Mit ‘Eberhard Itzenplitz’ getaggte Beiträge

Der Journalist Barney Blair (Joachim Fuchsberger) erhält einen Anruf von einem Mann, der ihm „Informationen“ verkaufen will, doch am vereinbarten Treffpunkt findet er den Mann ermordet auf. Er erfährt, dass der Tote zuletzt in einem Hotel in San Remo abgestiegen war: Dort findet derzeit ein Musikfestival statt, bei dem die Chefin der Plattenfirma Phonomac, Ruth Cornell (Gisela Uhlen), ihren neuesten Star vorstellen will: Hannelore Auer soll das bisherige Aushängeschild des Labels, die Sängerin Lucy Balmore (Renate Ewert), ablösen, sehr zu deren Unmut. In San Remo angekommen, trifft Blair seine Kollegin Gilly Powell (Karin Dor), ihren ehemaligen Verlobten Larry (Frank Latimore), der nun mit Ruth Cornell verheiratet ist, sowie einige weitere streitbare Charaktere. Kurz darauf gibt es den nächsten Toten zu beklagen: Ruth Cornell wird in ihrem Zimmer erdrosselt, ihre kostbare Kette entwendet. Und diese Kette taucht nur wenig später in Gillys Zimmer auf …  

Erinnert sich noch jemand an die Werbe-Empfehlung „Bekannt aus Funk und Fernsehen“, mit der Plattenfirmen wie Ariola oder Teldec ihre Schlagersampler in längst vergangenen Tagen an den Mann bringen wollten? Was auf den ersten Blick verheißungsvoll klang, ließ spätestens auf den dritten doch Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussage aufkommen: Wenn die ihre Sangeskunst auf diesen Platten zum Besten gebenden „Interpreten“ (wie Dieter-Thomas Heck sie in seiner Hitparade stets ankündigte) wirklich „bekannt aus Funk und Fernsehen“ waren, warum musste man das dann extra dazusagen? Das verdienstvolle DVD-Label Pidax hat auf dem Cover von HOTEL DER TOTEN GÄSTE einen ganz ähnlichen Bock geschossen, der kundige Menschen sofort skeptisch machen sollte: Ein Button verspricht dort vollmundig „90 Minuten Gänsehaut“ und auch wenn das nicht ganz so redundant und absurd ist, wie die Bekanntheit von Stars zu erwähnen, so muss man sich doch fragen, warum man diese explizite Zusatz-Empfehlung bei einem solch markigen Titel für nötig hält. Nach Betrachtung des Films weiß ich: Weil HOTEL DER TOTEN GÄSTE genau das Gegenteilvon 90 Minuten Gänsehaut bietet, nämlich 90 Minuten gähnende Langeweile. Das durchweg annehmbare Niveau der Sechzigerjahre-Gruselkrimis, die im Fahrwasser der Edgar-Wallace-Erfolge nur so aus dem Boden schossen, ließ mich irrtümlicherweise schließen, dass man bei diesem Genre nicht allzu viel falsch machen kann. Weit gefehlt, und wie viel Geschick in die Inszenierung noch der schwächeren Beiträge zu diesem Subgenre einfloss, weiß man spätestens wenn man Itzenplitz‘ durch und durch biederer, höhepunktarmer Inszenierung beiwohnt. Von Atmosphäre, Witz oder Spannung ist weit und breit keine Spur zu sehen, und so verpufft auch die anfängliche Freude über die vielen bekannten Gesichter, die wie in einer bunten Revue aufgefahren, dann aber in weitestgehend uninteressanten Rollen verheizt werden. Neben den bereits Genannten treten u. a. Wolfgang Kieling, Hans Nielsen, Claus Biederstaedt, Monika Peitsch und Ady Berber sowie der Schlagersänger Gus Backus auf, Elke Sommer und Hannelore Auer beglücken zudem mit den Schlagerdarbietungen „Ich sage no“ respektive „In Athen gibt es ein Wiedersehen“. Was sich anfänglich noch einigermaßen interessant anlässt, versumpft schon bald im biederen Whodunit-Türenstück-Einerlei: Menschen latschen in Räume, treffen dort andere Menschen und haben etwas zu bereden, bevor es ihnen andere Menschen in anderer Konstellationen und in anderen Hotelzimmern gleichtun. Der Zickenkrieg, der sich zu Beginn zwischen Ruth Cornell und Lucy Balmore anbahnt, verspricht großes Divenkino, auch weil beide Darstellerinnen alles dafür tun, um möglichst unsympathisch und eingebildet rüberzukommen, wird aber mit der denkbar dummen Drehbuchentscheidung, ausgerechnet die Cornell aus dem Weg zu räumen, unterbunden, noch bevor die erste Eskalationsstufe erklommen wurde. Der Rest ist dann bleiernes Nichts, dem Regisseur Itzenplitz auch nicht den kleinsten Funken Leben einzuhauchen vermag. Es wundert nicht, dass HOTEL DER TOTEN GÄSTE nur eine von insgesamt drei Kinoarbeiten war, die er jeweil mit zehn Jahren Abstand inszenieren durfte. Beim Fernsehen war wahrscheinlich deutlich besser aufgehoben.