Mit ‘Edgar Wright’ getaggte Beiträge

Ich war eigentlich bereits nach 60 Sekunden geneigt, BABY DRIVER wieder auszumachen. Der bubenhafte Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Elgort) sitzt da mit Sonnenbrille und iPod-Stöpseln im Ohr und lauscht seiner Musik, derweil die Gruppe Gangster, die er chauffiert, ihren Bruch begehen. „Lauscht“ ist dabei eigentlich der falsche Ausdruck, denn Baby hört nicht einfach nur zu, er „performt“, indem er Playback singt und „coole moves“ am Lenkrad vollzieht. Ärx. BABY DRIVER fängt sich danach zum Glück und fährt seine „Coolness“ auf ein erträgliches Maß zurück, aber ein bisschen symptomatisch ist dieser Auftakt dennoch.

BABY DRIVER handelt von besagtem jugendlichen Fluchtwagenfahrer Baby. Als Kind verlor er seine Eltern bei einem Autounfall und lebt seitdem bei dem taubstummen Ziehvater Joseph (CJ Jones). Weil er von dem Unfall einen Tinnitus zurückbehalten hat, hört er ständig, unentwegt Musik über die zahlreichen verschiedenen iPods, die er für unterschiedliche Stimmungen mit sich führt. (Außerdem nimmt er Dialoge und Geräusche auf und macht daraus mit diversen Samplinggeräten und Drum Machines „Tracks“, die er auf Kassetten aufnimmt.) Weil er in jugendlichem Überschwang einmal das mit Hehlerware beladene Auto des Gangsterbosses Doc (Kevin Spacey) gestohlen hat, steht er nun in dessen Schuld. Glück für beide: Baby ist ein überirdisch begabter Autofahrer, der bei den Raubüberfällen, die Doc organisiert, zum Einsatz kommt und seine Schulden so abbezahlt. Kurz vor seinem vermeintlich letzten Job lernt Baby die Kellnerin Debora (Lily James) kennen und lieben. Beide wollen unbeschwert in die Zukunft starten: Nur sie, ein Auto, coole Musik und die Straße. Doch Doc will Baby nicht so einfach gehen lassen.

Als BABY DRIVER irgendwann im Frühjahr in den USA uraufgeführt wurde, überschlugen sich die diversen Online-Magazine vor Begeisterung. Edgar Wright, seit der Cornetto-Trilogie, die er mit Simon Pegg gedreht hatte, eh ein Liebling der Nerds, und nach dem Rausschmiss bei ANT-MAN nahezu mit Märtyrerstatus ausgestattet, hatte das Medium Film revolutioniert, so hörte sich das wenigstens an. Eins will ich ihm ganz gewiss nicht wegnehmen: Wright verfügt über überbordenden Einfallsreichtum, das immense technische und gestalterische Geschick, seine Ideen umzusetzen und beides kommt in BABY DRIVER überdeutlich zum Ausdruck. Der Film ist gespickt mit kleinen visuellen Details und Regieeinfällen, dazu konsequent im Rhythmus der Musik geschnitten, die soetwas wie der zweite Protagonist ist. Bei der Auswahl der Songs stellt Wright seinen Geschmack unter Beweis, setzt vor allem auf den Sound der Siebzigerjahre sowie alte Soulklassiker aus dem Hause Stax und Motown, mit denen man eigentlich nie etwas falsch macht, und entwickelt jene Dynamik, jenen Sog und Drive, den man schon an seinem SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD zu schätzen wusste. Speziell die ersten beiden Actionszenen, in denen Baby, Dutzende von Polizeiautos am Heck seines Fluchtwagens klebend, über die Straßen Atlantas nicht so sehr fährt als tanzt, sind wahrhaft atemberaubend, jeder Schnitt sitzt am richtigen Platz, kein Einsatz, kein Beat wird verpasst.

Aber irgendwie fehlt hier trotzdem etwas, vor allem eben im Vergleich mit SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD und den Filmen, die der Regisseur im Team mit Simon Pegg gemacht hat: vielleicht das Herz, die Seele? Oder ist es doch das Hirn? BABY DRIVER kommt über die Fingerübung nie so ganz hinaus, wird mit seiner aus sattsam bekannten Genre-Versatzstücken kompilierten Gangster- und Liebesgeschichte nie ganz lebendig, bleibt mit den Abziehfiguren und dem hundertfach abgespulten Plotverlauf immer auf Distanz zum Zuschauer, dessen Herz er doch eigentlich erobern will. BABY DRIVER kommt damit knapp 20 Jahre zu spät, hätte wunderbar in die Neunziger gepasst, als alle Quentin Tarantino nacheiferten, ihre Filme mit Sonnenbrillen, fluchenden Tough Guys und leidenschaftlich-kompromisslosen Liebhabern vollstopften, über ihre Lieblingssongs – hier: Killer Tracks – schwadronieren ließen und sich an einem Update der Juvenile-Delinquency-Filme der Fifties versuchten. (Die Parallelen von BABY DRIVER zu TRUE ROMANCE sind unübersehbar.) Klar, BABY DRIVER ist inszenatorisch um ein Vielfaches besser als das, was sich damals in die Videotheken ergoss, auch deutlich moderner natürlich, ich will ihm auch nicht absprechen, dass Wright mit dem Herzen bei der Sache war, aber den zentralen Makel teilt er mit seinen Vorläufern: Er bleibt in diesem metafilmischen Raum hängen, wo alles Zeichen ist, aber nichts mehr bedeutet. Ein Ikea-Film: Alles ist Ausstattung und Einrichtung, sogar die Musik.

Der Witz nutzte sich dann für mich auch recht schnell ab und am Ende, wenn es zum reichlich konventionellen Duell zwischen dem Liebespärchen und dem verbleibenden Killer Buddy (Jon Hamm) kommt, verflüchtigt sich auch der Drive, der in der ersten Hälfte des Films noch über die inhaltliche Leere hinwegsehen ließ. Ein bisschen hat man da den Eindruck, dass Wright mit den Gedanken schon wieder beim nächsten Film war, der dann hoffentlich wieder etwas mehr Bodenhaftung haben wird. Vielleicht sollte er Simon Pegg zurückholen, der Wrights Ambitionen immer in jenem Humanismus erdete, der SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ so liebenswert und wertvoll machte.

Nerds, Slacker, Berufsjugendliche und Stehengebliebene werden seit einigen Jahren schon von Hollywood – und kleineren nationalen Filmindustrien – hofiert. Relativer Wohlstand vor allem in der westlichen Welt, ein deutlich späterer Eintritt in das Berufsleben durch die breite Verfügbarkeit von Studium und Bildung sowie der Fleiß der vorangegangenen Eltern- und Großelterngeneration mögen die nachweisbaren Ursachen dafür sein, dass es den Thirtysomethings so schwer fällt, im Leben „anzukommen“. Aber in dem mangelndem Ehrgeiz, der Orientierungs- und Ziellosigkeit, die sie umfängt, mag sich auch die wachsende Entfremdung von einer Welt zeigen, die nur noch wenig Abenteuer und spirituelle Erfüllung bietet, stattdessen hohle materielle Werte und die Vortäuschung von Affluenz durch Karriere in hohlen Jobs. Es ist eine Sackgasse, aus der bisher noch kein Film einen Ausweg gewiesen hat: Meist überwinden die Hängertypen ihre andauernde Krise durch die Kraft der Liebe, die ihnen zeigt, dass es doch irgendwo hingehen muss. Oft genug wirkt dieser neue Aufbruch aber nicht wie ein Triumph, sondern wie eine Kapitulation vor den Gegebenheiten. In THE WORLD’S END, dem Abschluss der so genannten Cornetto-Trilogie (der Kenner spricht „Corne’o“) aus der Feder von Edgar Wright und Simon Pegg – die Vorgänger hießen SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ –, geht es genau darum: die Frage, was man macht aus seinem Leben und warum, die Frage, ob Ehe, Reihenhaus und Karriere immer per se erstrebenswerte Ziele sind; ja, ob es nicht sogar von einem gewissen Verantwortungsgefühl zeugt, wenn man sich dem kapitalistischen Ringelpiez bewusst entzieht.

Rund 25 Jahre, nachdem Gary King (Simon Pegg) seinen Schulabschluss gemacht hat, versammelt er seine alten Kumpels Andy (Nick Frost), Oliver (Martin Freeman), Steven (Paddy Considine) und Peter (Eddie Marsan), um mit ihnen ein „Projekt“ zu vollenden, das sie an jenem Abend an der Schwelle zum Erwachsenwerden vorzeitig abbrechen mussten: die Eroberung der „Golden Mile“ und der zwölf Pubs, die sie säumen. Während Gary, ein Alkoholiker, der es zu nichts gebracht hat, den Erinnerungen an diesen Abend immer noch hinterherhängt, stehen die Freunde von einst mittlerweile mit Ehefrau, Kindern, Häuschen, Auto und Karriere mitten im Leben – und haben zunächst nur wenig Lust auf den Rückfall in die Adoleszenz. Doch sie lassen sich schließlich breitschlagen, folgen Gary in ihren Heimatort Newton Haven, um sich dort bis zum finalen Pub namens „The World’s End“ durchzusaufen – und den Plagegeist aus der Vergangenheit so endlich loszuwerden. Doch in Newton Haven müssen sie erkennen, wie viel sich seit damals verändert hat: Das Örtchen stellt sich als von Außerirdischen unterwandert heraus, die die Menschheit zu besserem, vor allem konformerem Benehmen anhalten wollen und alle aufmüpfigen Subjekte bereits durch gefügige „blanks“ ersetzt haben …

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich mit der Entwicklung der Geschichte hin zum Science-Fiction-Endzeit-Stoff hin wirklich hundertporzentig glücklich bin. Ich wusste fast gar nichts über den Film, was über die Kneipentour-Prämisse hinausging, und jene Szene, in der sich drastisch herausstellt, dass mit den Bewohnern der englischen Kleinstadt etwas nicht stimmt, riss mich sehr unsanft aus dem Film, der mir bis zu diesem Zeitpunkt hervorragend gefallen hatte. Edgar Wright und Simon Pegg bedienen sich eines bekannten Sci-Fi-Motivs, das etwa in Filmen wie INVASION OF THE BODY SNATCHERS, THE STEPFORD WIVES oder VILLAGE OF THE DAMNED zum Einsatz kommt, begnügen sich jedoch nicht mit einer rein parodistischen Aufarbeitung, sondern aktualisieren das gesellschaftskritische Potenzial der Klassiker. Während Don Siegel die Angst vor der kommunistischen Indoktrination thematisierte, Forbes das westliche Patriarchat konsequent zu Ende dachte und Wolf Rilla lediglich das Unbehagen der Eltern vor ihrer Brut in ein griffiges Bild brachte, lässt sich die Allegorie von THE WORLD’S END nicht mehr eineindeutig rückübersetzen. Armond White sieht in der Konfrontation der fünf Helden mit den außerirdischen Besatzern die Kritik an britischem Klassendenken: Die außerirdischen Invasoren identifiziert er gewissermaßen als den „Adel“ (der Ausruf „Bluebloods!“ soll das belegen), während die Bewohner Newton Havens allesamt der Mittel- und Arbeiterschicht angehören. Vielleicht liegt es an meiner mangelnden Kenntnis der britischen Gesellschaftsordnung, dass ich das nicht vollends überzeugend finde: Der soziale Background der Protagonisten wird bestenfalls ansatzweise skizziert und insgesamt erscheint mir THE WORLD’S END durchaus universal in seiner Zeichnung einer Gesellschaft, die zunehmend „auf Linie“ gebracht wird.

Das beginnt schon bei den einstmals urigen englischen Pubs, die nun alle gleich aussehen, alle denselben Suff an dieselben gelangweilten Gäste ausschenken. Die „Starbuckisierung“ der Gesellschaft ist weit vorangeschritten, das Individuelle als  Unsicherheitsfaktor, als unberechenbare Größe weitestgehend gebannt und zurückgeschlagen. Der einzige, der sich nicht ins Mittelmaß fügen mag, ist Gary King: Zwangsläufig ein Außenseiter, ein Verlierer, der im Treffen der Anonymen Alkoholiker seiner Jugend hinterhertrauert, die ihm eine ganze Welt voller Möglichkeiten versprach: ein Versprechen, das das Leben danach niemals einlösen konnte. So klammert er sich an die Artefakte der Vergangenheit: Er fährt immer noch dasselbe Auto, im Tapedeck rotiert immer noch die Kassette von damals. Die Vollendung der Sauftour soll ihm noch einmal das Gefühl vermitteln, es gehe irgendwohin im Leben. Er ist eine absolut jämmerlich, todtraurige und tragische Figur, aber seine Jämmerlichkeit entpuppt sich im Verlauf des Films immer mehr als eine Position des Widerstands. Das Leben muss einfach mehr sein als Job, Auto, Reihenhaus und Familie. Wenn es keinen Raum mehr bietet für den Wahnsinn, die Dummheit und die Unvernunft, dann kann es unmöglich lebenswert sein. Dann muss man die Welt im Zweifel verbrennen und neu anfangen.

Nach dem oben geschilderten Schock habe ich THE WORLD’S END recht schnell wieder in mein Herz geschlossen. (Der Schock gehört zum Seherlebnis und zum Verständnis des Films m. E. fest dazu). Vielleicht ist er nicht so duchgehend brillant und originell wie seine beiden Vorläufer, aber er zeichnet sich durch denselben Drive, dasselbe Tempo, denselben Witz, dasselbe Herz, denselben Blick für die Nuancen und Details aus. Großartig der Moment, in dem ein Dialog zwischen Gary und Oliver völlig ins Leere geht, bis klar wird, dass Oliver gar nicht mit Gary redet, sondern via „Knopf im Ohr“ ein Telefonat führt. THE WORLD’S END ist voll solcher kleiner grandioser Einfälle.) In einer gerechten Welt würden Simon Pegg für seine Darbietung als Gary die Kritikerherzen und Trophäen nur so zufliegen: Die nichtssagend leeren Nebenrollen (siehe etwa MISSION IMPOSSIBLE – GHOST PROTOCOL), mit denen er in den USA bedacht wird, wirken im direkten Vergleich mit seiner Leistung hier umso fahrlässiger. Aber auch seine Mitstreiter stehen ihm in nichts nach. Ich hoffe, dass sich die Wege von Wright, Pegg und Frost nach diesem wunderbaren Abschluss der Cornetto-Trilogie nicht trennen, das sie gemeinsam ein neues Projekt finden. Auf dem Gebiet der geistreichen Komödie mit Genrebezug kann ihnen auch nach rund zehn Jahren immer noch keiner das Wasser reichen.

Scott Pilgrim (Michael Cera) ist 22, Bassist in einer Rockband und ein liebenswerter Schüchterling, dessen Ex-Freundin gerade als Popstar durchstartet, während er sich noch die Wunden leckt. Als gerade mit der erst 17-jährigen Knives Chau (Ellen Wong) anbändelt, trifft er auf einer Party das sprichwörtliche Mädchen seiner Träume: Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead). Als sich tatsächlich eine Beziehung mit ihr anbahnt, muss er dies nicht nur der unsterblich verliebten Knives beibringen, sondern gleichzeitig auch noch gegen die „7 Deadly Exes“ von Ramona antreten, die ihn zu tödlichen Zweikämpfen herausfordern …

Ich muss mich hier bewusst etwas drosseln, denn SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD ist einer jener Filme, die einen bei Erstsichtung vollkommen plätten mit ihren visuellen und erzählerischen Einfällen im Sekundentakt und die man deshalb besser noch ein zweites und drittes Mal sieht, bevor man sie mit Superlativen überhäuft, um zu prüfen, wie sie sich bewähren, wenn die erste Euphorie verflogen ist. Ich habe im Moment allerdings nur wenig Zweifel daran, dass Edgar Wrights Film dem Test mehrerer Sichtungen standhalten wird, weil der britische Regiseur ja schon mit SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ bewiesen hat, welch großes komödiantisches und inszenatorisches Potenzial in ihm schlummert. Den contrarianism, dem Filmpuristen nach den überwiegend begeistert ausgefallenen Lobeshymnen in einem typischen Reflex frönen, halte ich hier für vollkommen unangebracht, auch wenn SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD zumindest oberflächlich einen anderen Weg geht als die beiden so liebgewonnenen Vorgänger.

Ja, wer meint, dass ein Film, der mit vielen kleinen optischen Gags und visuellen Effekten aufwartet, seine Narration einem Beat ‚ em up-Videogame angleicht, ein enormes Tempo vorlegt, dies bis zum Ende durchhält, gleichzeitig auch noch antritt, den rush von Rockmusik zu verbildlichen, sich thematisch den doch recht trivialen Sorgen und Nöten der Adoleszenz widmet und dies alles auch noch mehrheitsfähig und zielgruppenfreundlich verpackt, per se minderwertig ist, der darf über SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD ruhig lästern. Ihm entgeht dann aber, dass jeder noch so kleine pun im Dienste des großen Ganzen steht, dass Wright die Irrungen und Wirrungen des männlich-adoleszenten Liebeslebens brillant in griffige, weil nachfühlbare Bilder übersetzt, dass die Idee, den „Neuen“ gegen die „Alten“ kämpfen zu lassen, nicht bloß nerdiger Spaß ist, sondern nur die konsequenteste Ausformung dieses Bilderwillens: Scott, der Selbstzweifler, muss sich im Duell mit den – in seinen Augen – so viel attraktiveren, aufregenderen, besseren, klügeren, aufregenderen Ex-Partnern erst seinen eigenen Wert beweisen, bevor er das Selbstbewusstsein hat, das es braucht, um ein guter, gleichwertiger Liebhaber zu sein.

Aber daneben gibt es so unglaublich viele unglaublich kluge Momente, dass man tatsächlich etwas verpasst, wenn man nur eine Sekunde unaufmerksam ist. Großartig etwa, wenn dem mit Trennungsgedanken nicht mehr nur spielenden Scott die Liebesherzchen der zuckersüßen Knives Chau entgegenfliegen und der sie wegwischt wie einen unangenehmen Geruch: Das ist so echt, fängt das unangenehme Gefühl, Empfänger nicht (mehr) gewollter Zuneigung zu sein, perfekt ein. Aber da sind noch so viele andere Szenen und Momente, die ich erwähnen müsste: Ich liebe den Wortwitz des Drehbuchs, das eine poetische Spielfreude an den Tag legt, die man mit bestem Hip-Hop vergleichen kann. Mein Favorit in dieser Hinsicht ist die Verabschiedungsformel, die Scott am Schluss an Knives Chau richtet: „Ciao, Knives.“ Das ist ebenso genial, wie es völlig beiläufig und unaufdringlich ist; ein kleines Detail, das keine weitere Beduetung hat, aber dazu beiträgt, dem Film Leben einzuhauchen. SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD ist keineswegs ein vordergründiger Film. Wer das meint, reduziert ihn nur auf seine glänzende Oberfläche, und übersieht, das im Kern all des visuellen Overkills das Gefühsleben der Protagonisten steht, deren emotionalen Tumulte sich in den Bildern spiegeln und von denen jeder zu seinem Recht kommt, auch wenn er noch so unbedeutend ist.

Ich war eigentlich angetreten, SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzufeiern. Das ist gründlich misslungen. Aber warum sich zurückhalten, wenn man vor Begeisterung fast platzen möchte? Das Leben ist zu kurz für solche Kleingeisterei. Volle Kraft voraus, Lautstärkeregler bis zum Anschlag nach rechts, nieder mit der Larmoyanz! (Ich glaube, ich muss den gleich nochmal gucken.) (Ach ja, und Judd Apatow kann jetzt officially nach Hause gehen.)