Mit ‘Frank Langella’ getaggte Beiträge

THE WRATH OF GOD erschien in Deutschland unter dem putzigen Titel ZUM TEUFEL MIT HOSIANNA und stach mir bei einer Amazon-Recherche wegen seines hübschen Postermotivs ins Auge. Robert MItchum als ballernder Priester, lateinamerikanischer Bürgerkrieg, Ralph Nelson als nicht ganz uninteressanter Regisseur: Das sah nach einer schönen Wiederentdeckung aus einer Zeit aus, in der weitaus mehr seltsame und längst vergessene Starvehikel prouziert wurden, als man das heute gemeinhin für möglich hält. Damals, als noch kein Team von Marktforschern eine umfassende Zielgruppenanalyse durchführten, bevor dann ein durchoptimiertes Plastikprodukt auf den Markt kam, das garantiert niemanden mehr überraschte, konnte noch so etwas entstehen: Ein Abenteuerfilm vor dem Hintergrund eines blutigen Bürgerkriegs, dessen Protagonisten vom Militär eingespannt werden, einen unliebsamen Rebellenführer zu ermorden, und sich dann nicht, wie es eigentlich üblich ist, auf die vermeintlich richtige Seite schlagen.

Der irische Gelegenheitsarbeiter Keogh (Ken Hutchison) will eigentlich das Land verlassen, wird aber vom hinterlistigen Geschäftsmann Jennings (Victor Buono) reingelegt und für einen letzten Job engagiert. Unterwegs trifft er auf den falschen Priester van Horne (Robert Mitchum), der im Koffer ein Maschinengewehr mit sich führt. Auf ihrer Fahrt durchs Land werden sie von Colonel Santilla (John Colicos) verhaftet und treffen bei ihm auch Jennings wieder, dem es ähnlich ergangen ist. Santilla schlägt einen Deal vor: Die drei Männer sollen sich im Dorf des Rebellenführers Thomas de la Plata (Frank Langella) einschleichen und ein Attentat auf ihn verüben. Am Ziel angekommen, stellen die „Helden“ aber fest, dass de la Plata nicht nur gegen die Regierungstruppen kämpft: Der Halbwahnsinnige hat alle Priester seines Heimatorts hinrichten lassen und ein eigenes Schreckensregiment aufgezogen. Die gedungenen Mörder schlagen sich auf die Seite der Dorfeinwohner …

THE WRATH OF GOD ist leider ziemlich langweilig geraten, was wohl vor allem daran liegt, dass er sich nicht wirklich entscheiden kann, was er denn eigentlich sein will. Da wird mit dem verschlagenen Protagonistentrio der humorvolle Ton alter Abeneteuerfilme angeschlagen, dann wieder relativ ernste Kost geboten, in der ein aus längst vergangenen Zeiten einbrechendes Element, die stumme Indianerschönheit Chela, wie ein bizarrer Fremdkörper wirkt. Der ganze Auftakt scheint für die spätere Geschichte überhaupt keine Rolle mehr zu spielen: Dass de la Plata ein Regierungsgegner ist, ist für den weiteren Verlauf des Films völlig unbedeutend. Zu behaupten, es dauerte zu lang, bis der Film in Fahrt komme, wäre dann auch falsch: Es wird eigentlich vom Auftakt weg einiges an Action geboten, das Problem ist eher, das nichts davon wirklich tangiert, weil man die Motivationen der Figuren nicht versteht. Erst im letzten Akt klärt sich das Bild ein wenig und im Showdown kommt dann auch ein bisschen Stimmung auf, aber bis dahin kommt THE WRATH OF GOD eher einer tragischen Ressourcenverschwendung gleich.

Glaubt man der Business Time, so kommt CUTTHROAT ISLAND die zweifelhafte Ehre zu, der größte Box-Office-Flop nach Inflationsbereinigung zu sein (der Film hatte sogar die Ehre, im Guinness Buch der Rekorde verzeichnet zu werden). Aber selbst wenn man mit solchen Rekord-Zuweisungen vorsichtig ist, ist das finanzielle Versagen dieses Films immens: Bei einem Budget von rund 100 Millionen Dollar spielte CUTTHROAT ISLAND weltweit gerade einmal 18 Millionen ein (andere Quellen sprechen von 11) und bedeutete somit einen weiteren Sargnagel für die eh schon verschuldete Produktionsgesellschaft Carolco, die danach Konkurs anmeldete (sie hatte neben Harlins Piratenfilm auch noch SHOWGIRLS zu verkraften). Die Produktionsgeschichte verlief von Anfang an problematisch: Der eigentlich als männlicher Hauptdarsteller vorgesehene Michael Douglas sprang noch vor Produktionsbeginn wieder ab, was auch Geena Davis, die damalige Ehefrau von Renny Harlin, verunsicherte. Als Hauptdarstellerin war sie eh eine problematische Wahl, da sie zuvor in erster Linie in Komödien auf sich aufmerksam gemacht hatte: Ihr letzter Erfolg lag mit A LEAGUE OF THEIR OWN zudem bereits mehrere Jahre zurück. Die Bemühungen Harlins, einen Ersatz für Douglas zu finden, gestalteten sich nicht nur als überaus schwierig – anscheinend wollte keiner von Hollywoods leading men an dem Film beteiligt sein, was den Produzenten eine Warnung hätte sein sollen. Mit Matthew Modine fand Harlin zwar doch noch einen willigen Schauspieler für die männliche Hauptrolle, doch einen, der über keinerlei Zug an der Kasse verfügte. Die verlängerte Suche führte indessen zu einem weiteren Problem: Der Kulissenbau musste in Harlins Abwesenheit fertig gestellt werden, und weil der Regisseur mit dem Ergebnis unzufireden war, wurden aufwändige Umbauarbeiten nötig, die das eh schon üppige Budget noch weiter in die Höhe trieben. Ähnliches gilt für das Drehbuch: Noch während der laufenden Dreharbeiten wurde es regelmäßig umgeschrieben.

Nun haben auch andere Filme solche Probleme, ohne dabei so unterzugehen wie CUTTHROAT ISLAND, und selbst vergleichbare Flops haben oft lediglich das Pech, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Vielleicht war die Zeit für eine Renaissance des Swashbucklers Mitte der Neunziger tatsächlich noch nicht bereit (wie immer wieder kolportiert wird), acht Jahre später sah das bei PIRATES OF THE CARIBBEAN schon ganz anders aus (auch wenn ich auf das Piratenfilm-Revival, das Verbinskis Film angeblich eingeleitet haben soll, von dessen eigenen Fortsetzungen einmal abgesehen, bislang noch vergeblich warte). Vielleicht war es wirklich nur die unglückliche, für die großen Zuschauermassen uninteressante Besetzung, die das Schiff zum Kentern brachte: Geena Davis war selbst in ihren erfolgreichen Filmen nicht die Hauptattraktion gewesen und Matthew Modine war als Typ zu intellektuell, um als Love Interest in einem Abenteuerfilm jene Zugkraft bei den Zuschauermassen zu entfalten, die CUTTHROAT ISLAND gebraucht hätte, um ihn zum Erfolg zu machen. Aber selbst wenn man von solchen eher schwammigen Mutmaßungen absieht, wird bei Ansicht des Films schnell klar, wo das große Problem liegt: Es gelingt Harlin einfach nicht, seinem Mammutunternehmen Leben und Liebe einzuhauchen. CUTTHROAT ISLAND sieht fantastisch aus, er hat große, spektakuläre Action-Set-Pieces, opulente Bauten, Schiffe, Requisiten und Kostüme, eine herausragende Kameraarbeit, atemberaubende Stunts und einen wunderbar epischen Score von John Debney (vielleicht das Beste am ganzen Film), und dennoch fragt man sich die ganze Zeit, warum der Funke einfach nicht überspringen will.

Es scheint, als habe Harlin – und alle anderen Beteiligten – ungemeine Akribie darauf verwendet, die technische Seite des Films hinzubekommen und dabei völlig vergessen, sich um seine Charaktere zu kümmern. Die Piratenbraut Morgan (Geena Davis) und ihr Sidekick William (Matthew Modine) bleiben holzschnittartige Schablonen und auch ihre Beziehung kann der Film nicht glaubwürdig anbahnen. CUTTHROAT ISLAND hetzt von einem bombastischen Set-Piece zum nächsten, ohne jemals innezuhalten, Bilder und Trümmer fliegen an einem vorbei und kaum hat man einen Blick auf eine atemberaubende Hafenkulisse geworfen, wird sie auch schon wieder dem Erdboden gleichgemacht. Man vermisst bei dieser atemlosen Hatz die spezifischen Details, die nötig sind, um die Gemachtheit des Ganzen zu vergessen und in dieser Welt versinken zu können, um Figuren von Skizzen zu Menschen aus Fleisch und Blut werden zu lassen. Das zeigt sich auch an den Dialogen oder generell den kläglichen Humorversuchen. Alles wirkt wie ein zweit- oder drittklassiger Abklatsch, viele Dialogzeilen klingen wie ungeschliffene Platzhalter, wie Blindtext, den man versäumt hat, rechtzeitig durch echte Gags zu ersetzen. Über allem schwebt die Idee großen Entertainments voller Action, Komik und Romantik, aber während alte Swashbuckler pure Hollywood-Magie verströmen, produzieren die Zahnräder und Kolben, die hier nur unzureichend vor dem Zuschauer verborgen wurden, unter lautem Quietschen, Ächzen und Dampfen lediglich ein klobiges Etwas ohne Seele.

Ich will nicht zu hart mit CUTTHROAT ISLAND umgehen, denn erstens ist seine Messe längst gelesen worden und zweitens ist er kein hassens-, sondern eher ein bemitleidenswerter Film. Man ahnt bei Betrachtung, was den Beteiligten vorschwebte und was sie für dieses Projekt begeisterte. Man sieht die Mühe und Arbeit, die sie investierten, riecht den Schweiß, den sie dabei vergossen. Aber am Ende steht eben ein Produkt, dem die Eleganz und Transzendenz, die solche überlebensgroßen Entertainment-Wunderwerke im Idealfall ausstrahlen, vollkommen abgeht. Die Technik, das Handwerk stimmen, aber die Inspiration wird schmerzlich vermisst. Ich vermute, dass Renny Harlin für diesen Stoff schlicht und ergreifend der falsche Mann war. Jedem der es hören will (und allen anderen auch), sage ich, dass ich ihn für unterschätzt halte, darüberhinaus für einen der besten Actionregisseure der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre, verteidige ihn gegen die in den letzten Jahren immer häufiger zu vernehmenden Schmähungen; aber sein Talent für bis auf das nackte Gerüst reduzierte Genrefilme, für Formula Movies, die immer ganz kurz davor stehen, den Schritt zur selbstrefenreziellen Dekonstruktion zu machen, ist bei einem Projekt wie CUTTHROAT ISLAND, das in allererster Linie eine gewisse Naivität benötigt, völlig fehl am Platze. Es hätte mithin genau das Gegenteil eines Renny Harlin bedurft: einen Regisseur, der Plotlinien und Erzählmechanismen nicht bloßlegt, sondern sie durch Anhäufen von ornamentalen Details kunstvoll verdeckt.

Die Nachwirkungen von CUTTHROAT ISLAND waren so verheerend, dass die nachfolgende Paarung von Harlin und Davis in Shane Blacks großartigem THE LONG KISS GOODNIGHT ebenfalls zum Scheitern verurteilt war (die beiden hatten den Vertrag noch vor der Fertigstellung von CUTTHROAT ISLAND unterzeichnet, vermutlich zum späteren Schrecken von Black). Harlin drehte drei Jahre später noch den von mir sehr geliebten DEEP BLUE SEA, den man je nach Präferenz als letztes Hurra oder als ersten Schritt auf der Leiter nach unten betrachten kann, bevor eine anhaltende Folge von (oft sehr liebenswerten) Flops ihn endgültig in DTV-Gefilde führte. Noch schlimmer erwischte es aber Geena Davis, deren Karriere als Leading Lady nach THE LONG KISS GOODNIGHT noch schneller vorbei war als ihre Ehe mit Harlin. Der größte Erfolg, den die IMDb für sie danach verzeichnet, ist der Kinderfilm STUART LITTLE. Schlimmer geht’s nimmer.

Knapp 15 Jahre bevor Francis Ford Coppola den Vampirfürsten als tragischen Liebhaber interpretierte, versuchte John Badham dem Stoff mit seiner eigenen Adaption die romantischen Seiten abzuringen. Dass sein Film heute trotz dieses innovativen Ansatzes nicht den ganz großen Stellenwert genießt, dürfte nicht zuletzt an der Besetzung seines Titelhelden liegen. Zwar füllt Frank Langella seinen Graf Dracula mit düsterromantischer Anziehungskraft und intensiver, beunruhigender Ausstrahlung, zeigt in seiner Augenpartie gar eine gewisse Ähnlichkeit mit Christopher Lee, doch mag seine Föhnfrisur so gar nicht zu unserem Bild des jahrhundertealten Monstrums passen. Die Bemühungen Badhams, die Zeit, in der die Geschichte spielt, durch monochrome, sepiafarbene Bildgestaltung aufleben zu lassen, werden durch Langellas Discofrisur gewissermaßen wieder zunichte gemacht. Der Darsteller kämpfte aber, wie einige andere, die sich zuvor als Dracula versucht hatten, sowieso schon auf verlorenem Posten: Neben Christopher Lee oder Bela Lugosi, die der Rolle ihren unvergänglichen Stempel aufgedrückt hatten, ist kaum noch Platz.

Man muss Badham zugutehalten, dass er das wohl auch wusste. Sein Fokus liegt demnach mehr auf der Schaffung einer morbiden, aber auch traurigen Atmosphäre und genau da – wie auch bei den kurzen, aber ausgesprochen stimmungsvollen Gruselszenen – hat DRACULA dann auch seine genuin eigenen Stärken. Siedelten Browning und Fisher ihre Filme in einer pulpig verzerrten Gothic-Welt an, ließ Coppola ihn stilistisch in alle möglichen Richtungen ausufern, wirkt die Welt in Badhams Film abgeschottet, leer, hoffnungslos, tot. Badham verzichtet auf den üblichen Prolog in Transsilvanien, wählt als Handlungsort vielmehr das monolithisch auf einer schroffen Klippe liegende Sanatorium von Dr. Seward, das ihm und seiner Familie auch als Haus dient. Umgeben ist es von graubrauner Ödnis und einem windschiefen Friedhof, der mit dem Wort „Totenacker“ besser beschrieben ist. Der plötzlich auftauchende Graf Dracula bildet in dieser desillusionierenden Welt den einzigen Farbtupfer, die Andeutung von Gefühlen, die zuvor undenkbar schienen. Sein Haus, Fairfax Abbey, ist auf einer kleinen Insel inmitten eines Sees gelegen: ein verheißungsvoller, mysteriöser Sehnsuchtsort, der aber dringend die Anwesenheit einer Dame vertrüge (nicht nur, um die Spinnweben zu entfernen). Die auserkorene Lucy (Kate Nelligan) wird dann auch in einer mit schwofigen Laser- und Raucheffekten unterlegten Liebesszene nach allen Regeln der Kunst verführt: die einzige Szene, die die strenge Farbpalette des Films aufbricht. Diesen motivischen wie stilistischen Kontrast herzustellen, war wohl Badhams Absicht, aber der Plan geht nur bedingt auf. Anstatt zwei mögliche, höchst unterschiedliche Lebensentwürfe nebeneinanderzustellen und den Film aus diesem Spannungsverhältnis heraus zu gestalten, wirkt er in sich unentschlossen. Die Synthese gelingt nicht, wohl auch, weil DRACULA letzten Endes das Bedürfnis des Publikums nach Katharsis und Spektakel befriedigen muss. Das Finale folgt eindeutig dieser Konvention, passt aber eigentlich nicht zur Stimmung, die zuvor so behutsam aufgebaut wurde.

Die Publikumsbindung wird jedoch an anderer Stelle durch den Verzicht auf eine echte Hauptfigur erschwert. Das Drehbuch richtet den Fokus mal auf Lucy, dann wieder auf Jonathan Harker (Trevor Eve), auf Dracula und schließlich auf Prof. van Helsing (Laurence Olivier), ohne sich wirklich für einen entscheiden zu können. So ist der Betrachter ständig gezwungen, die Perspektive zu wechseln. Grundsätzlich kein uninteressanter Einfall, gerade bei einem Stoff, der hinlänglich bekannt ist (und in der literarischen Vorlage auch keine Hauptfigur kennt), aber Badham gewinnt ihm nur wenig Reiz ab, büßt lediglich die emotionale Anbindung ein. Der größte, echte Schwachpunkt ist allerdings Laurence Olivier. Sein van Helsing ist ein zögerlicher, weinerlicher Tattergreis, dem der Mime erneut (wie etwa auch in THE JAZZ SINGER) einen seiner grässlichen Akzente aufzwingt und ihn so zur Nervensäge degradiert. Dieser van Helsing hat Dracula eigentlich nichts entgegenzusetzen, und dessen Tod ist damit nicht verdient, vielmehr lediglich vom Drehbuch herbeifabuliert. Insgesamt hat mir DRACULA wahrscheinlich ein Stück besser gefallen, als es hier den Anschein macht, aber für die große Begeisterung hat dann doch etwas gefehlt.

 

Als der Waffenhersteller Globotech sein Geschäft auf die Produktion von Spielwaren erweitert, landen hochmoderne Chips zur Steuerung von Raketen in einer Reihe von Actionfiguren: der „Commando Elite“ und ihren freundlichen außerirdischen Gegnern, den Gorgonites. Dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln, wäre nicht so schlimm, würden in ihren Konflikt nicht auch Menschen hineingezogen. Der Junge Alan (Gregory Smith), der die Figuren von einem Lieferanten entgegen genommen hat, muss so nicht nur die friedlichen Gorgonites verteidigen, sondern auch seine Eltern, das Nachbarehepaar sowie deren Tochter, die von ihm angebetete Christy (Kirsten Dunst) … 

Nach einer fünfjährigen Pause, in der Joe Dante ausschließlich fürs Fernsehen arbeitete, bedeutete SMALL SOLDIERS seine Rückkehr zu den fantasie- und humorvollen Genrefilmen, mit denen er in den Achtzigerjahren bekannt geworden war. An deren Erfolg konnte er zwar leider nicht mehr anknüpfen, dennoch wird sich der Dante-Freund in SMALL SOLDIERS sofort heimisch fühlen. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum das große Comeback mit diesem Film nicht gelingen wollte: Trotz der modernen Effekte mutet SMALL SOLDIERS fast anachronistisch an. Die Kleinstadt, in die die Spielzeugsoldaten einfallen, erinnert an Kingston Falls, das idyllische Neverland aus GREMLINS, die albernen Nachbarschaftsstreitereien zwischen Alans Eltern und den Fimples sind eine Fortsetzung der Konflikte aus THE ‚BURBS, die Laborszenen lassen an INNERSPACE denken und die Zitate und Verweise beziehen sich auf Dantes Werk (die obligatorischen Auftritte von Dick Miller und Robert Picardo) sowie auf Filme, die für die angepeilte jugendliche Filmseherschar fast als steinzeitlich bezeichnet werden müssen. Und der Mittelteil, in dem zeitgenössische Filme von einem Zwischenhoch zum nächsten hetzen, fällt hier aufreizend ruhig aus.

Mehr jedoch als diese Oberflächlichkeiten ist es wieder einmal der nostalgische Ton, mit dem Dante seinen Film inszeniert, und das klare Wertesystem, mit dem er ihn ausstattet, die in den ausgehenden Neunzigerjahren einen Bruch zwischen ihm und seinem vermeintlichen Publikum markieren mussten. Und von diesem Bruch handelt letztlich der ganze Film. Der Spielwarenladen von Alans Vater mit dem bezeichnenden Namen „The Inner Child“ (womit man auch Dantes Werk treffend beschrieben könnte) setzt nämlich gerade nicht auf die martialische Plastik-Actionpuppen und die seelenlosen Erzeugnisse von Franchisenehmern, von denen der Film handelt, sondern auf altmodisches Holzspielzeug und beraubt sich damit selbst seiner Kundschaft. Kein Kind will dort etwas kaufen, weil alles „uncool“ ist, und Christys kleiner Bruder empfindet es geradezu als Strafe, ausgerechnet in dieses Geschäft geführt zu werden, um sich ein Geburtstagsgeschenk auszusuchen. Dante wählt sehr folgerichtig nicht die schlagkräftige Soldateneinheit als seine Helden, sondern die Gorgonites, die von ihrem Erfinder eigentlich als freundliches Lernspielzeug erdacht worden waren – was der Globotech-Chef (Denis Leary) entsetzt als wirtschaftliche Fehlkonzeption erkennt und sie entsprechend umfunktioniert. Mit der Entscheidung für das Künstliche, Kurzfristige, Überwältigende und der Vorherrschaft des Paradigmas „finanzieller Gewinn“, das hinter dieser Entwicklung steht, droht die Welt aber auch ihre Schönheit zu verlieren. Nicht einmal die einst so heile Kleinstadt-Welt, in der Dante seinen Film ansiedelt, ist vor diesem Wandel noch gefeit: Fimple sägt den Baum des Nachbarn ab, um einen besseren Satellitenempfang zu haben, und klagt immer noch über das unscharfe Bild seiner pompösen Heimkino-Anlage. Und weil jede Gesellschaft das Spielzeug bekommt, das sie verdient, machen die Oneliner-bellenden Commando Elites (synchronisiert von den Darstellern aus Aldrichs THE DIRTY DOZEN – Ernest Borgnine, Jim Brown, George Kennedy – sowie Tommy Lee Jones und Bruce Dern) Jagd auf die sich nach ihrem Naturplaneten Gorgon sehnenden Aliens.

Diese Themen kennt man bereits aus GREMLINS 2: THE NEW BATCH, doch war der in sich angefressen, weil er selbst ein Auswuchs jenes Technikwahns war, den er auf der Handlungsebene kritisierte. In SMALL SOLDIERS ist das etwas anders: Dante sägt auf seine humorvoll-geistreiche Weise an dem Ast, auf dem es sich Hollywood bequem gemacht hat. Man kann fast spüren, wie schwer sich Dante damit tut, ihn von seinen Charakteren weg- und auf den effektgeladenen Showdown hinzuführen. Ich würde SMALL SOLDIERS so gesehen zwar als schwächsten Dante-Film bis zu diesem Zeitpunkt bezeichnen, aber das heißt letztlich nicht mehr, dass er nicht „sehr gut“, sondern nur „gut“ ist. Und aus diskursanalytischer Sicht ist er wie fast alles von Dante eh unbezahlbar.