Mit ‘Ennio Girolami’ getaggte Beiträge

Bei LE NOTTI DEI TEDDY BOYS kam echte Hofbauer-Kongress-Atmosphäre auf. Warum ich das so empfunden habe, ist nicht ganz leicht zu erklären. Ich schätze, es hat etwas damit zu tun, dass keiner der Anwesenden, noch nicht einmal die Kuratoren des Terza Visione selbst, Leopoldo Savonas Film zuvor gesehen hatten. Man wusste demnach nicht genau, was da kommen würde, und meine Haltung war dann auch eher ein entspanntes „Mal sehen“, als dass ich wirklich echte Erwartungen an LE NOTTI DEI TEDDY BOYS geknüpft hätte. Immerhin hatte ich aber eine ungefähre Vorstellung, was inhaltlich auf mich zukommen würde, war Savonas Film doch von den Veranstaltern – sofern das bei dem Titel überhaupt nötig war – als Vertreter des Juvenile-Delinquents-Genres enthüllt worden. Die Schlagrichtung schien somit klar: etwas Action und Crime, etwas Musik mit Fünfzigerjahre-Zeit- und -Lokalkolorit, etwas züchtiger Sex und am Ende eine konservative Moral von der Geschicht, damit die Jugend keine falschen Schlüsse zöge. Aber weit gefehlt: LE NOTTI DEI TEDDY BOYS entpuppte sich dann als ungemein lebhafter, bisweilen zum Schreien komischer Film mit wunderbarer Schwarzweiß-Fotografie und durchaus vielschichtig gezeichneten Charakteren, der das Publikum kollektiv verzückte und für viele als heimlicher Favorit hervorging.

Es geht um eine „Bande“ wohlhabender Schüler und Studenten im sommerlichen Rom: den arroganten Constantino (Corrado Pani), den immer gut gelaunten, etwas tumben Nino (Ennio Girolami) und den ruhigen Mario (Geronimo Meynier). Sie träumen nicht nur von den Mädchen, sondern auch vom großen Geld und einem Weg, es ohne Arbeit zu verdienen. Als die drei Freunde aus Spaß ein Liebespaar in seinem Auto überfallen und plötzlich bares Geld in ihren Händen halten, wissen sie, wie es geht. Außerdem erpressen sie den gutmütigen Barbesitzer Annibale (Mario Carotenuto), den sie mit seiner Geliebten erwischen. Nach anfänglicher Erfolgsserie gibt es aber irgendwann Probleme: Nicht nur wächst der Wunsch nach mehr, Mario bringt sich und seine Freunde auch in Gefahr, als er Annibale seinen Anteil von der Erpressung zurückgibt …

Ich werde jetzt icht allzu tief ins Detail gehen: Die Sichtung liegt nun schon einige Tage zurück und irgendwann will ich mit der Aufarbeitung des 2. Terza Visione-Festivals ja auch mal fertig werden. Was mir an LE NOTTI DEI TEDDY BOYS neben dem Gesamtentwurf, der Tragik und Komik, ernsthafte Gesellschaftsbetrachtung und flockiges Entertainment gekonnt vereint, am besten gefallen hat, ist Mario Carotenuto. Ich kannte den Komödianten bislang aus einigen Filmen der FLOTTE TEENS-Reihe und fand ihn dort schon sehr komisch, hier hat er nun das Glück, dass auch der Film um ihn herum toll ist. Er gibt den jämmerlichen Annibale als wild gestikulierenden, sich ständig als Opfer der Umstände inszenierenden, bemitleidenswerten Narren, der erst mit den Finanzen, dann mit den Erpressern und schließlich auch noch mit seiner bärbeißigen Gattin zu kämpfen hat. Die Szenen, in denen sie ihm übers Maul fährt und keinen Zweifel daran lässt, wer von beiden die Hosen anhat, waren die wahrscheinlich witzigsten des Fesivalwochenendes. Überhaupt zeichnete sich LE NOTTI DEI TEDDY BOYS bis in die kleinste Nebenrolle über glaubwürdige, witzige Figuren und die tollen, schlagfertigen Dialoge aus, bei denen die deutsche Synchro wahrhaft meisterliche Arbeit geleistet hat. Ein wunderbarer Film, bei dem es fraglich ist, ob man ihn noch einmal irgendwo zu Gesicht bekommen wird. Es wäre ihm zu wünschen.

KILLER CROCODILE II ist einer jener Filme, die mir in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren das Leben versüßt haben. Da platzierte RTLplus regelmäßig solche Schoten im Spätprogramm, die die hinteren Regalwände der Videotheken zu füllen pflegten, jene Regionen, in die sich nur die mutigsten und abenteuerlustigsten Filmseher verirrten, weil der vermeintlich heißeste Scheiß, eben jener, den man aus dem Kino und der Werbung kannte, den potenziellen Kunden gleich am dem Eingang erwartete. Was also in den Videotheken Staub ansetzte (und irgendwann für 4,99 auf dem Grabbeltisch landete, um von mir gekauft zu werden), das schaufelte RTL todesmutig ins Fernsehen, sorgte so dafür, dass mein Videorekorder immer gefüllt war und der Nachschub an geilen Filmen nicht versiegte: Italotrash, Horrorschrott und Actiongülle FTW!

Giannetto De Rossis KILLER CROCODILE II und sein Vorgänger, KILLER CROCODILE von Fabrizio De Angelis (an den ich mich nur erinnern kann, weil es im Sequel eine kurze Rückblende gibt), rannten bei mir gewissermaßen offene Türen ein. Zuvor hatte Sergio Martinos IL FIUME DEL GRANDE CAIMANO als DER FLUSS DER MÖRDERBESTIEN wochenlang den heimischen VHS-Rekorder blockiert (ebenfalls von RTL aufgenommen) und den Krokodilhorrorfilm in meinen Augen als ganz heißes Eisen des internationalen Films ausgewiesen. Wie mir KILLER CROCODILE II damals gefiel, weiß ich nicht mehr: Nach der Wiederbegegnung nehme ich aber an, dass ich schon damals nur mäßig begeistert war, auch wenn ich wahrscheinlich nicht in der Lage gewesen wäre, mein Missfallen näher zu begründen. Was an sich ja schon eine saukomische Aussage ist: Denn De Rossis Film dürfte einer der unbeholfensten Tierhorrorfilme überhaupt sein, und das sagt schon Einiges.

Irgendwie weiß ich nicht, wo die 80 Minuten Spielzeit bei diesem Film hingegangen sind. Sicherlich nicht in die packende Auseinandersetzung mit dem monströsen Riesenkrokodil, das aufreizend gemütlich durch sein Flüsschen schwimmt, hier und da mal ein paar hastig ins Bild gescheuchte Opfer vertilgt und am Schluss deutlich weniger Probleme macht, als vorher prognostiziert worden war: Statt der Atombombe, die der kernige Held Kevin dafür zu brauchen meint, reichen ihm dann doch ein paar lumpige Dynamitstangen, um es mit viel Krawumm in einen Eimer roter Farbe zu verwandeln. Der ganze Film besteht eigentlich ausschließlich aus dem Build-up zu dem spektakulären Finale, für das dann leider keine Zeit mehr war, ist aber dennoch auf seltsame Art und Weise unterhaltsam. Da ist die „Journalistin“ Lisa (Debra Karr), die für eine superbrisante Story in die Karibik geschickt wird, wo sie dann höchst aufreizend zwischen den grienenden Eingeborenen herumstöckelt und hochmotiviert mit einem Geigerzähler herumwedelt (es geht um illegal im Sumpf versenkten Atommüll und ein zu bauendes Luxus-Ferienresort). Bei der Erkundung des Sumpfes soll ihr eigentlich besagter Kevin helfen, der es bereits im ersten Teil am selben Ort mit einem Killerkrokodil zu tun bekommen hatte, doch beide verpassen sich und finden dann erst in den letzten zwanzig Minuten zusammen, was ihnen immer noch genug Zeit bietet, sich ineinander zu verknallen und Sex während eines Schnitts zu haben. Ein Berg von Handlung wird von De Rossi aufgetürmt, bevor er dann bemerkt, dass er die Bergsteigerausrüstung vergessen hat: Der Atommüll, das Hotel – letzten Endes spielen sie für den Film rein gar keine Rolle. Der Touristenstrom, der der Profitgier eines rücksichtslosen Geschäftsmanns zum Opfer zu fallen droht, besteht aus einem dümmlichen Pärchen mit Schwimmwesten und einer doofen Mama und ihrem hässlichen Balg. So wird das nix mit den prognostizierten „Millionen von Urlaubern“, von denen der Schurke träumt. Apropos: Wo bleibt der eigentlich am Ende des Films? Habe ich was verpasst?

Das sind aber nicht die einzigen schreienden Unzulänglichkeit des Films, dessen deutsche Freigabe ab 18 mal wieder das ganze Elend des Jugendschutzes verdeutlicht: KILLER CROCODILE II ist nämlich ein lupenreiner Kinderfilm, erdacht mit der Fantasie und dem Weltbild eines Achtjährigen und ebenso unbedarft auf Zelluloid gebannt. Die Räumlichkeiten, in denen die Zeitung entsteht, für die Lisa arbeitet, sehen aus wie der zum Sitzungsraum des TKKG-Klubs umfunktionierte Hobbykeller im Haus der Eltern, der zuständige Verleger heißt „Jim“ und eine Powerfrau zeichnet sich dadurch aus, dass sie ständig schnippische Bemerkungen macht und rumzickt. Auf illegalen Atommüllfässer steht „Radioactive“ drauf und die Halunken, die sie für den fiesen Unternehmer entsorgen sollen, träumen von der dicken Knete und den geilen Bräuten in Meiämmi. Der Held Kevin hat natürlich einen alten Freund namens Joe (Ennio Girolami), der mit einer Schlange in einem Verschlag im Busch haust und dessen Tod Gelegenheit für eine dramatische Kamerafahrt und einen lautstarken Racheschwur mit zum Himmel emporgereckten Armen bietet. Das Leben ist eine Ansammlung von aus Filmen abgeguckten und dann schlecht nachgespielten Szenen.

Bei so viel Bräsigkeit lohnt es sich fast gar nicht mehr, über die sich dem Niveau anpassende deutsche Synchro zu sprechen oder zu fragen, warum eine Frau, die nicht schwimmen kann, meint, sich auf ein Surfbrett begeben zu müssen. Wohl aber muss über den nicht so heimlichen Star des Films gesprochen werden, das Krokodil. Das wechselt, wie es in solchen Filmen schöner Brauch ist, je nach Bedarf die Größe, sieht ziemlich knorke aus, solange es sich nicht bewegt und ist offensichtlich aggressiver Vegetarier: Seine Opfer landen jedenfalls nicht in seinem Verdauungstrakt, sondern werden totgebissen und dann wieder ausgespuckt. Am Schluss, wenn Kevin mit dem Kroko tanzt, kommt eine besonders rührende Miniatur zum Einsatz, auf die man einen Barbie-Ken geklebt hat: Damit die Mogelei nicht ganz so augenfällig ist, hat man einfach mal die Schärfe runtergedreht. Way to go, Giannetto! Ja, er ist schon ein Fuchs, dieser De Rossi. Für die Latexzaubereien in den Filmen von Opa Fulci ist er zu Recht zur Legende ausgerufen worden, ähnlicher Erfolg dürfte ihm für seine Laufbahn als Regisseur verwehrt bleiben. Sein Debüt, das unfassbar behämmerte TERMINATOR-Rip-off CYBORG, IL GUERRIERO D’ACCAIO aka CY-WARRIOR werde ich mir demnächst wohl mal vorknöpfen, und nach dem KILLER CROCODILE II war dann auch schon wieder Feierabend. War das Selbsterkenntnis oder hat ihn ein wohlmeinender Freund zur Seite genommen und ihm schonend beigebracht, dass seine Filme jetzt nicht so ganz das Gelbe vom Ei sind? Man weiß es nicht. Ich hoffe, es geht ihm gut und er ist nicht zu traurig, dass die Welt kein großer Abenteuerspielplatz voller Jims, Kevins und Lisas ist.