Mit ‘Eurospy’ getaggte Beiträge

Das gab’s noch nie: Die drei Stars der Karl-May-Reihe, Pierre Brice, Lex Barker und Stewart Granger, vereint in einem einzigen Film! Und noch dazu Karin Dor, unvergesslich als Winnetous Gspusi Ribanna in WINNETOU 2. TEIL! Das war das Versprechen des Films, seine Unique Selling Proposition, um es mal in Marketingsprech zu sagen, und die Produzenten waren anscheinend so angetan von dieser Idee, dass die Notwendigkeit, eine richtige Story um diesen Besetzungscoup herum zu stricken, ihnen offensichtlich zweitrangig erschien. So ist GERN HAB ICH DIE FRAU’N GEKILLT also ein Episodenfilm geworden, in dem die drei Stars doch wieder fein säuberlich voneinander getrennt in unterschiedlichen Segmenten agieren, die in Wien (Granger), Rio (Barker) und Rom (Brice) spielen, und also doch nicht „gemeinsam“ auftreten.

Die Rahmenhandlung dreht sich um einen vermeintlichen Mädchenmörder (Peter Vogel), der sich auf der Flucht vor der Polizei im Haus von Professer Alden (Richard Münch) versteckt und von diesem im Verlauf des Abends drei Geschichten zu hören bekommt, die fuck all mit seinem Schicksal zu tun haben, aber egal. Episode eins ist die beste des Films und lässt Granger als mondäner Privatdetektiv David Porter in einer Mordsache in Wien ermitteln – natürlich zu Zithermusik. Dieser Teil des Films ist mit Leichtigkeit sauber inszeniert mit einigen schönen, stimmungsvollen Bildern des nächtlichen Wiens und gut aufgelegten Darstellern. Neben Granger, der diese versnobten Gentlemänner im Schlaf beherrscht, gefällt vor allem Walter Giller als sein freundlicher Butler. Episode zwei fällt dann schon massiv ab und schickt Pierre Brice als Geheimagent Brice (haha!) nach Rom. Worum es geht, ist zweitrangig, die ganze Geschichte wirkt wie aus unattraktiven Resten zusammenstückelt, ein bemüht lustiger Voice-over-Kommentar sowie alberne Soundeffekte versuchen zu retten, was zu retten ist. Es misslingt. Episode drei schließlich lässt den Privatdetektiv Glenn Cassidy (Lex Barker) von Los Angeles nach Rio jetten, um ein Komplott aufzudecken. Karin Dor absolviert einen sinnlosen Cameo als Rezeptionistin in einem Hotel und Klaus Kinski macht seine Aufwartung als kleiner Gauner. Natürlich dürfen Impressionen vom Karneval nicht fehlen. Am Ende erweist sich der Mädchenmörder als Kriminalist, der den eigentlichen Killer – Professor Alden – überführt.

GERN HAB ICH DIE FRAU’N GEKILLT, benannt nach dem Stück „Gern hab ich die Frau’n geküsst“ aus der Operette „Paganini“ von Franz Lehár, ist einigermaßen kurzweilig – wie könnte es bei einem Episodenfilm auch anders sein -, aber so willkürlich und sinnfrei, dass es kracht. Weder passen die drei Geschichten zusammen – von der oben erwähnten Gemeinsamkeit ihrer Hauptdarsteller mal abgesehen – noch werden sie durch die ebenfalls bescheuerte Rahmenhandlung in irgendeiner sinnstiftenden Form zusammengeführt. Man kann hier wirklich nur mutmaßen, was wirklich für eine Idee hinter dem Film steckte bzw. warum es nicht gelang, einen die drei Episoden überspannenden Bogen zu finden. Als Drehbuchautor fungierte übrigens Rolf Olsen, neben etlichen anderen, z. B. Ernesto Gastaldi, und ich vermute, dass wir ihm die „witzigen“ Sprüche aus Episode zwei zu verdanken haben. Ein Mysterium, dieser Film, aber keins der guten Art.

So lustig die einstigen Erzeugnisse der deutschen Titelschmiede auch immer wieder sind, für Freunde des unterschlagenen und missachteten Films sind sie häufig ein Ärgernis, weil sie das hinter ihnen steckende Werk oft genug diskreditieren. Manchmal allerdings treffen sie voll ins Schwarze und übertrumpfen noch den Originaltitel. Gianfranco Baldanellos räudiger Eurospy-Film etwa hörte in Italien auf den Namen IL RAGGIO INFERNALE, was nicht nur so viel wie, sondern ziemlich genau „Der Höllenstrahl“ bedeutet. Was vielleicht ein origineller Titel für einen satanischen Natursektporno gewesen wäre, mutet in diesem Kontext doch mehr als nur ein wenig einfallslos und generisch an. Da musste mehr gehen! Und so verheißt die Schöpfung der deutschen Verleiher in berückend karger, aber dennoch poetischer Diktion MIKE MORRIS JAGT AGENTEN IN DIE HÖLLE und bringt den infantil-asozialen Charme des Films damit auf den Punkt. „Mike Morris jagt Agenten in die Hölle“: Es ist nur zu gut vorstellbar, dass die Titelfigur von IL RAGGIO INFERNALE diesen Satz in schöner Regelmäßigkeit von den fiesen Bullys auf dem Pausenhof der Agentenschule an den Kopf geworfen bekam, kurz bevor sie ihm das von der Mama mit Liebe geschmierte Wurstbrot entrissen und in den Sand warfen. Sie quälten ihn so lang damit, bis er sich zur Rache in sein Zimmer zurückzog, büffelte und ackerte wie ein Besessener, nächtelang auf dem Schießstand einschloss und die Geheimagentenprüfung zur großen Überraschung seiner Rivalen mit Auszeichnung absolvierte.

Leider, leider stieß dieser Superagent Mike Morris dann aber nicht auf Terence Young, um seine aufregendsten Fälle auf die Leinwand bringen zu lassen, sondern auf Gianfranco Baldanello. Der hatte gerade den Sparstrumpf seines blässlichen, schwer kurzsichtigen Sohnes ausgeraubt, um sich mit billigem Rotwein volllaufen und sich von einer arthritischen Prostituierten mit künstlicher Hüfte einen runterholen zu lassen, und war von Morris‘ Agentenstorys so begeistert, dass er das Geld spontan in die Produktion von IL RAGGIO INFERNALE investierte. Die arthritische Prostituierte, die sich über die finanzielle Zuwendung schon gefreut hatte, vertröstete er kurzerhand damit, dass er ihre schäbige Vorortwohnung als Drehort nutzte.

Das ist natürlich alles Quatsch, den ich hier vor allem deshalb niederschreibe, weil ich nach den letzten Eurospyfilmen nicht schon wieder dieselben Phrasen dreschen will, aber wenn man sich Baldanellos Film so anschaut, erscheint meine kleine Erklärung nicht mehr ganz so unplausibel. Wenn der Eurospy-Film auch in seinen preisgünstigsten Inkarnationen doch immer mit dem mondänen Pomp der oberen Zehntausend liebäugelt, seine Protagonisten ölige Weltmännischkeit aus jeder gut gebräunten Pore verströmen lässt und sie, distinguierte Edelfrauen im starken Arm, in der mit feinen Spirituosen gut bestückten ersten Klasse der Nobelairlines an die schönsten Orte der Welt schickt, dann entsendet IL RAGGIO INFERNALE seinen etwas tumben Helden in ranzige Absteigen, in denen trauriger Perserteppich-Imitate auf dem staubigen Fußboden ihrem modrigen Ende entgegenschimmeln, Frauen am Rande des Klimakteriums ihre Betonfrisuren mit Mottenkugelduft bestäuben und verzweifelte Tagelöhner im schlecht sitzenden Anzug aus dem Second-Hand-Laden weit außerhalb ihrer Komfortzone agieren, wenn sie in Unehren ergraute Todesstrahlen-Erfinder aus tristen Heizungskellern entführen. Das erste, was man vom Schauplatz Barcelona sieht, sind die Schornsteine einer rußigen Asbestfabrik, die angeblich beste Bar am Ort macht einen ziemlich wurmstichigen Eindruck.

Das make believe, das sowieso schon die wesentliche Mission des Eurospy-Films ist, weicht hier erst einem „Bittebitte“, wenn da putzige Spielzeugautos als Ersatz für the real deal vom Bordstein (= Klippe) in eine Pfütze (= Ozean) plumpsen oder in einer viel zu langen Einstellung ein Spielzeughubschrauber und ein Spielzeug-U-Boot ein trautes Stelldichein in einer Badewanne feiern, dann schließlich einem „Ach, Scheiß drauf!“. Die letzte halbe Stunde ist ein einziges wüstes Geballer und Gekloppe, jeder vorher noch latent aufrecht erhaltene Eindruck einer Welt der suaven Ritterlichkeit wird mit Verve über Bord geworfen und IL RAGGIO INFERNALE kommt ganz zu sich selbst. Das galt wohl auch für Hauptdarsteller Gordon Scott, dessen vorletzter Film das war und der hier, mit der Stimme Sean Connerys, einige tolldreiste Bonmots zum Besten geben darf.

Mal sehen, wie lange es dauert bis ich mal einen wirklich guten Eurospy-Film erwische. Dieser hier geht schon einmal in die richtige Richtung, allerdings hatte er auch die dankbare Position, nach zwei absoluten Schnarchvehikeln – OK CONNERY und MISTER DYNAMIT – in meinem Heimkino zu starten. Wer den damals gerade 34-jährigen Regisseur Umberto Lenzi kennt, der weiß, dass er eher der Typ für das handfeste Kinohandwerk ist. Sein zweiter Eurospy-Film nach dem im selben Jahr gedrehten A 008 OPERAZIONE STERMINIO ist dann, wenn auch vielleicht nicht gerade als ruppig, so doch als bodenständig zu bezeichnen. Große Reden schwingenden Superschurken mit Weltbeherrschungsfantasien und Science-Fiction-Stützpunkten sucht man hier ebenso vergebens wie fintenreiche Wunderwaffen oder Killer mit Stahlgebiss. Stattdessen begibt sich Secret-Service-Mann Martin Stevens (Roger Browne), genannt Superseven, auf die Spur einer verschwundenen Kamera, deren Zoomobjektiv aus einem brandneuen Metall gefertigt wurde, dass „hundertmal radioaktiver“ ist als Uran, aber für den Menschen völlig ungefährlich. Die Suche nach der Kamera führt ihn erst nach Kairo und dann nach Locarno, begleitet wird er dabei von der schönen Denise (Fabienne Dali), die er ziemlich dreits aufreißt und die ihm dann nicht mehr von der Seite weicht. Die nicht minder attraktive Faddja (Rosalba Neri) kreuzt seinen Weg ebenfalls mehrfach und auch der Schurke Ales (Massimo Serato) ist selten weit entfernt. Es gibt die üblichen Scharaden, Mordanschläge auf mögliche Hinweisgeber, Verwechslungen und Fallen, die Superseven immer mit einem smarten Lächeln überwindet.

SUPERSEVEN CHIAMA CAIRO wird selten wirklich spektakulär, vermeidet aber allzu große Blödheiten ebenso wie Langeweile. Es ist immer irgendwas los und manchmal bleibt dann auch was hängen. Sehr putzig fand ich etwa Supersevens Einfall, eine ihm untergejubelte Drogentote als Puppe für eine Museumsausstellung zu tarnen. Die bei ihm eintreffenden Kriminalbeamten tun ihm den Gefallen, den frappierenden Unterschied zwischen zwei Schaufensterpuppen und der deutlich echter aussehenden Toten nicht zu bemerken. Und später gibt es eine niedliche Szene auf einem Campingplatz, auf dem sich die erwachsenen Camper offensichtlich mit einer ziemlich ausufernden Version des Spiels „Schweinchen in der Mitte“ amüsieren. Auffällig ist, dass SUPERSEVEN CHIAMA CAIRO relativ bescheiden daherkommt. Der Eurospy-Film neigt ja eher zu einem gewissen Posertum und sein Charme rührt oft daher, dass Anspruch und Wahrheit ziemlich weit auseinanderklaffen. Lenzi vermeidet hingegen alle sich üblicherweise darbietenden Fettnäpfchen: Sein Film ist von daher selten wirklich bemerkenswert, aber auch wieder ganz clever, seine Limitierungen kommen nicht „billig“ daher, sondern verleihen dem Film so eine Art milden Realismus. Vom Übermenschentum eines James Bond ist Superseven weit entfernt. Er steigt auch schon mal in einem bescheidenen Hotel an der Landstraße ab, wo Urlauber auf der schmalen Terrasse einen Ramazotti unterm Sinalco-Schirm genießen, während der Feierabendverkehr nur wenige Meter entfernt die Straße entlangrollt. Das hat was.

Es war natürlich arg naiv von mir, anzunehmen, dass ausgerechnet Franz Josef Gottlieb einen brauchbaren Eurospy-Film abliefern würde. MISTER DYNAMIT – MORGEN KÜSST EUCH DER TOD ist sehr typisch für das filmische Schaffen des Österreichers: Vordergründig bunt, turbulent und witzig, ist sein Bond-Abklatsch seelen- und leblos und noch dazu grauenvoll langweilig. Auch die Besetzung mit Old Shatterhand Lex Barker in der Hauptrolle und einem prominenten Stelldichein deutscher Stars sowie Kurzauftritte von Blacky Fuchsberger, Ralf Wolter und Eddi Arent kann daran nichts ändern. Dabei hatte die Verfilmung eines Romans aus der erfolgreichen Mister-Dynamit-Reihe aus dem Pabel-Verlag eigentlich ein mindestens ebenso lukratives Franchise lostreten sollen. Der Plan scheiterte nicht etwa am kargen Niveau, sondern daran, dass man Barker mit der Gage verprellte: Nachdem der sein Gehalt vor Gericht einklagen musste, hatte er auf weitere Fortsetzungen keine Lust mehr und die MISTER DYNAMIT-Reihe war Geschichte.

Nimmt man den ersten Teil als Orientierungspunkt ist das, wie gesagt, kein Verlust. MISTER DYNAMIT – MORGEN KÜSST EUCH DER TOD dreht sich um den Raub einer Atombombe und die sich daran anschließende Erpressung der Vereinigten Staaten durch den italienischen Superschurken und Märklin-Enthusiasten Bardo Baretti (Amedeo Nazzari). Auf ihn angesetzt wird der deutsche BND-Superagent Bob Urban (Lex Barker), der die Bombe finden und sicherstellen soll. Ausgerüstet wird er vom zerstreuten Tüftler Prof. Strahlmann (Eddi Arent), zwischenzeitlich hilft ihm der CIA-Kollege Cliff (Brad Harris), als blonde Verführung agiert Lu Forrester (Maria Perschy). Bardo Baretti sitzt meist an seiner Modelleisenbahn, bevor er dann eine ganze Flasche eines nicht weiter definierten Getränks auf Ex in sich hineinschüttet und sich in einen Teppich einrollt. Auf die Frage, warum er das tut, gibt Gottlieb leider keine Antwort. Anzunehmen, dass er das einfach lustig fand.

Der Verlauf, den die Geschichte um die gestohlene Atombombe nimmt, ist eigentlich interessant und hätte unter anderen Voraussetzungen Stoff für einen spannenden Film gegeben, aber für einen solchen war Gottlieb der falsche Mann. MISTER DYNAMIT findet nie seinen Rhythmus, scheitert kläglich im Messen an den großen Vorbildern aus Großbritannien und versäumt es, so etwas wie Zug zu entwickeln. Das selbstzweckhafte Location-Hopping ersetzt eine funktionierende Dramaturgie, die Szenen im Strategiezimmer des Weißen Hauses wirken hölzern, Lex Barkers ausgestellte Souveränität erstickt jeden Anflug von Spannung schon im Keim, selbstverliebte Auftritte von Fuchsberger (als Militärpolizist) und Ralf Wolter, der die Zuschauer am Ende im Stile eines Peter Lustig zum Abschalten auffordert, enttarnen das ganze Projekt als zynisches cash grab, das sein Versprechen großen Entertainments nie auch nur annähernd einlösen kann. Man hat während der langen 105 Minuten nie den Eindruck, dass irgendjemand eine echte Idee hatte, die über marktwirtschaftliche Erwägungen hinausging. „Lass mal einen Agentenfilm ins Kino bringen, die sind gerade beliebt und wir verdienen uns damit eine goldene Nase.“ Mehr scheint hinter MISTER DYNAMIT – MORGEN KÜSST EUCH DER TOD nicht zu stecken. Schade um die vertane Chance und den Einsatz solcher Schauspieler wie Ullrich Haupt, Siegfried Rauch, Dieter Eppler oder Wolfgang Preiss, die kaum etwas zu tun bekommen und von der Regie komplett im Regen stehen gelassen werden.

Wer sich für die literarischen Ursprünge des Films interessiert und von einem echten Fachmann in die Welt der Mister-Dynamit-Romane entführt werden will, der hat hier die Gelegenheit dazu, einen ausführlichen Text von Kollege Martin Compart zu lesen. Die Zeit ist da in jedem Falle sinnvoller investiert als bei der Sichtung des Films (der tatsächlich eine DVD-Veröffentlichung erfahren hat).

 

Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig: So könnte man das Dilemma von OK CONNERY beschreiben, der von Alberto De Martino routiniert inszeniert wurde, die rührenden Naivitäten anderer europäischer Bond-Klone weitestgehend  vermissen lässt – aber eben auch stinklangweilig ist. Interessant ist er zunächst einmal, weil er seinen Rip-off-Status so offensiv angeht wie nur wenige Eurospy-Vehikel, die in den Sechzigerjahren aus den Studios in die Kinosäle katapulltiert wurden: In der Hauptrolle als „Connery“ ist mit Neil Connery niemand Geringeres als der Bruder Seans zu sehen, dem dann auch ständig die große Ähnlichkeit zum Star bescheinigt wird. Als seine Auftraggeber fungieren mit Bernhard Lee und Lois Maxwell der „M“ und Miss Moneypenny aus den Vorbildern: Sie agieren hier zwar unter anderem, nicht Copyright-geschützten Namen, sollen aber unverkennbar dieselben Rollen spielen und belegen das durch ständige Anspielungen. Mit Adolfo Celi als schurkischem Mr. Thai, eines Angehörigen der Verbrecherorganisation „Thanatos“, und Daniela Bianchi sind zwei weitere einstige Bond-Mitwirkende von der Partie und das Titelthema dudelt ebensfalls auf den Spuren der Doppelnull. Will man das Positive hervorkehren, so könnte man sagen, dass OK CONNERY dem Professionalismus der Bond-Filme recht nahe kommt.

„Nahe“ ist in diesem Fall aber auch das Problem, denn so sehr sich De Martino auch müht, großes Kino abzuliefern, es hapert letztlich doch an allen Ecken und Enden. Das beginnt beim Hauptdarsteller, der seinem Bruder zwar ähnlich sieht, aber jegliches Charisma, das es dazu braucht, einen Film zu tragen, vermissen lässt. Das scheinen auch die Verantwortlichen gemerkt zu haben, denn Neil Connery wirkt wie ein Passant in einem Film, in dem er eigentlich die treibende Kraft sein sollte. Die Geschichte um einen Magnetstrahl, mit dessen Hilfe „Thanatos“ alle Maschinen auf der Erde lahmlegen kann, ist umständlich und konfus: Das gilt zwar auch für die Bondfilme, doch diese liefern wenigstens Attraktionen in schneller Folge, die das vergessen lassen. Hier hingegen passiert nix. Wenn zum Showdown dann endlich mal die Schwarte kracht, ist das durchaus hübsch anzusehen, aber zu diesem Zeitpunkt ist alle Geduld schon längst aufgebraucht.

Und genau deshalb geht der Schuss mit der erwähnten „Seriosität“ auch nach hinten los: Wenn OK CONNERY wenigstens schön beknackt wäre, die Distanz zu den Vorbildern mit schlechten Effekte und Pappmaché-Bauten wettmachte und so etwas zum Schmunzeln böte, man bekäme vielleicht kein großes Agentenkino, aber hätte immerhin seinen Spaß. So ermüdet das nicht vorhandene Spektakel schon nach kurzer Zeit: Ich war nach etwa der Hälfte des Films nur noch physisch anwesend, was genau danach noch passiert ist, könnte ich nicht mehr sinnvoll nacherzählen, zu egal war mir das alles. So bleibt am Ende ein Gimmick, das OK CONNERY einen gewissen Kuriositätenbonus verleiht. Es reicht aber, von der Existenz des Films zu wissen, um in munteren Biergesprächen unter Filmfreunden damit aufwarten zu können. Sehen muss man ihn beim besten Willen nicht.

Die Fortsetzung des im Vorjahr von KOMMISSAR X-Regisseur Gianfranco Parolini mit seinen beiden Stars Brad Harris und Tony Kendall inszenierten I FANTASTICI 3 SUPERMEN kommt mit einer deutlich bescheideneren Besetzung wie eine Vorahnung der Komödien daher, die im Folgejahrzehnt auf dem Steifel in rauen Massen entstehen sollten. Es wird unter tatkräftiger Unterstützung der deutschen Synchro geblödelt, bis der Notarzt kommt, aber nur noch den Exitus feststellen kann. Hauptverantwortlicher für den Klamauk ist Salvatore Borghese als stummer Trottel Dick: Er äußert sich ausschließlich in einer nur rudimentär entwickelten Zeichensprache, zu der er Stammellaute von sich gibt und dafür von seinen beiden Partnern in einer Tour verhöhnt wird. Für FBI-Mann Martin (George Martin) etwa ist klar, das Dick die Sprache verlor, als er sich zum ersten Mal selbst im Spiegel sah. Der Mann, den man aus unzähligen Polizeifilmen als Nebendarsteller kennt, darf hier komödiantisches und artistisches Talent in einer Hauptrolle zeigen.

Besagter Agent Martin wird den beiden mit kugelsicheren Kostümen ausgestatteten, artistisch begabten Superverbrechern Willi (Willi Colombini) und Dick zur Seite gestellt, um mit ihrer Hilfe einen pikanten Film in seinen Besitz zu bringen, mit dem ein Politiker kompromittiert werden soll. Die Hatz führt die drei erst nach Hongkong und dann nach Tokio, wo es die üblichen Keilereien, Verfolgungsjagden, Mordanschläge, Verwicklungen und amourösen Anwandlungen mit gefährlichen Frauen gibt. Das Ganze kulminiert im Einsatz einer Verkleinerungsmaschine, mit der Dick auf Miniaturgröße geschrumpft und dann im Hauptquartier der Bösewichte eingeschleust wird. Das ist alle hoffnungslos bescheuert, aber der Eurospy-Film ist ja sowieso eine eher komische Angelegenheit, die ihre Existenzberechtigung im Wesentlichen aus der Beliebtheit der Bond-Filme bezieht. Aus der unüberbrückbaren finanziellen Kluft, die zwischen den großen Vorbildern und ihren in dieser Hinsicht oft eher minderbemittelten Nachziehern klafft, machten diese Filme oft eine Tugend, indem sie die britischen Produktionen immer wieder mit Spott überzogen: Natürlich sind es ihre Helden, die gegenüber der Doppelnull den entscheidenden Vorteil haben und zu Rate gezogen werden, wenn dieser mal wieder versagt hat.

Man sieht das Augenzwinkern, denn natürlich wussten die Macher, dass sie den Abenteuern des Briten nichts entgegenzusetzen hatten, außer einer gewissen Unverdrossenheit und der Freiheit, die damit einhergeht, dass man an der Kasse keine Abermillionen einspielen muss, um den Bilanzausgleich zu schaffen. 3 SUPERMEN A TOKIO blödelt sich mit Verve durch seine Pappkulissen im Hinterhof von Cinecittà, doch bei den Szenen auf den Straßen von Tokio gucken die ungläubigen Passanten fast genauso neugierig und ungläubig, als wenn da der echte Bond rumturnen würde. Und natürlich gibt es dann auch immer wieder diese hübsch beknackten Ideen: In einem Nachtklub verhindert ein riesiger hinter einer Wand versteckter Magnet, dass sich die Schurken mit Waffen ins Etablissement schleichen. Da werden einer Gruppe von Ganoven dann also Panzerfäuste, Maschinengewehre, Messer und, wie eine Empfangsdame fürs Protokoll zu Bericht gibt, „drei Atombomben“ abgenommen. Und weil wir uns erst im Jahr 1968 befinden, muss man sich auch um die Political Correctness keine Sorgen machen: Japaner sagen also „l“ statt „r“, werden als „Geschlitzte“ bezeichnet und servieren Hund mit Reis, das Essen mit Stäbchen ist willkommener Anlass für eine ausgedehnte Slaspstick-Nummer. Die Miniatur-Nummer ist effekttechnisch erstaunlich gut gelöst und dass für die Zwischenstufe der Rückverwandlung Kinder in die Supermänner-Kostüme schlüpfen ein putziger Einfall. Doch, doch, ich hatte meinen Spaß mit diesem Teil.

Der italienische Superheldenfilm der Sechzigerjahre ist eine hübsche Zeitgeisterscheinung, die außerhalb Italiens eigentlich keine Entsprechung hatte: Von Pulpromanen und Comics um maskierte Superverbrecher ebenso inspiriert wie von den Abenteuern des britischen Superagenten 007 werfen die meist preisgünstig produzierten Filme einen ganzkörperbestrumpften Helden in die Schlacht gegen Schurken mit überkandidelten Weltbeherrschungsplänen und abstrusen Superwaffen. Der berühmteste Vertreter des Genres ist wahrscheinlich Mario Bavas psychedelisches Pop-Meisterwerk DIABOLIK, Griecos Argoman ist einer seiner zahlreichen Kollegen im Superheldenbusiness, neben solchen anderen Maskenträgern wie Superargos, Kriminal oder Satanik. Seine Markenzeichen: Ein gelber Jumpsuit mit putzigem schwarzen Mäntelchen und Maske sowie telekinetische Fähigkeiten, die ihn allerdings für sechs Stunden verlassen, wenn er sich mit einer Frau zum Liebesspiel niedergelassen hat. Was ziemlich oft passiert, denn hinter der Maske Argomans verbirgt sich der britische Superplayboy Sir Reginald Hoover (Roger Browne), der mit seinem treuen Diener Shandra (Eduardo Fajardo in Blackface) in einer unpraktischen Protzvilla mit gestohlener Mona Lisa, Indoor-Brunnen und von der Decke hängenden Loungesofas wohnt und ihn besuchende Damen gern mit Rolls Royce, Smaragdketten und Pelzmänteln beschenkt. Einfach so.

Neben seiner Tätigkeit als Superheld ist Hoover außerdem gefragter Kriminalexperte und immer einer der ersten Ansprechpartner für Scotland Yard, FBI und Konsorten, wenn wieder einmal die Kronjuwelen gestohlen wurden wie im vorliegenden Film: In der zertrümmerten Vitrine des Towers liegt nur noch ein Brief einer gewissen „Jenabell, Königin der Welt“, die mit dem Raub der Krone aber nur ihre Macht demonstrieren will, bevor sie einen Superdiamanten verlangt, der aufgrund von Irgendwas von allen möglichen Leuten wahlweise als Lösung oder Ursache aller Weltprobleme angesehen wird. Hoover hat besagte Schurkin schon kennen gelernt und sie zum Beischlaf überreden können, in der Gestalt von Argoman heftet er sich dann an ihre Fersen. In Jenabell findet er endlich einen adäquaten Gegner: Die von einer Armee in Fetischuniformen unterstützte Schurkin hat eine Möglichkeit gefunden, Menschen zu willenlosen Robotern zu machen und so auch diverse Politiker „umgedreht“. In einer famosen Szene stürzt sich einer der willenlosen Verräter aus einem Fenster in den Freitod, doch Argoman kann ihn mittels telekinetischer Kräfte vor dem Aufprall bewahren – zumindest bis es plötzlich an die Tür klopft, Argoman die Konzentration verliert und er den Unglücksseligen fallen lässt. Klatsch!

COME RUBARE LA CORONA D’INGHILTERRA ist produktionstechnisch deutlich besser als ich das eigentlich erwartet hatte: Die Settings sind hübsch und liebevoll, die Kostüme grandios, die Musik von Piero Umiliani einfach herrlich, wenn man diesen typischen Sixties-Sound mag. Dazu kommt der Humor, der nicht immer aus der Verwunderung über den damals vorherrschenden, lässigen Sexismus und den latenten Rassismus sowie den rührend naiven Vorstellungen über Wissenschaft herrührt, sondern hier und da durchaus beabsichtigt ist. Klar, wenn da ein Schauspieler in einer sperrigen Blechlitfasssäule steckt und mit steifen Armen den wenig bedrohlichen Folterroboter geben muss oder Jenabell den Helden in einer der für diese Filme typischen superumständlichen Fallen steckt, anstatt ihn einfach auf dem nächstbesten Klo einzuschließen, ist die Freude groß. Aber man muss doch einräumen, dass Grieco wusste, was er tat: Die Stunts in den ansonsten herrlich ungeschickten Prügeleien sind allererste Sahne, ein Rennen über die Dächer eines fahrenden Zuges wurde nicht etwa mit Rückprojektion realisiert, sondern tatsächlich gedreht: inklusive Unter-einer-Brücke-Durchducken! Ich kann nicht anders, als hier eine dicke Empfehlung auszusprechen, denn COME RUBARE LA CORONA D’INGHILTERRA ist ein großer, unbeschwerter, kindischer Spaß. Nicht Ultra-, sondern Argokunst sozusagen.