Mit ‘Eddie Deezen’ getaggte Beiträge

Auf SURF II bin ich vor einigen Jahren über das Buch „Destroy all Movies!!! The complete guide to punks on film“ gestoßen. Wie auch Greydon Clarks JOYSTICKS gehört er einer Komödienspielart an, die in den Achtzigerjahren für kurze Zeit reüssierte, dann aber wenig später schon völlig überkommen war: der vulgär-zotigen Teenie-Gaga-Pop-Komödie. SURF II genießt in gewissen Kreisen, die den Film zu seinem Erscheinen erleben durften, einen kleinen Kultstatus, der aber weder ausreicht, ihm eine DVD-Auswertung zu bescheren, noch seinen IMDb-Schnitt über traurige 3,9 Punkte zu heben. Tatsächlich ist SURF II ein Film, der heute kaum noch zu verstehen ist, in seiner hysterischen Aneinanderreihung von hirnrissigen Popkulturreferenzen, minderbemitteltem Klamauk, enthüllten Brüsten, selbstzweckhaften Surferszenen und antiautoritärer Agitation wie von einem anderen Stern scheint. Die eloquenteste Gag sind tatsächlich der Titel des Films und die Tagline „the end of the trilogy“ – es gibt keinen ersten Teil zu diesem vermeintlichen Sequel – ansonsten wird dem Wahnsinn freier Lauf gelassen und jedem noch so hirnrissigen Impuls nachgegeben. SURF II ist anstrengend und gewiss nicht „spannend“, aber durchweg faszinierend und ansteckend in seiner Gleichgültigkeit für das, was man als „Niveau“, „guten Geschmack“ oder auch nur „Sinnhaftigkeit“ bezeichnet.

SURF II spielt in einer nicht näher genannten amerikanischen Westküstenstadt, in der Surfen Freizeitbeschäftigung Nummer eins ist und streng genommen die Basis des gesamtgesellschaftlichen Lebens. Das schöne Leben erhält einen Dämpfer, als mehrere jugendliche Surfer auf dem Meer verunglücken und die inkompetenten Polizisten den Strand sperren. Hinter den Unfällen steckt der geekige mad scientist Menlo (Eddie Deezen), der einst Opfer gemeiner Späße wurde und nun aus Rache mit der von ihm erfundenen „Buzzz Cola“ zurückschlägt, die alle, die sie trinken, in Punkrock-Zombies verwandelt. Zwei Kids (darunter ein junger Eric Stoltz mit langer Surfermatte), deren Väter mit Menlo gemeinsame Sache machen, nehmen den Kampf gegen die Bedrohung auf.

Aus diesem Stoff hätte man ja durchaus eine geradlinige Genrekomödie machen können, doch Regisseur Badat hatte daran wohl eher wenig Interesse. Der Plot ist nur Anlass für einen wilden Amoklauf, jede Szene mündet binnen kürzester Zeit in wüste Alberei und die Trefferquote seiner Gags ist eher mitleiderregend, was ja an sich schon wieder ziemlich komisch ist. Meist bewegt sich der Humor des Films auf der Ebene geplatzter Hosen, verfressener Fettsäcke oder dämlicher Erwachsener, aber es gibt auch einige hellsichtige Momente, etwa wenn einer der Zombiesurfer obduziert und dabei ein Schild mit der Aufschrift „Orca“ zutage gefördert wird. Eine schöne Einstellung zeigt die beiden komplett identisch aussehenden Wohnküchen im Haus der jugendlichen Protagonisten in einer Splitscreen-Einstellung, in denen darüber hinaus exakt das gleiche passiert, sogar die Dialoge synchron ablaufen. Später dann stellt sich heraus, dass es gar keine Splitscreen-Einstellung war, sondern beide Familien wirklich so nebeneinander leben. Solche Perlen gibt es häufiger, aber man muss lang und ausdauernd im Schlick wühlen, um sie zu bergen. Apropos Schlick: Ein Gross-out-Höhepunkt ist das Wettessen eines Zombies mit dem obligatorischen Dicken: Die beiden laben sich da ausdauernd an einer graugrünen Lache von öligen Meeresabfällen, toten Fischen und schleimigen Algen, was tatsächlich ziemlich eklig ist. Und dann ist da noch Hackfresse Eddie Deezen, ein Komiker, der sich dank seiner absurden Physiognomie für eine kurze Phase in den Achtzigerjahren einiger „Popularität“ erfreute (heute ist er überiwegend als Synchronsprecher für Cartoons tätig). Er verkörpert den „Geist“ von SURF II in Reinkultur: den Glauben an die grelle Oberfläche, ans wilde Geschrei und ans Chaos, an die natürliche Lustigkeit von Verrenkungen, Grimassen, dummen Erwachsenen und dicken Leuten. Die Kunst besteht wohl darin, dass SURF II eine Art eigener Realität schafft und nicht bloß wie der misslungene Versuch einer „richtigen“ Komödie wirkt. Niveaulose Klamotten gibt es auch heute noch, Filme wie diesen hier eher nicht. Ich bedauere das.

In einer gammligen Raststätte mitten in der Wüste von Arizona wohnt eine bunt gemischte Gruppe zufällig dort zusammengetroffener Touristen dem Tod eines Mannes bei. In seinen letzten Sekunden erwähnt er vier jeweils mit einer Million Dollar gefüllte Koffer, die in vier verschiedenen Brücken versteckt sind. Die Jagd auf das Geld beginnt …

Richard Fleischers letzter Spielfilm – er war zum Zeitpunkt seines Erscheinens bereits 71 Jahre alt – ist wieder einmal eine De-Laurentiis-Produktion und eine Art abgespecktes Remake von Stanley Kramers Slapstick-Epos IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD. Hatte der große Hollywood-Pädagoge Kramer seine Kapitalismuskritik noch auf zweieinhalb bis drei Stunden ausgedehnt (je nachdem, welche der zahlreichen verschiedenen Schnittfassungen man zugrunde legt) und mit Dutzenden Cameos großer amerikanischer Komödianten angereichtert, so überquert MILLION DOLLAR MYSTERY die Ziellinie nach schlanken 94 Minuten und ohne jeden zugkräftigen Namen. Ob man den Exzess von Kramers Film nun mag oder nicht, ihn als integralen Aspekt seiner Kritik betrachtet oder eher als dieser zuwiderlaufend, darüber könnte man stundenlange fruchtbare Diskussionen führen – und demzufolge auch die Kürze von MILLION DOLLAR MYSTERY unterschiedlich bewerten. Worüber es wahrscheinlich keine zwei Meinungen gibt, ist sein Mangel an Identität, der mit der Besetzung absoluter Nullgesichter einhergeht.

Offenbarten die liebenswerten Charakterköpfe im 1963er-Opus in der Jagd nach dem Reichtum erst nach und nach ihr wahres, hässliches Antlitz, entbehren Fleischers Protagonisten von Beginn an jeder Persönlichkeit. Das passt natürlich ganz gut zu seinem Jahrzehnt, in dem dank des Börsenbooms plötzlich jeder den Traum von der dicken Kohle träumen durfte, auch wenn er keinerlei nennenswerte Talente oder auch nur Persönlichkeit hatte. Während Kramer also in bester aufklärerischer Manier ein gesellschaftliches Übel bloßlegte, ist die menschliche Gier nach Reichtum in MILLION DOLLAR MYSTERY von Anfang an gegeben, wird nur noch müde bestätigt. Es kann denzufolge auch eine Entwicklung mehr geben, der Film tritt somit auf der Stelle und der Ausgang der Geschichte könnte egaler kaum sein. Ganz ohne Meriten ist Fleischers Film aber nicht: Es gibt durchaus ein paar lustige Szenen, vor allem mit den beiden FBI-Agenten, die sich dem geldgeilen Mob an die Fersen heften, und weil Fleischer außerdem ein versierter Handwerker war und ihm mit Jack Cardiff eine echte Kameralegende zur Seite stand, sieht MILLION DOLLAR MYSTERY auch viel besser aus, als er das eigentlich verdient hat. Für Achtzigerjahre-Enthusiasten ist er nicht gänzlich uninteressant, insgesamt aber schon ein eher trauriger Abschiedsfilm für Fleischer.

Er war dann zu allem Überfluss und ironischerweise auch noch ein ausgemachtes finanzielles Disaster, obwohl der Geschäftsmann De Laurentiis sich einen hübschen Promogag ausgedacht hatte. Weil die letzte der vier Millionen am Ende des Films noch nicht gefunden ist, lud er seine Zuschauer zur virtuellen Schatzsuche ein: Wer das richtige Versteck erriet, konnte eine Million Dollar gewinnen. Doch auch dieses Gimmick verhinderte nicht, dass MILLION DOLLAR MYSTERY in den USA noch nicht einmal diese eine Million einspielte, die er verschenken wollte. Dass der Film in der ehemaligen DDR (in der schon IT’S A MAD, MAD, MAD, MAD WORLD sehr gut aufgenommen worden war) nicht unter dem Affluenz und Abenteuer versprechenden Titel erschien, mit dem er im Westen startete – DIE VIER-MILLIONEN-DOLLAR-JAGD –, sondern unter dem sehr viel wertenderen GELDGIER, darf man angesichts dieser Tatsache durchaus als kleinen sozialistischen Wink mit dem Zaunpfahl verstehen.