Mit ‘Gene Saks’ getaggte Beiträge

Der Zahnarzt Julian Winston (Walter Matthau) gaukelt seiner viele Jahre jüngeren Geliebten Toni (Goldie Hawn) vor, verheiratet zu sein, um sich nicht an sie binden zu müssen. Ein Selbstmordversuch Tonis bringt einen Sinneswandel und weitere Komplikationen, denn das Versprechen Julians, sich scheiden zu lassen, reicht ihr nicht. Sie will seine Ehefrau kennen lernen. Dem Zahnarzt gelingt es, seine Praxisassistentin Stephanie Dickinson (Ingrid Bergman) dazu zu überreden, sich vor Toni als seine Gattin auszugeben …

Nach dem Erfolg seiner Theateradaption von THE ODD COUPLE kehrte Regisseur Gene Saks mit einer weiteren Verfilmung eines erfolgreichen Broadway-Stücks zurück. CACTUS FLOWER handelt von der Doofheit der Männer in Beziehungsdingen, von der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit, die Männer mit jüngeren Geliebten normal findet, Frauen, die sich mit jungen Männern umgeben, aber als unpassend, von der Liebe zwischen Gleichaltrigen und natürlich vom Aufblühen einer vermeintlich alten Jungfer, eben der Kaktusblüte. Wie schon beim Vorgänger ist CACTUS FLOWER stark dialoglastig und im Wesentlichen auf zwei, drei Handlungsorte reduziert. Die drei Hauptdarsteller füllen ihre stark klischierten Rollen mit Leben, allerdings ohne den Stoff dabei in der Form aufzuwerten, wie das dem Traumpaar Matthau/Lemmon gelang. Das größte Problem von CACTUS FLOWER ist wohl, dass er sehr vorhersehbar ist und in seiner Charakterzeichnung eigentlich genauso vorurteilsbehaftet, wie er das selbst kritisiert. Matthau gibt den egoistischen Deppen, den seine Manipulationen einholen, Hawn das kuhäugige Naivchen, dqw ohne es mitzubekommen die Pläne ihres Geliebten durchkreuzt (und am Ende ziemlich unsanft abserviert wird), die Bergman die etwas strenge, aber patente Singledame, die im Zuge der sich vollziehenden Turbulenzen aufblüht und allein deshalb die Richtige für ihren Chef ist, weil sie mit ihm das Alter teilt. Die Sympathien gehören ihr, aber ihre finale Verbindung mit dem Protagonisten ist eher das Ergebnis schöpferischen Willens, als dass sie sich wirklich aus den Charakteren ergibt. Was sie an Winston findet, bleibt unklar, ebenso wie seine Beweggründe, Toni den Laufpass zu geben.

Trotzdem fallen ein paar hübsche Szenen und Dialoge ab. Am besten gefallen hat mir der Lokalkolorit des Manhattan der späten Sechziger, als sich sogar die Spießer in hippiesken Clubs wiederfanden und dort zusammen mit den cool cats eine flotte Sohle aufs Parkett legten. Toll ist auch Jack Weston als Patient Winstons, der sich von diesem als Dickinsons neuer Geliebter anheuern lässt und seiner eigentlichen Herzdame, einem dümmlichen Hippiemädchen, weismacht, er sei CIA-Agent. Insgesamt ein netter Film, der seine Momente, aber eben auch dieselben Probleme hat wie THE ODD COUPLE: Ich mag diese verlaberten, auf den Punkt gescripteten Boulevard-Komödien und ihre Filmadaptionen einfach nicht besonders. Auch hier habe ich mir immer wieder gewünscht, die Charaktere mögen doch mal ihre Klappe halten und den Film sich entfalten lassen.

the odd couple (gene saks, usa 1968)

Veröffentlicht: Juli 25, 2015 in Film
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OddCouple_USWCNach Billy Wilders THE FORTUNE COOKIE agierten Jack Lemmon und Walter Matthau in Gene Saks‘ THE ODD COUPLE zum zweiten Mal gemeinsam vor der Kamera. Die Verfilmung eines erfolgreichen Broadway-Theaterstücks von Neil Simon war mit den beiden Typen so kongenial besetzt, die Chemie der beiden so ansteckend, dass Saks kaum mehr machen musste, als das Stück eins zu eins auf das Medium Film zu übertragen. Ein paar Szenen auf der Straße und in diversen Kneipen, Geschäften und einem Bowlingcenter lockern etwas auf, ansonsten spielt der Film zu 95 % in der Wohnung von Oscar Madison (Walter Matthau). Der sieht sein Lotterleben als geschiedener Mann dahinschwinden, als er seinen frisch von seiner Gattin verlassenen, akut selbstmordgefährdeten Kumpel Felix Ungar (Jack Lemmon) bei sich einziehen lässt. Fortan ist Schluss mit Kippengestank, spritzenden Bierdosen und gammeligen Sandwiches: Felix wirbelt als herrische Hausfrau durch Oscars Heim und treibt alle mit seinem Sauberkeitsfimmel in den Wahnsinn, von seinen sonstige Marotten mal ganz abgesehen.

THE ODD COUPLE wirkt heute nicht nur aufgrund seiner eher biederen Inszenierung etwas altmodisch: Der Witz des Films liegt natürlich nicht zuletzt darin, dass die Freundschaft der beiden Heteros sich schleichend in eine eheähnliche (bzw. homosexuelle) Beziehung verwandelt, und die geschmackssichere Verschämtheit, mit der diese wahrlich skandalöse Idee präsentiert wird, ist durchaus vielsagend. Auch wenn THE ODD COUPLE von den geschmacklichen Entgleisungen moderner Krawallkomödien mit ihren homophoben Pimmelwitzchen meilenweit entfernt ist und für seine Zeit betrachtet durchaus als liberal und progressiv angesehen werden darf: Er findet die Vorstellung, dass ein Mann kocht und Wert auf Sauberkeit legt, einfach urkomisch. Nicht nur in dieser Hinsicht kann THE ODD COUPLE seine bürgerlich-boulevardeske Herkunft kaum verleugnen: Auch dramaturgisch wird alles ganz sauber aufgelöst, jeder Satz bekommt eine passende Antwort, jede Szene ihr spiegelbildliches Gegenstück. Am Schluss wird das ganze Figureninventar noch einmal in der Wohnung Oscars versammelt und die alte Ordnung wieder hergestellt. Trotzdem ist Saks‘ Film sehenswert, und das liegt eben am Zusammenspiel von Matthau und Lemmon und dem Zeit- und Lokalkolorit von New York in den späten Sechzigerjahren. Es ist ein Ort der grummeligen Käuze, die sich mit der stinkenden Zigarre im Mundwinkel zum Pokern in der mit Fotos alter Baseballheroen behangenen Wohnung ihres Kumpels niederlassen und beim Essen im Diner mit der nicht mehr ganz taufrischen Kellnerin zu flirten. Auch wenn die pfeilschnellen Dialoge manchesmal zu sehr die spitze Feder Neil Simons verraten: Es fallen doch einige herzliche Gags dabei ab. Und keine Szene hat mich in den vergangenen Monaten mehr zum Lachen gebracht als jene, in der Felix in einer Kneipe mit seltsamen Lauten versucht, seine verstopften Ohren zu öffnen.