abfeuert, die die Hitzesensoren der Drohne ablenkt. Fo‘ shizzle my nizzle! George Kennedy hat hier den Spaß seines Lebens und die beste Dialogzeile, wenn er der Stewardess (Sylvia Kristel) auf ihre Bemerkung, die Piloten seien ja „such men“ (weil sie schwarzen Kaffee trinken), entgegnet: „They don’t call it the cockpit for nothing, honey!“ Später kommt man dann in den Genuss eines postorgasmischen Patroni mit einer Gespielin vor einem prasselnden Kaminfeuer, doch die „große Liebe“ stellt sich am nächsten Tag als Prostituierte heraus, die Metrand seinem amerikanischen Kumpel „geschenkt“ hat. Patroni ist ein guter Typ, er nimmt es dem Franzosen nicht krumm, sondern versorgt ihn sogleich mit schlüpfrigen Details seiner rauschenden Nacht. Der Film stürzt sich voller Inbrunst auf das Klischee des Piloten als nie wirklich der Pubertät entwachsendem Hallodri, der in jedem Hafen eine Braut hat, aber gegenüber einem schäbigen Matrosen eben auch noch swag bis zur Hutkrempe. Selbst wenn er so aussieht wie George Kennedy. Man wünscht sich fast einen Film, der Kennedy und Delon 120 Minuten lang im Pariser Nachtleben begleitet.

Die anderen Figuren fallen demgegenüber nicht wirklich ins Gewicht, sind aber ähnlich klischeehaft: Es gibt einen Saxophon spielenden Schwarzen (Jimmy Walker), der ständig zum Kiffen aufs Flugzeugklo geht, den alten Sack (Eddie Albert) mit der unverschämt jungen Geliebten (Sybil Danning), eine Spanierin (Charo), die einen Zwergpinscher in ihrem Muff an Bord schmuggelt, sowie diverse russische Sportler, darunter den „lustigen“ Trainer mit Schnurrbart und die Medaillenanwärterin (Andrea Marcovicci), die in einen amerikanischen Journalisten verliebt ist. Am Schluss, als sie sich in Todesangst das Ja-Wort geben, erhalten sie sogar den Beistand ihrer strengen Trainerin: Die Systeme stehen sich in THE CONCORDE … AIRPORT ’79 sehr freundschaftlich gegenüber, in der Realität wurde aus dem Traum leider nix: Die Olympischen Spiele in Moskau, auf die hier immer wieder angespielt wird, fanden ohne Beteiligung der US-Amerikaner statt. Nicht der einzige Punkt, in dem der Film der Wirklichkeit hinterherhinkte, wenn man sich anschaut, welches Ende es mit der Concorde nahm, die hier noch als Gipfel menschlicher Schöpfungskraft inszeniert wird.

 

mouth_of_madness_nocolorDer Versicherungsagent John Trent (Sam Neill) wird von dem Verleger Harglow (Charlton Heston) beauftragt, den Bestseller-Horrorautor Sutter Cane (Jürgen Prochnow) ausfindig zu machen, der seit einiger Zeit spurlos verschwunden ist und dessen bereits mehrfach verschobenes neues Werk von Millionen Fans mit wachsender Ungeduld erwartet wird. Gemeinsam mit Canes Agentin Linda Styles (Julie Carmen) findet Trent den Schriftsteller nach einer wahren Odyssee in dem Örtchen Hobb’s End, das auf keiner einzigen Karte verzeichnet ist. Vor Ort geschehen merkwürdige Dinge: Der ganze Ort scheint unter Canes Gewalt zu stehen und seiner Schreibmaschine zu gehorchen ….

IN THE MOUTH OF MADNESS bedeutete für Carpenter 1994 eine Art Rückbesinnung zu den eigenen Wurzeln, nachdem er mit der großbudgetierten Science-Fiction-Komödie MEMOIRS OF AN INVISIBLE MAN mächtig baden gegangen war. Inhaltlich war IN THE MOUTH OF MADNESS jedoch durchaus ambitioniert: Carpenter versuchte sich einerseits an einer filmischen Umsetzung der Ideen Lovecrafts, womit sich schon andere vor ihm äußerst schwer getan hatten, und verquickte dessen Bildwelten in einem selbstreflexiven Spiel zudem mit der schwierigen philosophischen Frage danach, ob Realität nicht auch nur eine Fiktion ist, die ziemlich viele Menschen glauben. Alles, was Trent im Laufe seiner Forschungen erlebt, wird sich am Ende, wenn er sich selbst als Protagonisten eines Films namens „In the Mouth of Madness“ im Kino sieht, als Bestandteil von Canes Fiktion herausstellen, die dank seiner Verbindung zu außer- oder unterirdischen Mächten Realität wird.

Wie eigentlich in allen gelungenen Filmen Carpenters, ist diese Wendung auch deshalb so effektiv, weil der Regisseur kein engmaschiges Netz webt, das keinerlei Lücken lässt, sondern eher eine Skizze entwirft, die gerade deshalb fasziniert, weil sie einem nicht alles erklärt. Das passt ja durchaus auch zu seiner Inspirationsquelle Lovecraft: Der Schriftsteller hatte sich ja nicht zuletzt damit einen Namen gemacht, dass seine „Großen Alten“ – die Kreaturen, die seine Geschichten weniger bevölkern, als vielmehr ihren Schatten auf sie werfen – nie wirklich Gestalt annehmen, die Begriffe, mit denen er sie beschreibt, gleichzeitig höchst konkret wie unglaublich vieldeutig und interpretationsbedürftig sind. Das Grauen, dass der Schriftsteller heraufbeschwört, bleibt immer im Zwielicht, es deuten sich höchstens seine Umrisse ab. Was an seinen Geschichten Angst macht, ist gerade das, was man nicht sehen kann, sich aber vorstellen muss. Auch wenn es Carpenter über weite Strecken des Films gelingt, diese Suggestivkräfte Lovecrafts in Filmbilder zu übertragen, so ist IN THE MOUTH OF MADNESS dennoch nicht rundherum zufriedenstellend: Der Film bekommt immer dann Probleme, wenn er konkret werden muss und sich die Kreaturen, die er zeigt, als typische Gummikreationen der Effektkünstler jener Zeit entpuppen. Wirklich unheimlich ist er in seinen leiseren Momenten: der Begegnung mit einem einsamen, geduldigen Radfahrer auf einer dunklen Landstraße etwa oder dem Blick auf ein Gemälde, das plötzlich gar nicht mehr so idyllisch aussieht. Carpenters stärkste Filme zeichnen sich stets durch eine bestimmte Stimmung aus, durch eine Vorahnung der nahenden Katastrophe, mehr als durch die Inszenierung jener Katastrophe selbst (vielleicht ist THE THING da eine Ausnahme). Das zeigt sich auch in IN THE MOUTH OF MADNESS, der sehr stark anfängt, bevor er seine Wirkung dann mit Bildern unterwandert. Nichts von dem, was er zeigt, ist so unheimlich wie das, was man sich zuvor ausgemalt hatte. Trotzdem einer der letzten guten Filme Carpenters und wahrscheinlich der letzte wirklich interessante.

Als ein Chemiekonzern entdeckt, dass die von ihm einst achtlos entsorgten Abfälle zu Mutationen in der Pflanzenwelt geführt haben, ahnt der weise Splinter, was die Ursache für seinen und den Wachstum seiner amphibischen Ziehsöhne Donatello, Leonardo, Raphael und Michelangelo ist. Als der für tot gehaltene Shredder (Francois Chau) zurückkehrt und ebenfalls ein großes Interesse an dem gefährlichen „Ooze“ entwickelt, kommt es erneut zur Auseinandersetzung zwischen den Parteien, bei der den Turtles der Pizzaboy Keno (Ernie Reyes jr.), die Fernsehreporterin April (Paige Turco) und der Wissenschaftler Professor Jordan Perry (David Warner) zur Seite stehen …

Nachdem der erste TURTLES-Film in den USA zum Superhit avanciert war – er löste seinerzeit Mike Nichols THE GRADUATE als erfolgreichste Indieproduktion ab -, signalisierte der Flop des Sequels schon den Niedergang des wohl doch etwas zu exzentrischen (oder zu blöden, je nach Perspektive) Franchises, das dennoch auch noch für einen dritten Teil gemolken wurde. Wie man Michael Pressmans Sequel bewertet, hängt wohl nicht zuletzt davon ab, wie einem der Vorgänger gefallen hat: Mochte man dieses wegen seiner an die Comics angelehnten visuellen Gestaltung, wird man von der stromlinienförmigeren Fortsetzung wohl eher enttäuscht sein, vermisste man beim ersten Teil jedoch eine stringente Narration und eine stärkere emotionale Anbindung, könnte THE SECRET OF THE OOZE durchaus gefallen. Schrieb ich über Steve Barrons Film noch, dass man die titelgebenden Hauptfiguren als Zuschauer nur schwer auseinanderhalten könne und es deshalb schwer fiele, sich mit ihnen zu identifizieren, so gelingt es Pressman im Sequel wesentlich besser, verschiedene Charakterzüge herauszuarbeiten und den Turtles eine Identität zu verleihen, die über den bloßen Namen und die farbige Augenbinde hinausgeht. Gleichzeitig habe ich aber die kunterbunte Wildheit des Originals vermisst, der sich nicht wirklich darum zu scheren schien, die Erwartungshaltung des Publikums zu bedienen, sondern streckenweise ebenso chaotisch wirkte wie das Innenleben seiner pubertären Hauptfiguren. Im Sequel verläuft das Geschehen auf relativ ausgetretenen Pfaden und folgt der üblichen Überbietungslogik des Sequels: Es gibt mehr Turtle-Action, mehr Sprüche und Gags und mehr Schauspieler in Kostümen: Shredder kreiert mithilfe des Ooze nämlich noch zwei weitere Mutanten – einen Riesenwolf und eine Riesenschnappschildkröte -, deren Design das Herz des Kindes im Mann aufgehen lassen und den Höhepunkt des Films markieren. Das alles sorgt wie gesagt dafür, dass der Film besser reinläuft, aber auch, dass man ihn schneller vergisst. TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES war doch eine reichlich seltsame Angelegenheit, mit seinen Referenzen an ein erwachseneres Kino, der brüchigen Narration, dem Antiklimax zum Finale und den „leeren“ Protagonisten. THE SECRET OF THE OOZE ist bunter, runder, lauter, aufregender und greller … aber paradoxerwesie auch vorhersehbarer und daher langweiliger. Aber für meinen gestrigen Abend, an dem mir ein dank kurz ausgefallener Nachtruhe immens langer Tag Hirn und Körper beschwerte, war TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES 2: THE SECRET OF THE OOZE genau das Richtige.

Irgendwo in Europa im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs: Nach einem tödlichen Zwischenfall in einem Minenfeld können die amerikanischen Deserteure Losey (Ryan Francis) und Deming (Scott MacDonald) der Militärpolizei entkommen. Ohne zu wissen, wo sie sind, und ohne Möglichkeit, sich zu orientieren, wandern sie durch die unwirkliche Winterlandschaft, treffen auf verstörte Opfer des Krieges und zerbombte Ortschaften. Das leerstehende Haus, in dem sie Unterschlupf finden, entpuppt sich als Heim eines Lehrerehepaars (David Warner & Linda Thorson) und ihrer Schüler: Waisen- und kriegsversehrte Kinder, die von den beiden zu einer schlagkräftigen Guerillaarmee ausgebildet wurden. Die beiden Soldaten ernten zunächst nur Misstrauen, doch als plötzlich ein Battalion Nazis vor der Tür steht, müssen sich die beiden Parteien zusammenraufen …

Ich kann kaum sagen, wie sehr ich mich diesen Film gefreut habe. Er ist mir durch bloßen Zufall in die Hände gefallen, ich wusste nichts von ihm und wäre sehr wahrscheinlich über ihn hinweggegangen, wenn mir nicht der Name „Jeff Burr“ ins Auge gefallen wäre. Jeff Burr ist Vielen wahrscheinlich kein Begriff, ich mag ihn sehr gern, umso mehr, weil nur sehr selten die typischen Lobeshymnen auf ihn angestimmt werden, und dass, obwohl er doch überwiegend in einem Genre tätig war, dessen Fans alles Mögliche zu fragwürdigem Kultstatus erheben. Burr zeichnete in den Achtzigern und Neunzigern für einige Horrorfilme und -sequels verantwortlich, die allesamt und keineswegs selbstverständlich sehr ordentlich gerieten (THE OFFSPRING, STEPFATHER 2, PUMPKINHEAD 2, PUPPET MASTER 4 & 5, NIGHT OF THE SCARECROW), aber natürlich kein Stoff waren, mit dem man sich selbst als Künstler verwirklichen kann oder aus dem der Weltruhm gemacht ist. Das Fiasko mit LEATHERFACE – der leider nie das werden durfte, was er werden sollte (und trotzdem besser ist als sein Ruf) -, beendete für ihn größere Hollywood-Ambitionen. STRAIGHT INTO DARKNESS hat Jeff Burr zu einem nicht unbeträchtlichen Teil selbst finanziert. Es ist der Film, den er machen wollte, und in den ihm kein Studio, kein Marketingexperte und kein Produzent reingeredet hat. Es ist ein Herzensprojekt und das sieht man dem Film, der unter misslichen Bedingungen in Rumänien mit einer rumänischen Crew gedreht wurde, in jeder Sekunde an. STRAIGHT INTO DARKNESS wird stärker als durch eine Handlung durch ein Gefühl, eine Vision, eine Ästhetik, eine Atmosphäre zusammengehalten, die ihm eine starke Präsenz verleihen, die aber paradoxerweise kaum greifbar ist. Und gerade das passt zu diesem Kriegsfilm, der auf den Spuren des Horrorfilms wandert, ausgezeichnet, lässt ihn zu etwas anwachsen, dass das rein Materielle transzendiert. Wie für die beiden Protagonisten, für die die Wanderung durch fremdes Kriegsgebiet sich in eine Wanderung in die Abgründe der eigenen Seele verwwandelt und eine Konfrontation mit eigenen Ängsten und Erinnerungen bedeutet, die erst zum Schluss, wenn die beiden dann tatsächlich einmal für die gute Sache gekämpft haben, einen Sinn erhalten. Die visuelle Gestaltung von STRAIGHT INTO DARKNESS ist herausragend – die unwirklichen, dunkelromantischen Settings in den Karpathen werden vom rumänischen DoP Viorel Sergovici perfekt eingefangen – und trägt gemeinsam mit dem minimalistischen Score von Michael Convertino und den bei einer solchen kleinen Produktion zwangsläufg etwas ungeschliffenen Kanten zur dichten Stimmung des Films bei.  

Man liest es meinem Text vielleicht an: Ich weiß noch nicht genau, was ich sagen soll, wie ich meine Begeisterung adäquat in Worte fassen kann. Auch interpretatorisch kann ich mich dem Film nach einer Sichtung überhaupt nicht annähern, allerhöchstens Allgemeinplätze formulieren. Der Film verschließt sich förmlich vor einer Vereinnahmung durch schlaue Worte. Was von ihm bleibt, ist vor allem dieses schöne und seltene Gefühl, bei einer Filmsichtung tatsächlich gespürt zu haben, dass alle Beteiligten ihr Allerbestes in die Wagschale geworfen haben, weil sie an den Film glaubten. Und so wird der Film vor den eigenen Augen lebendig, nimmt einen gefangen, ganz und gar. Man nimmt Anteil am Traum des Filmemachers und seiner Crew und für die 90 Minuten Spielzeit gibt es nichts anderes mehr. Es ist einfach nur schön, dass es so etwas gibt.