Mit ‘Dick Miller’ getaggte Beiträge

Es gibt Filme, die wollen einfach nicht klicken. BIG BAD MAMA habe ich jetzt wohl zum dritten Mal eingeschmissen, nachdem ich ihn bislang immer nach kürzester Zeit wieder ausgemacht habe. Ich war besten Willens, aber es funktioniert einfach nicht. Ich finde die geschäftige Aufregung des Films, die unermüdliche Aneinanderreihung heiterer Episoden, die kundenorientierte Verbindung von Sex und Crime nicht etwa unterhaltsam und temporeich, sondern hochgradig öde und nervtötend.

BIG BAD MAMA erzählt, wahrscheinlich inspiriert vom Erfolg von Cormans eigenem BLOODY MAMA, von der Karriere von Wilma McClatchie (Angie Dickinson), die ihren beiden Töchtern Billie Jean (Susan Sennett) und Polly (Robbie Lee, bekannt aus SWITCHBLADE SISTERS) während der Depression ein sorgenfreies Leben ohne Armut ermöglichen will und sie deshalb auf eine verbrecherische Tour gen Westen mitnimmt. Sie verdingen sich erst als Moonshine Runner, nehmen dann kleinere Etablissements und Banken aus – mithilfe der unterwegs aufgelesenen Ganoven Fred Diller (Tom Skerritt) und William J. Baxter (William Shatner) –, bis sie ihren großen Coup planen: die Entführung einer Millionärstochter.

Das Problem ist wohl, dass dem von Steve Carver (der bei Chuck-Norris-Filmen deutlich besser aufgehoben war) mit dem erzählerischen Talent eines Buchhalters realisierten Film jeder dramaturgische Überbau fehlt. Mama McClatchie will also, das es ihren Töchtern gut geht. Das war’s und muss als Motivation für ihre Verbrechen ausreichen. Die Töchter sind ähnlich unterentwickelt und ihre Rolle erschöpft sich im weiteren Verlauf des Films darin, in regelmäßigen Abständen blank zu ziehen. Carver bemüht für seinen episodenhaft zerfallenden Film dabei eine slapstickartige quirkiness, die einfach nur billig und in Verbindung mit dem spekulativen Inhalt auch etwas abstoßend wirkt. Was man mit mehr Talent aus dem Stoff machen kann, hat Jonathan Demme ein Jahr später mit CRAZY MAMA bewiesen. Dass Corman nur ein Jahr nach BIG BAD MAMA bereits ein Quasi-Remake in Auftrag gab, sollte hinsichtlich der Qualität dieses Films zu denken geben. Aber wie gesagt: Vielleicht ist das ja auch nur mein ganz persönliches Problem.

Das Leben der Predigertochter Polly Franklin (Pamela Sue Martin) ändert sich schlagartig, als sie einem Banküberfall von John Dillinger beiwohnt. Danach wird sie erst von einem Reporter entjungfert, der sie mit einer Zeitungsgeschichte ködert, und dann von ihrem Vater rausgeschmissen. Sie macht sich auf den Weg nach Chicago, um dort auf eigenen Füßen zu stehen. Aber die Depression hält nicht viele Chancen bereit uns so landet sie nach einigen Umwegen erst im Knast und dann schließlich im Edelbordell der rumänischen Exilantin Anna Sage (Louise Fletcher), wo der Mob ein und aus geht. Als Anna die Ausweisung droht, ergreift sie ihre letzte Chance, im Land bleiben zu können: Denn sie hat Pollys große Liebe – einen vermeintlichen Geschäftsmann – als Staatsfeind Nr. 1 John Dillinger (Robert Conrad) erkannt …

Zum zweiten Mal nach DILLINGER widmet sich Roger Corman dem berühmten Bankräuber der Dreißigerjahre, nutzt dessen Geschichte aber lediglich als Hintergrund, vor dem sich die Lebens- und Leidensgeschichte der jungen Polly abspielt. Die verhinderte Rags-to-Riches-Geschichte entwickelt einigen Zug, weil die einzelnen Episoden knackig kurz sind, mit den für Corman typischen spitzenmäßig besetzten Nebenrollen geadelt werden – Dick Miller als sexistischer Arbeitgeber, Christopher Lloyd als gruseliger Mafiosi mit The-Crow-Muttermal und dem Spitznamen „Frognose“ – und weil Pamela Sue Martin eine liebenswerte (und attraktive) Protagonistin abgibt. Lewis Teague, ganz der Handwerker, als den man ihn in den Achtzigern zu schätzen gelernt hat, kann sich ganz auf das Drehbuch von John Sayles verlassen und steuert den Film mit sicherer Hand auf seinen Höhepunkt zu, die Erschießung Dillingers vor einem Kino in Chicago, der natürlich nochmal so interessant ist, wenn man ihn mit der gleichen Szene aus DILLINGER vergleicht. Nach kurzem Überfliegen des Wikipedia-Eintrags über den Staatsfeind Nr. 1 zeigt sich, dass Teagues Version sogar näher dran ist an der Wahrheit, denn anders als Milius dichtet er dem Gangster hier keine feste Geliebte an, die bei seiner Erschießung anwesend gewesen wäre. Andere Details – Passanten tupfen mit Taschentüchern das Blut des gefallenen Gangsters auf – finden sich interessanterweise in beiden Filmen. Leider wird dieser Szene hier jedoch einige Wucht dadurch genommen, dass der Film danach noch gute 30 Minuten weiterläuft. Und diese 30 Minuten, in denen Polly nun ihrerseits eine „Gang“ zusammenstellt und eine Bank überfällt, wirken wie nachträglich angeklebt, lassen den bis hierhin sehr glaubwürdigen Film als rein fiktives Werk, ja als Kintopp, erscheinen. Mag sein, dass es die Macher für nötig hielten, ihren Film auf einer hoffnungsvolleren Note enden zu lassen, was ja durchaus sympathisch ist: Dramaturgisch will sich das Finale einfach nicht in den Film einfügen, der mit der Erschießung Dillingers ja eigentlich schon ein passendes Ende gefunden hatte. Letztlich ist das aber auch nur ein kleinerer, zu verschmerzender Schönheitsfehler, denn die positiven Aspekte überweigen bei Weitem. Schöner Film!

Die mittlerweile als Fotografin arbeitende Molly (Mitz Kapture) begegnet durch Zufall ihrer Mutter Gloria (Anna Navarro), die sie als Teenagerin verlassen hatte. Von ihr erfährt Molly auch, dass sie eine Halbschwester namens Michelle (Tawny Fere) hat. Als ihr die völlig aufgelöste Mutter wenige Stunden später am Telefon unter Tränen gesteht, dass Michelle in Gefahr sei, und kurz darauf einem Mordanschlag zum Opfer fällt, begibt sich Molly auf die Suche nach ihrer Schwester. Dazu nutzt sie erneut ihre Verbindungen ins Rotlichtmilieu und schleicht sich als Pornodarstellerin in das Luxusbordell von Nadine (Maud Adams) ein …

ANGEL 3: THE FINAL CHAPTER ist solide gerfertigtes, aber komplett nichtssagendes Gebrauchskino, das man sich am besten zu Gemüte führt, wenn man nichts mit seiner Zeit anzufangen weiß und zu faul für einen „richtigen“ Film ist. Der tausendfach heruntergeleierten Story kann man auch unter völligem Ignorieren der Dialoge noch lückenlos folgen, nichts bewegt, fesselt oder berührt auch nur im geringsten Maße, nervt dafür aber eben auch nicht. Das filmgewordene Äquivalent zur Fahrstuhlmusik. Lediglich eine kurze Sequenz, die Molly bei ihrer Undercover-Arbeit im Pornogewerbe zeigt, wo sie einen lustigen Film mit Höhlenmensch-Sujet dreht, entlockte mir ein großzügiges Grinsen, ansonsten ist ANGEL 3: THE FINAL CHAPTER auf eine fast schon spektakulär zu nennende Art und Weise durchschnittlich. Nicht wirklich schlecht, aber auch auf gar keinen Fall richtig gut, zeigt sich hier, was so ein richtig schöner Baddie eigentlich wert ist. Schade, dass es nach dem formidablen ersten Teil so steil bergab ging mit der Reihe und selbst die doch recht ansehnliche Besetzungsliste dieses Films sie nicht mehr vor dem Versumpefen in der Beliebigkeit bewahren konnte. Das Positivste, was ich über ANGEL 3: THE FINAL CHAPTER sagen kann, ist, dass der Vorgänger AVENGING ANGEL, der auch schon nicht gerade das Gelbe vom Ei war, im direkten Vergleich eine deutliche Aufwertung erfährt.

Acht „Teens“ – vier Männlein, vier Weiblein, darunter auch ein Ehepaar – verabreden sich für eine „Party“ in der abgeschlossenen Mall, in der just drei hochmoderne Roboter als neue Security installiert wurden. Als diese durch einen Blitzeinschlag einer Fehlfunktion unterliegen, drehen sie durch und machen Jagd auf die Teens, die nun um ihr Leben kämpfen müssen …

Filmemachen kann so einfach sein und keiner weiß das besser als Roger Corman. CHOPPING MALL ist potenziell tausendfach gesehener generischer Quark, aber in der richtigen Situation einfach der beste Film aller Zeiten. Hier bilden die einzelnen Dummheiten eine Symbiose, die sie gegen jede wohlfeile Erbsenzählerei immun macht. Am Ende steht da ein kleiner 75-Minüter mit hauchdünner Prämisse, häusergroßen Plotholes, turmhohen Logikfehlern, zahlreichen In-Jokes und der nötigen Dosis Sex & Gore, bereit zum herablassenden Urteil und alles, was man sagen kann ist: „Wow. War das gerade der unterhaltsamste Film ever?“

Willkommen in Corman’s Exploitation-Land, bitte anschnallen: Der meist humanoide Killer des Slasherfilms wird kurzerhand durch drei seelenlos-blecherne Mordmaschinen ersetzt. Doch noch bevor man „Science Fiction!“ und „Dystopie!“ und „Konsumkritik!“ rufen kann, fällt einem auch schon ein, dass ja schon das Setting CHOPPING MALL mit DAWN OF THE DEAD verbindet und Kelli Maroney bereits im herrlichen NIGHT OF THE COMET mitwirkte, der ebenfalls eine Mall-Sequenz hatte. CHOPPING MALL ist kein hipper Metafilm, seine Zitate stehen einfach so da, bedeuten nicht viel mehr, als dass sie den Film in einem Universum verorten, in dem seine Mängel plötzlich Tugenden sind. Die Vorführung der mitleiderregenden Roboter – der Paul Bartel und Mary Woronov als lästerndes Ehepaar beiwohnen – nimmt ROBOCOP vorweg, lässt dem ein Jahr später Geborenen aber wenigstens das Privileg, diese Szene im Unterschied zu hier gleichermaßen bos- und schmerzhaft enden zu lassen. Dick Miller muss als offensichtlich tief gefallener Ex-Beatnik-Künstler Walter Paisley – remember A BUCKET OF BLOOD? – den Boden wischen, bevor er einem Stromschlag der Robbies zum Opfer fällt, das Waffengeschäft lautet auf den Namen „Peckinpah’s“, eine Zoohandlung heißt „Little Shop of Pets“, im Fernsehen läuft ATTACK OF THE CRAB MONSTERS, über den einer der Protagonisten sagt, dass es einer seiner Lieblingsfilme sei, und die örtliche Frittenschmiede dient als Aushang für Poster zu GALAXY OF TERROR, SLUMBER PARTY MASSACRE, THE LOST EMPIRE und BARBARIAN QUEEN. Wenn das die Referenzen sind, ist man gern bereit zu akzeptieren, dass zwei Menschen in aller Ruhe zusammen einen Film schauen, während ihre besten Freunde sich in Sicht- und Hörweite ineinander verkeilt haben.

CHOPPING MALL ist so kurzweilig, dass man gar nicht auf die Idee kommt, zu bemängeln, dass nichts an diesem Film neu ist. Die Protagonisten sind die übliche Mischpoke, zusammengesetzt aus der silkonbrüstigen Nymphomanin, dem bebrillten, herzensguten Nerd, seinem unvermeidbaren Love Interest (Kelli Maroney), dem kaugummikauenden Chauvi, dem krakeelenden Valley Girl (Barbara Crampton) und dem Ehepaar, das zwar weniger offensiv ist,  dessen männliche Hälfte aber dem noch fehelnden Typus „entschlossener Macher“ entspricht, den solche Filme meist noch brauchen. Die Idee, eine Party in einer Mall zu feiern, war schon in HIDE AND GO SHRIEK so bescheuert, dass sie den Film paradoxerweise umso stärker zusammengehalten hat – und das klappt auch hier wieder. Und dann die Roboter: zyklopen- (oder auch Cylonen-)hafte Hutständer mit verkümmerten Armen und Panzerketten statt Füßen werden einem als neuester Stand der Sicherheitstechnologie verkauft und man fragt sich, wie diese Wunderwerke wohl reagieren, wenn sie mit einer schnöden Treppe konfrontiert werden. (Auch hier denkt man unweigerlich wieder an ROBOCOP.) Wynorski aber erzählt seinen Stiefel so ungerührt von jeglichen Anforderungen an eine innere Logik oder Plausibilität herunter, dass es den Film förmlich on the spot legitimiert. Keine Ahnung wie diese Blecheimer von Etage zu Etage kommen, aber es scheint ihnen irgendwie möglich zu sein, so what, Spielverderber? CHOPPING MALL ist nicht nur Wynorskis wahrscheinlich bester Film (was kein allzu großes Lob darstellt), sondern auch ein Paradebeispiel dafür, was gute Exploitation auszeichnet, was Trash von Trash unterscheidet und warum solche Soße wie MACHETE nur ein gernegroßer Pickel am Arsch des Grindhousefilms ist, dem er sich so verpflichtet fühlt. Es sind die Unbedingtheit und die Selbstgenügsamkeit, die diesem Film genau jene Unschuld verleihen, die es braucht, um solchen Quatsch nicht bloß goutieren, sondern ihn für bare Münze nehmen und ins Herz schließen zu können. Klaro, Corman will auch nur an unser Geld. Aber wenn er uns Filme wie CHOPPING MALL schenkt, hat er jeden Cent verdient.

Los Angeles in den Fünfzigerjahren: Als der Gerichtsvollzieher die Schließung des Schönheitssalons von Sheba (Ann Sothern) und ihrer Tochter Melba Stokes (Cloris Leachman) beschließt, wiederholt sich für Mutter und Tochter die Geschichte, denn rund zwei Jahrzehnte zuvor wurden sie von ihrem Grundstück in Arkansas vertrieben, ihr Ehemann und Vater dabei erschossen. Voller Wut im Bauch beschließen die beiden Damen, in die Heimat zu fahren und sich ihr Grundstück zurückzuholen. Unterwegs muss nur noch das nötige Kleingeld ergaunert werden: Mit einem schlagkräftigen Team, zu dem auch noch Melbas Tochter Cheryl (Linda Purl), deren Freund Shawn (Don Most), der Cowboy Jim Bob (Stuart Whitman), der Rocker Snake (Bryan Englund) und die rüstige Rentnerin Bertha (Merie Earle) gehören, gehen die Damen auf die Reise, die Waffen immer fest im Anschlag …

CRAZY MAMA ist weniger leicht einzuordnen, als es zunächst den Anschein hat: Der Titel weckt Erinnerungen an die ein Jahr zuvor recht erfolgreich gelaufene Corman-Produktion BIG BAD MAMA mit Angie Dickinson, die ihrerseits ein Versuch war, den Erfolg von BLOODY MAMA mit Shelley Winters zu wiederholen. Auch die Verbindung mit dem Dillinger-Film THE LADY IN RED, der die Double-Feature-DVD aus der „Roger Corman’s Cult Classics“-Reihe von Shout! Factory vervollständigt, ist eher irreführend. CRAZY MAMA lässt sich durchaus dem Subgenre „Period-Piece-Gangsterfilm“ zurechnen, doch so richtig zu fassen bekommt man ihn mit diesem Etikett nicht. Jonathan Demmes Zweitwerk (nach dem WiP-Klassiker CAGED HEAT) folgt zwar der seit Arthur Penns BONNIE & CLYDE populären Prämisse, „normale“ Bürger auf Raubzug gehen zu lassen, doch betont Demme weniger die sozialpolitischen Hintergründe dieser Entscheidung. Auch wenn es finanzielle Probleme sind, die die Stokes zu Verbrechern machen, ihre Raubüberfälle sind weniger als Akt der Auflehnung gegen Staat und Gesellschaft zu bewerten, als vielmehr Ausdruck einer viel zu lange unterdrückten Individualität. Das Geld für den Rückkauf ihres einstigen Wohnsitzes aufzutreiben, ist nur die eine Seite ihrer Bemühungen; die andere ist es, ihre Identität als Familie rechtzeitig zur Ankunft in der alten Heimat wiedererlangt zu haben.

So ist es dann auch eine aus Randexistenzen der Gesellschaft zusammengewürfelte Patchwork-Familie, die schließlich die Reise antritt: Neben den drei Stokes-Damen sind das der brave Shawn, der Vater von Cheryls noch ungeborenem Kind, der nicht nur damit beschäftigt ist, sich in diese neue Rolle einzuleben, sondern auch alle Hände voll damit zu tun hat, seine eigensinnige Freundin davon abzuhalten, sich dem Rocker Snake an den Hals zu werfen. Sheba gabelt das alte Mütterchen Bertha, das aus einem Altersheim geflohen ist, an einem einarmigen Banditen auf, ihre Tochter Melba den Ex-Sheriff Jim Bob am Würfeltisch. Als die beiden nach nur einem Tag beschließen zu heiraten, ist das eigentlich nur der Vorwand dafür, eine Hochzeitskapelle auszurauben, aber es verdeutlicht natürlich dennoch, dass es hier weniger um das lustige Räuber-und-Gendarm-Spiel geht, als vielmehr darum, neue Familienhierarchien und -konstellationen durchzuprobieren. So ist es wahrscheinlich auch nicht verwunderlich, dass der Film selbst alles dafür tut, niemals stehenzubleiben: Statt Kohärenz und Kontinuität setzt es eine rasante Abfolge von mal mehr mal weniger trivialen Episoden, von denen man auch ruhig mal eine verpassen kann, ohne den Anschluss zu verlieren. Der ganze Film fliegt nur so an einem vorbei und auch, wenn das alles sehr ansehnlich und grundsympathisch ist, will er einfach nicht richtig hängenbleiben. Auch die dem Sujet geschuldete Tragik, die am Ende noch ins Spiel kommt, fügt sich in den gesteckten Rahmen nicht wirklich ein. Aber das scheint durchaus Methode zu haben: CRAZY MAMA und seine Protagonisten sind viel zu lebhaft und aufgedreht, als dass sie solch ein Dämpfer nachhaltig beeinflussen und die Trauer sich festsetzen könnten. Die Stokes sind allesamt Survivors, die bisher noch jeden Schicksalsschlag zu nehmen gewusst haben, die gelernt haben, dass das Leben gerade darin besteht, mit Schicksalsschlägen zu leben.

Diese Ausrichtung verleitet mich zu der These, dass CRAZY MAMA tatsächlich am sinnvollsten im Rahmen von Jonathan Demmes Gesamtwerk zu rezipieren ist: durchaus ungewöhnlich für die Phalanx von Filmen, die spätere Spitzenregisseure zu Beginn ihrer Karriere für Corman machen durften. Ich bin wahrlich kein Demme-Spezialist, aber ein Text anlässlich der Criterion-Veröffentlichung von seinem SOMETHING WILD, der besagt, dass [f]ew directors, however, have tackled social and personal shape-shifting as concretely or as intuitively as Jonathan Demme. Throughout his diverse yet unified oeuvre, characters are uncannily aware of what makes them tick, to the point that exposition is occasionally bypassed altogether.“, mag als Beleg für meine Behauptung dienen. Bleibt zu sagen, dass CRAZY MAMA ein schönes, nostalgisch angehauchtes Road Movie ist, das nicht vom Hocker reißt, aber dennoch origineller ist, als erwartet. Und der Soundtrack, auf dem sich ein Rock’n’Roll-Hit der Fifties an den nächsten reiht, schadet auch nicht.

Weil seine Rasse auf dem fernen Planeten Davana von einer rätselhaften Blutkrankheit dahingerafft wird, wird einer der Außerirdischen (Paul Birch) auf die Erde geschickt, um herauszufinden, ob Menschenbluttransfusionen die Krankheit stoppen können. Als „Paul Johnson“ engagiert der Außerirdische die Krankenschwester Nadine (Beverly Garland) und holt sich mithilfe des Chauffeurs Jeremy (Jonathan Haze) unfreiwillige Blutspender ins Haus …

Im gleichnamigen Remake von 1988 hatte Jim Wynorski mithilfe von Traci Lords und dem Fokus auf dem Fish-out-of-Water-Aspekt eher die komische Seite der Geschichte betont, während Corman sie mit viel Mitgefühl für die todgeweihten Außerirdischen erzählt und so unweigerlich die im Zentrum des Films stehende moralische Frage in den Mittelpunkt rückt: Darf sich eine „überlegene“ Rasse über eine andere stellen, wenn es um ihr Überleben geht? Oder anders gefragt: Darf man von ihr verlangen, dass sie  sich in einer solchen Situation abstrakten moralischen Grundsätzen unterwirft, wenn sie damit ihr eigenes Todesurteil unterzeichnet? Corman gibt auf diese Frage keine Antwort (bzw. umgeht er sie gewissermaßen, weil er seinen Außerirdischen keinerlei Empathiebegabung mitgibt), aber es ist trotzdem klar, dass es hier eigentlich nicht um eine erfundene Alienrasse geht, sondern um die Menschheit und ihre eigene seit der Antike proklamierte Überlegenheit, die sie als Legitimation betrachtet, Unterlegene – seien es Tier- und Pflanzenwelt oder aber vermeintlich weniger weit entwickelte Kulturen – auszubeuten. Dass Nadine und ihre Helfer dem Außerirdischen, der bereit war, die Menschheit auszurotten, am Ende einen Grabstein mit der Inschrift „He was not of this earth“ spendieren, scheint die Möglichkeit einer über die eigenen genetischen Grenzen hinausgehenden Solidariät, ja sogar eines voraussetzunglsosen Verzeihens anzudeuten, aber irgendwie muss man mehr als 50 Jahre nach Cormans Film doch konstatieren, dass das nach wie vor Wunschdenken ist. Eine Sternstunde des Exploitationfilms mit einem herrlichen Kurzauftritt von Dick Miller als Staubsaugervertreter mit fettem Brooklyn-Akzent („You wanna puychase or you don’t wanna puychase?), die ich wahrscheinlich noch mehr zu würdigen gewusst hätte, wenn ich nicht erst vor kurzen das Remake gesehen hätte, das sich im Handlungsablauf kaum vom Original unterscheidet.

Candy Hope (Candice Rialson) kommt mit dem Ziel nach Hollywood, Filmschauspielerin zu werden. Der Agent Walter Paisley (Dick Miller) vermittelt sie an die kleine Produktionsfirma Miracle Pictures des Produzenten PG (Richard Doran), wo Candy unter der Regie des exzentrischen Erich von Leppe (Paul Bartel) und neben dem herrischen B-Movie-Star Mary McQueen (Mary Woronov) durch die harte Schule des Low-Budget-Exploitationkinos geschickt wird. Zu den „normalen“ Entbehrungen und Demütigungen gesellt sich bald eine noch existenziellere Bedrohung, als ihre Kolleginnen eine nach der anderen ermordet werden …

Joe Dantes mithilfe von Allan Arkush – dem Dante wiederum bei ROCK ‚N‘ ROLL HIGH SCHOOL unter die Arme griff – inszeniertes Debüt ist ein hübscher kleiner Filmfilm, der die Eigenheiten seines eigenen Dunstkreises lustvoll bloßstellt und gleichzeitig zelebriert. Schon auf dem Plakat wird HOLLYWOOD BOULEVARD mit seinen Primärreizen  Sex & Violence beworben, doch ist das auch nur ein Zeichen des Hintersinns, von dem der ganze Film durchzogen ist. So macht sich Dante über die verhinderten Künstler lustig, die in der B-Movie-Hölle gefangen und somit gezwungen sind, sich ihr Schaffen selbst schönzureden, zeichnet von Leppe als sich geradezu aristokratisch gerierenden deutschstämmigen Regisseur, der selbst die dämlichsten Szenen noch inszeniert wie wichtige künstlerische Statements, macht die schwierigen Produktionsbedingungen zu einem Ziel seiner Gags und verwendet nach bester Resteverwertermanier etliche Filmschnippsel aus dem Corman’schen Schaffen. Dennoch begnügt sich Dante nicht damit, sich bescheiden in die Reihen der zwar fleißigen, aber oft auch unambitionierten Grindhouse-Belieferer einzuordnen, sondern transzendiert die Eigenheiten des Exploitation-Kinos. HOLLYWOOD BOULEVARD ist in seinen Mitteln ungemein kreativ, sprüht vor Leben, öffnet den Raum für etliche weitere, sich anknüpfende Geschichten, hat zahlreiche liebenswerte Figuren aufzubieten und zeigt, was innerhalb der eng abgesteckten Grenzen des Low-Budget-Kinos filmisch möglich ist – nicht, dass man das einem Liebhaber des hier porträtierten Kinos wirklich noch hätte beweisen müssen. Dante lässt mit seinem Debüt schon erahnen, zu welchen Höhenflügen er in den Achtzigerjahren ansetzen sollte – und dass HOLLYWOOD BOULEVARD dabei nicht auf das breite Familienpublikum schielt, sondern die Regionen südlich der Gürtellinie anpeilt, macht ihn umso sympathischer. So richtig viel will mir nicht einfallen, weil sich HOLLYWOOD BOULEVARD eigentlich von selbst erschließt und eine Aufzählung seiner besten Ideen zum einen die Freude der Sichtung zerstören und außerdem eine ziemlich langweilige Lektüre darstellen würde. Also belasse ich es bei dem Hinweis, dass man HOLLYWOOD BOULEVARD idealerweise im Doppelpack mit Landis‘ KENTUCKY FRIED MOVIE oder auch SCHLOCK genießen sollte, die im Grunde Seelenverwandte sind.

matinee (joe dante, usa 1993)

Veröffentlicht: Februar 21, 2011 in Film
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1962: Während die Kubakrise sich zum Dritten Weltkrieg auszuweiten droht, fiebern ein paar Kinder auf Key West dem Besuch Lawrence Woolseys (John Goodman) entgegen, einem berühmten Horrorfilmregisseur, der im örtlichen Kino die effektgespickte Aufführung seines neuen Films „Mant“ überwachen soll. Unter den Kindern ist auch Gene (Simon Fenton), ein echter Filmnerd, dessen Vater als Navy-Soldat aktiv an der Seeblockade teilnimmt. Bei der heiß ersehnten Vorführung des Schockers um einen Mann, der unter dem Einfluss radioaktiver Strahlung zur Riesenameise mutiert, kommt es schließlich zur Massenpanik, weil die Zuschauer Woolseys Gimmicks als Wirkung einer Atombombenexplosion interpretieren …

MATINEE kann man nach dem doch etwas ausufernden GREMLINS 2: THE NEW BATCH durchaus als inszenatorisches Heilfasten von Regisseur Dante beschreiben. Statt eines wilden, gaggespickten Effektfeuerwerks um kleine Knuddelmonster wirft er mit MATINEE einen sehr persönlich geprägten Blick zurück in die Vergangenheit und auf eine kurze aber dramatische Phase, in der die Zerstörung der Welt plötzlich kein Science-Fiction-Stoff mehr war, sondern ein ganz realistisches Szenario. Man kann sich das als jemand, der damals noch nicht lebte, kaum vorstellen und Dante tut gut daran, sich bei der Wahl der Mittel zur Horizontannäherung  zurückzunehmen. Es gibt keine pathetischen Monologe und Selbstoffenbarungen der Protagonisten, vielmehr sind es die schmerzhafte Abwesenheit des Vaters, die wie eine Wunde klafft, der Blick Genes, der für seinen kleinen Bruder irgendwie die Contenance bewahren muss, obwohl er fast starr vor Angst ist, die stets präsenten Radio- und Nachrichtenmeldungen und die bemitleidenswerten Versuche der Menschen, in einem Moment totaler innerer Auflösung irgendwie die Ordnung zu wahren, die den empathiebegabten Betrachter in die Lage versetzen, das Gefühl, das sich damals tief in den Magengruben eingenistet hatte, nachzuvollziehen. Aber MATINEE ist als Joe-Dante-Film natürlich auch und vor allem ein Film über das Kino ganz allgemein, die gesellschaftliche Relevanz von Horrorfilmen und die kathartische Erfahrung des kollektiven Kinobesuchs im Besonderen. Lawrence Woolsey – der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass er von der B-Movie-Legende William Castle inspiriert ist – bietet mit seinen Filmen aber längst nicht nur die oft herbeizitierte Möglichkeit, der tristen Realität zu entfliehen, diese Einschätzung greift nämlich viel zu kurz: Er gibt den realen Ängsten überhaupt erst eine Gestalt und erlaubt es seinen Zuschauern so, diese auszuleben. Die Atombombe, an die alle Besucher von „Mant“ denken, und die Explosion, die sie auslöst, sind abstrakte Gebilde, körperlose und deshalb nicht greifbare Vorstellungen, mit denen sich kaum produktiv umgehen lässt. Der Ameisenmann hingegen lauert nicht nur auf der Leinwand, er läuft in den Inszenierungen Woolseys auch im Kinosaal herum: Man kann ihn an- und wegschreien, anfassen und wenn man will sogar verprügeln. Dass die Vorführung von „Mant“ fast selbst zur Katastrophe ausartet, ist zwar nicht beabsichtigt, spielt Woolsey aber trotzdem in die Karten; den Kids, die sich den Weltuntergang gar nicht vorstellen können, hat er einen Testlauf ermöglicht.

MATINEE markiert in Dantes Schaffen wohl so etwas wie den Scheitelpunkt seiner Laufbahn. Auf GREMLINS 2: THE NEW BATCH noch einen draufzusetzen, wäre für ihn wohl kaum noch befriedigend gewesen, die Entscheidung, einen Film über die Filme zu drehen, die er so liebt und denen er in jedem seiner Filme Tribut zollte, war mithin goldrichtig. Aber MATINEE ist eben leider nicht aus dem Stoff, mit dem sich die Massen mobilisieren lassen, und unterbrach somit eine eindrucksvolle Reihe von künstlerisch wie auch finanziell erfolgreichen Filmen. Die Rückkehr zum bunten Genrekino mit SMALL SOLDIERS konnte die Talfahrt von Joe Dante danach nicht mehr aufhalten. Auch wenn MATINEE vielleicht der ideale Film gewesen wäre, eine dem B-Film und Exploitationkino gewidmete Karriere zu beenden, hoffe ich, dass Joe Dante dem Kino noch eine Weile erhalten bleibt und sich die Leute vielleicht wieder daran erinnern, warum sie in den Achtzigerjahren in Schare in seine Filme gerannt sind: nicht für die knuffigen Gremlins, sondern für das, was diese Gremlins ihnen zu verstehen halfen.

Ben Crandall (Ethan Hawke), ein Science-Fiction-begeisterter Junge, träumt nachts von einem rätselhaften Schaltbrett, das er für seinen Freund Wolfgang (River Phoenix), einen genialen Tüftler, aufzeichnet. Nachdem der das Brett gebaut und an einen Computer angeschlossen hat, entsteht eine transparente Kugel im Raum, die sich über Tastatur beliebig vergrößern und steuern lässt. Zusammen mit Darren (Jason Presson) bauen die Jungs aus Schrott ein Raumschiff, das sie mit der Kugel verbinden und dann darin eine Reise antreten, die sie tatsächlich ins Weltall führt, zu den Außerirdischen, die Ben den Traum geschickt haben …

Von den Filmen, die Joe Dante in den Achtzigerjahren gedreht hat, ist EXPLORERS wahrscheinlich der am wenigsten populäre. Zu Unrecht, wie ich meine, denn er fügt sich nicht nur nahtlos ins Werk des Science-Fiction- und Monsterfilm-besessenen Nerds ein, sondern dürfte darüber hinaus der warmherzigste und schönste Film sein, den er in jenem Jahrzehnt vorlegte. Es ist nur unschwer zu erkennen, dass Dante mit EXPLORERS seine eigenen Kinderträume verfilmte: Ben ist sein Alter ego, schläft nachts zu WAR OF THE WORLDS, verschlingt Science-Fiction-Filme und -Magazine und wünscht sich nichts sehnlicher, als die dort beschriebenen fremden Welten einmal selbst zu besuchen. Dante lädt seine Bilder auf mit dieser Sehnsucht: ob es der blassblaue Himmel ist, der die endlose, zahlreiche Geheimnisse bergende Weite verbildlicht, das zartgoldenen Licht der Sonne, das einen Schleier über die amerikanische Kleinstadt legt, der gelüftet werden will, oder die diese Stadt umgebenden Hügel, hinter denen unzählige weitere Welten liegen, die auf ihre Erkundung warten. Dass es für Ben, Wolfgang und Darren ins Weltall geht, ist nur die äußerste Konkretion dieser Sehnsucht: Sie wollen tatsächlich dahin gehen, wo nie jemand zuvor gewesen ist. Dahinter steht aber letztlich das kindliche Bedürfnis, den eignenen Platz in der Welt zu finden und sich selbst zu erfahren – und wie ginge das besser als im Kontakt mit dem buchstäblich Anderen, Fremden, den Außeriridischen? Die Reise ins All ist dann auch vor allem eine Reise zu den eigenen Wurzeln. Sie treffen auf ihre Spiegelbilder, zwei außerirdische Kinder, die wie sie neugierig waren, wer da draußen noch ist. Die Erde kennen sie aus dem Fernsehen, so wie die drei Helden die Aliens aus den Filmen kennen, und die Bilder erfüllen ihre Fantasie und ihre Träume. Das Träumen und das Streben ist in Dantes Vision keine conditio humana, sondern die treibende Kraft hinter allem Leben.

Joe Dantes Kino, das Populärkultur und ihre Errungenschaften feiert, nicht als Quell der Verdammnis begreift, sondern als immateriellen Gedächtnisort, an dem die Gesellschaft ihre Ängste und Wünsche verarbeitet und verhandelt, könnte kaum außergewöhnlicher sein. Man ist es gewöhnt, von wichtigtuerischen pseudogesellschaftskritischen Filmen auf Technik- und Medienpessimismus gepolt zu werden, sich immer und immer wieder erzählen zu lassen, dass der Fernsehapparat der Grund für alle unsere Probleme ist. Vielleicht war Dantes Zeit, waren die Achtzigerjahre tatsächlich unschuldiger, dass er zu dieser These gelangen konnte. Ich glaube das nicht. Wie Ben, der ins Weltall reist, ohne zu wissen, was ihn dort erwartet, im Vertrauen darauf, dass die Welt gut ist, hat sich Dante einfach seinen kindlichen Idealismus bewahrt. Das macht seine Filme so wunderbar und wertvoll.

Billy (Zach Galligan) und Kate (Phoebe Cates) haben ihrer Heimatstadt Kinston Falls den Rücken gekehrt und leben nun in Manhattan, wo sie für den milliardenschweren Unternehmer Clamp (John Glover) in dessen State-of-the-Art-Wolkenkratzer arbeiten. Als Zach in einem dort untergebrachten Labor für Genforschung den kleinen Gizmo wiederfindet, bahnt sich die Fortsetzung der Katastrophe aus dem ersten Teil an: Die einmal mutierten Gremlins legen in Kürze das komplette Gebäude lahm …

Teil 2 bietet dem Gesetz der Serie folgend spektakulärere Gremlin-Action, buntere Spezialeffekte und generell von allem mehr. Das ist ganz wertfrei betrachtet durchaus angemessen, weil es in Joe Dantes Sequel in erster Linie um menschliche Hybris und Eitelkeit, Eigenschaften die in New York, der Hauptstadt der buchstäblich zu den Sternen strebenden Megalomanie, natürlich ihre ideale Heimat finden. GREMLINS 2: THE NEW BATCH erinnert dann auch nicht nur von seinem Setting her, sondern auch in seinem Technikskeptizismus an die Katastrophenfilme der Siebzigerjahre, in denen wahlweise ein unsinkbares Kreuzfahrtschiff, ein unbrennbares Hochhaus, ein unabstürzbares Flugzeug oder eine unkaputtbare Metropole untergingen, abfackelten, abstürzten oder in sich zusammenfielen. Dante denkt die schon im Vorgänger enthaltene Kritik also konsequent zuende, engt den Zuschauer damit aber auch ein bisschen ein: Was vorher relativ unauffällig in die Handlung eingebettet war und lediglich ein kleines inhaltliches Detail ausmachte, dominiert das Sequel von Beginn an und drängt sich etwas eindimensional in  den Vordergrund. GREMLINS 2: THE NEW BATCH nimmt so über weite Strecken den Charakter einer Groteske an, die in der Zeichnung des mit unsinnigen und defekten technischen Hilfsmitteln vollgestopften und schlicht menschenfeindlichen High-Tech-Hochhauses wahlweise an Kafka, Cartoons oder Chaplins MODERN TIMES erinnert. Dies macht Dantes Film auf diskursiver Ebene interessanter als den Vorgänger, entrückt ihn aber auch der nostalgisch-emotionalen Erschließung, was beim ersten Teil so fantastisch funktioniert hatte. Dass Dante – ebenfalls in äußerster Konkretisierung seiner ja immer schon vorhandenen selbstreferenziellen Ansätze – die Barriere zum Zuschauer niederreißt und die Gremlins den Film selbst attackieren lässt, trägt ebenfalls zu dieser Entfremdung bei; eine schöne und vor dem Hintergrund der Charakterisierung der Gremlins als fleischgewordene Fehlerteufel völlig richtige Szene by the way, die mich damals schon im Kino begeistert hat, auf dem heimischen Bildschirm aber natürlich nicht ganz ihre Wirkung entfaltet. Eigentlich hatte Dante für die Videoauswertung seines Films extra eine entsprechend modifizierte Szene gedreht, aber auf der DVD findet sich nur das Kinooriginal. Schwamm drüber. Mir hat GREMLINS 2: THE NEW BATCH sehr gut gefallen, sogar besser, als ich ihn in Erinnerung hatte. Man muss die oben aufgezählten Punkte dann auch gar nicht als Kritik begreifen: Vom doch noch sehr Spielberg’schen Erstling hat sich Dante für sein Sequel einfach in eine andere Richtung entwickelt, die zwar schon Zeichen des heraufziehenden Jahrzehnts erkennen lässt, aber doch noch mehr Herz hat, als die Vertreter des nur noch Attraktionen anhäufenden Unterhaltungskinos, die ihm folgen sollten. Und Dante ist eigentlich eh immer ein Wiedersehen wert, wie ich dieser Tage erneut erfreut feststellen muss.