Mit ‘Deborah Foreman’ getaggte Beiträge

destroyer-posterEin Presslufthammer mit Laserzielvorrichtung: Welcher Bauarbeiter träumt nicht davon?

DESTROYER – auch bekannt als SHADOW OF DEATH – ist ein eher mittelprächtiger Horrorfilm, der sich der zum Ende der Achtzigerjahre irgendwie angesagten Elektrischer-Stuhl-Thematik annimmr: Mir fallen mit Harlins PRISON, Craven SHOCKER, James Isaacs THE HORROR SHOW und dem Rod-Steiger-Film GUILTY AS CHARGED gleich vier Titel aus jener Zeit ein. Das Poster verspricht einen steroidschwangeren Slasher, mit Lyle Alzado spielt ein ehemaliger Footballprofi den Serienmörder und -vergewaltiger Ivan Moser, dessen schrankwandähnliche Physis allein einem schon Albträume bescheren kann. (Alzado starb nur fünf Jahre später im Alter von 42 Jahren an den Folgen jahrelangen Steroidmissbrauchs.) Leider braucht der um ihn herum errichtete Film eine halbe Ewigkeit, um halbwegs in Schwung zu kommen, bevor er dann in einen nicht enden wollenden und reichlich ermüdenden Showdown voller Wiederauferstehungen mündet. Halbwegs gerettet wird DESTROYER durch den erst kurz vor Drehbeginn für Roddy McDowall eingesprungenen Anthony Pekins als entnervtem Horrorfilmregisseur und ein Drehbuch, das mit einigen Dialogzeilen einen Witz offenbart, den man sonst leider vermisst.

Nach der Hinrichtung des Serienkillers Moser (Lyle ALzado) brach damals ein blutiger Aufstand in seiner Strafanstalt aus, dem mehrere Insassen und Beamte zum Opfer fielen. Die Institution wurde danach geschlossen und ist nun Drehort für einen Horrorfilm, der sich der alten Geschichte annimmt – mit der abgestiegenen Hollywood-Diva Sharon Fox (Lannie Garrett) als Star. Als wären technische Pannen und Allüren nicht genug, erweist sich dann auch noch der tote Moser als überaus lebendig. Ihm stellen sich der Drehbuchautor David (Clayton Rohner) und seine Freundin, Stuntfrau Malone (Deborah Foreman), entgegen.

Filme wie DESTROYER sind einfach nur undankbar, wenn man ein solches Blog führt. Es gibt nichts, worüber es sich wirklich zu berichten lohnte, weder in positiver noch in negativer Hinsicht. Kirks Slasher ist einfach mittelmäßig im tristesten Sinne des Wortes. Einigermaßen kompetent inszeniert und gespielt, ohne rätselhafte Regieentscheidungen, grotesk missglückte Spezialeffekte oder sonstige Dummheiten, aber eben auch ohne überraschende Einfälle oder gar Spannung pluckert DESTROYER so an einem vorbei. Ist man am Anfang noch gewillt, sich in Geduld zu üben, stellt sich bald die Gewissheit ein, dass es die Wende zum Besseren einfach nicht geben wird. Wie oben erwähnt blitzt hier und da mal ein Funke der Kreativität auf, Lyle Alzado ist eine ziemliche Schau (ganz im Gegensatz zu der grausamen Frisur, von der die schnuckelige Deborah Foreman hier verunstaltet wird) und der Presslufthammer-Mord auch ganz nett. Aber am Gesamteindruck ändern diese lichten Momente leider nichts, da kann sich Anthony Perkins noch so sehr ins Zeug legen. Schade ums Coverartwork.

Casey Meadows (Deborah Foreman), eine selbstbewusste, lebensfrohe junge Dame erhält eine Einladung zum mondänen Brentwood-Chauffeurdienst, um dort ihre Eignung als Chauffeur nachzuweisen. Die dort arbeitenden Männer – allesamt ältere Herren – sind entsetzt, dass ein junges Mädchen in ihre Domäne eindringt. Doch alle Versuche, sie rauszumobben, scheitern, weil Casey ihre Aufträge zwar auf unkonventionelle, aber erfolgreiche Art und Weise erledigt. Bis sich ein Fahrgast, der wohlhabende Bänker Battle (Sam Jones), in sie verliebt: Der ist nämlich, was Casey nicht weiß, der Sohn des Chefs von Brentwood (E. G. Marshall) und der hatte wiederum einen ganz besonderen Grund, Casey eine Stelle anzubieten …

Ich besitze eine wunderhübsche DVD-Box namens „Too cool for school“: Auf drei doppelseitig bespielten DVDs enthält sie 12 Teenie-/Highschool-Komödien der zweiten Reihe aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Keiner der vertretenen Filme – so ich sie bisher gesehen habe – verändert die Welt oder wäre gar als besonders gut zu bezeichnen: Bei allen handelt es sich um typischen Durchschnitt, Filme, die meist im Fahrwasser erfolgreicherer Titel an den Start gebracht wurden, sich aber nicht einmal einen kleinen Kultstatus erringen konnten, heute oft wie antike Artefakte wirken. Ich mag diese Filme: weil sie ein bestimmtes Sujet behandeln, von dem ich nicht genug kriegen kann, eine bestimmte Bilderwelt vor dem Auge entstehen lassen, die ich einfach gern sehe. Nostalgie spielt eine wichtige Rolle dabei, aber auch meine Überzeugung, dass man ein Genre erst wirklich versteht, wenn man sich intensiv mit dem biederen Mittelmaß befasst. Von einer Mandelentzündug niedergestreckt und zu platt, um mir einen „wichtigen“ Film kaputtzugucken, habe ich mir gestern also MY CHAUFFEUR aus dieser Box angesehen. Und zu meinem Erstaunen richtig viel Spaß mit ihm gehabt!

Zugegeben, die Besetzung der Hauptrolle mit Grübchen-Schnuckel Deborah Foreman bringt bei mir schon mal Bonuspunkte: Die spätere Scream Queen (u. a. WAXWORK, SUNDOWN und APRIL FOOL’S DAY) und Hauptdarstellerin des wunderbaren VALLEY GIRL überzeugt in der Rolle des vor Lebenslust übersprudelnden Eighties-Girls im Madonna-Look, rattert ihre rasanten Stream-of-Consciousness-Monologe mit der Präzision eines Epiliergeräts herunter und verbindet die so wichtige Cuteness (auch Männer sollen sich den Film ja angucken können) mit weiblichem Empowerment. Aber meine Begeisterung reduziert sich nicht auf die Hauptdarstellerin: Mit seiner episodischen Dramaturgie, seinen oft erstaunlich offenherzigen (und pointierten) Dialogen, der unspießigen Attitüde (durchaus nicht selbstverständlich im amerikanischen Achtzigerjahre-Kino) und der sympathischen, aber niemals mit heiligem Ernst verbreiteten Message heimst auch Regisseur Beaird Punkte ein. Die Handlungsprämisse – klassischer Fish-out-of-water-Stoff – rückt immer mehr in den Hintergrund, wichtiger ist die Lockerheit, mit der Casey den unterschiedlichsten Kunden gegenübertritt, am Ende (fast) jeden zufriedenstellt, ohne sich dafür zu verbiegen.

Der Liebes-Subplot ist sowas wie der unabdingbare Standard für solche Filme: Aber weil die Rolle von Caseys Love Interest mit dem einstigen FLASH GORDON und künftigen Held zahlloser DTV-Actioner Sam Jones so unbeholfen und gegen den Strich besetzt ist, es komplett irrational und unglaubwürdig scheint, dass diese beiden Charaktere ein Pärchen bilden, wird das Klischee plötzlich wahrhaftig. Vieles an MY CHAUFFEUR gelingt auf zauberhafte Art und Weise gerade deshalb, weil ihm die punktgenaue Kopie etablierter Standards so schön misslingt. Der potenzielle 08/15-RomCom-Murks erweist sich erstaunlicherweise als sehr eigenständiger, liebenswerter und lebendiger Film. Wer hätte das gedacht?

Julie Richman (Deborah Foreman) lebt mit ihren New-Age-Eltern im bürgerlich-sauberen Valley gleich hinter den Hollywood-Hills. Die Interessen, die sie mit ihren gleichgesinnten Freundinnen teilt, sind Einkaufen gehen und Jungs vom Schlage des chauvinistischen Tommy (Michael Bowen). Doch als sie sich in den Punk Randy (Nicolas Cage) verliebt und sich von ihm in die fremde, aufregende und gar nicht mehr so saubere Welt jenseits der Berge entführen lässt, öffnet sich ein Graben zwischen ihr und ihrer Clique und sie muss eine Entscheidung treffen …

Auf diesen Film, der in den USA nicht nur ein veritabler Hit war, in Deutschland jedoch kaum bekannt ist, bin ich durch das hier schon einmal angepriesene Buch „Destroy All Movies!!! The Complete Guide To Punks On Film“ aufmerksam geworden. Dieses widmet ihm einen leuchtenden Eintrag, dem man auch entnehmen kann, welchen Einfluss der Film wohl auf amerikanische Jugendliche zu Beginn der Achtzigerjahre gehabt haben muss. Punk ging nahtlos in New Wave über und biss sich im Mainsream fest und VALLEY GIRL hält diese aufregende Zeit in farbenfrohen Bildern fest. Dabei ist seine Geschichte eigentlich jedem, der mehr als eine Teenrieromanze gesehen hat, hinreichend bekannt: Er erzählt vom Zusammenfinden zweier grundverschiedener, aber doch seelenverwandter Menschen, von ihrer durch den Neid und die Missgunst vermeintlicher Freunde herbeigeführter Trennung und schließlich von der Überwindung dieser Kluft. Er beinhaltet die obligatorische Rede über die Flüchtigkeit der äußeren Erscheinung und die Bedeutung innerer Werte sowie die damit einhergehende Geißelung eines blinden Materialismus. Doch darin erschöpft sich der Film zum Glück nicht. Unter der Regie von Martha Coolidge – die auch den tollen REAL GENIUS zu verantworten hat – tritt das pathetisch-verlogene „Sei du selbst!“-Geschwafel (das ironischerweise meist vor dem Hintergrund des Konformismus betrieben wird) in den Hintergrund und gerät stattdessen die ganz normale postpubertäre Konfusion in den Blick: Das oberflächliche Geschwätz der Clique, ihr Favorisieren von oberflächlichen Merkmalen, ihr ahnungsloses Gegacker über Sex wirkt hier nicht nervtötend und hohl, sondern geradezu rührend vor lauter Naivität.

Dem Klassenkonflikt, der auch hier evident ist – Julie und ihre Freundinnen entstammen einem bürgerlichen Milieu, Randys Wurzeln scheinen hingegen in der Arbeiterklasse zu liegen -, wird die soziopolitische Schärfe genommen, indem Julies „Grenzüberschreitung“ zu einem notwendigen „Blick über den Tellerrand“ verallgemeinert wird. Dass Randy aus Hollywood kommt und Julie aus dem Valley, ist letztlich gar nicht so entscheidend, viel wichtiger ist, dass beide Orte durch eine Hügelkette voneinander getrennt sind, der eine vom anderen somit, wie ein Song des Films es ausdrückt, „A Million Miles Away“ ist und beide diese Hügelkette überwinden, sich öffnen müssen, um ein Fundament für die gegenseitigen Gefühle zu schaffen. Sind es also vor allem kleine Details des Spiels und der Charakterzeichnung, die VALLEY GIRL von generischem Teeniekäse abheben – Deborah Foremans Julie ist eigentlich ein bisschen zu brav und tantig für die Protagonistenrolle und Nicolas Cage (hier zum ersten Mal nicht unter dem Namen Coppola unterwegs) lässt sich als Randy auch nicht bequem auf ein, zwei Kerneigenschaften (Tough Guy, Romantiker, Schönling, Exot) festlegen – so bricht doch vor allem das Finale mit den Konventionen, wenn eines der wichtigsten amerikanischen Initiationsrituale – der Abschlussball – lustvoll auseinandergenommen wird. Vor allem hier wird deutlich, dass VALLEY GIRL seinen jugendlichen Protagonisten nicht erwachsene Werte als ihre eigenen verkaufen will, sondern die Welt konsequent durch deren Augen betrachtet. Fühlt man sich vom Gequassel genervt, findet man ihre Entscheidungen unreif oder widersinnig, so hilft fast immer der Schritt zurück, um zu erkennen, dass sich diese Kids tatsächlich so verhalten wie ihre real existierenden Pendants. Keine kleine Leistung, finde ich.

So ganz kann Coolidge ihren aufklärerischen Impetus aber doch nicht verbergen. Nicht umsonst heißt ihr Film nach dem (von Wikipedia nicht verifizierten) geflügelten Wort für materialistische, ungebildete, in einem eigenen entsetzlichen „Valspeak“ quasselnde Durchschnittshühner, denen der Weg über den sprichwörtlichen Berg nie gelingt. Sich die Haare zu färben und in verschwitzten Pinten rumzuhängen, mag nicht der exklusive Weg zur geistigen Reife und Weisheit sein, aber es kann nicht schaden, die Erfahrung gemacht zu haben. Und sei es nur, um sie für sich verwerfen zu können.

Muffy (Deborah Foreman) lädt ihre College-Freunde für ein Wochenende zum 1. April in ihr abgeschieden auf einer Insel liegendes Haus ein. Schon beim Anlegen mit der Fähre kommt es infolge eines dummen Streichs zu einem Unfall, bei dem einer der Fährmänner schlimm verletzt wird. Wenig später ist der erste aus der Clique tot und die Freunde vermuten, dass das die Rache des Verwundeten ist. Doch auch mit Muffy scheint etwas nicht zu stimmen …

Ähnlich wie beim zuletzt von mir gesehen Slasherfilm HAPPY BIRTHDAY TO ME kann sich auch hier der Regisseur nicht ganz dazu entschließen, sich den engen Regeln des Subgenres komplett zu unterwerfen. Fred Walton – der zuvor den motivisch prägenden, wenn auch nicht hundertprozentig zufrieden stellenden WHEN A STRANGER CALLS gedreht hatte, nach APRIL FOOL’S DAY dann aber nur noch fürs Fernsehen tätig war – ist zwar wesentlich näher dran als J. Lee Thompson mit seiner Murder Mystery, doch stellt er dafür mit seiner (buchstäblichen) Auflösung die Zugehörigkeit zum Horrorfilm überhaupt infrage. Ein netter, insgesamt eher braver, aber dafür gediegen inszenierter Slasherepigone entpuppt sich plötzlich als etwas völlig anderes: Das ist aus strukturalistischer Perspektive schon ziemlich interessant. Waltons Film erzählt nicht nur von einer Täuschung – einer Inszenierung, die die Protagonisten für bare Münze nehmen –, er ist auch selbst eine: Walton erzählt eine andere Geschichte als die, die seine Zuschauer glauben, erzählt zu bekommen. Wenn Walton am Ende den Kontext erweitert, dem Zuschauer gemeinsam mit den Protagonisten Erkenntnis gewährt, dann verändern sich auch die Vorzeichen für das zuvor Gesehene und Geglaubte. Im Grunde genommen ist APRIL FOOL’S DAY mit seinem Ende ein früher Vertreter des Mindfuck-Films, der in den vergangenen 15 Jahren zu einem eigenen kleinen Subsubgenre geworden ist.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Aus dramaturgischer Sicht ist dieser Finaltwist nämlich ein totaler Reinfall. Zum einen ist er einfach zu flach und billig, zumal er schon im Titel überdeutlich angekündigt wird; eine Ankündigung übrigens, die aus dem Film heraus überhaupt nicht motiviert und wohl vor allem darauf zurückzuführen ist, dass man die Tradition, Slasherfilme nach bestimmten Tagen zu benennen, aus kommerziellen Erwägungen fortsetzen wollte. So fühlt man sich als Zuschauer weniger von einem gewieften Geschichtenerzähler aufs Glatteis geführt, als schlicht und ergreifend verarscht. Ansehen kann man sich APRIL FOOL’S DAY aber trotzdem und für Slasher-Enthusiasten mit Denkonstruktivismus-Vorlieben ist er eh unerlässlich. Nicht zuletzt für die süße Deborah Foreman, die hier eine hübsch latent manische Muffy gibt und glatt als Norman Bates‘ kleine Schwester durchginge.