Mit ‘George Peppard’ getaggte Beiträge

Roger Zelazny gehört zu den großen und vor allem produktiven Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts. Er wurde vielfach ausgezeichnet und inspirierte etliche Autoren dazu, in seine Fußstapfen zu treten. Was er wohl zur Verfilmung seines gleichnamigen Romans sagte? Oder wenigstens darüber dachte?
DAMNATION ALLEY stammt aus dem Jahr 1977 und fügt sich thematisch auch gut in die in diesem Jahrzehnt neu aufkeimende Angst vor dem nuklearen Holocaust, aber während der knapp 90 Minuten fühlt man sich eher in die Fünfzigerjahre zurückversetzt oder aber in ein Autokino verfrachtet, in dem ein billig runtergekurbeltes Schlockfilmchen aus der Schmiede von Al Adamson, Ted V. Mikels oder Bert I. Gordon die Zungenküsse des Auditoriums untermalt. Zugegeben, Regisseur Jack Smight dürfte ein deutlich höheres Budget zuer Verfügung gehabt haben, was am Ende dabei herauskam, ist aber ähnlich käsig – und amüsant.

Nachdem mehrere Raketen mit Atomsprengköpfen in den Großstädten der USA eingeschlagen sind, macht sich eine vierköpfige Delegation von Überlebenden aus einer Raketenbasis im Südwesten auf zur Ostküste, von wo man ein regelmäßges Notisgnal auffängt. Auf dem beschwerlichen – in einem geilen Panzerwagen zurückgelegten – Weg haben Denton (George Peppard), Tanner (Jan-Michael Vincent) und Keegan (Paul Winfield) nicht nur mit dem aus den Fugen geratenen Wetter zu kämpfen, sondern auch mit riesigen Skorpionen, Killerkakerlaken und natürlich marodierenden Halsabschneidern …

Bemerkenswert an DAMNATION ALLEY ist neben seinem Einsatz farblich verfremdeter Hintergründe, die den Film zum Konsum unter LSD-Einfluss prädestinieren, vor allem der Anfang: Smight läst sich relativ viel Zeit, die atomare Katastrophe zu schildern, mit Leichtigkeit die spannendsten 20 Minuten des Films. Denton und Tanner treten ohne jede böse Vorahnung ihren Dienst an, scherzen mit den Kollegen, nehmen ihre Befehle entgegen und werden dann mit der Nachricht konfrontiert, dass Raketen im Anflug sind. Sie lösen den Gegenschlag nach Lehrbuch und ohne eine Miene zu vrziehen aus, dann beobachten sie auf dem Kontrollbildschirm gemeinsam mit den anderen wie um sie herum die Welt untergeht. Es ist die Beiläufigkeit, mit der das alles passiert, die erschüttert. Der Gedanke, die Welt würde genau so untergehen, schwebte damals (und auch noch im Folgejahrzehnt) durch die Köpfe und äußerte sich dann eben in absolut nüchternen Darstellungen wie dieser. Damit es aber nicht zu deprimierend wird, begibt sich DAMNATION ALLEY schon im unmittelbaren Anschluss in die Gefilde des Camp: Mäßig überzeugend ins Bild kopierte Skorpione lassen an den seligen TARANTULA denken, Dialoge gaukeln Tiefe vor, wo doch nur Plotholes sind, die ästhetische Gestaltung ist hoffnungslos unsubtil. Der episodische Handlungsverlauf gehört zum Roadmovie dazu, aber nur selten ist die Montage der einzelnen Tableaus so dermaßen arhythmisch wie hier. Dass das Ende des Films wie vom Himmel fällt, der Film einfach aufhört und dabei auch noch zwei seiner Protagonisten völlig außen vor lässt, ist da nur folgerichtig.

Wenn man Käsequark dieser Art zu goutieren weiß, verläuft auch die Sichtung von DAMNATION ALLEY nicht ohne Schmunzeln und Vergnügen. Die Dialogzeile „This city is infested with killer cockroaches“ aus dem Munde George Peppards jedenfalls darf durchaus als Poesie gelten. Die wenig überzeugenden Effekte und die Netzhaut-ablösende visuelle Gestaltung hatte ich ja schon gewürdigt. Der nach awesomeness dürstende Genrefan freut sich außerdem über den geilen Panzer (auf den auch auf diegetischer Ebene alle total versessen sind): Die Einstellungen kurz vor Schluss, in denen ein deutlich als solches zu erkennendes Modell in der Badewanne, äh, in der Sintflut treibt, machen zudem berechtigte Hoffnung, dass irgendwann bei eBay mal ein überteuertes Spielzeug auftauchen könnte. Und wem das alles noch nicht reicht, dem sei gesagt, dass George Peppard einen Schnurrbart trägt. Eben.

 

 

Der intergalaktische Tyrann Sador (John Saxon) hat es auf den Planeten Ak’ir abgesehen, der von einem kleinen Völkchen pazifistischer Naivilinge bewohnt wird. Sieben Tage Zeit gibt er ihnen für die Kapitulation (warum eigentlich?), bevor er sie vernichten wird. Der Jüngling Shad (Richard Thomas) wird von seinen Landsleuten auf die Reise geschickt, um eine Armee zu rekrutieren, die ihnen im Kampf gegen Sador beistehen soll. Mit sechs tapferen Kriegern kehrt er zurück: der Waffenexpertin Nanelia (Darlanne Fluegel), dem alten Haudegen Cowboy (George Peppard), dem eiskalten Söldner Gelt (Robert Vaughn), dem Echsenmenschen Cayman (Morgan Woodward) und seinen beiden Aliens, der Amazone Saint-Exmin (Sybil Danning) und schließlich Nestor, eine sechsköpfige Gruppe telepathisch begabter Klone, die sich ein Bewusstsein teilen …

John Sayles schrieb das Drehbuch zu Roger Cormans Low-Budget-Space-Oper und verlegte John Sturges Western-Klassiker THE MAGNIFICENT SEVEN (bzw. Kurosawas THE SEVEN SAMURAI) in ein buntes, natürlich von STAR WARS inspiriertes Universum, dem James Cameron dann mit seinen visuellen Effekten und Bauten preisgünstige, aber effektive und ansehnliche Gestalt verlieh. Auch zu diesem Film liest und hört man die obligatorischen Geschichten von Eierkartons und anderem Verpackungsmüll, die Eingang in die Kulissen gefunden haben sollen: Ich frage mich aber mittlerweile, ob das nicht eine im Stille-Post-Verfahren aufgeblähte Urban Legend ist – erstens, weil sie schon von Mitwirkenden von FORBIDDEN WORLD und GALAXY OF TERROR erzählt wurde, zweitens weil man als Zuschauer vergeblich nach Belegen für diese Behauptung Ausschau hält. Auch BATTLE sieht so erstaunlich gut aus, wie ein Film mit einem Budget von knapp 2,5 Millionen Dollar (mehr hatte Corman zu diesem Zeitpunkt nie ausgegeben) gerade noch aussehen darf, ohne dass man Schwindelei vermuten muss. Sayles augenzwinkerndes Script und die im vollen Bewusstseins der Campiness des Films agierenden Schauspieler garantieren, dass der Film auch dann seine Würde nicht verliert, wenn er an seine Grenzen stößt. Vor allem Sybil Danning, deren beeindruckende Oberweite den Kampf gegen ihre Kostüme nur ganz knapp verliert (Richard Thomas erzählt im Bonusmaterial sichtlich belustigt von den diversen helfenden Händen am Set, die immer damit beschäftigt waren, die in die Freiheit strebenden Nippel der Danning wieder an den für sie vorgesehenen Platz zu schieben), leistet Großes, absolviert ihre Rolle als Kriegeramazone Saint-Exmin mit genau dem Ernst, der großen Camp ausmacht. Hauptdarsteller Richard Thomas und sein Love Interest Darlanne Fluegel versehen ihr romantisches Liebespärchen mit kulleräugiger Ergriffenheit, John Saxon frisst seine Szenen als ginge es um sein Leben, George Peppard gibt den knuffigen Onkel und einzig Robert Vaughn scheint darüber zu sinnieren, was mit seiner Karriere schief gegangen ist – was aber wiederum perfekt für seine Rolle ist.

Leider kann Murakami die einzelnen tollen Bestandteile nicht zu einem reibungslos funktionierenden großen Ganzen zusammenfügen. BATTLE bleibt irgendwie steif und episodisch, entwickelt nie den Sog, mit dem solche Stoffe den Zuschauer im Idealfall für sich einnehmen. Die einzelnen Episoden stehen so nebeneinander, echte Spannung will sich einfach nicht einstellen, stattdessen wirkt der Film – komisch bei so viel buntem Schabernack – immer etwas gedrosselt, vernünftig und diszipliniert. Das mag auch an den geistigen Vorbildern liegen, die ja auch ganz klar strukturiert waren: Aber die hatten wenigstens ausgearbeitete Charaktere, während für Murakamis Pappenheimer meist eine Eigenschaft ausreichen muss. Ich fand BATTLE gestern leider vor allem ermüdend, aber das mag auch an mir gelegen haben. Bis auf Weiteres kann Cozzis STARCRASH den Platz auf dem Thron Corman’scher STAR WARS-Rip-offs weiter für sich beanspruchen. Dessen Wahnsinn lässt ihn die Grenze zur Avantgarde überschreiten, BATTLE bleibt leider immer im Rahmen. Sofern man es noch nicht als elementaren Konventionsverstoß erachtet, dass der Held in einem weiblichen Raumschiff rumfliegt, dass laut Eccentric Cinema aussieht wie ein „plucked turkey – sportin a woman’s bosom“.

EDIT: Computerfachmann und -historiker Stefan Höltgen klärte mich eben darüber auf, dass die Kamera, die für die Spezialeffektsequenzen  eingesetzt wurde, die erste war, die vollständig von einem Computer gesteuert wurde. Wer sich für solche technischen Details interessiert, findet in Stefans Blog „Simulationsraum“ einen Ausgangspunkt für weitere Recherchen, und zwar hier.