Mit ‘Diana Körner’ getaggte Beiträge

Dave (Klaus Kinski), eines von insgesamt fünf Kindern der Familie Emerson und Zwilingsbruder Richard (Klaus Kinski) wie aus dem Gesicht geschnitten, wird des Mordes verurteilt und wegen Unzurechnungsfähigkeit lebenslang in die Irrenanastalt Dr. Mangroves (Carl Lange) gesperrt. Doch von dort gelingt dem seine Unschuld beteuernden Dave mit der Hilfe eines Fremden die Flucht. Zurück im Sitz der Familie gibt er sich als Richard aus, der plötzlich verschwunden ist. Zur gleichen Zeit wird mit der „blauen Hand“, einem mittelalterlichen Folterinstrument, ein weiterer Mord verübt. Der Verdacht fällt natürlich gleich auf Dave, doch der setzt Scotlany-Yard-Inspector Craig (Harald Leipnitz) auf Mangroves Anstalt an …

Vohrer beschert Klaus Kinski mit seinem neunten Wallace-Film eine saftige Haupt- und Doppelrolle und stellt so auch die Weichen zum Erfolg. Sein Gruselkrimi zeichnet sich durch einen angenehm verwirrenden, aber nie zu labyrinthisch werdenden Plot, zahlreiche wüste, überaus konsequent ausgebaute Einfälle und den schon gewohnten Humor Vohrers aus. Beispielhaft sei die Szene genannt, in der sich nach dem Dialog zweier Figuren plötzlich eine Schranktür öffnet und wie selbstverständlich der Butler Anthony (Albert Bessler) herausklettert. Bei der Besichtigung der Irrenanstalt erweist sich eine der Insassinnen beim neugierigen Blick der Scotland-Yard-Beamten in ihre Zelle als Striptease-Tänzerin, die unermüdlich ihrer Profession nachgeht: eine seltene Berufskrankheit, weiß Dr. Mangrove zu berichten, die die Dame dazu zwingt, sich immer an- und auszuziehen. Vor allem Sir John (Siegfried Schürenberg) ist fasziniert, aber auch Inspector Craig lässt es sich natürlich nicht nehmen, bei seinem zweiten Besuch in der Anstalt erneut einen Blick durchs Guckloch zu werfen. Überhaupt Schürenberg: Der brilliert erneut mit zahlreichen entrüsteten Schnaufern, ihm sofort wieder unangenehmen Lachern und jener Mischung aus onkeliger Verbindlichkeit und Tolpatschigkeit, die die Figur unersetzlich macht.

Aber nicht nur dem Ermittler bietet DIE BLAUE HAND die ersehnten Schauwerte, auch der nach Ungeheuerlichkeiten im Stile von DER BUCKLIGE VON SOHO lechzende Zuschauer bekommt einiges geboten: Nebel, Käuzchenschreie und dramatische Gewitter, saftige Morde mit einer an Mario Bavas SEI DONNE PER L’ASSASSINO erinnernden Waffe, eine skandalöse Irrenanstalt mit bemitleidenswerten Insassen und der gefürchteten „Zelle 9“, einer mit einer Rattenkiste und einer Klappe zum Einlass von Schlangen ausgestatteten Folterkammer, eine Szene im modrigen Gewölbe der Anstalt mit den besonders hoffnungslosen, grunzenden Fällen und eine im Keller von Schloss Emerson, in dem es vor Geheimtüren, Skeletten und anderem Geisterbahnzubehör nur so wimmelt. Wer hier nicht vor Freude jauchzt, ist eigentlich komplett am falschen Ort.

Bei so viel Drang zum totalen Pulp fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass der Plot auffallend schematisch entwickelt wird: Wie bei DER GORILLA VON SOHO oder auch DER UNHEIMLICHE MÖNCH hat die Mordserie die Funktion, das eigentliche Verbrechen zu verdecken, fungiert eine Irrenanstalt als Ersatz für Besserungsanstalt bzw. Pensionat, steht hinter dem Ganzen eine zerrüttete Familie, deren Mitglieder sich gegenseitig aus dem Weg räumen wollen. Auch im kommenden Film, DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE wird sich an diesem Aufbau nichts Wesentliches mehr ändern. Aber wie ich schon sagte: Wen interessiert denn die Handlung, wenn es so viel auf die Augen gibt?

Die Edgar-Wallace-Checkliste:
Personal: Siegfried Schürenberg, Klaus Kinski (12.), Albert Bessler (6.), Harald Leipnitz, Carl Lange, Ilse Steppat, Heinz Spitzner (3.),  Richard Haller, Ilse Pagé (2.), Thomas Danneberg, Otto Czarski, Günther Notthoff, Harry Riebauer (1.). Regie: Alfred Vohrer (9.), Drehbuch: Herbert Reinecker (4.), Musik: Martin Böttcher (5.), Kamera: Ernst W. Kalinke (4.), Schnitt: Jutta Hering (6.), Produktion: Horst Wendlandt (20.), Preben Philipsen (10.), Fritz Klotsch (4.)
Schauplatz: Schloss Emerson und die Anstalt von Dr. Mangrove. Berlin, Jagdschloss Grunewald.
Titel: Bezieht sich auf die Mordwaffe, beinhaltet zum siebten Mal ein Farbwort.
Protagonisten: Inspector Craig, der Verdächtige Dave und die Damsel in Distress Myrna.
Schurke: Der „Boss“, sein Untergebener Dr. Mangrove und der von diesem beauftragte Killer.
Gewalt: Mehrere Morde mit der blauen Hand.
Selbstreflexion: Begrüßung zu Beginn, Alfred Vohrer spricht den „Boss“.