Mit ‘Edward Albert’ getaggte Beiträge

Japan im 19. Jahrhundert: Als ein Samurai seine Ehefrau im gemeinsamen Haus beim Liebesspiel mit einem seiner Schüler erwischt, bringt er erst beide mit dem Schwert um und begeht dann Harakiri. 150 Jahre später bezieht der amerikanische Schriftsteller Ted Fletcher (Edward GALAXY OF TERROR Albert) dieses Haus mit seiner Gattin Laura (Susan George) und der gemeinsamen Tochter, um dort an einem Roman zu arbeiten. Die Aussage des in Japan arbeitenden Freundes Alex Curtis (Doug McClure), in dem Haus spuke es angeblich, wird von beiden nicht weiter ernst genommen. Doch das soll sich bald ändern: Nachdem erst Lampen und Wasserhähne verrückt spielen, beginnen die Geister nämlich ein überaus perfides Spiel mit dem Ehepaar …

Ich habe den Film gestern in Erwartung eines bunten, stimmungsvollen Gruselfilms mit Japan-Einschlag in den Player geworfen und wurde zunächst bitterlich enttäuscht. Ist man es aus Geisterfilmen gemeinhin gewöhnt, dass das rationale Weltbild der Protagonisten langsam, graduell und über einzelne unerklärliche Phänomene aufgeweicht wird, bevor sie dann schließlich mit der Realität der Geisterpräsenz konfrontiert werden, man mithin auch als Zuschauer eine Weile mit ihnen im unheimlichen Dunkel tappt, so sind Ted und Laura hier recht schnell bereit, an die übernatürliche Präsenz zu glauben. Statt wohligen Grusel zu erzeugen, erhöht Kevin Connor (u. a. Regisseur der putzigen CAPRONA-Filme und der schwarzen Kannibalenkomödie MOTEL HELL) den Druck, indem er die Geister ganz direkt gegen das Ehepaar vorgehen lässt. Was als reinrassiger Geisterfilm beginnt, verwandelt sich in ein Ehedrama mit fantastischem Einschlag, wenn Laura sich unter dem Einfluss der ermordeten Japanerin anschickt, ihren Gatten mit dessen bestem Freund Alex zu betrügen – und dieser auf ihre Avancen eingeht -, während Ted sich vom freundlich-besonnenen in einen höchst aggressiven Zeitgenossen verwandelt. Der Verlauf, den die Geschichte nimmt, darf durchaus als unerwartet bezeichnet werden (wenn es sich auch abzeichnet), das Finale ist ebenso konsequent, wie es im Rahmen eines Geisterfilmes ungewohnt hart ist. Dass THE HOUSE WHERE EVIL DWELLS nicht eben leicht „reinläuft“, liegt jedoch nicht nur in dieser realistischen Wendung des alten Spukthemas und dem aufgrund seiner Offenheit kaum noch als solchem zu bezeichnenden interkulturellen Subtext begründet, sondern vor allem darin, dass Connors Film auch formal den Brückenschlag zwischen US-Mainstreamhorror und japanischem Geisterfilm versucht. Der weiter oben geschilderte langsame und lückenlose Aufbau, den man aus dem Hollywoodkino gewohnt ist, weicht einer eher elliptischen, sprunghaften, dann und wann fast achronologisch wirkenden Darstellung der Vorgänge, die ich zunächst einer Drehbuchschwäche zu unterstellen geneigt war. Tatsächlich nimmt sich Connor ziemlich viel vor für seinen kleinen 87-Minüter; so viel, dass THE HOUSE WHERE EVIL DWELLS manchmal einen etwas zerfahrenen Eindruck macht. Der spukige Anteil der Geschichte kommt etwas zu kurz, die Affäre zwischen Laura und Alex springt dafür von null auf hundert und der Rat eines Zen-Mönchs, der als Nebenfigur auftritt, wird zwar noch von Ted eingeholt, kommt dann aber merkwürdigerweise nicht mehr zum Tragen. Das darf man als westlich geprägter Filmseher durchaus bekritteln und ich glaube auch, dass mehr Potenzial in der Geschichte steckte, als Connor gelang, aus ihr herauszukitzeln. Andererseits macht diese lückenhafte Struktur angesichts des Sujets wie erwähnt durchaus Sinn und eine kreuzeklige Sequenz mit fiesen (echten!) Riesenkrabben, die mit japanischem Männergeschrei synchronisiert wurden (was sich beknackt anhört, aber tatsächlich sehr effektiv ist), hat zumindest mich davon überzeugt, die Verzeichnungen des Films nicht als Fehler, sondern als kreative Entscheidungen zu betrachten. Zumal ich eh der Meinung bin, dass Originalität wichtiger ist als Funktionalität und dem Mut zur Unkonventionalität auch dann der Vorzug gegenüber biederer Regeltreue zu geben ist, wenn diese die objektiv besseren Ergebnisse gezeitigt hätte. Für Connor hat sich dieser Mut leider nicht ausgezahlt: Nach THE HOUSE WHERE EVIL DWELLS war seine Karriere als Spielfilmregisseur bis auf einige wenige Ausnahmen beendet. Bis heute arbeitet er überaus fleißig fürs Fernsehen.