Mit ‘Edwige Fenech’ getaggte Beiträge

Die Ehe zwischen dem ausgebrannten Schriftsteller Oliviero Rouvigny (Luigi Pistilli) und seiner nervösen Ehefrau Irina (Anita Strindberg) ist ein Albtraum: In den heruntergekommenen Palazzo seiner verstorbenen und verehrten Mutter lädt er regelmäßig die Hippies vom nächsten Campingplatz zu großen Saufgelagen, bei denen er seine Ehefrau öffentlich demütigt und sich anschließend am schwarzen Hausmädchen Brenda vergeht. Häusliche Gewalt ist Oliviero also kein Fremdwort und so wird Irina zunehmend hysterisch – was dann weitere Gewalt nach sich zieht. Als die Leiche eines Mädchens auftaucht, mit dem Oliviero ein Verhältnis hatte, gerät er sofort unter Verdacht. Ein Verdacht, der es nötig macht, zu unkonventionellen Mitteln zu greifen, als auch Brenda ermordet wird: Gemeinsam mit seiner Frau mauert er die Leiche im Weinkeller ein. Als seine schöne Nichte Floriana (Edwige Fenech) überraschend zu Besuch kommt, kommt Bewegung in die festgefahrenen Verhältnisse: Denn nicht nur hat der unverbesserliche Womanizer Oliviero Interesse an ihr, auch Irina findet Gefallen an der jugendlichen Schönheit …

Der vierte der fünf zwischen 1971 und 1973 entstandenen Giallos von Sergio Martino (zuvor drehte er LO STRANO VIZIO DELLA SIGNORA WARDH, LA CODA DELLO SCORPIONE und TUTTI I COLORI NEL BUIO, danach I CORPI PRESENTANO TRACCE DI VIOLENZA CARNALE) beruft sich auf Edgar Allan Poes Kurzgeschichte „The Black Cat“, die Martino aber zu einem finsteren Ehedrama mit deutlich gotischem Schauerbezug ausweitet. Die sadomasochistische Beziehung zwischen Oliviero und Irina erinnerte mich in der zur Schau gestellten Drastik und Ausweglosigkeit dabei sowohl an Claude Chabrols schonungslosen UNE PARTIE DE PLAISIR als auch ein wenig an Mike Nichols WHO’S AFRAID OF VIRGINIA WOOLF?: Anita Strindbergs zu Berge stehende Haare lösten bei mir jedenfalls unweigerlich diese Assoziation aus. Die Verbindung dieser beiden zunächst einmal nur schwer vereinbar scheinenden Bezüge führt dazu, dass IL TUO VIZIO über den Rahmen des Giallos, der seinen Reiz ja meist aus seinem selbstreflexiven Spiel über mehrere Metaebenen hinweg bezieht, hinausgeht und tatsächlich sehr direkt und emotional wirkt. Auch wenn Oliviero und Irina keine psychologisch ausgefeilten Charaktere sind, so geht ihr Schicksal doch deutlich näher als das so vieler ihrer Giallo-Protagonisten-Kollegen, die lediglich den Plot vorantreiben und alles in allem austauschbar sind. Es ist aber kaum abzuschätzen, wie groß der Anteil von Bruno Nicolais sprachlos machendem Score an dieser Wirkung ist: Schon in der ersten Sekunde, wenn seine tieftraurige, hoch fragile Melodie einsetzt, man dazu zwei durch die Unschärfe zu geisterhaften Schemen reduzierten Menschen beim Liebesspiel zusieht, das weiße Laken, unter dem sich ihre Umrisse abzeichnen in hartem Kontrast zum undurchdringlichen Schwarz darüber, legt sich ein dunkler Schatten aufs Gemüt, sinkt die Herzfrequenz um mehrere Schläge und es wird klar, dass es hier kein Happy End, nur Tod und Trauer zu erwarten gibt.

Bemängelte ich beim zuletzt gesehenen LA CODA DELLO SCORPIONE also noch, dass Martinos exaltierten Bildkompositionen ein nur trivialer Plot gegenübersteht, der die auf der Bildebene vermittelte Spannung nicht auf die Handlungsebene hinüberzuretten versteht, so ist IL TUO VIZIO deutlich ausgewogener, charakter- und handlungsorientierter (ohne dabei verlabert zu sein), gleichmäßiger und runder. Farblich versprüht er weniger den Esprit der Pop-Art, sondern orientiert sich seines Settings und seiner Stimmung angemessen eher an der monochromen Farbpalette des Gothic Horrors. So überwiegt hier ein tiefes Schwarz, das von kaum einladenderen Grau- und Brauntönen aufgelockert wird. Die einzigen Farbtupfer sind Edwige Fenech als jugendlich-frivole Nichte, die mir mit ihrem hier präsentierten Bubikopf zum ersten Mal richtig gut gefallen hat, und das blutrot sprudelnde Blut, das – wie von Martino nicht anders gewohnt – aus klaffenden Wunden sprudelt. IL TUO VIZIO ist in seinen Gewaltdarstellungen erneut wenig zimperlich, doch empfindet man die geschlagenen Wunden fast als Erlösung, weil sie der Seelenpein, die so konkret und doch so wenig greifbar ist, etwas Körperlichkeit entgegenhalten. Ein wunderbarer Film, für mich bislang Martinos bester und einer der stärksten Giallos überhaupt, weil er so viel mehr ist als das. Und diese Musik von Bruno Nicolai, sie lässt mich nicht mehr los …

Im Luxus-Appartementhaus von Architekt Andrea Barto (George Hilton) werden zwei junge Frauen brutal ermordet. Die frei gewordene Wohnung beziehen die beiden Fotomodels Jennifer (Edwige Fenech) und Marilyn (Paola Quattrini), nur um dann ihrerseits belästigt zu werden. Handelt es sich bei dem Täter um Jennifers Ex-Mann, einen zwielichtigen Sektenführer, oder gar um den charmanten Andrea, der Jennifer kaum noch von der Seite weicht?

Ein wortreicher Titel für einen Film, der wenig mehr ist als ein auf Hochglanz polierter Sleazebolzen – und auch gar nicht mehr sein will. Die stullige Murder Mystery mit der garantiert sinnfreien Auflösung bietet vor allem der schönen Edwige zahlreiche Gelegenheiten, ihren Prachtkörper in verschiedenen states of undress zu zeigen sowie panisch und mit weit aufgerissenen dunklen Augen den Beschützerinstinkt im männlichen Zuschauer zu wecken. Der Rest ist handwerklich kompetente, aber garantiert anspruchslose Giallo-Unterhaltung, die nie zu blutig, nie zu schmierig, nie zu doof und nie zu aufregend wird, von Giuliano Carnimeo (unter dem Pseudonym „Anthony Ascott“, unter dem er auch die beiden von wunderbaren deutschen Krawallsynchros veredelten Sartana-Western BUON FUNERALE, AMIGOS … PAGA SARTANA! und SONO SARTANA … IL VOSTRO BECCHINO gemacht hat) dafür aber mit tongue firmly in cheek inszeniert worden ist. Hier gibt es in Gestalt des trotteligen Polizeiassistenten Redi einen waschechten comic relief, der neben dem natürlich schwulen Modefotografen, dem schmierigen Nachtclubbesitzer (Luciano Pigozzi mit Koteletten), der Giallo-besessenen Oma mit dem schwachsinnigen Sohn im Kleiderschrank hauptverantworlich dafür ist, dass das blutige Treiben des Killers dem Zuschauer nie zu nahe geht, sondern immer schön auf Distanz und also Film bleibt. Richtig aufregend ist PERCHÈ QUELLE STRANE nicht, aber wer Lust auf idealtypisches italienisches Giallokino hat, kann bestimmt auch eine schlechtere Wahl treffen.

Die schöne Jane Harrison (Edwige Fenech), die immer noch vom Verlust ihres ungeborenen Kindes traumatisiert ist, wird von garstigen Albträumen geplagt, in denen ihr ein Mann mit stahlblauen Augen und einem spitzen Messer nachstellt. Ihre Sorgen werden größer, als ihr dieser Mann tatsächlich begegnet und Jane immer größere Schwierigkeiten hat, Traum und Realität voneinander zu unterscheiden. Weil ihr Mann Richard (George Hilton) nichts von einer Psychotherapie hält, empfiehlt ihre Freundin ihr den Besuch bei einer schwarzen Messe …

TUTTI I COLORI DEL BUIO beginnt fulminant: Während der Credits kann man den Sonnenuntergang über einem Naturidyll bewundern, das sich mit seiner Tierstimmenkakophonie schließlich als Horrorszenario entpuppt, danach stürzt Martino den Zuschauer in einen von Janes Albträumen, auf dessen Höhepunkt schließlich in den Autounfall überblendet wird, dem Jane den Verlust ihres Kindes zu verdanken hat. Und als wäre das noch nicht genug, schleppt sich die von diesem Traum gebeutelte Jane im Nachthemd unter die Dusche, wo sie einen Nervenzusammenbruch erleidet, während man selbst ihre sich durch den nassen Stoff abzeichnenden Brustwarzen bewundern darf. Die Weichen für einen meisterlichen Giallo sind gestellt und zumindest in der ersten Hälfte des Films kann Martino das Versprechen der ersten Minuten auch einlösen. Mehr und mehr wird Jane in den Wahnsinn getrieben und in Szenen wie jener, in der ihr Peiniger sich ihr in einem leeren U-Bahn-Abteil nähert und Lichtausfälle ihn immer wieder kurz aus ihrem Blick verschwinden lassen, sind kreuzspannend und rücken TUTTI I COLORI DEL BUIO gar in die Richtung von Mario Bavas beklemmendem Meisterwerk SHOCK. Leider jedoch kann Sergio Martino dieses hohe Niveau nicht halten. Die schwarze Messe, die eigentlich der erste Höhepunkt des Films sein müsste, büßt viel ihrer potenziellen Wirkung durch den unpassenden Score von Bruno Nicolai ein, dessen loungige Jazzklänge der unheimlichen Szene einen fast parodistischen Ton verleihen und den Eindruck der Marter, der sich Jane aus lauter Verzweiflung freiwillig unterzieht, immens abschwächen. Davon erholt sich der Film nicht mehr wirklich: Die innere Spannung, die ihn während der ersten Hälfte unermüdlich antrieb, ist dahin, die sich giallotypisch immer mehr verkomplizierende Handlung trägt ebenfalls zu kontinuierlichen Distanzierung des Zuschauers bei. Dass Gialli die aufgebauten Erwartungen mit ihrer Auflösung nur selten bestätigen können, ist keine neue Erkenntnis, doch das Finale von TUTTI I COLORI DEL BUIO kommt vor dem Hintergrund seiner zuvor offenbarten grellen Plotideen besonders angestaubt rüber.

Meine Kritik liest sich harscher, als ich den Film tatsächlich fand und vielleicht sollte ich ein abschließendes Urteil zumindest bis zu einer Zweitsichtung aufschieben. Aber im Moment überwiegt einfach noch die Enttäuschung darüber, dass Martino es nicht gelungen ist, den Schwung, den sein Film zu Beginn ohne Frage hat, bis zum Ende mitzunehmen.