Mit ‘Dennis Dugan’ getaggte Beiträge

Der vor allem in den USA erfolgreiche, aber von der Kritik viel gescholtene GROWN UPS war eine der entspanntesten Komödien der vergangenen Jahre; ein Film, dem die oft als erstrebenswertes Ideal angestrebte, aber allzu oft nur mäßige Ergebnisse zeitigende Prämisse, befreundete Komiker zusammenzustecken und sie einfach mal machen zu lassen, ohne Limitierungen durch ein einengendes Drehbuch, zu ungeahnter Lockerheit verhalf. Das Miteinander von Sandler, James, Rock, Spade und Schneider sowie der anhängenden Frauen fühlte sich so echt und privat an, das die halbherzigen Versuche des Scripts, im dritten Akt doch noch so etwas wie einen Plot zu installieren, umso bemühter wirkten. Es war eigentlich klar, dass der zweite Teil, der ja per se das Problem haben würde, etwas draufsetzen zu müssen und nicht ganz so selbstbewusst bei sich sein könnte.

So krankt GROWN UPS 2 gegenüber dem Vorgänger tatsächlich an einer gewissen Überfülle an Ideen und dem verzweifelten Bemühen, einen richtigen Ansatz zu finden. Versammelten sich die Jugendfreunde mit ihren Familien im ersten Teil nach der Exposition schnell an ihrem Häuschen am See, wo sie ihr gemeinsames Urlaubswochenende in Gegenwart des glücklichen Zuschauers verbringen sollten, ist das Sequel deutlich rastloser, unruhiger, auf der Suche nach jenem Rückzugsort, wo seine Protagonisten ganz sie selbst sein können (was sich auch auf der Handlungsebene spiegelt, etwa in Erics (Kevin James) heimlichen Ausflügen zu seiner Mutter, die ihn füttert und ihn bestätigt). GROWN UPS 2 findet sein Haus am See erst ganz zum Schluss in einer großen Achtzigerparty, auf der sich die versammelten Fortysomethings gegen eine Horde vor Kraft strotzender College-Bros zur Wehr setzen müssen. Insgeheim wünsche ich mir eine Alternativversion des Films, die nur an diesem Abend, nur auf dieser Party spielt, mal diesem, mal jenem Charakter folgt, sie wieder vereint, trennt und in unterschiedlichsten Konstellationen zusammenführt, dabei eine Vielzahl kleiner Episoden spinnt, die sich zum Bild eines wunderbaren Abends zusammensetzen, an dem die Zeit stilzustehen scheint. GROWN UPS 2 ist leider nicht dieser Film, aber er ist dennoch ein Vergnügen, wenn er auch den Erfolg des Vorgängers nicht wiederholen kann.

Die rastlose Suche des Films hat nämlich auch was. Es ist schon bemerkenswert, wie wenig er daran interessiert ist, sich von einer Dramaturgie bändigen zu lassen. Das Selbstbewusstsein, das es dafür braucht, eint ihn mit dem ersten Teil. GROWN UPS 2 bewegt sich mal hierhin, mal dorthin, probiert dieses und jenes, scheut in seinem Hit-and-Miss auch vor blöden Einfällen nicht zurück und findet so zu einer Authentizität, die gerade im Komödiengenre, das dramaturgisch sehr festgefahren und enorm von originellen Prämissen abhängig ist, außergewöhnlich ist. Nicht jeder Gag sitzt, ein paarmal verdreht man die Augen, dann wieder gibt es aber diese wunderbaren Momente und insgesamt reicht es vollkommen aus, weitere 100 Minuten mit diesen Charakteren und allen aus dem ersten Teil bekannten Nebenfiguren verbringen zu können. Rob Schneider, der gute Geist des Vorgängers, fehlt allerdings an allen Ecken und Enden als ruhendes Zentrum seiner Clique. Vielleicht ist das tatsächlich der entscheidende Unterschied.

Seit Danny Maccabee (Adam Sandler) in jungen Jahren mithilfe eines Eherings eine wunderschöne Frau zum Beischlaf überreden konnte, schwört der mittlerweile erfolgreiche Schönheitschirurg und Junggeselle auf das Utensil als unfehlbare Abschlepphilfe. Nachdem er jedoch die zauberhafte, 20 Jahre jüngere Palmer (Brooklyn Decker) ganz ohne Schummelei kennengelernt hat, wird der unvermittelt auftauchende Ehering zum Problem: Sie will unbedingt seine Ex-Frau kennenlernen. Solchermaßen in Not, überredet Danny seine Assistentin Katherine (Jennifer Aniston), eine alleinerziehende Mutter, in die Rolle der Geschiedenen zu schlüpfen. Als die sich verplappert, werden auch noch ihre Kinder in das Spielchen mit hineingezogen. Als Belohnung für ihre Hilfe bestehen sie auf eine gemeinsame Reise nach Hawaii. Dort eskaliert die Situation, als Katherine ihre ehemalige Schul-Nemesis Devlin (Nicole Kidman) wiedertrifft und nun ihrerseits darauf besteht, dass Danny in die Rolle ihres Ehemanns schlüpft. Und während die beiden so ein zunehmend komplizierter werdendes Spielchen spielen, stellen sie fest, dass sie füreinander mehr als nur Kollegen und Freunde sind …

JUST GOT WITH IT ist damals komplett an mir vorbeigegangen. Wahrscheinlich hätte ich aber auch sonst einen Bogen um ihn gemacht: auf den ersten Blick komplett uninteressant, in Deutschland zudem mit dem akut nichtssagenden deutschen Titel MEINE ERFUNDENE FRAU gestraft und mit einem Poster beworben, das in dieser Form auch von Neckermann verwendet werden könnte. Den meist schmerzhaft konservativen RomComs stehe ich sowieso eher ablehnend gegenüber – ich habe für mich mal die These formuliert, dass diese Filme vor allem zur Bestückung transatlantischer Passagierflüge produziert werden, und halte sie tatsächlich für plausibel –, und habe so auch glatt vergessen, dass Sandler mit THE WEDDING SINGER und 50 FIRST DATES in zwei Genrevertretern mitwirkte, die ich beide gegen meine Gewohnheit absolut großartig finde. Zwar ist die Chemie zwischen Sandler und Drew Barrymore, die diese beiden Filme trägt, nicht beliebig reproduzierbar, aber weil auch Jennifer Aniston wunderbar zusammen mit dem Komiker harmoniert, gelingt die „Rückkehr“ Sandlers ins Fach der Liebeskomödie. Der Schauspieler findet sich in einer typischen Rolle wieder, die YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN referenziert (der promiskuitive Hedonist entdeckt die Treue), der Plot erinnert mit seinem hohen Tempo und der ansteigenden Verwirrungs- und Konfliktfrequenz durchaus an die glorreichen Zeiten der Screwball-Komödien, einige derbere Gags und Gastauftritte sorgen für die nötige Basisnähe und den Stallgeruch (Höhepunkt der Albernheiten ist die Rettung eines Schafs mithilfe des Heimlich-Manövers). Der unwiderstehliche Drive, den JUST GO WITH IT entwickelt, lässt dann auch die kleineren Mängel verschmerzen, die man ebenfalls schon gewohnt ist: Dass eine der für die Handlung wichtigsten Szenen, die geplatzte Hochzeitszeremonie zwischen Danny und Palmer, offscreen stattfindet und nur per Dialog wiedergegeben wird, erscheint reichlich fragwürdig, wenn nicht gar herablassend gegenüber einer der zentralen Figuren, die noch nicht einmal etwas angestellt hat, was diese Behandlung rechtfertigen würde.

JUST GO WITH IT hat mich mit seiner Vielzahl beknackter Ideen (die beiden abgezockten Kinder Katherines, Nick Swardson, der sich in seiner Rolle als Dannys bester Freund als Online-Schafsverkäufer mit deutschem Akzent und dem Namen „Dolph Lundgren“ ausgibt, Nicole Kidman als zickige Rivalin Katherines, Musiker Dave Matthews als ihr heimlicher schwuler Ehemann) für sich eingenommen. Ja, vieles an Sandlers Filmen erweckt den Eindruck, seine Filme seien während eines Urlaubs mit Freunden – hier eben auf Hawaii – so nebenbei entstanden, weswegen der Neckermann-Hinweis weiter oben gar nicht mal so weit hergeholt ist. Man mag das für dekadent halten und Sandler vorwerfen, dass er seine Kunst nicht mit genügend Respekt ausübt. Aber solange diese „Respektlosigkeit“ so herrlich kernentspannte Komödie wie JUST GO WITH IT – der Titel ist hier eben durchaus Programm – hervorbringt, darf einem das meiner Meinung nach herzlich egal sein.

Zweitsichtung. Wie schon bei I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK AND LARRY gilt auch hier: Der neue Text ist nur eine kurze Ergänzung zum Alttext, Inhaltsangabe etc. kann man dort lesen.

ZOHAN bedeutet für Sandler eine Rückkehr zu den leichteren, überdrehten, comichaften Komödien, mit denen er zunächst berühmt wurde. Der israelische Supersoldat Zohan ist ein Verwandter von Billy Madison, Happy Gilmore, dem Waterboy oder auch Little Nicky: eine Figur wie aus einem Comicstrip, zwar mit der irdischen Wirklichkeit in Verbindung stehend, aber unübersehbar auf einer Metaebene angesiedelt. Diese Verortung ermöglicht es Sandler und Dugan, typische Sandler-Themen zu bearbeiten, aber anders als in seinen herzlicheren und „echteren“ Komödien satirisch auf die Spitze zu treiben. Man mag es angesichts der Plotprämisse nicht für möglich halten, aber YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN ist tatsächlich der vielleicht explizit politischste Film Sandlers. Der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, um den es geht, und den Dugan und Sandler als Ausgangspunkt für ihre Anti-Kriegs-Botschaft nutzen, ist dabei eher austauschbar. Dass ausgerechnet diese beiden Parteien ausgewählt wurden, liegt wohl vor allem darin begründet, dass Sandler selbst jüdischen Glaubens ist. Ein deutlicheres Statement ist die Wahl des tatsächlichen Schurken: Bei diesem handelt es sich nicht etwa um den palästinensischen Superterroristen Phantom (John Turturro), sondern um den Immobilienhai Walbridge (Michael Buffer), der die in Manhattan auf gegenüberliegenden Straßenseiten lebenden Konfliktparteien gegeneinander aufhetzen will, um sie aus ihren Geschäften zu vertreiben und so seine Mall errichten zu können. Während Palästinenser und Israelis in der Fremde einen Streit führen, der sie gar nicht mehr betrifft, sitzt der wahre Feind schon in Lauerstellung: das Kapital. YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN vertritt die Überzeugung, dass das Böse längst nicht mehr mit einer Nationalität oder eine Religion verbunden ist. Dass diese alten Feindbilder aufrechterhalten werden, kommt aber den skrupellosen Geschäftemachern und Wirtschaftsbossen zupass, die aus dem Leid Kapital schlagen. Die Kriege der Gegenwart werden nicht mehr mit Waffen ausgetragen, sondern mittels finanzieller Transaktionen. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass Sandlers Film 2008 erschien, in eben jenem Jahr, in dem die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise öffentlich wahrgenommen und als solche erkannt wurde. Man muss YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN nicht unbedingt seherische Fähigkeiten zuschreiben: Kapitalisten und Imperialisten waren schon immer ausgezeichnetes und beliebtes Schurkenmaterial, aber in Verbindung mit Sandlers typisch humanistischem Utopiestreben ist der Film – zumal für eine vermeintlich alberne Komödie – erstaunlich hellsichtig und luzide.

Ein Unterschied zu Sandlers sonstigen Filmen markiert der Protagonist selbst: Spielt Sandler sonst die Underdogs, die Verlachten, die Verlierer, so ist sein Zohan mit übermenschlichen Fähigkeiten und immensem Sex-Appeal ausgestattet und wird in seiner Heimat als Held und Popstar frenetisch gefeiert. Seine Entwicklung verläuft hier genau in entgegengesetzter Richtung: Er will ein anderes, ruhigeres Leben führen. Des Tötens ist er ebenso überdrüssig wie der Popularität, er möchte lieber Haare schneiden. Man glaubt es kaum, aber ausgerechnet YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN ist einer der Filme, die den Wandel des Komikers vom vergnügungssüchtigen Junggesellen zum gereiften Familienvater seiner gegenwärtigen Filme forcieren.

Bei meiner Zweitsichtung bin ich zu keinem wesentlich anderen Ergebnis als bei Erstbetrachtung gekommen. Anstatt das also alles noch einmal wiederzukäuen, beschränke ich mich auf das, was mir neu aufgefallen ist. Wer mehr wissen möchte, klickt einfach auf den Link.

I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK AND LARRY setzt sich auf sehr amüsante Art und Weise mit männlicher Sexualität, männlichem Gender und den damit verbundenen Klischees und Vorurteilen auseinander. Der Film beginnt mit einem Basketballspiel, das Chuck (Adam Sandler) und Larry (Kevin James) mit ihren Arbeitskollegen während einer Pause austragen. Eine attraktive Frau – eine Lateinamerikanerin vermutlich – tritt an den Zaun, der das Spielfeld begrenzt, und beginnt, Chuck mit Beleidigungen zu überziehen. Sie hat offensichtlich eine Beziehung mit ihm und erfahren, dass er sich mit ihrer Schwester statt mit ihr vergnügt hat. Chuck spielt das Unschuldslamm: Er hätte die beiden verwechselt. Dann tritt die Schwester hinzu und es kommt nun zur Auseinandersetzung zwischen den beiden Frauen, die wie aus einer Männerfantasie entsprungen aussehen. Chuck weiß genau, wie er die Situation zu seinen Gunsten wendet. Er heizt die Eifersucht zwischen den beiden Schwestern an und fordert sie schließlich auf, sich zu küssen, um zu beweisen, welche von beiden experimentierfreudiger ist. Seine Kollegen stehen mit offenen Mündern hinter ihm und können ihren Augen nicht trauen. Eine Sirene unterbricht das Schauspiel, bevor es zum großen Finale kommen kann: Die Frauen lassen voneinander ab, die Männer müssen enttäuscht zum Einsatz eilen. Sie sind bei der Feuerwehr.

Der Beruf der beiden Protagonisten dürfte kaum zufällig gewählt worden sein: Zum einen werden uniformierte Männer in der Gay Culture immer wieder ikonisch aufgegriffen (man denke an die Village People), zum anderen verbindet man den Beruf mit genuin männlichen Attributen. Wie es hierzulande noch undenkbar scheint, dass sich ein Fußballprofi als homosexuell zu erkennen gibt, so sorgt das spätere, dem Zwang geschuldete Outing der beiden (das ja eigentlich keines ist) auch bei ihren Kollegen für die erwartbare Mischung aus Angst, Schnappatmung und Aggression. Doch die von der Masse gegen den Einbruch des „Unnormalen“ verteidigte Realität ist ja eh nur noch ein mühsam aufrechterhaltener Schein: Der schwarze Muskelprotz, den man für einen Gewaltverbrecher hält (Ving Rhames), folgt dem Beispiel seiner Kollegen, outet sich und tanzt dann vor den in Homophobie erstarrten Kollegen unter der Dusche ausgelassen zu Chaka Kahns „I’m Every Woman“. Der von Larry zunächst noch besorgt beobachtete Sohn, der sich nicht für Baseball, aber dafür für Tanz und Musicals interessiert, schlägt den Bully, der ihn als Weichling ausgemacht zu haben glaubt, mit einem beherzten Schlag ins Gemächt ganz einfach nieder. Und der der Promiskuität zugetane Prolet Chuck, der das Leben eines Westentaschen-Hugh-Hefners führt, wird später von allen als der weibliche Part in der Männerbeziehung ausgemacht – sehr zu seinem Entsetzen. Frauen entpuppen sich als Männer, Heteros als Homos – die Freundschaft zweier Männer gar als Liebe? Je länger Chuck und Larry ihre Täuschung aufrechterhalten, umso weniger scheinen starre Konstrukte von Sexualität und Geschlecht noch eine Entsprechung in der Wirklichkeit zu haben. Am Ende ist man fast etwas überrascht, wenn Chuck und Larry vor dem Kuss, den sie sich als Beweis der Echtheit ihrer Beziehung vor dem Gericht geben sollen, genauso wie die beiden Schwestern zu Beginn des Films unterbrochen werden, ihre Scharade auffliegt und sie zu ihrem alten Leben zurückkehren, anstatt als Paar zusammenzubleiben, vielleicht in einer Dreiecksbeziehung mit der feschen Anwältin Alex (Jessica Biel), die sich in Chuck verliebt hat. Aber auch so haben sich die einst fest gefügt geglaubten Verhältnisse im Film als immens durchlässig und nachgiebig erwiesen. Hetero, Homo: Alles völlig egal, reine Privatangelegenheit und nichts, was irgendwas über den Menschen aussagt. Letzten Endes nur Begriffe, die eine Denkblockade aufbauen, um uns daran zu hindern, die Schönheit im Gegenüber zu entdecken.

Ich hatte anlässlich von Sandlers Quasi-Debüt als Hauptdarsteller BILLY MADISON schon einmal angedeutet, dass der Reiz seines Werkes nicht zuletzt darin besteht, die Entwicklung und „Reifung“ seiner Persona über bislang rund zwei Jahrzehnte zu verfolgen. Der in der arrested development gefangene, sich dem Erwachsenwerden vehement widersetzende Spätzwanziger des Frühwerks geht heute stramm auf die 50 zu (Sandler ist Jahrgang ’67) und hat das Leben als orientierungsloser Chaot längst gegen eines als fürsorglicher, finanziell gut dastehender Familienvater eingetauscht. BIG DADDY ist eine bedeutende Etappe auf dem Weg dorthin. Nachdem Sandler in den Filmen zuvor gelernt hatte, wie man sein eigenes Leben in den Griff bekommt und sich einer ernsthaften Liebesbeziehung öffnet, muss er hier nun in die ungleich verantwortungsvollere Vaterrolle hineinwachsen.

Sonny Koufax (Adam Sandler) hat zwar einen Juraabschluss, aber Arbeiten ist ihm eindeutig viel zu anstrengend. Lieber gammelt er den lieben langen Tag auf der Couch herum und verprasst das Geld, das ihm nach einem Unfall von der Versicherung ausgezahlt worden war. Nicht alle sind mit seinem Lebenswandel einverstanden: Für seinen Vater (Joseph Bologna) ist Sonny ein Gammler, eine einzige Enttäuschung, und seine langjährige Freundin Vanessa (Kristy Swanson) hat auch die Nase voll von seine mangelnden Bereitschaft, erwachsen zu werden. Als sie ihn verlässt, zählt für Sonny nur, sie zurückzugewinnen. Aber wie beweist er ihr, dass er bereit ist, sich zu ändern? Die Lösung steht eines Tages in Form des fünfjährigen Julian von der Tür. Er ist der Sohn von Sonnys Freund Kevin (Jon Stewart), das Ergebnis eines One Night Stands, an den der sich schon nicht mehr erinnern kann. Und weil Kevin gerade außer Landes ist, nimmt sich Sonny unter falschem Namen des Jungen an. Was für ihn zunächst nur willkommenes Mittel zum Zweck ist, wird ihm bald schon lieb und teuer. Aber daraus erwachsen neue Probleme. Nicht nur ist es mit Liebe allein nicht getan in der Kindeserziehung, auch stellt sich bald die Frage: WOhin mit dem Jungen?

Zusammen mit Stammautor Tim Herlihy und Regisseur Dennis Dugan widmet sich Sandler einem weiteren Komödienstandard: dem Single, der die zweifelhaften Vaterfreuden entdeckt. Julian ist für Sonny erst einmal eine nette Abwechslung und irgendwie ganz niedlich, solange er keine Arbeit macht. Da wird der Pissfleck im Bett einfach mit Zeitungen zugedeckt und bis 3 Uhr durchgemacht, wenn das Kind nicht schlafen will. Schnell lernt Sonny aber, dass die Kindererziehung ein Vollzeitjob ist, dem eigene Interessen hinten angestellt werden müssen. Doch auch als Sonny das begriffen hat, ist er noch kein vollwertiger Vater. Vater zu sein bedeutet nämlich nicht nur, den Alltag zu meistern und das Kind gewissermaßen bei Laune zu halten, sondern auch unangenehme Entscheidungen zu treffen, Werte zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass der kleine Mensch im positiven Sinne ein Mitglied der Gesellschaft werden kann. In der Erziehung des kleinen Julian lernt Sonny so auch sich von eigenen schlechten Angewohnheiten zu trennen, seinem Leben eine Richtung zu geben, Strukturen zu schaffen und so ein Vorbild für den Jungen zu werden, anstatt ihn zu einem Abbild des eigenen Versagens zu machen. Und er widmet sich dieser Aufgabe mit wachsendem Enthusiasmus. Findet er erst einen Draht zu dem Jungen, indem er ihm jeden Wunsch erfüllt – und ihn in der Folge zwar zu einem glücklichen, aber auch sehr sonderlichen Kind verzieht –, erkennt er bald die Bedeutung von Regeln und einem moralischen Kompass. BIG DADDY ist dabei ebenso witzig (Rob Schneider und Steve Buscemi haben köstliche Nebenrollen abbekommen) wie anrührend, ohne jemals in die Niederungen des affirmativen Gesinnungskinos abzugleiten. Das ist vor allem Sandlers angeborener, auch hier intakter Respektlosigkeit und seinem kritischen Bewusstsein geschuldet: Gesellschaftliche Normen werden nie blind übernommen, sondern vorher auf Herz und Nieren geprüft. So bewegt er sich nicht als braver, angepasster Duckmäuser, um reibungslose Integration bemüht, durch die Welt, vielmehr in ständiger Konfliktbereitschaft. Konfliktbereitschaft heißt in dem Fall nicht störrische Misanthropie: Das wird in seiner Beziehung zu Kevins Gattin (Leslie Mann) deutlich, mit der ihn eine heißblütige Hassliebe verbindet. Am Ende jedoch sind beide bereit, ihre Differenzen zu vergessen und den anderen für die Unbeugsamkeit der Meinung zu respektieren.

Das Finale von BIG DADDY verdient gesonderte Betrachtung. Wie oft in Filmen dieser Art finden sich die Protagonisten vor Gericht wieder. Sonny will das Sorgerecht für Julian erstreiten, die Behörden sehen in ihm indes einen Kidnapper, der sich des Kindes unter Vorspielung falscher Tatsachen bemächtigt hat. Zwar überzeugt Sonny die Anwesenden von seinen auschließlich guten Absichten und seiner Befähigung, für Julian zu sorgen – sogar seinen Vater –, doch natürlich kann das Gesetz seinem Wunsch nicht entsprechen. Aber das ist dann auch nicht weiter schlimm: Julian kommt bei Kevin unter, Sonny wird ihm freundschaftlich verbunden bleiben und seine Lektion fürs Leben hat der einstige Hallodri auch gelernt. Mit seiner neuen Flamme Layla (Joey Lauren Adams) steht er vor einer neuen Beziehung und dem Abenteuer, sein eigenes Kind großzuziehen. Das ist deshalb bemerkenswert, weil genügend Filme dem Zwang der Affektbefriedigung erlegen wären und Sonny und Julian gegen jede Realität zu Vater und Sohn gemacht hätten. Sandler hat das nicht nötig.

Happy Gilmore (Adam Sandler) träumt trotz zahlreicher gescheiterter Bewerbungen und eher mäßigem Talent immer noch von einer Karriere als Eishockeyspieler. Richtig gut ist er aber nur im Prügeln und darin, den Puck mit voller Wucht durch die Gegend zu dreschen. Diese Fähigkeit kommt ihm auch bei einer Golferwette entgegen, bei der er den kleinen Ball weiter schlägt als mancher Profi. Der ehemalige Golfer Chubbs Peterson (Carl Weathers) erkennt gleich das Potenzial in dem ungehobelten Gilmore und schlägt ihm vor, an einem Turnier teilzunehmen. Der Sieger qualifiziert sich automatisch für die Golf-Meisterschaft. Und weil Gilmore Geld braucht, um die Schulden seiner geliebten Oma zu bezahlen, willigt er ein. Der cholerische Rüpel mischt die vornehme Golfklientel ordentlich auf und wird bald zum medialen Phänomen. Das wiederum passt dem arroganten Meisterschaftsanwärter Shooter McGavin (Chrstopher McDonald) überhaupt nicht …

So wie ich die Karriere von Adam Sandler verfolgt habe, war es HAPPY GILMORE, der seinen Durchbruch als Filmstar bedeutete. Und während der Komiker in Deutschland nie die ganz große Popularität erlangte, so genoss dieser Film unter Junggebliebenen doch zumindest kurze Zeit einen kleinen Kultstatus. Zugegeben, die Idee, dass ein Eishockey-Prolet die feine, distinguierte Gesellschaft der Golfer unterwandert und die vornehmen älteren Herren mit seinen äußerst rüden Umgangsformen aufschreckt, ist ganz putzig. Leider trägt sie keinen ganzen Film, wenigstens nicht diesen. HAPPY GILMORE wirkt auf mich seltsam krampfig. Echte Gags gibt es eigentlich nicht, bloß das ungehobelte Verhalten Gilmores, das keine echte Entwicklung zulässt, außer natürlich der für diese Filme üblichen: Um an sein Ziel zu gelangen muss Gilmore sein Verhalten modifizieren und lernen, sich gegen seine „natürlichen“ Impulse zu verhalten. Und wie das halt so ist in Hollywood-Komödien geht mit dieser Selbst-Zähmung des Widerspenstigen – ein wieder mal ausgesprochen bieder-braves Love Interest hilft tatkräftig mit – auch der Erfolg einher, stand sich der eigentlich talentierte Golfer Happy Gilmore mit seinen Wutausbrüchen doch zuvor überwiegend selbst im Weg. Wie auch schon bei BILLY MADISON hat Happy Gilmore am Ende seine Lektion gelernt, verstanden, dass er seine Fähigkeiten konzentrieren und seine Schwächen zügeln muss, um ein besserer – und erfolgreicherer – Mensch zu sein. Oder wie es sein Trainer Chubbs sagt: Gilmore muss seinen „Happy Place“ finden, einen mentalen Zustand, in dem er mit sich im Reinen ist, und alles, was seine Konzentration raubt, ausgeblendet wird.

Dennis Dugan, Regisseur einiger der besten Filme Sandlers, ist es leider nicht gelungen, aus der recht eindimensionalen Prämisse einen 90-minütigen Spielfilm zu machen. Die schon beim ersten Mal nur dezent amüsanten Kapriolen Gilmores wiederholen sich ad infinitum, die Wendungen, die das Drehbuch nimmt, um zum vorhersehbaren Finale zu kommen, sind beinahe lieblos hingeworfen: Eine durch das Eingreifen des Konkurrenten herbeigeführte Verletzung, die Gilmore seiner stärksten Waffe beraubt, verschwindet einfach wieder, und als durch einen Unfall ein Boxenturm genau zwischen Gilmores Ball und das Loch fällt, da verbieten es angeblich die Regeln, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen. Solche Nachlässigkeit kennt man aus modernen Komödien und sie wären zu vernachlässigen, wenn die Lacherquote stimmte. Im Vergleich zum zwar unrunderen, aber dennoch befriedigerenden BILLY MADISON versagt HAPPY GILMORE genau hier. Es gibt ein paar gute Ansätze, wie die Beziehung Gilmores zu Chubbs Peterson (der zu früh abtreten muss), die Idee, dass sich Happy Gilmore einen Penner als Caddy heranholt und eine witzige Gastrolle für Ben Stiller als sadistischer Altenpfleger mit Dschingis-Khan-Schnauzbart. Aber wirklich witzig ist lediglich Christopher McDonald als selbstverliebter, intriganter Shooter McGavin, und irgendwie dünkt mir ein Film, der um diesen Fiesling gestrickt ist, aussichts- und facettenreicher als das, was Happy Gilmore an Möglichkeiten bietet.

Im Werk seines Hauptdarstellers ist HAPPY GILMORE, wie oben schon erwähnt, durchaus bedeutend. Er gehört noch zum Frühwerk, verharrt noch ersten Stufe der Entwicklung von Sandlers Filmpersona vom juvenilen, aufbrausenden Einfaltspinsel hin zum fürsorglichen Familienvater, und dabei fällt dabei im Grunde hinter BILLY MADISON zurück. HAPPY GILMORE ist etwas größer und professioneller, aber die verspielte Herzlichkeit und Unbekümmertheit des Vorgängers geht ihm weitestgehend ab. Zusammen mit dem fast schon unverschämt plumpen Product Placement ergibt sich ein Urteil, das mit bei Sandler sonst sehr fernliegt: HAPPY GILMORE ist mir ein wenig unsympathisch. (Dass er 1996, dem Jahr der vielleicht größten weltweiten Hongkong-Popularität, den doofen MTV Movie Award für die „Best Fight Scene“ erhielt, eine müde Boxerei zwischen Happy Gilmore und einem sich selbst spielenden greisenhaften Game-Show-Host, dafür kann der Film zwar nix, aber es passt absolut ins Bild.)

Das ganze Maß der in meinem Beitrag über JACK AND JILL beschriebenen Verachtung, die Adam Sandler vonseiten der US-Kritik entgegenschlägt, kann man der Rotten-Tomatoes-Seite zu GROWN UPS (Tomatometer: 10 %) ablesen. Mir fallen auf Anhieb nur wenige Filme ein, die in den letzten Jahren so einhellig so böse verrissen worden wären wie dieser hier (es erstaunt mich, dass sein IMDb-Rating so gnädig ausfällt). Ironischerweise zeigen diese Rezensionen aber vor allem eins: dass viele der vermeintlich professionellen, „seriösen“ Filmkritiker schon lange vor dem Verfassen ihrer Texte, nämlich bei der Betrachtung des zu rezensierenden Films scheitern, dass sie speziell bei Sandler mit breitem Arsch und bereits vorgefasster Meinung im Kino sitzen, fest entschlossen darauf, dem Star einen reinzuwürgen. Die Feder ist mit den entsprechenden, naheliegenden Argumenten schon geladen und ob sie nun auch noch auf den zu rezensierenden Film zutreffen, ist völlig zweitrangig. Dass Sandler das Ende des Kinos ist, ist eh Konsens, warum sich also noch lange mit Fakten aufhalten. Lieber einen gallesprühenden Verriss runterrotzen, an dem sich am Ende genau das zeigt, was man Sandlers Film fälschlicherweise vorwirft.

Knapp 20 Jahre ist es jetzt her, dass Lenny (Adam Sandler), Eric (Kevin James), Kurt (Chris Rock), Marcus (David Spade) und Rob (Rob Schneider) Jugendmeister im Basketball wurden. Als Erwachsene treffen sich die Fünf ausgerechnet zur Beerdigung ihres ehemaligen Meistertrainers wieder. Bis auf Marcus, der als Single dem Müßiggang frönt, haben sie alle eine Familie und führen ein von Pflichten und Verantwortung geprägtes Leben. Lenny ist Hollywood-Agent, wohlhabend, mit der attraktiven Modedesignerin Roxanne (Salma Hayek) verheiratet und mit drei Kindern gesegnet, von denen die beiden älteren mit „verwöhnte Wohlstandsblagen“ wohl treffend beschrieben sind. Erics vierjähriger Sohn hängt immer noch bei der überfürsorglichen Gattin Sally (Maria Bello) an der Brust, während die jüngere zu Wutausbrüchen neigt. Kurt ist Hausmann und leidet unter Gattin Deanne (Maya Rudolph) und Schwiegermama Ronzoni Sorgen und Nöte, die normalerweise Hausfrauen vorbehalten sind. Rob ist mit der gut 20 Jahre älteren Gloria (Joyce van Patten) lieert, hat drei gescheiterte Ehen und ebensoviele ausgeflogene Töchter hinter sich. Um die alten Zeiten zu feiern, verbringen die alten Freunde mit ihren Familien ein Wochenende in einem Haus am See und müssen sich dabei mit dem Gedanken abfinden, dass die Jugend lange, lange hinter ihnen liegt …

Es ist erschreckend, wie wenig die meisten Rezensenten in der Lage sind, diesen Film zu verstehen, vor allem, wenn man die Vorwürfe der Dummheit und Einfalt betrachtet, mit denen sie gegen ihn zu Felde ziehen. „In the end, the movie is about having no regrets.“, schreibt Connie Ogle vom Miami Herald über den Film, den sie für symptomatisch für eine von Mittelmäßigkeiten geschlagene Summer-Movie-Saison hält. Leider ist das falsch, denn es geht im Gegenteil sogar darum, sich mit eigenen Schwächen und Fehlern auseinanderzusetzen, um schließlich erwachsen zu werden. Die Industriepostille Variety interessiert sich eh nicht für Inhalte und weiß mit der Geisteshaltung eines Buchhalters und Statistikers zu berichten, dass GROWN UPS „delivers precious few laughs for the volume of sheer comedy talent on offer“, ganz dem Irrglauben erlegen, der Erfolg einer Komödie hänge von der Zahl der Lacher ab (davon abgesehen: ich habe sehr häufig gelacht). Joshua Rothenbaum fragt auf Time Out, ob es „would have been such a crushing blow to these stars‘ egos if they’d accomodated a little anxiety, instead of the typical lake-rope-swinging mishaps“ und bemerkt vor lauter vorgeschobenem Anspruch gar nicht, dass der Film zum einen durchaus „anxiety“ bietet – etwa in Lennys Angst, verwöhnte Kinder großzuziehen, in Kurts Klage, als Hausmann nicht wertgeschätzt zu werden, in Robs Geständnis, in seinen Ehen immer zu früh aufgegeben zu haben, in Erics Furcht, als Arbeitsloser von seinen Freunden nicht Ernst genommen zu werden, in Marcus‘ Unfähigkeit, ein geordnetes Leben zu führen –, zum anderen eigentlich auffallend arm ist an jenen typischen Slapstick-Einlagen, die er beklagt. Jeff Beck vom Examiner  macht wenigstens gleich zu Beginn seines einsichtsfreien Artikels klar, dass er ahnungslos ist, wenn er behauptet Dugans und Sandlers bisherige Kollaborationen YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN und I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK AND LARRY seien „failures“, da kann man sich das Weiterlesen sofort sparen. Und die Filmnerd-Seite Filmdrunk mag einige humorvolle Schreiber am Start haben, aber leider niemanden, der sich mit Film auskennt. Wenn man GROWN UPS als schlechtesten Film des Jahres 2010 platziert, riecht das vor allem nach Revanchismus und dem Bedürfnis, Klicks zu generieren. Xan Brooks vom Guardian will sich gar nicht lange mit dem Film aufhalten und watscht ihn deshalb ab wie ein kleines Kind, nicht jedoch, ohne sich über die herablassende Art von GROWN UPS zu beschweren: Besonders gestört hat den Schöngeist, dass die Protagonisten des Films „pull disgusted faces at a sixtysomething woman on the basis that she is still sexually active and therefore so much more repulsive than the teenage hottie who fixes her car with her rear in the air“dabei übersehend, dass diese Frau innerhalb des Films zum einen durchaus als Sexualpartner ernstgenommen wird, der Ekel zum anderen in vollem Bewusstsein des eigenen unaufhörlich fortschreitenden Alters empfunden wird. In allen diesen Reviews (ich habe keine Lust mehr, weitere zu lesen) kommen ein fruchtbar beschränktes Verständnis der Gattung „Komödie“ sowie die völlige Unfähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, zum Ausdruck, und kollidieren aufs Heftigste mit einem schon vor Jahren gefestigten Bild Sandlers, das man sich nur noch bestätigen lässt, anstatt sich von Vorurteilen freizumachen. Der vielfach beschworene Mangel an Plot ist die auffallende und herasuragende Stärke des Films, die vermissten Charakterisierungen braucht er nicht, weil wir diese Figuren dank der zigfach etablierten Personae ihrer Darsteller bereits in- und auswendig kennen. Die „bösartigen“ Beleidigungen, die immer wieder kritisiert werden, sind keine, vielmehr handelt es sich um das typische Necken, das unter männlichen Freunden so üblich ist. Dass nicht jeder One-Liner begnadetes Dialoggut ist, kommt dem Realismus des Films zu Gute. Elaboriertere Gags hätten den wunderbar flüchtigen, alltäglichen Eindruck, den Dugan gemeinsam mit seinen Stars beinahe mühelos etabliert, nur geschadet. Die Selbstverliebtheit Sandlers – er ist als Lenny Hollywood-Agent, hat eine Superfrau und kann auch noch Basketball spielen –, wird immer wieder als Argument gegen den Film herangezogen. Was keiner erwähnt, ist die Niederlage, die Lenny am Ende absichtlich herbeiführt, weil er den Underdogs einmal ein Erfolgserlebnis verschaffen will. Der ganze Film tut nichts anderes, als die Stars in vollem Bewusstsein ihrer etablierten Stellung über ihre Oberklassen-Scham sinnieren zu lassen. Irgendwo habe ich auch gelesen, GROWN UPS sei ein zynisches Alibi für Sandler gewesen, mit seinen Kumpels Urlaub zu machen. Das ist ja wirklich besonders schwachsinnig und populistisch: Als könne Sandler sich keinen richtigen Urlaub leisten, ja, als müsse er überhaupt noch arbeiten.

Ich habe GROWN UPS am vergangenen Wochenende gleich zweimal gesehen, einmal allein, einmal mit meiner Gattin, die ihn auch toll fand. Ich bin begeistert von ihm, weil ihm etwas gelingt, was in amerikanischen Filme sehr rar ist. Er ist wunderbar entspannt, konzentriert sich ganz auf das Miteinander seiner Protagonisten und befreit sich fast gänzlich von den Zwängen eines aufgesetzten Plots. Na klar, irgendwann muss es so eine Art Konflikt geben und eine Dialogszene, in der die eigentlich doch klar auf der Hand liegende Moral von der Geschicht noch einmal für alle verständlich ausformuliert wird. Aber Dugan und Sandler lassen keinen Zweifel daran aufkommen, wo das Herz dieses Filmes liegt. Es schlägt da, wo die Freunde einfach zusammen rumsitzen und Blödeln, wo sie alten Erinnerungen nachhängen oder sich ihre Sorgen anvertrauen, wo sie sich gegenseitig hochnehmen oder gemeinsamen Triumphen nachhängen. Dann riecht das trotz der Anwesenheit der großen Namen gar nicht mehr nach Hollywood-Bullshit, sondern wirkt sehr echt, klein und intim. Und die Clowns zeigen, dass sich hinter ihrer Maske Menschen aus Fleisch und Blut verbergen. Menschen, die mehr Herz und Seele haben, als ihnen das mancher nachsagt, der sich erst einmal die Augen untersuchen lassen sollte.

Jack Sadelstein (Adam Sandler), Familienvater und Manager einer großen Werbeagentur in Los Angeles, ist angespannt: Zum Thanksgiving Day hat sich seine Zwillingsschwester Jill (Adam Sandler) zu Besuch aus der Bronx angemeldet. Jill ist eine liebevolle Person, aber sie ist auch etwas dümmlich, laut, ordinär, in vielen ihrer Angewohnheiten schlicht furchtbar peinlich … und Single. Weil sie ihren vermeintlichen Kurzbesuch deshalb kurzerhand ausdehnt und Jack den letzten Nerv zu rauben droht, beschließt der, ihr einen Mann zu suchen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. An unerwarteter Stelle eröffnet sich jedoch eine Chance: Ausgerechnet Superstar Al Pacino (Al Pacino) findet Gefallen an der Frau, die wie er aus der Bronx stammt. Und weil Jack genau den für einen wichtigen Werbespot gewinnen will, lässt er nichts unversucht, die beiden zu verkuppeln …

Jeder hat ihn, diesen einen Verwandten, der einem bei aller Liebe doch auch ein bisschen peinlich ist. Dessen Besuch man mit Angstschweiß auf der Stirn und in Befürchtung eines gesellschaftlichen Super-GAUs erwartet und nach dessen Abreise einem ein Stein vom Herzen fällt, weil man wieder einmal mit dem Schrecken davongekommen ist. Der „Peinliche Verwandte“ ist ein Standard der Komödie, den nun auch Adam Sandler bearbeitet – und dadurch exponenziell steigert, dass es sich bei der unmöglichen Person um einen Zwilling handelt. Während des von der eigentlichen Handlung des Films abgekoppelten Prologs treten verschiedene echte Zwillingspaare vor die Kamera (die Strategie erinnert ein wenig an Rob Reiners WHEN HARRY MET SALLY mit seinen verschiedenen Ehepaaren). Sie schildern, was sie an ihrem Zwilling schätzen, was sie mit ihm verbindet und fungieren als anschauliche Beispiele für die besondere Beziehung, die zwischen Zwillingspärchen besteht. Sie sehen sich nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sie haben auch eine besonders enge Verbindung zueinander. Der verbreitete Glaube an die Fähigkeit von Zwillingen, außer- und übersinnlich miteinander kommunizieren zu können, die Schmerzen des anderen über riesige Distanzen fühlen zu können, hat in dieser besonderen Beziehung ihren Ursprung. Sie ist es aber auch, die Jills Ausfälle für Jack so besonders schmerzhaft macht: Die Frau ist ein Spiegelbild seiner selbst, und so befremdet er sich von ihr immer wieder fühlt, so liegt der Quell seines Unwohlseins doch vor allem in dem tief eingegrabenen Wissen, dass sie ihm ähnlicher ist, als er das zugeben mag. Diese Hin- und Hergerissenheit Jacks zeigt sich vor allem in einer wiederkehrenden Formulierung. Gegen den Spott, den sein Angestellter immer wieder über Jill auskippt, verteidigt Jack seine Schwester mit derselben Phrase, mit der er seine Attacken auf sie verteidigt: „I can say that, she’s my twin.“ Doch diese Berufung auf ihre besondere Beziehung ist für ihn lange Zeit nur Vorwand, ihr gegenüber kein Blatt vor den Mund nehmen zu müssen, Mittel, den Anschein geschwisterlicher Liebe gegenüber Dritten zu wahren. Erst spät erkennt er, was er an seiner Schwester hat, was sie ihm und er ihr bedeutet: Nämlich als er in ihre Kleider schlüpft, um den liebestollen Pacino klarzumachen, und dabei erfährt, was ein anderer in seiner Schwester sieht.

Vor allem, wenn man seine Rezeption durch die US-Filmkritik verfolgt, kann man zu dem Schluss kommen, dass Adam Sandler ein Nachfahre von Jerry Lewis ist. Auch dessen große Karriere wird heute in den USA gern marginalisiert und revidiert. Dass Lewis‘ Filme von der intellektuellen Kritik vor allem in Frankreich als cineastische Offenbarungen gefeiert wurden und werden, ist nicht etwa Anlass, eigene Positionen zu überdenken, sondern nur Beleg dafür, dass die Europäer keinen Geschmack haben. Adam Sandler geht es so ähnlich: Keinem anderen aktiven Filmkomiker schlägt dermaßen unverhohlene Verachtung entgegen wie ihm, bei keinem anderen sind sich die sonst so disparate Ansichten vertretenden Kritiker plötzlich so einig, kein anderer wird so dermaßen offensiv missverstanden und fehlinterpretiert, bei keinem anderen wird die Kritik so oft so unsachlich und persönlich wie bei ihm. Dass er mit Armond White genau einen unverdrossenen Fürsprecher hat, der dem allgemeinen Tenor – Sandler sei zynisch, publikumsverachtend und dumm – vehement widerspricht, führt nicht etwa zu einer „ergebnisoffenen“ Neudiskussion über den möglichen Wert des Sandler’schen Werks, sondern erhärtet den Status quo noch. Schließlich gilt White als „contrarian“, jemand, der der Masse grundsätzlich widerspricht, um sich interessant zu machen. Was er gut findet, muss zwangsläufig Müll sein. In Europa (bzw. in Deutschland) war Sandler nie eine große Nummer, was den Vorteil hat, dass es hier keinerlei politischen Ressentiments gegen ihn gibt (anders als in den USA, wo sein Erfolg beim „gemeinen“ Publikum ihn vielen seriösen Kritikern suspekt macht). So konnte sich dann auch ein kleiner, aber gewichtiger Kreis von Fürsprechern bilden, die Sandlers Werk, ähnlich wie White, für seine philantropischen Qualitäten schätzen, die ihn etwa mit dem Großmeister Frank Capra verbinden. Was ihn von diesem unterscheidet, ist sein Hang zur Zote, zum Körper(funktions- und -öffnungs)humor. Was Gegnern Beleg für mangelndes Niveau und das Anbiedern an untere Bildungsschichten ist, ist in Wahrheit Ausdruck von Sandlers tiefer Liebe für den normalen Durchschnittsbürger. Seine Furzwitze sind zutiefst demokratisch: Menschen haben unterschiedliche Bildung, Berufe, Vorlieben, Interessen, Ziele – aber alle müssen sie scheißen. Der Wert von Sandlers Humor zeigt sich vor allem in Abgrenzung zu einem anderen jüdischen Komödianten: Während sich Woody Allen in den letzten Jahren immer mehr in einem intellektuellen Elfenbeinturm verschanzt, von wo aus er uns alljährlich das neueste Ergebnis seiner Nabelschau zusendet, sind Sandlers Filme absolut universell, grenzüberschreitend, sozial.

Das zeigt sich auch in JACK AND JILL, der die typischen shenanigans der Travestie-Komödie unterwandert, um zu einem tieferen Selbstverständnis zu gelangen. Hier geht es nicht in erster Linie darum, zu zeigen, wie blöd ein Mann in Frauenkleidern aussieht. Der Film handelt vielmehr von Peinlichkeit allgemein, von unserer Angst, uns zu blamieren oder blamiert zu werden. Aber natürlich ist er vor allem ein Aufruf dazu, Konzepte von Peinlichkeit zu hinterfragen, gewissermaßen hinter die Peinlichkeit zu schauen, den Menschen zu erkennen und ihn trotz oder gerade wegen seiner Mängel zu lieben. Für Adam Sandler, dessen Filme immer auch Selbst-Konfrontationen sind, mag dieser Film auch ein Aufruf an seine Kritiker gewesen sein. Sie haben ihn – mal wieder – nicht verstanden und ihre Häme über ihn gegossen. Ein kleiner Kritikpunkt trifft diesen schönen Film aber dann doch: Seine Inszenierung wirkt oft leblos, künstlich und soap-operesk und unterwandert so den Tumult des Plots. Die Schauplätze – vor allem Jacks Haus mit seiner sterilen Einrichtung wie aus dem Schöner-Wohnen-Heft – sehen unbelebt und unecht aus, und der einzige Mensch, der darin nicht wie ein Fremdkörper wirkt, ist Katie Holmes als Jacks Ehefrau. Das ist aber nicht als Lob gemeint: Wie vor ihr Courteney Cox in Sandlers BEDTIME STORIES hat sie eine dieser fürchterlich unterentwickelten Frauenrollen abbekommen, mit denen man einfach nur wie Staffage aussehen kann. Hier kranken Sandlers Filme dann auch manchmal: Sie hinken dem Witz ihres Protagonisten hinsichtlich Dramaturgie und Inszenierung oft ungut hinterher. Ich bin geneigt, dass Regisseur Dennis Dugan zuzuschieben, aber der hat ja auch den famosen GROWN UPS gemacht, der wunderbar lebendig, locker und leicht anmutet. Dazu später mehr.

aaxpokq_i_now_pronounce_you_chuck_and_larry_movie_poster[1]Um staatliche Zuwendungen zu erhalten, überredet Chuck (Kevin James), Feuerwehrmann, Witwer und Vater zweier Kinder, seinen besten Freund und Kollegen Larry (Adam Sandler), ihn zu heiraten. Larry, selbst einem heterosexuell-promiskuitivem Lebenswandel zugeneigt, willigt missmutig ein. Das Leben in einer „Homoehe“ bringt dann auch bald schon Probleme mit Intoleranz, Vorurteilen und misstrauischen Versicherungsbeamten mit sich. Am ärgsten trifft es aber Larry, der sich in die hübsche Anwältin Alex (Jessica Biel) verliebt, die Chucks und Larrys gemeinsame Interessen vor Gericht vertreten soll. Wie kommen die beiden aus der Sache unbeschadet wieder raus?

Auf überraschend hellsichtige Weise nähert sich I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK & LARRY dem gesellschaftlichen Status und Ansehen Homosexueller und enttarnt gleichzeitig die vorherrschenden Rollenbilder und das sexuelle Selbstverständnis heterosexueller Männer. Während das Versteckspiel für Chuck existenzielle Notwendigkeit ist und – da er den Tod seiner Ehefrau immer noch nicht überwunden und somit auch kein Sexleben hat – keinerlei Einschränkung in seinem Leben darstellt, bedeutet es für Larry einen einschneidenden Wandel, weil sich seine neue Identität nicht mit seinen Vorlieben verträgt. Doch beide ergreifen schließlich die Chance, eine neue Seite an sich kennenzulernen. Ihre Erlebnisse haben auch etwas von einer Reise in eine andere Welt oder einem Körpertausch: Chuck und Larry erproben das Zusammenleben, tauchen in die Schwulenszene ein, erfahren, was es bedeutet, als „Faggot“ diskriminiert zu werden und entwickeln auch ein anderes Bewusstsein für ihren Körper und ihre Sexualität. Das Alltagsleben als Homosexuelle öffnet ihnen also nicht nur die Augen für deren Probleme, es ermöglicht ihnen auch, sich vor allem selbst zu erweitern, eine neue Sicht auf die Konzepte von Sexualität und Liebe einzunehmen. Die vorgespielte Liebe füreinander entpuppt sich am Ende nämlich als Realität. Wenn sich Chuck und Larry auch nicht in sexueller Hinsicht zugetan ist, es ist ihnen schließlich möglich, sich ihre freundschaftliche Liebe zu gestehen, ohne jegliche Scham.

I NOW PRONOUNCE YOU CHUCK & LARRY ist natürlich etwas naiv, was man aber seinem aufklärerischen Gestus zuschreiben kann. Wie auch schon bei BEDTIME STORIES moniert, unterwirft auch Dugan die Plotlogik gegen Ende den Anforderungen, die die „Botschaft“ mit sich bringt. Die finale Gerichtsverhandlung, bei der sich alles wider Erwarten zum Guten wendet, bietet jedem nochmal die Gelegenheit, ausgiebig seine Motivation zu erklären und Reue zu zeigen. Wenn der Richter (ein arg gealteter Richard Chamberlain) am Schluss für die Auflösung sorgt, dann ist kaum der Versuch zu erkennen, den Deus ex machina zu kaschieren. Aber es fällt leicht, diesem Film seine Schwächen zu verzeihen. Erstens, weil es erfrischend ist, einen Film zu sehen, der nicht jedes dahergelaufene Schwulenklischee bestätigt wie so viele andere, sondern sich seinem Thema auf auffallend unverklemmte und selbstverständliche Art und Weise nähert, zweitens, weil Dugans Film einfach urkomisch ist. Sandler – hier mal in einer etwas anderen Rolle, als man es von ihm gewohnt ist – und James harmonieren prächtig, Jessica Biel füllt ihre undankbare Rolle mit viel Leben und Charme und die Gastauftritte und Nebenrollen (Steve Buscemi, Dan Aykroyd, Ving Rhames, Rob Schneider) sind ebenfalls sehr inspiriert besetzt. Eine überaus positive Überraschung.

zohan1Zohan Dvir (Adam Sandler) wird am Strand von Tel Aviv gefeiert wie ein Popstar. Kein Wunder, er sieht umwerfend gut aus, seine Tanzmoves sind nicht von dieser Welt und er kann einfach alles. Dies macht ihn auch zu einem unverzichtbaren Diener seines Staates: Zohan ist Soldat und wird von seiner israelischen Regierung als Kontraterrorist eingesetzt. Doch eigentlich sind ihm das Kämpfen und der nicht enden wollende Konflikt zuwider: Er träumt von einem Leben als Hairstylist, wofür er aber überall verlacht wird. Als er gegen den gefährlichen Terroristen „Phantom“ (John Turturro) antreten muss, nutzt er die sich ihm bietende Chance, seinen Tod zu fingieren und sich nach New York abzusetzen. Dort entpuppt es sich aber als schwieriger als erwartet, im Friseurgeschäft Fuß zu fassen, zumal auch in den Straßen Manhattans der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis schwelt. Und natürlich bleibt Zohans wahre Identität nicht lange unerkannt …

Die Inhaltsangabe legt nah, dass es sich bei YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN um eine der seit einigen Jahren die Komödienlandschaft bestimmenden Figuren-zentrierten Komödien handelt: Wie in diesen steht auch hier steht eine möglichst absurde Figur im Zentrum, die dem Film die marginale Handlung diktiert, die vor allem darin besteht, der Figur möglichst viele auf den Leib geschneiderte Situationen zu liefern. Doch die eigentlichen Stärken von YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN liegen woanders, weshalb der Film auch eine Weile braucht, um auf Touren zu kommen. Adam Sandler ist kein Will Ferrell (und selbst dessen Masche nutzt sich langsam aber sicher ab, siehe SEMI-PRO), der kaum mehr tun muss, als seine Dialogzeilen aufzusagen, um lustig zu sein. Adam Sandler hat nicht diesen Appeal, man macht sich nicht schon vor Lachen in die Hose, wenn er nur auftritt. Im Gegenteil, eigentlich ist Sandler selbst ziemlich durchschnittlich. Ein guter Schauspieler, aber eben einer, der eher für den „Regular Joe“ geeignet ist. Auch wenn er mit grellem Kasperkram wie HAPPY GILMORE berühmt wurde: Eigentlich ist Sandler ein später Nachkomme Frank Capras, seine Filme haben allesamt einen moralischen, märchenhaften Kern. Das gilt auch für YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN, der deshalb seine stärksten Momente immer dann hat, wenn er den Zuschauer mit seinem Titelhelden und nicht über ihn lachen lässt. Sequenzen wie jene, in denen Zohan mit seinen Frisier- und Liebeskünsten Legionen älterer, durchschnittlicher Hausfrauen beglückt, werden hier nicht etwa auf den Ekelfaktor abgeklopft, sondern sind sehr deutlich als Ode an die Weiblichkeit zu verstehen. Zohan liebt alle Frauen: nicht als Sexobjekte, sondern als Menschen, Individuen. Die billige Phrase, nach der die Schönheit von innen kommt, die Hollywood zwar gern vor sich herträgt, aber dennoch nicht beherzigt, findet hier ausnahmsweise eine sehr aufrichtige und ehrliche Interpretation. Dass Zohan am Schluss natürlich doch die knackige Dahlia (Emmanuelle Chriqui) bekommt, steht dieser Aussage nicht im Wege: Eigentlich vermisst er es, seine von ihm zu neuem Leben erweckten Hausfrauen im Hinterzimmer durchzuorgeln. Das bringt uns zum nächsten Punkt, denn in YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN geht es um Toleranz, darum, dem Gegenüber die Hände zu reichen. Nicht aus einem aufgeblasenen spirituellen oder religiösen Ideal heraus, sondern einfach deshalb, weil die Gemeinsamkeiten bei genauerem Hinschauen die Differenzen überwiegen. Der Streit zwischen den in Manhattan lebenden Israelis und Palästinensern, der dort, in den USA, jeder Grundlage entbehrt, ist hinfällig, sobald beide Seiten sich einander annähern. Sofort ist dann die Einigkeit da, entsteht ganz selbstverständlich ein Gespräch, ist jeder Streit hinfällig. Man begegnet sich nur noch als Menschen. Was diese grundlegende Einigkeit stört, sind von außen aufgepropfte Paradigmen, die an sich lebensfeindlich sind. In YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN ist das vor allem das Kapital (man merkt dem Film an, dass man sich in den konservativen USA an das Thema „Religion“ nicht ganz herangetraut hat). Das ist eine vereinfachende und vielleicht auch naive Sicht der Dinge, die aber in dieser Form wirklich herzerfrischend ist. Adam Sandler ist perfekt für diese naiven Simpletons, die ohne jede Boshaftigkeit „right through the bullshit“ blicken und ihr Gegenüber vorurteilsfrei und offen betrachten. Und es ist durchaus eine Gabe, an der man sich vielleicht orientieren sollte. All diese Aspekte – und die Tatsache, dass YOU DON’T MESS WITH THE ZOHAN ein paar herrlich beknackte Gags zu bieten hat sowie einen Gastauftritt von Mariah Carey, der ungeahnet Sympathien für die zur Brühwurst mutierten Popdiva weckt – machen Dennis Dugans Film sehenswert und heben ihn weit über den durchschnittlichen Partyfilm. Über die Schwächen – die lieblos wirkenden CGIs, manchen allzu einfältigen Kalauer – sieht man da nur allzu gern hinweg. Wie bei einem Freund mit einer blöden Angewohnheit.