Mit ‘DreamWorks’ getaggte Beiträge

Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, warum sich nicht schon vorher eines der großen Animationsstudios des klassischen Monster- oder Science-Fiction-Films angenommen hat. vor allem ersterer ist doch geradezu prädestiniert für eine Umsetzung im vergleichsweise jungen Genre des Animationsfilms, mit seiner Fokussierung auf unheimliche, riesenhafte Gestalten und sonstige Special Effects. Stattdessen bekommt man wieder und wieder dieselben anthropomorphisierten Säugetiere vorgesetzt, die sich in kaum weniger genormten Konflikten wiederfinden und sicherlich mit dazu beitragen, dass der Animationsfilm für viele schlicht „Kinderkram“ ist und bleibt. MONSTERS VS. ALIENS macht schon im Titel keinen Hehl daraus, dass er sich sehr bewusst darüber ist, welche klaffende Lücke er zu schließen gedenkt – und seine Sache nicht schlecht, auch wenn er wiederum kaum mehr bietet als das bekannte narrative Gerüst von den verlachten Außenseitern, die sich bewähren müssen.

Susan Murphy (Reese Witherspoon) wird an ihrem Hochzeitstag von einem Meteoriten getroffen und wächst daraufhin auf die Größe eines Wolkenkratzers an. An ein normales Leben ist für sie nicht mehr zu denken, schon gar nicht als sie überwältigt und in einen geheimen Bunker gesteckt wird, den sie mit einigen weiteren „Monstern“ teilen muss, die die Regierung vor den Menschen geheim halten will: Dr. Cockroach (Hugh Laurie) ist ein Wissenschaftler, der bei einem missglückten Experiment nicht nur die Fähigkeiten einer Kakerlake, sondern auch deren Kopf erhalten hat, The Missing Link (Will Arnett) ist eine Mischung aus Menschenaffe und Fisch, die man in einem Eisberg gefunden hat, B.O.B. (Seth Rogen), das fehlerhafte „Erzeugnis“ eines Lebensmittelkonzerns, ist ein unzerstörbarer gallertartiger Schleimklumpen und Insectosaurus schließlich ein durch radioaktive Strahlung massiv angewachsenes Insektenwesen. Als der Außerirdische Gallaxhar (Rainn Wilson) eine Invasion der Erde startet, müssen die Monster beweisen, dass sie zu etwas gut sind …

Viel zu sagen gibt es eigentlich nicht: MONSTERS VS. ALIENS bietet familienfreundliche Unterhaltung, die zwar kaum für große Überraschungen sorgt, jedoch über 90 Minuten angenehm unterhält, in seinen Animationen überzeugt und darüber hinaus einige nette Gags serviert. Wer ein Faible für das Science-Fiction-Kino der Fünfzigerjahre und speziell den Monsterfilm hat, dürfte MONSTERS VS. ALIENS zudem als recht liebevolle Hommage verstehen. Nicht nur die Figuren sind natürlich Leihgaben aus Klassikern von THE FLY über THE BLOB und ATTACK OF THE 50 FOOT WOMAN bis hin zu CREATURE FROM THE BLACK LAGOON, auch erzählerisch greift der Film zahlreiche Standards des Genres auf, seien es der eisenharte Armeegeneral, der die Gegenoffensive startet, der Präsident, der nur wenig entscheidungsfreudig ist, oder der Konflikt, der sich für Susan aus ihrer Verwandlung ergibt. Ähnlich lassen sich auch die „Effektszenen“ verschiedenen Vorbildern zuweisen: Die Katastrophe an der Golden Gate Bridge ist deutlich den Auseinandersetzungen der GODZILLA-Filme nacheimpfunden, für die Invasion der Erde ließen sich etliche Vorbilder herbeizitieren und die Infiltration des Raumschiffes durch die monströsen Helden erinnert deutlich an Emmerichs INDEPENDENCE DAY. Das alles erhebt demnach keinerlei Anspruch auf große Originalität: Als Startschuss für weitere – dann vielleicht auch etwas weniger stromlinienförmige – Animations-Monsterfilme darf man sich MONSTERS VS. ALIENS aber definitiv gefallen lassen.

Im echten Leben arbeitet der Panda Po (Jack Black) im Nudelhaus seines Vaters, doch in seinen Träumen ist er ein gefürchteter Kung-Fu-Kämpfer, der mit den „Furious Five“ – Tigress (Angelina Jolie), Monkey (Jackie Chan), Viper (Lucy Lu), Crane (David Cross) und Mantis (Seth Rogen) – historische Schlachten schlägt. Als Kung-Fu-Meister Oogway (Randall Duk Kim) im örtlichen Kung-Fu-Tempel den „Dragon Warrior“ ernennen will, fällt seine Wahl ausgerechnet auf den verfressenen, trägen und tolpatschigen Po, der sich im Verlauf seiner Ausbildung durch Meister Shifu (Dustin Hoffman) als hoffnungsloser Fall entpuppt. Umso schlimmer, weil der gefährliche Tai Lung (Ian McShane) unterwegs ist, um sich an Shifu zu rächen und nur der Dragon Warrior ihn bezwingen kann. Für Po beginnt ein hartes Training …

Wem das alles jetzt schon bekannt vorkommt, der wird während der Sichtung des neuen DreamWorks-Aniamtionsfilms noch einige weitere Dèjá Vus erleben. Nicht nur, dass hier natürlich zum xten Mal die alte Leier von Selbsterkenntnis und Selbstachtung und vom American Dream, nach dem man alles erreichen kann, wenn man nur daran glaubt, abgespult wird, die ganze Prämisse erinnert außerdem fatal an Chris Farleys Abschiedsgeschenk BEVERLY HILLS NINJA, das auf deutsch mit dem tollen Untertitel DIE KAMPFWURST geadelt wurde. Aber um Inhalte geht es ja eigentlich eh nicht: KUNG FU PANDA lebt in erster Linie von seinen Animationen und den wunderschönen Bildern, an denen man sich nicht sattsehen kann. Schon die Eröffnungssequenz, deren abstarkter Stil an künstlerische Graphic Novels denken lässt, ist das Eintrittsgeld wert, und dieser Eindruck setzt sich über zahlreiche Set-Pieces hindurch fort. Das farbenfrohe Fest zur Ernennung des Dragon Warriors, der Panoramablick vom Jadepalast auf das ihm zu Fuße liegende Tal, die Flucht Tai Lungs aus seinem unbezwingbaren Kerkerverlies inmitten eines unwirklichen Gebirges, sein Kampf gegen die „Furious Five“ auf einer über einen nebligen Abgrund gespannten Hängebrücke: Jede Sequenz, jede Einstellung bietet spektakuläre Perspektiven und ist mit viel Liebe zum Detail gefertigt worden. Leider kann die Story da nicht mithalten. Sie ist ein recht einfallsloser Aufguss bereits Dagewesenen , der zudem erkennbar macht, dass Matial Arts und Fernost für Hollywood nicht mehr als Verpackung sind. Mehr als die Shaw Bros., Hongkong-New-Wave á la Tsui Hark oder Ching Siu-Tung oder auch neuere Vertreter des Martial-Arts-Kinos wie Ang Lees CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON oder Zhang Yimous HERO standen wieder einmal (und vor allem) STAR WARS, LORD OF THE RINGS oder eben Aufsteiger- und Sportlerdramen wie ROCKY Pate. Das ist nicht weiter verwunderlich, aber eben doch schade, weil es dem Film eine zusätzliche Referenzebene raubt, die ihn über seinen Unterhaltungsfaktor hinaus interessant gemacht hätte. Wollte man böse sein, müsste man gar von Assimilation oder Kulturimperialismus sprechen. Letzlich hat mir KUNG FU PANDA dann aber doch zu viel Spaß und Freude bereitet. Entlarvend allerdings, dass nach 90-minütiger Fernost-Mimikry während der Endcredits ausgerechnet „Kung Fu Fighting“ laufen musste …