Mit ‘Edwige Fenech’ getaggte Beiträge

16692_895466Es war mal wieder Zeit für eine Commedia sexy all’Italiana – und das Versprechen mit Edwige Fenech und Barbara Bouchet gleich zwei Hotties zu bekommen, war zu verlockend. Zumindest war „unsere“ Bärbel angeht, hat Martino Film nicht enttäuscht. Die sieht mit ihren goldenen Haaren einfach nur fantastisch aus, verbringt einige ihrer Szenen komplett in Reizwäsche. Dagegen muss selbst die gute Edwige gnadenlos verblassen. Der Film selbst wurde leider durch die mir vorliegenden englischen Untertitel schwer sabotiert: Ich bin in dieser Hinsicht ja durchaus einiges gewohnt, aber bei diesem von einem offensichtlich nur über ein höchst rudimentäres Verständnis der englischen Sprache verfügenden Übersetzer verfassten Kauderwelsch musste ich irgendwann die Segel streichen. Nicht dass es irrsinnig viel zu verstehen oder nicht zu verstehen gegeben hätte, aber jeglicher Wortwitz, durch Unterteitel eh immer arg beeinträchtigt, ging hier vollends flöten. Schade drum: Auch wenn LA MOGLIE IN VACANZA gewiss keine Sternstunde des Genres ist, so gehört er doch zu den besseren Vertretern – wenn er Ermüdungserscheinungen gegen Ende auch nicht verbergen kann.

Der Zuschauer bekommt es mit einer klassischen Verwechslungskomödie zu tun: Geschäftsmann Andrea Damiani (Renzo Montagnani) ist mit der schönen, aber kalten Valeria (Barbara Bouchet) verheiratet. Während er sich nebenbei mit der eifersüchtigen Geliebten Giulia (Edwige Fenech) vergnügt, hat es Valeria auf einen waschechten Grafen abgesehen. Dieser existiert jedoch gar nicht: Es handelt sich um Andreas Assistenten Giovanni (Tullio Solenghi), der sich als adliger Gutsbesitzer ausgeben kann, weil sein Cousin Peppino (Lino Banfi) als Hausdiener arbeitet und seine Arbeitgeber im Urlaub weilen. Es gibt also gleich mehrere amouröse Geheimnisse, die gewahrt werden müssen, was umso schwieriger ist, als alle solchermaßen miteinander Verstrickten gleichzeitig in ein und demselben Hotel im Skiort Courmayeur landen …

LA MOGLIE IN VACANZA ist möglicherweise ein gutes Einstiegswerk für Menschen, die es mit dieser speziellen Spielart der italienischen Komödie noch einmal versuchen wollen, nachdem ihnen alle zuvor gesehenen Beispiele zu überdreht waren. Auch Martinos Film ist meilenweit von jeder Subtilität entfernt, voller infantiler Späße und beknacktem Slapstick, aber er ist dabei immerhin recht stringent und verzichtet auf die sonst obligatorischen Grimassierereien. Lino Banfi, der sonst keine zwei Minuten auskommt, ohne ein dummes Gesicht zu ziehen, agiert hier etwa sehr zurückgenommen. Der Großteil des Witzes ergibt sich tatsächlich aus der Personenkonstellation und dem Hin-und-Her, das sich zwischen den einzelnen Hotelzimmern ergibt. Naja, Raum für herbeikonstruierte Unfallketten, an deren Ende dann Valerias Popo anfängt zu rauchen oder Andrea auf einem Schlitten kopfüber einen Berg hinunterrauscht, dürfen keineswegs fehlen, genauso wenig wie gut abgehangene „Klassiker“ wie jener mit der umgedrehten „6“ an der Zimmertür und den daraufhin verwechselten Räumen oder des aus Versehen eingenommenen Abführmittels. Das tut beim Lesen bestimmt weh, ich weiß, aber bei der Betrachtung dieser Filme wird der Spaß eigentlich nur umso größer, je abgedroschener und vorhersehbarer die Gags sind. Da werden ganz tief sitzende Instinkte angesprochen und man freut sich schon diebisch, wenn das Wort „Abführmittel“ zunächst noch ganz unschuldig erwähnt wird. Man ahnt schon, was da unweigerlich bevorsteht. Als zusätzliche Witzfigur wird dann noch ein russischer Geiger (Renzo Ozzano) eingeführt, der den armen Peppino mit Wodka besoffen macht, Gläser isst und die schöne Giulia mit seinem Riesengemächt entzückt. Und Andreas Schwiegermama darf auch nicht fehlen, weil es des Konfliktpotenzials nie genug geben kann. Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf, aber nicht bevor nicht die gesamte Besetzung in voller Montur in den wiinterlichen Swimming Pool gefallen ist und daraufhin Erfrierungen an verschiedenen Körperteilen erleidet. Hach, dieser sogenannte Humor ist schon eine tolle Sache.

 

Taxi-Girl-film-images-679ca646-c156-4bb6-80ca-fdfb6ea31adHach, wie wunderbar, wenn man nach dem Abstecher in fremde Gefilde – mein Ausflug ins japanische Kino – mit  liebevoll geöffneten Armen und dem weich wogenden Busen der göttlichen Edwige Fenech empfangen wird. TAXI GIRL, einer von Tarantinis vielen Beiträgen zur Commedia sexy all’Italiana, war nach den doch sehr fordernden Filmen von Nakagawa, Wakamatsu, Ishii, Suzuki und Oshima genau das Richtige, eine wunderbar spritzige, leichtfüßige, freundliche und lebensfrohe Übung in absolut folgenloser Albernheit, und nebenbei einer der bislang besten Filme aus diesem unüberschaubaren – und in seinen deutsch synchronisierten Inkarnationen manchmal starke Nerven erfordernden – Genres. 1977 entstanden und mithin ein eher später Vertreter der Commedia sexy, hat TAXI GIRL den nicht zu unterschätzenden Vorteil, auf ein bereits fest etabliertes Ensemble aus Darstellern und ihren jeweiligen Personae zurückgreifen zu können. Als Zuschauer kann man sich entspannt zurücklehnen und dem freien Fluss kurzweiliger Episödchen hingeben, die um Edwige Fenechs titelgebende Taxifahrerin Marcella kreisen.

Natürlich ist Marcella der fleischgewordene Liebestraum sämtlicher Kollegen (darunter der unvergleichliche Alvaro Vitali wieder einmal als gutmütiger Pechvogel vom Dienst) sowie des Hallodris Ramon (George Hilton), eines rückgratlosen Playboys mit Minipli-Frisur und herrischer Ehefrau, die von seinen Irrwegen alles andere als begeistert und noch dazu ausgesprochen wehrhaft ist, sowie des tölpelhaften Polizisten Walter (Michele Gammino), der alle ihm zur Verfügung stehende Beamtenmacht mobilisiert, um Marcella auf sich aufmerksam zu machen. Außerdem erweckt sie im Verlauf des Films noch das Interesse des Ölscheichs Abdul Lala (Franco Diogene), dem sie jedoch kurzerhand einen Laufpass gibt, weil sie nicht Teil seines Harems sein möchte, sowie des Mafiabosses Adonis (Aldo Maccione), bei dessen Festsetzung sie Kommissar Angelini (Enzo Cannavale) helfen soll. Dann gibt es da noch Walters depperten Kollegen Isidoro (herrlich blöd, wie immer: Gianfranco D’Angelo), der gern wie Tomas Milian oder Franco Nero wäre, beiden aber nur einmal wirklich nahe kommt, nämlich als er bei einem Motorradunfall mit dem Kopf durch ein Plakat von Milians SQUADRA ANTISCIPPO kracht, und natürlich Marcellas Eltern, die insgeheim davon träumen, dass endlich der Richtige für die Tochter kommt, ein gutverdienender, ehrbarer Bürger, damit sie ihren Job an Nagel hängen und sich dem Kinderkriegen und Haushaltführen widmen kann. Worauf Marcella, selbstständig Frau, die sie ist, natürlich rein gar keine Lust hat.

TAXI GIRL ist berückend und entzückend in seiner burlesken Antilogik: Gleich zu Beginn wird Marcella Zeuge eines Banküberfalls und ruft die Polizei an, die sofort schwer bewaffnet anrückt. Der vermeintliche Überfall entpuppt sich jedoch als Filmdreh und Marcella bekommt schweren Ärger von Angelini, obwohl der Fehler doch offenkundig bei der Polizei liegt. Dem Film ist das egal und auch Marcella fügt sich zwar entnervt, aber doch bereitwillig in ihr Schicksal. So geht das den ganzen Film hindurch: Alles wird immer auf den nächsten Konflikt, die nächste krachlederne Pointe hin konstruiert und man quietscht bald vor Freude, ob der sich immer neu ergebenden Katastrophen – die man natürlich schon von Weitem hat heraufziehen sehen. Alle Grenzen sprengt TAXI GIRL aber in seinem Showdown, einer vollkommen entgrenzten Verfolgungsjagd im Stile von Bogdanovichs WHAT’S UP, DOC?. Die immer absurder werdende Hatz führt die Teilnehmer schließlich nach Cinecittà, wo nicht nur die unterschiedlichsten Filmsettings, sondern auch Cowboys zu Pferde sowie als Polizisten verkleidete Statisten mit ins Chaos einbezogen werden. Man fragt sich, wohin das alles führen soll und offensichtlich wusste Tarantini selbst, dass es schwer werden würde, einen passenden Schlusspunkt zu finden, der nicht einer Enttäuschung gleichkommt. Also setzt er ihn ganz einfach: Die Protagonisten lassen spontan von der Jagd ab, deren ursprüngliches Ziel eh längst vergessen ist, fassen sich an den Händen und tanzen einen ausgelassenen Ringelpiez. Und das Herz des geneigten Zuschauer tanzt mit.

 

wg9hwqvhGustave Flauberts Roman „Madame Bovary“ (den ich gelesen habe, von dem ich aber kaum mehr erinnert habe, als dass ich ihn mochte) ist berühmt für seine damals revolutionäre, Distanz schaffende Erzählhaltung und den damit einhergehenden Verzicht darauf, das Verhalten seiner Titelfigur zu bewerten oder moralisch zu verurteilen. Besonders gerühmt wird Flauberts Gespür für charakterisierende Details und psychologische Genauigkeit. In DIE NACKTE BOVARY, dem vorletzten Film des damals bereits 67-jährigen Komödien- und Heimatfilmer Schott-Schöbinger, bleibt davon nicht mehr allzu viel übrig: Der Stoff wird vielmehr für ein seichtes Melodram zurechtgestutzt, das Anlass bietet, Edwige Fenechs „teuersten Busen Europas“ (Zitat aus dem Werbematerial zum Film) zur Schau zu stellen, was zugegebenermaßen einer der Gründe war, aus dem ich mir DIE NACKTE BOVARY angesehen habe.

Dass Schott-Schöbinger die literarische Vorlage „völlig verfremdet“, wie das Lexikon des internationalen Films schreibt, will ich nach der Lektüre einer Inhaltsangabe des Romans zwar nicht unbedingt bestätigen, von der Komplexität von Flauberts Werk bleibt aber zugegebenermaßen nicht viel übrig. Der Film hetzt in 90 Minuten durch die Handlung und verkommt so fast notgedrungen zu einer Aneinanderreihung schön anzusehender Klischees, die jede echte Signifikanz vermissen lassen. Was die Figuren wirklich umtreibt, wer sie sind, was sie fühlen, wird weniger erzählt, als via Dialog behauptet. So darf die schöne Madame Bovary (Edwige Fenech) gleich in den ersten Minuten via Voice-over gestehen, dass sie das dörfliche Leben mit ihrem Ehemann (Gerhard Riedmann) schrecklich anödet, was damit verbildlicht wird, dass sie in das eheliche Haus einkehrt, das voll mit den Patienten ihres Gatten ist, und sich über seinen Mangel an Aufmerksamkeit für sie echauffiert. Riedmann selbst, ausreichend attraktiv, aber eben von jener biederen Freundlichkeit, die ihn zum Heimatfilm-Star prädestinierte, macht sich lediglich typischer Filmvergehen schuldig: nicht auf Zuruf seiner Frau seine Patienten sitzen zu lassen, beim vornehmen Empfang nicht mit ihr zu tanzen, sondern sich am Spieltisch der drückenden feinen Schuhe zu entledigen, keine Karriere in Paris machen zu wollen. Der arme Teufel darf bis zum Ende nicht merken, was eigentlich los ist. Emmas drei Love Interests kommen aber kaum besser weg und nicht über auf den ersten Blick durchschaubare Folien hinaus: Franco Ressel gibt den Kaufmann Lheureus als angeschwulten Teufel, dessen schmierig-finsteren Absichten man ihm schon aus der blasierten Visage ablesen kann, Peter Carsten ist als Großgrundbesitzer Rodolphe brustbehaarte Virilität und Verlässlichkeit und mit dem intellektuellen Bübchen Leon (Gianni Dei) unternimmt Emma aufschlussreich-bedeutsame Spaziergänge durch die Natur, bei denen er fast weiblicher agiert als sie.

Wenn DIE NACKTE BOVARY nach knapp 90 Minuten überaus abrupt zu Ende geht, wird die Vermutung bestätigt, dass sich eigentlich keiner der Verantwortlichen größere Gedanken darüber gemacht hat, was „Madame Bovary“ eigentlich erzählt, was an Flauberts Roman relevant ist, was man davon erhalten und in ein anderes Medium übertragen möchte, geschweige denn, was die Möglichkeiten des Mediums Film dabei für einen Mehrwert bringen könnten, außer der Gelegenheit, die Fenech in engen Kleidern, Unterwäsche des 19. Jahrhunderts oder auch nackt zu zeigen. Visuell ist DIE NACKTE BOVARY demnach recht üppig, wenn auch reichlich bieder und altbacken für einen Film des Jahres ’69 in all seiner trivialen Schmonzettenhaftigkeit. Da merkt man ihm die Prägung des Regisseurs im Rentenalter deutlich an.

 

la pretora (lucio fulci, italien 1976)

Veröffentlicht: Dezember 13, 2015 in Film
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3119311104_83bb04a242_bNach seinem düsteren Spät-Italowestern I QUATTRO DELL’APOCALISSE kehrte Lucio Fulci zum letzten Mal in seiner Karriere zu jenem Genre zurück, in dem er seine ersten filmischen Gehversuche gemacht hatte: der Komödie. Es entstanden die Dracula-Parodie IL CAV. CONSTANTE NICOSIA DEMONIACO, OVVERO: DRACULA IN BRIANZA und die Commedia sexy all’italiana LA PRETORA, die vor allem Fans von Edwige Fenech in Verzückung geraten lassen sollte. Sie spielt eine Doppelrolle als strenge Richterin Viola Orlando, die keine Gnade bei der Bestarfung von Sündern walten lässt und vor allem gegen die Pornografie mit schwerem Geschütz vorgeht, und als deren Schwester Rosa, die das krasse Gegenteil ist, ihre üppigen Reize gern zur Schau stellt und einem spontanen Schäferstündchen nie abgeneigt ist.

Natürlich kommt es zu den Komplikationen, zu denen es bei dieser Konstellation zwangsläufig kommen muss: Der kleine Betrüger Raffaello (Raf Luca), der die Härte der Richterin erfahren durfte (er hat Hundefutter als Gourmet-Gulasch verkauft), lernt Rosa kennen und hält sie für ihre Schwester, deren Promiskuität und vermeintliche Macht er sich sogleich geldbringend zunutze macht. Als er sie dann für ein Pornoheft ablichten lässt, stehtt Viola in der von der Schwester nichts ahnenden Öffentlichkeit plötzlich als bigotte Heuchlerin da. Während sie mit der Wiederherstellung ihres Rufs und der Rettung ihrer Karriere beschäftigt ist, macht auch ihr Verlobter Renato (Giancarlo Dettori) Bekanntschaft mit Rosa, die so ganz anders ist als die spröde Viola …

Lucio Fulci nimmt mit seiner Komödie zum einen die Verlogen- und Verklemmtheit der italienischen Gesellschaft bzw. der Gesetzeshüter sowie die allgegenwärtige Korruption aufs Korn (während Viola mit ihren ihr ständig auf die Beine starrenden männlichen Untergebenen Pornos in einem Kino begutachtet und jeden Verstoß gegen das Gesetz mit spitzer Feder notiert, macht der Vorführer ein Riesengeschäft, indem er zahlende Zuschauer vom Vorführraum aus zusehen lässt), ermöglicht seiner Protagonistin zum anderen den „Ausstieg“ aus dieser Gesellschaft, lässt sie einen goldenen Mittelweg zwischen der übertriebenen, lebensfeindlichen Prüderie und der völlig enthemmten Nymphomanie ihrer Schwester finden und in eine glückliche Zukunft finden. LA PRETORA steht intellektuell wahrscheinlich über vielen anderen Vertretern der Commedia sexy all’italiana, vermeidet die ganz wilden Zoten und die comichaften Slapstickeinlagen und Grimassen, fühlt sich etwas geerdeter an. Dass ich den Film nicht in einer deutschen Kalauersynchro gesehen habe (LA PRETORA ist in Deutschland nie erschienen), sondern im O-Ton mit (ausgezeichneter) Untertitelspur, deren Verfasser sich sogar die Mühe gemacht hat, einige Wortwitze und Doppelbedeutungen zu erklären, mag seinen Teil zu dieser Wahrnehmung beigetragen haben. Was LA PRETORA wiederum mit anderen italienischen Sexkomödien teilt, ist seine narrative Wildheit. Scheint zunächst Raffaello der Protagonist zu sein, verschwindet dieser irgendwann zur Mitte des Films um Platz für den später eingeführten Renato zu machen. Diese mangelnde Stringenz steht dem ganz großen Erfolg zumindest bei mir etwas im Wege, aber ein hübscher Film ist LA PRETORA trotzdem. Allein schon, um das hierzulande doch reichlich verengte Bild von Fulci zu erweitern. Und natürlich wegen Edwige Fenech …

 

„Nur weil ihr Frauen seid und auf dem Wasser herumfahrt, denkt ihr, ihr könnt meine Ziegen kaputtmachen!“

Diese weniger zornigen als vielmehr hilflos-verzweifelten Worte richtet der arme Bauerntölpel Andro (Salvatore Puntillo) an die wohlhabende Mudy (Maud Belleroche) und ihre Schwiegertochter Paola (Rosalba Neri), die aus purem Spaß an der Freude mit dem Gewehr Jagd auf die herumstreunenden Tiere machen. Ob ihm die Verwendung seiner Lieblinge durch Paolas Ehemann Aldo (Maurizio Bonuglia) und die Prostituierte Ulla (edwige Fenech) besser gefiele? Großzügig und freigiebig wie sie ist, lässt Ulla eines der possierlichen Tierchen an ihrem wogenden Busen und ihrem feuchtwarmen Schoß schlecken, derweil der zynische Aldo das Ganze mit seiner Fotokamera festhält. Die einmalige Chance, die deutsche Fassung vermarktungsträchtig „Edwige und die Ziege“ zu betiteln, wurde leider vergeben – wohl auch, weil die Französin mit der elfenbeinernen Haut 1969 längst noch nicht die Ikone war, zu der sie in den Siebzigerjahren avancieren sollte –, aber SKLAVEN IHRER TRIEBE klingt natürlich auch nicht schlecht.

Allerdings führt Alessi den Zuschauer mit Szenen wie der obigen durchaus etwas in die Irre. TOP SENSATION beginnt als schön anzuschauender und gediegen inszenierter, aber doch recht krachlederner Sleazefilm, der vor allem von der Schriftstellerin Maud Belleroche als herrisch-grausam-verkommener Mama bestimmt wird. Wie sie ihrer Verachtung für den abgezockten Aldo, dem sie die Augabe übertragen hat, ihrem just aus einer Nervenheilanstalt entlassenen 20-jährigen Sohn Tony (Ruggero Miti) mithilfe Ullas die Jungfräulichkeit zu rauben, und für seine vergnügunssüchtige Gattin verbal Luft verschafft, lässt nicht viel Interpretationsspielraum. Die an fantasievollen Beleidigungen und Vulgarismen überbordenden Dialoge sind neben den ausgiebig präsentierten Prachtkörpern von Rosalba Neri und Edwige Fenech eindeutig das „Alleinstellungsmerkmal“ dieses Films, dessen Prämisse einen Standard psychologisch-sexuell aufgeladener europäischer Klassenkampfdramen aufgreift: Auf der Yacht der reichen Frau hat sich ein Panoptikon der Verkommenen versammelt, von dem jeder nur den eigenen Vorteil im Sinn hat und den anderen bis aufs Blut hasst. Was sie natürlich nicht davon abhält, sich in immer neuen Konstellationen aneinander zu reiben und Körperflüssigkeiten auszutauschen. Das kennt man etwa aus Ruggero Deodatos ONDATA DI PIACERE und einigen weiteren Yacht-Thrillern und -dramen, die den beengten Raum und die unendliche Weite des umgebenden Meeres als eine Art Simulationsraum für böse „Gesellschaftsspiele“ nutzen. In TOP SENSATION wird die im trügerischen Stillstand begriffene Situation verkompliziert, als das Schiff auf einer Sandbank aufläuft und die Passagiere zum Landgang zwingt. Dort begegnen sie mit besagtem Ziegenhirten Andro und seiner jungen Gattin, dem naiven Bauernmädel Beba (Eva Thulin), zwei Menschen vom anderen Ende des gesellschaftlichen Spektrums. Ohne Wissen ihres Mannes verspricht Beba, den Reichen zu helfen und kommt mit an Bord, wo sie natürlich sogleich Zielscheibe lustvoller Manipulationen – und lesbischer Zuwendung – wird. Nur Tony scheint sie als Mensch zu akzeptieren. Keimt da im totalen humanistischen Nichts etwa doch eine Liebe, die die Klassengrenzen und den Zynismus überwindet?

Wer das italienische Kino und diese spezielle Spielart von Klassenkampf-Dramen kennt, der weiß natürlich bald, dass alles in einer großen Katastrophe enden muss. Und je mehr sich diese Dynamik herauskristallisiert, umso mehr treten auch die Geschmacksüberschreitungen in den Hintergrund, während Allessis künstlerische Ambitionen in den Fokus geraten. Echte emotionale oder auch nur intellektuelle Teilhabe ist allerdings kaum möglich, dafür sind die Protagonisten entweder zu schematisch-unsympathisch oder aber zu sehr als bloß strukturalistischer Gegenentwurf zu diesen Bastarden angelegt. Mit wachsendem Respekt für den Film schwindet so auch ein wenig die Freude an ihm, weil sich lediglich routiniert erfüllt, was man eh von Anfang an erwartet hat. Die Enttäuschung darüber hält sich allerdings in Grenzen, da man sich immer noch an den Kurven Neris und Fenechs delektieren kann, was mehr ist, als andere Filme vorzuweisen haben.

dqbMNXywtOkRqHSwnEFX4aG3NwzWenn ich mich für mein persönliches Kongresshighlight entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich Heinrich Georges SCHLEPPZUG M17 wählen. Das schönste und im positiven Sinne gemütlichste Sichtungserlebnis war jedoch Eberhard Schröders MADAME UND IHRE NICHTE. Der berauschte Zustand, in dem ich ihn sah, trug sehr zu seiner Wirkung bei. Die leichte Erotikkomödie ist gewiss nicht der nachhaltigste Film aller Zeiten, aber er stellte eine Menge mit mir an und hätte für mich noch Stunden weitergehen können.

Die schöne, kultivierte Michelle (Ruth-Maria Kubitschek) lässt es sich in den Betten reicher, meist älterer Männer gut gehen. Ihr aktueller Lover erleidet beim Liebesspiel einen Herzkasper, während sie in Träumen über la dolce vita schwelgt. Ein neuer Lover muss her, und mit dem Millionärssohn Peter von Hallstein (Fred Williams) und dem distinguierten Jochen Reiter (Rainer Penkert) stehen gleich zwei Kandidaten bereit. Mindestens ebenso viel Eindruck wie Michelle macht auf die beiden jedoch ihre Modeltochter Yvette (Edwige Fenech), die Michelle aus Eitelkeit als ihre Nichte auszugeben pflegt. Anders als ihre Mama ist Yvette jedoch auf der Suche nach einer ernsten Beziehung …

Das Faszinierende an MADAME UND IHRE NICHTE, das, was mich den ganzen Film über fesselte und mein Interesse über die volle Laufzeit wachhielt, ist gewissermaßen sein Bastardstatus. Die deutsche Produktion lässt ihre Herkunft zeitweise vollkommen vergessen und wirkt plötzlich wie ein lupenreiner Italofilm, bevor ein Auftritt der unverwüstlichen Rosl Mayr oder des jungen Rudolph Moshammers (der auch die Kostüme beisteuerte) einen wieder zurück in die Realität holt. Kritiker könnten bemängeln, dass Eberhard Schröder sich nicht ganz entscheiden konnte, ob sein Film nun eine beschwingte Beziehungs- oder aber eine knallige Sexkomödie sein sollte, aber ich empfand gerade das ständige Pendeln zwischen diesen Polen als enorm reizvoll. MADAME UND IHRE NICHTEN wird einfach nie langweilig, bietet auf engstem Raum eine Vielzahl unterschiedlicher Attraktionen (die größte ist natürlich der Luxuskörper der Fenech), unfassliche Sleazemomente – dieser schmalzige Schlager, der zu Beginn erklingt, oder die erste Fotosession, mit einem sich fast bis zum Orgasmus verausgabenden Fotografen und einer zunehmend genervteren Yvette –, schöne Gags und haufenweise zitierwürdige Dialogzeilen, von denen ich leider nur noch eine parat habe. Aus irgendeinem Grund beschließt Yvette, dass sie gegenüber ihrer Mama einen Haschischrausch simulieren möchte. Mit tiefschwarzen  Augenringen ausgestattet und völlig apathisch lässt sie sich von ihren esoterischen WG-Kollegen nach Hause tragen, wo die tief besorgte Mutter nach Antworten sucht. Aus dem Mund einer von Yvettes Freundinnen dringt als Erklärung ein Satz, der mit verändertem Genus auch auf zahlreiche Kongressbesucher zuträfe: „Sie ist entrückt.“ Das Geschmackvolle – vor allem in Gestalt der schönen, mondänen Ausstattung – und das Niveaulose geben sich hier in einer Tour die Klinke in die Hand, ohne dass MADAME UND IHRE NICHTE dabei chaotisch oder zerrissen wirken würde. Schröder schafft es wie durch ein Wunder, sogar dann seine Würde zu bewahren, wenn er zwei schwule Studenten eine nackte Schwarze mit einer Banane füttern lässt. Ich bedauere es, kein kohärenteres Bild mehr von diesem Film zu haben, der jetzt schon auf eine hohe Platzierung in meiner Bestenliste 2015 hoffen darf. Wie wunderbar wäre es, wenn man ihm eine DVD-Veröffentlichung spendierte. Ich bin mir sicher, sein Zauber würde auch andere nicht unberührt lassen.

insegnante_va_in_collegio_edwige_fenech_mariano_laurenti_005_jpg_zfky[1]Weil Terroristen sein Leben bedrohen, tarnt sich der begüterte Unternehmer Riccardo Bolzoni (Renzo Montagnani) als einfacher Arbeiter und lässt sich von seinem Assistenten Peppino (Lino Banfi) mitsamt seiner Familie in den armen Süden Italiens, nach Apulien, bringen. In der dortigen Schule – besetzt mit dem üblichen inkompetenten Haufen verblödeter Lehrer und Alvaro Vitali als Schabernack treibendem Klassenclown – verguckt sich sein Sohn Carlo (Leo Colonna) in die neue Englischlehrerin Monica Sebastiani (Edwige Fenech) und beginnt seine nicht gerade von Erfolg gekrönte Charmeoffensive, derweil sein Vater ebenfalls Bekanntschaft mit der holden Schönen macht und Nachhilfeunterricht bei ihr nimmt. Es kommt zu den üblichen Verwechslungen und gar zum Partnertausch, da die sich von ihrem Gatten vernachlässigt fühlende Ileana Bolzoni (Paola Pieracci) zarte Bande zu Peppino knüpft …

Mit L’INSEGNANTE VA IN COLLEGIO setzte Mariano Laurenti den drei Jahre zuvor entstandenen Erfolgsfilm L’INSEGNANTE fort. Nach bewährtem Rezept fährt er in seiner Commedia sexy all’Italiana eprobte Kräfte wie den genannten Alvaro Vitali, Lino Banfi sowie Gianfranco D’Angelo auf, der wie schon in LA LICEALE NELLA CLASSE DEI RIPETENTI als Möchtegern-Hitler auftritt, was die deutsche Synchronfassung alerdings komplett unter den Tisch fallen lässt. Es gibt die grotesk unwitzigen Slapstick-Einlagen, die man von diesem Genre gewohnt ist, sowie diverse Frivolitäten, die dank Edwige Fenech natürlich auch die Stimmungshöhepunkte des Films ausmachen. Über hirnamputierte Späße, bei denen halbblinde Lehrer mit daumendicken Brillengläsern gefoppt, Priestern der Stuhl unter dem Arsch weggezogen oder Fußbälle mit Beton ausgegossen werden, ohne dass es zu den berechtigten Sanktionen käme, kann man sich mit dem Wissen hinwegtrösten, dass es bald wieder einen Blick auf den üppig wogenden Busen der Fenech geben wird. Den Modus operandi der Comedia sexy all’Italiana kann man durchaus als Zuckerbrot und Peitsche beschreiben und Laurenti ist ein guter Bestrafer. Potenziell interessante Aspekte wie der als Prämisse dienende Konflikt zwischen Arm und Reich und das explizit erwähnte Nord-Süd-Gefälle treten gegenüber den entfesselten Rammdösigkeiten weit in den Hintergrund und das Wenige, was davon noch übrig blieb, das merzte die deutsche Synchronisation erbarmungslos aus. Die deutsche Fassung ist eh ein Fall für sich: L’INSEGNANTE VA IN COLLEGIO wurde in Deutschland unter dem Titel FLOTTE TEENS UND DIE NEUE SCHULMIEZE als Sequel des italienischen EIS AM STIEL-Pendants LA LICEALE aka FLOTTE TEENS UND HEISSE JEANS vermarktet. Um das zu rechtfertigen und Gloria Guida, den weiblichen Star des Hits auf das Plakat bringen zu können, erweiterte man L’INSEGNANTE VA IN COLLEGIO kurzerhand um 20 Minuten aus ihrem Film PECCATI DI GIOVENTÙ (deutscher Titel: SONNE, SAND UND HEISSE SCHENKEL), die mit Laurentis Film rein gar nichts zu tun haben. Dankenswerterweise findet man auf der DVD auch die „Orginialfassung“, die ihrerseits zwar auf das zusätzliche irreführende Material verzichtet, den Betrachter dafür aber mit mehreren wie Ruinen im Film stehenden Dialoghinweisen auf „Loredana“ verwirrt, Gloria Guidas Charakter in LA LICEALE, auf den man dann wie weiland Estragon und Wladimir vergeblich wartet. Ein putziges Kuriosum, das zu dem entfesselten Gegurke irgendwie passt. Was Edwige Fenech, dieses Klasseweib, eigentlich über diesen Unfug dachte, in dem sie die berühmte Perle vor den Säuen ist?