Mit ‘Donal O’Brien’ getaggte Beiträge

2020texasgladiators-media1Vier Typen – darunter Al Cliver, Harrison Muller jr. und Daniel Stephen – mit freien, ölig glänzenden Oberkörpern, umgehängten Patronengurten und dicken Knarren räumen in einem modrigen Gewölbe auf, in dem ein paar grunzende Mutanten in Priesterroben über ein paar unschuldige Frauen herfallen. Die Kerle entpuppen sich als postapokalyptische Texas Rangers, die nach überstandener Mission einen der ihren kurzerhand rausschmeißen müssen: Als „Catch Dog“ (Daniel Stephen) die leicht bekleidete Maida (Sabrina Siani) erblickt, gehen mit ihm nämlich sogleich die brunftigen Gäule durch, bricht der Vergewaltige in ihm aus. Er zieht brummig von dannen, die dankbare Blonde macht indes dem heldenhaften Nisus (Al Cliver) das Angebot, sie in ihre Heimat zu begleiten, wo ihr Vater damit beschäftigt ist, eine neue Zivilisation aufzubauen. Nisus sagt nach nur kurzem Zögern spontan zu, obwohl es eben noch so schien, als sei sein Job als Gesetzeshüter eine Lebensaufgabe, von der ihn nichts, schon gar nicht eine leicht beschränkt guckende Blondine, abhalten könne.

Ein Voice-over untermalt anschließend die naiv-utopischen Bilder von lachenden, vollauf zufriedenen Menschen, die geschäftig  an einem Kraftwerk im Nichts herumschrauben, das der neue Ursprung allen neuen Lebens sein soll. Nisus, der die rechte Hand von Maidas Papa geworden ist, trägt eine Latzhose und wird immer gerufen, wenn irgendein Tölpel sich an einem zu weit geöffneten Ventil verbrüht hat. Aber das sind nur geringe Sorgen im Vergleich zu dem, was bevorsteht: Die Regierungsfaschos – unter ihnen sowohl der nazieske Anführer (Donal O’Brien) als auch der verräterische Catch Dog – greifen die Anlage an, killen Nisus, machen die braven Utopisten zu ihren Gefangenen und benehmen sich danach wie die Axt im Walde. Aber Nisus‘ Ranger-Kumpel bekommen Wind von der Sache und eilen, ein paar Indianer im Schlepptau, zu Hilfe.

ANNO 2020 – I GLADIATORI DEL FUTURO ist fast noch geiler als D’Amatos auch schon überaus vergnüglicher ENDGAME – BRONX LOTTA FINALE: Ich würde sogar so weit gehen, die Idee, die im Endzeitfilm einverleibten Western-Anleihen wieder nach außen zu kehren, als genial zu bezeichnen (Isaac Florentine hat das 15 Jahre später in COLD HARVEST auf die Spitze getrieben). Wenn am Ende die Indianer (= italienische Pastaliebhaber mit Perücken) hoch zu Pferde und mit Flitzebogen bewaffnet in die Schlacht reiten, die für Kugeln undurchdringlichen „Hitzeschilder“ der feindlichen Armeen mit ihren Pfeilen mühelos durchschlagen, ist das nur der Höhepunkt eines Films, der seine Wildwest-Allusionen mit großer Lust ausformuliert. Einen Kniff wie den, den vermeintlichen Protagonisten nach einer guten halben Stunde aus dem Film zu nehmen, würde ich an dieser Stelle zwar nicht unbedingt mit Hitchcock in Verbindung bringen wollen, aber auch das ist so eine Idee, die dem Billigheimer über die Runden hilft. Mit ENDGAME teilt er indes das Manko etwas gleichförmiger und unspektakulärer Actionszenen: Glaubt man der IMDb, war für sie D’Amato verantworlich, während ein ungenannt bleibender Luigi Montefiori aka George Eastman den Rest besorgte. Ob das so stimmt, kann ich nicht beurteilen, was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist dass ANNO 2020 – I GLADIATORI DEL FUTURO eine der Überraschungen meines bisherigen Filmmonats ist.

2jacci9Als George Miller mit MAD MAX 2: THE ROAD WARRIOR den Endzeitfilm „erfand“, ihm zumindest einen unverwechselbaren und einprägsamen visuellen Stil verpasste, trat er damit vor allem in Italien eine wahre Lawine los (Carpenters ESCAPE FROM NEW YORK war ein weiterer wichtiger Einfluss). Anfang bis Mitte der Achtzigerjahre drehte eigentlich jeder italienischen Genreregisseur seinen Endzeitfilm, mit dem er die von Miller (und Carpenter) erdachte Bilderwelt weiter erkundete und ausschlachtete: Castellari drehte nacheinander 1990: I GUERRIERI DEL BRONX, I NUOVI BARBARI und FUGA DAL BRONX, Ruggero Deodato I PREDATORI DI ATLANTIDE, Sergio Martino 2019: DOPO LA CADUTA DI NEW YORK, Romolo Guerrieri L’ULTIMO GUERRIERI, Joe D’Amato ENDGAME und ANNO 2020: I GLADATORI DEL FUTURO und Giuliano Carnimeo IL GIUSTIZIERE DELLA STRADA, etliche weitere taten es ihnen gleich, lediglich Umberto Lenzi hielt soich raus. Und Fulci? Der inszenierte eben diesen Film, der sich aber nicht an MAD MAX 2, auch nicht an Carpenter, sondern an Norman Jewisons ROLLERBALL orientierte.

Im Gegensatz zu den Filmen seiner Kollegen, die meist in den USA spielen, ist I GUERRIERI DELL’ANNO 2072 in Rom angesiedelt, wo der von Cortez (Claudio Cassinelli) geführte Fernsehsender WBS mit makabren, sensationsgeilen Shows um die Gunst der Zuschauer buhlt, dabei abernur mäßig erfolgreich ist. Die Lösung soll eine Gladiatorensendung sein, in der der Sportstar Drake (Jared Martin, der sogar aussieht wie James Caan) in einem Kampf auf Leben und Tod gegen einige zu Tode Verurteilte – darunter Fred Williamson und Al Cliver – antritt. Doch die Männer freunden sich an un proben den Aufstand gegen das diktatorische System.

Fulcis Entscheidung, sich an Jewisons Dystopie zu versuchen, lässt den Liebhaber des großen, ambitionierten Hollywood-Films erkennen, bereitet für die mit sparsamen Mitteln produzierte Italoversion aber auch erhebliche Schwierigkeiten. Das von BLADE RUNNER inspirierte zukünftige Rom mit den durch die Luft fliegenden Gleitern ist eindeutig als preiswertes Pappmodell zu erkennen, die Settings sind klaustrophobisch beengt, grau und trist, jede Andeutung von Größe aus dem Film getilgt. Anders als Carpenter in seinem ESCAPE FROM NEW YORK oder auch Castellari mit I NUOVI BARBARI, die ähnliche Voraussetzungen vorfanden, gelingt es Fulci aber nicht, seine Limitierungen zu Stärken umzuinterpretieren. Er ist eher ein Opfer seines Budgets als ein souveräner Verwalter: Es ist schwierig, einen Arenakampf nach antikem Vorbild als Spektakel für die blutgierigen Massen zu akzeptieren, wenn diese Massen niemals zu sehen sind, man hinter der Schwärze der Nacht die Kulissenwand erahnt, hinter der der nächste Film gedreht wird. Vielleicht habe ich I GUERRIERI DELL’ANNO 2072 gestern nicht im optimalen Zustand gesehen, vielleicht war ich zu müde, um ihn würdigen zu können. Ich glaube aber eher, dass er es war, der mich so eingeschläfert hat, mit seiner monochromen Tristesse und seiner staubigen Pappigkeit.

EDIT: Habe die englische Synchro „genossen“, die ganz sicher einigen Anteil an meinem Missfallen hat. Mal sehen, ob die deutsche noch was rettet, wenn ich sie mal in die Finger bekomme.

3119311148_aa4f03e2f3Als Fulci diesen Italowestern drehte, da war selbst die durch Castellaris KEOMA eingeleitete Renaissance schon wieder passé. Aber mit dem Dreck, dem Nihilismus, den kaputten Helden und den sadistischen Schurken, die man mit DJANGO und seinen Ahnen verbindet, hat SELLA D’ARGENTO eh nur wenig zu tun. Vielmehr lässt er Fulcis Liebe für den klassischen Hollywood-Western und überhaupt das amerikanische Kino erkennen (ich fühlte mich etwas an Hathaways NEVADA SMITH erinnert)- und wirkt damit mehr als etwas anachronistisch.

Als Junge erschießt Roy Blood den Mörder seiner Vaters, einen der Männer des schurkischen Thomas Barrett. Viele Jahre später reitet er, nun ein gutaussehender Mann (Giuliano Gemma), ziellos durchs Land und hinterlässt, wie uns der melancholische Titelsong berichtet, eine Leichenspur. Ein Mordauftrag, den ihm der Halsabschneider Two-Strike Snake (Geoffrey Lewis) vermittelt und den er widerwillig annimmt, erweist sich als Falle und bringt ihn mit dem kleinen Thomas (Sven Valsecchi) zusammen, dem Neffen von Barrett (Ettore Manni). Der Wunsch, seinen Vater zu rächen, kollidiert mit väterlichen Gefühlen für den kleinen Jungen, dessen Familie er nicht zerstören will …

SELLA D’ARGENTO ist handwerklich über jeden Zweifel erhaben, was vor allem die kürzlich erschienene HD-Version deutlich macht, die die die von der Sonne ausgedörrten Bilder und die wunderschönen, spannungsreichen Bildkompositionen voll zur Geltung bringt. Aber irgendwie wollte der Funke einfach nicht überspringen. Fulcis Film ist sichtlich in dem Vorhaben gefertigt, großes Kino zu machen, nicht nur für eine beschränkte Zielgruppe, sondern buchstäblich für die ganze Familie. Die wenigen Härten – es gibt einige blutige Einschüsse zu bewundern – hat man damals, vor rund 40 Jahren, halt so mitgenommen, ansonsten steht die Freundschaft zwischen dem Revolverheld, dem man den skrupellosen Killer nicht so wirklich abnimmt, und dem blonden Jungen im Vordergrund, reiten die beiden in einem eher lustigen als kitschigen Ende gar zusammen in die Sonne, Blood auf seinem stolzen Hengst, der kleine Thomas auf einem niedlichen Zwergpony. Das ist nicht per se zu verurteilen, aber mir fehlten dann doch die Aha-Momente, die Brüche, die ungewöhnlichen Ideen, mit denen Fulcis Werk sonst geradezu gespickt ist. Nette, gediegene Abendunterhaltung, aber nicht mehr. VIelleicht hätte ich den Film auch nicht zur Mittagszeit schauen sollen.

fr21991 waren fast noch die Achtziger. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man sich heute kulturelle Artefakte aus jener düsteren Epoche der Menschheitsgeschichte ansieht, und auch Joe D’Amatos später Ausflug ins Horrorgenre bestätigt diese Erkenntnis wieder einmal. FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLA MORTE war in einer der ersten Splatting-Image-Ausgaben besprochen worden, die ich in den Händen hielt; wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, in der kurze Zeit später eingestellten Rubrik Pan&Scan, die sich vornehmlich mit Videopremieren beschäftigte. Ich erschloss mir meine Filmwelt gerade neu und war überrascht, den Namen D’Amato, den ich aus dem ausgiebig studierten „Lexikon des Horrorfilms“ und den darin enthaltenen Tiraden über etwa MAN-EATER kannte, wiederzufinden. Über den traurigen Status quo des italienischen Horrokinos wusste ich noch nichts, für mich sah das so aus, als hätte sich gar nichts verändert, als machten die ganzen Regisseure von einst unverändert weiter. Wenig später war ich dann klüger. Der Name „D’Amato“ tauchte danach allenfalls noch in Verbindung mit früheren Glanztaten auf den Seiten der SI auf, möglicherweise auch in der Rubrik „Pornotions“, aber über neue Horrorfilme las man dort nie wieder von ihm.

Nicht nur deshalb stimmt FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLA MORTE heute melancholisch, wenn nicht gar traurig. Mit dem Wissen über die wenig später endgültig erfolgte Abwicklung – Lebenszeichen wie DELLAMORTE DELLAMORE oder LA SINDROME DI STENDHAL entpuppten sich als schnell verpuffende Nebelkerzen – ist man gar geneigt, die Geschichte über einen Toten, der von einer Komapatientin mittels Gedankenkraft zum Leben erweckt wird, um ihre Peiniger zu bestrafen, als Allegorie auf den italienischen Horrorfilm zu betrachten. Zumal dieser Tote von Donal O’Brien gespielt wird, einem alten Recken des Italofilms, der für alle großen Genre-Regisseure, seien es Lenzi, Martino, Girolami, Fulci oder Castellari, vor der Kamera gestanden hatte, in Italowestern, Gialli, Kriegs-, Horror- und Endzeitfilmen. Wie er da als alternder, anscheinend geistig nicht mehr ganz bei Kräften befindlicher Ex-Boxer Ric und Faktotum der Videothekarin (!) Georgia (Cinzia Monreale) durch den Film stapft, ihr auch im Leben ebenso stumm zur Seite steht wie als belebter Kadaver mit stierem Blick und klaffender Obduktionsnarbe, kann man schon sentimental werden, weil er doch so offenkundig Relikt einer vergangenen, besseren Zeit ist.

Ob man FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLA MORTE etwas abgewinnen kann, hängt aber nicht nur von der emotionalen Bindung ans italienische Kino ab, sondern auch von der Bereitschaft, hier und da die Augen zusammenzukneifen, nicht so sehr das zu fixieren, was da ist, sondern sich vorzustellen, was da hätte sein können – und, so man denn die englische Asynchronfassung „genießt“, von der Fähigkeit, die grauenvollen Sprecher, die bisweilen an Schlaganfall-Patienten denken lassen, zu ignorieren (teilweise sind diese noch nicht einmal des Englischen mächtig, manchmal machen sie aber auch einfach nur völlig widersinnige Pausen im Satz, aber immer klingen sie so furchtbar, dass man sich die Ohren abreißen möchte). Die Schauspieler agieren bis auf O’Brien schrecklich hölzern, die Settings sind zweckdienlich bis unansehnlich, Inszenierung und Schnitt oft unglücklich. Welche „Hausaufgaben“ der vielleicht dreijährige Sohn Georgias da etwa machen soll, bleibt das Geheimnis des Drehbuchs, und die mütterliche Entscheidung, dem Kleinkind ein eigenes Telefon neben das Bett zu stellen, muss man mit eigener elterlicher Erfahrung zumindest als „mutig“ bezeichnen. Wahrscheinlich humorvoll gemeinte Szenen wie jene, in der sich ein vermeintlich wahnsinniger Killer, der es auf das Leben des Rotzbalgs abgesehen hat, als harmloses Autopannenopfer mitsamt herumgetragener Stoßstange erweist, sind so unglücklich in Szene gesetzt, dass sie eher unfreiwillig komisch wirken. Der Eingeweihre weiß solche Idiosynkrasien natürlich zu schätzen, aber in einer Zeit, in der Konkurrenzprodutionen aus Übersee immer perfekter, glatter, fetter und konventionalisierter wurden, war damit auf dem Markt kein Blumentopf mehr zu gewinnen – auch nicht, wenn es bei einer Kopfzermatschung noch einmal splatterte wie in alten Zeiten. Dem Freund des italienischen Genrekinos würde ich FRANKENSTEIN 2000 – RITORNO DALLE MORTE dennoch ans Herz legen: Es ist eben ein idealer Abschiedsfilm. Und ein Abschied ist ja immer auch mit Schmerzen und Tränen verbunden.

 

emanuelle_e_gli_ultimi_cannibali_laura_gemser_joe_damato_001_jpg_iprrDie schönste Szene des Films ereignet sich nach ca. einer halben Stunde: Die Journalistin Emanuelle (Laura Gemser) tummelt sich mit der blonden Schönen Isabelle (Mónica Zanchi) in einem malerischen See im tiefsten Urwald des Amazonas. Liebevoll widmen sich die beiden den Brüsten der jeweils anderen, waschen diese zärtlich und voller Liebkosungen. Plötzlich erscheint ein Schimpanse am Ufer des Sees, lässt sich nieder und genießt – wie wohl ein Großteil der männlichen Zuschauer – die Aussicht, während er aus einem der neben ihm liegenden Kleiderhaufen eine Schachtel Zigaretten birgt. Er fingert eine aus der Schachtel und steckt sie sich in den Mund. Emanuelle und Isabelle sehen schließlich, dass sie beobachtet werden, und brechen in befreites Gelächter aus.

Die Szene ist zum einen der Gipfelpunkt des Selbstzwecks, der D’Amatos Film von vorn bis hinten auszeichnet, zum anderen auch der Moment, in dem eine Art Selbstreflexion stattfindet. Gerade in der ersten Hälfte des Films reiht sich eine mehr oder weniger motivierte Sexszene an die nächste: Ihre Herleitung ist manchmal konstruiert, meist jedoch passieren sie einfach. Sex (oder Masturbation) scheint einfach immer eine geeignete Handlungsalternative zu sein, universell einsetzbar, stets im Rahmen des körperlich Möglichen und allein deshalb niemals ganz abwegig.  Emanuelle und Isabelle werden intim, weil beide attraktiv und am selben Ort sind: Das reicht als Erklärung. Die reichlich unwahrscheinliche Anwesenheit des Schimpansen – der ja eigentlich in Afrika beheimatet ist und nicht in Südamerika, wo EMANUELLE E GLI ULTIMI CANNIBALI spielt – zeigt jedoch, dass D’Amato sich der absurden Selbstzweckhaftigkeit seines Films bewusst ist, er inszeniert sie hier ganz offensiv und reißt den männlichen Zuschauer, der sich in einem Affen gespiegelt sehen muss, aus seiner sexuellen Meditation. Ein hübscher, beinahe subversiver Moment. Der Fairness halber muss aber gesagt werden, dass es auch der einzige das Films ist, über den es sich lohnt, länger zu sprechen.

D’Amatos Film ist zwar ein relativ früher Vertreter des kurzlebigen Kannibalenfilm-Subgenres, aber bereits so durchnormiert, dass man ihn eigentlich viel später im Zyklus einordnen würde. Die Kannibalen tauchen erst sehr spät auf, doch Spannung erzeugt ihre Abwesenheit kaum, dafür sind die Protagonisten viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Erst im letzten Drittel gibt es die genreüblichen Splatterszenen, bevor Emanuelle dann die entscheidende Idee hat, wie sie Isabelle davor bewahren kann, von den Kannibalen geopfert zu werden. Wer die bekannten Vertreter des Kannibalenfilms kennt, für den hält D’Amatos Film kaum noch Überraschungen bereit: Die Handlungsprämisse klaute Girolami zwei Jahre später für ZOMBI HOLOCAUST nahezu eins zu eins, die aus Journalisten, Anthropologen, Abenteurern und einheimischen Arbeitern zusammengesetzte Protagonistenschar ist Genrestandard, genauso wie der augenfällige Rassismus, die Verwendung von Stock Footage und die happigen Bilder von Ausweidungen und Genitalbeschneidungen. Im Gegensatz zu den Filmen Deodatos oder Lenzis, die – mal mehr, mal weniger ernstzunehmen – ihre Bilder primitiver Riten als Allegorie auf spätkapitalistischen Wirtschaftskannibalismus verstanden wissen wollten, ist EMANUELLE E GLI ULTIMI CANNIBALI wie auch Sergio Martinos LA MONTAGNA DEL DIO CANNIBALE eher dem Abenteuerfilm verpflichtet. Doch wo Martino sich wenigstens bemüht, eine gewisse Seriosität herzustellen, greift D’Amato mit beiden ungewaschenen Händen voll in die Soße. Er sucht noch nicht einmal nach der Schöpfkelle.

Superjournalistin Emanuelle recherchiert als Patientin getarnt in einer Heilanstalt und bekommt mit, wie eine Insassin einer Krankenschwester die Titte abbeißt. Sie schleicht sich in das Zimmer der offenkundig geistig Zerrütteten und schiebt ihr als erstes den Finger in den Schritt. Als sie Kontakt zum Anthropologen (Gabriele Tinti) aufnimmt, landen die beiden nur wenig später im Bett. Seine Mithilfe bei der Expedition ist damit unter Dach und Fach, akribische Vorbereitungen sind nicht nötig, in zwei Tagen geht es los. Immerhin bleibt noch Zeit für Emanuelle, sich von ihrem Freund zu verabschieden und ihn an einem lauschigen Plätzchen am Brooklyner Ufer des Hudson River im Stehen zu vögeln. In diesem Orgeltempo geht das weiter: Die Abenteurerin Maggie (Nieves Navarro) stellt dem muskulösen schwarzen Helfer nach, weil sie von ihrem impotenten Mann (Donal O’Brien) gelangweilt ist, doch der findet seine Manneskraft just in dem Moment wieder, als er endlich den Diamantenschatz in den Händen hält, den er so lang gesucht hat. Und die arme Isabelle wird zwar von den Wilden unter Drogen gesetzt und dann reihum vergewaltigt, doch dem Happy End soll das nicht im Wege stehen. Solche dreiste Arglosigkeit nötigt dann schon einigen Respekt ab, auch wenn die 90 Minuten von EMANUELLE E GLI ULTIMI CANNIBALI mitunter recht lang werden.