Mit ‘Ethan Maniquis’ getaggte Beiträge

Der mexikanische Agent „Machete“ (Danny Trejo) muss dabei zusehen, wie seine Frau vom Drogengangster Torres (Steven Seagal) umgebracht wird, die folgende, eigene Hinrichtung überlebt er jedoch und taucht Jahre später im politisch umkämpften texanisch-mexikanischen Grenzland auf der Seite der USA wieder auf. Dort wird er vom schmierigen Michael Booth (Jeff Fahey) beauftragt, Senator John McLaughlin (Robert De Niro) umzubringen, der einen elektrischen Grenzzaun errichten will, um illegale mexikanische Immigranten abzuwehren. Machete nimmt den Auftrag an, doch dann kommt ihm  bei der Erschießung jemand zuvor. Mithilfe der Polizeibeamtin Sartana (Jessica Alba) kommt er einem Komplott auf die Schliche, hinter dem niemand Geringeres als sein Erzfeind Torres steckt …

MACHETE ist, so viel sollte bekannt sein, das von einigen herbeigesehnte Spin-off eines zu GRINDHOUSE-Tagen frenetisch gefeierten Fake-Trailers von Robert Rodriguez, mit dem der Regisseur seinerzeit amerikanisch-mexikanischer Exploitation und dem Chicks-with-Guns-Subgenre Tribut zollte. Das Auswalzen dieses Trailers auf Spielfilmlänge gelingt Rodriguez vor allem dadurch, dass er seine Geschichte um den mexikanischen Supermann mit der Machete mithilfe vieler schillernder Nebenfiguren aufbläst. Durchaus zum Vorteil des Zuschauers: Die Auftritte von Robert De Niro, der hier zum ersten Mal seit x Jahren von seiner totgerittenen Masche des grimmigen Hardliners abweicht (OK, ein Hardliner ist er hier auch), von Don Johnson als Anführer einer Gruppe von Vigilanten, die die Grenze nach illegalen Einwanderern absuchen, oder von Seagal, der sich für weitere bizarre Schurkenrollen empfiehlt, lassen einem das Herz aufgehen und über das große, große Manko des Films hinwegsehen: Im Grunde seines Herzens ist Rodriguez nämlich ein richtiger Mainstreamer.

Wenn er in der Eröffnungssequenz das Bild mit entsprechenden Effekten auf alt trimmt, um das Siebzigerjahre-Bahnhofskino-Flair zu erzeugen, um das es in MACHETE ja nicht zuletzt geht, diese Sequenz dann aber mit deutlich als solchen zu identifizierenden CGI-Splattereffekten würzt, den erzeugten Eindruck somit selbst wieder zerstört, dann ist damit schon gesagt, woran es MACHETE mangelt: an Authentizität und einer gewissen Selbstdisziplin. Vom Kanon bizarrer Billigfilme, den ja auch Spezi Tarantino regelmäßig herunterbetet, hat sich Rodriguez vor allem bildlich inspirieren lassen: der tätowierte, vernarbte Ex-Federal-Agent mit Machetenvorliebe, der rassistische texanische Politiker, die heiße Blonde mit dem Vaterkomplex, die sich zum Schluss von der Hure in eine Heilige verwandelt (Lindsay Lohan überraschend freizügig), der griechische Hitman Osiris Amanpour (Tom Savini in einer Nebenrolle), die einäugige Amazone mit dem Riesenballermann (Michelle Rodriguez darf die Apotheose ihres eigenen Rollenklischees geben), der sonnenbebrillte Cowboy mit den Koteletten. Diese Figuren verquirlt Rodriguez zu einer Geschichte, die aller angeblicher Anstößigkeit zum Trotz erstaunlich glatt rüberkommt und nur wenig von der elliptischen, antiklimaktischen Holprigkeit jener Filme hat, die doch eigentlich referenziert werden sollen.

Diese Glätte kann man nicht zuletzt auf den Jessica-Alba-Charakter zurückführen, der dem eigentlichen Protagonisten Machete zur Seite gestellt wird, um dem Durchschnittskinogänger, der sich schwer tut, einen 60-jährigen, über und über tätowierten und verlebten mexikanischen Ex-Knacki, den er zudem nur aus Nebenrollen kennt, als Identifikationsfigur zu akzeptieren. Die Illusion, einen schmierigen Bahnhofskinofilm zu sehen, verflüchtigt sich spätestens, wenn Alba auf dem Bildschirm erscheint und langweilige Dialogszenen Exposition betreiben sollen, mit der sich die Vorbilder nie lang aufgehalten haben. Das ist typisch für den Film, der bei allem Exzess strukturell völlig steif und leblos wirkt, noch jedes kleine Plothole zu stopfen und alle Figuren mit einer schönen Motivation auszustatten versucht, anstatt sich um solchen wohlfeilen Quark einfach einen Dreck zu scheren.

Vielleicht tut man MACHETE aber auch Unrecht, wenn man ihn auf seinen Referenzcharakter reduziert. Seine Story, in der ein Mexikaner einen rassistischen Politiker umbringen soll, damit die US-amerikanische Wirtschaft weiterhin von den billigen Arbeitskräften, die illegale mexikanische Einwanderer nunmal sind, profitieren kann, ist deutlich brisanter, als es der vordergründig auf Spaß und Thrill gebürstete Film vermuten lässt. Ich habe mich streckenweise schon ganz gut amüsiert mit MACHETE, aber irgendwie fällt mir doch vor allem ein Wort zu ihm ein: Brav. Das ist denkbar weit am Ziel vorbei.