Mit ‘Gary Daniels’ getaggte Beiträge

„What an asshole!“ Das sagt die Teenagerin Kim (Marie Avgeropoulos) am Ende, als der schurkische Banks (Gil Bellows) eine unerwartete Wiederauferstehung feiert und Kims Vater Jim (Steve Austin), seines Zeichens ehemaliger Grenzpolizist und jetziger Mountain Man, manisch lachend und schreiend zum letzten Duell herausfordert. Der hat die Faxen auch ziemlich dicke, steigt mit dem titelgebenden Oneliner „When I hunt, I hunt to kill“ auf sein Quadbike, rast kurzentschlossen in den kreischenden Nervbolzen hinein, nagelt ihn so gegen eine Wand und bringt ihn mitsamt des Gefährts durch einen gezielten Pistolenschuss zur Explosion. Es ist der lauteste und grellste Augenblick in einem Film, der über seine 98 Minuten Laufzeit von der stoischen Miene und dem granitenen Muskelberg seines Hauptdarstellers sowie der seit Jahrtausenden ungerührt daliegenden Berg- und Waldwelt Montanas (gedreht wurde weiter nordwestlich in British Columbia) bestimmt werden würde, wenn dieses „Asshole“ nicht immer wieder dazwischenfunkte. Man weiß nicht genau. ob Jim Rhodes da den Bösewicht Banks bestraft, der ihn und seine Tochter bedroht hat, oder Steve Austin den Darsteller Gil Bellows dafür, dass der ihm den schönen Film mit seiner Chargiererei kaupttgemacht hat.

HUNT TO KILL beginnt mit einer Rückblende, in der Jim seinen Partner Davis (Eric Roberts) bei einem Routineeinsatz durch eine Unachtsamkeit verliert. Ein schön gesetzter Schnitt führt den Zuschauer vier Jahre in die Zukunft und den Cop in die Regenwälder des pazifischen Nordwestens, wo er als Mountain Man und Survivalist seine Wunden leckt. Es kommt, wie es kommen muss: Eine Bande von Verbrechern sucht einen abtrünnig gewordenen Partner, der sich mit der Beute verkrümelt hat, und die Spur führt sie natürlich in Jims Heimat, wo sie ihm mit der Geisenahme der aufmüpfigen Tochter keine andere Wahl lassen, als ihnen bei der Suche zu helfen. Waxmans Film folgt dem mit dieser ausgelutschten Prämisse vorgegebenen Handlungsverlauf geradezu sklavisch, kann demzufolge nicht mit Überraschungen oder gar echter Spannung punkten, aber eben mit der überaus reizvollen Waldkulisse, in die die menschgewordene Urgewalt Steve Austin sich vervorragend einfügt. Schade, dass HUNT TO KILL erst in der letzten halben Stunde dazu kommt, ihn sich das Gesicht schwärzen, mit einer Hightech-Armbrust und selbstgeschnitztem Speer ausrüsten und im Raubtiermodus durch den Wald jagen zu lassen, denn in diesen Szenen ist Waxmans Film eine Schau. Stattdessen verschwendet er aber viel zu viel Zeit mit den Konflikten der zerstrittenen Gangster und damit, Banks als echten Psychopathen herauszustellen. Das ist der Hauptfehler: Gil Bellows ist ein guter Schauspieler, aber als Oberschurke eine absolute Fehlbesetzung. Wenn er augenrollend und geifernd den unberechnebaren Killer mimt, wirkt er einfach nur nervtötend: Eine echte Bedrohung geht nie von ihm aus, was der Spannung auch nicht gerade zuträglich ist. Man weiß einfach, dass Steve Austin ihn mit zwei Handgriffen in eine Herrendhandtasche verwandeln wird, ohne dabei überhaupt in Schweiß auszubrechen. Besser kommt da schon Gary Daniels als Banks Partner Jensen weg: Der Kampf zwischen Austin und Daniels ist dann auch der actiontechnische Höhepunkt des Films, der für den Hochspannungsthriller, der er sein will, einfach viel zu vorhersehbar ist.

So bleibt als Fazit: HUNT TO KILL kann man sich anschauen, am besten auf dem Rechner, und dann die schönsten Naturaufnahmen als Wallpaper abspeichern. Keine totale Zeitverschwendung und schon gar kein echtes Ärgernis, aber definitiv auch kein Muss.

A priori richtige Aussagen: Regisseure, deren Nachnamen klingen wie der Titel eines drittklassigen GREMLINS-Rip-offs, sollten keine Martial-Arts-Filme machen. Wahrscheinlich wusste Richard W. Munchkin das sogar selbst, denn mit RING OF FIRE tut er sein Menschenmöglichstes, der ungeliebten Schublade zu entkommen. Bei einer Laufzeit von 97 Minuten widmet er sich vielleicht in kargen 10 der handfesten körperlichen Auseinandersetzung die für sein Genre eigentlich konstituierend ist.

Viel mehr interessiert ihn die Rassengrenzen transzendierende Liebe zwischen dem charmanten chinesischen Arzt Johnny Woo (Don „The Dragon“ Wilson) und der Bimbo-Blondine Julie (Maria Ford). Letztere ist eigentlich mit dem öligen Vokuhila-Proleten Chuck (Vince Murdocco) verlobt, doch es kriselt, weil der nur seine illegalen Arena-Fights im Sinn hat, die er mit seinen Kumpels  Brad (Dale Jacoby) – einer gelungenen Kreuzung aus Tim Wiese und Vanilla Ice – und Bud (Gary Daniels) bestreitet. Bei diesen Fights nimmt auch Johnnys Cousin Terry (Steven Vincent Leigh) teil und der gerät bald in einen erbitterten Streit mit den Konkurrenten, der sich zu einem Krieg zwischen Weißen und Asiaten ausweitet. Wobei „Krieg“ hier bedeutet, dass es einmal eine ca. dreiminütige Massenkeilerei gibt, die von dem immer zu spät auftauchenden Polizisten Lopez (Michael DeLano) aufgelöst wird. Dieser „Krieg“ führt schließlich zu einem Zweikampf zwischen Terry und Brad, den Julie unbedingt verhindern will, weil sie Gewalt verabscheut. Johnny hat eine Superidee: Er schlägt Terry vor, Brad das Angebot zu unterbreiten, den Kampf nach thailändischer Art mit Glassplitter-gespickten Handschuhen zu bestreiten. Das lehnt Brad bestimmt ab und Terry verliert sein Gesicht nicht! Doch er hat die Rechnung ohne Brad gemacht. Lebensmüde wie er ist, willigt er nämlich ein (Terrys Blick ist Gold wert) und bringt Terry im Kampf um. Es kommt zum Showdown zwischen Johnny und Brad.

So könnte eine Inhaltsangabe des Films lauten, die dann jedoch die Realität verkennen oder zumindest reichlich schönfärben würde. Meist wohnt der Zuschauer nämlich dem ritualisierten Dating Game von Julie und Johnny bei. Sie trifft ihn zum ersten Mal im Chinarestaurant seiner Tante, wo er sie mit einer poetischen Glückskeks-Botschaft überrascht. Dann begegnen sie sich bei einem Maskenball wieder, und er bittet sie als mysteriöses Phantom zum Tanz. Der Maskenball ist übrigens höchst seltsam, denn zur Kleidervorschrift scheint nicht nur die Kostümierung, sondern auch ein Schuhverbot zu gehören. Alle tanzen barfuß, wahrscheinlich, weil die Veranstaltung in einer Turnhalle stattfindet. Johnny ist nach diesem Erlebnis genauso hin und weg wie Julie. Er sucht sie bei ihrer Arbeit in einer Boutique auf, wo sie gerade ein Kleid anprobiert, doch seine Liebeserklärung hält er vor der falschen Umkleidekabine: Peinlich berührt eilt er von dannen, als eine über beide Ohren strahlende Oma ihm einen Kuss auf die Backe drückt. Doch Julie hat alles gehört und weiß: Johnny ist der Richtige. Fortan treffen sie sich zum vergnüglichen Bummeln und er überzeugt sie mit weiteren Glückskeks-Weisheiten von der spirituellen Überlegenheit des Chinesen gegenüber dem weißen Kickbox-Proleten US-amerikanischer Provenienz. Eine ausgedehnte Folklore-Einlage gibt dann sogar Aufschluss über die Bräuche des Neujahrsfestes und die Tante Johnnys klärt die beiden darüber auf, dass sie nach dem chinesischen Horoskop super zusammenpassen. Dem Glück scheint also kaum etwas im Wege zu stehen. Außer seiner Hautfarbe, denn wir schreiben ja erst das Jahr 1991. Als Brad und Chuck Johnny und Terry beim Maskenball begegnen, fragen sie, ob das hier Pearl Harbor sei, und als Julie ihrer Oma ein Foto von ihrer großen Liebe zeigt, sagt die, das könne sie ihrem in Vietnam gefallenen Vater nicht antun. „Gelbe Sippenhaft“ heißt das Phänomen wahrscheinlich. All diese Vorurteile begünstigen die in jedem Film nötige Komplikation im dritten Akt, als Julie plötzlich reichlich unmotiviert kalte Füße bekommt und Johnny gegenüber behauptet, ihm alles nur vorgespielt zu haben. Während des Finalfights bekennt sie sich dann jedoch zu ihrer großen Liebe und springt just in dem Moment in den Ring, als der feige Brad mit einem Samuraischwert zuschlagen will. Wie weiland Winnetou fängt sie den ihrem Liebhaber zugedachten Hieb ab, doch es wird natürlich alles gut werden. Fin.

RING OF FIRE ist der pure Wahnsinn wie man meinem Text hoffentlich entnehmen kann. Er bietet nicht nur einen Einblick in die schlimmsten Geschmacksentgleisungen, die sich die Mode zu Beginn der Neunzigerjahre erlaubte, sondern auch hölzernes Schauspiel, bizarre Bildkompositionen, billige Settings und allerlei unerklärliche Details. Einmal stellt die Tante etwa Johnny und Terry eine Frau vor, die ihr nun beim Wäscheaufhängen helfen werde. Man sieht sie dann in der folgenden Szene gemeinsam am Wäscheständer stehen und danach verschwindet die freundliche Haushaltshilfe wieder. Warum? Musste da vielleicht wirklich gerade Wäsche aufgehangen werden am Set und man dachte sich, das kann man auch einfach mit einbauen? Man weiß es nicht. Das größte, weiterhin andauernde Rätsel ist für mich aber die Karriere von Don „The Dragon“ Wilson. Ich warte noch auf den ersten Film mit ihm, den ich gut finde und nicht einfach nur schrecklich farblos und unansprechend. Gut, warum er Actiondarsteller wurde, erklärt ein Blick in seine Biografie. Als mehrfacher Kickbox-Champion war er natürlich prädestiniert für eine Karriere in DTV-Filmen, aber ich frage mich trotzdem: Gibt es da draußen wirklich Leute, die ihn gut finden? Die, wenn sie ein DVD-Cover in der Hand halten, auf dem sein Name prangt, sagen: „Geil, der neue Wilson!“ Und wenn ja: Was müssen das für traurige Zeitgenossen sein? Aber ich will nicht gemein sein. In RING OF FIRE ist Wilson durchaus ganz adäquat besetzt, wahrscheinlich, weil er als romantischer Lover einer unterbelichteten Blondine glaubwürdiger ist als als schweigsamer Actionheld. RING OF FIRE geht in die Geschichte ein als der erste Kickbox-Film von PM Entertainment. Es sollten einige weitere folgen, aber in diesem Subgenre waren Pepin und Merhi ganz offensichtlich nicht zu Hause. Wer nur die Perlen aus ihrem Oeuvre herauspicken möchte, sollte sich eher an ihre Cop- und Gangsterfilme halten. Wobei einem dann natürlich Kuriositäten wie diese hier entgehen, in der Gary Daniels (in seinem erst driten Film) von einem besoffenen Chinesen angepisst wird.

recoil (art camacho, usa 1998)

Veröffentlicht: Juli 30, 2015 in Film
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Es gibt Actionfilme, die funktionieren wie ein Sportevent oder eine Stuntshow: Man schaut den Akteuren mit offenem Mund dabei zu, wie sie sich immer neuen halsbrecherischen Herausforderungen stellen, ihre Körper durch die Gegend geschleudert, mit außer Kontrolle geratenen Maschinen wahnwitzig beschleunigt, in die Luft geworfen und angezündet werden. Und man fragt sich als Zuschauer voller zittriger Vorfreude bei jeder neuen Sensation, die da über den Bildschirm/die Leinwand flimmert, wie das noch getoppt werden soll, auch weil man weiß, dass die Filmemacher sich den echten, alles übertreffenden Höhepunkt, herkömmlicher Dramaturgie zufolge, natürlich für den Schluss aufheben. Filme, die so funktionieren, rühren an die Wurzeln des Filmemachens, als es allein die Faszination der Bewegung war, die die Menschen an ihren Sitz fesselte, und die Frage, welches Bild als nächstes laufen lernen würde. RECOIL aus dem Hause PM Entertainment ist so ein Film, ein Werk purer, unverdünnter Kinetik, ein Film, der sein „Material“ – sei es aus Blech oder aus Fleisch – einem 95-minütigen Härte- und Belastungstest unterzieht. Es ist eine Materialschlacht im klassischen Wortsinne, reine Physik, das erfolgreiche Bestehen einer einzigen größenwahnsinnigen, lebensmüden Versuchsanordnung in Sachen Zerstörung. Die Wirkung lässt sich eigentlich nur mit Drogen- und Rauschterminologie treffend beschreiben. Man schaut sich diesen Film an und schwört, noch nie etwas Geileres, Wahnsinnigeres, Spektakuläreres gesehen zu haben. Und hinter dieser Begeisterung immer diese zusätzlich kitzelnden Fragen: Habe ich das eben wirklich gesehen? Wie zum Teufel haben sie das gemacht? Wer ist so wahnsinnig, das überhaupt zu versuchen? Die Welt ist seit 2003, als PM Entertainment seine Pforten schloss, ein deutlich traurigerer Ort als zuvor.

Die Story von RECOIL ist genauso aufgeräumt und geradlinig, wie sie sein muss, damit der Film nach dem Schneeballprinzip immer mehr Geschwindigkeit aufnehmen und eine zunehmend breitere Schneise der Verwüstung hinter sich herziehen kann: Nach einem missglückten Banküberfall wird der jüngste Sohn des Gangsterbosses Sloan (Richard Foronjy) von fünf Polizisten, darunter auch Detective Ray Morgan (Gary Daniels), erschossen. Dem anschließenden Vergeltungsschlag fallen nicht nur Morgans Kollegen und sein bester Freund sondern auch seine Frau und seine beiden Kinder zum Opfer. Sein Rachefeldzug richtet sich nicht bloß gegen die Killer, sondern auch einen Maulwurf in den eigenen Reihen. RECOIL beginnt mit einer ausufernden 20-minütigen Actionsequenz, die die Marschrichtung vorgibt. Der von Manns HEAT inspirierte, ausgedehnte und mit einigen gut getimten Explosionen gewürzte Shootout auf offener Straße geht nahtlos in eine wilde Verfolgungsjagd über, bei der fünf Polizeiautos einem Motorrad hinterherjagend, dabei nicht nur die Straße unsicher machen, sondern auch durch enge Fabrikhallen heizen. Bevor sie ihr Ende in der Quasi-Exekution des Flüchtigen findet, gibt es einen krassen Autostunt zu bestaunen, bei dem ein fahrender Wagen in die Luft gesprengt wird, im Flug eine Straßenlaterne mitreißt und schließlich quer in der Luft liegend hinter dem Motorradfahrer her auf die Kamera zufliegt. Was dem Betrachter schon zu diesem frühen Zeitpunkt des Films die Gesichtszüge entgleisen lässt, ist nur der Auftakt für eine wahre Orgie der kreativ-pyromanischen Autoverschrottung. Im Showdown liefern sich Morgan und einer der Killer einen erbitterten Fight auf dem Dach einer durch den Feierabend(-gegen-)verkehr rasenden Stretchlimo, die schließlich von einem heranrasenden LKW in zwei Teile gerissen wird, Sekundenbruchteile, nachdem der Cop sich mit einem todesmutigen Sprung vor tosendem Blech und grollender Feuersbrunst in Sicherheit bringen kann. Zum Glück war Art Camacho so vorausschauend, diesen Jahrhundertstunt aus verschiedenen Blickwinkeln für die Nachwelt festzuhalten.

Ich weiß wirklich nicht, wie PM Entertainment, die ihre Filme auf allen relevanten Märkten ausschließlich auf Video verwerteten, diese Stunts logistisch und finanziell bewältigten. Und es ist geradezu tragisch, dass sie nie das Licht der großen Leinwände erblickten, wo ihre Zerstörungspanoramen eigentlich hingehörten. Nicht nur kann sich so mancher Multimillionen-Dollar-Hollywood-Event-Blockbuster eine Scheibe von der hier zum Ausdruck kommenden Kreativität und Professionalität abschneiden, die PM-Filme sind ihnen meist auch in der reinen Physis voraus, weil hier nichts mit reingemogelten CGIs vorgetäuscht wurde. Was man da zu sehen bekommt, ist der real deal. Das gilt auch im übertragenen Sinne. RECOIL ist wunderbar ehrlich und unverstellt, trägt sein Herz offen am Revers und bietet dem geneigten Zuschauer eine saubere Packung. Im Vordergrund steht der Adrenalinrausch, den die Bilder sich in Feuerbälle verwandelnder Autos und durch die Luft wirbelnder Körper entfachen, und die Story ist dabei nur Mittel zum Zweck: Je einfacher, umso besser. So mögen vielleicht nicht die nachhaltigsten oder bewegendsten Filme entstanden sein, aber für dieses eine Bedürfnis, den Wunsch nach lodernder Feuersbrunst, einschlagenden Kugeln und kreischendem Metall, gibt es kaum einen bessere Dealer als die Filmschmiede von Pepin und Merhi. Jetzt erfülle mir nur noch jemand den Wunsch nach einer zünftigen PM-blu-Ray-Komplettbox dieser Perlen. Dann wäre wirklich alles gut.

Vietnam: Als eine von David Callahan (Gary Daniels) geleitete Mission abgebrochen werden muss, nehmen er und seine Männer die kleine Tochter eines vietnamesischen Generals als Geisel, um fliehen zu können. Das Mädchen stirbt in der Folge und alle Männer außer Davids Jugendfreund Charlie Murphy (Jim Gaines) können entkommen. Fünf Jahre später besucht jener seitdem Totgeglaubte seinen Kumpel und dessen Familie überraschend in Thailand und lädt sie zu einem Tag am Strand ein. Bei diesem werden die Freunde überfallen und Davids Frau und sein Sohn erschossen – so wie damals das kleine Mädchen …

Das Erstaunliche an diesem Frühwerk aus Gary Daniels‘ Filmkarriere ist, dass Regisseur Teddy Page offenbar tatsächlich meint, seinen Zuschauern sei nicht klar, was hinter der Hinrichtung von Davids Familie für ein Motiv steckt. Im Anschluss an die oben umrissene Exposition schickt er den Helden gemeinsam mit einer thailändischen Spezialeinheit in den Kampf gegen einen kommunistischen Rebellenführer namens „Chamäleon“, der angeblich hinter den Morden stecken soll. Das alles ist natürlich nur eine falsche Fährte, um davon abzulenken, was wirklich los ist: Der arme Charlie hat damals seinen Kumpel verraten, um seine eigene Haut zu retten, und der vietnamesische General will Rache für den Mord an seiner Tochter. Es kommt am Ende, nach viel unmotivierter Ballerei, zum Showdown zwischen den drei, der ein nur wenig überraschendes Ende nimmt.

FINAL REPRISAL ist ein Paradebeispiel für die Billig-Philippinen-Action, für die Teddy Page ein ganz besonderes Händchen hatte: Schlechte Schauspieler chargieren in hässlichen Settings herum und obwohl alle Naselang etwas in die Luft fliegt und die Zahl der Toten im dreistelligen Bereich liegt, ist das alles beherrschende Gefühl Langeweile. Im vorliegenden Fall wird das noch etwas überschattet von der mehr als unappetitlichen Prämisse: Das hier ein völlig unmotivierter Kindermord herhalten muss, um die ganze Chose in Gang zu bringen, ist umso abgeschmackter, als nie geklärt wird, wer denn der Mörder des kleinen Mädchens war. Und während die Rache des Generals ihn zum bösen Schurken stempelt, ist der Zorn Callahans ein gerechter. Nee, Spaß macht dieser Film aller Unzulänglichkeiten zum Trotz nicht, und auch Daniels‘ quälende Versuche in Schauspielerei – wenn er beim Anblick seiner toten Familie versucht traurig und verzweifelt zu sein, schmilzt fast der Bildschrim vor Scham – reißen den Film nur noch tiefer in die selbstverursachte Scheiße.

Ich hatte ja anlässlich meines Kinobesuchs schon im vergangenen Jahr einen Text zu THE EXPENDABLES verfasst, (fast) pünktlich zur DVD-Veröffentlichung gibt es nun auf F.LM – Texte zum Film eine echte Rezension von mir. So viel vorab: Der Film gefällt mir immer noch, einige Kritikpunkte konnten sogar noch etwas revidiert werden.

In nicht allzu ferner Zukunft: Nach einem Kometeneinschlag liegt die Welt in Trümmern, eine gigantische Staubwolke sorgt für ewige Nacht und außerdem wird das Überleben der Menschheit von einer rätselhaften Seuche gefährdet. Doch ein Heilmittel ist in Sicht: Sechs Menschen erweisen sich Träger eines Gens, das sie gegen die Seuche immun macht. Fünf von ihnen werden dummerweise vom Schurken Little Ray (Bryan Genesse) getötet, lediglich Christine (Barbara Crampton) kann fliehen, nachdem sie die Ermordung ihres Mannes Oliver (Gary Daniels) beobachtet hat. Bald trifft sie Olivers Bruder Roland (Gary Daniels) wieder, der sich mittlerweile als Kopfgeldjäger verdingt. Und der muss sie nun gegen seinen alten Jugendfeind Little Ray, der mittlerweile herausgefunden hat, was es mit der entkommenen Christine auf sich hat, beschützen …

Über Isaac Florentine habe ich hier schon mehrfach geschrieben (siehe THE SHEPHERD: BORDER PATROL, NINJA, UNDISPUTED 3: REDEMPTION). COLD HARVEST ist einer seiner früheren, ausschließlich für den Videomarkt produzierten Filme und auch wenn man daher ein paar produktionsbedingte Abstriche machen muss, zeigen sich auch hier schon die großen Qualitäten des Regisseurs: visueller Einfallsreichtum, ein ausgesprochenes Talent für dramatische Pointierung und natürlich sein unnachahmliches Können hinischtlich der Inszenierung und Chroreografie von Actionszenen. Florentine inszeniert seinen Endzeitfilm als Western, was zwar aufgrund der Parallelen zwischen beiden Genres kein besonders neuer Einfall sein mag, in der hier gebotenen Konsequenzaber trotzdem ziemlich einzigartig und vor allem ansehnlich ist. So duellieren sich die Figuren mit altmodischen Revolvern, tragen rote Halstücher, Chaps und Stiefel, prügeln sich durch abgeranzte Saloons und hinterlassen ihr Konterfei auf Steckbriefen im Sheriff’s Office. Die Enge der Settings (begünstigt durch die Abwesenheit von Sonnenlicht) korreliert nicht nur mit der einer Westernstadt, sie trägt auch dazu bei, dass COLD HARVEST insgesamt sehr intim wirkt; was wiederum einen interessanten Kontrapunkt zur Tragweite der hier – und im Endzeitfilm allgemein – dargestellten Vorgänge bildet. Die Apokalypse in COLD HARVEST lässt sich durchaus als Privatapokalypse lesen: Alles Geschehen gruppiert sich um das Viereck Roland/Oliver, Little Ray und Christine: selbst der Handlungsort ist deren alte Heimatstadt und der zwischen ihnen ausgetragene Konflikt letztlich einer, der schon in der gemeinsamen Jugend schwelte. Das ist eine überaus reizvolle Idee, die dem über die Jahre in Chiffren, Klischees und Konventionen erstickten und hermeneutisch längst ausgedeuteten Endzeitfilm eine ganz neue Perspektive abgewinnt. Florentines Inszenierung unterstreicht diese Invertierung: Sein emotional nachhaltigstes Bild findet er nicht in der Darstellung universellen Leids, sondern im Close-up auf Christines Gesicht, als diese der Ermordung ihres Mannes beiwohnen muss. So wundert es auch kaum, dass sich COLD HARVEST gegenüber anderen Filmen des Regisseurs eher ruhig ausnimmt. Es gibt ein paar kurze, aber dafür brillant gefilmte Martial-Arts-Fights, die meines Erachtens belegen, dass Florentine der derzeit beste Actionregisseur auf diese Planeten ist: Selbst einfache und für sich genommen unspektakuläre Bewegungen erhalten durch seine Inszenierung eine ungemeine Power, weil er einfach weiß, wo er die Kamera zu platzieren hat, wann er zu schneiden hat, wie er seine Sets ausleuchten muss und wann ein hübscher Soundeffekt angebracht ist. Da kann man als Actionfan nur davorsitzen und staunen. Gegen Ende nimmt COLD HARVEST dann fast eine Wendung zum Märchenfilm, die vielleicht ein bisschen zu viel des Guten ist, aber eigentlich nur konsequent, schließlich lässt sich Florentines ganzes Oeuvre als Suche nach dem jeweils klarsten, unmissverständlichsten Bild verstehen. Wenn der Bösewicht – Bryan Genesse in einer grandiosen Darstellung als pompous bastard Little Ray, der ein bisschen wie ein Hugh Jackman des B-Films rüberkommt – am Schluss tot ist, Christine und mit ihr – wahrscheinlich – auch die Menschheit gerettet ist, dann ist es nach dieser Logik des klarsten Bildes nur folgerichtig, dass auch die Sonne wieder aufgeht. Man mag das kitschig finden. Ich finde es wunderbar.

Los Angeles in der nahen Zukunft des Jahres 2004: Während Kopien eines Aids-Impfstoffs den Markt fluten, haben die Polizisten Braniff (Chad McQueen) und Sledge (Gary Daniels) alle Hände voll zu tun, denn das Verbrechen ist vollkommen außer Kontrolle geraten. Hatte die Stadt das Verbrechen vor Jahren durch die Einrichtung einer „Personal Freedom Zone“, in der so genannte opferlose Verbrechen (Drogenhandel, Prostitution etc.) nicht mehr strafrechtlich verfolgt wurden, in den Griff bekommen, hat sich diese Zone nun in ein Kriegsgebiet verwandelt, dessen Konflikte immer mehr über seine Grenzen hinaustreten. Als Braniff und Sledge ein Gangmitglied (Jim Hellwig, der ehemalige Catchprofi „Ultimate Warrior“) in die Zone verfolgen, landen sie im Etablissement des Gangsterbosses Drexal (Joseph Ruskin), der dort Cage Fights veranstaltet. Sledge und Braniff beschließen, sich als Teilnehmer einzuschleusen …

Man merkt es vielleicht schon: FIREPOWER ist inhaltlich etwas zerfahren, packt die Ideen für mindestens zwei Filme in einen, der in der Folge nie so ganz zu sich findet. Pepin ist im PM-Stall für die Science-Fiction-Stoffe zuständig und so versprechen die ersten 20 Minuten ein absolutes Fest, das jedoch leider vertagt werden muss, als sich FIREPOWER in einen Arena-Fight-Film verwandelt. Dieses Subgenre des Actionfilms bezieht seinen Reiz aus der Gegenüberstellung unterschiedlicher Typen und Charaktere, deren Eigenschaften sich in unterschiedlichen Kampfstilen niederschlagen, sowie aus einer Dramaturgie, die der einer Sportveranstaltung nicht unähnlich ist: Man lernt während der Vorkämpfe die einzelnen Teilnehmer kennen, entwickelt Vorlieben und Abneigungen und sieht im Finalkampf idealerweise die Auseinandersetzung zwischen dem eigenen Favoriten und der persönlichen Hassfigur. Die Verteilung der Sympathien wird natürlich durch die Inszenierung gesteuert und die affektive Bindung durch Integration saftiger Spezial- und Toneffekte sowie aufwändige Choreografien gesichert. All das gelingt Pepin auf den ersten Blick nicht: Den Kämpfen fehlt jede dramaturgische Verbindung, weil der Turniermodus unklar ist, die Kämpfer bleiben bis auf eine Ausnahme (Art Camacho als „Viper“) anonym. So prügeln sich Sledge und Braniff dem Ende entgegen und man trauert über die verpassten Möglichkeiten.

Doch halt: Wie bei so vielen PM-Filmen steckt der Teufel auch hier im Detail. Das Turnier ist nämlich von Beginn an ein Fake, weil Drexal und seine Untergebenen das Kampfgeschehen aus einem Hinterzimmer per Computer manipulieren und so dafür sorgen, dass immer der „Richtige“ (= der, der ihnen am meisten Knete verschafft bzw. ihnen gewogen ist) weiterkommt; und verläuft etwas nicht nach Plan, erfinden sie einfach eine Ausnahmeregelung, die einem verwunderten Kämpfer eine unverhoffte Finalteilnahme verschafft. Auch dass die beiden Cops über die Fights ihr eigentliches Ziel aus den Augen verlieren, hat durchaus Methode: Vor allem Sledge geht in seiner neuen Rolle als Cagefighter vollkommen auf und legt ein äußerst unangenehmes Imponiergehabe an den Tag. Schrieb ich zu RIOT noch, dass Daniels in seinen Filmen zwar uncharismatisch, aber stets sympathisch daherkomme, so straft mich FIREPOWER Lügen: Mit blondem Pferdeschwanz, ärmellosem Holzfällerhemd, dämlichen Prolo-Phrasen wie „Rock’n’Roll“ und seinem arroganten Auftreten im Ring stellt er die Sympathien des Zuschauers auf eine harte Probe. Aber auch das ist eine Art Finte des Drehbuchs: Sledge wird von der anscheinend grenzenlosen Freiheit in der „Personal Freedom Zone“ verführt. Endlich kann er seinen niedersten Instinkten frönen und wird dafür auch noch bezahlt. Daniels Schauspiel ist mitnichten eine Fehlleistung, sondern führt zielgenau auf ein Ende hin, das ich hier nicht verraten möchte. Ich habe jedenfalls ziemlich blöd geguckt, als alle vorher als solche identifizierten Mängel plötzlich in einem ganz anderen Licht erschienen. FIREPOWER weist einige solcher Löcher auf, die am Schluss mit einem Mal Sinn ergeben. Mehr als in die Phalanx der mit dystopischen Motiven nur spielender Actionfilme reiht er sich so zwischen den echten filmischen Dystopien ein, indem er eine Welt zeichnet, die nicht nur an der sichtbaren Oberfläche verrottet und abgestorben ist, sondern deren Seelenlandschaften kaum weniger desolat aussehen.