Mit ‘Geisterfilm’ getaggte Beiträge

Die Mitglieder der Räuberbande aus dem ersten Teil (darunter Georg Thomalla, Paul Esser, Curt Bois und die immergeile Hanne Wieder) werden vom aufgebrachten Lynchmob im Keller des Wirtshauses eingemauert. Ein gutes Jahrhundert später befreit ein Bagger ihre Geister aus ihrem Grab und sie erinnern sich an das Schloss des Grafen Sandau. Dessen Bewohner Charlotte (Liselotte Pulver), Onkel Ernst August (Ernst Waldow) und Tante Yvonne (Elsa Wagner) haben wegen akuter Geldsorgen den Pfandleiher im Nacken. Martin Hartog (Heinz Baumann), Sohn eines Unternehmers (Herbert Hübner) schleicht sich ein, um heimlich den Wert des Gemäuers zu eruieren, der Staatsbeamte von Teckel (Hubert von Meyerinck) kündigt den Besuch des Prinzen Kalaka (Hans Clarin) an, der in der Gegend einen Staudamm bauen will. Unterdessen freundet sich Charlotte mit den Gespenstern an …

Mit den Gespenstern kommt auch das Sequel zum großen Erfolgsfilm in der Moderne an: Kurt Hoffmanns „Grusical“ ist ein wildes Potpourri aus schlüpfrigen Witzen, Spezialeffekten, Gesangseinlagen, Selbstreferenzen und Seitenhieben gegen Kapitalisten, Altnazis und Beamte. Der Plot um den Kampf der braven Familie gegen die Enteignung – einer der Standards des deutschen Lustspiels – ist nur Vorwand und kann den Eklektizismus des Films kaum bremsen. Wer das Gütesiegel „deutscher Unterhaltungsfilm“ mit stilistischer Behäbigkeit und Spießigkeit verbindet, der wird im SPUKSCHLOSS sein blaues Wunder erleben. Der Ideenreichtum und auch der Mut Hoffmanns sind beachtlich. Subversiv ist sein Film sicherlich nicht, das wäre dann doch etwas zu viel des Guten, aber er nutzt die Freiheit, die er dank des Erfolgs des Vorgängers genoss, um die Grenzen dessen, was in einem Familienfilm möglich ist, ein ganzes Stück zu verschieben.

Das beginnt schon mit der Titlesequenz, in der die Namen der Mitwirkenden gesungen werden, setzt sich bei den herrlichen Effektszenen um die Geister fort und endet bei vollkommen abseitigen Sequenzen wie dem Besuch auf Prinz Kalakas Yacht an der Côte Azur: Da liegen englische Gesellschaftsdamen gelangweilt in der Sonne und singen einen Song, der klingt wie von einem endlos bekifften DJ runtergepitchte Las-Vegas-Loungemusik. Ein Richter mit Schmiss im Gesicht bekräftigt mit einem strengen Hammerschlag seine Aussage, in Deutschland gebe es keine Gespenster, wodurch der steinerne Bundesadler hinter ihm bröckelt und den Blick auf ein Hakenkreuz freigibt. Der Film endet damit, dass die Gespenster im Auftrag der NASA zum Mond geschickt werden und sich ein Wettrennen mit der Raumfähre der Russen liefern. Selbst typischere Einlagen wie Hans Clarins Darstellung eines persischen Fantasieprinzen komplett mit Kauderwelschsprache („Mistikack!“) transzendiert den gewohnten Rassismus, der sich in solchen Figuren niederschlägt, wenn er plötzlich anfängt Kölsch zu sprechen, weil er mal einen Kölner Lehrer hatte. Und in einer späten Gruselszene, in der die Geister all ihr Spuktalent aufbieten, um Martin von ihrer Existenz zu überzeugen, musste ich dann sogar mal ganz kurz an Mario Bava denken, so wunderbar bunt und fantasievoll ist das. Es ließe sich hier mit Leichtigkeit noch mehr aufzählen, allein die frechen Schlüpfrigkeiten um Hanne Wieders nymphomane Geisterdame wären einen Absatz wert und Hubert von Meyerinck gibt auch mal wieder alles, aber dann wäre der Text hier ewig lang und es gäbe keinen Grund mehr, sich den Film anzusehen.

DAS SPUKSCHLOSS IM SPESSART ist vielleicht 10 bis 15 Minuten zu lang un am Ende zerfasert er ganz gewaltig: Man merkt ihm deutlich an, dass sein Ausgangspunkt nicht wie beim Vorgänger eine literarische Vorlage oder auch nur ein sorgfältig konstruiertes Drehbuch war, sondern das Bedürfnis, dem großen Erfolg noch einen draufzusetzen. Da unterscheidet er sich kaum von der „Schneller, höher, weiter“-Strategie zeitgenössischer Sequels. Aber wo die oft seelenlos und steril rüberkommen, lebt Hoffmanns Film von seinem unermüdlichen Tempo, seinem Ideenreichtum, seinem Witz und der schieren Freude, die er vermittelt: Das ist mehr als genug, über die vollen 97 Minuten dann aber auch etwas ermüdend. Egal: Unvoreingenommene Filmseher werden überrascht sein, was in einem vermeintlich bräsigen deutschen Crowdpleaser anno 1960 so alles möglich war, und Menschen mit Vorurteilen absolvieren hiermit ihre erste Therapiestunde. Toll.

Irgendein Musiker, ich weiß nicht mehr, wer es war, hat mal etwas gesagt, das ich bis heute für absolut plausibel gehalten habe: Durchschnittlich begabte Menschen liefern immer mehr oder weniger Durchschnitt ab. Die Unterschiede zwischen ihren besseren und schlechteren Werken sind nur gering. Sogenannte Genies und Meister hingegen liefern am einen Tag ein Meisterwerk ab und am nächsten gelingt ihnen gar nichts. Es liegen Welten zwischen ihren Meisterleistungen und ihren misslungenen Schöpfungen. Nun steht James Wan, Regisseur von u. a. SAW, DEAD SILENCE, DEATH SENTENCE, INSIDIOUS und THE CONJURING ganz gewiss nicht im Verdacht, ein großer Meister zu sein. Stattdessen hat er bislang relativ verlässlich „brauchbare“ Unterhaltungsware abgeliefert, die mal ein bisschen besser (DEAD SILENCE, DEATH SENTENCE, INSIDIOUS), mal ein bisschen schlechter (SAW, THE CONJURING) geraten war. Wenn obige These stimmte, dann hätte es INSIDIOUS: CHAPTER 2 nicht geben dürfen, der eines der bodenlosesten Sequels ist, das ich seit einiger Zeit gesehen habe und mich gestern nicht nur massiv gelangweilt, sondern mit fortschreitender Spielzeit mehr und mehr angenervt hat. Wie dieser stinkende Haufen Dung zu seiner 6,7-Punkte-Wertung auf IMDb kommt, ist mir ein Rätsel. (Ist es natürlich nicht, aber ich glaube eben grundsätzlich an das Gute im Menschen.)

Nach den Ereignissen in INSIDIOUS ist nun also Ehemann Josh (Patrick Wilson) von einem bösen Geist besessen, der im Haus seiner Mutter Lorraine (Barbara Hershey), in der sich die ganze Familie niedergelassen hat, herumspukt. Die Ermittlungen der ebenfalls aus dem ersten Teil reaktivierten Geisterjäger Specs (Leigh Whannell) und Tucker (Angus Sampson) führen in die Vergangenheit: in Joshs eigene, in der er bereits schon einmal von einem Gespenst heimgesucht worden war, aber auch in die eben jenes von ihm Besitz ergreifenden Geistes, der Mutter eines gewissen Parker Crane, der sich nach einer misslungenen Selbstkastration in eben jenem Krankenhaus umbrachte, in dem Lorraine einst ihren Dienst als Krankenschwester verrichtete. Während die Geisterjäger rätseln, wie sie den Spuk auflösen, gerät Josh, der nun selbst psychopathische Züge an den Tag legt, immer mehr in seinen Bann …

Es ist ein Allgemeinplatz, der dadurch jedoch nicht an Gültigkeit verliert: Horrorsequels, die dazu antreten, die „Lücken“ ihres Vorgängers zu stopfen, dem Horror, der doch gerade aus dem Unerklärlichen erwächst, quasi eine Biografie zu geben, unterminieren ihre eigene Grundlage. INSIDIOUS: CHAPTER 2 ist nicht nur kein Stück gruselig oder unheimlich, sondern jederzeit vorhersehbar und zudem gleichermaßen fürchterlich anstrengend und albern in der aufgesetzten Ernsthaftigkeit, mit der er diesen Unfug verkauft. Es ist gar nicht so entscheidend, dass die Antworten, die Autor Whannell und Regisseur Wan auf die Fragen finden, die sich nach dem ersten Teil keiner ernsthaft gestellt hat, durch und durch enttäuschend und egal sind: Allein die Tatsache ihres Versuchs, Erklärungen zu liefern, bedeutet das Scheitern ihres Films, der keinen Raum für Überraschungen lässt, das Beunruhigende jeglicher Potenz beraubt, indem er es in einen logischen Rahmen zwängt. INSIDIOUS: CHAPTER 2 hat ein strukturelles Problem.

Dass ihm aber nicht einmal ein paar brauchbare Schocks oder Gänsehautmomente gelingen, ist schon fast als Skandal zu bezeichnen. Wenn man bereits nach der Hälfte eines Horrorfilms genervt auf die Uhr schaut, ist definitiv etwas schief gelaufen. Die Crux ist natürlich, dass man schon von Anfang an weiß, was man zu erwarten hat. Im Hause Lorraines geht ein rachsüchtiger Geist um, der den Körper von Josh erobern will. Daran, die effektiven scares des Vorgängers zu wiederholen, hat Wan offensichtlich kein Interesse, was grundsätzlich lobenswert ist, nur ist das, was er stattdessen bietet, leider nicht besser. Ab und zu huscht sehr erwartbar ein Gespenst im Hintergrund durchs Bild, immer und immer wieder geht dieses nervtötende Babyspielzeug von allein los, so als sei Krach die Lösung aller selbst verursachten Probleme. Und schließlich dieser Irrglaube, der Spuk würde unheimlicher, wenn man wüsste, wie er anno dunnemals seinen Anfang nahm. Die Verrenkungen, die das Drehbuch nimmt, um irgendwie noch etwas zu erzählen zu haben, wo doch eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist, spiegeln sich auch im Kleinen: Da gibt es diese Szene, in der der mittlerweile bösartige Josh mit der Hand hinter dem Rücken vor einem der Parapsychologen steht. Es ist schon vorher völlig klar – dem Zuschauer wie dem Geisterjäger –, dass Josh Übles im Schilde führt und auch, was er da hinter dem Rücken halten könnte, gibt keinerlei Rätsel auf. Trotzdem nehmen Whannell und Wan dies zum Anlass für eine vollkommen ins Leere schießende Suspenseszene, die bestenfalls ein geplagtes Stöhnen hervorruft: „Was trägst du da hinter dem Rücken?“, fragt der Geisterjäger begriffsstutzig. „Frag‘ doch deine Würfel!“, gibt Josh zurück. Der Geisterjäger wirft daraufhin gerhorsam seine Buchstabenwürfel und mit bedeutungsschwangerem Tamtam fängt die Kamera das Wort ein, das sie bilden: „Knife“. So geht Horror für Lernbehinderte. Am Schluss feiert auch das Medium Elise Rainier (Lin Shaye) seine Rückkehr, jene Frau, die Josh schon als Kind „behandelte“ und die in INSIDIOUS von ihm – bzw. von dem Geist, der von ihm Besitz ergriffen hatte – umgebracht worden war. Anstatt das einfach so stehenzulassen, schließlich befinden wir uns in einem Horrorfilm, in dem man die Anwesenheit eines Geistes durchaus akzeptieren kann, müssen Whannell und Wan noch klarstellen, dass die liebe Frau mitnichten im düsteren „further“, dem Zwischenreich rachsüchtiger Geister, herumspuken muss. Nein, versichert sie ihren beruhigt aufatmenden Ex-Assistenten, sie komme von einem schönen Ort und werde nach getaner Arbeit auch dahin zurückgehen. Na gottseidank, dass das mal klargestellt wurde.

Das ganze Versagen von INSIDIOUS: CHAPTER 2 wird jedoch nirgends so deutlich wie im obligatorischen Cliffhanger, mit dem hier noch ein weiteres Sequel, man kann es nicht anders sagen, angedroht wird. Wieder einmal besucht Elise das Haus, in dem sie einen Geist vermutet, wieder einmal fährt die Kamera unheilschwanger an das Gesicht der hübschen Tochter heran, wird mit anschwellendem Dröhnen suggeriert, etwas lauere hinter ihr. Und wieder einmal zeigt der Gegenschuss das Gesicht Elises, das wieder einmal signalisiert, dass das, was sie da jetzt sieht, aber wirklich das absolut Schlimmste ist, mit dem sie je konfrontiert wurde. Ich gönne ihr ihre Affektivität, wirklich, nur ist die Diskrepanz zwischen ihrem Erleben und meinem nach dem Durchleiden von 105 Minuten fußlahmer Mystery absolut frappierend. Ich war während dieser Szene schon auf halbem Weg zum Fernseher, um den Film endlich ausschalten zu können.

 

 

Familie Lambert – Mama Renai (Rose Byrne), Papa Josh (Patrick Wilson), die Söhne Dalton (Ty Simpkins), Foster und ein Neugeborenes – richten sich gerade in einem neuen Haus ein. Nach wenigen Tagen stürzt Dalton beim Spielen auf dem Dachboden, wacht am nächsten Morgen nicht aus dem Schlaf auf. Die Ärzte sind ratlos: Es gibt keinerlei physische Ursache für seinen Zustand. Während die Eltern darauf warten, dass ihr Sohn erwacht, geschehen seltsame Dinge. Renai spürt die Präsenz von etwas Bösem im Haus und kann Josh schließlich dazu überreden, wieder auszuziehen. Doch im neuen Haus angekommen, geht der Spuk mit unverminderter Inensität weiter. Die durch einen Kontakt von Joshs Mutter Lorraine (Barbara Hershey) hinzugezogene Parapsychologin erkennt das Problem: Es ist nicht das Haus, sondern Sohn Dalton, der „bespukt“ wird …

Vor dem reichlich aufgeblasenen, aber megaerfolgreichen THE CONJURING inszenierte James Wan diesen Mystery-Grusler mit den Produzenten der PARANORMAL ACTIVITY-Reihe. Deren Einfluss macht sich vor allem während der ersten beiden Drittel durchaus positiv bemerkbar: INSIDIOUS ist zwar kein Found-Footage-Film, etabliert formal aber jenen zurückhaltend beobachtenden, quasidokumentarischen Blick, der dieses Subgenre auszeichnet und mit sachlicher Bildsprache und unterkühlter Farbpalette einhergeht. INSIDIOUS wirkt trotz unvermeidlicher Hollywood-Klischees – die Mama, die wegen der Kinder nicht zu ihrer künstlerischen Arbeit kommt, der emotional zurückgenommene Papa, der sich in seine Arbeit stürzt, anstatt sich mit den immer größer werdenden Problemen zu Hause auseinanderzusetzen – authentisch, sodass man als Zuschauer gern dazu bereit ist, die übersinnlichen Geschehnisse für bare Münze zu nehmen. Die ersten, frühen Schocks sind immens effektiv: Wan steigert die Spannung langsam und allmählich und ohne großen Geisterbahn-Hokuspokus. Mit dem bei mir überaus beliebten Albtraum-Klassiker stumm und reglos zurückstarrender, bestenfalls diabolisch grinsender Gestalten ruft er mehrfach dieses elektrische Prickeln im Nackenbereich hervor, das als Beleg gelten für seinen Erfolg gelten darf.

Über das Prädikat „nett“ kommt INSIDIOUS letzten Endes dennoch nicht hinaus, aller guten Ansätze zum Trotz: Irgendwann muss sich das diffuse Graue  konkretisieren und Gestalt annehmen, die übliche Dramaturgie einsetzen, mit Eltern, die Hilfe bei nerdigen Parapsychologen suchen, anfängliche Zweifel überwinden und sich schließlich mit zu erwartenden Tamtam dem Spuk stellen. War INSIDIOUS bis dahin geschickt in seinen Methoden, etwa im Einsatz von Kamera und einlullenden Ruhepausen, die den Eindruck der folgenden Schocks ins Unermessliche steigerten, so gibt er sich jetzt ganz dem Kintopp hin. Da fängt der Protokollant einer Seance plötzlich an, im besessenen Tempo die Unflätigkeiten zu Papier zu bringen, die der böse Geist in seine Richtung spuckt, muss der Papa sich seinen eigenen Dämonen stellen und in die Jenseitswelt reisen, aus der sein Sohn nicht zurückkommt, entpuppt sich der böse Geist mit der feurigen Grimasse und den Klauenhänden – eine schaurig-schöne Kreation – als „Lipstick-Face Demon“, der zu alten Burlesque-Songs Frauenkleider näht. Ich möchte INSIDIOUS mit dem Vorwurf homophober Motivik nicht unbedingt wichtiger machen als er ist, aber ein Geschmäckle hat diese „Auflösung“ schon. Bleibt am Ende ein gut gemachter Grusler, der seinen Zweck erfüllt, zwar deutlich über dem traurigen Durchschnitt liegt, in ein paar Jahren aber trotzdem nur als einer von Vielen erinnert werden wird.

Wenn man den englischen Wikipedia-Eintrag zu THE CONJURING und vor allem den Absatz zu seiner Produktionsgeschichte durchliest, könnte man meinen,  es mit einem Film nationaler Bedeutung zu tun zu haben. Er basiert auf Aufzeichnungen des Ehepaars Warren, die als „Paranormal Investigators“ mehrere Fällen von häuslichem Geisterbefall bearbeitet hatten. Die Hauptdarsteller Vera Farmiga und Patrick Wilson besuchten zur Recherche das Geisterjägerehepaar, und ich wette, dass sich im Bonusmaterial der unverzichtbare Hinweis findet, dass auch die Dreharbeiten immer wieder von seltsamen Vorkommnissen gestört wurden. Die Bemühungen, den besonders schweren Fall der Familie Perron in einen Film umzuwandeln, begannen angeblich bereits in den Neunzigerjahren, bevor sie 20 Jahre später endlich Früchte trugen. Der sensationelle Erfolg von THE CONJURING, der bei einem Budget von knapp 20 Millionen Dollar über 300 Millionen Gewinn einspielte (und bekanntlich bereits ein Sequel nach sich zog), gibt dem Produzententeam Recht und lässt erahnen, welcher Reiz vom alten Spukhausmotiv für das Publikum immer noch ausgeht, wie viele Menschen an die Existenz von Geistern und Dämonen zu glauben scheinen. Für mich ist gerade die Ernsthaftigkeit, mit der James Wan seine  Geschichte inszeniert, einer seiner Schwachpunkte: THE CONJURING ist zwar sauber gemachtes, dann und wann effektives Achterbahnkino, gerät aufgrund jeglichen Mangels an Distanz zu seinem Thema und Reflexion darüber aber teilweise entweder unfreiwillig komisch oder ärgerlich katholisch.

Vor ein paar Wochen gab es auf Facebook eine kleine Diskussion über POLTERGEIST und die Frage, ob dieser „gut gealtert“ sei. Rajko Burchardt, seines Zeichens großer Spielberg-Verehrer, sagte in dieser Diskussion etwas, woran ich bei THE CONJURING zwangsläufig denken musste: Er behauptete, die kiffende Familie aus POLTERGEIST sei in den heutigen Haunted-House-Filmen und dem „James-Wan-Schmarrn“ undenkbar. Nun ist es sicherlich nicht die Abwesenheit von Rauschmitteln, die THE CONJURING zu einem durch und durch konservativen Film macht, aber in diesem kleinen Detail zeigt sich eben der Unterschied zwischen einem intelligenten Film wie POLTERGEIST und einem Wegwerfprodukt wie THE CONJURING: Während sich Spielbergs bzw. Hoopers Film mit weißer Mittelklassenschuld auseinandersetzt, der Spuk das Resultat von Profitstreben und Respektlosigkeit ist, der seinen Weg über das Fernsehen und damit genau den Weg nimmt, auf dem sich White Suburbia am besten einnehmen lässt, ist es in THE CONJURING eine lediglich singuläre in der Vergangenheit angehäufte Schuld, die das brave Familienidyll ganz wilkürlich zu zerstören droht und am Ende durch die Opferleistung der messianisch-puritanistisch gezeichneten Warrens gebannt wird. Man sehe sich nur mal die Entsprechung der Warrens in POLTERGEIST an: ein zwergenhaftes, schrulliges Medium und ein paar Studentennerds, die das befallene Haus in erster Linie dazu beziehen, um die Befürchtungen der Protagonisten zu zerschlagen. THE CONJURING gönnt sich hingegen eine für die zentrale Geschichte völlig unbedeutende Umleitung, bloß um zu zeigen, welches Opfer die Warrens auf sich nehmen, um die Erde als Filialleiter Gottes von bösem Treiben zu befreien. Da werden erst einmal Kreuze verteilt, die Tatsache, dass die Kinder der Perrons nicht getauft sind, mit besorgtem Strinrunzeln quittiert, Hilfegesuche an den Vatikan geschickt und der Spuk am Ende durch die endlose Liebe der Mama zerschlagen. Man muss James Wans Film deswegen nicht schlecht finden, denn in der Kreation unheimlicher Momente beweist er einiges Geschick, verzichtet weitestgehend auf nervige, glattgebügelte CGI und kann vor allem auf ein enorm effektives Sounddesign zurückgreifen. Geistergläubige nehmen aus dem Film immerhin noch die wichtige Erkenntnis mit, dass man sich vor spottbillig rausgehauenen Immobilien hüten sollte. Aber wenn man, wie ich, nicht an Gespenster glaubt, verpufft ein Großteil der aufgebrachten Energie relativ folgenlos und es gibt nur wenig, was einen über das Finale hinaus noch bewegen würde. Mein Fazit lautet damnach: Nett, aber ebenso spießig wie seine Figuren.

 

Ti Wests THE HOUSE OF THE DEVIL gehört zu den zehn besten Horrorfilmen der vergangenen zehn, wenn nicht gar zwanzig Jahre. Mitten hinein in eine Welle mit abgegriffenen CGI-Schockeffekten zugekleisterter oder sich in fehlgeleiteter Ehrerbietung für vergangene Genregroßtaten ergehender Horrorfilme platzte sein Ultra-Low-Budget-Okkult-Schocker und entdeckte die ultradoomslowe Langsamkeit, die noch der beste Nährboden für prickelnde Gänsehaut und aufgerichtete Nackenhaare ist. Hier und nur hier zeigte sich, was die so oft gefeierten Exploiter der Siebzigerjahre wirklich auszeichnete: nicht grelle Charaktere und Gimmicks, sondern eben diese kriechende Langsamkeit, die die Nerven der Zuschauer so weit dehnt, bis sie tatsächlich zum Zerreißen gespannt sind – und jeder Schock einen echten Kollaps auslöst. Es gibt ein britisches Sprichwort, das besagt: „The chase is better than the catch.“ Auf THE HOUSE OF THE DEVIL übertragen bedeutet das: Das Warten ist spannender als die Entladung. THE INNKEEPERS, Ti Wests neuer Genrebeitrag zeigt zum einen, dass der Vorgänger keine Eintagsfliege war, der Regisseur das Spiel mit der Erwartung und dem endlosen Herauszögern vielleicht so gut beherrscht wie derzeit kein zweiter. Zum anderen wird aber auch deutlich, dass Ti West kein Interesse daran hat, sein Dasein als Retrofilmer und Dienstleister für Seventies-Aficionados zu fristen: THE INNKEEPERS vollzieht den Schritt zum großen, publikumsträchtigen Mainstreamkino, ohne sich dabei korrumpieren zu lassen. Vielleicht kann man ihn ein wenig mit THE FRIGHTENERS vergleichen, mit dem sich Jackson vor 15 Jahren als kommender Hitlieferant empfahl. So sehr ich die Rohheit von THE HOUSE OF THE DEVIL vermisst habe: Ti Wests neuer Film ist erstklassig.

Claire (Sara Paxton), eine asthmatische Mittzwanzigerin ohne echtes Ziel, und Luke (Pat Healy), ein hoffnungsloser Slacker mit Faible für Paranormales und eigener Website, teilen sich die Schichten an der Rezeption des altehrwürdigen „Yankee Pedlar Inn“, das in einer knappen Woche für immer die Pforten schließen wird. Der schleppende Betrieb im Haus – nur zwei Gäste haben sich dort eingemietet – lässt beiden viel Zeit für Dosenbier, lange Gespräche und die Suche nach dem hauseigenen Geist. Vor allem Claire nimmt die Forschungen immer ernster, will unbedingt Kontakt aufnehmen. Doch mit ihrem Enthusiasmus bringt sie sich in Lebensgefahr …

Mit Robert Wise‘ THE HAUNTING vollzog sich im Geisterfilm ein Wandel: Der Spuk stand danach immer im Verdacht, sich nur in den Köpfen der Betrachter abzuspielen. THE INNKEEPERS scheint zunächst den Weg so vieler Geisterfilme der letzten Jahre zu gehen: Mit Kamera, Mikro und Aufnahmegerät prüfen Claire und Luke das Haus auf Herz und Nieren und immer, wenn man eines ihrer Videos ansichtig wird, fühlt man sich wie in einem Found-Footage-Film. Doch die typischen shocks and scares, die man etwa aus PARANORMAL ACTIVITY kennt, stellen sich nicht ein. Während man den beiden sympathischen Verlierern bei der Arbeit zusieht, gerät fast ein wenig in Vergessenheit, dass THE INNKEEPERS doch ein Horrorfilm ist. Fast. Denn mit zunehmender Wartezeit steigt auch die Gewissheit, dass bald etwas passieren muss. Ti West führt den Zuschauer so mit schlafwandlerischer Sicherheit auf jenen schmalen Grat zwischen Erwartung und Furcht, den man auch Angstlust nennt.

Wenn ich oben den Vergleich zu THE HAUNTING zog, so hinkt der doch unübersehbar. Wo Wise sehr deutlich das Erkenntnisinteresse seiner psychisch labilen Charaktere ins Zentrum rückt und so verdeutlichte, dass der Spuk Produkt ihrer überspannten Fantasie ist, erzählt West seine Geschichte sehr straight und ohne sich offen für eine der beiden Möglichkeiten – echter Spuk oder Einbildung – zu entscheiden. Das ist eine kaum zu unterschätzende Willensleistung Wests, der nie dem Reiz der Effekthascherei verfällt, und dem es auch ohne Hokuspokus gelingt, die Spannung in ungeahnte Höhen zu treiben: etwa in der versuchten Geisterbeschwörung Claires, bei der sich Luke zusammen mit dem Zuschauer in ein bibberndes Nervenbündel verwandelt. THE INNKEEPERS hält seine Offenheit bis zum Schluss. Das macht ihn so stark, verleiht ihm nachhaltige Wirkung und große emotionale Durchschlagskraft. Die ganze Tragweite des Dramas, das sich in dem ausgedienten Hotel abspielt, eröffnet sich dem Zuschauer eigentlich erst, wenn der Film längst vorbei ist.

Auch wenn THE INNKEEPERS auf den ersten Blick etwas stromlinienförmiger erscheint als THE HOUSE OF THE DEVIL: Der Film ist ein kleiner Triumph. Wunderbar geschrieben, gut gespielt, mit untrüglichem Gespür für Timing inszeniert – ganz groß, wie West den einen obligatorischen romantischen Moment buchstäblich auflöst! – und dabei auf gänzlich unaufdringliche Art doppelbödig. Ti West ist der derzeit beste (neue) Regisseur im Horrorgenre.

Nachdem sie nach einem Nervenzusammenbruch aus dem Krankenhaus entlassen wird, bezieht Alice Jarrett (Lynne Adams) mit ihrem Mann Martin (Pierre Lenoir) ein neues Haus, an dem Handwerker noch letzte Sanierungsarbeiten vornehmen. Als Alice nachts von Geräuschen geweckt wird und deren Ursache nachgeht, trifft sie zu ihrer Überraschung auf einen Tischler (Wings Hauser), mit dem sie sogleich ins Gespräch kommt. Die Zuneigung des Mannes baut nicht nur ihr angekratztes Selbstwertgefühl wieder auf, er schafft ihr auch einen übergriffigen Bauarbeiter blutig vom Hals. Aus der Freundschaft entwickelt sich bald eine handfeste Romanze. Doch wer ist der Mann eigentlich?

Hoppla, was war denn das? THE CARPENTER, der bei uns auf Video ziemlich geschnitten war und jetzt endlich ungekürzt auf RC-1-DVD veröffentlicht wurde, ist weit mehr als bloß ein Film fürs Kuriositätenkabinett, zu dem ich ihn aufgrund seines Besetzungscoups – Wings Hauser mal nicht in einem Actionfilm –  „vorverurteilt“ hatte, sondern ein exzellent inszenierter, sehr feinfühliger und weitestgehend subtiler Psychothriller. Schon bei der Auftaktsequenz wurde mir klar, dass THE CARPENTER eigene Wege gehen würde: Man sieht eine Frau, blass, mit dunkel geschminkten Augen, die ins Leere starren. Schnitt auf die Frau in der Totalen, sie stützt sich verträumt auf einen Besen, schaut zur Verandatür hinaus. Erneuter Schnitt auf die Frau, jetzt liegt sie im Bett, mit offenen Augen und voll bekleidet, gedankenverloren. Schnitt. Sie steht auf, geht an den Kleiderschrank, greift sich einen dunkeln Anzug, legt ihn aufs Bett, setzt sich dazu. Schnitt. Sie nimmt eine Schere und beginnt den Anzug hoch konzentriert und fast zärtlich in kleine Rechtecke zu zerschneiden. Schnitt auf die Zimmertür, ihr Ehemann tritt ein, bleibt abrupt stehen, als er seine Frau mit ihrem Werk auf dem Bett sieht. Er braucht einen Augenblick, um die Situation zu erfassen, dann fragt er ganz ruhig: „Rough day, huh?“ Seine Frau lächelt ihn an, es ist ein ein süßes, sanftes, mädchenhaftes Lächeln. Auch seine Lippen umzuckt kurz ein Lächeln. Dann beendet ein weiterer Schnitt die Szene und der Zuschauer befindet sich mit der Frau und dem Mann im Krankenhaus. Sie will wieder nach Hause, sagt, es gehe ihr wieder gut. Er antwortet scherzhaft, dass er sich auf Dauer nicht so viele Anzüge leisten könne. Auf sehr ungewöhnliche, ruhige und sensible Art und Weise hat Wellington in die Ausgangssituation des Films eingeführt.

Und er verfährt in diesem Stil weiter. Der Schnitt des Films ist großartig, auffällig vor allem der geschickte Einsatz von Überblendungen, die sowohl eine traumgleiche Atmosphäre schaffen als auch helfen, den psychischen Zustand von Alice zu illustrieren. Wenn Martin ihr das neue Haus zeigt, wechselt Wellington mittels solcher sanfter Überblendungen zwischen Detailansichten des Hauses und dem Gesicht der staunenden Frau, damit sofort die mentale Bindung zwischen den beiden schaffend, um die es im Folgenden (auch) gehen wird. Wunderbar aufgelöst ist auch eines der nächtlichen Treffen zwischen Alice und dem Tischler (er hat keinen Namen): Im Garten besucht sie ihn bei der Arbeit, er steht an einem Tisch und sägt Holzlatten zurecht, sie setzt sich zu ihm, sie unterhalten sich. Er spricht über seine Einstellung zur Arbeit: Wie wichtig es sei, sorgfältig und geduldig zu sein, beharrlich zu sein, keine schlechte Arbeit abzuliefern, sondern so lange an einer Sache zu feilen, bis sie wirklich fertig ist, notfalls bis in die Nacht hinein zu arbeiten, vergleicht den Flow, in den er während der Arbeit kommt, schließlich mit der Musik und diese wiederum mit der Liebe. Das Gespräch wird in Schuss/Gegenschuss-Aufnahmen aufgelöst und jedes Mal, wenn der Tischler ins Bild kommt, hat er sich einer anderen Tätigkeit zugewendet: Zuerst sägt er – Schnitt -, dann hämmert er – Schnitt -, dann schleift er. Und währenddessen fließt das Gespräch ganz einfach weiter. Auch hier wieder: einerseits die perfekte bildliche Umsetzung für die Äußerungen des Tischlers, dann wieder die Akzentuierung des Träumerischen, der Wahrnehmung Alice‘. In einer anderen Szene beweist Wellington ähnliche Raffinesse mit dem Einsatz des Tons: Als Martin von seiner Geliebten angerufen wird, muss er ein geschäftliches Gespräch vortäuschen, weil Alice anwesend ist. Als sie sich wieder entfernt und außer Hörweite ist, setzt er das Gespräch normal fort. Die Kamera folgt Alice, die sich auf der Couch mit ihrem Frühstück niederlässt, doch auf der Tonspur hören wir weiterhin Martin am Telefon mit der Geliebten. In Verbindung mit Alice‘ Gesichtsausdruck – sie schaut nicht genervt, vielmehr völlig gleichgültig – ergibt sich der unmissverständliche Eindruck, dass Alice vom Betrug ihres Mannes weiß, dass ihr das aber vollkommen egal ist, sie für seine erfolglose Heimlichtuerei nicht einmal mehr Verachtung übrig hat. Und seine Versuche, seine Liebschaft zu vertuschen, wirken nur noch jämmerlicher.

Das führt nun auch zum Kern des Films: THE CARPENTER ist trotz seines Titels (auf dessen Implikationen ich gleich noch eingehen werde) ein sehr weicher, ja, weiblicher Film. Es geht um einen Mann und seine über den Tod hinausgehende Bindung an das von ihm errichtete Haus, aber noch mehr um eine dysfunktionale Liebesbeziehung, ja um die Dysfunktionalität heterosexueller Beziehungen überhaupt. Die Frau, der Mann, das unbekannte Wesen. Das exerziert Wellington hier par excellence durch: Die Ehe, die er zeichnet, liegt in Trümmern, ohne dass sich dies aber in krassen Ereignissen oder Handlungen niederschlüge. Da erreichen sich zwei Menschen einfach nicht mehr. Die Kommunikation ist gestört, hoffnungslos. Und während der Mann alle Versuche, daran etwas zu ändern, einstellt, flüchtet sich die Frau nach innen und erträumt sich einen starken, einen „richtigen“ Mann, einen der sie beschützt, sie versteht und liebt. Einmal erzählt Martin – er ist Dozent an der Uni – von Paul Bunyan, der amerikanischen Sagengestalt, einem Holzfäller mit riesenhaften Körperausmaßen und in Begleitung eines gewaltigen Bullen, der das Männliche in Reinkultur verkörpere. Es ist klar, dass er, der langweilige Anzugtyp, dessen Versuche, „männlich“ zu sein, allesamt anmaßend bis lächerlich wirken, diesem Idealbild krass widerspricht; aber auch die Handwerker, die an dem Haus arbeiten, sind erbärmliche Gestalten: ungehobelt, dumm, uncharmant. Erst in dem Phantomtischler stehen körperliche Stärke, Intelligenz und Einfühlsamkeit (einmal bittet er Alice im weißen Anzug zum Tanz) anscheinend in einem ausgewogenen Verhältnis, das Männlichkeit erst aus- und ihn somit für Alice interessant macht. Aber die bedingungslose Liebe führt selten ins Glück, den Menschen ohne Makel gibt es nicht.

THE CARPENTER ist ein sehr ungewöhnlicher, überraschend eigenständiger Thriller, der viele interessante Denk- und Deutungsansätze bietet – die Parallelisierung von Haus und Geist müsste den oben angerissenen Themenkomplexen noch hinzugefügt werden -, sich aber nicht dazu versteigt, diese alle wirklich zu Ende zu denken. Er ist eben auch ein Exploiter, ein kleiner Genrefilm, der nebenbei auch noch ein paar krude Effekte und ein knalliges Ende liefern muss, um sein Publikum zufriedenzustellen. Der schon während des Films aufkeimende Verdacht, dass die vielen Fäden unmöglich zu einem befriedigenden Schluss zusammengeführt werden, bestätigt sich, ohne dass dies der Freude über diesen ungewöhnlichen Film einen Abbruch täte. Am Schluss setzt es Kintopp: Die Leichen der vom Tischler entsorgten Menschen stapeln sich, Alice erkennt, dass auch diese Beziehung zum Scheitern verdammt ist. Zusammen mit dem Haus zerstört sie auch den Tischler und kann fliehen, in eine ungewisse Zukunft. Klar ist nur eins: In diesem Haus wohnt Alice nicht mehr.

Für das Magazin „Reveal“ enttarnt der Journalist John Baxter (Tony Roberts) gemeinsam mit seiner Kollegin Melanie (Candy Clark) und dem Wissenschaftler Eilliott West (Robert Joy) zwei Trickbetrüger, die die Kulisse des berüchtigten Amityville-Spukhauses nutzen, um Ahnungslosen das Geld für ihre inszenierten Seancen aus der Tasche zu ziehen. Dabei verliebt sich John sogleich in das alte Haus und weil es für einen Spottpreis zu haben ist, kauft er es kurzentschlossen. Die merkwürdigen Phänomene, die seine Mitmenschen danach in Angst und Schrecken versetzen, tut er mit der gelassenen Geste des Rationalisten ab. Bis seine Tochter (Lori Loughlin) ums Leben kommt …

Als jemand, der noch keinen Film der AMITYVILLE-Reihe gesehen hat (mit der Verarsche des ersten Teils in einem MAD-Heft war mein Bedarf gestillt), bin ich vielleicht nicht der Richtige, um die folgende Behauptung aufzustellen: Das Potenzial war bereits mit dem ersten Teil mehr als erschöpft, es hätte keiner weiteren Fortsetzungen mehr bedurft. Fleischers in 3D gedrehter dritter Teil, wahrscheinlich ein Freundschaftsdienst für Dino De Laurentiis, der an dem schnurstracks auf die 70 zugehenden Regisseur festhielt als gäbe es sonst keine Filmemacher, ist schlecht, aber auf eine gänzlich unaufregende Art und Weise. Die stimmungsvolle Eröffnungsszene verspricht noch kompetent gefilmten Hochglanzgrusel, danach fällt AMITYVILLE 3-D leider einem unfokussierten Drehbuch zum Opfer, das mit Banalitäten langweilt, sich ewig Zeit lässt, ohne irgendwohin zu führen, nur um gegen Ende, wenn irgendein Höhepunkt vonnöten ist, in Hektik und Konfusion zu verfallen. Die unheimlichen Szenen sind entweder von vornherein nicht unheimlich (laufende Wasserhähne: uiuiui), inszenatorisch schlecht umgesetzt (der Tod von Johns Kollegin und seiner Tochter) oder werden von den mäßigen visuellen Effekten torpediert: AMITYVILLE 3-D scheint fast ein Lehrstück dafür zu sein, Filmstudenten zu zeigen, wie man es nicht macht. Wie ich eben sagte: Der Film ist keine totale Katastrophe, die Schauspieler (u. a. Meg Ryan in ihrer ersten größeren Filmrolle) und die ordentlichen Production Values (eben bis auf die Effekte) halten bei der Stange, verhindern ein totales Versumpfen, aber sieht man es als gegeben, dass so ein Film eigentlich spannend sein sollte, dann wurde das Ziel hier meilenweit verfehlt.