Mit ‘Full Moon’ getaggte Beiträge

the gingerdead man (charles band, usa 2005)

Veröffentlicht: November 1, 2016 in Film
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1458510192063Ich habe mich auf diesen Seiten ja schon häufiger über Charles Bands Produktionsschmiede Full Moon ausgelassen. Eine mir selbst nicht ganz schlüssige Faszination für die beknackten Billigeproduktionen hat mich schon vor Urzeiten gepackt und lässt mich nicht wirklich los, auch wenn ich das Treiben der Firma keineswegs aktiv verfolge: So weit geht die Liebe dann doch nicht. Von den Filmen, die ich bisher kenne, sind vielleicht eine Handvoll als „akzeptabel“ zu bezeichnen, meist handelt es sich bei ihnen jedoch um furchtbar dilettantischen Quark, der sich zwar selber kein Stück Ernst nimmt, aber trotzdem nur mäßig komisch ist. Full Moon hat sich spezialisiert auf hirnrissige Prämissen mit stussigen Monstern – siehe den „Gingerdead Man“ oder auch die „Evil Bong“ -, die der erstaunlicherweise sehr aktiven Fangemeinde anschließend via breiter Merchandising-Palette um die Ohren gehauen wird. (Ich muss zugeben, die Vorstellung, eine Gingerdead-Man-Figur im Regal stehen zu haben, ist verlockender, als mir das Sequel anzuschauen.) Im Gegensatz zu den Kollegen von Asylum, die ebenso Trash mit Vorsatz produzieren und so auf den ersten Blick in eine ähnliche Kerbe hauen, sind Full Moon aber wesentlich konservativer. Ihre Filme sind genetisch allesamt in den Achtzigerjahren verwurzelt, als der Horrorfilm, begünstigt durch den boomenden Videomarkt, eine kommerzielle Glanzzeit erlebte und kleine Firmen mit preisgünstigen Produktionen richtig dick ins Geschäft kommen konnten. Die Filme von Full Moon waren eigentlich immer eher Komödie als Horrorfilme, aber angetrieben wurden sie von etablierten Motiven und Plotkonstruktionen, während Asylum den Genrefilm mit chaotischen CGI-Orgien an seine Grenzen und darüber hinaus führt.

THE GINGERDEAD MAN dauert knapp 70 Minuten, ist eine deutlich als solche erkennbare Variante von CHILD’S PLAY und fußt im Wesentlichen auf dem Witz, den irren Gary Busey einen mörderischen Gingerbread Man synchronisieren zu lassen. Busey, der sich nach einem respektablen Karrierestart in den Siebzigern zum Ende der Achtzigerjahre eine Nische als Darsteller für soziopathische Schurken oder bärbeißige Cops in großen Hollywood-Produktionen (LETHAL WEAPON, PREDATOR 2, UNDER SIEGE, POINT BREAK) freigeboxt hatte, ist heute vor allem berühmt-berüchtigt für sein erratisches Verhalten und seinen vermeintlichen „Wahnsinn“, möglicherweise die Folge einer Kokainüberdosis und eines Motorradunfalls, die ihn auch das Christentum für sich entdecken ließen. In THE GINGERDEAD MAN spielt er den Killer Millard Findlemeyer, der zu Beginn des Films ein Blutbad in einem Diner anrichtet, bevor er mit rollenden Augen von dannen zieht. Nach seiner Hinrichtung landet seine Asche durch einen Unfall im Ingwerbrot-Teig einer kleinen Bäckerei, deren Inhaber wesentlich verantwortlich für seine Verurteilung waren. Als auch noch etwas Blut in die Pampe platscht, ist der Zauber perfekt und ein von Findlemeyer besessener Weckmann metzelt sich wenig später durch die Backstube.

Was sich auf dem Papier putzig anhören mag, ist tatsächlich leider ziemlich schnarchig und ohne echten Esprit inszeniert. Die Spezialeffekte um den Keksmann stammen von John Carl Buechler und sind geradezu aufreizend rückständig: Die Nahaufnahmen des Gesichts offenbaren einer Gummi-Fingerpuppe, im Ganzen bekommt man das Gebäckmonster nie zu sehen, in Totalen handelt es sich um ein unbewegliches Furzkissen. Die Bedrohung, die von dem Mörder im Plätzchengewand angeblich ausgeht und die Protagonisten in Panik versetzt, ist für den Betrachter beim besten Willen nicht nachvollziehbar, und um ein einfaches Entkommen durch die Vordertür unmöglich zu machen, entpuppt sich die kleine Bäckerei als echtes Raumwunder mit labyrinthisch verschlungenem Grundriss. Die menschlichen Hauptfiguren stehen dem unbeholfenen Quatsch in Nichts nach: Sie hier zu beschreiben, wäre wirklich zu viel des Guten. Ich gestehe, ein paarmal herzhaft gelacht zu haben über diesen Dummfug: Charles Band gibt sich wirklich überhaupt keine Mühe, die Standardsituationen, aus denen THE GINGERDEAD MAN besteht, halbwegs plausibel herzuleiten, er klatscht sie einfach so aneinander und hält stur mit der Kamera drauf. Busey ist als Stimme des Lebkuchenmänneken leider ziemlich verschenkt, sein Auftritt zu Beginn bleibt der einsame Höhepunkt des Films und legt die Frage nahe, warum Full Moon nicht lieber einen Film gemacht haben, in denen Gary Busey vom Geist eines Weckmanns besessen wird, statt umgekehrt. Ein wenig reizt es mich ja schon, die drei (!!!) Nachfolger auch noch zu gucken (der dritte ist ein Crossover vom Ingwerbrotmann und der bösen Blubba), aber das Leben ist ja noch lang.

bloodlust-subspecies-iiiIch habe es im Eintrag zum Vorgänger schon angekündigt: Hier ist es leider vorbei mit der unerwarteten Herrlichkeit. Zeitgleich mit BLOODSTONE: SUBSPECIES II gedreht, krankt BLOODLUST: SUBSPECIES III daran, im Grunde dieselbe Geschichte noch einmal mit exakt denselben Mitteln zu erzählen. Der Film fühlt sich wie ein selbstgefälliges Auf-der-Stelle-Treten an und das ist er ja auch: Da sollte einfach schnellst- und günstigstmöglich der nächste Eintrag der Reihe rausgehauen werden und die ganzen wirklich geilen Ideen hatte man bereits in den zweiten Teil gepackt. Für den dritten blieb dann nur der Schnittmüll übrig, zumindest fühlt sich BLOODLUST über weite Strecken so an.

Ich habe irgendwann den Braten gerochen und bin sanft vor der Glotze entschlummert, um pünktlich zum Showdown wieder aufzuwachen. Das Bedürfnis, das Versäumte nachzuholen, hielt sich arg in Grenzen. Das ist ein deutliches Zeichen.

subspecies-2-variant-coverSUBSPECIES habe ich schon für einen mittelschweren Glücksfall gehalten, das Sequel setzt noch einen drauf: Visuell ist Nicolaous Film überaus beglückend, voller geheimnisvoller, mystischer Bilder, geprägt durch fantasievollen Lichteinsatz, famose Make-up-Effekte und ansprechende Bildkompositionen. Die Schattenspiele um den bösen Vampir Radu (Anders Hove) sind noch spektakulärer als zuvor, nicht zuletzt, weil ein Teil der Handlung nun in den historischen Straßen Bukarests angesiedelt ist, die optisch einen reizvollen Kontrapunkt zu den dunklen Wäldern und grauen Burgruinen setzen.

Das führt mich zum zweiten Pluspunkt von BLOODSTONE: SUBSPECIES II, denn nun wird auch inhaltlich etwas mehr geboten als im doch etwas eindimensionalen Vorgänger. Der Film ist abwechslungs- und wendungsreicher, hat mehr Tempo, einen interessanteren Plot und bessere Akteure. Man könnte sagen, dass Produzent Charles Band die mit dem ersten Teil eingefahrenen Gewinne sinnvoll reinvestiert hat. Das ist im Hinblick auf die kommende, Back-to-Back mit diesem zweiten Teil entstandene Installation der Reihe aber nur die halbe Wahrheit, denn die wird eine deutliche Ernüchterung bringen. Doch die triste Aussicht auf die Zukunft soll die Freude an diesem sehr schönen Vampirfilm nicht schmälern. Solche stimmungsvollen Produktionen waren im Horrorfilm der Neunzigerjahre rar gesät, vor allem im Bereich des DTV-Films. BLOODSTONE: SUBSPECIES II sticht nicht nur aus dem Gros dessen, was damals die Videotheken flutete, sondern auch aus dem Full-Moon-Oeuvre, weit heraus. Wer sich ein Stück kindlicher Begeisterungsfähigkeit bewahrt hat, sollte dem Film eine Chance geben.

André Toulon (Guy Rolfe) erinnert sich, wie er in den Besitz seines Geheimnisses gekommen war: Als junger Puppenspieler (Greg Sestero) im Paris der Jahrhundertwende begegnet er eines Tages dem Jahrtausende alten ägyptischen Zauberer Afzel (Jack Donner). Der hat der Gottheit Suthek das Geheimnis des Lebens entwendet und ist nun auf der Flucht vor dessen Schergen. Er weiht den Puppenspieler ein …

RETRO PUPPET MASTER knüpft nahtlos an den Vorgänger an: Wie dieser befleißigt er sich eines ruhigeren, beinahe märchenhaften Tons und fährt damit ganz gut. Gleichzeitig kehrt er aber zur ursprünglichen Mythologie um den Puppenspieler Toulon zurück, beleuchtet nun endlich die genauen Umstände, unter denen er zu jenem Mann wurde, dem sich die ersten Filme der Serie widmeten. Unter normalen Umständen würde ich kritisieren, dass dieser Erklärbär-Modus eher dazu geeignet ist, das Mysterium, das einen guten Horrorfilm auszeichnet, zu zerreden: Aber bei einem Full-Moon-Film ist man für jede erzählerische Idee dankbar und realistisch betrachtet war ja schon der Original-PUPPET MASTER nicht gerade der Stoff, der einen um den Schlaf bringt. Von einem Erbe, dem man Schande machen würde, kann also nur schwerlich die Rede sein. Auffällig ist, dass man die ursprüngliche Erklärung – bisher hieß es immer, Toulon habe das Geheimnis des Lebens selbst von einer Reise nach Kairo mitgebracht – hier zugunsten einer neuen verwirft. Wahrscheinlich schreckte man – zu Recht! – davor zurück einen Film dieser Größenordnung in der ägyptischen Metropole anzusiedeln. So spielt RETRO PUPPET MASTER also in Paris, auch gut. Der Titel bezieht sich sowohl auf den Rückblickscharakter des Films als auch auf das Puppendesign: Statt der altbekannten Puppenheimer, an denen man sich doch etwas sattgesehen hat, gibt es hier Toulons erste Schöpfungen zu sehen, die noch weniger geschliffen – eben im Retrolook – daherkommen und sehr hübsch anzuschauen sind. Weniger gut gelungen sind die visuellen Effekte um Sutheks Diener, die einen leichten MATRIX-Einfluss erkennen lassen: besonnenbrillte Anzugtypen mit verzerrten Stimmen. Es handelt sich aber um reaktivierte Mumien mit aufgemalten Fäulnisflecken im Gesicht, das wäre also der originelle Part.

Wie schon die vorangegangenen Beiträge kann  auch dieser Film das Wohlwollen des geneigten Zuschauers (sprich: meins) nicht bis zum Ende aufrechterhalten. Es fehlt einfach eine Idee, die über das bloß routinierte Abspulen des Vorhersehbaren hinausginge. Ich vermisste eine Überraschung, Raffinesse: Mag sein, dass das zu viel verlangt ist von einem Full-Moon-Film, der in erster Linie Geld bringen soll, aber wenn man solche Filme nicht mit einem gewissen Enthusiasmus macht, warum dann überhaupt? Das Finale muss man schon als antiklimaktisch bezeichnen und das liegt nicht nur daran, dass offensichtlich keine Kohle da war, um sich etwas halbwegs Spektakuläres zu leisten. Wie dem auch sei: RETRO PUPPET MASTER ist ganz niedlich und bleibt als besserer Eintrag der Serie im Gedächtnis. Ich bin jetzt erst einmal ganz froh, etwas anderes schauen zu können. Die nach diesem entstandenen PUPPET MASTER-Filme werde ich wohl vorerst meiden, Komplettierung bin ich aber nie abgeneigt. Full Moons Oeuvre bleibe ich zukünftig treu, die TRANCERS- und SUBSPECIES-Reihen sowie die ersten beiden GINGERDEAD MAN-Filme mit Gary Busey sind schon vorgemerkt. Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie mag ich diesen trivialen Schrott …

Der etwas tumbe, aber herzensgute und hoch talentierte Robert (Josh Green) wird von Dr. Magrew (George Peck), der ein Puppenkabinett betreibt, als Assistent engagiert. Seine Figuren sind von echtem Leben beseelt und auch Robert soll in diese Kunst eingeführt werden. Zwischen dem Jungen und Magrews Tochter Jane (Emily Harrison) entspinnt sich jedoch eine sanfte Romanze, die dem Puppenmeister nicht so recht in den Plan passt. Denn er hat andere, finstere Pläne für Robert …

Nach dem selbst für Full-Moon-Verhältnisse katastrophal miesen PUPPET MASTER 5: THE FINAL CHAPTER ging man in den Büros der rührigen DTV-Horrorschmiede in Klausur. Knapp fünf Jahre verstrichen, bis dieser sechste Beitrag zur Reihe veröffentlicht wurde. Und das Bedürfnis nach einem Neuanfang erkennt man sofort: Schon der Titel bricht mit der bisherigen Tradition simpler Durchnummerierung, inhaltlich hat CURSE OF THE PUPPET MASTER mit den Vorgängern fast gar nichts zu tun. Der Name „Toulon“ taucht mal auf einem Schild auf, ohne dass weiter darauf eingegangen würde, und natürlich sind die liebgewonnenen Puppen mit von der Partie, doch sonst ist DeCoteaus zweiter Beitrag zur Reihe bemerkenswert eigenständig und „unseriell“. Anstatt weiter im Modus des Achtziger-/Neunziger-Videothekenhorrors zu machen, der seine Inspiration dem Slasherkino verdankte, orientiert sich DeCoteau für diesen Beitrag eher am klassischen Horrorfilm, der immer mit leicht melodramatischer Note ausgestattet war. Im Mittelpunkt stehen also Menschen, nicht irgendwelcher kindischer Unfug. Nur langsam – mancher würde vielleicht auch sagen: langweilig – entfaltet sich die Geschichte um Robert, seine unglückliche Liebe zu Jane und das Geheimnis des Puppenspielers Magrew: Zwar ahnt man recht früh, wohin die Reise gehen wird, und CURSE ist auch nicht frei von den erwartbaren Defiziten des Low-Budget-Films, aber der Versuch, das ganze Treiben emotionell zu erden, ist definitiv ein Schritt in die richtuge Richtung und muss gelobt werden. Okay, die Schauspieler sind bestenfalls durchschnittlich, die Dialoge hölzern und die Puppeneffekte haben sich auch nicht eben weiterentwickelt, aber mir hat der Film trotzdem Spaß gemacht. DeCoteau macht genau das, was schon seinen dritten Teil herausstechen ließ: Er verlässt sich nicht auf seine Effekte und den vergänglichen Reiz der Stop-Motion-Puppen, sondern bietet „Charaktere“ an, deren Schicksal den Kern der Geschichte ausmacht. Dass dabei kein Film rausgekommen ist, der zu Tränen rührt, bis ins Mark erschüttert oder einen in Euphorie versetzt, war wohl zu erwarten. Ich würde ihm das nicht vorwerfen. Für das, was er ist, ist CURSE sehr, sehr ordentlich geworden.

Nach den Ereignissen des Vorgängers findet sich Rick (Gordon Currie) in polizeilichem Gewahrsam wieder: Weil der zuständige Detective (Ron O’Neal) seine wüste Geschichte um Killerpuppen nicht glauben will, gilt Rick als Hauptverdächtiger in einer Mordserie. Sein Arbeitgeber hat allerdings Interesse an seiner Geschichte: Er hinterlegt nicht nur die Kaution für Rick, sondern entsendet auch drei Finstermänner, die das Hotel in der Bodega Bay nach den geheimnisvollen Puppen durchsuchen sollen …

… und damit ist tatsächlich der ganze Plot des Films erzählt. Ein Großteil der mit 75 Minuten nicht eben üppigen Laufzeit wird damit gefüllt, egale Figuren durch die Dunkelheit des Hotels staksen und dann und wann den Zwergdämonen oder Toulons Puppen zum Opfer fallen zu lassen. Am Schluss explodiert der böse Oberdämon in seiner dringend einer Renovierung bedürfenden Dimension und einer der langweiligsten Filme, die ich je gesehen habe, ist zu Ende. An PUPPET MASTER 5 gibt es tatsächlich nichts zu beschönigen: Aus der Idee, direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, wird gar nichts gemacht, vielmehr ausgerechnet das, was in diesem langweilig und vergessenswürdig war, nochmal aufgekocht. Vielleicht hätte man doch beim ursprünglichen Plan bleiben sollen, Teil 4 und 5 zu einem Film zusammenzuschneiden, anstatt aus der Idee für einen halben Film gleich zwei zu machen. Dieser hier ist die Laufzeit nicht wert und verheizt auch noch verdiente Exploitation-Ikonen wie Clu Gulager (gesehen habe ich ihn nicht, aber IMDb behauptet das) und Ron O’Neal für seine kläglichen Versuche in Unterhaltung. Mehr Worte hat dieser Schrott nicht verdient.

puppet master 4 (jeff burr, usa 1993)

Veröffentlicht: Oktober 21, 2012 in Film
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Die Dämonen, denen Toulon das Geheimnis des Lebens entrissen hat, wollen es zurück. Sie schicken deshalb kleine Horrorwesen auf die Erde. Fortan muss sich Rick Myers (Gordon Currie), ein jugendliches Genie, der Biester erwehren: Er arbeitet für ein Wissenschaftsprojekt an der Erzeugung künstlichen Lebens und hat sich dazu als Hausmeister im leerstehenden Hotel in der Bodega Bay einquartiert, wo die Puppen vor Jahren ein Massaker anrichteten …

Gegenüber PUPPET MASTER 3: TOULON’S REVENGE ist Burrs vierter Teil leider wieder ein Rückschritt. Hatte der Vorgänger durch den historischen Background erheblich an Scope gewonnen, kehrte man für diesen Teil unerklärlicherweise wieder in die Gegenwart und das beengte Setting der ersten beiden Teile zurück. Burr, dessen unglücklich verlaufene Karriere ich schon mehrfach thematisiert habe, bemüht sich redlich, das Beste aus den Gegebenheiten zu machen, und es ist ihm hoch anzurechnen, dass PUPPET MASTER 4 immerhin ansehbar und streckenweise auch ganz lustig geworden ist, aber auch er kann Scheiße nicht in Gold verwandeln. Das Elend beginnt und endet mit dieser blöden Dämonen-Idee: Die Unterwelt, in die ein paarmal „rübergeschaltet“ wird, um einen Pappmaché-Dämonen mit Trichterbrust, Stielnippeln und Wasserkopp beim albernen Monologisieren zuzuschauen, ist etwa so effektiv wie die durchschnittliche Dorfgeisterbahn, wenn der Bucklige Kartenabreißer gerade seinen freien Tag hat. Überhaupt muss doch die Kompetenz dieses Gesellen angezweifelt werden, wenn er keine anderen Mittel zur Verfügung hat, die Protagonisten-Nerds aus dem Weg zu räumen, als ein paar Topfpflanzen-große Zwergdämönchen. Dass erwachsene Menschen sich nicht ein paar Spielzeugpuppen erwehren können, war schon in den vorangegangenen Filmen die Plausibilitätshürde, die man zu überspringen hatte, aber hier fällt das erst so richtig ins Gewicht. PUPPET MASTER 4 hat null Schauwerte: Nicht ungewöhnlich für eine solch eilig für den Videomarkt runtergekurbelte Billigware, aber dennoch hätte man aus den vorhandenen Mitteln sicherlich mehr machen können.

Auf der Habenseite des Films steht seine herrliche Naivität und Cheesiness: Der musikalische Soundtrack wird mit 1993 reichlich antiquiert klingendem US-Hardrock bestritten, Held Rick testet seine superintelligenten Roboter (Made in China, Batterien im Lieferumfang nicht enthalten) in nervenzerfetzenden Lasertag-Duellen in seinem Schlaf- und Arbeitszimmer, wo er in Antizipation späterer Actionstandards vom Bett hinter den Wäschekorb hechtet, dabei mit seinem Virtual-Reality-Laserhandschuh auf die unbeholfen rumeiernden Robbies ballernd. Und dann dürfen auch der schmierige Konkurrent Cameron und seine Freundin Lauren nicht vergessen werden: Er sieht aus wie eine unsympathische Mischung aus Parker Lewis und Vanilla Ice, sie ist die in diesen Filmen obligatorische Metaphysik- und Parapsychologie-Studentin. Auf die Frage, worauf sie sich spezialisiert habe, antwortet sie mit allergrößter Selbstverständlichkeit: „I’m a Channeler.“ Klarheit, von der Germanisten nur träumen können, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Leider hält der Film dieses Blödheitsniveau nicht durchgehend, sondern wird irgendwann ziemlich trist. Stimmung kommt am Schluss nochmal auf, wenn die Puppen via alter Frankenstein-Technik einen weiteren ihrer Puppenkumpels zu Leben erwecken. Der Fight gegen die Dämonenbrut lockt aber wirklich niemanden hinter dem Ofen hervor. Wäre man doch bloß bei den Nazis geblieben! Da ich auch den Back-to-Back produzierten PUPPET MASTER 5 gesehen habe, weiß ich aber: Es geht wirklich noch schlimmer. Und deswegen will ich mit PUPPET MASTER 4 nicht zu hart ins Gericht gehen.