Mit ‘Eric Karson’ getaggte Beiträge

hell_camp_coverDie Offizierin Casey (Lisa Eichhorn) meldet sich für einen Speziallehrgang, bei dem sie mit anderen Freiwilligen die Inflitration einer Insel erproben soll. Gemeinsam mit dem erfahrenen Piloten Logan (Tom Skerritt) bildet sie ein Team, das unerwartet schnell und problemlos das Ziel erreicht. Doch dann werden die beiden von den Männern der „Gegenseite“ gefasst und in ein Gefangenenlager verschleppt, das von Becker (Anthony Zerbe) und seinem Untergebenen Stafford (Richard Roundtree) mit unerbittlicher Härte geleitet wird. Handelt es sich wirklich nur um eine realistische Übung?

Eric Karson, der den meiner Meinung nach nahezu unansehbar öden Norris-Film THE OCTAGON verbrochen hat, legt mit OPPOSING FORCE ein kleines, abgründiges und hinterfotziges Meisterstückchen hin, dessen Betitelung sowohl im Original als auch in der deutschen Fassung irreführend ist: Bei seinem Film handelt es sich nämlich mitnichten um einen Vertreter des damals so populären Actionfilms, sondern eher um einen Thriller, der sich durch leichte Justierung einiger Stellschrauben gar in einen überaus fiesen Horrorfilm verwandeln würde. Die zugrundeliegende Idee einer aus dem Ruder laufenden Übung ist perfide und besitzt post-Guantanamo immer noch einige Sprengkraft. Das Szenario ist aber auch deshalb so spannend, weil Casey und ihre Kameraden die ganze Zeit über nicht wissen, ob die Qualen, denen sie ausgesetzt werden, nicht doch nur Teil der harten Ausbildung sind. Diese Ungewissheit hält Karson beinahe über die volle Distanz. Heute würde OPPOSING FORCE wahrscheinlich mit einer großen Schlussoffenbarung kaputtgemacht werden, etwa der, dass Becker eine geheime Mission verfolgt oder mit fremden Mächten im Bunde ist, Karson hingegen verzichtet auf einen solchen Clou. Man kann noch nicht einmal sagen, dass Becker abtrünnig geworden wäre: In der Isolation der Insel ist er einfach über das Ziel hinausgeschossen und seine Untergebenen haben das mitgetragen, weil ihnen die Außenperspektive fehlte. APOCALYPSE NOW ohne Halluzinogene quasi.

Ein geschickter Schachzug ist auch die Entscheidung, eine Frau zur Hauptfigur des Filmes zu machen. Nicht nur, weil es in OPPOSING FORCE auch um das Militär als Männerwelt geht, sondern vor allem, weil dadurch auch die Sexualität als Zielscheibe von Folter ins Blickfeld rückt. Man muss es Karson hoch anrechnen, dass die entsprechenden Szenen nie ins Schmierig-Voyeuristische abgleiten, sondern die Würde seiner Hauptfigur bewahren. Die Vergewaltigung Caseys durch Becker, die den Wendepunkt des Films markiert, empfindet man etwa als besonders niederträchtigen Übergriff, weil es die Offizierin innerhalb dieser Männerwelt noch einmal besonders diskriminiert. Ein starker, unerwartet unangenehmer, schmerzhafter und intelligenter Film.

the octagon (eric karson, usa 1980)

Veröffentlicht: September 29, 2008 in Film
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Eine Terrororganisation murkst und meuchelt sich quer durch die Weltgeschichte. Als der Karatechamp Scott James (Chuck Norris) durch Zufall in ein Attentat involviert wird, an dem ein auch paar Ninjas beteiligt sind, hat er eine furchtbare Ahnung: Sein abtrünniger Stiefbruder Seikura (Tadashi Yamashita), zusammen mit Scott der letzte in der Kunst des stillen Tötens unterwiesene Kämpfer, muss irgendetwas mit den Anschlägen zu tun haben. Und tatsächlich werden irgendwo in der Einöde Freiwillige von ihm zu Ninjas ausgebildet …

Die Meriten von THE OCTAGON lassen sich schnell zusammenfassen: Ihm kommt die Ehre zu, den Ninjamythos noch vor der umtriebigen Cannon für den Actionfilm urbar gemacht zu haben, die erst ein Jahr später den allerdings ungleich besseren ENTER THE NINJA auf den Markt warf. So finden sich in Karsons Norris-Vehikel schon viele Elemente, die später einfach nur noch übernommen wurden: die Rivalität der ungleichen Brüder, die in Rückblenden wieder aufgerollt wird, und die lustigen Trainingseinlagen, denen die Söldner ausgesetzt werden, findet man sowohl in der erfolgreichen AMERICAN NINJA-Reihe als auch in der dieser vorangehenden Ninja-Trilogie der Cannon wieder. John Fujioka, der hier Scotts Ziehvater gibt, sollte seine Rolle in AMERICAN NINJA ebenso wiederholen wie Yamashita die seine als böser Obermotz. Leider hat THE OCTAGON abgesehen von seinem Status als Inspirationsquelle kaum etwas zu bieten: Dramaturgie und Inszenierung kommen über Fernsehserien-Standard nicht hinaus und die Actionszenen sind überaus sparsam über die ungewöhnlich üppige Laufzeit von 105 Minuten verteilt. Wenn der Showdown nach 90 langen Minuten endlich beginnt, hat Karson die Geduld seiner Zuschauer längst über Gebühr strapaziert und ihr Interesse verspielt. Es ist vollkommen unverständlich wie umständlich und überkompliziert THE OCTAGON strukturiert ist: Von Action fehlt über weite Strecken des Films jede Spur, stattdessen muss der Zuschauer eine uninteressante und unansehnliche Dialogszene nach der anderen über sich ergehen lassen. Zu diesem Manko gesellen sich vollkommen unerklärliche Schachzüge wie jener, Scotts Gedanken mittels eines unverständlich geflüsterten und mit Hall versehenen Voice Over hörbar zu machen, was nicht nur vollkommen überzogen und albern wirkt, sondern  den Protagonisten zu allem Überfluss auch noch der völligen Lächerlichkeit preisgibt. Natürlich tut auch Norris das Seine, um diesen Eindruck durch sein hölzernes, unbeholfenes Spiel zu unterstreichen: Man sieht ihm teilweise geradezu an, wie er die Anweisungen des Drehbuchs memorieren muss, bevor er sie dann mechanisch ausführt. Letzten Endes muss man das Versagen des Films aber ganz klar dem Regisseur anlasten, der aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln rein gar nichts macht. Eigentlich müsste man sich darüber ärgern, wie hier jedes durchaus vorhandene Potenzial ungenutzt bleibt, aber nach durchlittener Spieldauer ist keinerlei Energie mehr für solche Temperamentsausbrüche übrig. Man ist einfach nur froh, dass es vorbei ist.