Mit ‘Glenn Ford’ getaggte Beiträge

Wer mich kaufen will, kann das dieser Tage gleich dreifach:

Schon etwas länger auf dem Markt, aber immer noch aktuell genug, um ihn hier zu würdigen ist die Blu-ray-Veröffentlichung von Ruggero Deodatos gottgleicher Poliotteschi-Quasi-Parodie EISKALTE TYPEN AUF HEISSEN ÖFEN via filmart. Gemeinsam mit Pelle Felsch habe ich das Vergnügen gehabt, einen Audiokommentar aufnehmen zu dürfen, in dem wir etwas über die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zur damaligen Zeit palavern. Alles garantiert unwissenschaftlich!

Etwas neuer ist der Filmkalender 2019 von Schüren, mit dem man das kommende filmische Jahr planen kann. Unter den Kurzaufsätzen, die den Kalender auflockern, befindet sich auch ein Porträt über Bud Spencer von mir.

Last but not least ist soeben die neueste Ausgabe des 35 MM Retrofilmmagazins erschienen, die unter dem Motto „Sommer – Sonne – Sumpf“ steht. Die große Hitzwelle scheint zwar (zum Glück) vorbei zu sein, wer davon aber nicht genug bekommt, findet auf den reich bebilderten Seiten sicheerlich sein Glück. Auch ich habe mich von den Temperaturen inspirieren lassen und mich in meiner Noir-Kolumne mit dem Fritz-Lang-Klassiker THE BIG HEAT befasst. Das Heft kann man hier bestellen.

Viel haben mir Freunde und Bekannte bereits über diesen Film aus dem Beyond-Belief-Bereich erzählt, der vor einigen Jahren von US-amerikanischen Filmarchäologen ausgegraben wurde und seitdem weltweit die Herzen der Freunde des abseitigen Kinos erfreut. STRIDULUM – oder DIE AUSSERIRDISCHEN wie er in Deutschland heißt – beim Mondo Bizarr in Düsseldorf auf großer Leinwand zu sehen, stellte gestern eine überaus passende Erstbegegnung mit diesem Absurdion dar.

Wo fange ich an? Vielleicht bei der Eröffnungsszene, in der John Huston als schwarze Silhouette im Vordergrund vor einer Rückprojektion ins Bild tritt, die einen psychedelischen Wasserfarbeneffekt und einen gelb strahlenden Sonnenball zeigt. Bei Franco Nero, der danach als Jesusersatz mit blonder Langhaarfrisur und weißem Kaftan zwischen glatzköpfigen Kindern sitzt und eine reichlich exzentrische Science-Fiction-Geschichte über den Kampf des kosmischen Guten gegen eine böse Macht namens „Satin“ erzählt. Bei erwähntem John Huston, der als Botschafter jener Guten meist auf einem Hochhausdach in Atlanta herumsteht, während seine glatzköpfigen Untergebenen hinter durchscheinenden weißen Leinwänden Schattenspiele machen. Bei Lance Henriksen, der wohlhabender Investor eines Basketballteams ist, eigentlich aber im Auftrag eines konspirativen Geheimbunds unter der Führung von Mel Ferrer einen Zögling Satins mit der schönen Barbara (Joanne Nail) zeugen soll. Bei Barbaras teuflischer Tochter Katy (Paige Conner), die im Stile eines intergalaktischen Damien alle über die Klinge springen lässt, die dem kosmischen Weltbeherrschungsplan in die Quere kommen. Bei Glenn Ford, der als Detective Jake Durham einen prachtvollen, nur schlecht überschminkten Herpes an der Unterlippe mit sich herumschleppt. Bei Doktor Sam Peckinpah, der Barbara die außerirdische Brut „wegmacht“. Bei Shelley Winters als seherisch begabtem Kindermädchen. Bei dem supergeduldigen Erzähltempo, das sich nur wenig für Zielstrebigkeit, dafür aber umso mehr für die Schaffung einer halluzinogenen Stimmung interessiert. Bei der famosen Fotografie, die auch die bescheuertsten Einfälle noch fantastisch aussehen lässt. Oder natürlich bei der Tatsache, dass es wahrscheinlich noch nie ein solch offenkundiges Rip-off eines erfolgreichen Hollywood-Films gegeben hat (Vorbild war ohne Zweifel Richard Donners THE OMEN), das dabei so wenig Interesse daran zeigt, die erfolgreich Schablone einfach nur zu adaptieren.

STRIDULUM ist ein esoterischer Science-Fiction-Fantasy-Horrorfilm, dessen Plot schon nach kürzester Zeit völlig in den HIntergrund tritt. Man könnte sicherlich Unfähigkeit Paradisis konstatieren, eine kohärente Geschichte nachvollziehbar und spannend zu erzählen, wenn die einzelnen Sequenzen nicht jeweils sehr überzeugend und fesselnd wären (die Eiskunstlaufszene! die gruselige Alien Abduction! das Vögel-Finale!) und man am Ende nicht völlig überraschend und gegen jede Erwartung eingestehen müsste, dass eigentlich gar keine Fragen offen bleiben. Ich weiß immer noch nicht genau, wie ich STRIDULUM treffend beschreiben soll. Er ist total singulär, ich kenne nichts Vergleichbares, aber er ist auch nicht offensiv auf Kuriosität gebürstet. Paradisi inszenierte ihn anscheinend in dem Bewusstsein, einen „normalen“ Genrefilm zu machen. Man erkennt das Vorbild, den Plot, die Dramaturgie, die einzelnen Set Pieces, man kann dem Ganzen kognitiv auch folgen, aber trotzdem ist das alles seltsam off. Ein gutes Beispiel ist die Szene, in der Barbara offenbart wird, was um sie herum geschieht: Der außerirdische Alleswisser Jerzy (John Huston) klopft da an ihre Tür, erklärt ihr so kurz, bündig und sachlich als ginge es um ihre Stromrechnung. dass kosmische Kräfte um die Weltherrschaft ringen und ihre Brut so eine Art Space-Luzifer ist, nur um sie mit dieser Information dann allein zu lassen. Wie reagiert die Querschnittsgelähmte? Indem sie minutenlang mit ihrem Rollstuhl im Kreis durch ihr ausladendes Wohnzimmer kurvt, dabei ein leidendes Wimmern von sich gibt, bevor sie sich dann endlich für ein Ziel entscheidet und aus dem Haus rollt. Was man in der Musik als Laut-Leise-Dynamik bezeichnet, das ist in Paradisis STRIDULUM eine Kurz-lang-Dynamik: Banalitäten werden nervenzerrend breit ausgewalzt, bis sie fremdartig und rätselhaft erscheinen, entscheidende Momente hingegen sind kurz und schmerzlos oder ereignen sich gar ganz im Off oder innerhalb eines Schnitts.

Ich kann noch nicht behaupten, total begeistert zu sein, dafür war ich gestern wohl einfach nicht in der optimalen Stimmung, aber faszinierend ist STRIDULUM auf jeden Fall. Mal sehen, was eine Zweitsichtung zutage fördert.

Virginia (Melissa Sue Anderson) gehört an ihrer vornehmen Privatschule zu einer elitären Clique, die sich Abend für Abend im Pub „Silent Lady“ trifft und sich dort neue Streiche ausdenkt, die die Schulleitung zur Weißglut treiben. Kurz vor Virginias 18. Geburtstag beginnt jedoch das große Sterben in der Cique. Ein Freund nach dem anderen verschwindet spurlos und Virginia, die infolge einer Hirnoperation immer noch an Amnesie leidet, befürchtet selbst für die Morde verantwortlich zu sein …

HAPPY BIRTHDAY TO ME stammt aus der Blütezeit des Slasherkinos und verfügt deshalb auch über sehr ordentliche Production Values, die ihn von vielen anderen Billigheimern des Genres abheben. Aber auch sonst stellt der Film eine Ausnahme von der Regel dar, weil Routinier Thompson am monotonen Stalk’n’Slash nur mäßig interessiert ist, HAPPY BIRTHDAY TO ME stattdessen als klassischen Whodunit inszeniert, bei dem lediglich die extravaganten Morde etwas aus dem Rahmen fallen und die Brücke zum modernen Horrorfilm schlagen. Hier fangen dann aber auch die Probleme an, denn die Story ist arg konfus und ergibt meines Erachtens überhaupt keinen Sinn, scheint vielmehr einzig daraufhin konstruiert zu sein, vom Zuschauer nicht durchschaut werden zu können. So gestaltet sich der Handlungsverlauf des 110-Minüters dann auch als munteres Verdächtigeraten: Jedes einzelne der Cliquenmitglieder bekommt seinen zwielichtigen Moment, darf kurz mal als potenzieller Mörder in Frage kommen, bevor es dann selbst entsorgt wird. In der Wahl seiner Mittel ist der Film dabei nicht zimperlich: So findet Virginia beim nerdigen Alfred etwa den abgetrennten Kopf der verschwundenen Bernadette, doch der entpuppt sich dann als realistische Skulptur, die Alfred geschmackloserweise angefertigt hat, um mit dem Tod der Freundin fertig zu werden.

Man ahnt anhand eines solch wüsten Einfalls schon, dass HAPPY BIRTHDAY TO ME sich letztlich vor allem in vordergründigen Details, wie der mondänen Kulisse, dem gemäßigten Tempo und dem ruhigeren Tonfall, von den krachigeren Schoten des Genres unterscheidet, in der Konfusion des Plots und der Charakterisierung seiner Protagonisten aber durchaus das ein oder andere bekannte Fettnäpfchen mitnimmt: Weder nimmt die „Elite“-Clique jemals als Gemeinschaft Gestalt an, noch spürt man als Zuschauer eine besondere Verbundenheit mit diesen Typen, die sich schon in der ersten Szene benehmen wie die kompletten Vollidioten, ein Rennen über eine sich öffnende Zugbrücke starten, sich dabei fast umbringen, aber trotzdem kein Verständnis dafür aufbringen, dass das irgendjemand nicht lustig findet. Wieder mal so ein Slasher also, bei dem es immer genau den Richtigen erwischt. Dieser sieht aber eine Ecke besser aus als die anderen Genrevertreter.