Mit ‘Doug McClure’ getaggte Beiträge

the-people-that-time-forgotIm Januar durfte ich mich beim Mondo-Bizarr-Weekender vom staubig-gummigen Matinee-Charme des schon 1975 wie aus der Zeit gefallen scheinenden THE LAND THAT TIME FORGOT verzaubern lassen. Die Verfilmung Kevin Connors eines alten Romans von Edgar Rice Burroughs begeisterte mit ihren herrlich altmodischen, aber liebevollen Puppeneffekten und Rückprojektionen, schaffte es spielend, für knapp 90 Minuten das Kind in mir zu wecken, und zeigte wieder einmal, dass der Realismus heutiger CGI-Orgien längst nicht alles ist.

Das zwei Jahre später entstandene Sequel bemüht sich händeringend darum, das Erfolgsrezept noch einmal zu ähnlichem Effekt zu bemühen. Das Herz geht einem auf, wenn gleich in den ersten Einstellungen ein Modellschiff zu sehen ist, das durch eine mit Plastik-Eisbergen bestückte Badewanne schippert, und wenig später gibt es einen schönen dogfight zwischen einem Doppeldecker und einem Pterodactylus zu bestaunen sowie, am Boden angekommen, einen gemütlichen Stegosaurus. THE PEOPLE THAT TIME FORGOT knüpft auch inhaltlich an den Vorgänger an, schildert die Bemühungen des amerikanischen Chauvis Ben McBride (Patrick Wayne), seinen alten Kumpel Bowen Tyler (Doug McClure) auf der geheimnisvollen Insel Caprona ausfindig zu machen, von der der in einer Flaschenpost berichtet hatte. Das Rettungsteam, zu dem auch die selbstbewusste – und deshalb sogleich von Ben eingenordete Journalistin Charlie (Sarah Douglas) – gehört, stößt erst auf die Höhlenfrau Ajor (Dana Gillespie), die von Tyler Englisch gelernt hat, dann auf ein Volk gefährlicher Krieger, die mit ihren Rüstungen ein wenig an Samurai erinnern und in einem Tempel, der gleichermaßen Castle Grayskull wie Indiana Jones‘ Tempel des Todes vorwegnimmt, einen Vulkankrater anbeten. Sie treffen Tyler, der ein trauriges Dasein als Gefangener fristet, befreien ihn, nehmen den Kampf gegen die Unholde auf und entfliehen in letzter Sekunde einem Vulkanausbruch, der Caprona in Schutt und Asche legt.

THE PEOPLE THAT TIME FORGOT bietet wieder jede Menge Gummisaurier und Auseinandersetzungen mit den Einheimischen, darüber hinaus deutlich mehr Action und Remmidemmi als der Vorgänger, büßt über dem ganzen Krawall aber leider jene naive Unschuld ein, die diesen so liebenswert machte. Schlüssel zum Erfolg von THE LAND THAT TIME FORGOT war die Tatsache, dass man die geheimnisvolle Insel durch die Augen der staunenden Entdecker betrachtete, sie mit ihnen gemeinsam erkundete und für ihre Andersartigkeit respektierte. Zwar mussten auch die damaligen Protagonisten sich gegen einige der Gefahren zur Wehr setzen, aber im Wesentlichen beschränkten sich die Aggressionen auf den Konflikt zwischen den Gestrandeten. Das ist im Sequel  mit seiner latent militaristischen Invasions- und Befreiungsdramaturgie grundlegend anders. Die fremdartige Flora und Fauna sind nichts mehr, was den sense of wonder anspricht, sondern bloße Hindernisse, die stumpf beiseite geräumt werden müssen, um zum Ziel zu gelangen. Das ist nicht nur weniger sympathisch, sondern auch einfach langweiliger: THE LAND THAT TIME FORGOT gewann seine Spannung nicht zuletzt daraus, dass da zwei eigentlich verfeindete Parteien – Deutsche und Engländer – miteinander kooperieren mussten. In THE PEOPLE THAT TIME FORGOT werden als Antagonist die gesichtslosen Schurken aus dem Hut gezaubert, über die man nichts erfährt, außer dass sie böse sind. Spannung kommt da leider nicht auf. Und so entspricht diese Fortsetzung der ernüchternden Rückkehr zu einem verbundenen, unberührten Urlaubsort, mit dem man schöne, lebhafte  Erinnerungen verbindet, die sich mit der Realität von inzwischen errichteten Betoburgen  und dem Einzug des Massentourismus leider nicht mehr decken wollen. Sequel-Business as usual, auch hier. Schade drum.

 

land-that-time-forgot-brit-quadDer Abschlussfilm eines erneut überaus gelungenen Wochenendes hinterließ beim Abgang genau jene leicht giftig anmutende Schärfe von in Würde gereiftem Stilton und diesen unverwechselbaren Geruch von Ammoniak, den man aus Unterführungen in Bahnhofsnähe kennt und der einem den Kopf ganz leicht macht, wenn man ihn nur tief genug in die Lunge gesogen hat. Irgendwas hat dieser 40 Jahre after the fact mehr als nur leicht angeranzte Monster- und Abenteuerschinken, das mich schon bei Erstsichtung für ihn eingenommen hat und sich auch gestern im Kino wieder beinahe erotisch bemerkbar machte, aber ich habe keine Ahnung, was es genau ist.

Ich vermute, es ist diese Aus-der-Zeit-Gefallenheit, die Verbindung der pulpigen Naivität alter Abenteuerschinken und Monsterfilme, die man eher in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verortet, und dem unverkennbar staubigem Siebzigerjahre-Flair, der gleichzeitigen Ambitioniertheit, die dazugehört, wenn man eine Urzeitwelt auf der Leinwand entstehen lassen möchte, und der Bescheidenheit der effekttechnischen Mittel, die dafür zur Verfügung standen. Man kann THE LAND OF TIME FORGOT Liebe und Sorgfalt definitiv nicht absprechen, ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass er diesen Wundertütencharakter, den solche Filme im Idealfall besitzen, besser verkörpert als etliche objektiv betrachtet „bessere“ Filme. Es gibt einfach wahnsinnig viel zu gucken, Connor trifft exakt den Ton zwischen heiligem Ernst und kaum merklichem Augenzwinkern, die Künstlichkeit der Effekte betont noch die Fremdartigkeit der neu entdeckten Welt und den sense of wonder, der damit einhergeht, und die Patina, die er über die Jahrzehnte entwickelt hat, hilft bei der Immersion, anstatt ihr im Weg zu stehen. Man taucht tief ein in eine wundersame Paralleldimension, die der eine „Caprona“, der andere „Sonntagsmatinee im Bahnhofskino“ nennen mag.

THE LAND THAT TIME FORGOT bringt einen nicht um den Schlaf, aber er macht enorm Bock, Bock auf mehr solcher gnadenloser Timewaster mit schunkelbirnigen Gummimonstern, Matte Paintings, stumpfer Helden in Uniform, in der Badewanne sinkender Modellbötchen, bizarrer Urwaldpanoramen und grunzender Höhlenmenschen. Das einzige, was mir zum totalen Glück gefehlt hat, war eine Riesenkrake, aber soweit ich weiß, gibt es die ja in WARLORDS OF ATLANTIS. Ein Kandidat für die dritte Ausgabe von Mondo Bizarr im nächsten Jahr? Ich freue mich jetzt schon.

Japan im 19. Jahrhundert: Als ein Samurai seine Ehefrau im gemeinsamen Haus beim Liebesspiel mit einem seiner Schüler erwischt, bringt er erst beide mit dem Schwert um und begeht dann Harakiri. 150 Jahre später bezieht der amerikanische Schriftsteller Ted Fletcher (Edward GALAXY OF TERROR Albert) dieses Haus mit seiner Gattin Laura (Susan George) und der gemeinsamen Tochter, um dort an einem Roman zu arbeiten. Die Aussage des in Japan arbeitenden Freundes Alex Curtis (Doug McClure), in dem Haus spuke es angeblich, wird von beiden nicht weiter ernst genommen. Doch das soll sich bald ändern: Nachdem erst Lampen und Wasserhähne verrückt spielen, beginnen die Geister nämlich ein überaus perfides Spiel mit dem Ehepaar …

Ich habe den Film gestern in Erwartung eines bunten, stimmungsvollen Gruselfilms mit Japan-Einschlag in den Player geworfen und wurde zunächst bitterlich enttäuscht. Ist man es aus Geisterfilmen gemeinhin gewöhnt, dass das rationale Weltbild der Protagonisten langsam, graduell und über einzelne unerklärliche Phänomene aufgeweicht wird, bevor sie dann schließlich mit der Realität der Geisterpräsenz konfrontiert werden, man mithin auch als Zuschauer eine Weile mit ihnen im unheimlichen Dunkel tappt, so sind Ted und Laura hier recht schnell bereit, an die übernatürliche Präsenz zu glauben. Statt wohligen Grusel zu erzeugen, erhöht Kevin Connor (u. a. Regisseur der putzigen CAPRONA-Filme und der schwarzen Kannibalenkomödie MOTEL HELL) den Druck, indem er die Geister ganz direkt gegen das Ehepaar vorgehen lässt. Was als reinrassiger Geisterfilm beginnt, verwandelt sich in ein Ehedrama mit fantastischem Einschlag, wenn Laura sich unter dem Einfluss der ermordeten Japanerin anschickt, ihren Gatten mit dessen bestem Freund Alex zu betrügen – und dieser auf ihre Avancen eingeht -, während Ted sich vom freundlich-besonnenen in einen höchst aggressiven Zeitgenossen verwandelt. Der Verlauf, den die Geschichte nimmt, darf durchaus als unerwartet bezeichnet werden (wenn es sich auch abzeichnet), das Finale ist ebenso konsequent, wie es im Rahmen eines Geisterfilmes ungewohnt hart ist. Dass THE HOUSE WHERE EVIL DWELLS nicht eben leicht „reinläuft“, liegt jedoch nicht nur in dieser realistischen Wendung des alten Spukthemas und dem aufgrund seiner Offenheit kaum noch als solchem zu bezeichnenden interkulturellen Subtext begründet, sondern vor allem darin, dass Connors Film auch formal den Brückenschlag zwischen US-Mainstreamhorror und japanischem Geisterfilm versucht. Der weiter oben geschilderte langsame und lückenlose Aufbau, den man aus dem Hollywoodkino gewohnt ist, weicht einer eher elliptischen, sprunghaften, dann und wann fast achronologisch wirkenden Darstellung der Vorgänge, die ich zunächst einer Drehbuchschwäche zu unterstellen geneigt war. Tatsächlich nimmt sich Connor ziemlich viel vor für seinen kleinen 87-Minüter; so viel, dass THE HOUSE WHERE EVIL DWELLS manchmal einen etwas zerfahrenen Eindruck macht. Der spukige Anteil der Geschichte kommt etwas zu kurz, die Affäre zwischen Laura und Alex springt dafür von null auf hundert und der Rat eines Zen-Mönchs, der als Nebenfigur auftritt, wird zwar noch von Ted eingeholt, kommt dann aber merkwürdigerweise nicht mehr zum Tragen. Das darf man als westlich geprägter Filmseher durchaus bekritteln und ich glaube auch, dass mehr Potenzial in der Geschichte steckte, als Connor gelang, aus ihr herauszukitzeln. Andererseits macht diese lückenhafte Struktur angesichts des Sujets wie erwähnt durchaus Sinn und eine kreuzeklige Sequenz mit fiesen (echten!) Riesenkrabben, die mit japanischem Männergeschrei synchronisiert wurden (was sich beknackt anhört, aber tatsächlich sehr effektiv ist), hat zumindest mich davon überzeugt, die Verzeichnungen des Films nicht als Fehler, sondern als kreative Entscheidungen zu betrachten. Zumal ich eh der Meinung bin, dass Originalität wichtiger ist als Funktionalität und dem Mut zur Unkonventionalität auch dann der Vorzug gegenüber biederer Regeltreue zu geben ist, wenn diese die objektiv besseren Ergebnisse gezeitigt hätte. Für Connor hat sich dieser Mut leider nicht ausgezahlt: Nach THE HOUSE WHERE EVIL DWELLS war seine Karriere als Spielfilmregisseur bis auf einige wenige Ausnahmen beendet. Bis heute arbeitet er überaus fleißig fürs Fernsehen.

Im kalifornischen Fischerstädtchen Noyo gibt’s Ärger: Die Fischer um den rassistischen Slattery (Vic Morrow mit Minipli) freuen sich auf eine Dosenfabrik, die demnächst gebaut werden und großen Profit bringen soll, die Umweltschützer um den Indianer Johnny Eagle (Anthony Penya) warnen vor der bevorstehenden Verschmutzung des Ozeans und das Aussterben der Lachse, von denen Noyo abhängig ist. Bald gibt es jedoch eine weitaus handfestere Bedrohung: Die Experimente, die das Wachstum der Lachse beschleunigen sollten, haben nämlich eine Rasse von gefährlichen Fischmenschen geschaffen. Und für die beginnt pünktlich zum bevorstehenden Lachsfest die Paarungszeit. Der tapfere Jim Hill (Doug McClure) stellt sich gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Susan Drake (Ann Turkel) der Gefahr …

HUMANOIDS FROM THE DEEP ist zunächst einmal ein klassischer Monsterfilm, der das genretypische Monster-on-the-loose mit moderner Ökothematik und offenkundigen JAWS-Einflüssen anreichert – man lausche nur dem Score von James Horner. Die „Humanoids“ von Rob Bottin erinnern ein wenig an Jack Arnolds Kiemenmenschen, wenn der eine Karriere als Dirty Old Man beginnen würde, und können sich mit ihren extralangen Armen auch an Stellen kratzen, an die normale Menschen nur mit obszön aussehendem Werkzeug kommen. Vor allem aber – und hier kommt Roger Cormans Gespür für das, was die Leute ins Kino lockt, ins Spiel – sind sie absolute Lüstlinge und mit räuberischem Hunger nach den handvermessenen Nebendarstellerinnen ausgestattet. Wer über der Tatsache, dass auch noch eine Frau die romantischen Fischmenschvergewaltigungen inszenierte, den Feminismus bedroht sieht, sei beruhigt: Die entsprechenden Szenen, die nach ca. einem Drittel den bis zum Finale eher gemächlichen Flow des Filmes aufbrechen, wurden nachträglich in den Film montiert und nicht von Peeters inszeniert. Und wo ich schon beim Finale bin: Da geht es mächtig rund, wird das gemütliche Lachsfest von den algenbehangenen Unholden mächtig aufgemischt. Da spritzt die rote Suppe und vermischt sich mit muffig riechendem Fischrogen, bis Doug McClure den Tag rettet, indem er kurzerhand die ganze Bucht in Brand steckt. Gegenüber den beiden zuletzt gesehenen FORBIDDEN WORLD und GALAXY OF TERROR ist HUMANOIDS eher eine gemütliche Angelegenheit, die dann von den Gewaltexplosionen aber umso heftiger zerrissen wird. Ein hübscher Film, der mit seiner knapp bemessenen Lauflänge und der Fischerdorfkulisse – für die ich ein absolutes Faible habe – zusätzlich Punkte macht.