Mit ‘Eugenio Martin’ getaggte Beiträge

golden-goddess-of-rio-beni-movie-poster-1964-1020188651Ein Pilot verschwindet irgendwo über dem unergründlichen Amazonas-Gebiet Brasiliens. Seine beiden Freunde Jim (Pierre Brice) und Tom (Harald Juhnke) pfeifen auf die Befehle ihres Vorgesetzten und beschließen sich auf die Suche nach Harry zu machen, den sie im Gebiet eines Stammes von Kopfgeldjägern vermuten. Als Team schließt sich ihnen eine hoch dubiose Truppe an: der undurchsichtige Kapitän Jeff (Hans von Borsody), der Säufer Bernard (René Deltgen), der die Sprache der Eingeborenen spricht, seine von ihm entfremdete Gattin Dinah (Emma Penella) sowie die beiden verschlagenen Gauner Trent und Snake. Letztere machen mit Jeff gemeinsame Sache und lassen den Suchtrupp bald im Stich: Im Gebiet der Kopfgeldjäger soll nämlich die „Goldene Göttin“ versteckt sein, ein sagenumwobener Goldschatz …

Über DIE GOLDENE GÖTTIN VOM RIO BENI muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren: Es handelt sich um einen zur damaligen Zeit weitestgehend herkömmlichen Abenteuerfilm mit allen Zutaten, die man erwarten darf. Brice und Juhnke geben das gut gelaunte, edelmütige Kumpelpaar, wobei Brice natürlich der romantischere, Juhnke der etwas hemdsärmeligere Part zukommt. Als Tom stürzt der berühmte Berliner Allround-Künstler gleich nach der Landung in Rio ins Nachtleben und glotzt den schönen Sambamädels nach, doch als Jim seine Hilfe braucht, ist er sofort zur Stelle. Gedankt wird es ihm nicht, es ist der schöne Jim, der das unverschämte Glück hat, ausgerechnet bei einem Eingeborenenstamm auf die sinnliche Blondine Aloa (Gillian Hills) zu treffen, die er an Ort und Stelle heiratet. René Deltgen hat eine sehr schöne Rolle als depressiver Säufer abbekommen, der die Expedition als Entziehungskur betrachtet und neue Hoffnung, auch in der maroden Ehe mit Dinah, schöpft, Hans Borsody hingegen gibt den schurkischen Verräter. Es gibt einen freundlichen gesonnenen Stamm mit lustig radebrechendem Eingeborenensidekick, eine Schatzkarte, die aussieht als sei sie von einem 12-jährigen Tolkienverehrer gezeichnet worden, sowie wilden Kopfjäger, gefährliche Tiere, Sprengladungen und gemeine Fallen.

Interessant wird der unterhaltsame Film vor allem zum Ende, wenn er sich dem wenig später entstandenen Kannibalenfilm annähert, erstaunlich zupackend und spannend wird und überraschend unheimliche und drastische Bilder findet. Ich vermute, dass der im Vorspann nicht erwähnte Regisseur Franz Eichhorn daran nicht unerheblichen Anteil hatte, auch wenn die Actionsinzenierung auf einen jüngeren Urheber schließen lässt (Eichhorn war 1964 bereits 60, Martin schlappe 20 Jahre jünger). Es ist schwierig, auf die Schnelle etwas über den Filmemacher und Produzenten herauszufinden, aber seine Filmografie beinhaltet mehrere unter brasilianischer Ägide gedrehte Filme, darunter auch einen namens MUNDO ESTRANHO von 1951, zu Deutsch: DIE GÖTTIN VOM RIO BENI. Ich vermute, dass er – offensichtlich ein Kenner Brasiliens – dafür sorgte, dass eine gewisse Authentizität gewahrt blieb und Martin zur Seite stand – oder von diesem ersetzt wurde. Belegen kann ich das nicht, auch das Booklet, das der bei Filmjuwelen erschienenen DVD beiliegt, schweigt sich über Eichhorn aus, schreibt den Film allein Martin zu. Für meine These spricht die Tatsache, dass Martin 1964 noch am Anfang seiner Filmkarriere stand und gerade erst zwei Spielfilme gedreht hatte (er sollte wenig später einige Italowestern sowie den schönen HORROR EXPRESS drehen). Was ich hier schreibe, ist alles rein spekulativ, für DIE GOLDENE GÖTTIN VOM RIO BENI jedenfalls hat sich die Doppelbesetzung des Regiestuhls bezahlt gemacht.

Fazit: Ein schöner Sonntagmittag-Timewaster, der dank des Finales deutlich über dem meist eher etwas biederen Abenteuerfilm-Durchschnitt liegt.

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Der Anthropologe Prof. Dr. Alexander Saxton (Christopher Lee) hat im ewigen Eis der Mandschurei ein eingefrorenes menschenähnliches Urzeitwesen geborgen, das möglicherweise das fehlende Glied in der Evolutionskette ist und das er in einer Kiste mit dem Zug nach England transportiert. Als an Bord mehrere Passagiere tot und mit vollständig weißen Augen aufgefunden werden, stehen Saxton und sein Kollege Dr. Wells (Peter Cushing) vor einem Rätsel, bis sie die Kiste schließlich leer auffinden …

Der Spruch, mit dem der Film auf der DVD-Hülle beworben wird, ist so blödsinnig wie er irreführend ist: „Einer der letzten großen Horrorklassiker“, heißt es da. So schön ich HORROR EXPRESS auch finde, er ist sicherlich kein großer Klassiker, sondern eher eine genregeschichtliche Kuriosität, die mit ihren kongenialen Besetzungscoups zwar die Nähe zu den Hammer-Filmen sucht und sich als vordergründiger Verwandter des Gothic Horrors Hammer’scher Provenienz ausgibt, seine pulpig-eurotrashigen Wurzeln aber – zum Glück! – nie zu verbergen weiß. Eugenio Martins Film entpuppt sich als pralle Collage verschiedenster Einflüsse, die eigentlich nie dazu bestimmt waren, zusammengeführt zu werden, und gewinnt, weil er nie zum bloßen Zitatekino gerinnt, sondern seine wüste Geschichte, die an ein besonders beknacktes Horrorcomic erinnert, mit diesem heiligen Ernst erzählt, der das spanische Genrekino jener Tage so liebenswert macht: Heute wäre HORROR EXPRESS überhaupt nicht mehr denkbar.

Da machen Lee und Cushing die haarsträubendsten wissenschaftlichen Entdeckungen – unter anderem entnehmen sie dem Augapfel des Monsters ein Sekret, in dem sie unter dem Mikroskop dann dessen letzten Sinneseindruck erkennen können: das Bild seines Opfers! – und bleiben dabei gemäß ihrer britischen Art völlig regungslos, während Silvia Tortosa und Helga Liné die typischen damsels in distress geben, ohne zu bemerken, dass es in diesem Film keinen schönen Recken gibt, der sie retten könnte. Alberto de Mendoza frönt als Mönch, der die Präsenz des Bösen von Anfang an gespürt hat und schließlich zu dessen Helfershelfer wird, dem südländischen Overacting (er erntet vom Monster den besten antiklerikalen Diss des Films: „In ihrem Kopf ist nichts, was mir von Nutzen sein könnte.“), dessen krasses Gegenteil Telly Savals verkörpert, der erst zum Schluss mal ganz entspannt reinschaut, mit seinem ultracoolen Kurzauftritt aber dennoch ganz schön Eindruck zu schinden weiß. So richtig schön ist HORROR EXPRESS aber eben wegen seines irgendwie kindlichen Gemüts: Die ganze Geschichte um das Monster und seine Fähigkeiten ist ebenso grell wie das Weiß in den Augen seiner Opfer, die sich am Ende bis zur Decke stapeln und in einem tollen Showdown nochmal wiederauferstehen dürfen. Überhaupt diese Make-up-Effekte: Aus technischer Sicht mögen sie fadenscheinig sein, aber sie sind saumäßig effektiv. Der ganze Film hat eine visuelle Qualität, die einen sofort an mit weitschweifigem Pinselstrich und kräftigen Farben gemalte Schauergeschichten erinnert, die heute gänzlich aus der Mode gekommen und von gleichförmigen nihilistisch-tristen und „realen“ Horrorszenarien abgelöst worden sind. Allzu gern lasse ich mich auf so eine saftige Schauermär wie HORROR EXPRESS ein, die in ihrer Verbindung von ungelenker Murder Mystery, tumber Monsterposse und fehlgeleiteter Science Fiction, unterkühlter Inszenierung, vorgetäuschter classiness und dreist erlogener Geschichte, Schauspielern, die wie aus unterschiedlichen Universen zusammengecastet wirken, steifer englischer Synchro und dem Wechsel von klaustrophobischen Innenaufnahmen mit zur Auflockerung eingestreuten Totalen des Zugs etwas an sich hat, das ich einfach nicht in Worte fassen kann, ohne Kettensatzmonster wie dieses hier zu produzieren. Vielleicht ist das Magie.