Mit ‘Dylan Moran’ getaggte Beiträge

black books (dylan moran, großbritannien 2000 – 2004)

Veröffentlicht: April 26, 2010 in Film
Schlagwörter:, ,

Bernard Black (Dylan Moran), Mitte 30, betreibt in London einen kleinen Buchladen namens „Black Books“, dessen Kunden jedoch starke Nerven mitbringen müssen, so sie denn dort ein Buch kaufen möchten: Bernard ist nämlich ein Misanthrop wie er im Buche steht, dazu ungepflegt, Kettenraucher, passionierter Weinsäufer. Sein Geschäft betreibt er weniger zum Gelderwerb, sondern vielmehr als Entschuldigung dafür, sich nie verädnern zu müssen. Die Freundin und Nachbarin Fran (Tamsin Greig) ist auch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und einem guten Gläschen zu wenig abgeneigt, um den Buchhändler aus der Lethargie reißen zu können, und so obliegt es dem bis zur Selbstverleugnung loyalen Manny (Bill Bailey), wenigstens etwas Ordnung in Bernards Leben und sein Geschäft zu bringen …

BLACK BOOKS bietet in den 18 25-minütigen Folgen seiner drei Staffeln britischen Humor mit dem Hang zum Absurden, wie man ihn etwa in den letzten Jahren in der Comedyserie SPACED, den Filmen des Duos Wright/Pegg (letzterer absolviert einen herrlichen Gastauftritt als herrischer Filialleiter einer neumodischen Buchladenkette) oder auch Graham Linehans THE IT CROWD (Linehan fungierte bei BLACK BOOKS in einigen Folgen als Regisseur) schätzen gelernt hat. Die kleinen Geschichten gründen meist in belanglosen Alltagssituationen, die dann durch die Interaktion der drei neurotischen Hauptfiguren – und die Einfälle der Autoren – in beinahe surreale Sphären abdriften. Da verwandelt die sommerliche Hitzewelle die Straße vor dem kleinen Buchladen in ein postapokalytisches Szenario und den unter ihr leidenden Manny in einen Wilden, verkleinert Frans Vermieter deren Wohnung unbemerkt, um so Platz für eine weitere Mieterin zu schaffen, sorgt der Besuch von Mannys Eltern für ein groteskes Versteck- und Schauspiel und wird Bernard vom neuen Sicherheitssystem aus seinem Geschäft ausgesperrt und auf eine Odyssee durch die nächtlichen Straßen Londons geschickt. Wie THE IT CROWD und SPACED spielt BLACK BOOKS in einem von seinen Außenseiterfiguren geschaffenen Paralleluniversum, das aber dummerweise stets mit der umgebenden Außenwelt verbunden bleibt. Immer wieder müssen sich Bernard, Fran und Manny mit der tristen, durchnormierten „Realität“ auseinandersetzen, für die sie einfach keine Kompetenz besitzen – und diese auch gar nicht besitzen wollen. Für Bernard stellt schon das Ausfüllen seiner Steuererklärung eine wahre Sisyphos-Arbeit dar, die ihn an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt, Fran trift bei ihrer Suche nach einem Mann allerhöchstens auf Homosexuelle, sorgt beim Zusammentreffen mit ihren ehemals besten Freundinnen für einen handfesten Eklat und verprellt ihre fanatische Yogalehrerin mit dem Verzehr eines Schokoriegels, und jeder Versuch Mannys, einen „normalen“ Beruf auszuüben, endet in einer demütigenden Peinlichkeit. So ist der kleine Laden „Black Books“ für sie ein Refugium, das ihnen Sicherheit bietet und in seiner Chaotik und Unaufgeräumtheit außerdem ihr Inneres trefflich widerspiegelt. BLACK BOOKS stellt seine Figuren aber nicht als Freaks aus, sondern deklariert sie als die eigentlich normalen in einer normopathischen Welt. Ihr Versagen kann man auch als Triumph betrachten.

Leider hält die Serie das hohe Niveau ihrer besten Folgen nicht durchgehend. Vor allem die zweite Staffel hängt zu Beginn etwas durch. Auch das Setting des Buchladens scheint nicht immer so zwingend, wie etwa der IT-Keller in THE IT CROWD. Genauso gut hätte man BLACK BOOKS in einem anderen Milieu ansiedeln können: Zwar verweist die Bibliophilie Blacks auf dessen Solipsismus, seine Intelligenz und sein verkapptes Lebenskünstlertum, darüber hinaus spielen Bücher selbst aber eine eher untergeordnete Rolle. Eine der Ausnahmen gehört dann aber  zu den Highlights der Serie: Als Manny und Bernard beschließen, ein Kinderbuch zu schreiben, versteigt sich der exzentrische Bernard sogleich in einen 1000-seitigen Historienroman über den aufkeimenden Stalinismus in Russland. Es liegt an der klug formulierten Kritik Mannys, dass aus diesem Werk am Ende doch noch das geplante Kinderbuch werden kann, das von einem Elefanten erzählt, der seinen Luftballon verloren hat …