Mit ‘Fantasy Filmfest’ getaggte Beiträge

3266_xxl[1]Nach der Fehlgeburt ihres dritten Kindes entschließen sich Kate und John Coleman (Vera Farmiga & Peter Sarsgaard) zur Adoption einer Tochter. Die kleine Esther (Isabelle Fuhrmann) erobert mit ihrer ungewöhnlichen Intelligenz und ihrem künstlerischen Talent sofort das Herz des Ehepaars. Doch dann beginnen die Probleme: Esther benimmt sich merkwürdig und offen feindselig gegenüber ihrer Mutter. Aber das ist nur der Anfang …

Horrorfilme, in denen Kinder ihren Eltern oder anderen Erwachsenen zusetzten, waren auf dem diesjährigen Festival kaum zu zählen. ORPHAN stellt den wohl größten, aber auch den „glattesten“ Beitrag dieses Trends dar. HOUSE OF WAX-Regisseur Collet-Serra ist ein sehr zugänglicher und durchaus spannender Film gelungen, aber eben auch einer, der kaum Überraschungen bietet. Ich sage „kaum“, weil der Film natürlich auf die gerneübliche große Enthüllung hinausläuft, die zwar tatsächlich recht originell ist, dem Film aber inhaltlich rein gar nichts hinzuzufügen weiß. Der vor zwei Jahren an selber Stelle gezeigte JOSHUA gleicht ORPHAN bis aufs Haar, nicht zuletzt deshalb, weil dessen Hauptdarstellerin ebenfalls Vera Farmiga hieß. So ist es kein Wunder, dass die Schauspielerin ihre Rolle sehr überzeugend interpretiert und das emotionale Zentrum eines Films darstellt, der so poliert ist, dass er ebenso schnell reinläuft wie er danach wieder vergessen ist. Lediglich ein paar kleinere Härten und Geschmacklosigkeiten sowie die angemessen unheimliche Isabelle Fuhrmann unterscheiden ihn vom vollkommen egalen Hausfrauenhorror-Mainstream, dem er eigentlich zuzurechnen ist. War aber trotzdem ganz OK.

the-disappeared-poster1-lrMatt (Harry Treadaway), ein Teenager aus einer sozial schwachen Familie, leidet seit dem Verschwinden seines kleinen Bruders an merkwürdigen Visionen, die ihn bald auf die Fährte eines Kindermörders bringen …

British social realism meets Geisterfilm. So könnte man THE DISAPPEARED beschreiben, der leider über ein paar gute Ansätze nicht hinauskommt und letztlich lediglich gepflegte Langeweile produziert. Das ist alles nicht richtig schlecht, hier und da sogar recht respektabel, aber am Ende doch viel zu gewöhnlich und unspektakulär, um nachhaltig begeistern zu können. Das Ende bietet dann auch ganz entgegen dem nüchternen Ton des Films den Kintopp, ohne den ein Geisterfilm heute wohl nicht mehr auskommt, sowie die obligatorische Überraschung, die wohl jeder, der sich in den letzten Jahren nicht eingeschlossen hat, von weiter Ferne hat kommen sehen. Kein Grund zum Ärgern also, braucht ein Festival doch genau diese Art von geschmacksneutralem Durchschnitt, damit die Highlights umso heller leuchten können.

tn_bronsonNicolas Winding Refns neuer Film BRONSON begibt sich durchaus auf gefährliches Terrain: In den Händen eines weniger intelligenten Filmemachers wäre die auf realen Begebenheit beruhende Geschichte von Michael Peterson (Tom Hardy), genannt „Bronson“, seines Zeichens der berüchtigtste Häftling Großbritanniens, wahrscheinlich zur ärgerlichen Glorifizierung eines Outlaws geworden. Doch mit dem unübersehbaren Vorbild A CLOCKWORK ORANGE hat Refn sich den richtigen Fixtern ausgewählt, an dem er sich auf dem Abstieg in Bronsons Welt orientieren kann, um nicht vom Weg abzukommen. BRONSON lässt seine Hauptfigur seine eigene Geschichte erzählen und den Zuschauer ganz eng teilhaben an dessen krimineller Laufbahn, macht ihn so gleichsam zum Mitwisser, ohne jedoch jemals Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass dieser Erzähler mit a grain of salt zu genießen ist.

Bronson stilisiert sich im gleichen Maße zum Kunstwerk wie das Refn mit seinem Protagonisten tut, der als Clown geschminkt von einer Bühne aus die Einleitungen zu den unterschiedlichen Abschnitten des Films spricht, und seine Gewaltausbrüche als Performances inszeniert: Am Ende malt er sich ganz schwarz an, sodass er aussieht wie eine Statue, als sich wieder einmal die Gefängniswärter auf ihn stürzen. Wie auch Kubrick in seinem genannten Film überhöht Refn das Geschehen ins Opernhafte, fokussiert auf eine Person, die ein Fremdkörper in unserer Gesellschaft bleiben muss, die nicht unmoralisch, sondern vielmehr amoralisch ist. Bronson ist ein Asozialer, aber durchaus ein liebenswerter, der lediglich austeilt, was er selbst auch wieder einsteckt und der ganz genau weiß, dass er in der Welt außerhalb der Gefängnismauern nichts verloren hat.

Refn ist ein sehr sehenswerter, aber nicht ganz einfacher Film gelungen: Hervorstechend ist neben Hauptdarsteller Tom Hardy, der hier wohl die Rolle seines noch jungen Lebens spielt, vor allem der tolle Soundtrack, auf dem sowohl klassische Stücke als auch die Popmusik der Achtzigerjahre effektvoll eingesetzt wird: Fantastisch etwa die Szene, in der „It’s a sin“ von den Pet Shop Boys erklingt. BRONSON war für mich der wohl besten Film des diesjährigen Fantasy Filmfests und einer der wenigen, bei denen ich das Bedürfnis hatte, ihn gleich noch einmal zu sehen.

loft (erik van looy, belgien 2008)

Veröffentlicht: September 7, 2009 in Film
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ba1003348Fünf Freunde, Männer mittleren Alters, alle verheiratete Großverdiener, peppen ihr Leben auf, indem sie ein Loft mieten, wo sie ihren Seitensprüngen frönen können. Eines Morgens hat der Spaß ein Ende: Eine weibliche Leiche liegt im Bett des Lofts …

In edlen Bildern in Szene gesetzt, gut gespielt und mit einer sich langsam aufbauenden stetigen Spannungsdramaturgie versehen, erzählt LOFT letzten Endes doch wieder nur die alte konservative Mär von den gelangweilten Ehemännern, die ihre Frauen mit jungen Mädchen betrügen, darüber nicht nur ihre Ehen riskieren, sondern auch ihre gemeinsame Freundschaft und schließlich sogar noch mehr. Ich kann sie nicht mehr sehen, dieser 40-/50-Somethings mit den tollen Karrieren, den Designerwohnungen und den eitlen Problemen: Wenn ihr vögeln wollt, dann vögelt halt, aber steht dann auch dazu und hört auf, rumzujammern! Gegen Ende verstrickt sich LOFT zudem in seinem Drang, diese fade Geschichte mit etlichen überraschenden Twists und falschen Fährten aufzuwerten, und macht so auch die eigentlich guten Ansätze zunichte. LOFT ist nicht so schlecht wie sich das jetzt anhört: Aber irgendwie trotzdem ärgerlicher als so manche echte Gurke.

blood_the_last_vampire_live_actionWenn man sich anschaut, welche Länder an dieser Produktion teilgenommen haben, fällt einem unweigerlich das Sprichwort mit den Köchen und dem Brei ein. Chris Nahon, der einst den spaßigen KISS OF THE DRAGON gedreht und danach den recht ambitionierten L’EMPIRE DES LOUPS nachgelegt hatte, hat sich mit dieser lausigen Anime-Realverfilmung jedenfalls keinen Gefallen getan. Der Plot ist verquast und verlabert (was beim Festivalscreening durch die nicht untertitelten japanischen Passagen noch unterstrichen wurde), die Effekte schwanken zwischen gut und katastrophal und überhaupt wage ich zu bezweifeln, dass BLOOD: THE LAST VAMPIRE in der vorliegenden irgendjemandem zu gefallen in der Lage ist, der noch seine Sinne beisammen hat. Zu Beginn sah das zugegebenermaßen noch eine Weile so aus, als könnte am Ende ein zwar dummer, aber doch unterhaltsamer und rasanter Actionfilm stehen, aber von dieser Hoffnung musste ich mich schnell verabschieden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Nahon oder die Produzenten besonders stolz auf diesen Haufen zusammengeklebten Schnittmülls sind. ABer wahrscheinlich muss man ihn für die Nerds nur in einem schicken Steelbook verpacken, um die Kosten wieder einzuholen. Was für eine Welt.

banlieue-13-ultimatumAcht Jahre nach den Ereignissen von Teil 1 haben sich die Verhältnisse im vom Militär abgeriegelten Bezirk 13 noch verschlechtert. Nicht nur, dass dessen Bewohner in einem gewaltigen Ghetto eingesperrt sind, einigen Politikern ist die Existenz des Viertels ein Dorn im Auge. Als Banlieue 13 wegen eines vom hinterhältigen Geheimdienstchef Gassman (Daniel Duval) inszenierten Polizistenmordes negativ in die Schlagzeilen gerät, soll es dem Erdboden gleichgemacht werden. Der Supercop Damien Tomasso (Cyril Raffaeli) und sein Freund, der Ghettobwohner Leito (David Belle), bekommen jedoch Wind von dem mörderischen Komplott und trommeln ihre Freunde zusammen …

Für die einen ist es tumbes Eventkino, für mich ist es großes, intelligentes, witziges und einfallsreiches Actionkino, das sein Herz auf dem rechten Fleck trägt, und zudem eines der Highlights des diesjährigen Fantasy Filmfests. Neben seinen atemberaubenden Parcours- und Martial-Arts-Szenen, die den Vergleich mit den großen Vorbildern aus Hongkong und Thailand nicht zu scheuen brauchen, überzeugt BANLIEUE 13: ULTIMATUM vor allem mit einem durch die Brille des Pop gefilterten Blick auf Kunst und Politik. Ob da ein 200 Millionen Euro teures Gemälde von Van Gogh als kostbare Waffe in einer Prügelei eingesetzt wird, ein Staatspräsident gezeigt wird, der nicht korrupt und gewissenlos ist, sondern sich zum Friedenspfeifchen mit den Gangmitgliedern niederlässt, oder die klimaktische Sprengung nicht verhindert, sondern lediglich umgedeutet wird, BANLIEUE 13: ULTIMATUM geht immer etwas abseits des ausgetretenen Weges. Mehr sage ich erstmal nicht, ein längerer Text ist nämlich bereits in Planung.

EDIT: Und hier kann man diesen längeren Text lesen.

new-town-killers-filmplakatDer Waisenjunge Sean (James Anthony Pearson) lässt sich auf ein gefährliches Spiel mit zwei Anzugträgern ein, um die horrenden Schulden seiner Schwester abbezahlen zu können. Doch die beiden Bösewichte haben nicht vor, das Geld zu bezahlen: Sie wollen Sean jagen und umbringen …

Das Menschenjagd-Subgenre ist eigentlich immer für rasantes, slightly provokantes Kino gut. NEW TOWN KILLERS, ein unerträglich einfältiger Quatschfilm, ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die zu Beginn in einem Fernseher eingeblendeten Börsenkurse, zu denen die Nachricht eines mysteriösen Todesfalls verkündet wird, lässt bereits das Schlimmste befürchten, das sich dann vollends bestätigt: Die Bösen sind zwei reiche Bänkertypen, die ohne ein echtes Motiv, lediglich because they can Jagd auf den „Pöbel“ machen und sich dabei so richtig mächtig fühlen. Diese Naivität und Plumpheit setzt sich in dem „Schuld und Sühne“ entlehnten Nachnamen des Oberbösen, Alistair Raskolnikoff, und in einem zur Fremdscham anregenden Monolog von dessen Darsteller Dougray Scott fort, über den das Programmheft sagt, er „spielt sich die Seele aus dem Leib“, damit jedoch lediglich eine freundliche Umschreibung dafür findet, dass der Mime overactet bis zur dringend fälligen Entmündigung. Danach habe ich das Kino genervt verlassen. Eine von drei unrettbaren Gurken des Festivals.