Mit ‘Episodenfilm’ getaggte Beiträge

40915I MANIACI (zu Deutsch: Die Verrückten) ist Fulcis neunte Regiearbeit und, wie eigentlich alle seine frühen Filme, eine Komödie (die IMDb listet lediglich den unmittelbar vorangegangenen GLI IMBROGLIONI als „Drama“), genauer gesagt eine Sketchsammlung. Alle Episoden bekommen eine eigene Titeleinblendung und variieren in der Länge stark: Das kürzeste Segment, „Lo sport“, dauert nur wenige Sekunden, längere, wie etwa „La parolaccia“ oder die Schlussepisode „Il Week-end“ kommen auf Kurzfilmlänge. Inhaltlich geeint werden sie durch den kritischen, sozialistisch geprägten Blick auf das moderne Leben, auf den Kapitalismus, auf die Dekadenz (und Dummheit) der Reichen. Mit der intellektuellen Schärfe eines Elio Petri hat I MANIACI indessen rein gar nichts zu tun: Fulcis Film entspringt der eher burlesken Tradition der Commedia all’Italiana, was nicht zuletzt durch das Auftauchen des beliebten Komikerduos Franco & Ciccio in der letzten Episode unterstrichen wird. Mit dem Abstand von 50 Jahren wirkt I MANIACI mithin sowohl formal wie auch inhaltlich mehr als nur etwas angestaubt, manche Sketche lassen den Feinschliff vermissen oder ergehen sich notgedrungen in mittlerweile abgenudelten Klischees, die zwar die „richtige“ Gesinnung verraten, aber eben auch den Blick auf die Wirklichkeit verbauen, anstatt ihn zu öffnen. Der Fairness halber sei gesagt, dass es nahezu unmöglich ist, diese Komödie ohne Kenntnis der itaienischen Sprache angemessen zu beurteilen, weil jeglicher Wortwitz logischerweise verlorengeht, wenn man nur die schmucklosen Untertitel zur Verfügung hat.

Mir hat I MANIACI aller Schwächen zum Trotz durchaus Spaß gemacht: Langeweile kommt dank der Episodenform kaum auf, ein Wiedersehen mit SchauspielerInnen wie Barbara Steele oder Enrico Maria Salerno ist immer erfreulich, der Film bietet einen guten Einblick in die italienischen Befindlichkeiten in jener Zeit und der Soundtrack von Meister Morricone swingt dazu sehr angeregt. Die schönsten Episoden sind „Il pezzo antico“, in der ein ekelhaft materialistisches Ehepaar auf Antiquitätenjagd geht und in einem Kloster fündig wird, wo es das ganze Inventar inklusive Kruzifix fürs Eigenheim zu einem sensationellen Spottpreis ersteht – zumindest glaubt es das. Die Pointe zeigt nämlich den Mönch (Umberto D’Orsi), wie er beim Möbelgroßhändler anruft und die ganze Ausstattung einfach noch einmal bestellt, weil wieder irgendwelche bescheuerten Neureichen ein Heidengeld dafür hingelegt haben. In „La parolaccia“ sucht Ilario Baietti (erneut Umberto D’Orsi), ein aufstrebender Schriftsteller aus einfachen Verhältnissen, den berühmten Autor Castelli (Enrico Maria Salerno) in seiner Prachtvilla auf, um ihn um Rat zu fragen und um eine Begutachtung des neuen Manuskripts zu bitten. Der vermeintliche Dichter erweist sich als knallharter Zyniker, der dem ambitionierten Dichter rät, seine Geschichten weiter aufzusexen, um so das „System von innen zu zersetzen“, wie er sich ausdrückt. Baietti folgt seinem Ratschlag, nur um dann ausgerechnet von Castelli für seine Geschmacklosigkeiten verrissen zu werden. Das Nord-Süd-Gefälle ist das Thema von „L’autostop“, in der ein reicher Geschäftsmann aus dem Norden einen Emigranten aus dem Süden vom Straßenrand aufliest. Das folgende Gespräch der ungleichen Männer wird immer wieder per Voice-over von ihren Gedanken unterbrochen, in denen ihre auf Vorurteilen beruhenden Ängste zum Vorschein kommen: Der arme Süditaliener ist für den vornehmen Unternehmer natürlich ein ungepflegter, ungebildeter Strauchdieb, möglicherweise gar Schlimmeres, während der Anhalter seinen Günstling schließlich irgendwann für einen Perversen hält. Am Ende ergreifen beide vor dem jeweils anderen die Flucht.

Aber irgendwie spricht es Bände, dass ich die eigentlich eher unrepräsentative finale Slapstick-Epsiode mit Franco & Ciccio am schönsten fand. Hier schlägt das Herz des Films, der gern politisches Kabarett wäre, aber eben doch noch mit anderthalb Füßen im volkstümlichen Theater steht. Die beiden Komiker sind zwei Einbrecher, die bei der Ausübung ihres „Berufs“ erst von einem Liebespaar, dann vom Hausherrn und seiner Geliebten überrascht werden. Es entspinnt sich das typische Versteck- und Verwechslungsspiel, das sich über mehrere Räume erstreckt, in denen immer neue „Gefahren“ lauern, mit genau jenen Verrenkungen und Grimassen, die solch eine Prämisse erwarten lässt. Franco hat wahrhaftig eine Fresse für die Ewigkeit, aber auch Nebendarsteller Ugo Fangareggi ist toll, weil er ein Kinn besitzt, auf dem mancher Stadtstaat Platz hätte. Dem Sketch geht gegen Ende ziemlich die Puste aus, was sich auch auf I MANIACI insgesamt übertragen lässt. Fazit: Netter Zeitvertreib für Liebhaber der italienischen Komödie, in erster Linie aber wohl für Fulci-Komplettisten (und Barbara-Steele-Fans) interessant. Kann man mal machen.

 

Ein Papa (Tom Atkins) entreißt seinem jungen ein Comicheft der Reihe „Creepshow“ und schmeißt es in die Mülltonne. Der Wind blättert durch das Heft und seine Geschichten. 1. „Father’s Day“: Ein missgünstiger Ehemann und Vater kommt Jahre nach seiner Ermordung aus seinem Grab, um sich endlich seinen Vatertagskuchen von seinen Hinterbliebenen abzuholen. 2. „The Lonesome Death of Jordy Verrill“: Der geistig zurückgebliebene Farmer Jordy (Stephen King) lässt über seine Träume vom großen Geld alle Vorsicht fahren und fasst einen Meteor an, der auf seinem Grundstück gelandet ist. Bald bemerkt er an seinem Körper und im Haus überall grüne Sporen, die unaufhaltsam wuchern. 3. „Something to tide you over“: Der gehörnte Ehemann Richard (Leslie Nielsen) hat sich für eine Frau (Gaylen Ross) und ihren Geliebten (Ted Danson) etwas ausgedacht. Nahe der Flutlinie gräbt er sie im Sand ein und schaut sich ihren Todeskampf mittels Kamera bequem zu Hause an. Doch abends hört er Geräusche … 4. „The Crate“: Der Professor Dexter Stanley (Fritz Weaver) entdeckt in einer alten Kiste im Universitätsgebäude eine uralte, gefräßige Kreatur, die sogleich den Hausmeister und einen Studenten vertilgt. Er erzählt seinem alten Freund und Kollegen Henry Northrup (Hal Holbrook) davon und der hat sogleich eine Idee, wie er seine ätzende Gattin Billie (Adrienne Barbeau) loswerden kann. 5. „They’re creeping up on you“: Der misanthropische Geschäftsmann Upson Pratt (E. G. Marshall) hat panische Angst vor Bakterien und Ungeziefer und lebt deshalb in einem klinisch reinen Hight-Tech-Apartement, von wo aus er seine Untergebenen über das Telefon gängelt und kontrolliert. Doch derzeit hat er alle Hönde voll zu tun, der Kakerlakenplage Herr zu werden …

Mann, habe ich den schon lange nicht mehr gesehen! Und: Mann, war das gut, den mal wieder zu gucken! Langer Rede, kurzer Sinn: CREEPSHOW, eine aus der Feder von Stephen King stammende und von George A. Romero inszenierte Hommage an die EC-Comics, die auch die Grundlage für die britischen Verfilmungen TALES FROM THE CRYPT und VAULT OF HORROR sowie die erfolgreiche Fernsehserie TALES FROM THE CRYPT bildeten, ist vor allem ein Trumph des Designs. Unter Zuhilfenahme von wundervollen Trickfilmsequenzen, eines trick- und einfallsreichen Schnitts, der erfolgreich die Panelstruktur des Comics nachahmt (ein traumhaft schönes Comicalbum zum Film wurde ebenfalls aufgelegt), der garstig-übersteuerten Effektarbeit Tom Savinis, einer traumhaft expressiven Kameraarbeit und Lichtsetzung und der superb aufgelegten Besetzung gelingt das Kunstwerk, den Geist der Comics ohne Verlust in ein anderes Medium zu übertragen. CREEPSHOW ist bunt, ohne dabei plastikhaft, plakativ, ohne platt zu sein, bösartig, ohne je zynisch zu werden, geschmacklos, aber niemals stillos und vor allem witzig, ohne dabei den Horror zu vernachlässigen. An dieser Mischung versucht sich seit knapp zwei Jahrzehnten ein ganzes Genre, ohne auch nur annähernd die Klasse dieses Films zu erreichen (gemeint ist natürlich das fürchterliche Fun-Splatter-Kino). Große Exegesen sind dann auch gar nicht nötig, die Qualität dieses Films sticht wortwörtlich ins Auge. Nur soviel: Die alttestamentarische Moral, die diese Geschichten zu vertreten scheinen, ist ja gar nicht so klar, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Tod geht dann wohl doch nicht nur streng nach dem Regelwerk vor, sondern hat durchaus einen Sinn für dramaturgische Kniffe. Warum etwa der Rachemord des betrogenen Richard Vickers eher geahndet gehört als das ja kaum weniger heimtückische Vergehen des baven Henry Northrup, darüber könnte man sicher lange Diskussionen führen.

In einem Bürogebäude besteigen fünf Männer den Aufzug, der sie jedoch erst im „Sub-Basement“ entlässt. Weil es dort keinen Ausgang gibt, beschließen die Männer das Beste aus ihrer Lage zu machen. Sie setzen sich zusammen, gießen sich einen edlen Tropfen ein und beginnen über ihre Albträume zu sprechen: 1. Harold Rogers (Daniel Massey) kehrt in einem Restaurant ein, nachdem er seine Schwester ermordet hat. Doch das Etablissemnt hat eine sehr spezielle Klientel … 2. Der penible Arthur Critchit (Terry-Thomas) terrorisiert seine in häuslichen Dingen etwas ungeschickte Gattin Eleanor (Glynis Johns) mit seinem Ordnungswahn. Als sie versucht, ein ihr in seiner Abwesenheit unterlaufenes Malheur zu beheben und dabei alles nur noch schlimmer macht, kommt es zum Konflikt … 3. Der Zauberkünstler Sebastian (Curd Jürgens) stößt bei seinem Indienaufenthalt auf eine Frau, die ihm einen verblüffenden Seiltrick vorführt, sich jedoch weigert, ihn zu verkaufen. Sebastian greift zu drastischen Maßnahmen, doch er findet keine Freude an dem neu erworbenen Trick … 4. Maitland (Michael Craig) täuscht seinen Tod vor und lässt sich lebendig begraben., um seine Lebensversicherung einzustreichen. Ein Freund soll ihn rechtzeitig exhumieren. Doch der macht sich mit der Belohnung aus dem Staub und stattdessen machen sich zwei mittellose Medizinstudenten an Maitlands Grab zu schaffen: Sie brauchen dringend einen Körper, um für ihr Examen zu lernen … 5. Der in der Karibik lebende Maler Moore (Tom Baker) findet heraus, dass er betrogen wurde: Seine Bilder sind für viel mehr Geld verkauft worden, als er jemals dafür bekommen hat. Er sucht einen Voodoo-Priester auf, dessen Zauber ihm die Fähigkeit verleiht, Bilder als Vodoopuppen-Äquivalent zu malen. Zwar hat er in der Folge viel Freude an den Porträts der Übeltäter, doch muss er dafür sein Selbstbildnis hüten wie seinen Augapfel …

Die von Roy Ward Baker inszenierte Forsetzung von TALES FROM THE CRYPT, basiert wie jener auf Geschichten der gleichnamigen Comicserien aus der Feder von William Gaines, teilt mit dem direkten Vorgänger die meisten von dessen Stärken und Schwächen, fällt insgesamt aber noch eine Ecke unspektakulärer als jener aus. Der Gewaltanteil wurde noch einmal reduziert: Für einen Horrorfilm ist THE VAULT OF HORROR ziemlich ungrafisch und gleich zweimal wird der blutige Höhepunkt nur wenig elegant mittels Freeze Frame festgehalten und so entschärft. Mit der zweiten Episode, „The Neat Job“, gibt es sogar eine offen komödiantisch angelegte Geschichte, die mit Terry-Thomas aber brillant besetzt ist und so neben der letzten und längsten Episode zum Höhepunkt des Films avanciert. Diese, „Drawn and Quartered“ betitelt, schließt dann auch noch einmal an die Highlights „Poetic Justice“ und „Blind Alley“ aus TALES FROM THE CRYPT an, leider aber ohne dabei wie diese ein wirklich griffiges, nachhaltiges Bild zustande zu bringen. THE VAULT OF HORROR bietet 90 Minuten lang sehr akzeptables und natürlich vor allem sehr sympathisches Entertainment – wer britische Horrorfilme jener Zeit mag, der wird auch hier nicht wirklich enttäuscht werden -, aber ihm fehlt der letzte Kick, ein großer Besetzungscoup, ein knackiger Spezialeffekt, eine gruselige Maske oder eben ein besonders sadistischer Einfall. Exemplarisch dafür stehen die Episoden drei und vier, aus deren Prämisse man sehr viel mehr hätte machen können und deren jeweilige Auflösungen nicht das halten können, was der Aufbau noch versprochen hatte. Der Vorteil an dieser „Unterperformance“: Die Rahmenhandlung, die wie schon jene in TALES FROM THE CRYPT sehr einfallslos und unfertig rüberkommt, verpasst dem Film keinen Dämpfer, sondern fügt sich weitaus besser ins Gesamtgefüge ein. Das klingt jetzt sehr böse und hört sich so an, als hätte ich den Film überhaupt nicht gemocht. Das stimmt nicht, er hat mir aller objektiven Schwachpunkte zum Trotz gut gefallen und durchaus Freude gemacht. Aber seine Stärken sachlich-objektiv zu verargumentieren ist nicht so einfach: Man muss einen Draht zur Stimmung dieser Filme haben, sich in ihre unaufgeregte Art, ihren Tongue-in-cheek-Humor einfinden und am besten – hier tut sich eine Parallel zwischen dem britischen Horrorfilm der Sechziger und Siebziger und dem dem italienischen Exploitationkino auf – eine Beziehung zu den Akteuren haben, die sie bevölkern, um sie richtig genießen zu können. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, dann liebt man diese Filme allesamt, ganz unabhängig von ihren jeweiligen Stärken oder Schwächen. Ich befinde mich in dieser glücklichen Lage, deswegen ist THE VAULT OF HORROR auch nur ein weiteres Puzzlesteinchen in einem großen Gesamtbild, das ich in meinem Filmseherherzen mit mir herumtrage – und auf dessen Unversehrtheit ich, analog zum Protagonisten der letzten Epsiode, auch in Zukunft sehr gut aufpassen werde.

Fünf Personen besichtigen eine alte Gruft. Dort erwartet sie bereits ein Mann, der sie fragt, wo sie herkommen und was sie an diesen unwirtlichen Platz führt. Die Personen erinnern sich: 1. Heiligabend: Joanne Clayton (Joan Collins) hat soeben ihren Gatten ermordet, als sie im Radio hört, dass ein Irrer im Weihnachtsmannkostüm umgeht. Wenig später klopft es an ihre Tür … 2. Carl Maitland (Ian Hendry) betrügt seine Gattin mit einer jüngeren Frau, mit der er ein neues Leben beginnen will. Bei einer Autofahrt geraten beide in einen schweren Unfall. Als Carl das Bewusstsein wiedererlangt, ist seine Geliebte verschwunden und alle Menschen, denen er begegnet, nehmen schreiend vor ihm Reißaus … 3. Das hutzelige Häuschen des Witwers Grimsdyke (Peter Cushing) ist einem reichen Grundstücksbesitzer ein Dorn im Auge. Mit perfiden Mitteln treibt er den alten Mann schließlich an einem Valentinstag in den Selbstmord. Genau ein Jahr später erhält er selbst eine Valentinstagskarte … 4. Der Unternehmer Ralph Jason (Richard Greene) hat sich mit dubiosen Finanzspekulationen hoch verschuldet. Eine Statue, die er und seine Frau vor Jahren aus dem Urlaub mitgebracht haben und die ihrem Besitzer angeblich drei Wünsche gewähren soll, soll Abhilfe schaffen. Doch die Wünsche gehen allesamt nach hinten los …
5. Der eiserne Major William Rogers (Nigel Patrick) übernimmt die Leitung eines Heims für Blinde und beginnt sein Regiment mit eiserner Hand. Der blinde George Carter (Patrick Magee) mahnt ihn zur Nachsicht mit den Bewohnern, doch der ehemalige Soldat hört nicht auf ihn. Als einer der Blinden verstirbt, bekommt er die Quittung serviert …

Die erste Verfilmung von Geschichten der populären gleichnamigen amerikanischen Horrorcomics von William M. Gaines fügt sich relativ nahtlos in die Reihe der Episodenfilme ein, mit der die britische Produktionsfirma Amicus den schwächelnden Hammer-Studios in den Siebzigerjahren Konkurrenz machte. Statt des grellen Humors und der saftigen Splattereffekte, die die späteren Fernsehadaptionen der Comics in den USA auszeichneten, setzt Freddie Francis auf etwas leisere, aber kaum weniger humoristische Töne. Und das steht den Schuld-und-Sühne-Geschichten sehr gut zu Gesicht, weil ihr menschlicher Kern so stärker betont wird, wo die genannten US-Episoden sich doch eher in den sadistischen Rachefantasien ergehen: Sie bieten vielleicht mehr Schauwerte, sind aber eben auch eindimensionaler. Zentrum von TALES FROM THE CRYPT ist eindeutig die dritte Episode namens „Poetic Justice“. Sie profitiert von der Besetzung mit dem großartigen Peter Cushing als liebenswerter, kinder- und tierfreundlicher Witwer Grimsdyke, einer Rolle, die etwas abseits seiner sonstigen asketischen Vernunftmenschen angesiedelt ist und dank seiner herzzerreißenden Darbietung das emotionale Zentrum des Films bildet. Auf ähnlichem Niveau befindet sich die finale Episode „Blind Alleys“ um Patrick Magee, die gemeinsam mit „Poetic Justice“ auch rein längenmäßig den Löwnenateil des Films ausmacht. Die drei restlichen Episoden mit ihrer Laufzeit von gerade einmal zehn bis fünfzehn Minuten  verkommen gegenüber diesen Glanzlichtern leider zu besserem Füllmaterial. Es ist eben nicht ganz leicht, in dieser Kürze einen funktionierenden Spannungsbogen zu entwickeln. Trotzdem haben auch diese Episoden einen unverwechselbaren makaber-staubigen Charme und vielleicht profitieren sie sogar von ihrer knackigen Kürze: Dass sie nicht gerade wahnsinnig originell sind, fällt so jedenfalls kaum ins Gewicht.

Einziger echter Schwachpunkt des Films ist somit die Rahmenhandlung, die ihren Alibicharakter nicht verbergen kann, sehr halbherzig wirkt und darüberhinaus auch nicht wirklich Sinn ergibt: Es stellt sich – für jeden Kenner solcher Filme absolut vorhersehbar – heraus, dass alle fünf Personen Tote sind, die in der Gruft quasi Zwischenstation auf ihrem Weg zur Hölle machen. Ihre in den Episoden geschilderten Taten sind die Sünden, für die sie nun ihre vermeintlich gerechte Strafe bekommen, was ziemlich gemein ist, wenn man bedenkt, dass sie diese doch bereits in Form eines äußerst unangenehmen Todes erhalten haben. Das darf man schon als schludrig bezeichnen. Natürlich ist die Rahmenhandlung bei einem solchen Film nicht wirklich entscheidend, weil es in erster Linie doch um die Episoden selbst geht, aber dass man auch diese lästige Pflicht mit Kreativität und Sorgfalt erfüllen kann, beweist etwa der wie TALES FROM THE CRYPT ebenfalls von Milton Subotsky gescriptete und Freddie Francis für die Amicus inszenierte DR. TERROR’S HOUSE OF HORRORS von 1965. Vielleicht war die Luft sieben Jahre später auch einfach etwas raus.

Halloween: Im bunten kostümierten Treiben begegnet der Zuschauer einem spießbürgerlichen Lustmörder  (Dylan Baker), weiblichen Werwölfen, rachsüchtigen  zombiefizierten Kinderleichen, einem grummeligen Halloweenhasser (Brian Cox) und schließlich dem Geist des Halloweenfests selbst …

trickrtreat2008posterTRICK ‚R TREAT ist so etwas wie Reparation, die der auf Süßigkeiten und Gruselmasken reduzierte Feiertag vom überidealisierten Weihnachtsfest bekommt: ein Weihnachtsfilm für Halloween, sozusagen. In kurzen, aber nicht nacheinander erzählten, sondern ineinander verwobenen Episoden erzählt Dougherty seine kleinen Geschichten, die zwar kaum mehr Nährwert haben, als die Süßigkeiten, mit denen sich die Kinder im Film die Taschen voll machen, der aber seinen Zweck vollkommen erfüllt. Die Fotografie ist herrlich stimmungsvoll und herbstlich, der Film fängt die karnevaleske Atmosphäre des Halloweenfests perfekt ein und versetzt einen gut 20 Jahre in die Vergangenheit. TRICK ‚R TREAT erinnert frappierend an Episodenfilme wie CREEPSHOW, die Horror mit Humor zu paaren verstanden, ohne sich in Funsplatter-Exzessen, Pennälerhumor und Furzwitzen zu ergehen, die sich damit begnügten, 90 Minuten leicht zu unterhalten und sich nicht um jeden Preis mit dem Ruch der Relevanz schmücken mussten, um sich wichtig zum machen. Eine runde, rundum sympathische Sache.