Mit ‘Gilbert Moses’ getaggte Beiträge

Es wird wahrscheinlich nicht Siebzigerer als hier (vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass ich CAN’T STOP THE MUSIC schon gesehen habe): Ein lausiges Basketballteam avanciert unter der Führung einer Astrologin und eines kleinen Jungen zur Sportsensation und zum Meister – natürlich nicht, ohne auf ein scheußliches Glitzertrikot umzusteigen, den Hallenboden mit einem psychedelischen Fischmotiv zu verschandeln und mit einem Heißluftballon zu Discomusik zum Endspiel zu gleiten. So ganz habe ich nicht verstanden, was das soll.

Das Team der Pittsburgh Pythons erlebt auf dem Basketball Court ein Debakel nach dem nächsten. Die Spieler sind hoffnungslos zerstritten, bekämpfen sich mehr gegenseitig, als dass sie es dem Gegner schwermachen. Trainer und Manager sind ratlos und werden schließlich gemeinsam mit den Problemspielern entlassen, um dem Plan des Balljungen Tyrone (James Bond III) zu folgen: Er rekrutiert die Astrologin Mona Mondieu (Stockard Channing) und formt mit ihr ein Team aus Spielern, die wie der Star Moses Guthrie (Julius Erving) ausschließlich dem Tierkreiszeichen „Fische“ angehören. Die Bande von vermeintlichen Versagern – u. a. der Sitzriese Setshot (Jack Kehoe), der Indianer Winston Running Hawk (Branscombe Richmond), der Stumme Bullet (Malek Abdul-Mansour), der Pfarrer Grady Jackosn (Meadowlark Lemon) und das Zwillingspaar Benny und Kenny Rae (Dwayne & Darryl Mooney) – brennt vom Start weg eine absolutes Feuerwerk ab und schafft es bis zum Endspiel: Bei dem plötzlich aber die Astrologin Mona abwesend ist …

Angeblich genießt der Film einen kleinen Kultstatus aufgrund seines Disco-Soundtracks und der Tatsache, dass diverse damalige Basketballprofis – u. a. der Hauptdarsteller Julius Erving und Kareem Abdul-Jabbar – sowie lokalen Fernseh- und Politikgrößen zu sehen sind (Ken Foree übrigens auch). Wem das nicht ausreicht, der kann sich noch am Zeit- und Lokalkolorit sowie am reinen Kuriositätenfaktor erfreuen. Ich will dem Film eine gewisse muntere Kurzweil gar nicht absprechen, aber wirklich berührt oder gar mitgerissen hat mich das alles nicht. Worin genau der Geniestreich eines Teams aus Fischen nun genau besteht, dafür kann und will der Film keine Antwort liefern: Wir müssen ihm einfach glauben, dass die Pisces aufgrund dieser Tatsache nahezu unschlagbar sind. Zugegeben: Es wäre wahrscheinlich zwecklos, eine solch hirnrissige Idee irgendwie unterfüttern zu wollen, aber so wirkt das alles völlig willkürlich, zumal die tatsächlichen Fähigkeiten der Spieler nach ihrer Vereinigung als Team gar keine Rolle mehr spielen. Auch die Durchsetzung der absurden Idee, die ja noch dazu von einem kleinen Jungen kommt, verläuft problemlos. Überhaupt ist auffällig, dass der ganze Film nach seinem Auftakt bis zum großen Finale völlig ohne Konflikt auskommt. Noch nicht einmal das zum Schreien hässliche Trikot stößt auf Kritik, sondern darf sich ungeteilter Begeisterung gewiss sein. Diese Harmonie, der Glaube, dass so ein bisschen Spiritualität uns alle weiterbringt, ist wahrscheinlich neben Look und Feel und Sound das, was den Film am deutlichsten in seiner Zeit verortet. Faszinierend ist das schon irgendwie. Aber vielleicht ist „suspekt“ der bessere Begriff dafür.

 

Keiner der superbekannten Blaxploitation-Filme – dafür fehlte ihm vielleicht einer der großen Namen des Genres in der Hauptrolle -, aber definitiv einer der interessanteren. Regisseur Gilbert Moses erzählt die Geschichte vom Fall und der Läuterung des titelgebenden Zuhälters und er kommt dabei sowohl ohne überzogene Glorifizierungen einerseits als auch ohne moralische Dämonisierung andererseits aus.

Willie Dynamite (Roscoe Orman) ist ein New Yorker Pimp, mit seinen sieben Klassepferdchen die Nummer eins der Stadt – und er träumt davon, „dem Leben“ irgendwann einmal entfliehen zu können. Den Plan seiner Wettbewerber, sich gegenseitig abzusichern, lehnt er als Branchenführer ab, der Polizei, die darauf aus ist, ihn in den Knast zu bringen, lacht er ins Gesicht. Das Blatt wendet sich zu seinen Ungunsten, als die Sozialarbeiterin Cora (Diane Sands) Pashen (Joyce Walker) kennen lernt, Willies neueste Errungenschaft, und sich in den Kopf setzt, das Mädchen von der Straße zu holen …

WILLIE DYNAMITE „bedient“ das Blaxploitation-Publikum mit seinen grellen Pimp-Outfits, dem typischen jive talk und Willies überzeichnetem Gegenspieler Bell (Roger Robinson), einem Klischeeschwulen, der mit lackierten Fingernägeln und raumgreifenden Gesten zu Gewerkschaft der Pimps aufruft. Dem Treiben der Zuhälter, die ihren Bräuten eine güldene Zukunft versprechen, die wartet, wenn sie nur brav zu Daddy sind, steht er aber nur anfänglich kritiklos gegenüber. Die Dynamik des Films ändert sich merklich als Cora auftritt und gemeinsam mit der Polizei einen verbissenen Kampf gegen Willies Imperium aufnimmt. Moses gelingt eine schöne Mischung Action und Drama aus comichafter Stilisierung und authentischer Milieuzeichnung. Sein Film ist eine melodramatischere, idealistischere Version von Parks‘ SUPER FLY: Konnte dessen Protagonist am Ende zumindest vorübergehend obsiegen, liegt Willies Existenz als Pimp in Trümmern. Doch dafür sieht er als neuer Mensch auch einer neuen Zukunft entgegen, einer Zukunft, die nicht auf der Ausbeutung seiner Schwestern gegründet ist.

Im Mittelpunkt des Films steht nicht etwa Roscoe Orman, auf den ich glich noch zu sprechen komme, sondern Diane Sands: Den Feuereifer, mit dem Cora für ihre Überzeugung kämpft, macht Sands (u. a. THE LANDLORD) zu ihrem eigenen. Vielleicht wirkt sie auch deshalb so überzeugend, weil sie während der Dreharbeiten eine eigene Schlacht zu schlagen hatte. Sie litt an Krebs und erlebte die Uraufführung des Films nicht mehr: Sie verstarb mit nur 39 Jahren. Roscoe Orman vollzieht den Wechsel vom manipulativen Arschloch zum geläuterten Hoffnungsträger ebenfalls sehr glaubwürdig. Seine Karriere verlief kaum weniger überraschend als die seines filmischen Alter egos: Er landete einige Jahre nach WILLIE DYNAMITE bei der SESAME STREET, der er über 40 Jahre lang erhalten blieb. Blaxploitation-Mainstay Thalmus Rasulala hat eine nichtssagende Rolle, dafür reißt Roger Robinson alle Szenen, die er hat, mit Verve an sich. Unter den Damen in Willies Stall befinden sich einschlägig bekannte Aktricen wie Juanita Brown oder Judith Brown, die hier aber auf den Status von Eye Candy reduziert werden. Erstklassig ist auch der Score inklusive des schmissigen Titelsongs. Eine runde Sache und um Längen besser als so etwas wie SLAUGHTER.