Mit ‘Djordje Kadijevic’ getaggte Beiträge

In einem kleinen serbischen Bauerndorf geht die Angst um: Ein Vampir sucht regelmäßig die örtliche Mühle heim und bringt so erst den Nachschub an potenziellen Müllern und dann logischerweise auch an überlebensnotwendigem Brot zum Erliegen. Zum Glück erklärt sich der gutgläubige und ahnungslose Tagelöhner Strahinja (Petar Bozovic) bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Er erhofft sich von seinem neuen Job einen Anstieg seines Ansehens, um so vom mürrischen Bauern Zivan (Slobodan Perovic) endlich die Erlaubnis zu erhalten, dessen Tochter Radojka (Mirjana Nikolic) zu heiraten. Als auch Strahinja vom Vampir überfallen wird und nur mit Mühe und Not entkommen kann, machen sich die Männer des Dorfes erst gemeinsam auf die Suche nach dem Grab des Vampirs und helfen dem braven Strahinja im Anschluss dabei, die schöne Radojka zu entführen. In der Nacht vor der Hochzeit erlebt der aber eine böse Überraschung …

LEPTIRICA ist ein fürs ehemalige jugoslawische Fernsehen gedrehter kleiner Gruselfilm mit deutlichen Anleihen sowohl beim burlesken Lustspiel als auch beim Heimatfilm. Große formelle oder narrative Finesse sollte man von dem 60-Minüter dann auch nicht erwarten: Sehr zweckdienlich erzählt Kadijevic seine Geschichte mit Betonung nicht etwa des Fantastischen, sondern gerade des Alltäglichen. Mehr als das Treiben des Vampirs interessieren ihn das Verhalten der männlichen Dorfgemeinschaft und ihre rührenden Versuche, der Situation Herr zu werden. Ein bisschen erinnerte mich LEPTIRICA mit dieser Schlagseite zum Folkloristischen an hongkongchinesische Vampirfilme, die aber meist mit großem Effektzauber und ausgefeilten Actionsequenzen aufwarten, wo LEPTIRICA eher ein gemächliches Tempo anschlägt. Laut wird es nur auf der Tonspur: Das ständige körperlose Heulen, Zirpen, Raunen und Singen suggeriert überzeugend eine alltägliche Präsenz des Übersinnlichen, mit der sich die Dorfbewohner längst abgefunden haben. Was mich gestern in erster Linie bei Laune hielt, waren das ungewohnte, dabei aber nur milde exotische Setting, die urigen Figuren, die Verquickung eben von Horror und einem sehr volkstümlichen, dabei aber niemals zu plumpen Humor und natürlich vor allem die interessante Variation des uns aus Romanen und Filmen bekannten Vampirmythos. Wie genau das in Jugoslawien funktioniert mit der Vampirwerdung, habe ich dann auch nicht so ganz verstanden: Die Opfer werden nicht zu Untoten, sondern sterben einfach, Tageslicht stört Vampire nicht im Geringsten, sie sehen dann lediglich von ihrer blutsaugerischen Tätigkeit ab und führen sonst ein ganz normales Leben, verfügen offensichtlich aber über einen zweiten, in einem Sarg aufbewahrten Körper, dessen Seele bei Pfählung als Motte (= „leptirica“) entweicht, die dann ihrerseits getötet werden muss, um dem Vampir endgültig den Garaus zu machen. 

LEPTIRICA ist nicht gerade das, was man als rauschhaftes Filmerlebnis bezeichnen würde und ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn Kadijevic die Ereignisse der letzten zehn Filmminuten etwas ausgedehnt und dafür auf einen Teil des etwas langatmigen und ereignisarmen Mittelteils verzichtet hätte. Andererseits ist es ja gerade die Akzentverschiebung gegenüber den sattsam bekannten „westlichen“ Horrorfilmen, die LEPTIRICA im Rahmen meiner Weltreise überhaupt für mich interessant macht. Und weil die 60 Minuten schnell vorübergeflogen sind, der Film zudem einen ganz eigenen Ton anschlägt, geht LEPTIRICA schon in Ordnung. Hätte nur ein bisschen mehr Geld zur Verfügung gestanden, um den Film visuell ein bisschen aufzupeppen, er hätte richtig schön werden können. So ist er letztlich nur nett. (Damit aber immer noch besser als alle deutschen Versuche der letzten Jahre, Horror fürs Fernsehen zu produzieren.)