Mit ‘Dolph Lundgren’ getaggte Beiträge

Wenn man sich seine Filmografie seit seinem Comeback mit ROCKY BALBOA im Jahr 2006 anschaut, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Stallone sich seit nun fast 15 Jahren auf einer Art Abschiedstournee bzw. Ehrenrunde befindet. Der nominelle Abschluss der Boxersaga, die ihn zum Star und zur Ikone machte, ließ den 16 Jahre zuvor produzierten Fehlschlag namens ROCKY V vergessen und versöhnte die Fans mit dem einstigen Champ, der so sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden war. JOHN RAMBO versetzte im Anschluss allen, die nach dem melodramatischen Boxerfilm vielleicht vermutet hatten, Stallone könne weich geworden sein, mit dem vielleicht brutalsten Actioner aller Zeiten einen heftigen Nierenschlag. Mit THE EXPENDABLES und seinen Sequels beschenkte Stallone dann die Freunde des Actionkinos, die ihm über all die Jahre die Treue gehalten hatten, mit einem amtlichen Best-of-Paket, für das sich seine einstigen Weggefährten die Klinke in die Hand gaben. Und CREED zeugte dann zwar von der Einsicht, dass Rockys Geschichte vielleicht auserzählt war, dass seine Vergangenheit aber immer noch Stoff für neue Filme bot, in diesem Fall ein Spin-off um den Sohn seines einst größten Rivalen. Diese Liste liest sich tatsächlich nicht gerade, als könne Stallone das Feuer der lodernden Kreativität kaum besänftigen: Er begnügt sich seit einiger Zeit eher damit, sein Erbe zu verwalten. Aber er tut dies ohne Zweifel mit Herz und  Liebe für seine Schöpfung, die ja zudem wirklich beachtlich ist: Mit Rambo und Rocky hatte Stallone gleich zwei Figuren geschaffen, die zu Archetypen wurden – und dabei untrennbar mit ihm verbunden sind.

CREED 2 ist innerhalb des oben skizzierten letzten Abschnitts von Stallones Schaffen so etwas wie der Nachklapp zum Nachklapp. CREED war vor drei Jahren noch einmal ein unerwartetes Highlight gewesen, ein Film, der vielleicht nicht in der Liga von ROCKY spielte, wahrscheinlich auch nicht in der des Alterswerks ROCKY BALBOA, aber dennoch eine würdige Fortsetzung – auch wenn sich diese ja den Anschein eines Neustarts gab. Michael B. Jordan ist als Adonis, Sohn von Apollo Creed, zwar einnehmend genug, um auch ein Sequel zu tragen, aber so ganz verbergen kann dieses nicht, dass es im Wesentlichen von Nostalgie getrieben wird. Nachdem also zuvor die alte Rivalität zwischen Stallone und Creed aufgegriffen und abgeschlossen worden war, wird nun die russische Kampfmaschine Ivan Drago (Dolph Lundgren) aus ROCKY IV aus der Versenkung geholt, der damals Adonis‘ Vater im Ring umgebracht hatte. Dolph Lundgren in einem großen Hollywood-Film zu sehen, ist für mich immer Grund zur Freude, ebenso wie ich von Ausflügen in Rockys Vergangenheit nicht genug bekommen kann – ich liebe diese Geschichten einfach -, trotzdem kann CREED 2 den Eindruck, man habe hier einfach ein erfolgreiches Schema genommen und lediglich die Variablen neu gefüllt, nicht zerstreuen.

CREED 2 bedient sich dramaturgisch bei ROCKY III – Adonis muss wie einst Rocky das Kämpferherz wiederfinden – und logischerweise bei ROCKY IV – auf dem Weg zur Wiedergeburt muss die alte Haut abgeworfen werden, das Training findet nicht im mit allen Annehmlichkeiten ausgestatteten Fitnesstempel statt, sondern in der Wüste. Als Parallele zur Krebstherapie, die Rocky im Vorgänger bewältigen musste, wird Adonis Vater einer Tochter, die den Hörfehler der Mutter (Tessa Thompson) geerbt hat: Ein weiterer Rückschlag, der dazu beiträgt, dass sich Adonis als vom Schicksal Gebeutelter begreift, anstatt die Initiative zu ergreifen. Wenn man gleich zu Anfang den gealterten Ivan Drago durch die graue Tristesse Kievs joggen sieht, die Abrissbude, die er bewohnt, mit dem Luxus von Creeds Wohnung vergleicht, eröffnen sich zahlreiche interessante erzählerische Möglichkeiten, die der Film leider liegen lässt. So schön es ist, diesen Drago wiederzusehen: Die Autoren haben sich nicht viel Mühe damit gemacht, ihn zum vollwertigen, differenzierten Charakter zu machen. Seit 30 Jahren hegt er einen Groll gegen Rocky, plant er, einem Superschurken gleich, seine Rache. Das ist schade, weil ich ihm einen besseren Werdegang, ein gutes Leben gewünscht hätte: Den eindimensional Bösen musste er schließlich damals schon geben. Dass Drago es in all dieser Zeit nicht geschafft hat, seinen Frieden zu machen, seinem Leben eine neue Richtung zu geben, macht ihn nicht nur uninteressanter, als er es verdient hat, es lässt auch seine finale Wandlung unglaubwürdig erscheinen. Brigitte Nielsen, die in ROCKY IV Dragos Frau verkörperte, tritt ebenfalls wieder auf, aber auch sie hat kaum eine andere Funktion, als den Fanservice. (THE EXPENDABLES 2 hatte schon dasselbe Problem.) Mir hat CREED 2 trotz dieser Mängel immer noch gut gefallen: Stallone ist toll, Jordan ebenfalls, der Besuch am Grab von Adrian hat mich wieder zu Tränen gerührt, genau wie Rockys Versöhnung mit seinem Sohn (Milo Ventimiglia) am Ende. Und die Boxkämpfe sind wie immer eine Schau, eh klar. Aber beim nächsten Mal darf sich Stallone ruhig wieder etwas mehr trauen. Das würde ihm ganz bestimmt auch Rocky empfehlen. Das Auge des Tigers, Mann!

Unterwassermenschen, die zwischen dekorativ umherschwimmenden Haien, Walen und Rochen mit wallenden Haaren Dialoge über den legitimen König des untergegangenen Reichs Atlantis schwadronieren. Armeen, die wahlweise auf Riesenseepferdchen oder gepanzerten Haien in die Schlacht reiten. Eine Meerjungfrau mit tomatenroten Haaren, die mit ihren Händen das Wasser aus lebenden Körpern saugen kann. Eine bis auf den letzten Platz mit begeistert grölenden Zuschauern besetzte Unterwasserarena über einem gewaltigen, mit Lava gefülltem Krater. Ein Oktopus, der dazu Schlagzeu spielt. Bilder der vergangenen Riesenzivilisation Atlantis, deren Hybris zum Untergang führte, nachdem ihre Bewohner glücklicherweise die Möglichkeit eines neuen Lebens fanden. Ein mit atlantischer Supertechnologie ausgestatter Rächer namens Black Manta. Temuera Morrison als neuenglischer Leuchtturmwächter, Nicole Kidman als Meereskönigin, die sich in ihn verliebt, Dolph Lundgren als aquatisches Gegenstück zu Odin, Willem Dafoe mit Dutt. Und dazwischen ein ganzkörpertätowierter Held mit Rockermähne, Bikerbart und wissendem Grinsen. Viel Vergnügen mit AQUAMAN, der Superheldencomicverfilmung, die all das richtig macht, was bei Marvel mit schöner Regelmäßigkeit vergeigt wird.

Als Vincent Chase, der Protagonist der Serie ENTOURAGE, in deren zweiter Staffel den Titelhelden in der von James Cameron inszenierten Adaption des DC-Comics übernehmen durfte, war das ein Witz: Aquaman, ein blonder Biedermann, dessen Fähigkeit, mit Fischen kommunizieren und besonders gut schwimmen zu können, jetzt nicht unbedingt die beeindruckendste Waffe im Kampf gegen außerirdische Weltbeherrscher und Superverbrecher darstellte, wurde selbst von den größten Comicnerds nie so richtig ernst genommen – und er schien sich daher auch gegen ein cooles Re-Imagining zu sperren. Seine ganze Origin-Story und die Idee eines Unterwasserreiches waren so unabänderlich cheesy und kitschig, was sollte man daraus machen, das auch nur halbwegs ernstzunehmen war? Die Entscheidung der angeschlagenen DC Entertainment, ausgerechnet diesem Helden den nächsten großbudgetierten Eventfilm zu widmen, muss man demnach nicht verstehen. Doch nach Betrachtung möchte ich den Produzenten zu ihrer Entscheidung und ihrem Mut ausdrücklich gratulieren: Sie haben gar nicht erst versucht, gegen Kitsch, cheesiness und die dem Stoff inhärente Deppertheit anzukämpfen, sondern diese Elemente mit offenen Armen empfangen und damit einen Film vorgelegt, der endlich einmal nichts als reine Freude am nackten Unfug zum Ausdruck und damit auch den Spirit der bunt bebilderten „literarischen“ Vorlagen in ebensolchen Bildern auf die Leinwand bringt. Das infantil-beseelte Grinsen war mir während der gesamten Laufzeit ins Gesicht gemeißelt, das Vergnügen, dieses Spektakel mit meinen beiden Kindern sehen zu dürfen, dürfte dieses Jahr nur schwerlich getoppt werden.

Die vollkommen egale Handlung zusammenzufassen, erspare ich mir an der Stelle – der Film macht nie ein Hehl daraus, dass er sich lediglich als Aneinanderreihung geiler Bilder, Set Pieces, Materialschlachten, Sight Gags und gefälliger One-Liner versteht. Aber er kommt im Unterschied zu ähnlichen Werken mit diesem Ansatz davon, weil er eben liefert – und mit Jason Momoa einen Hauptdarsteller an Bord hat, der die Überdosis Charme mitbringt, die es braucht, eine eindimensionale Pappfigur wie seinen Aquaman zum Sympathieträger zu machen. (Er erinnert mich mit seinem Dauergrinsen, das den Eindruck erweckt, er hätte die Zeit seines Lebens und sei vollkommen desinteressiert, diese Freude zu verbergen, etwas an Dwayne „The Rock“ Johnson.) Über James Wan wird gern (auch von mir) gelästert: Die SAW-Reihe ist überaus streitbar, seine Horror-Filme THE CONJURING und INSIDIOUS inklusive der inflationären Pre- und Sequels long on style und short on substance, dafür hat er mit seinem Einsatz für FURIOUS 7 (und einige Jahre zuvor m unterschätzten DEATH SENTENCE) etwas bewiesen, was er auch in AQUAMAN wieder zeigt: dass er ein Händchen für temporeiche Action und ikonische Bilder hat. Die im Rahmen des CGI-Overkills durchaus als physisch zu bezeichnende Hatz durch ein sizilianisches Hafenstädtchen markiert einen Höhepunkt des mit rund 140 Minuten natürlich viel zu lang geratenen Spektakels, das aber trotzdem an einem vorbeirauscht wie ein Intercity.

Wem das alles zu doof, zu unecht, zu substanzlos, zu computerspielartig ist, dem kann ich kaum widersprechen. Ich habe mich bei vergleichbaren Filmen selbst auch schon anders geäußert, die schiere Menge an computergenerierten Bildern moniert, das Fehlen echter Emotionen oder auch nur traditionellen Filmhandwerks betrauert. Auch AQUAMAN ist eigentlich ein reiner Animationsfilm und inhaltlich hat er rein gar nichts zu sagen. Aber, fuck, hat der Spaß gemacht. Wans Film hat all das, was ich an den Filmen des MCU so vermisse: Er lebt von seinen bunten, geilen Bildern, ist geradezu beseelt von den schier grenzenlosen Möglichkeiten, die ihm sein Sujet bietet, berauscht von der Lust an der Schöpfung bonbonbunter Bilder, und kein Stück bereit, sich dabei in Ketten schlagen zu lassen. Er verkneift es sich kluger- und sympathischerweise, seinen Helden als Sprechpuppe für halbgare Aussagen zur Weltpolitik zu missbrauchen und so Relevanz vorzugaukeln. Kein Wunder, dass die Filmkritik, sonst immer schnell zur Stelle, wenn es darum geht, noch den letzten Studioheuler zum antikapitalistischen Manifest hochzujazzen, hier in größter Einigkeit die Keule herausholte. Was natürlich nichts daran änderte, dass AQUAMAN zum überraschenden Superhit mutierte. Mich freut das ungemein. Wenn alle Superheldenfilme so aussähen, ich wäre zufrieden. Ich will mehr Filme, die unter Wasser spielen, mit schwerelos schwebenden Figuren, deren Haare in Zeitlupe in der Strömung wallen und die dabei ganz normal miteinander reden. Ich komme da einfach nicht drüber weg, so geil finde ich das.

LEGENDARY: TOMB OF THE DRAGON ist einerseits viel besser, als es die diversen Onlinerezensionen vermuten lassen, die in dem Bedürfnis, den Film schlechtzumachen, teilweise haarstäubenden Unsinn herbeifabulieren, andererseits aber eigentlich noch dröger, als es so richtig handfester Schrott wäre. Regisseur Styles versucht sich an einem klassischen Creature Feature, dem es aber entschieden an jener Naivität mangelt, die die Filme aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren so liebenswert macht. LEGENDARY wurde an Originalschauplätzen in China gedreht, weist eine saubere Scope-Fotografie auf, der leider aber, wie bei so vielen neuen auf Digivideo gedrehten Filmen, die Farben abhanden gekommen sind, und über Effekte, die ihre niedrige Preisklasse zwar nicht ganz verbergen können, aber dann doch eine Ecke besser sind als in den berüchtigten Asylum- oder Syfy-Produktionen. Mit Scott Adkins und Dolph Lundgren sind zwei Darsteller an Bord, die ihren unterentwickelten Klischeecharakteren Leben verleihen, aber leider auch nicht verhindern können, dass der Film irgendwann in der Mitte in der Belanglosigkeit versumpft.

Die Suche nach einer gefräßigen Rieseneidechse läuft arg redundant und spannungsarm ab, der Konflikt zwischen den beiden Kontrahenten Adkins und Lundgren verfolgt keinerlei Spannungsbogen. So tritt LEGENDARY über 85 Minuten auf der Stelle und macht dann den Fehler mit dem hässlichsten Pixelverbrechen des Films abzuschließen. Wie gesagt: Handwerklich kann man, unter Berücksichtigung des Budgets, nicht allzu viel Negatives sagen, von daher würde ich den Film gegen die Netztrolle immer verteidigen wollen (einer mokiert sich bei der IMDb über die „Plastikhöhlen“-Settings, dabei wurde das Finale sehr offenkundig in einer echten Höhle gedreht), nur liefert der Film nicht allzu viele echte Argumente für eine Gegenoffensive. Laut der Website Dolph Ultimate ist LEGENDARY: TOMB OF THE DRAGON nur der Auftakt zu einer sechsteiligen Reihe von Filmen über das Thema Kryptozoologie. Ich hoffe, dass da noch was kommt, denn Luft nach oben ist reichlich vorhanden.

THE PACKAGE ist von den DTV-Actionern, die ich zuletzt gesehen habe, wahrscheinlich der beste. Regisseur Johnson verfügt über zwei starke Hauptdarsteller und eine Idee, wie er sie einzusetzen hat, wovon vor allem Steve Austin immens profitiert. Kommt der ehemalige Profiwrestler in seinen schwächeren Filmen eher persönlichkeitsarm rüber, gefällt er hier als ahnungsloser Schuldeneintreiber eines Gangsterbosses, der ein mysteriöses „Paket“ an „den Deutschen“ (Dolph Lundgren) liefern soll und plötzlich eine ganze Armee gedungener Killer im Nacken sitzen hat. Austin, wenn auch nicht gerade das, was man einen „Durchschnittstypen“ bezeichnet, ist in solchen tragisch angehauchten Loserrollen am besten, weil sie seine mangelnden Ausdrucksmöglichkeiten auffangen. Und Lundgren hat hier einen supersaftigen Part an Land gezogen, darf als todkranker Gangster lange, wahnwitzige Monologe halten und dabei den Bass seiner Grabesstimme rollen lassen. Einmal mixt er sich vor einem Sterbenden einen Fruchtsaft und zählt all die wichtigen Inhaltsstoffe auf, die in den verschiedenen Früchten enthalten sind. Sobald er zu sehen ist, zieht sich der ganze Film um ihn zusammen.

Das charakterisiert auch Johnsons ästhetisches Programm: THE PACKAGE ist vordergründig ein geradliniges, einfach strukturiertes Action-Roadmovie, allerdings mit heftiger Schlagseite gen parabelhafter Schicksalserzählung, deren Twist am Ende an eine weltliche Version von ANGEL HEART erinnert, mit Dolph Lundgren als Teufel. Der Look des Films ist monochrom, mit vielen Grau- und Brauntönen, schlechtem Herbstwetter und schummerig beleuchteten Räumen, deutet die Tragweite der Ereignisse, die Austins Protagonist Tommy nicht durchblickt, bereits an, ohne aber auszusprechen, worum es eigentlich geht. Was verbirgt sich in dem verdammten Paket, einer unscheinbar aussehenden Brieftasche, hinter der plötzlich alle her sind? Die Action ist sehr ruppig gehalten, großkalibrige Schusswaffen kommen ausgiebig zum Einsatz, der Tod ist schmerzhaft, unbarmherzig und blutig. Das Leben in THE PACKAGE ist ein einziges Rennen, bei dem man aber nicht weiß, was einen am Ziel eigentlich erwartet. Vielleicht ist es nur zu folgerichtig, dass die Auflösung des Ganzen nur sehr bedingt Sinn macht. Der Twist ist etwas zu clever for its own good, passt aber auch wieder, weil die Welt von THE PACKAGE sowieso nicht mehr nach Gesetzen der Logik funtioniert, sondern bereits völlig aus den Fugen geraten ist.

A-Certain-Justice-2014„Shrinks call it ,Post Traumatic Stress Disorder‘. I call it ,Hell‘.“

PUNCTURE WOUNDS schickt den um Orientierung ringenden Afghanistan-Veteranen John Nuguyen (Cung Le) auf einen Rachefeldzug gegen Gangsterboss Hollis (Dolph Lundgren) und seine Männer. Nachdem John einer Frau zu Hilfe geeilt war und die Angreifer ins Krankenhaus geschickt hatte, ließ Hollis – um dessen Männer und Ex-Freundin es sich handelte – kurzerhand Johns ganze Familie auslöschen. Schwer bewaffnet, ausgebildet in tödlichen Nahkampftechniken und mit hohem strategischen Verständnis ausgestattet, geht John nun mit äußerster Härte gegen die Verbrecher vor. Weder sein Armykumpel J.P. (Jonathan Kowalsky) noch der Kriminalbeamte Mitchell (James C. Burns) können ihn von seinen Plänen abbringen. Im Gegenteil: Sie werden zu den willigen Gehilfen des Vigilanten.

Was PUNCTURE WOUNDS an inhaltlicher Tiefe und Aufrichtigkeit vermissen lässt – die psychische Disposition des Protagonisten ist kaum mehr als ein Feigenblatt -, das macht er in Brutalität wieder wett. Wenn John eine Bande gesichtsloser Drogenköche mit gezielten Messerstichen in den Hals auslöscht, er dem pädophilen Informanten eine Überdosis Pillen in den Hals schüttet und ihn sterbend zurücklässt oder er Hollis‘ Widersacher Bennett (Vinnie Jones) einer Folter unterzieht, die er sich während der eigenen Kriegsgefangenschaft von den Taliban abgeschaut hat, erreicht der Film eine Grausamkeit, die keinerlei kathartische Wirkung nach sich zieht. Man ist einfach nur geschockt, ob des gebotenen Schauspiels. Es wird bis zum Ende nicht klar, wie sich die beiden Regisseure zu ihrem Helden positionieren: Mehrfach wird betont, dass er außer Kontrolle geraten sei, Erinnerungen an seine Gefangenschaft plagen ihn und er scheint nicht fähig, an einem normalen Leben teilzuhaben. Der seit dem Krieg mit einer Beinprothese ausgestattete Freund redet ihm ins Gewissen, mahnt ihn zur Vernunft und fordert ihn auf, den Amoklauf zu beenden, doch das Finale, in dem sich alle über die Beseitigung von Hollis‘ Gang freuen, scheint ihm im Nachhinein Recht zu geben. Diese Strategie ist nichts Neues, wurde ja auch von Michael Winner für seinen DEATH WISH genutzt, doch der bittere Humor, der seine Aussage als beißende Ironie kenntlich machte, fehlt hier. Stattdessen kleistern Serafini und Coyne PUNCTURE WOUNDS mit den digitalen Stilmitteln der Intensified Continuity zu: Künstliche Unschärfen, Lense Flares, Wackelkamera und Schnittgewitter werden mal mehr mal weniger bemüht, ohne dass ein echtes ästhetisches Konzept dahinter zum Vorschein käme. Ihr Film soll vor allem „geil“ aussehen, was per se natürlich nicht verwerflich ist, in diesem Kontext aber durchaus zweifelhaft erscheint.

Trotzdem würde ich PUCTURE WOUNDS immer noch das Prädikat „sehenswert“ verleihen, weil es ja mittlerweile eher selten vorkommt, dass einen ein DTV-Actioner noch vor ideologische Konflikte stellt. Meist rasen die einfach nur so vorbei. PUNCTURE WOUNDS ist insgesamt leicht gehobener Durchschnitt und zeigt das Potenzial des Regisseurs-Duos, das bei der Postproduction künftig etwas mehr Zurückhaltung zeigen – merke: Nicht jedes zur Verfügung stehende Stilmittel muss auch eingesetzt werden. – und außerdem jemanden engagieren sollte, der zünftige Blood Squibs hinbekommt. Diese Digitalbluspritzer sind wirklich das allerletzte, wenn sie hier auch längst nicht so übel aussehen wie in CHAIN OF COMMAND. Lundgren-Fans werden sich indessen darüber freuen, ihr Idol mit Dschinghis-Khan-Schnurrbart und langen Haaren sehen zu dürfen, und MMA-Champion Cung Le (der mich an einen asiatischen Cuba Gooding erinnert) erweist sich nach John Hyams‘ DRAGON EYES zum zweiten Mal als gute Besetzung für gebrochene Charaktere. Ich würde ihn gern häufiger sehen.

Als Fan des DTV-Actioners ist man ja durchaus Tristesse gewohnt. Im ehemaligen Ostblock preisgünstig und mit anonymen Nebendarstellerfressen abgedreht, unter Zuhilfenahme von oft nur mäßig überzeugender Computertechnologie aufgehübscht, um die oft traurige Realität zu verbergen, erfordern sie manches Mal ein gehobenes Maß an Leidensfähigkeit vom Zuschauer. Da freut man sich über einen Film wie SKIN TRADE, der nicht nur mit einer namhaften Besetzung aufwartet, sondern auch richtig gut aussieht. Die exotische Kulisse Bangkoks und des umliegenden Landes fängt Kameramann Ben Nott in supercrispen Bildern ein, weiß den Farben- und Lichtreichtum der nächtlichen Metropole immer wieder effektiv zu inszenieren. Der Schnitt orientiert sich dankenswerterweise nicht an der Lichtshow einer Provinzdisco, sondern gestattet Orientierung und Übersicht. Und selbst wenn auf die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung auch hier nicht ganz verzichtet wurde, so wurde immerhin maßvoll damit umgegangen. Es ist noch gar nicht so lang her, da wäre SKIN TRADE ohne Zweifel als lupenreiner Kinofilm durchgegangen (und in manchen Ländern der Erde hatte er ja auch seinen Kinostart).

Es sind andere Faktoren, die einem ins Gedächtnis rufen, dass SKIN TRADE eher den weniger anspruchsvollen und langmütigeren Videotheken- und Streamingkunden anpeilt. Die Story um den Cop Nick Cassidy (Dolph Lundgren), den es nach der Ermordung seiner Frau und der Entführung seiner Tochter durch den Menschenhändler Viktor (Ron Perlman) auf Rachefeldzug nach Bangkok verschlägt, wo er sich mit seinem thailändischen Kollegen Tony (Tony Jaa) zusammentut, kommt über ein Ansammlung bekannter Versatzstücke nie hinaus, und um wirklich eine emotionale Bindung zu den Protagonisten aufzubauen, fehlen die spezifischen Details, die sie als Menschen aus Fleisch und Blut glaubhaft machten. Ähnliches gilt für die Action, die kompetent gemacht ist – eine lange Verfolgungsjagd sticht heraus – und fast die gesamte zweite Hälfte des Films einnimmt, aber auch nichts bietet, was man so noch nie gesehen hätte. Gut, das ist vielleicht auch ein etwas hoher Anspruch, aber gerade wenn man weiß, was Tony Jaa so drauf hat, wirkt er hier, als agierte er mit angezogener Handbremse. Gut, er ist in den vergangenen zehn Jahren auch nicht jünger geworden.

Das alles ist aber streng genommen Jammern auf hohem Niveau, denn SKIN TRADE sticht überaus positiv aus der Masse der überwiegend durchschnittlichen aktuelleren DTV-Actionern heraus. Dolph Lundgren ist einfach immer schön anzuschauen, vor allem, wenn er dann so gut eingesetzt wird wie hier, der Film geht ein immens hohes Tempo und bietet jede Menge Eye Candy, das Wiedersehen mit Veteranen wie Ron Perlman oder Peter Weller nimmt man gern mit, selbst wenn sie schauspielerisch keine Bäume ausreißen müssen. Ein durchweg runde Sache.

Die EXPENDABLESReihe ist irgendwie seltsam.

Als vor rund sechs Jahren die Kunde umging, das Sylvester Stallone mit einer ganzen Horde alter Action-Recken einen Söldnerfilm drehe, da war die Euphorie riesig. Auch der erste Trailer, der schmerzhaft deutlich machte, dass man keinen Throwback in selige alte Zeiten erwarten durfte, konnte daran nichts ändern. Der Film, der dann ins Kino gelangte, war nun aber keineswegs vom Ehrgeiz alter Männer geprägt, den Jungen noch einmal zu zeigen, was eine echte Harke ist, sondern von geradezu aufreizender Entspanntheit. Kein Vergleich zu Stallones ultrabrutalem, in fiebrigem Zorn inszeniertem JOHN RAMBO. THE EXPENDABLES kam nicht in seinen eher enttäuschenden Actionszenen zu sich, sondern im von Harmonie geprägten Miteinander seiner Charaktere. Der ganze Film wirkte tatsächlich wie ein Treffen alter Kumpels, bei dem nebenbei und eher zufällig auch noch ein Film entstanden war. Ich fand gerade das sehr schön, doch offensichtlich sahen die Macher den Grund für den Erfolg des Revivals ganz woanders. Für THE EXPENDABLES 2 wurde die Riege der alten Männer noch einmal erweitert, Jean-Claude Van Damme, Chuck Norris und Scott Adkins wurden eingebunden, die Cameos von Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis zu vollwertigen Nebenrollen umgeschrieben. Das Budget wurde nach guter, alter Sequellogik aufgestockt, mit Simon West ein Regisseur verpflichtet, der nicht gerade im Ruf steht, ein Traditionalist oder Handwerker alter Schule zu sein, der ganze Film noch mehr in Richtung Altherren-Kaffeefahrt gebürstet, die mich mit ihren nervtötenden Ausflügen in den ironisch-selbstreferenzielle *Wink-wink*-Metahumor massiv angenervt hat. Hier war endgültig klar, dass man nicht die Tradition im Blick hatte, sondern all die Fans, die den Actionfilm im Grunde genommen total bescheuert finden, sich aber auch noch dann vor Freude in die Hosen machen, wenn Arnie zum hundertsten Mal „I’ll be back!“ stammelt. Furchtbar.

Meine Hoffnungen hinsichtlich THE EXPENDABLES 3 waren demzufolge mehr als gering, eigentlich sogar nahezu inexistent und das nochmalige Aufstocken des eh schon unübersichtlichen Casts ließ Schlimmstes befürchten, zumal man durchaus geteilter Meinung darüber sein darf, ob Leute wie Antonio Banderas, Harrison Ford oder Kelsey Grammer hier überhaupt reingehörten. Dass mit Patrick Hughes ein namenloser Newcomer auf den Regiestuhl gesetzt wurde, stimmte auch nicht eben hoffnungsfroh. Aber erstaunlicherweise ist durchaus eine Art „Rückbesinnung“ zu konstatieren: Der Film kommt nicht mehr als debile, übersteuerte Gagparade rüber, sondern als weitestgehend „ernster“ Actionfilm mit komischen Elementen, der wieder einmal die Kameradschaft der alten Recken betont. Mit dem ersten Teil hat er aber auch die Tatsache gemeinsam, dass die Actionszenen – auch wenn sie in der Summe fast die gesamte Spielzeit einnehmen – sehr middle-of-the-road anmuten. Wirklich hängen bleibt da nichts, Momente, in denen man mitfiebert, aufspringen möchte oder auch einfach nur „Fuck yeah!“ denkt, sind Mangelware. Wie schon im direkten Vorgänger ist ein von Stallone mit seiner unnachahmlich gutturalen Stimme gemurmelter One-Line das einsame Highlight. Wenn Mel Gibsons Oberschurke, der Waffenhändler Blackstone, seinen alten Kumpel Barney (Sylvester Stallone) daran erinnern will, dass er ihn lebendig vor dem Gerichtshof in Den Haag (englisch: The Hague) abzuliefern habe, sagt der nur staubtrocken „I am The Hague!“ und knallt den Halunken nieder. Hose: Geplatzt, Mind: Blown, Mission: Accomplished. THE EXPENDABLES 3 sollte eigentlich voll sein mit solchen Momenten, stattdessen wirkt er aufreizend selbstzufrieden, mit lässiger Geste hingeworfen von Leuten, die glauben, dass die geballte Zugkraft ihrer Namen auf dem Plakat schon die halbe Miete ist. Das finde ich, wie schon beim ersten Teil, durchaus sympathisch, aber ein richtig guter Film wäre mir dann doch noch ein Stück lieber gewesen. Die Rechnung ging dann ja auch nicht auf: Nachdem die ersten beiden Filme noch rund das Dreifache ihres Budgets eingespielt hatten, reduzierte sich das mit dem dritten Film auf das Doppelte.

Es ist tatsächlich schwer, für THE EXPENDABLES 3 echte Emotionen aufzubringen, was an sich ja schon ein kleiner Skandal ist: Klar, es ist einfach schön, diese Typen da vereint auf der Leinwand zu sehen, ihnen dabei zuzuschauen, wie sie im großen Stil Sachen kaputt machen. Antonio Banderas ist als liebenswerter Dauerschwätzer Galgo durchaus putzig, Mel Gibson als Schurke wie zuvor schon Jean-Claude Van Damme ein Höhepunkt (diese Szene, in der er ganz langsam, fast bedächtig eine Treppe hochzugleiten scheint) und einen Gastauftritt von Robert Davi werde ich eh immer zu würdigen wissen. Ich finde es auch angenehm, dass dieser Film nicht mit großer Dominanzgeste inszeniert wurde, sondern fast bescheiden anmutet, dass es innerhalb des ganzen Getöses am Ende des Tages um die Freundschaft dieser Typen geht (auch wenn die Screentime jedes einzelnen kaum noch der Rede wert ist). Bei allem Technik- und Effektbrimborium bewahrt der Film seinen menschlichen Kern, was ihm sein „Alleinstellungsmerkmal“ beschert und auch seinen Reiz ausmacht. Auch Kurzweiligkeit kann man THE EXPENDABLES 3 nicht absprechen. Das ist eine Basis, auf der sich etwas Wunderbares aufbauen ließe, der erste Schritt, auf den dann ein zweiter und dritter folgen müssten. Leider scheinen dazu aber weder der Wille vorhanden gewesen zu sein, noch ausreichend Energie oder Kreativität. Tatsächlich bestätigen die EXPENDABLES-Filme letztlich genau das, was sie eigentlich zu widerlegen angetreten waren: Dass die Beteiligten nämlich tatsächlich entbehrlich geworden sind. Und darüber täuschen sie auch nicht hinweg, indem sie einen besonders farblosen Trupp Jungspunde rekrutieren.