Mit ‘Gerard Butler’ getaggte Beiträge

551687Es ist schon seltsam: Wenn man sich auf einschlägigen Filmseiten umschaut, scheinen sich Filmfans nichts sehnlicher zu wünschen als buntes, großes, naives Entertainment, wie es Steven Spielberg und Konsorten in den Achtzigerjahren in Reihe zu produzieren pflegten. Doch wenn dann ein Film wie GODS OF EGYPT daherkommt, der eigentlich genau das bietet, dann hagelt es Spott und Verrisse. Der 140 Millionen teure Spaß von Alex Proyas ging an den Kinokassen heftigst baden, spielte in den USA noch nicht einmal ein Viertel seiner Kosten wieder ein – ein Desaster. Mit Sicherheit ist dieses miserable Abschneiden unter anderem auf das Fehlen jenes Staraufgebots zurückzuführen, das die Marvel-Verfilmungen regelmäßig aufzubieten pflegen, auch dass der Film nicht auf eine beliebte Vorlage verweisen kann, dürfte ihm in dieser Zeit nicht als Originalität, sondern als Mangel ausgelegt worden sein. Aber so nachvollziehbar sein kommerzielle Versagen vielleicht auch ist, es stimmt doch etwas traurig: GODS OF EGYPT liefert eine Extraportion überkandidelter Bilder, knallt einem die spektakulären Set Pieces um die Ohren, dass es nur so eine Art hat, und erzählt seine Geschichte mit jener perfekten Mischung aus fabulierfreudigem Enthusiasmus und milder Selbstironie, die ein solcher Stoff braucht, um dem Vorwurf des Zynismus mit pantherhafter Grazie zu entgehen.

GODS OF EGYPT ist so einer dieser Filme, die regelmäßig erboste Wortmeldungen von humorbefreiten Fachidioten, hier: Ägyptologen, nach sich ziehen, die sich dann beschweren, das irgendwas historisch total verfälscht dargestellt wurde, aber damit nur zeigen, wie wenig Spaß sie verstehen. Die Prämisse von GODS OF EGYPT ist tatsählich herrlich bescheuert: In Ägypten, der Wiege der Menschheit, leben die ca. drei Meter großen Götter mit den Menschen in friedlicher Eintracht. Der Himmel ist endlos weit und petrolblau, gewaltige Städte mit goldenen Prachtbauten und gigantischen Pyramiden erheben sich von den Inseln im Nil, die Topografie des Landes bietet genauso Platz für karge Wüsteneien wie für monolithische Gebirge mit ehrfurchtgebietenden Wasserfällen und Urwälder voller bizarrer Pflanzen. Und über all dem zieht Sonnengott Ra (Geoffrey Rush) auf seinem gläsernen Himmelsschiff seine Bahnen, zieht die Sonne hinter sich her und ballert jede Nacht dem gefräßigen Dämon Apophis einen vor den Latz, auf dass er die Erde in Ruhe lasse. Eben will der weise Osiris (Bryan Brown) seinen Sohn Horus (Nikolaj Coster-Waldau) zum neuen Gottkönig ernennen, da schneit sein Bruder, der missgünstige Set, (Gerard Butler) herein, tötet Osiris und rupft Horus die Augen heraus. Es liegt an dem sterblichen Bek (Brenton Thwaites), Horus die Augen zurückzugeben und ihm im Kampf gegen Set beizustehen, der sich anschickt, alle Götter umzubringen und Ägypten ins Chaos zu stürzen.

Das ist alles natürlich total Banane, aber es spielt nicht wirklich eine Rolle, weil es einfach Spaß macht, sich von Alex Proyas in diese Welt entführen zu lassen. Der Regisseur, nach 20 Jahren im Business immer noch ein Geheimtipp, versteht es, die einzelnen Episoden zusammenzuhalten und seine Figuren nicht zu Spielbällen der Effekte verkommen zu lassen. GODS OF EGYPT als „charakterzentriert“ zu bezeichnen, wäre sicherlich zu viel der Ehre, aber es ist schon auffallend, dass es immer die Motivationen der Figuren sind, die in all dem Gewirbel und Gewusel die Richtung vorgeben. Der etwas lethargische Horus ist ein toller Held, der auch noch ein Sequel rechtfertigen würde, dass er nach dem Versagen dieses Films wohl eher nicht bekommen wird. Schade. Und das Pärchen aus Bek und seiner geliebten Zaya (Courtney Eaton), die auch der Tod nicht trennen kann, ist so zuckersüß, dass man ihm glatt noch länger beim Lächeln zusehen möchte. Und dann ist da ja auch noch Horus‘ Partnerin Hathor (Elodie Yung), die sich einfach nicht auf das Klischee des exotisch anmutenden Eye Candys reduzieren lassen möchte und ebenso beharrlich wie erfolgreich gegen die dahingehenden Bemühungen des Drehbuchs ankämpft. Proyas macht viele kleine Sachen richtig, die in anderen Filmen regelmäßig in die Binsen gehen. Den meisten wird das nicht aufgefallen sein, weil sie gekommen sind, um großes Effektkino zu sehen. GODS OF EGYPT liefert auch hier, aber er kann sich nicht merklich von seiner Konkurrenz abheben. Und er orientiert sich natürlich stark an den Klassenbesten der letzten Jahre. Ohne die Erfolge der Marvel Studios gäbe es auch diesen Film nicht, dessen Ikonografie ein wenig an die Asgard-Episoden aus den THORFilmen erinnert, der auch in seinen zahlreichen Kampfszenen natürlich mit einem Auge auf die beliebten Superheldenkeilereien schielt. Im direkten Vergleich musste Horus in der Gunst des durchschnittlichen Kinogängers wohl einfach den Kürzeren gegen Iron Man, Captain America und Konsorten ziehen.

Mir hingegen, der hier seit Jahren im Clinch mit den Marvel-Filmen liegt, hat gerade der Verzicht darauf, hier irgendeine Form der Relevanz oder sonst einer Bedeutung herbeizukonstruieren, enorm gefallen. Die generelle Nachlässigkeit, mit der Proyas seine Story behandelt, finde ich sehr sympathisch: Warum sollte man sich das Hirn dabei verrenken, einer Story zu folgen, die doch für jeden von vornherein ganz klar als Tinnef, als Mittel zum Zweck enttarnt werden kann, wenn es doch in erster Linie darum geht, sich an den Bildern zu erfreuen, über fremde Welten und Kreaturen zu staunen, dem nächsten Set Piece entgegenzufiebern? INDIANA JONES AND THE TEMPLE OF DOOM kam damals auch gut ohne vorgeschobene Ambitionen aus und noch nicht einmal die unzähligen Anschlussfehler taten dem Vergnügen einen Abbruch. Nur Spielverderber und geistige Schrebergärtner lästern bei GODS OF EGYPT über eine „dumme Story“ oder „seelenlose CGI“. Alle anderen freuen sich darüber, jenen Eskapismus zu bekommen, der diesen Begriff tatsächlich verdient – und nebenbei einen Film zu bekommen, der cleverer ist als viele jener Werke, die heutzutage so als „intelligent“ durchgewunken werden.

300-movie-posterZehn Jahre ist es jetzt schon wieder her, da war Snyders 300 der Film, den man sehen musste, wenn man mitreden wollte. Ich weiß noch, wie mich der Trailer damals angefixt, die Vorfreude ins Unermessliche gesteigert hatte. Im Netz diskutierte man sich bereits die Köpfe heiß, ob dieser Film nicht Kriegstreiberei und Interventionspolitik glorifiziere, gar eine faschistoide Gesinnung erkennen lasse. Als ich damals aus dem Kino kam, fühlte ich mich aber nicht provoziert, sondern lediglich massiv enttäuscht, und zwar nicht, weil ich einsehen musste, dass die Kritiker Recht gehabt hatten, sondern weil ich 300 wider Erwarten vor allem sehr, sehr langweilig fand. Ich kann das heute durchaus noch nachvollziehen: Snyders Filme haben generell immer etwas Niederdrückendes, und das Staunen über die atemberaubenden Bildwelten, die er entwirft, trägt selten über die volle Laufzeit, irgendwann fühlt man sich erschöpft, ermüdet von diesem Gestaltungswillen, der jede Spontaneität im Keim erstickt.So bin ich auch heute noch der Meinung, dass seine Adaption der Graphic Novel von Frank Miller mit 120 Minuten Laufzeit ein gutes Stück zu lang geraten ist.

Aber 300 ist trotzdem ein ziemlich faszinierender Film, visuell sowieso, aber gerade auch, wenn man die Diskussion, die er damals entfachte, bei der heutigen Sichtung mitberücksichtigt. Klar, Miller wird eher nicht als großer Liberaler in die Geschichte eingehen, er fetischisiert den Krieg und die gestählten Körper der Spartaner, das Gerede von Ehre, Opferbereitschaft, Unbeugsamkeit und vom „beautiful death“, den zu sterben sich lohne, und weckt damit reichlich ungute Assoziationen; aber genauso wie man dem Film oben genannte „faschistoide Gesinnung“ unterstellen könnte, eignet er sich dazu, genau das Gegenteil in ihm zu erkennen. Die kriegslüsternen Spartaner um König Leonidas (Gerard Butler) sind nicht gerade Sympathiebolzen in ihrer Todessehnsucht und ihrem lebensfeindlichen Reinerhaltungsgedanken (die bunt gemischten Perserhorden sind ein richtiger Karneval dagegen), und mehr als einmal stellt man sich als Zuschauer, angeregt durch Snyders Inszenierung, die Frage, ob eine Kapitulation vor den Persern denn wirklich so schlimm wäre und ob eine „Freiheit, für die man Hunderte von Menschenleben opfern muss, und eine Zivilisation, die auf Drill, Folter und Abhärtung basiert, überhaupt erhaltenswert sind.

In Erinnerung bleiben wird 300 fraglos für den Aufwand, der betrieben wurde, die Panels von Millers Vorlage nahezu originalgetreu in Filmbilder zu übersetzen. Ästhetisch ist Snyders Film auch zehn Jahre später noch immens eindrucksvoll, auch wenn nicht zuletzt der Regisseur selbst diesen Stil im Anschluss weiter verfeinert hat. Die sepia-goldene Farbgebung, aus der allein die roten Umhänge der Spartaner hervorstechen, sowie das göttliche Licht, das alles zu illuminieren scheint, betonen den mythologischen Charakter der Geschichte um die todesmutige Schlacht Weniger gegen eine Übermacht, legen gewissermaßen den Nebel der Jahrhunderte über die Bilder, zur gleichen Zeit aber auch ihre krasse Körperlichkeit bloß. 300 ist gleichermaßen anziehend und verführerisch wie abstoßend in seiner Ästhetisierung von Gewalt und Tod, er fühlt sich in seinen besten Momenten tatsächlich an wie vom Geist des antiken Spartas beatmet (zumindest des Spartas, das er da selbst zeichnet): monolithisch, schroff und grausam, aber von der luziden Klarheit schneidender Schmerzen. Die Szenen um die daheimgebliebene Königin Gorgo (Lena Headey) und den schmierigen Verräter Theron (Dominic West) tragen zwar in ihrer Klischiertheit dazu bei, dass man sich als Zuschauer nicht ganz fremd fühlt in dieser fremden Welt, aber mindern damit auch den Impact, den 300 gerade in seiner frontalen Attitüde entfalten könnte. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, denn der archaische Blut- und Schlachtenrausch, in den man da gestürzt wird, ist für zivilisierte Gemüter sowieso schon schwer genug zu verarbeiten.

 

 

Olympus-Has-FallenIm Rennen um die Aufmerksamkeit musste Antoine Fuquas Presidentsploitationer zwangsläufig gegen Roland Emmerichs nahezu zeitgleich gestarteten WHITE HOUSE DOWN verlieren. Die Frage, ob das gerechtfertigt war, beantworte ich vielleicht, wenn ich letzteren irgendwann mal sehen sollte, für den Augenblick beschränke ich mich auf die Feststellung, dass mir OLYMPUS HAS FALLEN als überraschend heftiger, Neunzigerjahre-Retro-Actioner viel Spaß gemacht hat, man aber merkt, dass Fuqua sich in weniger aufgeblasenen, ultrapatriotischen Fahnenschwenkern deutlich mehr zu Hause fühlt. Sowohl BROOKLYN’S FINEST, THE EQUALIZER als auch SHOOTER muten persönlicher und eigenständiger an, weniger auf einen nationalhygienischen Zweck hin modelliert, der in OLYMPUS HAS FALLEN in schöner Regelmäßigkeit für Augenrollen sorgt. Aber ich ahne, dass das in Emmerichs WHITE HOUSE DOWN wahrscheinlich alles noch viel schlimmer ist, zumal der sich nicht so auf die Inszenierung krachender Shootouts versteht wie Fuqua es ohne Frage tut. Aber die Eroberung des Weißen Hauses, bei der zahlreiche nationale Symbole effektreich zerstört werden und die in dem mit aller zur Verfügung stehenden Computerpower manipulierten Bild des vom Dach flatternden, zerfetzten Star Spangled Banner kulminiert, die hätte auch Hollywoods Lieblingsschwabe kaum masochistischer und dramatischer in Szene setzen können.

OLYMPUS HAS FALLEN ist, auch das macht ihn meiner Meinung nach interessant, zwischen Traditionsbewusstsein und Aktualitätsbestreben hin- und hergerissen. Der Präsident ist hier, anders als bei Emmerich, der Jamie Foxx als an Obama angelehntes Staatsoberhaupt besetzte, ein Weißer (Aaron Eckhart als liberaler Benjamin Asher), der mit seiner kumpeligen Attitüde an Bill Clinton denken lässt. Das Plotkonstrukt mit dem allein auf weiter Flur kämpfenden Spezialisten erinnert frappierend an die ersten beiden DIE HARD-Filme, die Schurken hingegen sind die Nazis bzw. Russen der Gegenwart, nämlich Nordkoreaner, und die Action wechselt von mit CGI aufgepimpten, ausufernd-bombastischen Schlachtgemälden hin zum brachialen, reduzierten Mann gegen Mann, das schon den Western auszeichnete. Richtig geil ist OLYMPUS HAS FALLEN immer dann, wenn er sich seinem Protagonisten, dem ehemaligen Leibwächter des Präsidenten Michael Banning (Gerard Butler), an die Fersen heftet, ihn bei seiner Infiltration des von Feinden besetzten Weißen Hauses begleitet und ihn dabei beobachtet, wie er die Schurken mit äußerster Rücksichtslosigkeit plattmacht. Durchaus untypisch für ein Eventmovie dieser Größenordnung geizt OLYMPUS HAS FALLEN nicht mit heftigen Brutalitäten: Die Kopfschüsse sind nicht zu zählen, auch Messerattacken richten sich mit Vorliebe gegen den Hals oder den Schädel der Opfer, und wenn mal keine Waffe zur Hand ist, wird eben kurzerhand das Genick gebrochen. In Hinblick auf das Sujet des Films darf man das durchaus als Warnung potenzieller Terroristen verstehen: Wer sich am Nationalheiligtum vergreift, hat keine Barmherzigkeit zu erwarten. Gerard Butler ist mit seinem Bulldoggengesicht und dem aufgepumpten Body eine ideale Besetzung für den treuen Staatsdiener, der etwas gut zu machen hat – in der Eröffnungsszene misslingt es ihm, die First Lady (Ashley Judd) nach einem Autounfall vor dem Tod zu bewahren, was ihm seinen Job kostet und ihn vom Präsidenten und dessen Sohn entfremdet –, geht seiner Aufgabe mit vollem Körpereinsatz nach und blutet dabei fast so schön wie einst Bruce Willis.

Neben der patriotischen Onanie des Films und der Ernsthaftigkeit, mit der dieser würzige Käse ausgebreitet wird, als handele es sich dabei um die neue Declaration of Independence (die finale Ansprache des Präsidenten, der potenzielle Aggressoren mithilfe wohlklingender Buzzwords wie „unity“, „strength“, „heroes“, „dignity“ und natürlich „God“ darüber aufklärt, dass die Bevölkerung der USA im Ernstfall eine vereinte, unnachgiebige Front bilde, ist gewiss der Tiefpunkt des Films) ist es vor allem der reichlich selbstzweckhaft komplizierte Plan der Schurken, der Kritik verdient: Sie dringen ins Weiße Haus ein und entführen die drei Ranghöchsten Staatsdiener, um von ihnen die Codes zur Aktivierung des „Cerberus-Programms“ zu erpressen, mit dessen Hilfe sämtliche Atomraketen und mithin die Selbstverteidigung des Landes gegen einen nuklearen Erstschlag lahmgelegt werden sollen. Man sollte meinen, dass die Terroristen das auch etwas einfacher hätten haben können, wenn sie doch schon so weit ins politische Herz der Nation vorgedrungen waren. Aber natürlich ist das Spielchen so etwas spannender, gibt es dem Helden überhaupt erst die Zeit, etwas gegen die Feinde auszurichten. Und wie gesagt: Wie er da aufräumt, das macht Spaß und dürfte aus meiner Sicht durchaus als Vorbild für weitere großbudgetierte, gewalttätige Retroactioner herhalten. Besser als die letzten beiden EXPENDABLESFilme, die sich diese Aufgabe eigentlich auf die Fahnen geschrieben haben, ist OLYMPUS HAS FALLEN sowieso.

In einer nicht allzu fernen Zukunft wird die Welt vom Programmierer Ken Castle (Michael C. Hall) „beherrscht“, dessen Spielkreationen Millionen von Menschen weltweit begeistern. Derzeit bricht er mit „Slayers“ alle Rekorde, einem Egoshooter, in dem die Spieler echte Todeszellen-Insassen steuern. Der Held von „Slayers“ ist Kable (Gerard Butler), der von dem jugendlichen Supergamer Simon (Logan Lerman) gesteuert wird und sich langsam aber sicher der in Aussicht gestellten Begnadigung nach 30 erfolgreich absolvierten Runden nähert. Doch dann schalten sich die „Humanz“ ein, eine Widerstandsgruppe, die Castle stürzen will und sich dafür die Dienste von Kable sichern möchte …

Neveldine/Taylor haben zuletzt mit dem ziemlich tollen CRANK 2 gezeigt, dass man ihren visuellen Einfallsreichtum nicht unterschätzen sollte, und auch ihr neuester Film GAMER scheint zuerst auf einer Bildidee zu basieren: Wie wäre es, wenn man einen Film wie einen Egoshooter inszenierte? Von diesem Ausgangspunkt aus scheint sich der Plot wie von selbst zu ergeben: die Spielfiguren, die echte Menschen sind, die Zukunft, in der Menschen von einem Programmierer versklavt werden, der Zocker, der das Spiel auf den transparenten Wänden sieht, die ihn umgeben, und so selbst Bestandteil des Spiels wird. Neveldine/Taylor wollen keine lange Überzeugungsarbeit leisten, sie wollen ihre Zuschauer überrumpeln mit ihren Bildideen, die ihnen alles sind. GAMER könnte manchem Kritiker als geeignetes Beispiel für die These herhalten, das am modernen Actionkino etwas nicht stimmt: In rasender Geschwindigkeit prasseln Informationsfragmente auf den Zuschauer ein, reiht sich visueller Effekt an visuellen Effekt, bis man komplett die Orientierung verloren hat. Doch das hat nicht nur eine erzählerische Funktion.

Neveldine/Taylor legen GAMER stilistisch als Antwort auf Stones NATURAL BORN KILLERS an, der ähnlich hemmungslos im Einsatz visueller Mittel war und damit versuchte, die Reizüberflutung, die ein Fernsehzuschauer über sich ergehen lässt, abzubilden. Und wo Stones Film in seiner Kritik irgendwann als zynischer Spießer rüberkam, da schließen sich Neveldine/Taylor nahtlos an, auch wenn sie sich hinter schrillem Humor verstecken. Bei mir endete die Freude am Film in dem Moment, in dem einer der Spieler des anderen Spiels des Films – einem „Sims“-Ableger namens „Society“, in dem wie bei „Slayers“ echte Menschen gelenkt werden – als monströser, schwitzender Riesenfettsack und chronischer Masturbant gezeichnet wird. Hier unterscheiden sich Neveldine/Taylor in ihren Ressentiments kaum noch vom gemeinen BILD-Leser, der ja auch hinter jedem Internet-User einen Kinderschänder und hinter jedem Zocker einen Amokläufer vermutet. Auch wenn man annehmen darf, dass Neveldine/Taylor anderes im Sinn schwebte: Für mich ging es von diesem Moment an bergab mit GAMER. Und da auch seine Story im weiteren Verlauf einen sattsam bekannten Weg einschlägt, der der ambitionierten formalen Gestaltung diametral entgegensteht, reicht es für mich hier nur zu einer durchschnittlichen Bewertung.