Mit ‘Gavan O’Herlihy’ getaggte Beiträge

Der Botschafter Kubas wird in New York erschossen. Die CIA setzt den US-Marshal Michael Dane (Dolph Lundgren) auf die vermeintliche Mörderin Simone Rosset (Maruschka Detmers) in Prag an, wo in Bälde ein Gipfeltreffen zwischen den USA und Kuba stattfinden soll und somit weitere Morde befürchtet werden. Dane und seinem Mentor und Ziehvater Alex Reed (John Ashton) gelingt es, die verführerische Frau dingfest zu machen, doch die streitet jede Verantwortung für den Mord vehement ab …

Ted Kotcheff, der mit FIRST BLOOD ein Stück Filmgeschichte schrieb und den für Actionfreunde auch nicht ganz unerheblichen UNCOMMON VALOR inszenierte, meldete sich 1995 nach etlichen Fernseharbeiten mit diesem Werk zurück, das vor allem die äußeren Umstände daran hinderten, mehr zu sein. Tschechisch koproduziert und überwiegend in Prag gedreht, scheint HIDDEN ASSASSIN (in Deutschland als THE SHOOTER erschienen) ein früher Vorläufer all jener aus Kostengründen im ehemaligen Ostblock entstandenen Actionfilme, die seit ca. zehn Jahren der Standard des Direct-to-DVD-Geschäfts sind. Und so vermisst man dann auch allzu große Exzesse und Gewaltexplosionen, Kotcheffs Film mutete eher klein an, lediglich die architektonischen Schönheiten seines Schauplatzes verschaffen einen Hauch von Prunk. Eigentlich ist das nicht weiter schlimm: HIDDEN ASSASSIN lehnt sich nicht am Blockbuster- und Eventkino US-amerikanischer Prägung an, sondern eher an den europäischen (bzw. französischen) Polit- und Agententhrillern der Sechziger- und Siebzigerjahre. Für Kintopp bleibt da nicht allzu viel Platz, Realismus und Authentizität sind gefragt. Das funktioniert über weite Strecken zwar ganz gut – besonders gut gefallen hat mir, wie Dane den ganzen Film über mit einer fiesen Schnittwunde am Arm zu kämpfen hat, die er sich im ersten Drittel zuzieht –, doch kommt dem Erfolg auf ganzer Linie die nicht gerade unerhebliche Grundkonstellation des Films in die Quere. Mit der Figur der verführerischen Killerin haben sich die Drehbuchautoren mehr als nur ein wenig verhoben: Wahrscheinlich wollten sie ein Stück vom Erfolg von Bessons NIKITA oder auch Verhoevens BASIC INSTINCT – es wird angedeutet, dass Simone Rosset bisexuell ist – profitieren, den trockenen Thrillerstoff mit etwas schlüpfriger Erotik anreichern. Ohne Frage ist Maruschka Detmers eine attraktive, auch erotische Frau, aber dieser Aspekt der Handlung wirkt dennoch forciert, führt letztlich zu nichts: Kotcheff scheint sich kaum für die erotische Verbandelung zwischen Dane und Rosset interessiert zu haben. Und so hat man das Gefühl, einen Film zu sehen, der seiner eigenen „Unique Selling Proposition“ nicht vertraut. Ungefähr so, als hätten sich die Dinos in JURASSIC PARK am Ende als immaterielle Hologramme entpuppt.

Was bleibt ist ein solide gemachter Thriller, mit Gavan DEATH WISH 3 O’Herlihy und John „Taggart“ Ashton auch in den Nebenrollen gut besetzt und am Schluss dann auch mit dem Körpereinsatz, den man vorher ein wenig vermisst hat. Dolph Lundgren ist verlässlich wie eh und je – erschreckend eigentlich, dass niemand sein Potenzial auch für größere Rollen erkannt hat –, HIDDEN ASSASSIN somit durchaus ansehnlich und auch sympathisch. Aber umgehauen hat er mich nun nicht.

EDIT 01.03.2015: Habe eben erst festgestellt, dass ich da eine 15 Minuten gekürzte Fassung des Films gesehen habe.

Dino Corelli (Desi Arnaz jr.), Sohn des italienischen Einwanderers Luigi (Vittorio Gassman) und seiner wohlhabenden Gattin Regina (Nina Van Pallandt), heiratet Muffin Brenner (Amy Stryker), ihrerseits Tochter des irischstämmigen Spediteurs Snooks Brenner (Paul Dooley). Die große Feier im stattlichen Herrenhaus der Corellis beginnt denkbar tragisch mit dem Tod von Nettie Sloan (Lillian Gish), Reginas altersschwacher Mutter, und mit zunehmender Dauer gesellen sich zur Toten noch weitere, wenn auch – bis zum Finale – nur metaphorische Leichen aus den Kellern der Beteiligten hinzu. Die Situation eskaliert endgültig, als herauskommt, dass Buffy Brenner (Mia Farrow) ein Kind vom frisch gebackenen Gatten ihrer Schwester erwartet …

A WEDDING war der vorläufige Schlusspunkt unter einer beispiellosen Serie künstlerischer Großtaten Altmans; wahrscheinlich sein letzter wirklich großer Film vor seinem viel beachteten Comeback mit THE PLAYER in den frühen Neunzigerjaren. (Ich werde diese Vermutung im weiteren Verlauf meiner Altman-Retro noch verifizieren oder falsifizieren.) In einer eigentlich kaum noch für möglich gehaltenen Steigerung verdoppelte Altman die Zahl der Protagonisten aus NASHVILLE auf satte 48, die er diesmal allerdings in einem wesentlich enger abgesteckten Setting beobachtete. Wie in seinem genannten Meisterwerk nutzt Altman die offene Prämisse einer Hochzeitsfeier für eine genuss-, aber durchaus auch liebevolle Sezierung der amerikanischen Oberklasse, die Kollision von „Old Money“ und „New Money“, wie er es im auf der DVD enthaltenen Interview bezeichnet. In A WEDDING hat nahezu jeder Charakter ein mehr oder weniger dunkles Geheimnis, das die mühsam aufrechterhaltene Fassade von Kultiviertheit und Anstand als eben solche enttarnt: Regina wird vom Hausarzt Dr. Meecham (Howard Duff) mit Drogen versorgt, Muffins Mutter Tulip (Carol Burnett) führt eine unglückliche Ehe mit ihrem Mann und wird von Reginas Schwager Mackenzie (Pat McCormick) leidenschaftlich hofiert, Sohn Dino und seine Kameraden von der Militärakademie sind alles andere als brav und vorbildlich und das Objekt ihrer Begierde Buffy, ihrerseits uneingeschränkter Liebling ihres Vaters, gibt nur vor, ein stilles Mäuschen zu sein, hat es vielmehr faustdick hinter den Ohren. Doch das ist alles nichts im Vergleich zu dem geheimen Abkommen, dass Luigi einst mit seiner Schwiegermutter getroffen hatte und das mit ihrem Tod nun seine Gültigkeit verloren hat.

Altman stellt die feine Gesellschaft als heuchlerisches und eitles Volk bloß, das den eigenen hohen Ansprüchen an Sitte, Moral und Anstand längst nicht mehr gerecht wird und sich über die emotionale Verarmung gnadenlos in Widersprüchen verstrickt. Die ach so mustergültigen Ehen und perfekten Familien existieren eigentlich nur auf dem Papier und im Fall Luigi Corellis stimmt noch nicht einmal der Name im Pass. Das Problem ist jedoch nicht die etwaige Verkommenheit dieser Menschen, sondern die absurden Vorstellungen darüber, was „richtiges“ Leben eigentlich bedeutet. Das, was sich die Angehörigen der Hochzeitsgesellschaft darunter vorstellen, erweist sich als schlicht nicht lebbar. So wird ausgerechnet die Hochzeitsfeier, ein von vorn bis hinten durchnormiertes und nach klaren Regeln und Konventionen ablaufendes Gesellschaftsritual und noch dazu eines, das das Ehepaar in die Schuld des wohl strengsten Richters überhaupt – Gott – stellt, der Anlass, zu dem alle Beteiligten ihr Korsett abstreifen, sich aus den Zwängen befreien und ein neues Leben in Betracht ziehen. Auch wenn es manchmal schmerzhaft ist, dem zuzuschauen – A WEDDING ist voll von peinlichen Enthüllungen und Entgleisungen –, inszeniert Altman dieses Schauspiel mit der dringend nötigen Leichtigkeit und lässt niemals einen Zweifel daran aufkommen, dass sich die Figuren mit all ihren Verfehlungen seiner Sympathie gewiss sein könnnen. A WEDDING ist tatsächlich einer der lustigsten Filme Altmans und es ist schlicht ein Vergnügen, sich als Zuschauer unter die Anwesenden zu mischen, mal hierhin und mal dorthin zu schlendern und Eindrücke zu sammeln, die sich manchmal zu einem Gesamtbild zusammenfügen, manchmal aber auch nicht. Altman enthüllt nämlich längst nicht alle Geheimnisse (zumindest nicht nach der Erstsichtung): Warum von den hunderten von geladenen Gästen tatsächlich nur einer gekommen ist, wird ebenso wenig beantwortet, wie etwa die Frage nach der unfreiwilligen Kinderlosigkeit der Hochzeitsplanerin (Geraldine Chaplin), die in einem der für Altman so typischen hingeworfenen Dialogsätze ein persönliches Drama offenbart, dem andere Regisseure einen ganzen Film gewidmet hätten, ohne jedoch dieselbe Durchschlagskraft zu erzielen.

Zwei Szenen spiegeln das breite Spektrum des Films am besten wieder: So versammelt sich etwa in der Mitte des Films die gesamte Hochzeitsgesellschaft in Luigis Kellerbar, um vor einem heraufziehenden – reinigenden? – Sturm Schutz zu suchen und werden von Regina spontan zu einer gemeinsamen, ausgelassenen Gesangseinlage angespornt. Auf einmal sind alle gärenden Konflikte vergessen und alle sind einfach nur da, aufgelöst in einem Moment von unbeschreiblicher Magie. Demgegenüber steht das Ende, das den Seelenfrieden der beiden Kernfamilien mit dem Tod zweier Nebenfiguren erkauft: Hier ist dann doch wieder der Zyniker Altman am Werk, der seine Zuschauer einfach nicht entlassen kann, ohne ihnen einen Nasenstüber zu verpassen. Aber so ist das Leben: Trauer und Glück liegen eng beieinander und bedingen sich oftmals sogar. Alles hat seine zwei Seiten und manchmal muss man diese Dialektik einfach hinnehmen, ohne sie auflösen zu können.