Mit ‘Greg McLean’ getaggte Beiträge

wolf-creek-2-mondo-posterMore of the same: Im australischen Backwood treibt Mick Taylor (John Jarratt) sein Unwesen, ein Redneck und Serienmörder, der es sich zum Ziel gemacht hat, sein Land von Touristen zu befreien. In der Nähe des titelgebenden Kraters greift er diesmal zwei Deutsche auf, das Pärchen aus Katarina (Shannon Ashlyn) und Rutger (Philippe Klaus). Erstere kann ihm entkommen und läuft geradewegs vor das Auto des Briten Paul (Ryan Corr), der nun von dem Killer quer durch die Einöde gejagt wird …

Greg McLean greift die (angeblich) wahre Geschichte eines britischen Australien-Touristen auf, der völlig aufgelöst von der Polizei aufgegriffen wurde, von der Konfrontation mit einem verrückten Touristenkiller erzählte und zurück in der Heimat in einer Nervenheilanstalt landete. Ansonsten unterscheidet sich das Sequel inhaltlich nicht wesentlich vom Vorgänger, mit der Ausnahme, dass es etwas mehr auf, ähem, „Fun“ ausgerichtet ist: Der Naturmystizismus, der in WOLF CREEK noch an eine lange australische Film-Tradition mit solchen Titeln wie WALKABOUT, PICNIC AT HANGING ROCK, THE LAST WAVE oder LONG WEEKEND erinnerte, wird hier außen vor gelassen, stattdessen rückt der sadistische Crocodile-Dundee-Verschnitt Taylor in den Mittelpunkt, der im Stile eines Slashers unerbittlich morden und seine Schandtaten nebenbei schwarzhumorig kommentieren darf. Schon der Auftakt, der ihn bei der Abrechnung mit zwei großkotzigen Streifenpolizisten zeigt (inkl. MAD MAX-Zitat), deutet die Neuausrichtung an: Aus der Identität des Mörders wird kein Geheimnis mehr gemacht und mit den beiden Arschgeigen, die ihm zum Opfer fallen, hat man nur mäßiges Mitleid – ist ja schießlich nur ein Film. Das ändert sich zwar ein wenig, wenn Taylor wenig später wieder harmlose Touristen ins Visier nimmt, aber seine Unerbittlichkeit nötigt einem dennoch Hochachtung ab. Er weiß, was er will und scheut bei der Verfolgung seines Ziels keine Mühen.

Der Überführung jener charakteristischen Slasher-Eigenschaft in einen etwas realistischeren Kontext und in die schier endlose Weite (und Leere) des australischen Outbacks verdankt WOLF CREEK 2 sein Gelingen als thrillride: Die Angst des zunehmend hoffnungslosen Ryan vor dem durch nichts abzuwimmelnden und mit äußerster Brutalität vorgehenden Jäger wird ebenso greifbar wie die tödliche Absurdität eines Raumes, der keinerlei Grenzen aufweist, aber gerade deshalb auch keinen Ausweg bietet. Am Ende muss sich Ryan dem Killer in dessen unterirdischem Verlies der bizarren Travestie einer Quizshow stellen und Fragen zur Geschichte Australiens beantworten. Es stellt sich heraus, dass der Mörder es auf „Ausländer“ abgesehen hat, die seine heimische Kultur mit Füßen treten – einer Kultur, mit der der Geschichtsstudent Ryan ironischerweise besser vertraut ist als Taylor selbst. Dieser Aspekt des Films wirkt ein wenig aufgesetzt, wie der Versuch, eine gewisse Tiefe oder Bedeutung in ihn hineinzulegen, obwohl er sich bis dahin damit zufriedengegeben hat, den Affekt zu bedienen. Taylor verliert umso mehr von seinem Schrecken, je mehr er redet. Und er redet ziemlich viel.

Langer Rede, kurzer Sinn: WOLF CREEK 2 scheint deutlich weniger ambitioniert als der Vorgänger. Er macht keinen Hehl daraus, dass es ihm in erster Linie darum geht, sein Publikum für 90 Minuten zum Kreischen zu bringen. Das gelingt ihm sehr gut, woran nicht zuletzt die garstigen Make-up-Effekte einen Anteil haben. Hier gibt es keine klinischen CGI-Gliedmaßen, stattdessen werden anatomisch genau geformte Gummiprothesen mit viel Körper- und Kunstbluteinsatz abgetrennt. Diese Ausrichtung mindert aber natürlich auch die Langzeitwirkung des Films: Wer mehr sucht als einen effektiven, aber auch ziemlich leeren Schocker, ist hier definitiv an der falschen Adresse.

Der Australier Ben (Nathan Phillips) unternimmt mit den beiden englischen Touristinnen Liz (Cassandra Magrath) und Kristy (Kestie Morassi) eine Tour zum Wolf Creek, einem riesigen Meteoritenkrater irgendwo im Niemandsland des australischen Outbacks. Als die drei von ihrer Wanderung zurückkommen, will ihr billig erstandener Gebrauchtwagen nicht mehr anspringen und sie sitzen fest. Zum Glück eilt nachts Hilfe in Form des etwas merkwürdigen, aber hilfsbereiten Einheimischen Mick (John Jarratt) herbei, der den jungen Leuten anbietet, sie zu seiner Bleibe zu schleppen und dort ihren Wagen zu reparieren. Die Gestrandeten willigen dankbar ein, ohne zu ahnen, dass sie ihre Entscheidung noch bitter bereuen werden: Mick ist ein Serienmörder, der Touristen gleich in Reihe umbringt …

Sweet Smell of Ernüchterung! Nachdem mir WOLF CREEK vor ein paar Jahren im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights ausgezeichnet gefallen hatte, war das gestrige Wiedersehen eine herbe Enttäuschung, die meine in den letzten Wochen und Monaten insgeheim für mich aufgestellte These, dass moderne (sprich: mehr oder minder aktuelle) Horrorfilme dem bei Erstsichtung verströmten Glanz bei weiteren Sichtungen nicht nur höchst selten noch etwas hinzuzufügen wissen, sondern diesen noch nicht einmal aufrechterhalten können, weiter festigt. WOLF CREEK gaukelt mit seiner eröffnenden Texteinblendung, die eine reale Begebenheit als Grundlage des Films angibt, Authentizität vor, kann aber im Verlauf des Films kaum verleugnen, dass auch dies lediglich nur eines der zahlreichen Mittel seiner Affektstrategie ist. Spätestens wenn im blutigen letzten Drittel auch noch das letzte Slasherfilmklischee ausgepackt wird, um die Spannung zu steigern, sich die vermeintlich lebensnahen Protagonisten plötzlich ebenso doof verhalten wie ihre dusseligen Pendants im xten FRIDAY THE 13TH-Sequel, der Killer wie Jason und Co. lustige Wiederauferstehungen feiert, markige One-Liner absondert und überhaupt an Orten auftaucht, an denen er eigentlich gar nicht sein dürfte, merkt man, dass es mit der Authentizität des Films nicht so weit her ist und man sich eigentlich in einem stinknormalen Scareflick befindet, der lediglich mit viel Politur auf ernst und fies getrimmt wurde. Das ist schade, weil WOLF CREEK durchaus über gute Ansätze verfügt, die aber kaum weiter verfolgt werden und nur Kosmetik bleiben. In der schönsten Sequenz des Films etwa, jenen letzten ruhigen Minuten vor dem Sturm, in dene die drei Hauptfiguren den titelgebenden Krater erkunden, ist McLeans Film unverkennbar vom Hauch des Naturmystizismus beatmet, der auch solche australischen Genrefilmen wie PICNIC AT HANGING ROCK, THE LAST WAVE oder LONG WEEKEND durchweht. Eine fremdartige Stimmung liegt in diesen Minuten über den Bildern, die  man auch in sicherer Entfernung vor dem Bildschirm noch spüren kann und die deutlich nachhaltiger beeindruckt als das schnöde Katz-und-Mausspiel, das den eigentlichen Höhepunkt des Films markieren soll. In den letzten Minuten entpuppt sich aber auch dieser positive Aspekt noch als leerer Style, wenn der letzte Überlebende in eine Sonnenfinsternis hineinstolpert, von der vorher nie die Rede war, die nur dazu da ist, um noch ein paar surreale Bilder zu liefern.

Mag sein, dass ich kleinlich bin, aber WOLF CREEK lässt einfach eine klare Linie vermissen: Für einen True-Crime-Film erlaubt er sich zu viele dichterische Freiheiten und Rückgriffe auf Stilmittel des rein fiktiven Genrekinos, die seine Glaubwürdigkeit massiv unterminieren. Was bleibt, ist ein nicht uneffektiver Terrorfilm, der glänzend besetzt und technisch ordentlich gemacht ist, sich aber aus der Masse vergleichbarer Filme nur marginal hervorhebt. Da lobe ich mir doch das – wie ich in den letzten Wochen bemerkt habe – aufgrund einiger zugegebenermaßen blöder Kommerzschoten viel zu schlecht beleumundete Horrorkino der Achtzigerjahre, dessen Vertreter sich noch viel häufiger trauten, eigene Wege zu gehen, und deren Stil deutlich weniger gleichförmig und trist, sondern von Kreativität, Spielfreude und einer ungebändigten Lust am Erfinden und Fabulieren geprägt war, die dann zwar auch mal geschmackliche Ausrutscher und idiotische Ideen produzierte, die man ihnen aber gern nachsah. Es wird jedenfalls Zeit, dass sich der nur noch nervtötende Zynismus und Nihilismus moderner Genrevertreter, den diese dann auch noch als „Realismus“ ausgeben, aber damit doch nur die eigene Ideenarmut und den Mangel an schöpferischer Vision kaschieren wollen, wieder verabschiedet und von einem konstruktiveren Gestus abgelöst wird. Den xten in Braun- und Sifftönen fotografierten Gewaltfilm, der mir erzählt, wie kaputt und schlecht die Welt ist, muss ich jedenfalls nicht mehr sehen. Ich hab’s begriffen, lebe schließlich auch auf diesem Planeten.