Mit ‘Frank Henenlotter’ getaggte Beiträge

neues aus regalien

Veröffentlicht: Februar 16, 2019 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Bereits seit einiger Zeit erhältlich: Frank Henenlotters wunderbare Splatter-Groteske BRAIN DAMAGE als Mediabook von Koch Media unter dem deutschen Verleihtitel ELMER – und mit Booklet von yours truly. Wer den Film noch nicht kennt, sollte zuschlagen, bevor das gute Stück vergriffen ist, alle anderen die Gelegenheit nutzen, Ersatz für die DVD heranzuschaffen. Zu den Extras gehören unter anderem ein Audiokommentar von Henenlotter himself, Featurettes und Interviews und natürlich die obligatorischen Trailer.

Jennifer (Charlee Danielson) ist ein Freak of Nature: Statt einer Klitoris hat sie sieben und daher einen nahezu unstillbaren Sexhunger. Normale Männer sind ihr buchstäblich nicht gewachsen und dass jeder Akt mit der Spontangeburt eines Monsterbabys belohnt wird, erschwert die Partnersuche zusätzlich. Bis Jennifer auf ihr männliches Gegenstück Batz (Anthony Sneed) trifft: Der einst Impotente hat seinen Penis durch den gezielten Einsatz von Steroiden in ein wahres Monster verwandelt, das nur schwer zu kontrollieren und für normale Frauen zu viel ist …

„I was born with seven clits.“ Ein Film, der mit einer solchen Dialogzeile beginnt, lässt nur wenig Interpretationsspielraum und macht vom Start weg unmissverständlich klar, was der Zuschauer von ihm zu erwarten hat. BAD BIOLOGY, von Henenlotters Freund, dem Underground-Rapper R.A. The Rugged Man produziert und gescriptet, ist so etwas wie das Missing Link in Henenlotters Filmografie und hätte eigentlich unmittelbar nach BRAIN DAMAGE folgen müssen. Stattdessen begab sich Henenlotter mit den drei Filmen für Shapiro Glickenhaus in die künstlerische Warteschleife. Nach dem enttäuschenden BASKET CASE 3 hat es satte 17 Jahre gedauert, bis er sich wieder hinter die Kamera stellte. Das Ergebnis ist dafür aber ein Film, der auf die inhaltliche und formale Wildheit von Henenlotters ersten beiden Filme nochmal eine Schippe drauflegt. BAD BIOLOGY kommt es sehr zugute, dass niemand Henenlotter ins Handwerk reinredete: Thematisch fühlt man sich zwischen bemitleidenswerten Sexualfreaks sofort heimisch und es wird weder lang um den heißen Brei herumgeredet noch -gefilmt. BAD BIOLOGY präsentiert sich als exploitative Verlängerung von Diskursen, die man vor allem aus den Filmen Cronenbergs kennt. Es hängt ein Endzeitfeeling über dem ganzen Film, der in nur leicht verklausulierter Form über die Abstumpfung von Gefühlen und die Vereinsamung des Individuums in einer Welt erzählt, die sich zwar einen ultraliberalen und -aufgeklärten Anschein gibt, mit ihrer Sexualität aber gar nicht umzugehen weiß.

Formal ist der Anbruch des Digi-Video-Zeitalters zwar nicht an Henenlotter vorbeigegangen, dennoch kommt der Film in seiner ungeschminkten Rohheit und seiner Improvisationsfreunde deutlich näher an BASKET CASE oder den bereits genannten BRAIN DAMAGE heran, als die drei Filme, die Henenlotter unter der Ägide von Shapiro Glickenhaus inszenierte. Was BAD BIOLOGY aber sofort als echten Henenlotter identifizierbar macht und mich absolut begeistert hat, ist das Neben- oder besser Miteinander von Witz, Schrecken und Tragik. Es gibt viele Horrorfilme, die diese Gefühle durch entsprechende Szenen verknüpfen, Lustiges auf Horribles folgen lassen, doch BAD BIOLOGY lässt sich gar nicht sauber in lustige und schreckliche Szenen gliedern, vielmehr evoziert jede Szene gleich mehrere Gefühle beim Zuschauer. BAD BIOLOGY ist so nicht nur ein höchst ungewöhnliches Werk, sondern vor allem ein immens witziger, schockierender, ekliger, trauriger, tragischer, rasanter, ekliger, kranker und absurder Film. Die volle Packung also.

Monate nach den Ereignissen von BASKET CASE 2 befindet sich Duane (Kevin van Hentenryck) in einer Gummizelle in der Obhut von Granny Ruth (Annie Ross), während Belial erwartet, Vater zu werden. Um seine Kinder auf die Welt zu bringen, reist Ruth mit allen ihren Freaks und Duane in den Süden, wo ihr Exmann Uncle Hal (Dan Biggers) mit dem gemeinsamen Sohn Little Hal (Jim O’Doherty), der ebenfalls deformiert ist, lebt. Es kommt wie es kommen muss: Zwei örtliche Polizisten vermuten, dass die immer noch gesuchten „Times Square Twins“ bei Hal untergeschlüpft sind und stoßen auf die Freakkolonie von Ruth. Die Katastrophe lässt nicht auf sich warten und zieht einen blutigen Rachefeldzug der Freaks nach sich …

Nachdem BASKET CASE 2 noch recht gut gelungen war, geht es im zweiten und letzten Sequel nun merklich bergab. Das größte Problem von BASKET CASE 3: THE PROGENY ist, dass er der Geschichte um Duane, Belial und Granny Ruths Freaks rein gar nichts mehr hinzuzufügen weiß. Erneut geht es um die mangelnde Toleranz der „Normalen“ gegenüber den Freaks, die doch nur in Frieden leben wollen, und keine andere Chance sehen, als sich zu wehren. Und wenn es schon nichts Neues zu erzählen gibt, gibt es streng der Sequellogik folgend einfach von allem etwas mehr: mehr Freaks, mehr beknackte Einfälle, mehr Splatter und statt einer Freak-Sexszene nun eine Freak-Geburt, bei der gleich ein ganzes Dutzend kleiner Belials das Licht der Welt erblickt. Das böte sicherlich immer noch genug Stoff für einen bunten Exploiter, nur leider wurden diese Einfälle nicht in eine überzeugende Story eingebunden und der reine Schauwert trägt den Film nicht mehr, weil man sich etwa an den Freaks schon im Vorgänger sattgesehen hat. BASKET CASE 3: THE PROGENY wirkt inhaltlich beliebig und hat zumindest mich emotional überhaupt nicht mehr involviert. Natürlich ist er immer noch ehrlicher und liebevoller als vieles, was in jener Zeit sonst so auf den übersättigten Horrormarkt geworfen wurde, aber bei Henenlotter liegt die Messlatte dann doch deutlich höher, als das man sich mit Durchschnitt zufrieden geben würde. Sehr wahrscheinlich war auch Henenlotter nicht so zufrieden mit dem Endergebnis, denn dies sollte für lange, lange Zeit sein vorerst letzter Film vor einer wahrhaft fulminanten Rückkehr bleiben.

Durch einen bizarren Rasenmäherunfall verliert die zukünftige Ehefrau des Elektrikers und Hobbychirurgen Jeffrey Franken (James Lorinz) ihr Leben. Der ist untröstlich und plant, seine Geliebte, von der er einige Körperteile retten konnte, wieder zusammenzusetzen und zu reanimieren. Doch dafür benötigt er zunächst die noch fehlenden Teile. Und weil er kein Kostverächter ist, sucht er die auf dem Straßenstrich …

FRANKENHOOKER markiert, im selben Jahr wie BASKET CASE 2 entstanden, eine Rückkehr Henenlotters zum Schmuddelkino, das er mit BASKET CASE so gelungen bereicherte. Gegenüber dem Sequel seines Debüts, das sich aller Henenlotterismen zum Trotz doch recht nahtlos ins Horrorkino seiner Zeit eingliedern lässt, ist hier alles wieder eine Nummer kleiner und schräger. Die Reichweite des Witzes seiner FRANKENSTEIN-Verballhornung wird weitestgehend durch das Wortspiel des Titels definiert: Wie wäre es, wenn der Mad Scientist – der sich die Kunst der Chirurgie autodidaktisch angeeignet hat – sein Monster aus Teilen von Freudenmädchen zusammenbauen würde?

FRANKENHOOKER verzichtet auf jeden auflockernden Subplot und auf Nebenfiguren. James Lorinz kommt die Aufgabe zu, den Film ganz allein zu tragen: Im Stile eines Alleinunterhalters monologisiert er im breitesten New-York-Slang, sprengt Prostituierte mit chemisch potenziertem Crack in die Luft, nachdem er deren beste Teile in einer Fleischbeschau markiert hat, bastelt seine Geliebte wieder neu zusammen, die danach als monströse Supernutte den Times Square unsicher macht, bevor er schließlich selbst als Opfer seiner Schöpfung endet und eine ungeahnte Wiederauferstehung erfährt. Anders als BRAIN DAMAGE, dem man auch unterstellen könnte, auf einem einzigen Kalauer zu basieren, wächst FRANKENHOOKER über diese Prämisse jedoch nie hinaus, begnügt sich vielmehr damit, diese konsequent auszureizen. Das funktioniert, weil der Film die Willkommensfreude mit seiner kurzen Spielzeit von 80 Minuten nie überbeansprucht, James Lorinz sich um Kopf und Kragen deliriert und Henenlotter im Vergnügungsviertel um den Times Square sichtlich in seinem Element ist. Ein großer Wurf ist ihm mit FRANKENHOOKER nicht gelungen, aber das war wohl auch nicht seine Intention. Stattdessen hat er einen durch und durch liebenswert-behämmerten Film gedreht, dessen Freude am aufrichtigen Trash jede inhaltliche Limitierung vergessen macht.

Unmittelbar nach den Ereignissen von BASKET CASE landen Duane (Kevin van Hentenryck) und sein Bruder Belial schwer verletzt im Krankenhaus – und im Fernsehen, wo ihre Geschichte von Reportern begierig aufgesogen und verarbeitet wird. Auf diesem Weg erfährt Granny Ruth (Annie Ross) von den beiden Brüdern: Unter dem Namen Dr. Freak hatte sie einst für Aufsehen gesorgt, weil sie sich zahlreicher Missgebildeter angenommen hatte. Und das tut sie immer noch, wenn auch im Geheimen. Auf ihrem Dachboden wohnt eine bunte Schar körperlich Deformierter, der sie Duane und Belial hinzufügt. Dummerweise kommt ihr die Sensationsjournalistin Marcie (Kathry Meisle) auf die Schliche …

Das Sequel von Henenlotters Debüt wurde von Shapiro-Glickenhaus produziert und somit setzt sich die in BRAIN DAMAGE schon offenkundige Polierung des einstmals so roh daherkommenden Regie- und Erzählstils fort. Die Weiterführung der Geschichte von Duane und Belial verläuft dann auch zunächst in recht konventionellen Bahnen und der Überbietungslogik des Sequels folgend gibt es nun nicht mehr nur einen, sondern gleich einen ganzen Haufen Freaks mit lustigen Deformationen, was Effektspezialist Gabe Bartalos ausreichend Gelegenheit gibt, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Die Freude an den herrlichen Masken, mit denen sich Bartalos in direkte Konkurrenz zum circa zur gleichen Zeit gestarteten NIGHTBREED begibt (und dabei nicht schlecht abschneidet), trägt dann auch über die ersten zwei Drittel des Films, die nett, aber nicht allzu aufregend sind. Man vermisst ein bisschen den Bahnhofskinocharme, der BASKET CASE noch auszeichnete, oder die Wildheit von BRAIN DAMAGE, doch erkennt man an den humorvollen Dialogen und irrwitzigen Ideen immer noch den Henelotter.

Inhaltlich verfolgt BASKET CASE 2 den Toleranzgedanken des Vorgängers konsequent weiter und platziert sich noch deutlicher als der erste Teil in geistiger Nähe von Tod Brownings FREAKS: Es geht um die Ausbeutung der Anderen durch eine zynische Medienlandschaft und um den damit einhergehenden Wunsch dieser Anderen, dazuzugehören, normal zu sein und nicht mehr ausgegrenzt zu werden. Für Duane kann dieser Wunsch natürlich nicht erfüllt werden: Seine Verwandtschaft mit Belial hat nicht nur körperliche Spuren hinterlassen. Und so, wie ihn am Ende der Wahnsinn packt, wenn er feststellt, dass es mit der Normalität nicht klappen wird, erwischt es dann auch noch BASKET CASE 2, setzt sich Henenlotter gegen kommerzielle Erwägungen durch. Das letzte Drittel des Films ist von genau dem Irrsinn befallen, den man zuvor etwas vermisst hat. Belial bekommt eine ausgiebige Sexszene mit einer Seelen- und Deformationsverwandten, während Duane Bekanntschaft mit einer Frau macht, deren heranwachsendes Kind sich beharrlich weigert, geboren zu werden und nur ab und zu durch deren offene Bauchdecke schnappt. Und am Schluss, wenn Duane dann endgültig überschnappt, packt er Nadel und Faden aus, und näht den Bruder kurzerhand wieder an.

In diesen letzten Szenen wird BASKET CASE 2 also doch noch vom nur netten zum guten Sequel, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Beim nächsten Mal sollte das leider nicht mehr funktionieren …

Als Brian (Rick Hearst) ein wurmartiges sprechendes Wesen in seiner Wohnung entdeckt, ändert sich sein beschauliches Leben dramatisch: „Elmer“, so der Name des Wurms, injiziert mittels eines Stachels eine Substanz in Brians Hirn, die diesen in Rauschzustände ungeahnter Intensität versetzt. Brian ist begeistert von den neuen Erfahrungen, bis er feststellt, dass Elmers Leibspeise frische Menschenhirne sind, bei deren Beschaffung er ihm während seiner Rauschzustände behilflich ist. Brian will die Trennung, doch die Abhängigkeit, in die ihn die Droge versetzt hat, ist längst zu stark …

Ganze sechs Jahre dauerte es nach BASKET CASE, bis Henenlotter mit BRAIN DAMAGE seinen zweiten Spielfilm vorlegen konnte. Und wenn man auch unumwunden sagen kann, das sich diese lange Wartezeit gelohnt hat, so kommt man doch nicht umhin festzustellen, dass sie deutliche Spuren hinterlassen hat. Wie könnte es auch anders sein? Mit dem schmuddeligen Bahnhofskino-Charme des mit einem Bein noch in den Siebzigerjahren stehenden BASKET CASE hat der nun eindeutig als Kind der Achtzigerjahre erkennbare BRAIN DAMAGE nicht mehr viel zu tun: Er sieht wesentlich „sauberer“ aus, ist technisch ausgereifter und aller budgetbedingter Improvisation zum Trotz insgesamt ambitionierter. Doch die Wildheit und das Abseitige, die schon BASKET CASE auszeichneten, findet man auch hier wieder, etwa zu gleichen Teilen auf Form und Inhalt verteilt. Im ersten Drittel des Films nutzt Henenlotter die Rauschzustände seines Protagonisten für einige visuell aufregende Szenen, später bieten die Mordtouren Elmers Gelegenheit für einige wilde Splattereinlagen, seinen intensiven Höhepunkt erreicht BRAIN DAMAGE in jener schmerzhaften Sequenz, in der Brian sich auf hoffnungslosen Entzug begibt und in seinem Leiden dabei von Elmer verhöhnt wird, und den abseitigen Humor, für den man Henenlotter schätzt, verdankt der Film vor allem der Tatsache, dass Elmer wie ein sprechender Penis aussieht. An dieser Aufzählung wird schon deutlich, wie vielseitig der Film geworden ist und wie viele Fassetten er zwischen Horror, Drama und Komödie abdeckt. Erstaunlich ist, dass er sich dafür niemals verrenken muss, sondern immer homogen bleibt. Aber nicht nur das: Auf dem Papier liest sich die Geschichte von BRAIN DAMAGE wie ein pubertärer Witz, der von vornherein zum Scheitern veruteilt ist. Und ich halte es für eine echte Meisterleistung, dass er nicht nur nicht gescheitert ist, sondern unter Henenlotters Regie zu einem der originellsten und schönsten Exploiter der Achtzigerjahre avancierte. Mehr muss, kann und will ich dazu an dieser Stelle nicht sagen. Ansehen!

Mit einem mysteriösen Korb unter dem Arm und einem Bündel Geldscheine kommt der junge Duane Bradley (Kevin van Hentenryck) nach Manhattan. Statt einer Besichtigungstour steht ihm der Sinn aber eher nach Rache: Im Korb trägt er seinen siamesischen Zwilling Belial herum, einen nur aus Gesicht und Armen bestehenden Fleischklumpen, der ihm in seiner Kindheit gegen beider Willen von drei Ärzten entfernt wurde. Und die bekommen nun einer nach dem anderen den Zorn der getrennten Brüder zu spüren – bis Duane Sharon (Terri Susan Smith) kennen lernt …

Viel muss man zu Henenlotters Debüt eigentlich nicht mehr sagen, genießt der Film doch längst Klassikerstatus unter Freunden des abseitigen Films. Und dieser Status ist hochverdient, denn BASKET CASE stellt in der bunten Welt der Exploitation ein Unikat dar. Sämtliche Versuche, ihn in eine Genreschublade zu stecken, greifen zu kurz: Inhaltlich am ehesten dem Horrorfilm zuordenbar, ist Henenlotters Film doch viel zu komisch, um wirklich zu erschrecken, und darüber hinaus mit deutlich erkennbarem Desinteresse an Suspense oder vordergründigem Thrill inszeniert, andererseits dürften seine kruden Gewaltexplosionen und Geschmacklosigkeiten empfindlichen Gemütern dennoch zu weit gehen. Den Film lapidar als Trash abzutun, wäre ebenfalls ungerecht, weil die tragische Geschichte um die beiden siamesischen Zwillinge durchaus emotionale Resonanz erzeugt und man außerdem zu jeder Sekunde spürt, dass Henenlotter nicht bloß Opfer ungünstiger äußerer Bedingungen war, sondern genau den Film gemacht hat, den er machen wollte. BASKET CASE zeichnet sich dann auch zu allererst durch seine unschlagbare Attitüde aus: Seine ranzigen Settings, die authentisch rüberkommenden Schauspieler, die alle den Eindruck machen, Henenlotter habe sie aus einer schummrigen Bahnhofskneipe weggecastet, die billig-kruden, aber nichtsdestotrotz liebevollen Effekte und die eigenwillige Story addieren sich zu einem Film, der all das, was das Exploitationkino auszeichnet, es so wertvoll und charmant macht, in Reinkultur verkörpert. BASKET CASE versprüht Witz und Atmosphäre jenseits glattgebügelter Publikumsaffirmation, befasst sich nicht mit genormten Konflikten ebenso genormter Figuren, sondern nimmt ein Milieu in den Blick, das im Mainstreamkino eher unterrepräsentiert ist: Im Hotel, in dem Duane absteigt, wimmelt es nur so von gescheiterten Existenzen, verschrobenen Tagedieben, Prostituierten und anderen Originalen, die von Henenlotter aber nie als Freaks verheizt und vorgeführt werden. Gleiches gilt dann auch für Belial, der ja zu allererst eine bemitleidenswerte Kreatur ist, die durch die ihn umgebende Welt zum Monster gestempelt wird und von Beginn an keine andere Chance hat, als alle ihr entgegengebrachten Vorurteile zu bestätigen. Insofern hat BASKET CASE durchaus etwas zum Status quo der westlichen Welt um die Jahrhundertwende zu sagen und seine rohe, ungeglättete Form erscheint unter diesem Blickwinkel nicht mehr nur als aus der Not geboren, sondern als vollkommen angemessen. 

Es sollte klar geworden sein: BASKET CASE ist ein – aller „Hässlichkeit“ zum Trotz – wirklich schöner Film, dessen Wärme mir erst jetzt, bei meiner dritten Sichtung in rund 20 Jahren, wirklich aufgefallen ist. Das allein sollte als Beleg dafür reichen, dass BASKET CASE weitaus mehr ist als ein stussiger Trashfilm, sondern einer, der mitwächst, wenn man sich auf ihn einlässt. Meine Lieblingsszene, die sehr repräsentativ für Henenlotters Humor ist, ist übrigens jene, in der Duane bei seiner Ankunft im Hotel von einer gesprächigen und mehr als nur leicht verwirrten Dame die Treppe hinauf begleitet wird, und diese sofort auf ihn einzureden beginnt, nur um just in dem Moment, in dem ihre Geschichte beendet ist, ebenso plötzlich und unvermittelt kehrtzumachen und Duane sich selbst zu überlassen. Die herrlichen Stop-Motion-Effekte um den eifersüchtigen Belial, der in einem Tobsuchtsanfall das Hotelzimmer auseinandernimmt, sollten aber auch nicht verschwiegen werden.

Ach so: BASKET CASE stellt den Auftakt meiner aufgrund seines übersichtlichen Oeuvres kleinen Henenlotter-Werkschau dar, die in den kommenden Tagen chronologisch fortgesetzt wird.