Mit ‘Dolores Hart’ getaggte Beiträge

where-the-boys-are-movie-poster-1961-1020191124Spring Break. Der Begriff ist längst auch hierzulande geläufig. Sofort hat man Horden vergnügungssüchtiger amerikanischer Jugendlicher vor dem geistigen Auge, die während ihrer Ferien über Florida oder auch Mexiko herfallen und sich dort in jahrmarktartigem Trubel dem Suff und den Freuden des vorehelichen, enthemmten Geschlechtsverkehrs hingeben. Privatsender wissen den Spring Break als Quelle quotenträchtiger Bilder zu schätzen und zu Beginn des Jahres erregte Harmony Korine mit seinem Skandalfilm SPRING BREAKERS die Gemüter auf ähnliche Weise. Doch es gab tatsächlich eine Zeit, da hieß der „Spring Break“ schlicht „Spring Vacation“ und war noch eine weit weniger durchorganisierte und institutionalisierte Zeremonie. Die Wurzeln des heutigen Massenevents gehen auf das Jahr 1958 zurück, in dem Glendon Swarthouts Roman „Where the Boys are“ erschien. Das Buch, das die Geschichte einiger Studenten aus Michigan erzählt, die ihre Osterferien an den Stränden Floridas verbringen, wurde wenig später unter der Ägide von MGM von Regisseur Henry Levin verfilmt und avancierte zum erfolgreichsten Low-Budget-Film des Studios. Im Winter veröffentlicht, inspirierte er Tausende von Teenagern, im folgenden Frühling in den warmen Süden zu reisen und – wie im Film gezeigt – Strände und Kneipen zu bevölkern. Das „einmalige“ Phänomen wurde zum festen, auch heute noch gepflegten Brauch, während WHERE THE BOYS ARE mittlerweile weitestgehend in Vergessenheit geraten ist (er ist für den heimischen Gebrauch im Rahmen der DVD-R-Reihe „Warner Archive Collection“ auf Scheibe verfügbar). Dankenswerterweise ermöglichte das Hofbauer-Kommando die historische Quellenforschung anhand einer wunderschönen 35-mm-Kopie in herrlichstem Scope.

Aus dem kalten, verschneiten Michigan reisen die Freundinnen Merritt (Dolores Hart), Tuggle (Paula Prentiss), Melanie (Yvette Mimieux) und Angie (Connie Francis) nach Fort Lauderdale, um dort die Sonne zu genießen, zu feiern und vielleicht auch einen Jungen kennenzulernen. Schon unterwegs lesen sie den Nonkonformisten TV (Jim Hutton) auf, dessen Sinn für Humor bei der gewitzt-intelligenten Tuggle sofort gut ankommt. Während die beiden sich ganz sachte auf eine Beziehung vorbereiten, schmeißt sich die naive Melanie ein paar halbstarken Sportlern an den Hals und Angie dem halbblinden Leadsänger einer „Dialectic-Jazz“-Band. Die kluge Merritt hingegen scheint das goldene Los gezogen zu haben: Für sie interessiert sich nämlich der attraktive Ryder (George Hamilton), seines Zeichens wohlerzogener Sohn aus reichem Hause …

WHERE THE BOYS ARE ist wunderbar locker-flockiges Hollywood-Unterhaltungskino, rührend unschuldig und anständig, gleichzeitig jedoch geprägt von jener sophistication und jenem Stil, deren heutigen Mangel mancher oft vorschnell als konservativ verschrieene Geselle nicht ganz zu Unrecht moniert. Das ist vor allem deshalb so spannend, weil WHERE THE BOYS ARE gewissermaßen den Grundstein für jene jugendlichen Entgleisungen geliefert hat, mit denen Boulevardmedien heute gern die Elterngeneration erschrecken. Stellt sich der Spring Break Außenstehenden heute als oberflächliches, geistloses Getöse dar, als sinnloser, mehrtägiger Alkoholexzess und grenzdebile Kollektivorgie, kommt die Veranstaltung unter Henry Levins Regie – und mithilfe der herrlichen deutschen Synchronisation – wunderbar kultiviert und geistreich daher. Natürlich liegt das auch daran, dass allzu saftige Details ausgespart werden müssen. Die beiden Heldinnen Merritt und Tuggle sind intelligente junge Damen, denen es weniger um das schnelle Vergnügen als vielmehr um eine ernsthafte Liebesbeziehung geht, und ihre Auserwählten sind gleichfalls moralisch über jeden Zweifel erhaben. So stehen dann am Ende nicht weniger als Liebesheirat und Ehe  im Raum. Das Gegenmodell und einen Blick auf die Schattenseiten des Urlaubsspektakels liefert Melanie, die sich in Ermangelung einer gewissen Reife genau jenen Typen an den Hals wirft, die nur die schlimmsten Absichten verfolgen. So wird dann die bunte, herrlich wenig nachhaltige Fröhlichkeit doch noch durch das große Drama getrübt, das WHERE THE BOYS ARE eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte. Warum sollte es denn nicht möglich sein, 90 Minuten lang mit sympathischen, witzigen und noch dazu gutaussehenden Menschen zu verbringen, die nichts anderes tun, als es sich für eine Woche unter strahlender Sonne bei Meeresrauschen und Musik gutgehen zu lassen? Levin zeigt über weite Strecken, dass es geht und hat somit einen Film gedreht, der das eigene Leben nicht verändert, aber, solange es dauert, ein kleines bisschen sonniger macht. Sowas gibt es leider viel zu selten und in der hier gebotenen Form selbstredend überhaupt gar nicht mehr. Dass Paula Prentiss und Dolores Hart einfach zum Anbeißen sind, ohne dabei dem gängigen Bimboklischee zu entsprechen, hilft immens. Und Connie Francis singt dazu ihr Ständchen.