Mit ‘Giuliano Gemma’ getaggte Beiträge

3119311148_aa4f03e2f3Als Fulci diesen Italowestern drehte, da war selbst die durch Castellaris KEOMA eingeleitete Renaissance schon wieder passé. Aber mit dem Dreck, dem Nihilismus, den kaputten Helden und den sadistischen Schurken, die man mit DJANGO und seinen Ahnen verbindet, hat SELLA D’ARGENTO eh nur wenig zu tun. Vielmehr lässt er Fulcis Liebe für den klassischen Hollywood-Western und überhaupt das amerikanische Kino erkennen (ich fühlte mich etwas an Hathaways NEVADA SMITH erinnert)- und wirkt damit mehr als etwas anachronistisch.

Als Junge erschießt Roy Blood den Mörder seiner Vaters, einen der Männer des schurkischen Thomas Barrett. Viele Jahre später reitet er, nun ein gutaussehender Mann (Giuliano Gemma), ziellos durchs Land und hinterlässt, wie uns der melancholische Titelsong berichtet, eine Leichenspur. Ein Mordauftrag, den ihm der Halsabschneider Two-Strike Snake (Geoffrey Lewis) vermittelt und den er widerwillig annimmt, erweist sich als Falle und bringt ihn mit dem kleinen Thomas (Sven Valsecchi) zusammen, dem Neffen von Barrett (Ettore Manni). Der Wunsch, seinen Vater zu rächen, kollidiert mit väterlichen Gefühlen für den kleinen Jungen, dessen Familie er nicht zerstören will …

SELLA D’ARGENTO ist handwerklich über jeden Zweifel erhaben, was vor allem die kürzlich erschienene HD-Version deutlich macht, die die die von der Sonne ausgedörrten Bilder und die wunderschönen, spannungsreichen Bildkompositionen voll zur Geltung bringt. Aber irgendwie wollte der Funke einfach nicht überspringen. Fulcis Film ist sichtlich in dem Vorhaben gefertigt, großes Kino zu machen, nicht nur für eine beschränkte Zielgruppe, sondern buchstäblich für die ganze Familie. Die wenigen Härten – es gibt einige blutige Einschüsse zu bewundern – hat man damals, vor rund 40 Jahren, halt so mitgenommen, ansonsten steht die Freundschaft zwischen dem Revolverheld, dem man den skrupellosen Killer nicht so wirklich abnimmt, und dem blonden Jungen im Vordergrund, reiten die beiden in einem eher lustigen als kitschigen Ende gar zusammen in die Sonne, Blood auf seinem stolzen Hengst, der kleine Thomas auf einem niedlichen Zwergpony. Das ist nicht per se zu verurteilen, aber mir fehlten dann doch die Aha-Momente, die Brüche, die ungewöhnlichen Ideen, mit denen Fulcis Werk sonst geradezu gespickt ist. Nette, gediegene Abendunterhaltung, aber nicht mehr. VIelleicht hätte ich den Film auch nicht zur Mittagszeit schauen sollen.

ritorno_di_ringo_giuliano_gemma_duccio_tessari_005_jpg_xrjmEin Beispiel für die vielen filmischen Schmankerl und Liebesdienste, die dem Besucher in Nürnberg – sei es beim Terza Visione oder den Hofbauer-Kongressen – geboten werden: IL RITORNO DI RINGO, der in Deutschland in zwei unterschiedlichen Fassungen ur- und wiederaufgeführt wurde, wurde für diese Aufführung in einer mit beträchtlichem Aufwand rekonstruierten Version gezeigt. Um die bestmögliche Bildqualität zu bieten, wurde die leicht gekürzte deutsche Fassung, die in einer sehr gut erhaltenen Kopie vorlag, mittels einer ungeschnittenen, leider aber rotstichigen Fassung vervollständigt. So kamen die Besucher in den Genuss des intakten Films, ohne dabei allzu große Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Tessaris Film hat es verdient, denn er gehört ohne Zweifel zu den stärksten und ungewöhnlichsten Filmen seines Genres.

Die Geschichte ist ein Amalgam aus Corbuccis DJANGO und Leones PER UN PUGNO DI DOLLARI: Ein namenloser Soldat (Giuliano Gemma) kommt aus dem Krieg nach Hause und erkundigt sich nach einem Ringo, der im Nachbarort Mimbres leben soll. Er erfährt, dass Ringo gefallen sei und dessen Gattin nun kurz vor der Eheschließung mit einem Sohn des schurkischen Esteban Fuentes (Fernando Sancho) stehe, der Mimbres ganz in seiner Gewalt hat. Der Soldat – von dem wir ahnen, dass es sich um jenen Ringo handelt – verkleidet sich als Mexikaner und begibt sich nach Mimbres, um seine Gattin, seinen Grundbesitz und seine männliche Würde zurückzuerobern und den Ort von den Verbrechern zu befreien.

Wie Christian Kessler in seinem Italowestern-Buch „Willkommen in der Hölle“ richtig schreibt, handelt es sich bei IL RITORNO DI RINGO um eine Art Westernvariante der alten Odysseus-Geschichte. Es ist mithin kaum verwunderlich, dass Tessaris Film eher dem mythisch Überhöhten statt dem Kurzweilig-Knalligen verpflichtet ist. Ringo ist wie ein Geist, der noch einmal die Gelegenheit bekommt, sich anzusehen, was von seiner alten Existenz übrig geblieben ist: nichts. Wenn im weiteren Verlauf des Films der Wunsch nach Rache in ihm heranreift, bekommt IL RITORNO DI RINGO eine heftige Schlagseite zum psychosexuellen Drama. Kämpft Ringo wirklich um seine alte Liebe oder geht es ihm nicht doch nur darum, seine Autorität als Kerl wiederherzustellen, seine Kastration rückgängig zu machen und seinen alten Platz als Alphamännchen von Mimbres wieder einzunehmen? Man weiß es nicht genau, das Schlussbild, dass eine naive Herzchenzeichnung zeigt, in der einige Messer stecken, ist vielseitig intepretierbar, lässt durchaus die Möglichkeit offen, dass hier längst nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Mal ganz davon abgesehen, dass Ringo mit seinen Helfern ein wahres Massaker unter den Fuentes angerichtet hat.

Auch wenn IL RITORNO DI RINGO mit seinem ausgedehnten Showdown am Schluss in recht genreübliche Bahnen gelenkt wird, bleibt doch der Eindruck eines besonderen Vertreters des Italowesterns. Duccio Tessari inszeniert überaus geduldig, fast zärtlich ist es, wie er seinen Helden bei der Hand nimmt, und ihn an seine alte Wirkungsstätte führt. Mimbres entpuppt sich weniger als Höllenloch denn als Jenseitsort, durch den ständig ein Windhauch zieht, der herumliegendes Heu mit sich trägt; die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm hat sich dort breitgemacht. Der erste Höhepunkt des Films ist die Wiederbegegnung von Ringo und seiner Ehefrau, bei der die alte, tot geglaubte Liebe sofort zu neuem Leben erwacht: ein Moment, der sich dank Ennio Morricones Score in nicht für möglich gehaltene emotionale Höhen emporschwingt. Später, während der wüsten Schlussballerei, gibt es ebenfalls einen wunderschönen, ruhigen und abgründigen Moment, wenn sich der verwundete Held von seiner kleinen Tochter die Waffe laden lässt und die Ruhepause nutzt, das Eis mit einem kleinen Scherz zu brechen. In diesen Szenen fällt die Maske des Nihilismus, hinter der der Italowestern sein wahres Gesicht oft verbarg, und entpuppt sich darunter als hoffnungslos sentimental und melancholisch. Ein Jahrhundertfilm, den auch die deutsche Synchro, die irgendwann anfängt, dem Helden idiotische One-Liner in den Mund zu legen, nicht kaputt bekommen hat.

Das Bedürfnis heutiger Filmproduzenten, dem Publikum möglichst ein Rundum-Sorglos-Entertainment-Paket zu schnüren, ihm Filme zu liefern, die gleichzeitig komisch, romantisch und spannend sind, also die unterschiedlichsten Bedürfnisse befriedigen, zeitigt meist kreative Totgeburten: Filme, die allen gefallen wollen, gefallen meist niemandem so richtig. Umso erstaunlicher ist Comencinis DELITTO D’AMORE, dem das Kunststück gelingt, in jeder Sekunde ein ganzes Spektrum emotionaler Regungen hervorzurufen – und dabei dennoch nie zerfahren oder unentschlossen zu wirken, sondern einfach nur … lebendig und wahr.

DELITTO D’AMORE spielt in einer norditalienischen Stadt. An seinem Fabrikarbeitsplatz lernt der Norditaliener Nullo Bronzi (Giuliano Gemma) die schöne Sizilianerin Carmela Santoro (Stefania Sandrelli) kennen. Nachdem sie ihm zunächst – ganz tiefreligiöse Süditalienerin – die kalte Schulter zeigt, überrascht sie ihn wenig später mit einem eindeutigen Liebesgeständnis. Doch Nullos anschließende Bemühungen, eine feste Beziehung mit der wankelmütigen Carmela zu etablieren, werden gleichermaßen durch kulturelle Differenzen wie durch die Vorurteile ihrer beider Familien erschwert. Für die Italiener aus dem Norden sind die Süditaliener unkultiviert, faul und rückständig, und die Süditaliener wiederum halten ihre Landsleute aus dem Norden für verwöhnt, arrogant und unmoralisch. Beide Seiten übersehen in ihrer Feindschaft jedoch, dass sie einen gemeinsamen Gegner haben, dem ihre Zwietracht sehr in die Karten spielt: die herrschende Klasse, die sie in menschenunwürdigen Jobs ausbeutet und sie in kläglichen Umständen kaserniert. Die Liebe zwischen Carmela und Nullo wird am Ende nicht durch ihre kulturellen Differenzen, sondern durch einen grausamen Schicksalsschlag zerstört, hinter dem die kapitalistische Gier steht …

DELITTO D’AMORE bringt zwei auf den ersten Blick unvereinbar scheinende Genres zusammen: die Romantic Comedy auf der einen und das politisch motivierte Drama auf der anderen Seite. Comencinis Film lässt sich duchaus als geschickte Verbindung des US-Tearjerkers LOVE STORY und Elio Petris Arbeiterdrama LA CLASSE OPERAIA VA IN PARADISO beschreiben: Ersterem entlehnt er die Liebesgeschichte zweier gegensätzlicher Charaktere und den tragischen Schicksalsschlag, letzterem den klassenkämpferischen Impetus und das Milieu. Doch sowohl die tränendrüsendrückenden Elemente von Hillers Schmachtfetzen wie die niederschmetternd-pessimistische Weltsicht von Petris Film werden durch einen feinen Humor abgemildet. Wie man das aus dem im Folgejahrzehnt blühenden Buddy Movie und eben US-RomComs kennt, ist die kulturelle Differenz zwischen der komplexbeladenen Carmela und dem verzweifelt werbenden Nullo Ursprung einer zwar nicht schnenkelklopfenden, aber doch kaum leugbaren Komik. Doch bevor der Film zur Farce verkommt, wird die Leichtfüßigkeit der Geschichte immer wieder durch harsche Zwischentöne ausgehebelt. Als Carmela Nullo einmal bittet, ihn aus der norditalienischen Industrietristesse an einen Ort zu bringen, an dem die Sonner scheint, verschlägt es die beiden an einen vor Verschmutzung schäumenden Fluss, dessen Ufer von Müllbergen und Tierkadavern gesäumt sind. Die Fotografie von Luigi Kuveiller und das Produktionsdesign des späteren Scorsese-Kollaborateurs Dante Ferretti trägt erheblich zur tiefen Traurigkeit des Filmes bei: Es wird nie richtig hell, alles liegt unter einer undurchdringlichen herbstlichen Dunstglocke, die Häuser sind etwa verfallen und dreckig oder scheußliche Betonklötze, die draußen vor der Stadt aus dem Boden gestampft wurden (die Wohnung der Bronzis in einem dieser Hochhäuser ist von oben bis unten gekachelt). Boten des Todes durchziehen DELITTO D’AMORE: Der Hausmeister der Fabrik bemüht sich vergebens, ein kleines Blumenbeet zu pflegen, kann angesichts der Rauchbelastung jedoch immer nur tote Pflanzen wegräumen, und Nullos und Carmelas erwähnter Ausflug endet damit, dass beide eine handvoll Singvögel beerdigen. Einer Kirche, in die sich die beiden Liebenden vor einem Wolkenbruch flüchten, sieht, ganz aus hässlichem Sichtbeton gebaut, selbst aus wie eine Fabrik oder ein Krematorium. (Es ist wirklich ein erschütterndes Bild, das der Film von den Siebzigerjahren zeichnet.) Und dann ist da dieses herzzerreißende Ende: Auch wenn man Comencini vorwerfen mag, den Bogen zugunsten seiner Botschaft hier etwas zu überspannen, verfehlt es seine Wirkung doch nicht und ist angemessen bizarr.

DELITTO D’AMORE ist trotz seiner unverkennbaren, bekannten Einflüsse ein absolut eigenständiger Film, gleichermaßen beseelt von der Einsicht in die Absurdität des menschlichen Daseins wie vom Wissen über das Wesen des Kapitalismus. Camus und Marx vereint in einem Film, dessen größte Errungenschaft jedoch nicht Zynismus, sondern Liebe ist. Das transzendentale Glück mag in dieser Welt für Nullo und Carmela unerreichbar sein, aber in ihrer Liebe wäre es ihnen dennoch möglich, ihr Leid zu überwinden. Sie ist ja alles, was sie haben …

 

 

TENEBRE war immer einer meiner liebsten Filme Argentos. Warum, kann ich heute, nach wiederholter Sichtung, gar nicht so genau sagen. Wahrscheinlich war es nicht ganz unbedeutend, dass TENEBRE im Gegensatz zu SUSPIRIA, INFERNO oder auch PROFONDO ROSSO nicht eine ganz so frenetische Schar von Bewunderern um sich geschart hatte. Der Film bedeutete für Argento eine Rückkehr zu den Giallos, mit denen er sich einen Namen gemacht hatte, ist aber noch deutlich aufgeräumter und wohl auch ein Stück zugänglicher als diese. Der ganze Film ist deutlich im Gegensatz zu seinem Titel geradezu auffallend sonnig und auch wenn sich die Leichen am Ende bis an die Decke stapeln, wird er nie wirklich grimmig oder gar unangenehm. Die freundliche Art von Franciosas Protagonist Peter Neal (eine Falle!), die Höflichkeit von Gemmas Detective Germani und der spitzbübische Charme, mit dem John Saxon seinen Literaturagenten Bullmer versieht, prägen die Stimmung des Filmes wesentlich – mehr als es alle Axtmorde oder deviantes Verhalten vermögen. Einer meiner Lieblingsmomente ist dann auch keines der großen, „typischen“ Argento-Set-Pieces, sondern jene Szene, in der Bullmer seinem Klienten und Freund Peter Neal seinen neuen Hut vorführt: Auf die Frage Neals, ob der Hut ihm denn nicht ständig vom Kopf rutsche, beginnt er wie wild mit dem Kopf zu wackeln und fragt dann mit der Geste eines Zauberkünstlers, dem mit größter Leichtigkeit ein besonders verblüffender Trick gelungen ist: „See?“ Überhaupt John Saxon: Er hat hier eine dieser Giallo-Rollen, die für die Handlung komplett unwichtig sind, ist lediglich dazu da, erst einen möglichen Verdächtigen und dann ein Opfer abzugeben, aber er drückt dem Film mit seiner Handvoll Szenen seinen Stempel auf. Wie er da kurz vor seiner Ermordung auf einer Bank in der Sonne wartet, den Blick schweifen lässt und die Menschen um sich herum beobachtet, das Nichtstun zur Attraktion für den Zuschauer werden lässt: Das ist schon große Schauspielkunst.

TENEBRE ist (auch) Argentos Antwort auf die Kritikerstimmen, die ihm Frauenfeindlichkeit und Gewaltverherrlichung vorwerfen – und Peter Neal, Verfasser blutiger Detektivromane, sein Alter ego. Es ist Argentos selbstreflexivster Film und weist von daher stets über seinen eigenen Rahmen hinaus. Auch dann, wenn er ganz „bei sich“ zu sein scheint. Als Germani bei Neal auftaucht, ihn mit der Tatsache konfrontiert, dass eine Frau blutrünstig umgebracht und noch dazu mit Seiten aus Neals aktuellem Bestseller „Tenebre“ erstickt wurde, stellt Neal die Frage, ob Germani auch den Geschäftsführer von Smith & Wesson aufsuche, wenn jemand erschossen worden sei. Diese Frage ist zwar berechtigt, dennoch wirkt Neal nicht wirklich überzeugend, wie er sich da so einfach in die Defensive drängen lässt und mit einem fußlahmen Allgemeinplatz verteidigt. Auch später ist der sonst so gewinnende und sympathische Schriftsteller auffallend unkreativ, wenn es darum geht, seinen Kritikern zu antworten. So, als sei er noch nie auf die Idee gekommen, dass seine Romane Feministen auf die Barrikaden treiben könnte. Wenn man den ganzen Film gesehen hat, weiß man natürlich warum: Neal kann sich gegen die Vorwürfe der Misogynie deshalb nicht adäquat verteidigen, weil sie zutreffen. Er, ein schizophrener Killer, weiß es nur nicht. Und es ist ja tatsächlich fast so, als würde er erst durch den Kontakt mit Killer Nr. 1 des Films, dem von einem Messiaskomplex getriebenen Fernsehmoderator Cristiano (John Steiner), auf sein im Inneren schwelendes zerstörerisches Potenzial gestoßen. Was sagt das über Argento aus? Hier ist jemand am Werk, der sich mit großer Lust dem „Mord als schöner Kunst“ verpflichtet hat, der aus einem verborgenen inneren Impuls heraus und mit „perverser“ Obsession die Vernichtung des Schönen selbst als einen Akt der Schöpfung von Schönheit inszeniert. Aber bei diesem Geständnis bleibt Argento nicht stehen. Der Zuschauer liebt es schließlich, ihm beim Ausleben seiner Triebe zuzusehen. Das spiegelt auch die Diegese von TENEBRE mit ihren zahlreichen lustvoll-verängstigten Blicken und in Angstlust gelähmten Zeugen. Und auch die beiden Mörder inspirieren sich mit ihren Taten gegenseitig: Der eigentliche Copycat-Killer geht dem „echten“ Mörder voraus, entnimmt dessen Buch die Anregung für seine eigenen Morde, und erinnert den dann an seine vergessene Begabung.

Über PROFONDO ROSSO hatte ich geschrieben, dass er sehr klar sei, den Zuschauer nicht mit faulen Tricks hinters Licht führe – und trotzdem zutiefst befremdlich und labyrinthisch. Auf TENEBRE trifft das noch mehr zu. Sonnendurchflutet und von auskunftsfreudigen, freundlichen Charakteren bevölkert wirkt er so klar und buchstäblich luzide, dass man gar nicht bemerkt, mit einem Rätsel konfrontiert zu sein. Alles liegt ganz offen da, trotzdem wird man auf dem falschen Fuß erwischt. Man könnte erahnen, was einem bevorsteht, würde man sich genau ansehen, wie es den zahlreichen Zeugen des Filmes ergeht: Sie sehen, ohne zu verstehen und ohne das Unausweichliche abwenden zu können.