Mit ‘Frank Tashlin’ getaggte Beiträge

201194.1020.A[1]Rick Todd (Dean Martin), ein aufstrebender Maler, und sein Freund Eugene Fullstack (Jerry Lewis), Kinderbuchautor, nagen am Hungertuch: Jeden Job, den Rick den beiden darbenden Künstlern ergattert, verliert Eugene mit seiner Tagträumerei, weil er immerfort an die Heldin seiner Liebelingscomics denken muss, die mysteriöse „Bat Lady“. Als Eugene eines Abends feststellt, dass die Bat Lady in der Wohnung über ihnen wohnt – bzw. die attraktive Bessie (Shirley MacLaine), die der Zeichnerin der Bat-Lady-Comics Abbie (Dorothy Malone) Modell steht -, ist das nur der Beginn von haarsträubenden Turbulenzen, in die am Ende sogar das CIA verwickelt ist … 

Toll, toll, toll! ARTISTS AND MODELS mag nicht über die formale Stringenz und den symbolisch-mythologisch aufgeladenen, gleichzeitig aber beinahe abstrakten Plot von HOLLYWOOD OR BUST verfügen, dieses Manko macht er aber durch seinen herrlich wilden Handlungsverlauf, perfekt getimte Slapstick- und Comedy-Einlagen, die wunderbare Besetzung (neben Anita Ekberg taucht unter anderem auch Jack Elam auf) und den gewohnt farbenfrohen Inszenierungsstil von Tashlin mehr als wett.  Darüber hinaus hat ARTISTS AND MODELS aber noch mehr zu bieten, fungiert er doch als Beweis, dass sich die Haltung zur Populärkultur in den vergangenen Jahrzehnten wenn überhaupt, dann höchstens marginal verändert hat. Comics gelten auch in der Welt von ARTISTS AND MODELS als Schund: Diesen Standpunkt vertritt nicht nur  Rick gegenüber seinem Kumpel Eugene, der Herausgeber der Bat-Lady-Comics selbst hat keine andere Verkaufsstrategie als „Sex & Crime“. Und die über die Verrohung ihrer Kinder erbosten Eltern wissen ihrerseits keinen anderen Ausweg aus der Misere, als die Verantwortung den Machern aufzuerlegen. Es ist ein typischer Tashlin-Zug, dass er dieses Übertragen der Verantwortung auf die denkbar grafischste Art und Weise darstellt: Die wütende Mutter lässt ihr verzogenes Balg in den Büros des Comicverlages zurück, auf dass die Comicmacher sehen, was sie mit ihrem Werk angerichtet haben. Die berechtigte Frage von Verlagschef Murdock (herrlich: Eddie Mayehoff), wie die Mutter behaupten könne, sich Sorgen zu machen, nur um ihr Kind im gleichen Atemzug genau denen anzuvertrauen, die doch ihrer Meinung nach für dessen Benehmen verantwortlich sind, verhallt ungehört. Im Kern erzählt Tashlin jedoch wieder einmal die Geschichte des gutherzigen Simpletons Lewis (bzw. Eugene), dessen stets als Fakt angenommene kindliche Unschuld den armen Dean Martin (bzw. Rick) hier in ernste Schwierigkeiten bringt. Als Rick die von Eugene im Schlaf vorgetragenen Geschichten in ein Comic für Murdock verwandelt, gibt er damit unwissentlich eine Geheimformel preis, an der der CIA gerade arbeitet. Was in Tashlins Film in erster Linie dazu dient, seinen Plot auf die nächste Absurditätsstufe zu bringen, hat sich ja längst zum Klischee entwickelt: der gutmütige Trottel, der gar nicht weiß, dass er wichtiges Datenmaterial gespeichert hat (man denke etwa an Donners gurkigen CONSPIRACY THEORY). 

Das bringt mich dann auch zum Schlüssel für diesen Film – und zu der Gemeinsamkeit, die ARTISTS AND MODELS dann doch mit HOLLYWOOD OR BUST wereint. Denn es ist wieder einmal Jerry Lewis dessen Persona dem Film erst Struktur verleiht. Das von Eugene im Film geäußerte (und besungene) Credo „Let’s pretend“ wird zur naiv gewendeten Proklamation des „anything goes“: Wenn Eugene nur eine Bohne auf dem Teller hat, gelingt es ihm durch seine Vorstellungskraft, sich einzubilden, sie sei ein Steak – das dann wenig später durch glückliche Umstände tatsächlich auf seinem Teller liegt; seine Träume werden immer wieder Realität: Erst, als er der Bat Lady begegnet, dann als seine erfundene Formel tatsächlich existiert. Auch in der Dramaturgie folgt Tashlin diesem Credo, verwandelt sein Verlierermärchen erst in eine Doppel-Liebesgeschichte und dann schließlich in eine Agentenposse, die die Gesetze von Zeit, Raum und Schnitt geradezu auf den Kopf stellt. Somit ist auch dieser drittletzte Film des Gespanns Lewis/Martin im Kern ein Film übers Filmemachen, über das Geschichtenerzählen, die Freude am Make-believe und schließlich über nichts weniger als die heilsamen Folgen solcher Dichtung. Tashlins Film ist wieder einmal eine herrliche Fundgrube, vollgepackt bis obenhin und dazu noch einer der lustigsten Filme von Martin und Lewis.

416839.1010.A[1]Der New Yorker Ganove Steve Wiley (Dean Martin) sitzt in der Patsche: Er steht bei seinem Buchmacher mit 3.000 Dollar in der Kreide. Doch er hat schon einen Plan, wie er das Geld auftreiben kann. Mithilfe eines gefälschten Loses will er bei einer öffentlichen Tombola den Hauptpreis, ein nagelneues Auto, gewinnen. Der Plan scheint zu gelingen, doch dann kommt ihm der Besitzer des echten Gewinnertickets, Malcolm Smith (Jerry Lewis), in die Quere. Weil der Veranstalter nun beide als rechtmäßige Gewinner anerkennt, hat Wiley ein neues Problem: Er muss den anhänglichen Malcolm loswerden, um das Auto in bares Geld zu verwandeln. Doch Malcolm, ein Filmfan wie er im Buche steht, hat nur ein Ziel – Hollywood! Und seine dänische Dogge Mr. Bascomb weiß alle Versuche Wileys, seinen ungewollten Partner wieder loszuwerden, zu vereiteln …

Man könnte über HOLLYWOOD OR BUST wahrscheinlich seitenweise schwadronieren, ohne dabei irgendwas den Film selbst zu sagen. Tashlins zweite Zusammenarbeit mit dem Erfolgsduo Martin/Lewis markierte nämlich das Ende sowohl ihrer Erfolgsverbindung als auch ihrer Freundschaft – nach zehn Jahren gemeinsamer Bühnenauftritte und immerhin 16 Filmen. Glaubt man der Legende, so waren die Dreharbeiten zu HOLLYWOOD OR BUST alles andere als harmonisch: Abseits der Kamera wechselten die beiden Stars kein einziges Wort miteinander. Wohl einer der Gründe dafür, dass Jerry Lewis lange behauptete, sich diesen Film nie angesehen zu haben, weil für ihn zu schmerzhafte Erinnerungen damit verbunden seien. Umso erstaunlicher, dass man dem Film, der zusammen mit ARTISTS & MODELS – ebenfalls von Tashlin – gemeinhin als bester des Gespanns bezeichnet wird, diese Probleme rein gar nicht ansieht. HOLLYWOOD OR BUST sprüht geradezu vor Esprit. Die kaum als solche zu bezeichnende Handlung dient Tashlin zum Anlass für eine ganze Reihe quietschbunter und -vergnügter Tableaus, die sich in rasanter Folge abwechseln und – ein weiteres Wunder – trotz ihrer Albernheit niemals im negativen Sinne kindisch wirken. Auf den ersten Blick könnte man Tashlins Film durchaus unterstellen, nicht mehr als plumpen Eskapismus und Eigenwerbung der Traumfabrik zu bieten. HOLLYWOOD OR BUST ist tatsächlich soetwas wie die Apotheose des gutgelaunten und glamourösen Hollywood-Starvehikels, ein Film, der alle technischen Mittel und verfügbaren Ressourcen in die Waagschale wirft, um seinem Publikum die totale Unterhaltung zu bieten. Doch spätestens, wenn man von der Bewunderung hört, die die berühmten Köpfe hinter der Cahiers du Cinema dem Film entgegenbrachten – Jean-Luc Godard zählte ihn zu den zehn besten des Jahres -, bietet sich ein Anreiz, nach mehr zu suchen. Und dann findet man einen Film, der mit seinem schon im Titel offenbarten selbstreferenziellen Ansatz ungewöhnlich subtil vorgeht und trotz aller Handlungsarmut reich an Assoziationen und Andeutungen ist.

HOLLYWOOD OR BUST beginnt mit einem sich direkt an den Zuschauer wendenden Dean Martin, der über die Beliebtheit von (Hollywood-)Filmen spricht. Seine These: Überall auf der Welt sei man versessen auf Filme. Dies wird nun von Jerry Lewis unter Beweis gestellt, der u. a. als Klischeefranzose, -chinese und -russe die internationalen Sehgewohnheiten persifliert. Nachdem Dean Martin gute Unterhaltung gewünscht hat, setzen die Credits und der eigentliche Film ein: Diese scharfe Trennung zwischen Prolog und Hauptteil wird nach 90 Minuten kaum noch aufrechtzuerhalten sein. Der selbstreferenzielle Diskurs reduziert sich zunächst auf die Figur des Malcolm Smith, einen Filmfan, der die Besetzungs- und Stablisten aller möglichen Filme auch in den unsinnigsten Situationen aufzählen kann und Wiley damit gehörig auf die Nerven fällt. Allerdings eröffnet sich für Wiley damit auch die Chance, Malcolm zu ködern: Er behauptet, Nachbar von Anita Ekberg, Malcolms großem Schwarm, zu sein. Das folgende mittlere Drittel enttäuscht zunächst die Erwartungen, indem es nicht schnurstracks nach Hollywood führt. HOLLYWOOD OR BUST verwandelt sich stattdessen in ein Roadmovie und widmet sich den Reiseabenteuern der Protagonisten, zu denen sich neben Malcolms Hund Mr. Bascomb noch die schöne Terry Roberts (Pat Crowley) gesellt, eine aufstrebende Sängerin, die nach Las Vegas will. Die verschiedenen Staaten der USA, durch die die drei fahren, werden sowohl durch den Text einer gemeinsam gesungenen Nummer als auch durch typische Landschaftsaufnahmen illustriert, die wiederum das Klischeehafte betonen: Malcolm, Wiley und Terry begeben sich nicht auf eine reale Reise durch ein reales Land, sondern durch dessen filmische Repräsentation. Es ist nur zu folgerichtig, dass Tashlin immer wieder artifiziell aussehende Studiokulissen für seine Naturszenen nutzt. HOLLYWOOD OR BUST spielt munter mit der durch Filmbilder präfigurierten Vorstellung seiner Zuschauer, suggeriert eine Parallelwelt, die komplett nach den Gesetzen Hollywoods funktioniert. Die drei Reisenden sind deutlich als harmonische Kernfamilie (mit Hund) gezeichnet, die USA als das Land of Milk and Honey, durch das die willigen Schönheiten tänzeln und wo das Schicksal an jeder Ecke wartet. Der Titel und die Reise nach Westen spielen natürlich auf den amerikanischen Traum und den Pioniergeist der Gründerzeit an, die aber immer wieder infrage gestellt werden: Das Geld, das Malcolm in Las Vegas erspielt, ist schnell wieder weg, der Charme Dean Martins entpuppt sich in einer Szene als ausgesprochen rüde und übergriffig, die Diva Ekberg reagiert zunächst alles andere als freundlich auf Malcolms Annäherungsversuche und Hollywood ist letztlich kaum mehr als eine Kulissenstadt, hinter deren Fassaden es alles andere als glamourös aussieht.

Das Finale inszeniert Tashlin dann auch als turbulente Hatz durch verschiedene Studiosettings, die die Frage aufwirft, ob nicht der  gesamte vorherige Film als Film im Film anzusehen ist. Haben Malcolm und Wiley die Kulissen Hollywoods jemals verlassen?  Und von dieser Frage aus weitergehend: Gibt es überhaupt eine Welt außerhalb Hollywoods? Der Wortwitz des Titels bietet ebenfalls keine Alternative zur Traumfabrik: „Hollywood or bust“ ist zunächst einmal das Credo all derer, die sich voller Hoffnung in die Filmstadt begeben, um es dort eben zu schaffen oder nicht. Innerhalb von Tashlins Film kommt ihm aber eine weitere Bedeutung hinzu: „Bust“ verweist auch auf die üppigen Formen Anita Ekbergs, Malcolms Traumfrau. So werden Malcolm und Wiley am Schluss doppelt vereinnahmt: Malcolm angelt sich Anita, indem er ihr seinen Hund für einen Film anbietet, und verschafft sich so gemeinsam mit seinem Freund Eintritt in die schillernde Welt des Showgeschäfts. Vor Hollywood gibt es kein Entkommen.

Bruce Templeton (Rod Taylor) ist Erfinder und mit einem wichtigen Raumfahrtprjoekt betraut. Als er die attraktive Jennifer Nelson (Doris Day) kennen lernt und herausfindet, dass diese ebenfalls für seine Firma arbeitet, stellt er sie als seine persönliche Biografin ein. Es sprühen die Funken, bis Bruce‘ Arbeitgeber den Verdacht äußern, Jennifer könnte eine Spionin der Gegenseite sein …

Frank Tashlins Komödie verdankt ihren Appeal der Verbindung Bond’scher Spionage-Science-Fiction und der hausmütterlichen All-American-Mom-Persona Doris Days. Die High-Tech-Gimmicks der Bond-Filme gehören hier nicht der Sphäre des Hochverrats an, sondern dem Betätigungsfeld der amerikanischen Familie: So wird Jennifer in Templetons Küche mit einer vollautomatisierten Küchenzeile und einem intelligenten Putzroboter konfrontiert. Und weil Jennifer von diesen harmlosen Erfindungen sichtlich verunsichert wird, wirkt die Idee von Tempeltons Vorgesetzten, die arglose Jennifer könne im Dienste der Russen stehen, umso absurder. Oder wie es Templeton nur wenig charmant ausdrückt: „Sie ist nicht intelligent genug für Spionage!“ Das kann man durchaus auch als Kritik am US-amerikanischen Status Quo lesen, wenn man will. Es gibt Vieles, das THE GLASS BOTTOM BOAT zur Ehre gereicht – Tashlins wunderbare Bildgestaltung (diese Farben!), die Chemie zwischen den Stars Doris Day und Rod Taylor und die herrlichen Auftritte von Dom DeLuise als trotteliger Spion –, dennoch hat der Film mit nicht unerheblichen Pacing-Problemen zu kämpfen: Nach der Exposition will der Film einfach keinen richtigen Zug entwickeln, springt er irgendwie unentschlossen von einer Szene zur nächsten. Da ist es dann umso erstaunlicher, dass die letzten vierzig Minuten, in denen die einzelnen Plotfäden bei einer Party im Hause Templetons zusammengeführt werden, wie aus einem Guss erscheinen und THE GLASS BOTTOM BOAT zu einer famosen Screwball-Komödie machen.

Rockwell Hunter (Tony Randall) arbeitet als Texter in einer Werbeagentur und ist es gewöhnt von den Entscheidungsträgern regelmäßig missachtet und geringgeschätzt zu werden. Als seine Firma um einen wichtigen Kunden kämpft – den Hersteller eines Lippenstifts –, kommt Hunter jedoch der entscheidende Einfall: Als Werbeträgerin soll die gerade aus Liebeskummer in New York weilende Diva Rita Marlowe (Jayne Mansfield) engagiert werden. Mit viel Eigeninitiative gelingt es Rockwell tatsächlich, Marlowe zu gewinnen. Doch dafür muss er als ihr persönlicher Liebhaber fungieren: Es stellt sich heraus, dass der Hollywoodstar ganz genau weiß, wie man das Interesse der Öffentlichkeit gewinnt. Rockwells ordentliches Leben steht bald völlig auf dem Kopf …

Nach THE GIRL CAN’T HELP IT arbeitete Tashlin zum zweiten Mal mit der üppigen Jayne Mansfield zusammen und nutzte ihre Kunstfigur für eine bissige, aber niemals gemeine Komödie über Lebenskonzepte, Materialismus, Gier und Erfolg. Rock Hunter ist dem Erfolg auf den Fersen, nichts wünscht er sich sehnlicher als endlich den Schlüssel zum exklusiven Waschraum der Executives zu erhalten – hier lässt sich schon erahnen, dass der Traum vom Erfolg reichlich leer ist. Als er plötzlich als Liebhaber der Marlowe zur Berühmtheit wird, muss er jedoch schnell erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt: Seine Verlobte beginnt sich zu verändern, um seiner neuen Flamme Konkurrenz zu machen (herrlich, wie sie die spitzen Kiekser der Mansfield imitiert und auf hohen Hacken mit Tippelschritten durchs Büro stöckelt), er kann kaum noch die Straße überqueren, ohne von hysterischen Teens verfolgt zu werden, und in der Chefetage seiner Firma angelangt, stellt er fest, dass das alles nicht das ist, was er eigentlich wollte. Das ist zugegebenermaßen alles nicht neu, von Tashlin (der das Drehbuch nach einem Bühnenstück selbst adaptierte) aber so dicht gewoben, von den Darstellern, allen voran Jayne Mansfield und Tony Randall, so brilliant gespielt, dass man bereit ist WILL SUCCESS SPOIL ROCK HUNTER? seine „Lebe dein Leben!“-Botschaft wirklich abzunehmen. Mit seinem Thema von Konditionierung und Verführung durch Werbung ist Tashlins Film auch heute noch erstaunlich zeitgemäß. Erstaunlich, wie wenig sich das Spiel von Publicity und Showmanship in den letzten 50 Jahren tatsächlich verändert hat. Als Sahnehäubchen obendrauf gibt es einen kurzen Gastauftritt von Groucho Marx als Ritas ewige Flamme George Schmidlapp. Essenziell!

Der Musikagent Tom Miller (Tom Ewell) wird von dem ehemaligen Gangsterboss Fats Murdock (Edmond O’Brien) engagiert, um dessen Geliebte, die betörende Jerri Jordan (Jayne Mansfield), zum Star zu machen. Nachdem Tom mit ihr bleibenden Eindruck in der Szene hinterlassen hat und die Saat für weitere Schandtaten bereitet hat, muss er feststellen, dass Jerri überhaupt nicht singen kann und auch überhaupt kein Interesse daran hat, berühmt zu werden. Dafür wächst das gegenseitige Interesse aneinander aber ins Unendliche. Der Ärger ist vorprogrammiert.

Grandios! Viel mehr gibt es zu dieser fabelhaften Komödie von Frank Tashlin eigentlich nicht zu sagen. Schon die Eröffnung mit der „Einstellung“ des Bildformats und der Farbe sowie des Tons ist ein gelungener Auftakt, auf den Tashlin ein in dieser Form sicherlich einmaliges Gag- und Musikfeuerwerk folgen lässt. Die witzigsten Szenen hat eindeutig O’Brien als vulgärer und cholerischer Gangsterboss abbekommen, der seine Knasterfahrungen in zahlreichen schwachsinnigen Songtexten festgehalten hat und am Schluss seinen idiotischen Hit „Rock around the Rock Pile“ intonieren darf. Aber auch Tom Ewell, der nur ein Jahr zuvor in THE SEVEN YEAR ITCH den Reizen der Monroe hilflos ausgeliefert war, und sich  sich hier nun der nicht weniger beeindruckenden Mansfield gegenüber sieht, die als Jerri Jordan so viel lieber Hausfrau wäre, anstatt Popstar zu werden, darf sein komisches Talent voll ausspielen. Die Überraschung des Films war für mich aber eindeutig Frau Mansfield, die ich eher als Sternchen mit üppigem Dekolleté und makabrem Abgang (siehe CRASH) abgeheftet hatte, die hier aber einiges an schauspielerischem Geschick offenbart und vor allem unendlich sympathisch wirkt. Abgerundet wird dieser Augenschmaus von einem Film – man wird fast berauscht von den kräftigen Farben, in die Tashlin seine Sets und Schauspieler hüllt – durch die Gastauftritte zahlreicher seinerzeit populärer Rock’n’Roller und Musikstars wie etwa Little Richard, Fats Domino, Gene Vincent, Julie London, Eddie Cochran, Eddie Fontaine, The Platters und vielen anderen. Frank Tashlin offenbart sich einmal mehr als echtes Komödiengenie, dessen Animationsvergangenheit ihn in der Rezeption leider immer etwas einseitig abstempelt. Ständig wird das Cartooneske seiner Komödien betont, seine Bildkompositionen damit zum reinen Gimmick herabgewürdigt, ganz so, als sei Film keine Kunstform, in der die Visualität im Vordergrund stünde. Mit THE GIRL CAN’T HELP IT beweist er durchaus noch einiges mehr: Ein herausragendes Timing und ein beachtliches Einfühlungsvermögen. Riesenfilm! Meisterwerk! Ansehen! Sofort!

Jerome Littlefield (Jerry Lewis) arbeitet als Pfleger und Mädchen für alles in einer Nervenheilanstalt. Obwohl er ein absolutes Nervenbündel ist, der in seinem Drang, alles möglichst perfekt zu machen, eine Katastrophe nach der anderen auslöst und außerdem an einer psychischen Disposition leidet, die ihn aus Mitleid den Schmerz seiner Patienten physisch nachempfinden lässt, hält die Klinikleiterin große Stücke auf ihn: Das liegt in einer alten, unerwiderten Liebe zu Littlefield Senior und in des Juniors Philanthropie begründet. Als jedoch eine Patientin eingewiesen wird, die Jerome an seine alte Jugendliebe erinnert, bricht das Chaos aus …

Die äußerst produktive Verbindung mit Jerry Lewis, mit dem Tashlin insgesamt acht Mal (zwei Mal in Verbindung mit Dean Martin) zusammenarbeitete, erwies sich zu diesem späten Zeitpunkt seiner Karriere in zweierlei Hinsicht als Hemmschuh: Erstens, weil Lewis mittlerweile selbst erfolgreich ins Regiefach gewechselt war und man Tashlin demzufolge als alleinigen Urheber nicht mehr wirklich Ernst nahm, zweitens, weil der Karriereknick, den Lewis in der zweiten Hälfte der Sechzigerjahre erleiden sollte, auch Tashlins Laufbahn beeinträchtigte. In THE DISORDERLY ORDERLY gelingt es beiden noch einmal ganz gut, ihre kreativen Kräfte zu einem erneut sehenswerten Film zu vereinen, dennoch ist vor allem in den ersten 10 bis 15 Minuten unübersehbar, dass beide durchaus in einem Konkurrenzverhältnis zueinander standen, das nicht immer zum Besten des Films geriet: Allzu hysterisch und episodisch mutet der Auftakt an und Lewis verlässt sich mehr auf grimassierende Eskapaden, denn auf elaborierte Slapstickszenen. Erst nach dieser Exposition gelingt es Tashlin, seinen Star etwas zu bändigen und dessen Possen in einen narrativen Rahmen zu bringen. Wenn die Figur Jerome Littlefields dann aber etwas weiter ausgearbeitet wird, ruhigere Passagen das Sketchgewitter zumindest kurzzeitig unterbrechen und Tashlins grafischer Stil, der THE DISORDERLY ORDERLY im letzten Drittel vollkommen in die Nähe der Looney-Tunes-Cartoons rückt, etwa in der phänomenalen Verfolgungsjagd zum Schluss, die Oberhand gewinnt, entwickelt sich ihre letzte Zusammenarbeit zu einem kaum noch erwarteten Volltreffer. Was das Sammelsurium an Slapstickeinlagen, Lewisschem Körperhumor und Tashlins grellbuntem Cartoonstil im Innersten zusammenhält, ist nämlich wieder einmal das humanistische Herz: Lewis gibt erneut den Narren, der zu gut ist für diese Welt, un dabei stets ins Hintertreffen gerät. Herrlich ist die Szene, in der er sich die Krankheitsgeschichten der gschwätzigen Mrs. Fuzzibee anhören muss, und er sofort an denselben Symptomen wie die Patientin zu leiden beginnt, wunderbar das Zusammenspiel mit der burschikosen Lewis-Stammkraft Kathleen Freemann, das an die Konstellation von Sellers und Lom in Blake Edwards PINK PANTHER-Filmen erinnert. Wenn man die Exposition überstanden hat – hier ist es durchaus hilfreich kein Lewis-Neuling mehr zu sein –, darf man sich auf einen bunten, lebensfrohen, schrillen und herzerwärmenden Film freuen, der so nur in den Sechzigerjahren entstehen konnte. Und egal, wie man nun zu Lewis oder Tashlin stehen mag: Das beide für einen einzigartigen inszenatorischen, visuellen und komödiantischen Stil standen, ist nicht von der Hand weisen.

cinderfella (frank tashlin, usa 1960)

Veröffentlicht: März 24, 2008 in Film
Schlagwörter:, , ,

Als sein Vater stirbt, hat Fella (Jerry Lewis) nichts mehr zu lachen: Seine Stiefmutter (Judith Anderson) und seine beiden Stiefbrüder Maximilian (Henry Silva) und Rupert (Robert Hutton) nutzen den gutmütigen Kerl schamlos aus, degradieren ihn zu ihrem Privatsklaven, anstatt – wie es der letzte Wille des Vaters eigentlich vorsieht – gut zu ihm zu sein. Als ein großer Ball ansteht, auf dem eine waschechte Prinzessin eingeladen ist, erscheint Fella der „Fairy Godfather“ (Ed Wynn), der ihm dabei behilflich ist, das Herz der Prinzessin zu erobern …

aschenblodel.jpgFrank Tashlins CINDERELLA-Adaption vereint wieder die Elemente, die schon seine beiden vorherigen Lewis-Kollaborationen auszeichneten: die ganz auf ihren Hauptdarsteller zugeschnittenen Slapstick-Einlagen, den absurden grafischen Humor in Verbindung mit grellbunten Settings und eine knapp an ungebremsten Kitsch grenzende humanistische Ausrichtung. Letztere geht natürlich ebenfalls mit der Persona Lewis‘ einher. Als sprichwörtlicher „Typ“ Fella, ist Lewis der Vertreter des Durchschnittsbürgers: weder besonders gutaussehend, noch besonders intelligent, noch sonst irgendwie hervorstechend. Ich sage bewusst „Bürger“ und nicht „Mann“, denn Lewis wird in seinen Filmen auf eigenartige Art und Weise entsexualisiert. So wird er zur Identifikationsfigur, zur Projektionsfläche für den Zuschauer, an dessen Stelle nun Jerry Lewis all das erreichen darf, was den armen Tröpfen vor der Leinwand unerreichbar bleibt. Vielleicht liegt es auch an dieser Ausrichtung, das Lewis‘ Stern nach relativ kurzer Zeit verblassen musste: Ein Superstar und Multimillionär war eben irgendwann nicht mehr glaubwürdig in der Rolle des Versagers. CINDERFELLA ist bis auf einige episodische Anwandlungen deutlich handlungsorientierter als etwa THE GEISHA BOY und ROCK-A-BYE BABY; das macht ihn auf der einen Seite als Film „runder“, aber auch weniger lustig. Dass der Ausgang der Geschichte von Beginn an klar ist, fällt hingegen kaum negativ ins Gewicht. Tashlins CINDERFELLA markiert nebenbei den Anfang seines schleichenden Niedergangs: Lewis, mittlerweile selbst Regisseur, fungierte als Produzent, eine Tatsache, die Tashlins Autorität unterwanderte und die Tatsache seiner Autorschaft nach außen hin in Frage stellte. Mir hat CINDERFELLA große Freude bereitet, wenn er auch weder der beste Tashlin- noch der beste Lewis-Film ist. So viel Warmherzigkeit und Leichtigkeit muss einfach honoriert werden.