Mit ‘Don „The Dragon“ Wilson’ getaggte Beiträge

A priori richtige Aussagen: Regisseure, deren Nachnamen klingen wie der Titel eines drittklassigen GREMLINS-Rip-offs, sollten keine Martial-Arts-Filme machen. Wahrscheinlich wusste Richard W. Munchkin das sogar selbst, denn mit RING OF FIRE tut er sein Menschenmöglichstes, der ungeliebten Schublade zu entkommen. Bei einer Laufzeit von 97 Minuten widmet er sich vielleicht in kargen 10 der handfesten körperlichen Auseinandersetzung die für sein Genre eigentlich konstituierend ist.

Viel mehr interessiert ihn die Rassengrenzen transzendierende Liebe zwischen dem charmanten chinesischen Arzt Johnny Woo (Don „The Dragon“ Wilson) und der Bimbo-Blondine Julie (Maria Ford). Letztere ist eigentlich mit dem öligen Vokuhila-Proleten Chuck (Vince Murdocco) verlobt, doch es kriselt, weil der nur seine illegalen Arena-Fights im Sinn hat, die er mit seinen Kumpels  Brad (Dale Jacoby) – einer gelungenen Kreuzung aus Tim Wiese und Vanilla Ice – und Bud (Gary Daniels) bestreitet. Bei diesen Fights nimmt auch Johnnys Cousin Terry (Steven Vincent Leigh) teil und der gerät bald in einen erbitterten Streit mit den Konkurrenten, der sich zu einem Krieg zwischen Weißen und Asiaten ausweitet. Wobei „Krieg“ hier bedeutet, dass es einmal eine ca. dreiminütige Massenkeilerei gibt, die von dem immer zu spät auftauchenden Polizisten Lopez (Michael DeLano) aufgelöst wird. Dieser „Krieg“ führt schließlich zu einem Zweikampf zwischen Terry und Brad, den Julie unbedingt verhindern will, weil sie Gewalt verabscheut. Johnny hat eine Superidee: Er schlägt Terry vor, Brad das Angebot zu unterbreiten, den Kampf nach thailändischer Art mit Glassplitter-gespickten Handschuhen zu bestreiten. Das lehnt Brad bestimmt ab und Terry verliert sein Gesicht nicht! Doch er hat die Rechnung ohne Brad gemacht. Lebensmüde wie er ist, willigt er nämlich ein (Terrys Blick ist Gold wert) und bringt Terry im Kampf um. Es kommt zum Showdown zwischen Johnny und Brad.

So könnte eine Inhaltsangabe des Films lauten, die dann jedoch die Realität verkennen oder zumindest reichlich schönfärben würde. Meist wohnt der Zuschauer nämlich dem ritualisierten Dating Game von Julie und Johnny bei. Sie trifft ihn zum ersten Mal im Chinarestaurant seiner Tante, wo er sie mit einer poetischen Glückskeks-Botschaft überrascht. Dann begegnen sie sich bei einem Maskenball wieder, und er bittet sie als mysteriöses Phantom zum Tanz. Der Maskenball ist übrigens höchst seltsam, denn zur Kleidervorschrift scheint nicht nur die Kostümierung, sondern auch ein Schuhverbot zu gehören. Alle tanzen barfuß, wahrscheinlich, weil die Veranstaltung in einer Turnhalle stattfindet. Johnny ist nach diesem Erlebnis genauso hin und weg wie Julie. Er sucht sie bei ihrer Arbeit in einer Boutique auf, wo sie gerade ein Kleid anprobiert, doch seine Liebeserklärung hält er vor der falschen Umkleidekabine: Peinlich berührt eilt er von dannen, als eine über beide Ohren strahlende Oma ihm einen Kuss auf die Backe drückt. Doch Julie hat alles gehört und weiß: Johnny ist der Richtige. Fortan treffen sie sich zum vergnüglichen Bummeln und er überzeugt sie mit weiteren Glückskeks-Weisheiten von der spirituellen Überlegenheit des Chinesen gegenüber dem weißen Kickbox-Proleten US-amerikanischer Provenienz. Eine ausgedehnte Folklore-Einlage gibt dann sogar Aufschluss über die Bräuche des Neujahrsfestes und die Tante Johnnys klärt die beiden darüber auf, dass sie nach dem chinesischen Horoskop super zusammenpassen. Dem Glück scheint also kaum etwas im Wege zu stehen. Außer seiner Hautfarbe, denn wir schreiben ja erst das Jahr 1991. Als Brad und Chuck Johnny und Terry beim Maskenball begegnen, fragen sie, ob das hier Pearl Harbor sei, und als Julie ihrer Oma ein Foto von ihrer großen Liebe zeigt, sagt die, das könne sie ihrem in Vietnam gefallenen Vater nicht antun. „Gelbe Sippenhaft“ heißt das Phänomen wahrscheinlich. All diese Vorurteile begünstigen die in jedem Film nötige Komplikation im dritten Akt, als Julie plötzlich reichlich unmotiviert kalte Füße bekommt und Johnny gegenüber behauptet, ihm alles nur vorgespielt zu haben. Während des Finalfights bekennt sie sich dann jedoch zu ihrer großen Liebe und springt just in dem Moment in den Ring, als der feige Brad mit einem Samuraischwert zuschlagen will. Wie weiland Winnetou fängt sie den ihrem Liebhaber zugedachten Hieb ab, doch es wird natürlich alles gut werden. Fin.

RING OF FIRE ist der pure Wahnsinn wie man meinem Text hoffentlich entnehmen kann. Er bietet nicht nur einen Einblick in die schlimmsten Geschmacksentgleisungen, die sich die Mode zu Beginn der Neunzigerjahre erlaubte, sondern auch hölzernes Schauspiel, bizarre Bildkompositionen, billige Settings und allerlei unerklärliche Details. Einmal stellt die Tante etwa Johnny und Terry eine Frau vor, die ihr nun beim Wäscheaufhängen helfen werde. Man sieht sie dann in der folgenden Szene gemeinsam am Wäscheständer stehen und danach verschwindet die freundliche Haushaltshilfe wieder. Warum? Musste da vielleicht wirklich gerade Wäsche aufgehangen werden am Set und man dachte sich, das kann man auch einfach mit einbauen? Man weiß es nicht. Das größte, weiterhin andauernde Rätsel ist für mich aber die Karriere von Don „The Dragon“ Wilson. Ich warte noch auf den ersten Film mit ihm, den ich gut finde und nicht einfach nur schrecklich farblos und unansprechend. Gut, warum er Actiondarsteller wurde, erklärt ein Blick in seine Biografie. Als mehrfacher Kickbox-Champion war er natürlich prädestiniert für eine Karriere in DTV-Filmen, aber ich frage mich trotzdem: Gibt es da draußen wirklich Leute, die ihn gut finden? Die, wenn sie ein DVD-Cover in der Hand halten, auf dem sein Name prangt, sagen: „Geil, der neue Wilson!“ Und wenn ja: Was müssen das für traurige Zeitgenossen sein? Aber ich will nicht gemein sein. In RING OF FIRE ist Wilson durchaus ganz adäquat besetzt, wahrscheinlich, weil er als romantischer Lover einer unterbelichteten Blondine glaubwürdiger ist als als schweigsamer Actionheld. RING OF FIRE geht in die Geschichte ein als der erste Kickbox-Film von PM Entertainment. Es sollten einige weitere folgen, aber in diesem Subgenre waren Pepin und Merhi ganz offensichtlich nicht zu Hause. Wer nur die Perlen aus ihrem Oeuvre herauspicken möchte, sollte sich eher an ihre Cop- und Gangsterfilme halten. Wobei einem dann natürlich Kuriositäten wie diese hier entgehen, in der Gary Daniels (in seinem erst driten Film) von einem besoffenen Chinesen angepisst wird.

Nach den Ereignissen von CYBER TRACKER: Eric (Don „The Dragon“ Wilson) arbeitet nach wie vor für den Secret Service und sein neuester Kollegen ist ein Tracker (Jim Maniaci), die sich offenbar trotz allen Protests als Ordnungshüter etabliert haben. Auch Erics Frau, die Fernsehreporterin Connie (Stacie Foster), darf ihren Job weiter ausüben, obwohl sie doch zuvor nebenbei für die radikale Terrororganisation U.H.R. (Union for Human Rights) tätig war: Dass ihre Organisation eine groß angelegte Verschwörung aufgedeckt hat, hat sie rehabilitiert. Doch damit scheint es schon wieder vorbei, als sie vor laufenden Kameras einen Gouverneur erschießt, sehr zum Entsetzen auch ihres Gatten. Es stellt sich aber „zum Glück“ heraus, dass der Mord auf das Konto eines Trackers mit Connies Antlitz geht, den der fiese Damien Rhodes (Steven Rowe) eingesetzt hat, um sich die für seine Pläne potenziell gefährliche Frau vom Hals zu schaffen. Und er hat auch noch einen Cyborg mit Erics Gesicht auf Lager …

Wer hätte das für möglich gehalten: CYBER TRACKER 2 ist nach dem doch eher drögen Vorgänger schon fast als qualitativer Quantensprung zu bezeichnen. Der Film legt hinsichtlich seiner Actionszenen eine ganze Schippe drauf, schon in der temporeichen Eingangssequenz geht mehr kaputt als in den 90 Minuten des ersten Teils zusammen, und im zuverlässigen Fünf-Minuten-Rhythmus fliegt etwas erst in und danach durch die Luft, rollen tosende Flammen über den Bildschirm, werden Autos geschrottet, Menschen und Menschmaschinen effektvoll erschossen. Zudem bietet Pepins Fortsetzung eine zumindest etwas breiter angelegte emotionale Palette, ergeht sich nicht ausschließlich in dystopischer, stahlblau gefärbter Tristesse, sondern erlaubt seinen Protagonisten auch mal ein Lächeln. Ein paar miese visuelle Effekte konnte sich Pepin zwar auch diesmal nicht verkneifen, doch ist dafür der ganze Rest aufwändiger geraten – oder sieht zumindest so aus. So weit, so gut. Trotzdem können diese positiven Eigenschaften nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass die Story etwas sehr um des Sequels willen konstruiert ist: Dass die Cybertracker (die jetzt also nicht mehr Coretracker wie noch im Vorgänger heißen) zum festen Bestandteil des amerikanischen Rechtssystems geworden sind, scheint nach den Ereignissen des ersten Teils eher unglaubwürdig. Nicht nur, dass sie schon dort niemand wirklich haben wollte, sie stellten sich ja auch noch als Erfindung eines Irren mit Weltbeherrschungsplänen heraus. Man sollte meinen, dass der Plan einer Computerexekutive nach solchen Erfahrungen erst einmal wieder vertagt worden wäre, zumal die Welt in CYBER TRACKER 2 insgesamt um Einiges freundlicher aussieht als noch zuvor. (Misstrauische und kritische Gemüter könnten aber mit einigem Recht vermuten, dass die geradezu klinisch sauber anmutenden gläsernen Bürotürme, die die Kulisse so vieler PM-Filme sind, nur täuschende Fassade sind, hinter der es gewaltig brodelt.) Aber vielleicht ist das ja auch gerade den Trackern zu verdanken, die am Ende sogar in der Lage sind, von ihren einprogrammierten Grundsätzen abzuweichen und menschliche Gefühle (ein Lächeln!) zu zeigen. Man könnte auch sagen, dass sich CYBER TRACKER 2 zum Vorgänger verhält wie Camerons T2: JUDGMENT DAY zu dessen erstem Teil: Die einstige Mordmaschine hat eine Lektion in Humanismus gelernt, zum Ausgleich muss da natürlich eine neue, noch effizientere Maschine her.

Vielleicht war es auch nur äußeren Umständen geschuldet, dass ich CYBER TRACKER 2 – aller Verbesserungen zum Trotz – über die gesamte Spielzeit als sprichwörtlich ermüdend empfunden habe. Neben den genannten, eigentlich verzeihbaren Mängeln scheint mir das Hauptproblem beider Filme in der Besetzung der Hauptfigur zu liegen: Wilson ist kein wirklich schlechter Actiondarsteller – hier hat er den geleckten Kurzhaarlook des ersten Teils zugunsten eines Desperado-Typs mit langen Haaren und Staubmantel abgelegt -, aber es gelingt ihm einfach nicht, bei mir Sympathie oder auch nur Empathie zu evozieren, wie das etwa Gary Daniels mit seiner Kartoffelnase durchaus schafft. Wilson wirkt selbst dann noch seltsam unbeteiligt, wenn um ihn herum alles in Flammen aufgeht. Egal. Wer Lust auf eine amtliche Zerstörungsorgie aus dem Hause PM Entertainment hat, fährt mit CYBER TRACKER 2 definitiv besser als mit dem ersten Teil, den es jedoch braucht, um den Einstieg zu finden. Wählerische Menschen finden aber zahlreiche bessere Filme, die unter der Ägide von Pepin und Merhi entstanden sind. Auch wenn in denen nicht Apollo Creeds Trainer Tony Burton mitspielt.

In nicht allzu ferner Zukunft: Das Rechtssystem der USA wird durch die Firma Cybercore, die unter der Schirmherrschaft von Senator Dilly (John Aprea) steht, komplett computerisiert, für die sprichwörtliche Exekutive sind keine Polizisten, sondern so genannte CoreTracker (Jim Maniaci) zuständig, nahezu unverwundbare und zum Töten programmierte Androiden. Als der neu im Dienst Dillys stehende Secret-Service-Agent Eric Phillips (Don „The Dragon“ Wilson) erfährt, wie Dilly mit seinen zahlreichen Kritikern umgeht, nimmt er kurzerhand Reißaus und steht fortan sowohl auf der Abschussliste von Secret-Service-Chef Ross (Richard Norton mit seinem putzigen Aussie-Akzent) als auch der CoreTracker. Auf der Flucht wird Phillips von einer radikalen Menschenrechtsorganisation aufgegriffen, die sich von ihm wertvolle Hilfe im Kampf gegen Dilly und Cybercore erhofft …

Nach meinen Lobeshymnen über die Filme von PM Entertainment musste zwangsläufig mal ein schwächerer Film der Firma des Weges kommen: Hallo CYBER TRACKER, setz dich hin und nimm dir ’nen Keks, ich rede gerade über dich. Die Frage nach den moralisch-philosophischen Implikationen einer automatisierten Rechtsprechung, wie sie etwa ROBOCOP oder MINORITY REPORT stellen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen, bietet eigentlich genug Stoff auch noch für den xten Film, der sich ihr annimmt. Leider jedoch dient sie Pepin – der mir gegenüber seinem Spezi Merhi der deutlich schlechtere Regisseur zu sein scheint – nur als relativ willkürliche Prämisse für Science-Action von der Stange. Die Problematik wird in einer Szene zu Beginn, in der sich der Senator einer kritischen Menge aus Demonstranten und Reportern stellt, grob umrissen (sein schönstes Argument pro Computerexekutoren: endlich würden keine Polizisten mehr in Ausübung ihrer Pflicht erschossen), um danach zugunsten eines etwas faden und unterentwickelten Cyborg-on-the-loose-jagt-einen-Unschuldigen in den Hintergrund zu treten. Hinter Cybercore stecken letztendlich keine politischen Hardliner, die für eine Zero-Tolerance-Politik eintreten, sondern ein diabolischer Mad Scientist, der die als minderwertig empfundene Menschheit komplett durch bessere Maschinen ersetzen möchte. Es ist klar, dass Differenzierungen da auf der Strecke bleiben müssen.

So richtet Pepin sein Augenmerk auf das, wofür PM Entertainment in erster Linie steht: dicke Explosionen und Feuerstunts, zerstörungswütige Autocrashes, Martial-Arts-Fights und Schießereien sowie ein paar nur wenig überzeugende visuelle Effekte. Gegenüber Filmen wie RIOT, RAGE oder T-FORCE kommt CYBER TRACKER aber auch in dieser Hinsicht nicht über unteren Durchschnitt hinaus, was nicht zuletzt darin begründet ist, dass der ganze Film einen etwas schlampigen und hingeworfenen Eindruck macht. Vor allem mit der inneren Logik und Kohärenz hapert es: Da wird einmal behauptet, der CoreTracker sei aus einem völlig neuartigen, physikalischen Gesetzen trotzenden Material gefertigt, dass quasi immateriell ist und somit nicht beschädigt werden kann, nur um dann wenig später zu zeigen, wie Phillips dem Androiden einen Arm abschießt. Und sieht man zu Beginn in einer Subjektiven, dass der CoreTracker mit einer Zielautomatik ausgestattet ist, die absolute Treffsicherheit gewährleistet, ist er bei einem späteren Schusswechsel in einem mit Personen geradezu vollgestopften Raum, in dem selbst ein Blinder nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung mal einen Glückstreffer landen müsste, nicht in der Lage, einen seiner Gegner auch nur zu verwunden. Ganz ohne Meriten ist CYBER TRACKER trotzdem nicht: Der Film ist durchaus kurzweilig, hat hier und da seine Momente – etwa in einem selbstmörderischen Feuerstunt am Ende -, das Finale macht Einiges wieder gut, was vorher verbockt wurde, und Filtereinsatz und die Ausleuchtung mit einem eisigen Blau sind teilweise so exzessiv, dass sie fast zu einer Disintegration der Oberflächenstruktur des Bildes führen: Manchmal weiß man nicht mehr, ob man da einen Spiel- oder einen Zeichentrickfilm vor sich hat. Überdies fällt CYBER TRACKER durch die völlige Abwesenheit jeglichen auflockernden Humors auf: Der ganze Film ist von einer verbissenen Ernsthaftigkeit geprägt, die im harten Kontrast zu seinem infantilen Inhalt steht.