Mit ‘Franz Josef Gottlieb’ getaggte Beiträge

Paul (Ilja Richter) arbeitet im Münchener Reisebüro „Exklusiv Reisen“ von Herrn Storz (Hubert von Meyerinck), der sich rühmt, als einziger in der Bayernmetropole Reisen ins Schlosshotel Velden am Wörthersee anzubieten. Dummerweise hat Paul die Kooperation mit dem Hotel aus Versehen gekündigt und wird von seinem wutentbrannten Chef nach Österreich geschickt, um den Fehler auszubügeln. Sein Kumpel Rudi (Rudi Carrell) hat eh nichts Besseres zu tun und fährt deshalb kurzentschlossen mit. Die beiden haben jedoch ein Problem: Sie können sich zünftiger Musi noch weniger entziehen als schwachsinnigen Filmabenteuern und halten deshalb in einem kleinen Bergdorf, wo „The Cent Boys“ soeben ihren Granatenhit „Mensch, Meier!“ zur Freude aller Anwesenden intonieren. Es dauert keine zwei Minuten, da ist Rudi auch schon in die Lederbuxe geschlüpft und geht mit den Mädels auf Tuchfühlung, derweil das Weißbier gleich literweise fließt. Das Ergbnis: Rudi und Paul liegen wenig später sternhagelvoll unter der Bank und der Drogenschmuggler Ted Cocci (Jochen Busse) klaut ihr Auto.

Aufgrund eines kurzen Schlaganfalls weiß ich leider nicht mehr, wie die beiden dann doch noch zum Wörthersee gekommen sind, meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als sie zur Abkühlung ein schönes Bad im Freien nehmen. Ein des Weges daherfahrender Trecker nimmt leider ihre Klamotten mit, sodass sie nackt bis auf die Unterhose im Grünen stehen. Nach einer Spritztour auf einem gestohlenen Motorrad fällt ihnen als Wink des Schicksals ein großer Koffer vor die Füße, in dem sich – natürlich – haufenweise Frauenkleider befinden, die beide sofort anziehen und nach kurzer Wartezeit einen bereitwilligen Anhalter finden. Im Schlosshotel angekommen, checkt Rudi als die vom Hoteldirektor Poldi (Gunther Philipp) bereits sehnsüchtig erwartete, wohlhabende Frau Himmelreich ein und gibt Paul als sein persönliches Zimmermädchen aus. An diesem Punkt verliert sich die Spur eines Plots im tosenden Rauschen angerissener Episödchen, heiterer Musiknummern, ausgewalzter Slapsticknummern, kitschiger Romanzen und hysterisch abgespulter Klischees aus dem jahrhundertealten Schatz der deutschen Schwänke und Burlesken, die von einem nicht enden wollenden Strom von Nebenfiguren, Stargästen und Schmierenkomödianten dargeboten werden.

Dem schönen Hoteldiener André (Chris Roberts) stellen die beiden Zwillingsschwestern Uschi und Muschi (Ulli & Gaby König) nach, die sich jedoch als eine Person ausgeben und als Telefonistin im Schlosshotel anheuern. Wann immer André sie an ihrem Arbeitsplatz auftaucht, muss eine von beiden hinter dem Schrank verschwinden. Er kommt sie sehr häufig besuchen, doch dieses ganze wahrhaft urkomische Geschichtchen läuft trotzdem ins Nichts, wo sich auch parallele Geraden treffen. Dann ist da noch Inspektor Grassinger (Rainer Basedow), der dem Drogenschmuggler Cocci auf der Spur ist und die große Karriere wittert, als ihm die eigentlichen Besitzer des von diesem gestohlenen Wagens in die Hände fallen. Gunther Philipp verliebt sich genauso in die „schöne“ Frau Himmelreich wie der bald eintreffende Herr Storz. Beide offensichtlich mit schwindendem Augenlicht oder einem ausgesprochen miesen Frauengeschmack ausgestattet, machen dem Rudi ihre Aufwartungen und werden so zu Opfern unzähliger „Späße“, die jedoch niemals das Niveau von „Angelhaken im Po“ oder „ins Wasser fallen“ überschreiten. Dann ist da auch noch ein wie Val Kilmer im gelangweilten Stadium seiner Karriere aussehender Christian Anders als eigentlicher, neuer, aber inkognito bleiben wollender Hotelbesitzer: Der wie ein angehender Serienmörder wirkende Barde tritt mit einer schönen Blonden im Schlepptau die Reise nach Velden an, legt aber zwischendurch immer wieder mal Pausen ein, um ihr pathetische, selbsvergessene Ständchen zu halten, die jede normale Frau in die Flucht schlügen, aber ganz sicher nicht in seine Arme trieben. Am Ende trifft natürlich die echte Frau Himmelreich ein, um die Verwirrung komplett zu machen, und Alexander Grill läuft auch rum, ich weiß aber nicht mehr, in welcher Funktion. (Es ist ja erwiesen, dass das Bewusstsein abschaltet, wenn der Organismus sonst in Gefahr geriete.) Zwischendurch schippert Graham Bonney über den Teich und schmettert ein Liedchen von seiner „Marie“ ins Firmament und Kurt Stadel  intoniert ein Medley, bei dem er diverse Hits und Interpreten imitiert. Chris Roberts singt natürlich auch, zum Beispiel „Du bist nicht mit Gold zu bezahlen“ oder „Ein Mädchen nach Maß“, zwei Titel die das Breite Spektrum seiner Erwartungen an Frauen illustrieren. Ich schätze, Uschi ist das Mädchen nach Maß, während die Muschi nicht mit Gold zu bezahlen ist, aber ich stecke natürlich nicht drin im Schlagerschädel.

Insgesamt fand ich diesen ersten Film der „Tanten“-Reihe um Richter und Carrell etwas erträglicher als seinen direkten Nachfolger, den Hirnblutungen verursachenden TANTE TRUDE AUS BUXTEHUDE, aber das mag auch einfach daran liegen, dass ich bei der Sichtung jenes filmischen Giftgasangriffs schon einige IQ-Punkte eingebüßt getutet habe. Vertraue ich meinem Hirn jedoch, so scheint mir WENN DIE TOLLEN TANTEN KOMMEN etwas weniger schrill, nicht ganz so zielsicher beim Griff in den cineastischen Kot, in seinen komödiantischen Ergüssen nur halb so ätzend wie der laugige Zweitling. Strebte man mit dem Sequel den Durchbruch in neue Galaxien an, wo noch nie ein Witz überlebt hat und niemand einen lachen hört, schuf man dort etwas, was mit menschlichen Vorstellungen von „Humor“ nur noch Rudi-mentäre Ähnlichkeiten hat, viel eher wie von künstlichen Intelligenzen simuliert anmutet oder gar wie die Kunstversuche von Insassen einer Heilanstalt, so erkennt man im Erstling noch die Wurzeln in Schwänken der Fünfzigerjahre, in denen dann ein Peter Alexander oder Heinz Erhardt den Takt vorgab. Ein Stück Restmensch ist gewissermaßen noch enthalten, auch wenn das unserer Rasse auch kein besonders gutes Zeugnis ausstellt. Auch dieses nach verschwitzten Polyesterblusen oder seit 40 Jahren nicht mehr geöffneten Reisekoffern müffelnde Stück Zelluloidverpestung ist bestens dazu geeignet, leicht zu beeindruckenden Gemütern den Schlaf oder gar den Verstand zu rauben. Die Sichtung sollte – wie die Einnahme von schweren halluzinogenen Drogen oder Medikamenten – daher ausschließlich unter Aufsicht geschulten und erfahrenen Personals oder auf ausdrückliche medizinische Empfehlung erfolgen oder von gefestigten, stabilen Personen getätigt werden. Schäden an Leib und Seele sind sonst nicht auszuschließen.

Gerda Börner (Elisabeth Krogh) und ihre Freundin Karin (Mascha Gonska) sind außer sich: Gerda hat von ihrer Tante Trude aus Buxtehude (der erste von unzähligen Riesengags des Films) eine Million DM geerbt. Die Ernüchterung folgt, als der vermeintliche Geldkoffer bei ihr ankommt: Statt dicker Bündel Geldscheine findet sie einen Haufen hässlicher Kleider, die der klapprige Kumpel Moritz (Ilja Richter) sofort verkaufen geht. Dummerweise stellt sich dann jedoch heraus, dass die exzentrische Tante den Schlüssel zu einem Schließfach in eines der Kleider eingenäht hat. Die Jagd nach ihm führt die zwei Mädels gemeinsam mit Moritz und dem smarten Rudi (Rudi Carrell) nach Kitzbühel, wo der Boutiquenbesitzer Tony (Chris Roberts) mittlerweile versucht, die Designerstücke an den Mann zu bringen. Bis die Million in Karins Händen liegt, sind zahlreiche Hürden zu nehmen, Verwechslungen aufzudecken, Musiknummern zu durchleiden und hirnrissigste Slapstick-Einlagen zu überstehen …

Ein Monument des Leids. Hatte ich im Falle von DIE SUPERNASEN zuletzt noch versucht, eine Lanze für die deutsche Gaga-Komödie zu brechen, so muss ich hier kampflos die Waffen strecken. Mit TANTE TRUDE AUS BUXTEHUDE – einer Art Sequel zum vorangegangene Carrell/Richter-Film WENN DIE TOLLEN TANTEN KOMMEN – hat Regisseur Gottlieb eine echte Stinkbombe vorgelegt, einen Film, der so durch und durch daneben ist, dass es schwer fällt, eine Erklärung für das sich dem Betrachter bietende Chaos zu finden. Dass Gottlieb über Wochen das Trinkwasser der agierenden Darsteller mit halluzinogenen Drogen versetzte oder sie mit einem aggressiven Hirnparasiten infizierte, scheint durchaus plausibel. Das unfassbare Elend beginnt schon mit der Gestalt Ilja Richters: Der absolviert hier nicht nur den Basiskurs in Slapstick, indem er mit dem Kopf vor alle sich irgendwie darbietenden Hindernisse rennt, ständig in Ohnmacht fällt oder anderen „lustigen“ Unfug treibt, er entblößt gleich mehrfach seinen pathologisch dürren Körper, der blankes Entsetzen (und Ekel) beim empathiebefähigten Zuschauer hervorruft. Aber er ist natürlich nicht alleinverantwortlich für den Angriff auf körperliche und geistige Unversehrtheit, den TANTE TRUDE AUS BUXTEHUDE darstellt.

Schlagerschönling Chris Roberst muss sicherlich auch noch genannt werden: In einem Film, dessen in den schönsten augenkrebsverurschenden Farben schillernden Kostüme bereits Legende sind, ist er der König der Geschmacklosigkeiten. Egal ob er einen leberwurstfarbenen Rollkragenpulli in Hüfthöhe mit einem Ledergürtel umschlingt, pinke Polyesterhemden mit sonnengelben Asbest-Pullundern kombiniert oder schließlich im zitronengelben Veloursmantel mit Plüschbesatz herumstolziert, er sieht immer scheiße aus. Und als gäbe er sich so noch nicht genug der Lächerlichkeit preis, sind seine Lieder ausnehmend für Gehirnamputierte komponiert: „Mein Name ist Hase“ ist sicherlich das seltsamste Ständchen, das man einer prinzipiell paarungswilligen Dame halten kann. Tatkräftige Unterstützung in Sachen musikalischer Geschmacksverwirrung bekommt er von Ramona: Die könnte rein physisch nicht nur die Zwillingsschwester von Ilja Richter sein, ihr wahrscheinlich nach 12 Litern zähflüssigsten Espressos eingehämmerter Hit „Alles, was wir woll’n auf Erden“, den sie darbietet, als erleide sie einen epileptischen Anfall oder stehe unter Strom, verkörpert die entfesselte Aggressivität und die buchstäblich ätzende Qualität des Films perfekt. Richters eigenes Ständchen, geadelt von dem Refrain „Ich will barfuß über den Broadway tanzen und am Straßenrand Blümchen pflanzen“ macht gewisermaßen „den Deckel drauf“.

Alles, wirklich alles, was man am Genre der deutschen Schlagerkomödie grauenvoll findet, findet man in TANTE TRUDE AUS BUXTEHUDE in geballter, vielfach potenzierter Form. Männer tragen Frauenkleider und sehen sich sogleich den Avancen diverser Idioten ausgesetzt, eine breit ausgedehnte Gagreihe dreht sich um ein Plastikskelett, das ohne erkennbaren Grund auftaucht und an immer neuen Orten Angst und Schrecken verbreitet, und als Lebenselixier gibt es unzählige Verwechslungen, Verwechslungen, Verwechslungen. Das kulminiert dann darin, dass am Ende gleich drei Männer als „Tante Trude“ in der Bank vorstellig werden und die Million für sich beanspruchen.  Außerdem droht das Liebesglück von Gerda und Toni zu scheitern, weil sie aufschnappt, dass „Toni“ die blonde Ricki heiraten will. Bei diesem Toni handelt es sich dann aber nicht um ihren feschen Schlagerbarden, sondern um das Ski-As Toni Sailer, der hier als Gaststar auftritt, bei Ricki wiederum um des Roberts Schwester, die in TANTE TURUDE AUS BUXTEHUDE keinen anderen Zweck erfüllt, als für eben diese Verwechslung zu sorgen. Neben Sailer-Toni machen alle „Größen“ des Genres ihre Aufwartung: Theo Lingen spielt den zunehmend verzweifelteren Chefportier eines Hotels, Rainer Basedow einen streitsüchtigen Gast in einer Kneipe, Gunther Phillip einen wahnsinnigen Arzt, Hans Terofal gibt den dusseligen Friseur (der von Carrell mit Chloroform betäubt wird), Alexander Grill den minderbemittelten Hoteldiener, der mantraartig gesteht: „Des woas I net“, Rudolf Schündler den Satzteile verwechselnden Notar, Jochen Busse einen „Kleiderhändler“ und Herbert Fux einen Ganoven – vielleicht der einzige Lichtblick des Films. Es gibt eine immerhin spektakulär choreografierte Skinummer, ansonsten ist der ganze Film eine einzige Qual, bei der man sich fragt, womit man das verdient hat. Und was ist eigentlich in Gottlieb, der doch mit DAS SIEBENTE OPFER bewiesen hatte, dass er sich durchaus auf Humor versteht, der nicht das Gehirn beschädigt. Ich habe mir diesen Albtraum jetzt zum zweiten Mal angetan. Ein drittes Mal wird es in diesem Leben nicht geben.

Rund um die zwielichtige Animierkneipe „Sansibar“ kommt es zu brutalen Messermorden. Weil man bei einer Leiche eine afrikanische Götzenfigur findet, beauftragt Scotland-Yard-Chef Sir Phillip (Hans Söhnker) den Afrika-Experten Hugh Patton (Dieter Borsche) mit der Ermittlung. Der findet heraus, dass die Opfer etwas miteinander gemeinsam hatten: Alle waren sie an Bord einer Yacht, die unter ungeklärten Umständen unterging. Zu den Verdächtigen gehört Joanna Filiati (Elisabeth Flickenschildt), die querschnittsgelähmte Besitzerin der „Sansibar“, aber auch Sir Phillip, der eine Liebesbeziehung mit der Krimischriftstellerin Clarinda Smith (Barbara Rütting) eingeht, verhält sich seltsam …

Nur der Tatsache, dass DAS PHANTOM VON SOHO mit seinen 92 Minuten vielleicht einen Hauch zu lang geraten ist, habe ich es zu verdanken, dass ich mein voreilig gefälltes Urteil, DAS SIEBENTE OPFER sei Gottliebs bester Gruselkrimi, nicht revidieren muss. Hier verkneift er sich humorige Einsprengsel weitestgehend – Peter Vogel gibt das obligatorische Comic Relief, geht dabei aber wesentlich zurückhaltender vor, als man das von Eddi Arent oder Chris Howland gewohnt ist – und erzählt seinen Whodunit straight und ernst herunter. Sehr zu Gute kommen ihm dabei das wunderbare Set Design (das auch im Nachfolger DAS UNGEHEUER VON LONDON-CITY noch einmal Verwendung findet), die Fotografie von Richard Angst, der die (wahrscheinlich) im Studio aufgebauten Straßenzüge und das dekadent-verr(a)uchte Interieur der „Sansibar“ mithilfe von Nebelmaschinen und Scheinwerfern (für effektive Schattenwürfe) angemessen atmosphärisch ablichtet, und die erneut famose Besetzung. Wallace-erprobte Mimen wie Elisabeth Flickenschildt, Hans Nielsen, Werner Peters (als Masseur und „Modearzt“, der „einflussreiche Personen in den höchsten Gesellschaftskreisen massiert“), Dieter Borsche, Barbara Rütting und Stanislav Ledinek schaffen im Handumdrehen dieses gewisse Flair, in dem man sich sofort zu Hause fühlt, und spielen ihre Rollen mit heiligem Ernst. DAS PHANTOM VON SOHO weicht vom bewährten Konzept insofern ab, als das mondän-aristokratische Milieu mit seinen traditionsreichen Adelssitzen und den Lords, Sirs und Ladys, in die einen die Wallace-Krimis sonst entführen, zugunsten des Abstiegs in den Sündenpfuhl von Soho verworfen wird. Hier nimmt Gottlieb schon die Entwicklung vorweg, die die Rialto-Wallaces ab 1966 mit Alfred Vohrers DER BUCKLIGE VON SOHO einschlagen würden.

Tanja Berg weist während der Title-Sequenz mit ihrem verführerisch hingehauchten Song „Soho“ den Weg für die folgenden 90 Minuten und die Auflösung hat auch nichts mehr mit den materialistischen Erbschaftsgeschichten zu tun, die die Belegschaft der Wallace-Krimis sonst in Tod und Verdammnis führen. Hier geht es stattdessen um Menschenraub, Mädchenhandel und organisierte Massenvergewaltigung unter Drogeneinfluss sowie den Einfluss, den diese Verbrechen auf die Psyche der Opfer haben. Nachdem Gottliebs Film dem Zuschauer zwar leicht angesleazte, aber dennoch weitestgehend unschuldige Unterhaltung geboten hat, ist das Finale ein ziemlicher Downer, das einen ganz schön schlucken lässt. Man möchte fast glauben, dieser Kontrast war Absicht.

7.[1]Lord John Mant (Walter Rilla) liebt sein Pferd „Satan“ über alles und setzt berechtigte Hoffnungen in das Tier: Beim anstehenden Derby gilt es als großer Favorit. Gegen den Sieg Satans hat vor allem der zweilichtige Ed Ranova (Wolfgang Lukschy) etwas: Er hat eine große Summe gegen das Tier gewettet und versucht mithilfe des für Satan zuständigen Tierarztes Dr. Howard Trent (Harry Riebauer) entsprechend negativen Einfluss zu nehmen. Es kommt zu einer ganzen Reihe rätselhafter Morde rund um das Anwesen der Mants und die zunächst große Zahl der Verdächtigen schrumpft immer mehr zusammen. Inspektor Bradley (Heinz Engelmann) nimmt die Ermittlungen auf. Unerwartete Unterstützung erhält er von Peter Brooks (Hansjörg Felmy): Der Versicherungsagent ist als entfernter Verwandter getarnt im Schloss, hat seine „Diätschwester“ Molly (Trude Herr) dabei und nimmt gemeinsam mit Lord Mants schöner Nichte Avril (Ann Smyrner) die Spurensuche auf …  

(Vorab: Die Reihenfolge ist mir hier etwas durcheinandergeraten, weil ich mich auf die richtige Ordnung der von Universum herausgegebenen Bryan-Edgar-Wallace-Boxen verlassen habe. DAS SIEBENTE OPFER ist also keineswegs der dritte Film der Reihe, sondern bereits der siebte.)

Gottliebs letzte Arbeit im Wallace-Universum (nach DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE, DER SCHWARZE ABT, dem Ripoff DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE, DAS PHANTOM VON SOHO und DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS) ist vielleicht seine stärkste. Die Verbindung von Grusel und Humor gelingt ihm hier am besten, weil beide Extreme nicht mehr bloß nebeneinander oder gar im offenen Konflikt zueinander stehen, sondern sich zu einer sehr eigenen Mischung ergänzen. Man könnte DAS SIEBENTE OPFER aus guten Gründen als Parodie auf die erfolgreichen deutschen Gruselkrimis bezeichnen. Eine besonders gelungene zudem, denn er bleibt dem bis dahin etablierten Ton und seinem Genre treu, blickt nicht von „außerhalb“ auf die Wallace-Filme herab, um sie von dieser enthobenen Position – und also aus sicherer Distanz – zu verulken. Letztlich bleibt es dem Betrachter selbst überlassen, ob er DAS SIEBENTE OPFER als bloß etwas humoriger geratenen Krimi nach bekanntem Schema oder aber als augenzwinkernden Kommentar goutieren mag. Welchen Blickwinkel er auch wählt, er wird wahrscheinlich nicht enttäuscht werden.

Was ich schon zu DER WÜRGER VON SCHLOSS BLACKMOOR schrieb, trifft auch hier zu: DAS SIEBENTE OPFER konzentriert sich ganz auf das Geschehen auf Lord Mants Anwesen und den von Beginn an etablierten Personenkreis. Wenn sich der Fall nach einiger Zeit auch in verschiedene Nebenzweige teilt, so verliert er das Zentrum dabei doch nie aus den Augen. So lernt man die einzelnen Personen und ihr Milieu gut kennen, anstatt nur einen flüchtigen Blick auf vorüberhuschende Plotpoints erhaschen zu können. Hier stehen tatsächlich die Charaktere im Mittelpunkt. Das Drehbuch, das ihnen mit äußerster Ökonomie und Pointierung der Dialoge zum Leben verhilft, wird von den Schauspielern geradezu kongenial umgesetzt. Es hilft, dass Gottlieb vielleicht auf eines der am sorgfältigsten zusammengestellten Ensembles des Wallace-Universums zurückgreifen kann: Hansjörg Felmy ist als Peter Brooks in einer Art Columbo-Rolle zu sehen, verbirgt den wahren Grund seines Aufenthalts zunächst hinter einer Tarnung als etwas linkischer „Tierzeichner“ (er erinnerte mich etwas an Ryan O’Neal in Bogdanovichs WHAT’S UP DOC?), stellt seine Beobachtungen  aus einiger Distanz an, bevor er dann mehr und mehr zum Angriff übergeht. Wolfgang Lukschy ist hervorragend als krimineller Ranova, weil er nie ganz in die Rolle des Oberschurken verfällt, sondern stets nüchtern seine Interessen verfolgt. Ebenfalls zurückhaltend, aber sehr überzeugend, interpretiert Willy-Brandt-Lookalike Heinz Engelmann seine etwas undankbare Rolle: Er lässt in seiner schlicht perfekten Intonation immer wieder den vom Treiben des Adels genervten Beamten erkennen. Helmut Lohner ist als nervöser, fahriger Sohn und Erbfolger Mants so etwas wie die Idealbesetzung: Rund zehn Jahre später würde er in der DERRICK-Episode „Johanna“ eine ganz ähnliche Rolle – mit gleichem Erfolg – spielen. Ebenfalls ein No-brainer ist Harry Riebauer als Tierarzt im Gewissenskonflikt: Grundsätzlich ein sympathischer Typ, ist er mit seinem leicht blasiert wirkenden Akzent stets gut für Charaktere auf des Messers Schneide. Hans Nielsen entwickelt sich für mich langsam aber sicher zu einem absoluten Lieblingsschauspieler: Hier ist er als Reverend mal wieder ohne Schnurrbart zu sehen. Der Fachmann weiß, was das bedeutet. Ich bin immer wieder verdutzt, wie nahtlos er sich vom lieben, gutmütigen Onkel im einen in einen hinterlistigen, gemeinen Schurken im anderen Film verwandelt und in beiden Rollen gleichermaßen überzeugt. Die eigentliche Entdeckung des Films ist aber Peter Vogel als Butler Irving und es spricht Bände, dass ausgerechnet ein Comic-Relief hier überhaupt diese Wirkung entfacht. Mit stets etwas gelangweiltem, ja herablassendem Blick brilliert er als Diener, der eigentlich über allen steht. Und das Drehbuch legt ihm zum Dank einige der schönsten Zeilen in den Mund („Es widerstrebt mir, einen Gefallenen auf dieTiefe seines Sturzes hinzuweisen.“). Auch wenn das trivial und natürlich reine Geschmackssache ist: Es macht einfach Spaß, diesen Schauspielern bei der Arbeit zuzusehen. Dass es auch in den Nebenrollen immer wieder Lichtblicke zu entdecken gibt – Anneli Sauli als verruchte Nachtlokal-Schönheit, Rolf Eden als Handlanger, Rolf Zacher als Barkeeper (ich habe ihn für einen Chinesen gehalten), Werner Peters in einem besonders unwichtigen Cameo – rundet das Vergnügen noch ab. Bleibt noch Trude Herr: Die übernimmt die zweifelhafte Funktion des Prügelknaben und ist ständigen Dickenwitzen ausgesetzt, die vielleicht am ehesten erahnen lassen, in welche Niederungen sich Gottlieb in den Siebziger- und Achtzigerjahren begeben würde. Sie trägt es aber mit äußerster Würde und der bewundernswerten Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können. Und sie ist in den ultimativ geschmacklosen Schlussgag involviert, der den Zuschauer mit einer gezielten Rechts-Links-Kombination aus dem Film entlässt.

In die Pagode des in China lebenden reichen Briten Joe Bray (Fritz Tillman) wird eingebrochen. Die chinesischen Täter versuchen, die „gelbe Schlange“ zu entwenden, ein wertvolles Relikt, werden aber von Brays Stiefsohn Clifford Lynn (Joachim Fuchsberger) daran gehindert. Er vermutet Brays Sohn Fing-Su (Pinkas Braun) und dessen Geheimorganisation „Die freudigen Hände“ dahinter, für die die Schlange das Symbol der Weltherrschaft ist. Zunächst reist Clifford nach London, wo er Joan Bray (Brigitte Grothum), die Pflegetochter von Joes Neffen Stephen Narth (Werner Peters) heiraten soll. Narth steht mit 50.000 Pfund bei Major Spedwell (Charles Regnier) in der Kreide und erhofft sich durch die Heirat eine rettende Finanzspritze. Wenig später taucht Fing-Su in London auf und bietet Narth seinerseits das Geld für Joan an, um ihn gefügig zu machen. In Wahrheit hat er aber noch finsterere Pläne: Er will mit seiner Organisation eine chinesische Weltherrschaft errichten …

DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE wurde von Artur „Atze“ Brauners CCC-Film produziert – aufgrund der streitbaren Geschäftspraktiken Brauners als „Cahle Ciemlich Cögerlich“ verballhornt – und startete Anfang des Jahres 1963 in den deutschen Kinos. Da auch Brauners Film, wie die Konkurrenztitel der Rialto, unter dem Siegel des Constantin-Verleihs erschien, konnte Brauner auf viele Exklusivstars von deren Wallace-Reihe zurückgreifen. Sein Film wurde sogar von den blutroten „Einschüssen“ und der bekannten Grußformel eröffnet. Regisseur Franz Josef Gottlieb feierte seine Wallace-Premiere und inszenierte nur wenige Monate später DER SCHWARZE ABT für die Rialto, der den Erfolg von DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE noch übertreffen sollte. Doch trotz all dieser gewollten Gemeinsamkeiten und Parallelen zu den unter Wendlandts Ägide entstandenen Titeln unterscheidet sich Gottliebs Film Debüt erheblich diesen: Es handelt sich bei DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE weniger um einen Krimi als vielmehr um einen Abenteuerfilm mit Science-Fiction- oder Fantasy-Einschlag, der mit seinem chinesischen Schurken und dessen Weltherrschaftsplänen deutlich an die Fu-Manchu-Filme angelehnt ist.

Es ist dann auch wenig verwunderlich, dass die Kritik entsprechend reagierte, „rassistische Vorurteile“ monierte und im Film-Dienst gar Vergleiche mit Goebbels zog. Das altbackene Geschlechterbild, das der Film seinen Bösewichtern unterjubelte, fiel dabei offensichtlich weniger ins Gewicht: In einer Szene werden Frauen als „Ware“ bezeichnet und mit Finanzposten verglichen, die man beliebig dahin schieben kann, wo sie den größten Gewinn bringen. Auch wenn es richtig ist, solche Dinge anzumerken: Ich tue mich schwer damit, dem Film ein tatsächlich rassistisches oder sexistisches Weltbild zu unterstellen. Gottliebs Problem ist wahrscheinlich, einen kolonialistisch geprägten Stoff ganz unreflektiert in die damalige Gegenwart zu übertragen, aber er ist weit davon entfernt, eine Aussage über die Welt treffen zu wollen. Die chinesische Weltherrschaft und die „gelbe Gefahr“, die er malt, sind ihm kaum mehr als pulpige Klischees, die einen für das damalige Publikum reizvollen Exotismus mit sich bringen. Aber klar: Heute wäre DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE in dieser Form kaum noch denkbar und das ist auch ganz gut so.

Was Gottliebs Film strukturell von den Rialto-Wallaces unterscheidet, ist der Verzicht auf einen zweiten Handlungsstrang: In den von Wendlandt produzierten Filmen gab es ja immer zwei parallel agierende Schurkenparteien mit vollkommen unterschiedlichen Motivationen, hier dreht sich alles um die finsteren Pläne Fing-Sus und auch das Gerangel um Joan ist nur ein Aspekt seines Coups. Obwohl DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE wahrscheinlich mit ganz ähnlichem Produktionsaufwand verbunden war wie die Konkurrenzprodukte, wirkt er aufgrund dieser Tatsache doch kleiner, übersichtlicher, weniger verspielt und abwechslungsreich. Er ist zumindest auf den ersten Blick ein wenig eindimensional. Doch dieses Nebeneinander der kleinen und der großen Auswirkungen von Fing-Sus Treiben – die politische Dimension seines Tuns auf der einen und das individuelle Schicksal Joans auf der anderen Seite – sorgt für ein interessantes Spannungsverhältnis und erdet den Film trotz seines reichlich absurden Inhalts. Dem innerhalb des Films sehr abstrakt und diffus bleibenden Plan Fing-Sus wird mit Joans Schicksal etwas ganz Konkretes, Menschliches gegenübergestellt, das gerade vor diesem megalomanischen Hintergrund besonders stark wirkt. Hier zeigt sich im Gewand eines stulligen Pulp-Films plötzlich sehr deutlich und klar, wer die eigentlichen Leidtragenden sind, wenn Männer ihre idiotischen Machtspielchen spielen. Ähnliches gilt für den Bruder- und Vaterkonflikt, der sich zwischen Clifford, Fing-Su und Joe entspinnt: Er lädt die Geschichte noch zusätzlich auf und verleiht ihr eine beinahe parabelhafte, mythische Qualität (lustigerweise hat mich das alles ein wenig an Isaac Florentines NINJA erinnert). Wenn Fing-Su am Ende von seinem Vater wie ein kleiner Junge zur Rede gestellt und zurechtgewiesen wird, bekommt der größenwahnsinnige Teufel plötzlich ein ganz menschliches Gesicht, erinnert Gottlieb daran, dass auch noch der größte Despot Sohn eines Vaters ist. Das alles hebt DER FLUCH DER GELBEN SCHLANGE positiv aus dem homogenen Korpus der Wallace-Filme heraus und macht ihn auch heute noch sehenswert. Ich kenne beileibe nicht alles aus Gottliebs umfangreichem Schaffen („Gott sei Dank“, möchte ich mit Blick auf seine Filmografie hinzufügen), aber dieser hier dürfte ohne Frage zu seinen besten Leistungen zählen.

Auf die Einladung des Millionärs und Erfinders Real (Rudolf Forster) reist die junge Kathleen Kent nach England. Im Winter seines Lebens hat den reichen Mann das schlechte Gewissen zur Vernunft gebracht. Er möchte der jungen Frau die Millionen zurückzahlen, die der ehemalige Casinobesitzer ihrem Vater einst durch gezielte Manipulation abgenommen, ihn so in den Ruin und schließlich den Tod getrieben hatte. Damit sind seine einstigen Mitstreiter um den gerissenen Connor (Ernst Fritz Fürbringer) aber gar nicht einverstanden und entführen Kathleen. Als größtes Problem erweist sich der Safe, den Real durch eine Vielzahl von Schutmechanismen gesichert hat, die jeden Eindringling das Leben kosten. Und wer ist eigentlich dieser Jimmy Flynn (Harald Leipnitz), der sich zwischen die Konfliktparteien schiebt?

Gottliebs zweiter Wallace-Film für die Rialto ist nach Vohrers selbstreferenziellem, humorigem DER HEXER, mit dem man über den Kanal und zur erfolgreichen James-Bond-Reihe schielte, ist sehr bodenständiger geraten. Bis auf einen kleinen Gag zu Beginn werden sämtliche Anstrengungen, die „vierte Wand“ zu durchbrechen, unterlassen, den Zuschauern wieder ein fintenreiches Krimistück voller zwielichtiger Gestalten und makabrer Morde vorgesetzt. DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS kann zwar zu keiner Sekunde an die Glanzleistungen der Serie heranreichen, wurde von Gottlieb im Autopilot äquivalent zum Malen nach Zahlen  inszeniert und leistet sich eine einzige – allerdings wirkungsvolle – neue Idee, kommt aber immerhin einigermaßen temporeich über die Runden. Die erzählerischen Schwächen, die Gottliebs DER SCHWARZE ABT zum bis dato schwächsten Film der Reihe gemacht hatten, sind hier behoben worden: Das Hin und Her zwischen Connor und Real, mit dem dubiosen Flynn und der schönen Kathleen in der Mitte ist angenehm flott, die titelgebende Gruft trägt zur Freude begeisterungsfähiger Junggebliebener auch nicht unerheblich bei, das Finale knüpft an die von Reinl mit ZIMMER 13 eingeführten Härten an und weiß auch mit seinem schönen Mühlensetting zu begeistern. Der Clou ist aber eindeutig die schon erwähnte Gruft, mit ihrer doppelt und dreifach gesicherten Eingangspforte und einem Mechanismus, der auch die ohne Hoffnung auf Befreiung Eingesperrten mit unablässigem Getröte und Flackerlicht in den Wahnsinn oder den Selbstmord treibt. Konsequenz in Vollendung. Insgesamt ein runherum akzeptabler Wallace aus dem breiten Mittelfeld der Serie.

Die Edgar-Wallace-Checkliste:

Personal: Eddie Arent (15. Wallace-Film), Klaus Kinski (9.), Siegfried Schürenberg (6.), Ernst Fritz Fürbringer (5.), Harry Wüstenhagen (4.), Werner Peters, Kurd Pieritz (3.), Arthur Binder, Kurt Jaggberg, Heinrich Gies, Arthur Schilsky (2.), Harald Leipnitz, Ilse Steppat, Kurt Waitzmann, Gerhard Hartig (1.). Regie: Franz Josef Gottlieb (2.), Drehbuch: Franz Josef Gottlieb (2.), Robert A. Stemmle (2.), Musik: Peter Thomas (8.), Kamera: Richard Angst (3.), Schnitt: Jutta Hering (2.), Produktion: Horst Wendlandt (13.).
Schauplatz: Das Haus Reals, eine alte Windmühle und die Victoria Station. Gedreht wurde in Berlin und London.
Titel: Bezieht sich auf das zentrale Mysterium des Films.
Protagonisten: Jimmy Flynn, ein Mann ungeklärter Herkunft, das weibliche Opfer Kathleen Kent und der ermittelnde Inspektor Angel (Harry Meyen).
Schurke: Die Bande um den schurkischen Connor, Kinski als stummer Killer im Dienste eines unbekannten Auftraggebers …
Gewalt: Tod durch Erschießung, Messerstiche, Selbstmord. Zwei Charaktere werden vom Räderwerk einer Kornmühle zermamlt, eine fällt dem Rätselschloss zum Opfer, wird gleichzeitig vergiftet, elektrisiert und zu Tode gestürzt.
Selbstreflexion: Voice-over-Begrüßung zu Beginn. Einen Mann, der im Kino eingeschlafen zu sein scheint (er ist tot), kommentiert eine Kinobesucherin mit den Worten: „Schau mal den an, der schläft sogar bei einem Krimi ein. Aber gut, es war ja auch kein Wallace.“
EDIT: DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS erschien vor DER HEXER. Mir ist die Reihenfolge der Beiträge an dieser Stelle etwas durcheinander geraten.

DER SCHWARZE ABT also. Ich vermute, dass dieser Film zu jenen gehört, die ich als Pimpf im Fernsehen gesehen habe, gebannt die Bilder der verfallenen Abtei im nächtlichen Nebel aufsaugend, jeden Auftritt des mysteriösen schwarzen Abtes antizipierend, der mit seiner schwarzen Ku-Klux-Klan-Kutte ordentlich was hermachte. Wirklich erinnern kann ich mich daran aber nicht mehr, da ist eher so ein diffuses Gefühl der Vetrautheit, das aber auch einfach daher rühren könnte, dass dieser erste Wallace von Franz Josef Gottlieb reinstes Formelkino ist. Nicht, dass die anderen Filme der Reihe Musterbeispiele für Unkonventionalität und künstlerischen Ausdruck wären: Sie bieten alle in erster Linie publikumswirksamen Kintopp mit einer Reihe einmal erprobter und dann jedesmal neu aufgegossener und nur leicht verfeinerter Zutaten, die dann zusammen eine wenn schon nicht besonders nahrhafte, so doch meist schmackhafte Mahlzeit ergaben. In DER SCHWARZE ABT haut das nicht so richtig hin, wirkt das Endergebnis wie mit Heißhunger am Büffet zusammengestellt, eine Mischung für sich genommen leckerer Einzelteile, die aber nicht wirklich miteinander harmonieren, zumindest sich nicht zu einem großen Neuen verbinden.

Auf Schloss Chelford lebt der von einer Nervenkrankheit geplagte Lord Harry Chelford (Dieter Borsche), der fest an die Existenz eines Familienschatzes glaubt, der irgendwo auf seinem gewaltigen Anwesen liegt. Die Suche nach dem Schatz wird durch den schwarzen Abt erschwert, einen Geist, der dort sein Unwesen treibt und auch schon einmal Leichen hinterlässt. Um Chelford schart sich eine Gruppe von zwielichtigen Gestalten, die es alle auf das Geld – und den Schatz – abgesehen haben: Sein Anwalt Chine (Harry Wüstenhagen) ist völlig pleite, hat Chelfords Geld bei Pferdewetten veruntreut und plant nun, seine Schwester Leslie (Grit Boettcher) mit ihm zu verheiraten, die sich aber zu Richard (Joachim Fuchsberger) hingezogen fühlt, Chelfords Cousin und Vermögensverwalter. An Leslie hat aber auch der Buchmacher Gilder (Werner Peters) Interesse, der Chine damit erpresst, seine Veruntreuungen öffentlich zu machen und außerdem mit Mary Wenner (Eva Ingeborg Scholz) zusammenarbeitet, Chelfords ehemaliger Sekretärin, die zu wissen glaubt, wo der Schatz liegt. Als die Polizei in Vertretung von Detective Puddle (Charles Regnier) und seinem Assistenten Smith (Eddi Arent) eintrifft, um einen Mordfall aufzuklären, kommt Bewegung in das Intrigenstadl …

Franz Josef Gottlieb braucht ca. 20 bis 30 Minuten, bis er Licht in diese verschlungene Personenkonstellation gebracht und das Kuddelmuddel an konfligierenden Interessen und Motivationen einigermaßen nachvollziehbar gemacht hat, danach ergeht sich der Film im nächtlichen Schleichen durch die nebelverhangenen Abteiruinen und einem Auf und Ab potenzieller Verdächtiger und definitiv Toter. Was in anderen Filmen der Reihe recht geschickt miteinander verbunden und organisch entwickelt wird, das steht hier sehr statisch nebeneinander. DER SCHWARZE ABT wirkt beinahe theaterhaft und kommt deutlich altbackener daher als das, was Reinl, Vohrer und ihre Kollegen zuvor abgeliefert hatten. Der etwas angestaubte Begriff des „Gruselkrimis“, den die Wallace-Filme prägten, selbst wenn sie mit ihren unheimlichen Zutaten sehr sparsam umgingen, passt auf Gottliebs Film wie die Faust aufs Auge: Er wirkt wie für besonders schlichte Gemüter kompiliert: Da steht der schwarze Abt als sprichwörtlicher Butzemann grimmig im Wald herum und erschreckt die in Heerscharen herumstolpernden Schatzsucher, werden die in eine verfallene Gruft Herabsteigenden als erstes von an sichtbaren Fäden hängenden Plüschfledermäusen erschreckt. Die falschen Fährten, auf denen der Zuschauer üblicherweise mal hierhin, mal dorthin geführt wird, sie verknoten sich hier nach kürzester Zeit zu einem unentwirrbaren Kuddelmuddel, das Detective Puddle aber völlig mühelos und ohne jede echte Ermittlungsarbeit  entwirrt. Einmal betritt er nach einem kurzen Abstecher nach London die Szenerie, um triumphierend zu bekennen, er wisse nun wer der Mörder sei; ein Geständnis, das das sonst erkennbare Bestreben der Drehbuchautoren, alles möglichst undurchsichtig zu gestalten, ad absurdum führt.

Doch so bräsig und naiv der Film auch sein mag, man kann ihm ein gewisses Etwas nicht absprechen. Lustigerweise verkörpert DER SCHWARZE ABT das, was man wahrscheinlich vor Augen hat, wenn man an Edgar-Wallace-Filme denkt, fast schon idealtypisch: Er hat einen feschen Helden (Fuchsberger), eine hilflose Maid (Boettcher), etliche Verdächtige (Peters, Kinski, Wüstenhagen, Scholz, Schoenfelder), den irr in die Gegend glotzenden Butler (Kinski), einen feixenden Eddi Arent, Scotland Yard, britische Lords, Ladies und Schlösser, dunkler Geheimnisse, zahlreiche Morde, lustige Kameraperspektiven und viel Nebel, Nebel, Nebel. Vielleicht muss man DER SCHWARZE ABT so begreifen: als das Urmeter der erfolgreichen Filmserie, die Wallace-Essenz, aus der man dann unendlich viele komplexere und dann auch bessere Mischungen herstellen kann.

Die Edgar-Wallace-Checkliste:

Personal: Eddie Arent (12. Wallace-Film), Joachim Fuchsberger (7.), Klaus Kinski (7.), Harry Wüstenhagen (3.), Werner Peters, Dieter Borsche (2.), Grit Boettcher, Friedrich Schoenfelder, Kurt Pieritz (1.). Regie: Franz Josef Gottlieb (1.), Drehbuch: Johannes Kai (3.), Franz Josef Gottlieb (1.), Musik: Martin Böttcher (3.), Kamera: Rudolf Angst (3.), Richard Sandtner (1.), Schnitt: Hermann Haller (2.), Produktion: Horst Wendlandt (10.), Preben Philipsen (7.), Erwin Gitt (1.). 
Schauplatz: Das Schloss von Lord Chelford sowie die zugehörige Abtei. Gedreht wurde in Berlin und auf Schloss Herdringen im Sauerland.
Titel: Bezieht sich auf das Mysterium des Films, einen herumspukenden „Geist“, beinhaltet zum fünften Mal ein Farbwort.
Protagonisten: Der Hasuverwalter von Lord Chelford, Dick Alford, der Lord selbst sowie Detective Puddler.
Schurke: Die Person, die sich als schwarzer Abt verkleidet.
Gewalt: Eine Erstechung, diverse Erschießungen.
Selbstreflexion: Der Film wird mit einer Stimme eröffnet, die verkündet: „Hier spricht Edgar Wallace!