Mit ‘Drew Barrymore’ getaggte Beiträge

firestarter-movie-poster-1984-1020192887FIRESTARTER gehört durchaus noch zur ersten großen Welle von King-Verfilmungen, als die Studios sich von den eher durchwachsenen Kritiken und Zuschauerzahlen noch nicht beeindrucken ließen und weiterhin beachtliches Budget und Talent in immer neue Adaptionen steckten. FIRESTARTER sieht wie auch die etwa in die gleiche Phase fallenden CHRISTINE, THE DEAD ZONE oder CUJO fantastisch aus, ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt (neben den Hauptdarstellern David Keith, Drew Barrymore, Martin Sheen und George C. Scott agieren da z. B. Art Carney, Louise Fletcher, Moses Gunn. Antonio Fargas, Heather Locklear, Freddie Jones und Drew Snyder) und von Mark L. Lester technisch gewohnt kompetent umgesetzt. Der Soundtrack stammt von Tangerine Dream und die Feuereffekte sind auch heute noch spektakulär: Die Zerstörungsorgie am Schluss, bei der die kleine Charlene (Drew Barrymore) Kugeln an sich abprallen lässt und explodierende Feuerbälle verschießt, erinnert fast ein wenig an RAMBO: FIRST BLOOD PART II.

Trotzdem ist FIRESTARTER nicht 100-prozentig befriedigend. Auch wenn ich den Film gegen seinen nicht so berauschenden Ruf jederzeit verteidigen würde: Dramaturgisch funktioniert er nicht richtig, mutet ein wenig leer und leblos an und begeht zudem den Fehler, seine beiden wunderbar hassenswerten Schurken – George C. Scott als gemeines Halbblut John Rainbird mit Pferdeschwanz und Augenklappe, Martin Sheen nach THE DEAD ZONE erneut als schmieriger Staatsbeamter – viel zu früh über die Klinge springen zu lassen. Warum der Funke (hihi) nicht richtig überspringt, ist indessen nicht so leicht zu sagen. Der Film hat mehrere kleine Probleme. David Keith bleibt blass in der zugegeben undankbaren Rolle des telepathisch begabten Papas, Drew Barrymore ist niedlich, aber als Schauspielerin einfach noch nicht ausgereift genug, um die Hauptrolle zu tragen. Diese Spannung zwischen dem süßen kleinen Mädchen einerseits und der tödlichen Gefahr, die sie birgt, andererseits, und von der der Film eigentlich leben sollte, bleibt Behauptung, wird nie wirklich greifbar. Der gewohnt außerweltliche Score von Tangerine Dream passt nicht zu den doch eher knalligen Bildern, legt einen Schleier über sie und schafft so Distanz, wo er eigentlich die volle Wucht des Affekts unterstreichen sollte. Aber auch Lester leistet sich einige Ungeschicktheiten, arbeitet mit den immer gleichen visuellen und verbalen Cues, um die unsichtbare Psychoaktivität seiner Protagonisten anzuzeigen. Spätestens beim dritten Mal wird es einfach albern, wenn sich David Keith bedeutungsschwer an die Schläfen fasst oder Drew Barrymore „Back off“ skandiert, um ihre Kräfte zu drosseln. Da offenbart FIRESTARTER eine Käsigkeit, die im krassen Widerspruch zu seinen offenkundigen Production Values steht.

Trotzdem hat mir der Film, den ich zum ersten Mal gesehen habe, gut gefallen. Es ist ein bisschen so ähnlich wie mit dem kürzlich wiedergesehenen SHOOT TO KILL: FIRESTARTER repräsentiert eine Art von unaufgeregtem, professionellem Mainstream-Filmmaking, die heute kaum noch gepflegt wird, mit dem Ende der Achtzigerjahre, spätestens aber zum Jahrtausenwechsel völlig verschwunden ist. Diese Feststellung lässt sich bei Lesters King-Verfilmung gerade deshalb besonders gut anstellen, weil er thematisch so eng bei den Superhelden-Verfilmungen liegt, die heute den Status quo des Blockbuster-Genrekinos ausmachen. Statt pausenlosem Effekt-Heckmeck, 24 handelnden Charakteren und 35 angestoßenen Subplots für die geplanten nächsten 12 Spin-offs und Sequels gibt es hier ein intimes Vater-Tochter-Drama mit parapsychologischem Hintergrund und viele eher unausgesprochene Konflikte. Was will eigentlich John Rainbird von der kleinen Charlene? Die im Raum stehende Frage wird nie beantwortet, was die Beziehung zwischen den beiden umso unheimlicher macht.

blended (frank coraci, usa 2014)

Veröffentlicht: Oktober 20, 2014 in Film
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Jim (Adam Sandler), Witwer und Vater dreier Töchter, trifft bei einem Blind Date auf Lauren (Drew Barrymore), geschieden und Mutter zweier Söhne. Der Abend wird zum Desaster und die Wege der beiden Suchenden trennen sich, ohne dass einer die Lust verspürte, dem anderen noch einmal wieder zu begegnen. Natürlich kommt es anders und schließlich landen die beiden durch eine Verkettung glücklicher Zufälle samt Kindern in einem Luxus-Urlaubsresort in Südafrika. Anfangs nur wenig begeistert, beginnen Jim und Lauren langsam sich gegenseitig wertzuschätzen …

THE WEDDING SINGER und 50 FIRST DATES, die ersten beiden gemeinsamen Filme von Adam Sandler und Drew Barrymore, zählen zu den wenigen Sandler-Komödie, die auch über den erlauchten Kreis von dem Komiker generell wohlgesonnenen Menschen hinaus auf Wohlwollen stoßen. Die beiden verfügen gemeinsam über eine unleugbare Chemie, und die auch mit 39 unverändert zuckersüße Barrymore scheint ein besonderes Talent dafür zu haben, Sandlers oft infantile Impulse im Zaum zu halten – oder sie zumindest zu erden. In BLENDED geht es, dem Alter der Stars entsprechend, nicht mehr um die erste große Liebe, sondern sozusagen um den zweiten Anlauf, bei dem nun nicht mehr nur das eigene Gefühl entscheidend ist. Der Partner muss nicht nur das eigene Herz und Hirn erobern, sondern auch das der mit in die Beziehung gebrachten Kinder und sich zudem der neuen Herausforderung, „fremde“ Kinder zu erziehen, gewachsen zeigen. BLENDED – die mittlerweile vierte Kollaboration von Sandler und Regisseur Coraci (nach THE WEDDING SINGER, THE WATERBOY und CLICK) – zeigt äußerlich die typischen Sandler-Trademarks, gleichzeitig aber auch eine gewisse Ruhe, Souveränität und, ja, Würde, die durchaus neu sind. Wieder einmal scheinen die Dreharbeiten von Sandler als Traumurlaub geplant worden zu sein, bei dem dann als netter Nebeneffekt auch noch ein Film mit schöner Kulisse abfällt, wieder einmal läuft ein menschlicher Running Gag durch Film (Terry THE EXPENDABLES Crews ist wunderbar als Nickens, Sänger der Resort-eigenen Sangestruppe Thathoo), wieder einmal gibt es Tiersex, wieder einmal spielen Sandlers Kumpels mit (Kevin Nealon und Allen Covert), wieder einmal ist seine ganze Familie in Gastrollen mit von der Partie. Aber insgesamt ist BLENDED besinnlicher und von einer unterschwelligen Altersweisheit getragen, die ihm sehr gut zu Gesicht steht.

Man wird ja üblicherweise nicht verstanden oder mitleidig angeschaut, wenn man überhaupt in Erwägung zieht, Sandler-Filme nicht bloß als hohlen, künstlerisch wertlosen Zeitvertreib zu betrachten; ich kann mir aber nicht helfen: Mir scheint er hinsichtlich seiner Ansichten zu Familie, Liebe und Kindern einer der klügsten Männer in Hollywood überhaupt zu sein, ein echter Humanist, dem es zudem gelingt, Rassen- und Klassengrenzen in einem Atemzug zu transzendieren wie sie ihre Existenz anzuerkennen. Sandlers Filme sind eigentlich immer Utopien, aber niemals wirken sie hochgestochen oder unerreichbar. Es gibt keine ideologisch-politischen Höhenflüge, keine belehrend-mahnendes Fingerzeigen, kein nervtötendes PC-Getue. Im Zentrum werden sie befeuert vom einfachen Glauben daran, dass jeder Mensch das Gute will, sich mancher bei dessen Verwirklichung lediglich selbst im Wege steht. Sandler ist ein Populist im positivsten Sinne des Wortes, nahezu vorurteilsfrei und ohne verklärenden/verklärten Blick auf die Dinge.

Über BLENDED muss ich gar nicht viel mehr sagen, außer: Die schönste US-Komödie des Jahres. Aber das war ja eh zu erwarten.

Henry Roth (Adam Sandler) ist Tierpfleger in einem Zoo auf Hawaii und nebenbei passionierter Schwerenöter. Unwillig, eine echte Liebesbeziehung einzugehen, angelt er sich mit Vorliebe Touristinnen für kurze Romanzen, die er dann unter fadenscheinigen Begründungen wieder beendet, sobald es ernst wird. Denn eines ist klar: Dieser Henry versteht sich auf Frauen und schafft es mühelos, jeder den Kopf zu verdrehen. Das geht so lange, bis er in einer kleinen Bar Lucy (Drew Barrymore) kennenlernt. Bei ihm funkt es sofort, er spricht sie an, kommt mit ihr ins Gespräch, der Funke springt über. Nach ihrem angeregten Gespräch gehen die beiden mit dem Versprechen auseinander, sich am nächsten Tag wiederzusehen. Wie verabredet wartet Henry am nächsten Tag auf Lucy, doch die erkennt ihn überhaupt nicht, reagiert auf seine Annäherung abweisend und aggressiv und behauptet, ihn noch nie gesehen zu haben. Wie sich herausstellt, hat Lucy nach einem Unfall ihr Kurzzeitgedächtnis verloren. Alles, was sie erlebt, hat sie am nächsten Tag wieder vergessen. Und ihr Vater Marlin (Blake Clark) und ihr Bruder Doug (Sean Astin) halten für sie die Illusion aufrecht, jeder Tag sei jener letzte Tag, an den sie sich noch erinnern kann, der Tag ihres Unfalls. Fest entschlossen, mit Lucy zusammenzusein, beschließt Henry sie jeden Tag aufs Neue zu erobern, in der Hoffnung, dass sie sich irgendwann an ihn erinnern werde …

Nach THE WEDDING SINGER wäre es geradezu fahrlässig gewesen, die unzweifelhaft vorhandene Chemie zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore nicht für einen weitere romantische Komödie zu nutzen. Und unter der Regie von Peter Segal gelingt das Kunststück, an die Leichtfüßigkeit und Herzlichkeit jenes Vorgängers anzuknüpfen. 50 FIRST DATES mutet zunächst wie ein kleiner Sidestep in Sandlers homogener Filmografie an: Sein sonst sehr breit angelegter Hauptcharakter tritt hier etwas zurück, um Raum für Drew Barrymores Lucy zu machen, die fast gleichberechtigt neben ihm steht. Sonst entscheidende Charaktereigenschaften der Sandler-Persona sind abwesend: Es fehlen seine cholerischen Anfälle, seine Unbedarftheit und Naivität weicht einer gewissen „Abgezocktheit“, die hier der einzige Ausdruck einer gewissen geistigen Unreife ist. Aber anders als andere Sandler-Charaktere leidet er unter dieser Unreife nicht, sie behindert ihn auch nicht. Eigentlich scheint er recht zufrieden mit seinem Leben. Bis ihm Lucy förmlich dazwischenkommt.

Normalerweise tangieren mich RomComs überhaupt nicht, Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich fühle mich von dieser Art Film immer benutzt und ihre Protagonisten gehen mir mit ihrem klinisch-sauberen Erfolgsleben mit dekorativ platzierten Minineurosen meist auf die Nerven. Ihr finales Liebesglück verschafft mir nur sehr selten Freude. Ich sehe die Welt einfach nicht so wie diese Filme: Ich habe durchaus einen Sinn für Romantik, aber ich bin kein Träumer. Langweilige Menschen werden wahrscheinlich eher nicht spannender dadurch, dass sie jemanden finden, der sie so nimmt, wie sie sind. Ihr Liebesglück ist kein Anlass zur Freude, sondern zur Trauer. Damit erfolgt eher die Lizenz zur gemeinsamen Stagnation. Wieder zwei „Angekommene“, wieder zwei Verlorene. Das ist bei 50 FIRST DATES anders. Die Verbindung Henrys mit der im Grunde genommen behinderten Lucy beruht ja auf einem echten Wagnis – und der Film schließt dann auch auf einem Segelschiff, mitten im arktischen Meer, wohin die beiden eine Expedition unternehmen – gemeinsam mit ihrem Kind! Segals Film entlässt einen durchaus mit einem guten Gefühl, aber da schwingt mehr als nur ein gewisses Unbehagen mit. Der Film ist so rührend, wie er gleichzeitig tieftraurig ist. Einerseits ist der Gedanke, nur erste gemeinsame Tage zu erleben, den Thrill der Eroberung, des ersten Kusses immer wieder zu erleben, sehr reizvoll. Und es ist natürlich unheimlich romantisch, dass Henry diese Mühe auf sich nimmt, wissend, dass alles was er für Lucy tut, am nächsten Tag vergessen ist, sofern er es nicht dokumentiert. Aber hier bekommt der Film deutliche Schlagseite. Es scheint schlechterdings nicht möglich, unter den gegebenen Voraussetzungen eine ernste Beziehung mit Lucy zu führen, geschweige denn eine Familie mit ihr zu gründen. Einige Szenen des Films spielen in einer Heilanstalt, in der mehrere Menschen mit Gedächtnisverlust behandelt werden. Sie sind dort dauerhaft stationiert und das zeigt, dass sie pflegebedürftig sind, und zwar mehr als jemand mit einer Erkältung. Wie kann Lucy eine Mutter sein, wenn sie sich an eine gemeinsame Vergangenheit mit ihren Kindern gar nicht erinnern kann? Wie kann sie Entscheidungen für die gemeinsame Zukunft treffen, wenn sie Konsequenzen nicht kennt? Und wie kann man ihr als Partner die Zukunft betreffende Entscheidungen überhaupt zumuten? Es geht nicht. Damit 50 FIRST DATES also nicht als tragisches Psychogramm einer zum Scheitern verurteilten Liebe wahrgenommen wird, muss Segal seine Geschichte in eine Sandler-typische Märchenwelt verlegen. Hawaii ist ziemlich nah dran am Paradies, unter strahlend blauem Himmel, zwischen immergrünen Palmen, an weißen Sandstränden und türkisfarbenem Meer, da wo jede Musik ein verführerisches, schmeichelndes Säuseln ist, scheint vieles möglich. Und so findet sich dann doch noch die Möglichkeit, den Film in das Werk des Komikers einzugliedern. Seine Beziehung zu Lucy ist eine ihm vom Schicksal oder von göttlicher Vorsehung aufgetragene Aufgabe. Sie jeden Tag aufs Neue davon überzeugen zu müssen, der Richtige für sie zu sein, jede Nacht aus ihrer Erinnerung getilgt zu werden, nur um am nächsten Morgen wieder bei null anfangen zu müssen, jeder Möglichkeit beraubt zu sein, „Kredit“ bei ihr anzusammeln, ist eine Art, Abbitte für seinen bisherigen verantwortungslosen Lebenswandel abzulegen. Während er in seinem Dasein als Hallodri jede Beziehung beendete, sobald sie ihm zu Ernst wurde, während er seine „Opfer“ danach aussuchte, wie leicht er sie würde loswerden können, geht er nun eine Partnerschaft ein, in der die Verhältnisse dauerhaft umgedreht sind. Es gibt keine Lorbeeren, auf denen er sich ausruhen könnte. Jeden Tag muss er ihr beweisen, dass er der Mann ist, mit dem sie zusammensein will. Man kann sich diese Prämisse leicht als Stoff einer schwarzhumorigen Gruselgeschichte im Rahmen einer Serie wie TALES FROM THE CRYPT etc. vorstellen.

Dass das Wohlgefühl überwiegt, ist wieder einmal den Figuren geschuldet. Sandler hat erneut seine Clique um sich geschart, die 50 FIRST DATES die entspannte Atmosphäre eines Treffens mit alten Freunden verleiht. Außerdem gibt es einige interessante Gedanken zum Erinnern und Vergessen: Als Lucy während der obligatorischen Krise (die hier ausnahmsweise einmal nicht durch Fehlverhalten des Mannes verschuldet wird) mit Henry Schluss machen will, kontert er das sehr nachvollziehbar damit, dass sie ihn am nächsten Tag ja eh vergessen habe, mithin auch nichts mehr von einer Trennung wisse. Doch sie ist darauf vorbereitet: Sie habe ein Buch geführt, in dem sie über jedes Treffen mit ihm geschrieben habe. Um ihn vergessen zu können, muss sie sich an ihn erinnern. Es sind auch diese kleinen Einfälle, die 50 FIRST DATES zu einem großen Film machen.

1985: Robbie Hart (Adam Sandler) verdient sein Geld als Sänger auf Hochzeitsfeiern. Mit seiner Band covert er die größten Hits und wenn ein besoffener Gast sich auf der Bühne zu blamieren droht, rettet er gekonnt die Situation. Nur mit der eigenen Hochzeit klappt es nicht: Seine langjährige Freundin lässt ihn allein am Traualtar stehen und stürzt den armen Robbie in eine tiefe Krise. Linderung verspricht Julia (Drew Barrymore), die er vor kurzem kennen gelernt hat und die selbst in den Vorbereitungen für ihre Hochzeit mit dem unsympathischen Glenn (Matthew Glave) steckt. Eigentlich soll Robbie ihr nur ein bisschen helfen, doch dann funkt es zwischen den beiden …

Ich hatte THE WEDDING SINGER etwas später in Sandlers Filmografie verortet: Coracis Film bedeutet nach HAPPY GILMORE sowohl tonal wie auch stimmungsmäßig einen ziemlichen Sprung (der Buddy-Film BULLETPROOF liegt noch zwischen den beiden) und bescherte Sandler dann auch in Deutschland die ersten durchweg wohlwollenden Besprechungen. Es ist ein Film zu dem ich wahnsinnig gern zurückkehre und der auch nach Jahren und mehreren Sichtungen zu meinem Erstaunen nichts von seinem Charme verloren hat. Natürlich ist THE WEDDING SINGER auch „nur“ eine RomCom: Seine Geschichte hält keine bahnbrechenden Überraschungen bereit und Kritikern, die behaupteten Robbie sei ein bisschen zu nett, Julia ein bisschen zu süß, kann ich eigentlich kaum widersprechen. Es ist die Frage, inwieweit man bereit ist sich auf dieses Liebesmärchen einzulassen. Ich liebe ihn für seine Charaktere, die sich bei aller Formelhaftigkeit echt anfühlen und mit denen ich gern meine Zeit verbringe. Ich habe für dieses Genre eigentlich nicht viel übrig, aber hier ertappe ich mich dann doch immer wieder dabei, wie ich mir wünsche, dass Robbie und Julia gegen alle Hindernisse zusammenfinden. Aber es sind ja nicht nur Robbie und Julia – von Sandler und Barrymore mit viel Herzblut gespielt –, die den Film ausmachen, sondern auch seine Nebenfiguren, die auch, wenn sie eigentlich nur ein Running Gag sind, Tiefe andeuten, die über das Gezeigte hinausgeht: Da ist etwa Robbies Bandkollege George (Alexis Arquette), eine Boy George nacheifernde Transe, die leider nur „Do you really want to hurt me?“ im Repertoire hat und mit ihrer Performance regelmäßig die Hochzeitsgäste verstört; oder Sammy (Sandler-Regular Allen Covert), Robbies bester Freund, der mit seinen Weibergeschichten prahlt, eigentlich aber ein vereinsamter Single ist; die alte Dame Rosie (Ellen Albertini Dow), die ihrem Ehemann zur Goldenen Hochzeit ein Ständchen singen möchte und dafür Gesangsstunden bei Robbie nimmt;  Alle diese Figuren hauchen der Formel Leben ein, sorgen dafür, dass sich das Richmond des Films belebt anfühlt. Es ist ein Ort voller kleiner Geschichten und die von Robbie und Julia ist nur eine davon. Andere erzählen vielleicht vom verbitterten Dave Veltri (Steve Buscemi), der sich vom Vater immer vernachlässigt fühlte und nicht das Glück hatte, eine tolle Frau kennenzulernen, oder auch vom peinlichen Hochzeitssänger Jimmy Moore, der sich für unwiderstehlich hält, wenn er Kool & The Gangs „Ladies Night“ anstimmt. Der tolle Score mit einigen wunderbaren Eighties-Evergreens – teilweise von Sandler überaus kompetent interpretiert – und genuinen Sandler-Stücken tut sein Übriges. THE WEDDING SINGER bietet 90 Minuten lang perfekten, herzerwärmenden Eskapismus. Ich liebe den Film, das habe ich bei dieser Sichtung wieder gemerkt, und halte ihn für einen von Sandlers besten. Danach kehrte er mit seinem Superhit THE WATERBOY erst einmal wieder wieder zum Erfolgsrezept seines Frühwerks zurück. Vielleicht wäre es an der Zeit, Robbie und Julia wiederauferstehen zu lassen. Ich würde ganz gern wissen, was in der Zwischenzeit aus ihnen geworden ist …

 

Mal wieder ein biografisches Detail, das an dieser Stelle unerlässlich ist, denn ich habe diesen nach wie vor zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten gehörenden Spielberg-Klassiker gestern zum ersten Mal gesehen. Ein etwas peinliches Geständnis, doch 1982, als sich alle Welt im E.T.-Rausch befand und vor Verzückung über das Knuddelalien und den Knuddel-Elliott fast einem Zuckerschock erlag, war ich ein kleiner Sechsjähriger, dem die über die Mattscheibe flimmernden Ausschnitte aus dem Film panische Angst einjagten und jede Lust auf den Film im Keim erstickten. Besonders gruselig fand ich den Teleskophals des faltigen Außerirdischen und die Begeisterung meiner Altersgenossen wirkte auf mich  demzufolge ebenso befremdlich wie das die Spielwarenabteilungen der Kaufhäuser flutende Merchandising. Wie konnte man nur eine solch grässliche Gestalt verehren, geschweige denn niedlich finden?

Diese Abscheu wich über die Jahre dann einem souveränen, aber altersgemäßen Desinteresse: Welcher Jugendliche schaut sich schon gern einen Kinderfilm über einen liebenswerten Außerirdischen an, wenn es doch so viel coolere Filme mit bösen extraterrestrischen Invasoren gibt, die statt mit dem heilenden Leuchtfinger mit Phaserkanonen herumwedeln? Eben. Das Verhältnis zu Spielberg ist eh ein kompliziertes, weil man als quasi nebenberuflicher Filmseher vor einem enormen Abgrenzungsproblem steht: Auf der einen Seite ist da die Hochachtung (und auch Begeisterung) vor (bzw. für) Spielbergs unzweifelhafte Regie- und Erzählkunst, auf der anderen die Skepsis und der Widerwillen, mit denen man seine Versuche, enorm schwierige und sensible Stoffe in teures massentaugliches und demzufolge möglichst Profit bringendes Affektkino zu verwandeln, betrachtet. E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL muss man in seinem Schaffen zwar als ganz und gar unproblematischen Film betrachten, doch macht ihn das ja im Vorfeld nicht gerade interessanter. Erschwerend hinzu kommt schließlich, dass man als Filmbegeisterter eh schon genau weiß, was in diesem Film passiert, von Spannung im herkömmlichen Sinn also kaum die Rede sein kann. Aber die Zeit war jetzt irgendwie reif dafür, die klaffende Lücke endlich einmal zu schließen. Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen, an denen man rührseligen Stoff ja manchmal regelrecht braucht, bin ich dem Reiz, der von dem strategisch überaus clever direkt an der Kasse des bekannten Elektrodiscounters platzierten Sonderangebot ausging, erlegen wie das Kleinkind dem Überraschungsei: Stimmt, den habe ich ja auch noch nicht gesehen, her damit!

Und wie ich es schon geahnt hatte, genießt E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL seinen guten, wenn auch nicht mehr ganz so vehement verbreiteten Ruf natürlich zurecht und man darf die Spielberg-Skepsis ganz ohne schlechtes Gewissen zugunsten der Spielberg-Begeisterung vergessen. Es ist schon beeindruckend, wie Spielberg über weite Strecken des Films ohne expositorischen Dialog auskommt, stattdessen wichtige Informationen nur über die Bilder vermittelt. Während in anderen Filmen ohne Unterlass gequasselt wird, Charaktere beschreiben, was sie gerade tun, ankündigen, was sie in der nächsten Einstellung tun werden, oder berichten, was sie in der vorangegangenen Einstellung getan haben, dient Spielberg der Dialog ausschließlich zur Charakterisierung seiner Figuren oder zur Schaffung von Atmosphäre bzw. Authentizität. Vor allem die Exposition lebt ausschließlich von ihren starken Bildern – das Raumschiff in den Bergen über Los Angeles, die gewaltigen, in den Nachthimmel stoßenden Bäume, die Lichtschwerter der Taschenlampen, die das Dunkel auf der Suche nach den Außerirdischen zerschneiden, der Dunst im Garten von Elliotts Zuhause –, die bereits das dem Film zugrunde liegende Thema andeuten: Spielberg kontrastiert die unschuldige, offene und vorurteilsfreie Sicht der Kinder mit der zielgerichteten, selektiven, voreingenommen und deshalb aggressiven Perspektive der Erwachsenen und deutet an, das letztere die Welt nicht weiterbringen, sondern im Gegenteil viele Probleme schaffen wird. Das ist natürlich recht plakativ und einfach, aber trotzdem niemals kitschig oder rührselig, zumal man allzu krasse Schwarzweiß-Malerei, die das Thema ja eigentlich anbietet, vergeblich sucht. So ist etwa der federführende Wissenschaftler mitnichten ein gewissenloses Monster, sondern ein Gesinnungsgenosse des kleinen Elliott, ein Erwachsener, der immer noch in der Lage ist, die Welt durch Kinderaugen zu betrachten.

Abschließend muss ich noch erwähnen, dass ich eine Fassung des Films gesehen habe, die mit aufgehübschten Effekten und neuen Szenen „verbessert“ wurde. So sehr ich es nachvollziehen kann, dass die enormen Fortschritte, die die Effektkunst in den letzten 30 Jahren gemacht hat, in den Filmemachern das Bedürfnis weckt,  ihre „veralteten“ Werke zu korrigieren, so fürchterlich finde ich die Vorstellung, dass alles, was Filme als Produkte ihrer Zeit erkennbar macht, getilgt wird und diese so in buchstäblich zeit- und ortlose Artefakte verwandelt werden. Im vorliegenden Fall sind diese „Verbesserungen“ nicht nur unnötig – Eventkino-Megalomanie ist E.T., THE EXTRA-TERRESTRIAL reichlich fremd –, sie zerstören auch den Eindruck eines homogenen Werks, suggerieren, dass ein Film aus miteinander allenfalls in loser Verbindung stehenden Einzelbestandteilen zusammegfügt ist, die man austauschen kann. Gerade Spielberg sollte es eigentlich besser wissen.