Mit ‘Friday the 13th’ getaggte Beiträge

friday-the-13th-the-final-chapter-577802lFür mich ist dies der beste Teil der Reihe, der finsterste und brutalste, der, der genau das verkörpert, was die Reihe für mich gerade in meiner Jugend immer so reizvoll machte. Joseph Zito gelang es, die Essenz der ersten drei Teile, das, was Jason Voorhees überhaupt erst zu einer effektiven Figur machte, klar herauszuarbeiten, bevor das Franchise endgültig den Wandel zu poppigem Kinderkram und Funsplatter vollzog (was nicht heißt, dass ich die kommenden Teile nicht mag). Hier ist Jason noch eine bösartige, furchteinflößende Urgewalt, ein Mysterium zudem. Seine zahlreichen Morde beenden mittelmäßige bis traurige Teenieleben blutig und überaus mitleidlos, der Film ist dunkel, feucht, kalt und – im Rahmen dessen, was im nicht gerade subtilen Slashergenre möglich ist – beunruhigend, am Ende gar verstörend.

FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER knüpft wieder unmittelbar an den direkten Vorgänger an, verströmt aber vom Start weg eine ungeahnte Dringlichkeit und Bedrohung, die auch das Teeniegedöns der Exposition entsprechend verdüstert. Zito beschränkt es zudem auf ein absolutes Mindestmaß – das, was nötig ist, um seine Opferschar als notgeile Jammerlappen zu zeichnen – und lässt Jason bereits nach kürzester Zeit von der Leine, auf dass er sein blutiges Handwerk verrichte. Die Spezialeffekte stammen wieder einmal von Tom Savini, kommen ruppig und hart daher, selbst wenn man sieht, dass auch dieser Film Federn lassen musste, um sein R-Rating zu bekommen. Jason selbst geht mit äußerster Effizienz zu Werke und bleibt bis zur letzten Spule nahezu unsichtbar, nicht zuletzt, weil die Nacht, der Wald und der Regen ihn verdecken (man vergleiche Zitos Film nur mal mit dem bei Festbeleuchtung gedrehten Vorgänger). Ein kluger Schachzug: Im Vergleich mit späteren Sequels, in denen Jason fast zum Protagonisten wird, ist dieser vierte Teil deutlich spannender, und wenn der Hüne mit der Eishockeymaske endlich in Erscheinung tritt, schlägt das ganz anders zu Buche. Meine Lieblingsszene mit ihm ist dann auch noch nicht einmal besonders grafisch: Er durchbricht mit den Armen ein Fenster im ersten Stock eines Hauses von außen, greift das dahinter stehende Mädchen, reißt sie heraus und wirft sie kurzerhand über die Balkonbrüstung. In Zeitlupe kommt dieser Mord gleich doppelt brachial daher (Zito setzt sie häufiger sehr effektiv ein). Überhaupt wirken die genretypischen creative killings hier vergleichsweise bodenständig, was dem Film sehr zugute kommt. In späteren Teilen fragt man sich ja des öfteren, welchen Baumarkt Jason zuvor geplündert haben mag, um an sein Arsenal von Mordwaffen zu kommen.

Dass ich diesen Film – der wie schon der dritte Tel vor ihm und die folgenden ebenfalls in Kalifornien gedreht wurde und dessen Setting kaum mit den ersten beiden Filmen in Übereinstimmung zu bringen ist – so mag, liegt neben der Top-Performance von Jason und der zielstrebigen Inszenierung von Zito vor allem an den beiden „Stars“, Corey Feldman und Crispin Glover. Ersterer hat als damals 13-Jähriger die Hauptrolle als Crystal-Lake-Anwohner Tommy und trägt erheblich dazu bei, dass man tatsächlich emotional in FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER involviert ist. Wenn Tommy in seinem Bett aufjauchzt, weil er die geilen Ischen nebenan nackig sehen kann, ist man ganz bei ihm und sorgt sich im Folgenden um seine Sicherheit. Das harte Finale, in dem er einen sichtbaren Knacks erleidet, sorgt ebenfalls dafür, dass dieser vierte Film der Reihe neben dem ersten als ernstester Beitrag gelten darf. Die Schlusseinstellung zeitigt eine Wirkung, die der vierte Teil einer tumben Slasherfilm-Reihe eigentlich niemals haben dürfte. Crispin Glover ist hier so etwas wie das Comic Relief, auch wenn dieser Begriff seiner Funktion nicht ganz gerecht wird. Er ist der linkische Nerd, der sich bei den Frauen ziemlich dumm anstellt und dessen Selbstbewusstsein massiv angeknackst ist. Er reißt sich dann zusammen, spricht tatsächlich ein Mädel an und gewinnt die Herzen der Zuschauer mit einer der bizarrsten Tanz-Performances ever. Sein Ende spielt meiner Deutung der FRIDAY THE 13TH-Reihe sehr in die Karten: Er wird gekillt, nachdem ihm seine Eroberung ein Spitzenleistung im Bett bescheinigt hat. Nicht, weil ein Puritaner ihn dafür bestrafen will, dass er Sex hatte, sondern weil solches Glück im Teenieleben einfach nicht vorgesehen ist. Life’s a bitch and then you die.

Es ist lustig, dass das Franchise ausgerechnet mit Miners zweitem Beitrag zur Reihe sicheren Tritt fand, denn FRIDAY THE 13TH PART III ist mit Abstand der seltsamste Film um den klobigen Killer vom Camp Crystal Lake. Dabei ist es nicht ganz einfach, genau zu benennen, worin die Seltsamkeit des Films eigentlich genau besteht. Vordergründig ist dieser dritte Teil, von seinem gimmickhaften Einsatz der 3D-Technologie einmal abgesehen, nämlich sogar ausgesprochen konzeptarm, stellt quasi einen idelatypischen Slasherfilm dar: Ein paar Teenies lassen sich zu einem lauen Wochenende bei Alkohol, Dope und Sex in einem Häuschen am Crystal Lake nieder und werden vom maskierten Butzemann plattgemacht, bis ihm das Final Girl vorerst ein Ende bereitet. Die Morde sind gegenüber den Vorgängern kreativer und comichafter, der ganze Film weniger „realistisch“, sondern von einer irgendwie irrealen, märchenhaften Qualität.

FRIDAY THE 13TH PART III beginnt zunächst mit dem Rückblick auf Teil 2, der aus Gründen der Erzählökonomie leicht abgewandelt wird. Die düstere, erdige Farbgebung dieser Bilder wird von der dann einsetzenden Title-Sequenz, die schon einen Vorgeschmack auf das Kommende gibt, kontrastiert: Die Schrifteinblendungen knallen vor blauem Hintergrund und Rauchschwaden in leuchtend blutroten, dreidimensionalen Blockbuchstaben ins Bild, Harry Manfredinis hyperaktiver Score wird mittels Stampfrhythmus und Blubberbass zur geisterbahnhaften Disconummer variiert. Der erste Tatort, der Gemischtwarenladen samt Wohnung eines gammeligen White-Trash-Ehepaares, sieht mit seinem komischen Hinterhof aus wie ein trauriges Bühnensetting aus einer vergessenen Siebzigerjahre-Kindersendung. Die Optik meiner DVD, die eine ganz seltsame Flächenunschärfe aufweist, trägt ihren Teil dazu bei, dass der Film wirkt, als betrachte man ihn durch die Kristallkugel eines humorvollen Zauberers. (Ich nehme an, das hat etwas mit der 3D-Konvertierung zu tun, aber ich bin kein Fachmann und kann da nur spekulieren.) Außerdem schlägt zu Buche, dass Miner den Film komplett an kalifornischen Schauplätzen inszenierte, obwohl Camp Crystal Lake eigentlich an der Ostküste liegt (die vorangegangenen Teile waren in New York und Connecticut gedreht worden): Die Landschaft sieht anders aus, sonniger und staubiger, das Licht ist ein anderes, das ganze Setting lässt vermuten, man habe es mit einem ganz anderen Crystal Lake zu tun als zuvor (der zuvor ausladende Waldsee ist hier kaum mehr als ein Tümpel). Dass die vorangegangenen Ereignisse nach dem erwähnten White-Trash-Prolog keinerlei Erwähnung mehr finden, unterstreicht noch die Fremdartigkeit des Films. Während später etwa durch die Etablierung des Tommy Jarvis eine Art durchgehender Chronologie aufgebaut wird, die zumindest die Teile 4 bis 7 verbindet, wirkt dieser dritte Teil wie ein folgenlos bleibender Exkurs.

Auch der eine inhaltlicher Schlenker, den sich der Film gönnt, suggeriert eine parallel zum Franchise laufende Alternativ-Story: Die Protagonistin Chris (Dana Kimmell) leidet an einem Trauma, seit sie vor einem Jahr von einer missgebildeten Gestalt im Wald angefallen wurde. In einer Rückblende sehen wir, parallel zu ihrer Erzählung, wie sie im Wald eingeschlafen ist (!) und plötzlich von einem Mann mit fürchterlich entstelltem Gesicht überrascht wird. Er stürzt sich auf sie, während sie panisch und erfolglos versucht, ihn abzuschütteln. Die Rückblende endet, Chris berichtet, sie sei zu Hause in ihrem Bett aufgewacht und ihre Eltern hätten nie wieder mit ihr über die Vorfälle jener Nacht gesprochen. Später stellt sich natürlich heraus, dass die Gestalt niemand Geringeres als Jason Voorhees gewesen ist. – Nicht nur, dass Chris‘ Geschichte – das unschuldige Mädchen, das im Wald sanft entschlummert und von einem Monster geweckt wird – zum märchenhaften Charakter des Films entscheidend beiträgt, sie impliziert auch einen unangenehmen sexualpathologischen Aspekt von Jasons Handeln: Die Interpretation, dass Chris von ihm vergewaltigt wurde, bestätigt der Film zwar nicht, bemüht sich aber auch nicht gerade, sie zu entkräften. In der sonst sehr lückenlosen Jason-Saga – jeder Film schließt unmittelbar an den vorangegangenen an – suggeriert Chris‘ Erlebnis außerdem, dass Jason ein Leben „zwischen“ den Filmen führt – und dass ihm möglicherweise andere Menschen begegnet und entkommen sind. Der sonst sehr enge Fokus der FRIDAY THE 13TH-Filme öffnet sich, die eindimensionale Jason-Figur wird „veruneindeutigt“. Ansonsten wandelt FRIDAY THE 13TH PART III aber auf ausgetretenen Pfaden, sieht man einmal davon ab, dass er deutlich humorvoller ist als die Vorgänger und den ersten Schritt zu späteren Eskapaden und der Idolisierung Jasons macht. Dies ist bekanntermaßen der Film, in dem der Killer endlich seine Hockeymaske findet, die ihn zur Ikone werden ließ. Jason rückt weiter in den Vordergrund als zuvor und erhält seine Persona als unaufhaltsame, stoische Mordmaschine, die in den folgenden Installationen weiter ausgebaut und schließlich auf die Spitze getrieben wird. Mir hat immer der deutsche Titel UND WIEDER IST FREITAG DER 13. imponiert: Er betont gnadenlos den seriellen Charakter des Films, gleichzeitig schwingt aber auch eine gewisse tragische Resignation in den Worten mit. Der Titel sagt, dass zwangsläufig weitere Unglückstage kommen werden und mit ihnen auch der von Jason angehäufte Leichenberg weiter wachsen wird, ohne dass man dagegen etwas unternehmen könnte. Wie ich in meinem Text zum ersten Teil schon sagte: Die Reihe ist ganz den dunklen Abgründen der „Teenage experience“ und der Angst vor einem vorzeitigen, sinnlosen Tod verpflichtet

FRIDAY THE 13TH PART II (zu Deutsch FREITAG DER 13. – JASON KEHRT ZURÜCK) erschien mir immer als einer der schwächeren Filme der Reihe. Ihm kommt das Verdienst zu, Jason Voorhees zum Antagonisten erhoben und damit den eigentlichen Grundstein für die zahlreichen Sequels gelegt zu haben, aber man merkt, dass die Idee, was man mit diesem Killer nun machen soll, noch nicht ganz ausgereift ist. Über weite Strecken stellt der Film eine Kopie des ersten Teils dar, mit der Ausnahme, dass es nun eben nicht mehr die erzürnte Mama ist, die mordend durchs Unterholz stakst, sondern ihr trauerndes Söhnchen. Ein Rückschritt gegenüber dem Vorgänger sind definitiv die Effekte: Der Film wurde vor seiner Veröffentlichung ganz offensichtlich runtergekürzt und kommt trotz deutlich erhöhtem Body Count auffallend blutleer daher. Auch sonst scheint er Federn gelassen zu haben: Der rothaarige Nerd, der immer wieder mit lustigen Scherzen auffällt und ein potenzielles Mordopfer darstellt, verschwindet ganz einfach. Wie auch bei einigen anderen Installationen der Reihe – etwa John Carl Buechlers FRIDAY THE 13TH PART VII: THE NEW BLOOD oder FRIDAY THE 13TH PART VIII: JASON TAKES MANHATTAN – würde man gern mal eine ungeratete, intakte Fassung sehen, aber nach rund 30 Jahren ist jede Hoffnung auf eine solche längst geschwunden.

Was FRIDAY THE 13TH PART II für Jason-Spezialisten und Sequelologen interessant macht, sind jene kleinen Idiosynkrasien, die gerade zweite Teile gern aufweisen (ich denke da an Jack Sholders unglaublichen NIGHTMARE ON ELM STREET PART 2: FREDDY’S REVENGE). Das Sequel beginnt mit dem Close-up auf eine Pfütze, in die ein kleines Mädchen hineintritt. Eine mütterliche Stimme ruft es aus dem Off nach Hause, die Kamera verharrt auf der Pfütze, durch die nun ein Mann mit klobigen Arbeitsschuhen läuft. Dann wird in die Wohnung von Alice (Adrienne King) geschnitten, dem Final Girl des ersten Teils, die für den Zuschauer noch einmal die vorangegangenen Ereignisse erträumt. Nachdem sie aufgewacht ist, telefoniert sie mit ihrer besorgten Mutter, setzt sich Wasser auf, findet das Haupt von Mrs. Voorhees in ihrem Kühlschrank und wird schließlich ermordet. Das ist nun ein alles andere als außergewöhnlicher Start für einen Slasherfilm, aber innerhalb der FRIDAY THE 13TH-Reihe dennoch ungewöhnlich: Die Vorstellung, dass Jason sich von seinem Camp Crystal Lake wegbegibt, um in einer vorstädtischen Home Invasion Rache zu üben, passt überhaupt nicht zu dem Bild, das man gemeinhin von ihm hat. Überhaupt ist die Entscheidung, Jason zum Star der Show zu machen, streng genommen höchst seltsam: Das shock ending des Vorgängers, indem er als halb verfaulte, aber immer noch kindliche Wasserleiche über Alice herfiel und sie ins Wasser zerrte, war doch deutlich als Traum oder gar Wahnvorstellung einer traumatisierten Person gekennzeichnet. Das Drehbuch gibt sich zwar alle Mühe, eine plausible Erklärung für das Auftauchen eines nun plötzlich erwachsenen Jason zu finden, hat damit aber, kaum überaschend, wenig Erfolg. Jason soll gar nicht ertrunken sein, sondern überlebt und sich verängstigt in den Wald geschlichen haben, wo er dann ein neues Leben als verwilderter Waldschrat begann, bis er die Ermordung seiner Mutter mitansehen musste. Diese Erklärung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet, die Figur des Slashers mit dem Mutterkomplex bleibt auch im Sequel ein einziges großes Rätsel.

Dass man dem armen Kerl als Maske einen Kissenbezug über den Kopf stülpte und ihm ein kleines Wellblechhäuschen in den Forst stellte, in dem er einen Schrein für seine Mutter unterhält, hilft nicht gerade weiter. Der Jason Voorhees aus FRIDAY THE 13TH PART II lässt sich mit den späteren Inkarnationen kaum noch in Übereinstimmung bringen. Im Showdown, in dem er Ginny (Amy Steel) durch den Wald hetzt, bekommt man fast Mitleid mit ihm. Die brutale Effizienz, die der Schlachtermeister später an den Tag legen würde, sucht man hier vergebens, dieser Jason ist ein blutiger Anfänger, stolpert, springt daneben, lässt sich in die Eier treten, fällt auf die Schnauze und wird dann mit einem sehr fadenscheinigen Trick genasführt. Jason ist beinahe ein tragischer Held, ein tief verstörtes Kind in einem für dieses kaum zu beherrschenden Körper. Aber diese Tiefe erhält die Figur eher durch Zufall: durch Spekulationen in Dialogen, durch die Art, wie sein gesichtsloser Darsteller durchs Bild latscht (als er von einem Polizisten verfolgt wird, lassen die Großaufnahmen seiner in bedächtigem Tempo rennenden Plattfüße auf einen Rentner mit Hüftschaden schließen), durch die sattelschleppergroßen Logiklöcher in seiner Genesis. Das Augenmerk lag offenkundig weniger auf der Kreation eines potenziellen Popkultur-Phänomens als auf der Wiederholung der Elemente, die Cunninghams Vorgänger zum Sensationserfolg gemacht hatten: Teenies verlustieren sich an einem Waldsee und werden von einem Unbekannten um die Ecke gebracht. Es gibt diesmal, der Überbietungslogik geschuldet, noch mehr Teenies (die meisten haben dann aber das Glück, während Jasons Jagdzeit in einer lokalen Bierschwemme zu gastieren), zum ersten Mal nackte Brüste und zahlreiche dümmliche Streiche, die auf einen IQ unter Zimmertemperatur schließen lassen (einer versucht seine Angebetete zu erobern, indem er ihr beim Baden die Klamotten klaut und sie so dazu zwingt, ihm barbusig hinterherzurennen: eine garantiert todsichere Methode, das Herz einer Dame zu gewinnen). Der verrückte Hillbilly Ralph (Walt Gorney) macht erneut seine Aufwartung und stellt innerhalb der Reihe eines der seltenen frühen Beispiele für echte Kontinuität her. Ob Miners Film jetzt besser oder schlechter ist als sein Vorgänger kann man kaum sagen. Darüber zu diskutieren scheint aber eine lohnenswerte Beschäftigung für Paragrafenreiter, Nerds mit Statistikwahn, Verfechter von Pepsi-Cola und sonstige Langweiler. Eine wirklich ikonische Szene ist Miner immerhin gelungen: die mittlerweile obligatorische Lagerfeuer-Gruselgeschichten-Szene mit Schock am Ende. Es ist die vielleicht beste Szene des ganzen Films, dem es aller Widrigkeiten zum Trotz immerhin gelingt, eine gewisse Atmosphäre aufzubauen.

Dieser Text hat mich vor einigen Tagen darauf aufmerksam gemacht, dass der Startschuss für die berühmteste und erfolgreichste Slasherfilm-Serie dieses Jahr seinen 35 Geburtstag feiert. Ein Superanlass, mit meinem „Reihen-Special“ weiterzumachen, zumal ich die FRIDAY THE 13TH-Filme, die ich abgöttisch liebe, sowieso mal wieder von vorn bis hinten durchgucken wollte. In meiner gut zehnjährigen Filmschreiberlaufbahn habe ich tatsächlich noch kein einziges Mal über die Jason-Voorhees-Mordsaga geschrieben, was ein untragbarer Zustand ist, dem dringend Abhilfe geschaffen werden muss. Bevor ich mich dem Film selbst zuwende, immer noch eine der ertragreichsten Indie-Produktionen der Filmgeschichte, die weltweit das Zigfache ihres bescheidenen Budgets einspielte, muss ich aber kurz auf meine persönliche Beziehung zur Reihe eingehen. Anders lässt sich meine Liebe für diese Filme kaum verstehen.

Ganz wichtig: FRIDAY THE 13TH und der Killer mit der Eishockeymaske waren mir schon Jahre bevor ich tatsächlich den ersten Film zu Gesicht bekam ein Begriff. Zuerst war da das miese C64-Computerspiel, das damals zur Veröffentlichung von Joseph Zitos viertem Teil erschien und dessen Plakatmotiv als Cover hatte. Es verfügte, wie viele Computerspiel-Adaptionen von Filmen über ein miserables Gameplay und eine selbst an den damaligen Möglichkeiten gemessene unterdurchschnittliche Grafik. Trotzdem hatte es eine gewisse verstörende Qualität: Immer, wenn der Killer im Spiel zugeschlagen hatte, gab das Spiel ohne jede Vorwarnung ein ohrenbetäubendes Kreischen von sich, das einem unweigerlich die Nackenhaare hochstellte und einen während des Spiels in einen Zustand permanenter Anspannung versetzte. Später dann, ich muss 11 oder 12 gewesen sein, erzählte mir ein Klassenkamerad von eben jenem FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER und ich ließ mir von ihm auf dem Schulhof minutiös alle Mordszenen beschreiben. Monster und Horrorfilme hatten seit meiner Kindheit einen immensen Reiz auf mich ausgeübt, gleichzeitig hatte ich aber großen Respekt vor ihnen und traute mich nicht so recht an sie heran. Berichte wie die meines Schulfreundes waren gewissermaßen meine Ersatzdroge und sie ließen die Filme in meiner Vorstellung bedrohlich anwachsen. In den blutigsten Farben malte ich mir diesen unerhörten FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER aus und verlieh ihm so einen unerreichbaren Legendenstatus. Etwas später verschlang ich dann die Hasstiraden, die ihnen die Autoren Hahn/Jansen den Filmen in ihrem Horrorfilm-Lexikon angedeihen ließen und blätterte verzückt in den Ausgaben der Fangoria, die ich in einem örtlichen Comicladen ausfindig gemacht hatte. In jenen Jahren gegen Ende der Achtziger war Jason nichts anderes als ein Popstar und jedes neue Sequel erhielt in dem amerikanischen Horrormagazin seinen ausladend bebilderten Artikel. Im Fokus standen dabei nicht nur die Bilder des hünenhaften Kilelrs selbst, sondern auch seiner grausamen Mordtaten. Meine Vorstellungen von einst wurden nun grafisch unterfüttert: Diese Filme, in denen ein stummer, entmenschlichter Koloss ohne jede Zurückhaltung und mit bestialischer Kreativität Teenie um Teenie abschlachtete, mussten wahrhaftig das Brutalste auf Erden sein. Die Serie wurde für mich zum Inbegriff bösen, blutigen, verstörenden und lustigerweise erwachsenen Horrorkinos.

Ich hätte eigentlich maßlos enttäuscht sein müssen, als ich dann irgendwann, Jahre später, den ersten Jason-Film zu Gesicht bekam. Aber das war nicht der Fall. Auch wenn die Reihe streng genommen einen mit jedem Eintrag debiler werdendem Kindergeburtstag gleicht, hatte sie in meiner Vorstellung längst eine mythische Kraft angenommen, die die Filme selbst  infiltrierte. Wenn Jason stumm und mit stoischer Gelassenheit durchs Unterholz pflügte, sich mit der Machete durch Horden von gehirnamputierten US-Boys und -Girls schlachtete, dann verkörperte dieses Bild für mich eine geradezu archaische Urgewalt, die an Urängste rührte, die die Filme tatsächlich nur sehr unzureichend bedienten. Dennoch spielten sie für meine Filmsozialisation eine kaum zu unterschätzende Rolle: Wochenlang tingelte ich mit meinem ebenso Jason-versessenen Kumpel durch die Krefelder Videotheken, um dort die noch fehlenden Teile aufzutreiben. Als uns klar wurde, warum wir den dritten und vierten Eintrag einfach nicht finden konnten, ergab sich der Kontakt zu jener legendären Venloer Videothek, in der wir dann ein gutes Jahr lang unsere Wochenenden verbrachten und uns fühlten wie der kleine Junge, der im Süßigkeitenladen eingeschlossen wird. Wir waren wegen FRIDAY THE 13TH PART 3 und FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER gekommen (und natürlich wegen der ungeschnittenen Fassungen der anderen Teile) und verließen sie mit bergeweise bei uns gekürztem, beschlagnahmtem oder schlicht nicht erhältlichen Stoff. Ich entdeckte viele, viele Filme, die unendlich viel besser waren als die tumben Späße um Jason Voorhees, aber ihren Platz in meinem Herzen haben die trotzdem immer behalten.

Was mich nun endlich zum ersten Teil bringt, in dem der eigentliche Held der Reihe bekanntermaßen gar nicht auftaucht bzw. nur ganz kurz zum Schluss. Wenn es darum geht, den Ursprung des Slasherfilms zu benennen, verweisen Experten gern auf Bavas REAZIONE A CATENA oder auf Bob Clarks BLACK CHRISTMAS, wenn sie weniger originell sind, natürlich auf Carpenters HALLOWEEN. Alle diese Einwürfe sind richtig, aber erst Sean S. Cunningham dachte deren Ideen zu Ende und entwarf den Slasherfilm als teeniezentrierte Nummernrevue mit viel Raum für Zoten, zahmen Sex, blutige Morde und einen Killer, der neben einer dekorativen Maske auch einen ebensolchen Dachschaden mit sich herumträgt. Mit einer Ausnahme: Der Fokus von FRIDAY THE 13TH liegt ohne jeden Zweifel auf seinem Final Girl Alice (Adrienne King) und noch nicht auf den Untaten des Killers, der erst im Laufe der nächsten 9 bzw. 10 (FREDDY VS. JASON) bzw. 11 (Nispel-Reboot) bzw. 12 (angekündigtes Remake) Filme immer mehr zum eigentlichen Star der Show wird. Eigentlich ist FRIDAY THE 13TH ein recht altbackener Whodunit, allerdings einer, der sich nur wenig für das Legen falscher Spuren, das Etablieren von Verdächtigen und die Jagd nach clues interessiert. Das Tempo ist aufreizend langsam, der Film trotz seines rustikalen Settings etwas leblos und echte Spannung kommt eigentlich nie auf – schon gar nicht nach gefühlten 28 Sichtungen. Die gefeierten Make-up-Effekte von Tom Savini sind der Rede eigentlich nicht wert, da sie überaus sparsam zum Einsatz kommen und außerdem ziemlich fadenscheinig sind. Das Ende ist natürlich toll, genau wie Harry Manfredinis lebhafter Score, der so klingt, als hätten die Looney Toons einen Score von Bernard Herrmann gecovert. Trotzdem mag ich den Film und das nicht nur, weil er sich wie eine perfekt eingetragene, schlabbrige Jogginghose anfühlt, die mich seit Jahren begleitet. Lustigerweise ist es vor allem die gemütliche erste Hälfte des Films, die mich für ihn einnimmt, die Anreise in das marode Camp, die Begrüßung durch die argwöhnischen Hillbillies, die Etablierung der Subjektiven, der Müßiggang der Teenies und ihre idiotischen Spielchen. Wenn sie dann weggemeuchelt werden, empfinde ich ganz entgegen der klischierten Meinung, nach der man ihren Tod angeblich herbeisehnt und bejubelt, eine gewisse Traurigkeit. Nicht, weil es sich um solch faszinierende, sympathische Charaktere handelte, sondern gerade weil ihre Identitätslosigkeit den Film so wunderbar leicht gemacht hat. Und machen wir uns nichts vor: Wir alle waren mit 17, 18 ziemlich unerträglich, bestenfalls langweilig und hätten uns in das FRIDAY THE 13TH-Figurenensemble bestens eingefügt. Wahrscheinlich hätte es mit uns sogar weniger Sex gegeben.

Das bringt mich zu einem weiteren Rezeptionsklischee, auf das ich hier abschließend eingehen will. Es ist längst zu einem Allgemeinplatz geworden, dass der Slasherfilm im Kern puritanisch sei, angetrieben von einem konservativen Moralverständnis. Der Killer ist nach dieser Lesart der reaktionäre Moralist, der alle, die vorehelichen Sex haben, Drogen nehmen oder sich sonst nicht zu benehmen wissen, gnadenlos bestraft. Man kann das so sehen, aber für mich greift diese Betrachtung zu kurz bzw. verkennt sie eine Wahrheit des Slasherfilms, die als Begründung gelten mag, warum diese Filme gerade bei Jugendlichen so erfolgreich waren. Auf einer eher bildlichen, gleichnishaften Ebene handelt der Slasherfilm nicht vom Konflikt zwischen freigeistigen Jugendlichen und strengen Erwachsenen, sondern von der enttäuschenden Durchschnittlichkeit der „teenage experience“. Man nehme die vorliegende Reihe: Da werden Kinder – als Gäste oder Angestellte – in ihren Sommerferien in einem maroden Sommercamp abgeladen, das einst Schauplatz diverser tragischer Unglücksfälle war. Der „Spaß“ dort besteht in doofen Scherzen, lustlosen Spielchen und meist ergebnislos bleibenden Flirts. Der herbeigesehnte Sex ist die Aufregung nur selten wert, die meisten gucken eh dumm aus der Wäsche. Und dann kommt auch noch ein Killer daher und setzt dem Ganzen die Krone auf. Wie ist Jason noch gleich gestorben? Noch vor Erreichen der Geschlechtsreife ist er abgesoffen, weil die Aufpasser sich ineinander verbissen hatten. In den Sequels stapft er nun traurig und faulend durch den dunklen Tann, schaut den Jungen und Schönen bei einem Vergnügen zu, das ihm immer vorenthalten geblieben ist. In jedem Film gibt es einen Seelenverwandten, einen Außenseiter, einen Dicken, Beschränkten, Verblödeten, der nicht zum Schuss kommt. Das sind die eigentlichen Helden der Reihe, die Figuren, denen die Sympathie gilt, und zwar nicht, weil sie enthaltsam sind, sondern weil wir uns mit ihrer Traurigkeit identifizieren. Der vordergründige Spaß, den die Kiddies in Camp Crystal Lake haben, ist doch höchst defizitär. Wahrscheinlich wird man von morgens bis abends von Moskitos zerstochen, im schlimmsten Fall holt man sich einen Schlangenbiss. Aber natürlich sehen die Protagonisten das nicht so: Man beachte das erste Opfer in FRIDAY THE 13TH, die zukünftige Camp-Köchin, die ihren armseligen Job mit einer Euphorie antritt, als handelte es sich um den Startschuss für eine fulminante Weltkarriere. Oder das Funkeln in den Augen der Blondine, die als Abendvergnügen eine Runde „Strip-Monopoly“ vorschlägt. Kann man sich etwas Langweiligeres, Fehlgeleiteteres vorstellen? Kann man sich einen weniger adäquaten Weg vorstellen, seine Libido zu befriedigen? Eine unbeholfenere Art, einen Mann aus seinen Klamotten zu holen? Darum geht es: Nicht um die Bestrafung für die Sünde, sondern darum, dass man als Teenager erst kein Glück hat und dann auch noch Pech dazukommt.

friday the 13th (marcus nispel, usa 2009)

Veröffentlicht: August 26, 2009 in Film
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friday13th_2009Statt der überflüssigen Inhaltsangabe ein Geständnis: Ich bin seit meiner frühen Teenagerjahre eingefleischter Jasonist. Mein Herz war verloren, als mir ein Schulfreund auf dem Schulhof zum ersten Mal von diesem merkwürdigen Film erzählte, indem es um nichts anderes zu gehen schien, als um das möglichst kreative Töten (auch das grafisch wie spielerisch minderbemittelte C64-Spiel konnte meiner Faszination nichts anhaben). Später sah ich dann beim neugierigen Blättern in den Ausgaben der Fangoria im örtlichen Comicladen zum ersten Mal Fotos aus diesen „skandalösen“ Filmen (damals erschien gerade der siebte oder achte Teil der Serie) und diese Bilder ließen die Filme vor meinem geistigen Auge endgültig ins Unermessliche wachsen: Jason Voorhees war für mich der Inbegriff des unerbittlichen, unaufhaltsamen und vollkommen indifferenten Horrors. Ein Phantom, das vom Töten lebt und gar keine Motivation mehr dafür braucht; eine brachiale Urgewalt ohne jede menschliche Regung. Dass die Filme diesem Bild nur unzureichend nahekamen, war mir egal: Parallel zu den Bildern lief immer mein persönlicher Film mit und verwandelte das mit wachsender Sequelzahl zunehmend alberne Geschehen in eine finstere Moritat über Tod und Gewalt. Doch so sehr ich die FRIDAY THE 13TH-Reihe auch liebte, da war immer auch ein bisschen das Gefühl, dass man das, was ich als Jugendlicher in Jason gesehen hatte (und immer noch sehe), auch nach 20 Jahren und zehn Sequels nicht adäquat auf die Leinwand gebracht hatte.

Was uns nun zu Nispels Remake bringt, das eigentlich kein Remake ist, sondern eher eine Zusammenfassung der ersten drei Teile der Reihe. Nispel hatte mit seinem für Michael Bays Produktionsfirma Platinum Dunes gedrehten TEXAS CHAINSAW-Remake zwar einen durchaus respektablen Film vorgelegt, musste sich aber doch den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Erneuerungen dem Original wenig hatten hinzufügen noch auch nur plausibel machen können, warum man überhaupt ein Remake dieses visionären Films brauchte. Bei FRIDAY THE 13TH stellt sich dieses Problem in dieser Form gar nicht: Das Original ist eher deshalb ein Klassiker, weil es „zur rechten Zeit am rechten Ort“ erschien und weniger, weil es filmische Maßstäbe setzte. Im Grunde genommen sind alle Filme der Reihe für sich genommen recht biederes Mittelmaß, dem man entweder etwas abzugewinnen vermag oder aber nicht. Von einem Remake erwartet man insofern höchstens kosmetische Verbesserungen und keine erzählerischen Quantensprünge, im Gegenteil: Die pornografische Nummernstruktur des Slashers etwa ist unverzichtbarer Standard. Wollte man daran etwas ändern, wäre es geradezu idiotisch, sich überhaupt an einem Slasherremake zu versuchen. Ein Remake geht also dementsprechend mit einer viel geringeren Bürde ins Rennen.

Dies alles spielt dem Film in die Karten: Nispel hat einfach nur den düstersten und brutalsten FRIDAY-Film der Reihe gedreht (der, das liegt wohl in der Natur der Sache, natürlich genauso gut auch als Teil 12 hätte durchgehen können). Der Humor, der die Sequels spätestens ab Teil 5 immer mehr im Griff hatte, ist hier endlich vollkommen abwesend und Nispel konzentriert sich ganz darauf, seine Hauptfigur ins rechte Licht zu rücken. Hier komme ich dann auch wieder zum Anfang meines Textes zurück: Für mich war dieses Remake geradezu eine Offenbarung, eine Verfilmung aller meiner Vorstellungen. Jason walzt unerbittlich durch den Film, die absurden Auswüchse des Creative-Killing-Wahns werden zugunsten kurzer, brutaler und glaubwürdiger Gewaltattacken vermieden, zudem versieht Nispel das Geschehen mit einer greifbar bedrohlichen Atmosphäre, die der Reihe sonst nahezu vollkommen abgeht. Man mag durchaus zu Recht bemängeln, dass auch dieses Remake letztlich nur ein Slasherfilm ist und dem Original nicht nur gar nichts hinzuzufügen weiß, sondern dies auch gar nicht erst versucht. Aber wie ich schon sagte: Ich habe diesen Film ganz aus der Fanboy-Perspektive gesehen und mich einfach nur darüber gefreut, dass mit Nispel jemand am Werk war, der mit FRIDAY THE 13TH keine künstlerischen Ambitionen verfolgen, sondern einfach nur den besten Teil der Serie drehen wollte. Das ist ihm gelungen. Hut ab!